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Ich hab schon über 500 Freunde!

Vorwort

Ich grüße dich!

Vor ein paar Tagen habe ich diesen Roman fertig geschrieben. Jetzt habe ich nur noch eine Sache zu tun: Ich muss ein Vorwort schreiben.

Als ich vor vielen Monaten anfing, über diesen Roman nachzudenken, wusste ich zunächst nicht so genau, was ich von Facebook halten sollte.

Es wurde von Menschen gesprochen, die dort ihr halbes Leben der Öffentlichkeit zeigen, und vor vielen anderen Dingen gewarnt, sodass ich anfangs gar nicht begeistert war.

Doch dann habe ich Facebook kennengelernt und festgestellt, dass es eine wirklich gute Sache sein kann. Es ist faszinierend, wie problemlos Informationen miteinander geteilt werden können. Auch ein Profil so gestalten zu können, dass andere sich ein besseres Bild von einem machen, – Gefällt mir.

Und so bleiben mir hier nur zwei kleine Sätze zu sagen:

1. Postet nicht alles!

2. Viel Freude, Spannung und Neugierde beim Lesen des Buches!

Armin Kaster

„Wenigstens haben wir jetzt Internet“, sagte Alina.

Vor sechs Tagen war sie mit ihrer Familie in einen Vorort von Hamburg gezogen. Überall in der Wohnung standen Kartons und Kisten. Es war das reinste Chaos.

„Was heißt hier ‚wenigstens‘?“, fragte ihre Mutter und schüttelte den Kopf. „Wir haben eine neue Wohnung, und du denkst nur ans Internet.“

„Aber das stimmt doch gar nicht“, verteidigte sich Alina. „Ich mein doch nur …“

„ … dass es dir hier nicht gefällt“, unterbrach ihre Mutter.

Alina sah sie ratlos an. Es hatte keinen Sinn, mit ihr zu streiten. Seit Tagen war die Stimmung gereizt.

Plötzlich gab es einen Knall, begleitet von einem Schrei aus dem Flur.

„Was ist jetzt schon wieder?“, rief die Mutter und verdrehte die Augen.

„Nichts!“, antwortete Alinas Vater.

„Das klang aber anders“, sagte die Mutter.

Ihr Vater kam in die Küche.

„In diesem Haus hält einfach kein Dübel“, sagte er. „Das ganze Regal ist runtergekommen. Seht euch das mal an!“

Der Vater legte ein Regalbrett auf den Tisch. Ein fetter Kratzer zog sich über die gesamte Fläche.

„Na prima“, seufzte die Mutter.

„Ist doch nicht so schlimm …“, sagte Alina.

„Wie bitte?“ Der Vater sah Alina wütend an.

„Hast du eine Ahnung, wie teuer so was ist?“

„Ihr gefällt’s hier sowieso nicht“, mischte sich die Mutter ein.

„Das stimmt doch gar nicht!“, rief Alina.

„Ich mag die Wohnung. Aber es ist …“

Sie holte tief Luft. „Alles ist so neu hier.

Versteht ihr? Ich fühle mich hier einfach noch nicht zu Hause.“

Alina wünschte sich, dass ihre Eltern etwas dazu sagen würden.

Stattdessen fragte ihre Mutter: „Wo ist eigentlich Ben?“

„Beim Fußball“, sagte Alina.

„Na prima“, stöhnte der Vater. „Hier geht’s drunter und drüber, und meine einzige Hilfe ist weg.“

Ben war Alinas älterer Bruder. Mit seinen 17 Jahren war er meistens unterwegs. Er hatte sogar schon einen neuen Fußballverein gefunden. Heute war sein erstes Training. „Und wann ist er wieder zu Hause?“, fragte der Vater und sah Alina an.

Bei diesem Wort wurde Alina traurig. Denn ihr altes Zuhause gab es nicht mehr. Sie wohnte jetzt hier, am Ende der Welt. Abgeschnitten von allen Freunden. Fast hätte sie geweint. Vor allem, weil in zwei Wochen die Sommerferien begannen. Und sie hatte keine Ahnung, was sie mit der vielen freien Zeit machen sollte.

