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Kein Ort Zum Verweilen

Der britische Bursche Jack Wilkinson, Jägerpilot bei der Royal Air Force, ist eine lebende Legende. Er kämpft heldenhaft für seine Liebste und für sein königliches Land gegen einen zermürbenden Aggressor, bis er mit seiner Spitfire im Ärmelkanal notwassert. Er findet sich auf einer Rettungsboje wieder und von da an erfährt er Hunger, Feindseligkeit, Verschleppung und Arbeitslager. Die Hoffnung, heil nach Hause zu kommen, schwindet mit jedem Tag.

Eine faszinierende Erzählung eines einfachen britischen Landburschen, die sich mit der Schlacht um England ereignete.

Marc Senn, geboren am 1. Juni 1984, lebt als Autor in Zürich. Im Jahr 2018 begann er Bücher zu schreiben. Er schreibt gerne in der Gattung Sachbuch und Roman. Sein erster Roman «MEINE FARBIGE SACHE» erschien 2021 im Verlag bei tredition.

Autorenwebsite unter www.msautor.ch

Die Karte in Farbe von England können Sie unter www.msautor.ch/WERKE herunterladen!

Für die heldenhaften Piloten
in der Schlacht um England

TEIL I

 

Er war ein britischer Kampfpilot und er saß seit drei Tagen im Ärmelkanal auf einer Rettungsboje der deutschen Luftwaffe fest. Er hatte gekämpft wie ein Fliegerass und war ein starker Mensch geworden. Aber auf diesem Hummerfangkorb, wie die Britten sie nannten, war das Leben nicht auszuhalten und er wurde müde und schwach. Der Bruchpilot war von seiner körperlichen Verfassung gezeichnet, denn er war verletzt. Er zog sich beim Aufprall schwere Prellungen zu, als er mit seiner Propellermaschine ins Meer stürzte. Um seinem rechten Arm lag sein Seidenschal, um die Blutung der Schnittwunde zu stoppen, die er sich beim Ausstieg aus dem Cockpit zugezogen hatte.

Der Bruchpilot verweilte am Rand des Schwimmkörpers und wartete seine Rettung ab. Er mochte den schönen Anblick des Tagesanbruches und die Sonnenstrahlen erwärmten ihn, denn in der nächtlichen Kälte fror und zitterte er am ganzen Leib. Das Einzige, was er besaß, war seine Uniform der Royal Air Force mit gelber Schwimmweste und ein paar Dokumente in seinen Taschen sowie eine Karte von Frankreich mit Koordinaten von feindlichen Stellungen. In der Hosentasche hatte er ein Sackmesser und am Gurt war ein Halfter mit einer Pistole. Sein Proviant, bestehend aus einer Packung Kekskomprimat und eine kleine Fleischkonserve sowie ein Flachmann samt Schwarztee mit einem Schuss Rum, war aufgebraucht. Sein Magen knurrte und plötzlich verspürte er Hunger auf ein gebratenes Hühnchen. Aber wenn er die Luft durch seine Nase tief einatmete, roch es nach Aloha. Der Duft brachte das Urlaubsfeeling von Nordsee, Meer, Strand und warmen Sommernächten. Aber dann wurde er abrupt in die Realität zurückkatapultiert und erinnerte sich an die missliche Lage, in der er steckte. Er saß auf dieser gelben Tonne, die im Meer sechzehn Kilometer vor der Küste Frankreichs durch die Wellen auf und ab wippte und gleich verspürte er wieder den Brechreiz wegen seiner Seekrankheit. Das Oberdeck war sein Reich und es erstreckte sich über vier Meter bei einer Breite von zwei Meter. In der Mitte befand sich ein schmaler, mannshoher Turm. Auf dem Dach war eine Antenne mit einer Signalleuchte montiert. Der Turm war beschriftet mit «Rettungsboje Generalluftzeugmeister» und gekennzeichnet mit Rotkreuzsymbolen. Am Oberdeck war die Zahl 38 mit roter Farbe aufgemalt, es war ihr Kennzeichen.

