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Julie

Titel

Julie

 

 

 

Mysterythriller

 

von

 

Alfred J. Schindler

VORWORT

Scheinbar bin ich nicht so, wie all meine lieben Artgenossen. Wie ich zu dieser Annahme komme? Ich kann es tief in meinem Innersten deutlich spüren! Diese für Menschen gräuliche Art, die mich beherrscht - bin ich.

Ich - Julie.

Diesem so genannten Arzt musste wohl ein kleiner Denkfehler unterlaufen sein! Wieso? Ich kann es nicht genau erklären. Letztendlich kann ich mir aber denken, was dahinter steckt...

Wann dies geschah?

Damals, als ich noch ein Katzenbaby war!

xxx

Julie

Im Grunde genommen kann man gegen Katzen nichts Negatives sagen. Damit meine ich natürlich keine dieser gefährlichen und unberechenbaren Raubkatzen, die man im Zoo oder im Zirkus bewundern kann, und gegen die es im Grunde genommen ebenfalls nichts Negatives zu sagen gibt. Ich spreche hier ausschließlich von unseren überaus geliebten Hauskatzen. Wie unschuldig und zutraulich sie uns - ihre Gönner - heimlich beäugen! Geradezu einmalig! Wie schlau und gewieft sie doch sind! Wie gekonnt sie uns um den Finger wickeln! Einfach phänomenal. Aber genau wegen dieser so ungemein sympathischen Wesenarten lieben wir sie doch, diese kleinen, schlitzohrigen und so kuscheligen Katzentiere.

 

Pauli, unser Zehnjähriger, wollte sie natürlich unbedingt haben. Sie, die Katze. Kompromisslos, wie kleine Jungs nun mal sind, ließ er einfach nicht locker. Er bekam sie - genau so, wie er im Grunde genommen von uns alles kriegt.

 

Fast alles.

 

Wie, so fragten wir uns, sollten wir ihm diese bescheidene Bitte auch ausschlagen? Gut, er hatte frü-her schon mal ein Meerschweinchen, einen Zwerghasen, ein Kaninchen und zuletzt einen Wellensittich, aber Gitty und ich mussten uns eingestehen, dass Pauli für all diese Tiere große Verantwortung gezeigt hatte. Zumindest anfangs. Aber so ist das nun mal, wenn man seinem Kind ein Tierchen schenkt. Schließlich soll es ja auch lernen, fürsorglich zu handeln! Es soll üben, soziales Denken zu entwickeln! Nun, genau hierfür eignet sich solch ein kleines Kätzchen ja wirklich ganz hervorragend!

 

Insbesondere JULIE.

 

Nun ist es also soweit: Wir nehmen dieses herrlich kleine und überaus unschuldige Katzenkind mit in unsere Familie auf. Es wird mit integriert.

 

Sozusagen.

Gewissermaßen.

 

xxx

 

Wo bin ich denn hier gelandet? Warum haben mich denn diese alten Leute in dem grauenhaften Tierheim abgegeben? Wollten sie mich denn nicht mehr? War ich ihnen etwa zu aufdringlich? Gut, ich hatte gleich gemerkt, als diese jungen Leute zu unserem Bauernhof gekommen waren, mich kurzerhand von meiner Mutter entfernt und zu ihren Eltern gebracht hatten, dass dieses nette, ältere Ehepaar mit mir sozusagen überfordert war. Es war mir aber - beim besten Willen - einfach nicht möglich, mich still in die Ecke zu legen und nichts zu beschnuppern! Wo es in dieser gemütlichen Wohnung doch so Vieles zu sehen und zu beriechen gab! Gut, ich bin etwas lebhaft, aber diese alte Ming-Vase stand doch wirklich sehr ungünstig! Sie hätten sie ja auch woanders hinstellen können!

 

Diese Dummköpfe!

 

Ich denke aber, dass es mir hier bei dieser Familie Hofer, bei der ich nun zu Hause bin, wesentlich besser ergeht. Hier kann ich mich wenigstens so benehmen, wie ich das auch zwischen meinen Geschwistern tat: Fröhlich umher springen, schmackhafte Dinge ablecken und mich dann und wann streicheln lassen! An Pauli hatte ich mich ja wirklich sehr schnell gewöhnt! Das muss ich schon sagen.