„Dein Vater hat dich was gefragt“, drängte die Mutter.

Alina zuckte mit den Schultern.

„Keine Ahnung“, sagte sie leise.

Alina musste zugeben, dass ihre Mutter Recht hatte. Ihr gefiel es hier wirklich nicht. Ihr Zuhause war in Köln. Fünf Stunden weit weg.

„Alles klar, Schwesterherz?“

Alina schreckte aus ihren Tagträumen hoch, weil sie in ihrem Zimmer saß und Musik hörte. „Was erschreckst du mich immer so“, fauchte sie ihn an. Aber sie musste sofort lächeln.

Ihr großer Bruder schaffte es immer wieder, ihre schlechte Laune zu vertreiben.

„Man hat dich vermisst“, sagte Alina.

„Hab ich schon gehört“, sagte er. „Hier ist immer noch schlechte Stimmung, was?“

Alina nickte.

„Dafür haben wir jetzt WLAN“, sagte sie.

Ben grinste.

„Na, also“, erwiderte er und drehte sich zur Tür. „Dann kann ich mal posten, dass ich einen neuen Verein gefunden habe.“

Damit war er wieder verschwunden.

„Schönen Abend noch …“, murmelte Alina.

Sie verstand nicht, warum ihr Bruder alles bei Facebook posten musste.

Den restlichen Abend verbrachte Alina in ihrem Zimmer. Sie schaute sich die Fotos an, die an ihrer Pinnwand über dem Schreibtisch hingen. Auf jedem Bild lachte sie und sah glücklich aus: im Kindergarten, bei der Einschulung oder in der Jugendherberge vor einem Jahr. Damals ging es ihr noch gut.

Als ihr Blick auf das Klassenfoto fiel, kam ihr eine Idee. Schnell holte sie das Telefon und wählte die Nummer ihrer Freundin Kati.

„Weingartz?“, kam es aus dem Hörer.

„Hallo, Frau Weingartz, hier ist Alina.

„Alina!“, rief Frau Weingartz erfreut. „Geht es dir gut?“

„Naja“, sagte Alina. „Geht so.“

„Wir sprechen so oft von dir. Es ist wirklich schade, dass du weggezogen bist. Kati ist mit Jenny und Luci im Open-Air-Kino.“

„Ach ja …“, sagte Alina leise. Normalerweise wäre sie jetzt mit dabei gewesen. Sie starrte auf das Foto ihrer alten Klasse. Es gab Alina einen Stich ins Herz.

„Alina?“, kam es aus dem Hörer. „Ich wünsche dir alles Gute.“

„Ja, danke …“, sagte Alina und unterbrach die Verbindung.

Sie wollte auf keinen Fall anfangen, zu weinen. Doch da liefen ihr schon die Tränen übers Gesicht.

„Ich find’s bescheuert“, sagte Alina. Sie saß in Bens Zimmer. Den ganzen Sonntag hatten ihre Eltern in der Wohnung gearbeitet. Jetzt war es Abend, und die beiden schliefen seit einer Stunde vor dem Fernseher.

„Wie jetzt …?“ Ben starrte auf den Bildschirm und tippte etwas in die Tastatur. In regelmäßigen Abständen kam das Zeichen für eine eingegangene Nachricht.

„Ich finde es hier bescheuert“, sagte Alina.

„Zu Hause hatten wir wenigstens Freunde und alles.“

Ben lächelte und schrieb weiter. „Ich habe immer noch Freunde. Seit Freitag sogar 15 mehr.“

„Na toll!“, lachte Alina genervt. „Bei Facebook. Findest du, das sind echte Freunde?“ Ben sah Alina kurz an.

„Nur weil du damals Ärger wegen deinem Fake-Account bekommen hast, bist du dagegen.“

Alina erinnerte sich daran, wie sie sich mit zwölf Jahren bei Facebook angemeldet und ein falsches Alter angegeben hatte. Eine Freundin ihrer Mutter hatte es noch am selben Tag herausgefunden. Es gab einen Riesenkrach, und danach war ihr PC erst mal weg.

„Du bist jetzt alt genug“, sagte Ben.