Ein Jahr zuvor. Es war ein herrlicher Sommertag im Kalenderjahr 1939. Jack Wilkinson wurde kürzlich achtzehn und arbeitete auf dem Hof seiner Eltern in der Nähe von Maidstone im Bezirk Kent. Es war der Landsitz der angesehenen Familie Wilkinson und wurde nacheinander von Nachkommen der Angehörigen besetzt. Es war ein beeindruckendes Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert mit Nebengebäuden wie Pferdestall und Geräteschuppen. Das einzigartige Landhaus aus Steinmauern verfügte über eine Parkanlage mit kunstvollen Pflanzungen mit einem Teich, einen Wald sowie über Wiesen mit über hundert Hektar.

Jack kümmerte sich jeden Tag um die Pferde und anderen Tiere auf dem Anwesen und erledigte die ganze Arbeit. Wenn er nicht die Ställe ausmistete, dann pflegte er den Garten und die Wiese. In den letzten Tagen reparierte er die Holzzäune, die durch die Witterung verrotteten. Dazu fuhr er mit seinem Austin 12-4 Pick Up Truck, Baujahr 1935 nach Hunton und besorgte neue Werkzeuge, Nägel und Holzbalken. Danach verbesserte er die Zäune, damit die Tiere nicht mehr ausbüxten.

Er ritt gern sein Pferd aus oder lag in der Wiese am Teich, vor allem nach einem harten Arbeitstag. Dann konnte er sich entspannen und in aller Ruhe sich seinen Gedanken überlassen. Seine Mutter brachte einen Snack und ein Glas Tee vorbei. Nach einem friedlichen Ausklingen ging er ins Haus, duschte und fühlte sich wieder frisch und gut an. Vor dem Spiegel kämmte er sein braunes mittellanges Haar und befestigtes es mit etwas Öl. Nach dem Abendessen verzog er sich in sein Zimmer und las ein Buch oder machte Bestellungen und Pläne für den nächsten Arbeitstag. Dann legte er sich ermüdet ins Bett und schlief ein.

Es begann ein neuer Wochentag und wiederholte sich mit Arbeit. Beim Aufstehen verspürte er vom Vortag die Last auf den Knochen und renkte sich zurecht. Was Jack nicht wusste, der heutige Tag würde sein Leben für immer verändern, als er am Nachmittag mit seinem Truck nach Maidstone fuhr, eine Kleinstadt im Norden. Er holte dort beim Bauhändler eine neue Bestellung von Material ab. Da er sehr durstig war, machte er auf dem Rückweg ein Abstecher in den Pup und bestellte sich ein kaltes Bier. Er saß an der Theke als Evie, mit der er in die Schule gegangen war, mit einem anderen Mädchen die Kneipe betrat.

„Hi Jack!“, rief Evie und näherte sich mit ihrer Begleitung.

Jack zuckte kurz zusammen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ihn jemand in der Stadt wiedererkannte. Sein Blick wandte sich ihr zu und nach einem kurzen Augenblick erkannte er seine Schulkollegin.

„Hi Evie. Schön, dich zu sehen.“

„Danke, ich habe dich hier nicht erwartet.

„Mh, ich auch nicht, denn ich habe viel zu tun.“

„Oh sorry, dass hier ist Sophia Taylor aus London. Sie ist meine Kollegin und besucht uns über den Sommer.“

„Wie nett“, sagte er und musterte Sophia. Er musste zugeben, sie war sehr hübsch und sie schaute ihn mit süßen Rehaugen an. Er wusste nicht, was er sagen sollte und schenkte ihr stattdessen ein Lächeln. Sophia streckte ihre Hand aus und sagte mit einer zarten Stimme: „Hi.“

„Ich bin Jack“, sagte er und schüttelte ihre Hand. In diesem Moment verspürte er einen Stromimpuls durch seinen Körper rasen wie ein Blitzeinschlag, der seine Ladung abgab. Er war von ihrer Schönheit angetan. Es schien, als würde die Welt aufhören zu drehen und die Zeit schlägt wie in Zeitlupe weiter. Jack spürte, dass sie für ihn die Richtige war.

Dann plötzlich wurde er durch Evie aus seiner Illusion gerissen, als sie zu Wort kam: „Wir sehen uns, Jack.“ Sie gesellten sich an einen Tisch mit weiteren Frauen. Jack trank sein Bier fertig, legte ein paar Münzen auf die Theke und verschwand aus der Kneipe. Er fuhr zurück zum Anwesen. Eines konnte er an diesem Tag nicht mehr vergessen – Sophia.