 

Ihn kann ich akzeptieren.

 

Ich sehe, dass seine Mutter meine Speisen besorgt, und gebe zu, dass sie sich mit mir auch anderweitig große Mühe gibt. Sie (man nennt sie Gitty) kauft extra für mich dieses wunderbare Katzenbabyfutter in kleinen Döschen! Wie fürsorglich sie doch ist! Ich werde mir die Sache hier eine gewisse Zeit in aller Ruhe mit ansehen. Wenn es mir aber dann doch zu bunt werden sollte, kann ich ja immer noch verschwinden...

 

xxx

 

Gerade kommt unser Sohnemann mit seiner neuen Errungenschaft auf dem Arm um die Küchenecke herumgewischt. Wie furchtbar eilig er es schon wieder hat!

 

„Mein Gott! Ist dieses Tierchen lieb!“, staune ich.

„Willst du sie mal streicheln, Papa?“

„Ja, Gib sie mir mal bitte her, Pauli.“

 

Unser kleiner Pauli...

 

Vorsichtig reicht er mir das kleine Kätzchen. Es ist natürlich flauschig weich und betrachtet mich höchst interessiert.

 

Mein lieber Gott! Wie sieht denn der aus? Dieser Kerl ist ja mindestens einsneunzig groß! Wie kräftig er ist! Vor ihm werde ich mich wohl in Acht nehmen müssen!

 

„Wie alt ist das Kätzchen denn, Gitty?“, frage ich meine Frau.

„Acht Wochen. Ein älteres Ehepaar hatte es vor Kurzem ins Tierheim gebracht.“

„Und wieso?“

„Weil sie mit ihr offensichtlich überfordert waren!“

„Warum hatten sie denn das Tierchen zuerst überhaupt zu sich genommen?“

„Julie war wohl ein Überraschungsgeschenk ihrer Kinder! Diese hatten das Katzenbaby zuvor von einem Bauernhof geholt, auf dem es geboren wurde!“

„Ah ja. Verstehe.“

„Sie ist bereits entwurmt und gegen Staupe sowie Katzenschnupfen geimpft. Dies sind wohl die häufigsten Krankheiten junger Katzen, Pet.“

 

(Sie nennt mich der Einfachheit halber Pet - nicht Peter, wie mein richtiger Name ist.)

 

„Das ist ja interessant. Schaut nur, wie sie mich anglotzt!“ Ich könnte laut lachen, so komisch ist ihr Gesichtsausdruck. Dieses winzige Gesicht!

„Julie glotzt nicht, Papa!“ Er ist offensichtlich entrüstet.

„Natürlich nicht, mein Sohn. Sie blickt. Und sie beobachtet!“, verbessere ich mich. Ich bleibe dabei völlig ernst.

„Sie schaut dich sehr freundlich an!“, verteidigt er sie. Sein hübsches Jungengesicht ist knallrot. Er scheint sehr aufgeregt zu sein, und seine Augen funkeln kämpferisch.

„Äußerst freundlich!“, lacht Gitty amüsiert. Auch sie hat diese dunklen Augen und hellblondes, natürlich gewelltes Haar.

 

Blitzschnell krallt sich Julie in meinen rechten Arm. Es schmerzt. Verdammt noch mal! Es ist ja nicht zu glauben, wie scharf ihre Krallen sind! Wie winzige Dolche dringen sie in meine Haut ein, geht es mir durch meinen Kopf.

 

„Lass mich los, Julie!“ Sie tut es, als ob sie mich verstanden hätte.

 

Pauli steht daneben, bohrt in der Nase und lacht schadenfroh. Der Rüpel. Ja, und ich bin sehr erstaunt.

 

„Hat sie dich auch schon gekratzt, Pauli?“, frage ich ihn.

Kommentarlos zeigt er uns seine dünnen Ärmchen: „Ja, schaut her! Aber sie kratzt mich nur, wenn ich sie ärgere.“

„Nach dem Aussehen deiner Arme musst du sie aber in dieser kurzen Zeit, in der sie jetzt bei uns ist, schon oft geärgert haben!“, meint Gitty sorgenvoll. „Da siehst du es wieder, Gitty, wie schlau solch kleine Kätzchen sind!“, entgegne ich.

 

Das darfst du aber glauben, du Riesenmensch! Natürlich bin ich schlau!