„Melde dich einfach wieder an.“

„Nee. Mir ist das alles zu …“

Alina dachte nach. Irgendwie hatte sie keine Lust auf Facebook, auch wenn sie längst 14 war.

„Zu unpersönlich?“ Ben grinste breit.

„So was sagen Mama und Papa doch auch immer über Facebook.“

Alina trat Ben vors Bein.

„Ist aber doch wahr! Von wie vielen kennst du denn mehr als den Namen?“, blaffte sie ihn an.

Ping. Die nächste Nachricht. Ben musste lachen.

„Und noch eine Freundschaftsanfrage!“ Sofort bestätigte er die Anfrage. Dann schrieb er eine Antwort. Ben hatte gute Laune. Und Alina dachte über Facebook nach.

Alina sah aus dem Fenster. Das Feld hinter ihrem Garten lag jetzt im Dämmerlicht vor ihr. Ihr Radiowecker zeigte 22.07 Uhr. Kati war bestimmt zu Hause. Aber für einen Anruf war es viel zu spät. Also schrieb sie eine SMS.

Wie war’s gestern im Kino? Grüße aus der tiefsten Provinz. Alina

Sie wartete auf eine Nachricht. Aber Kati antwortete nicht. Sie stellte sich vor, wie ihre drei Freundinnen den Abend im Biergarten vom „Greyhound“ verbracht hatten. Das Wetter war super, und bestimmt waren noch mehr aus ihrer Klasse dabeigewesen.

Alina hielt ihr Handy vors Gesicht und rief: „Hallo! Ist da jemand? Hallo-hooo!“

Sie musste lachen. Aber sofort wurde sie wieder ernst. Ob sie jemals Freunde in der neuen Stadt finden würde? Nach einer Weile schrieb sie zwei weitere SMS an Jenny und Luci. Doch die beiden reagierten auch nicht. Alina stand auf und stellte sich zurück ans Fenster. Ein Fahrrad fuhr über die Straße. Kurz darauf ging eine Frau mit ihrem Hund spazieren. Ansonsten war nichts los.

Mit einem Mal kam ihr ein schrecklicher Gedanke. Was wäre, wenn sie hier niemals neue Freunde finden würde? Ihr wurde schlagartig schlecht.

A m nächsten Montag hatte Alina zur zweiten Stunde. Ihre neue Klasse war eigentlich ganz o.k. Aber irgendwie fiel es ihr schwer, die anderen anzusprechen. Und dann saß sie auch noch neben Carina, die hier ganz offensichtlich die Außenseiterin war. Plötzlich vibrierte Alinas Handy.

Unauffällig las sie die Nachricht. Sie konnte gerade noch – Gestern mit Justin im … lesen, als ein Schatten auf ihren Tisch fiel.

„Und tschüss!“, sagte Frau Fuchs. Sie streckte ihre Hand nach dem Handy aus.

Alina fehlten die Worte.

„Das bekommst du nach der sechsten Stunde zurück“, sagte Frau Fuchs und ging zurück zum Pult.

„So sind hier die Regeln“, sagte sie. „Und beim nächsten Mal können deine Eltern persönlich vorbeikommen.“

Alina wurde rot. Als ein paar Mädchen blöde grinsten, sah sie einfach weg.

„Bist du auch bei Facebook?“ Carina lief nach der letzten Stunde neben Alina her.

Aber sie hatte keine Lust auf ein Gespräch.

Schon gar nicht mit Carina.

„Tut mir leid“, sagte Alina. „Ich muss schnell ins Lehrerzimmer.“

Damit bog sie in den nächsten Gang und hängte Carina ab.

Vor dem Lehrerzimmer traf sie Frau Fuchs. „Ich hoffe, das kommt nicht wieder vor“, sagte Frau Fuchs und gab Alina das Handy. „Bestimmt nicht“, erwiderte Alina und schaute schnell auf das Display. Eine neue Nachricht.

„Ich verlasse mich drauf“, mahnte Frau Fuchs und ging zurück ins Lehrerzimmer. Alina lief schnell nach draußen und las zuerst Katis Nachricht zu Ende:

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