Es vergingen einige Tage und Jack rackerte schwer für seinen Hof und in jeder freien Minute dachte er wieder an das süße Mädchen aus der Kneipe. Er konnte sie nicht vergessen, als würden seine Gedanken von einem Dämon besessen sein, eine unheimliche Macht, die ihn so zu denken trieb. Daher gab es für ihn nur eine Sache – Ablenkung durch Arbeit. Es wurde Abend und Jack sattelte sein Pferd, er wollte noch vor dem Abendessen eine Runde auf seinem Anwesen erledigen. Er prüfte die Zäune und Hecken entlang der Grundstücksgrenze, damit keine Lücken entstanden. In der Hälfte seine Tour bemerkte er eine Eigenart. Er sah eine Person in seiner Wiese liegen und näherte sich. Er ritt ein paar Runden um die Person und erst jetzt erkannte er, wer sie war.

„Sophia! Was machst du hier in dieser Gegend?“, fragte Jack und stieg von seinem Ross.

„Ich habe mich verlaufen und dann fiel ich von meinem Pferd.“

„Mh, bist du verletzt?“

„Ja, ich habe beim Sturz mein Bein verletzt.“

„Okay, kannst du aufstehen?“

„Nicht ohne Hilfe.“

„Warte, ich helfe dir hoch und dann setzte ich dich auf mein Pferd“, sagte Jack. Dabei kam er ihr sehr nahe und konnte ihre sanfte Haut am Arm spüren sowie ihren herrlichen Duft nach Wiesenblüten.

„Bist du dir da sicher?“

„Klar! Ich bringe dich zu meinem Anwesen, dann fahre ich dich zum Arzt.“

„Danke.“

„Nichts zu danken. Du weißt, dass das mein Land ist?“

„Nein, ich kenne mich hier nicht aus und mein Pferd ist fort.“

„Mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich um dein Pferd, aber zuerst müssen wir dich verarzten.“

Jack nahm sein Pferd an den Zügeln und führte es zu seinem Hof. Er schaute mehrmals zurück und ihre Blicke trafen sich.

„Was ist?“, fragte sie.

„Nichts“, antwortete Jack und ein flüchtiges Lächeln lag auf seinem Gesicht. „Du bist hübsch.“

Sophia fühlte sich geschmeichelt und da kam von Jack eine direkte Aufforderung.

„Gehst du mit mir aus?“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Ich bin eine feine Dame aus London und du nur ein einfacher Landbursche.“

„Was hast du gegen Landburschen?“

„Ich mag sie nicht.“

„Ein Date - mehr nicht. Okay? Gib mir eine Chance, dich zu überzeugen.“

„Ich überleg es mir.“

„Na gut.“

„Ist es noch weit zu dir?“

„Nein, es ist das Landhaus dort drüben.“

Sophia ließ sich nichts anmerken, dass sie von seinem Anwesen beeindruckt war, denn es schien perfekt zu sein. Sie näherten sich dem Hauptgebäude und Sophia kletterte mithilfe von Jack vom Pferd. Den Vollblüter ließ er auf der Weide grasen, denn er wollte keine Zeit verlieren, um Sophia ins nächste Krankenhaus zu fahren. Er fuhr seinen Truck vor und Sophia nahm den Beifahrersitz ein. Vor dem Krankenhaus stoppte er seinen Wagen und begleitete Sophia hinein. Ein Arzt stellte gleich eine Diagnose und behielt sie für weitere Untersuchungen im Krankenhaus. Am nächsten Morgen besuchte Jack das Hospital wieder und brachte Blumen aus seinem Garten mit. Das Erste, was er fragte, war: „Gehst du mit mir aus?“

„Ja“, antwortete Sophia nach langer Überlegung und redete mit einer ernsten Stimme weiter: „Eine Verabredung.“

„Nur ein Treffen?“, fragte Jack und musste bei dieser Vorstellung breit grinsen.

Sophia wurde mit einer leichten Verstauchung aus dem Krankenhaus entlassen und noch am selben Tag trafen sie sich zu ihrer Verabredung. Jack gab sich sehr Mühe und lockerte ihre ernste Zurückhaltung.

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