 

Ob man sie im Tierheim auch gut behandelt hat?“

 

Meine Frage steht offen im Raum, denn ich sehe die zweifelnden Blicke von Pauli und Gitty.

 

Was denkst du, wie sie mich in diesem hundsmiserablen Tierheim geschunden haben! Die Spritzen, die mir dieser glatzköpfige Mann in seinem weißen Kittel verpasste, taten höllisch weh! Genau dieser seltsame Arzt, der dies tat, war mir äußerst unsympathisch! Ich kratzte ihn ganz gehörig in seinen rechten Arm und er warf mich daraufhin völlig entnervt in die Ecke! Stell dir das mal vor! Ich kann dir sagen - in dieses Asyl möchte ich nicht mehr zurück!

 

Nur über meine Katzenleiche!

 

Ich habe sie immer noch auf dem Arm und genau in dem Moment, in dem ich sie so sehr lobe, blickt sie mich mit ihren wunderschönen blauen Augen schmachtend an und beginnt leise zu schnurren. Sie dreht sich halb auf den Rücken und leckt meine Hand, als ob sie mir sagen möchte, dass ich ihr nun - ganz plötzlich - doch sympathisch bin. Was für ein kleines, rosa Zünglein sie mir zeigt! Sie hat sich offensichtlich entschieden. Wahrscheinlich gilt dies aber nur, wenn ich sie lobe! Ich weiß, wie raffiniert Katzen sein können! Wie berechnend obendrein!

 

„Solange sie noch so klein ist, können wir sie ja problemlos in der Wohnung halten!“, bemerkt Gitty.

 

Sie fährt sich dabei mit einer ganz bestimmten, typischen Bewegung über ihre langen Haare. Ich betrachte sie unauffällig und bewundere ihre gute Figur. Sie ist immer noch so hübsch wie damals vor zwölf Jahren, als ich sie kennen- und lieben gelernt hatte.

 

„Was machen wir, wenn sie größer wird?“ Paulis Blick scheint etwas verunsichert.

„Ja, dann lassen wir sie eben auf den Balkon hinaus, oder, Pet?“

Ich will ihr gerade antworten, als Pauli weinerlich meint: „Aber da fällt sie doch hinunter!“

„Aber nein, mein Junge. Sie fällt nicht hinunter. Glaub mir das ruhig!“

 

Leise und beschwichtigend wirke ich auf ihn ein. Er reagiert immer sehr positiv, wenn ich mit ihm ruhig und gelassen spreche. Schreien und Brüllen lehnt er kategorisch ab. Er ist in dieser Beziehung genau wie ich.

 

„Wir könnten sie doch an einer Katzenleine spazieren führen!“, ist sein prompter Vorschlag.

„Das mögen kleine Katzen aber gar nicht!“, wirft seine Mutter ein. „Sie fühlen sich dann beengt!“

„Die Frau im Tierheim sagte, dass man Katzen auch in der Wohnung halten kann!“, erklärt er beharrlich.

 

Er hat seine allseits bekannte, trotzige Haltung eingenommen.

 

„Ja, das sagte sie wohl, Pauli, aber das wäre für eine Katze eine einzige Schinderei. Miezen haben einen sehr starken Freiheitsdrang, musst du wissen! Wir werden sie, wenn sie etwas größer ist, draußen einfach frei herumlaufen lassen. Unser gemeinschaftlicher Garten ist ja schließlich groß genug! Dort kann sie ihr Revier erweitern, insofern dies die anderen Katzen zulassen.“

„Die anderen Katzen?“ Verwirrt ist sein Blick.

„Nun, es kann vielleicht zu einem Machtkampf kommen, mein Junge.“

„Was machen wir, Mama, wenn sie uns davonläuft?“

„Das tut sie nur, wenn du sie schlecht behandelst. Außerdem kaufen wir ihr zusätzlich ein schönes Halsband, an das wir unseren Familiennamen mit Adresse und Telefonnummer befestigen. Übrigens: Du bist ja, wie du weißt, für die Katzentoilette zuständig. Hast du sie heute Morgen schon gereinigt?“

„Ja, habe ich. Aber diese kleine Katze stinkt so erbärmlich wie ein ausgewachsener Zirkuslöwe!“

 

Wir beide lachen laut auf. Unser Junge hat doch eine witzige Ausdrucksweise!

 

Was für eine grandiose Unverschämtheit! Ich soll stinken? Eine Unterstellung größten Ausmaßes ist das! Ich war doch auch schon in ihrer Toilette! Nach Rosen duftete es dort wahrlich auch nicht! Nein, diese Menschen. Was ihnen doch so alles einfällt! Wahrscheinlich denken sie, ich könne sie nicht verstehen! Aber da irren sie sich ganz gewaltig! Ich kapiere jedes Wort, ja, jeden Satz! Zumindest so einigermaßen. Gut, gelegentlich kann ich nicht ganz nachvollziehen, was sie mit ihren überlangen Schachtelsätzen ausdrücken wollen, aber im Grunde genommen entgeht mir nichts! Was mir noch am meisten Probleme bereitet, sind diese geflügelten Worte. Diese undurchsichtigen Zweideutigkeiten verstehe ich bis jetzt noch nicht. Aber ich bin äußerst gelehrig und zweitens entgeht mir nichts. Gar nichts!

 

„Ja, da hilft alles nichts, Pauli. Du hast es mir versprochen.“

„Ja, Mama.“

 

Da könntet ihr aber etwas erleben, wenn ihr mein Klo nicht säubern würdet! Ich würde in sämtliche Ecken kacken, damit ihr es nur wisst! Man muss sich seine Menschen schließlich erziehen! Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder tun und lassen würde, was ihm so einfällt? Ihr werdet euch mit mir noch sehr wundern!

 

Das verspreche ich euch!

 

Ich gebe ihm seine Katze zurück und betrachte die beiden insgeheim: Sie stellen eine absolute Einheit dar. So lächerlich es auch klingen mag, aber diese beiden Geschöpfe sind wie für einander geschaffen. So ist jedenfalls mein momentaner Eindruck. Ich blicke kurz zu Gitty und bemerke, dass auch ihr etwas Ähnliches durch den Kopf geht. Oder täusche ich mich?

 

„Das ist ein Bild für Götter, was, Pet?“

„Ja, Gitty. Das kann man wohl sagen.“

 

Sie haben es anscheinend kapiert: Pauli und ich gehören zusammen!

Und zwar für immer!

Wehe dem, der uns trennen möchte!

 

xxx

 

Sie, unser kleines, schwarz-weiß geflecktes Goldstück, bekommt natürlich alles, was sich solch eine junge Katzendame überhaupt wünschen kann. Ein weich gefüttertes Fellbettchen, ein kleines Häuschen, einen sündteuren Luxus-Kratzbaum, der bis an die Zimmerdecke reicht, ein extravagantes Katzenklo mit immer frischem Catsan und integrierter Schwingtüre, Bälle, Spielzeug aller Art und diverse Katzenspeisen. Wir verwehren ihr nichts - gar nichts. Lustig schaukelt sie in unseren teuren Vorhängen, turnt abends, wenn Pauli schon schläft, frech an der Wohnzimmerlampe herum und erlaubt sich eben das, was solch einer jungen Katze so alles einfällt. Wir können ihr natürlich für ihre kleinen Schandtaten nicht böse sein, denn sie ist nicht nur ungemein lustig, sondern obendrein auch noch sehr zutraulich. Tollpatschig stolpert sie über den gekräuselten Teppichrand und schaut uns dabei völlig entgeistert an.

 

Vollkommen aus dem Häuschen ist sie, als sie das erste Mal ihr eigenes Spiegelbild erblickt. Pauli hält ihr nämlich soeben einen mittelgroßen Handspiegel direkt vor die kleine Nase. Sie ist daraufhin total daneben. Was zuviel ist, ist einfach zu viel für sie. So etwas hat sie ja in ihrem kurzen Katzenleben noch nie erlebt!

 

Was haben sie sich denn jetzt schon wieder mit mir einfallen lassen! Ich denke, mich tritt ein Pferd, als ich urplötzlich eines meiner Geschwisterchen neben mir stehen sehe! Aber was dann folgt, ist ja doch der Gipfel der Frechheit! Egal was ich auch tue - es macht mir alles nach! Alles! Jede Bewegung! Es irritiert mich ungemein, dass es sich genauso verhält wie ich. Aber sprechen kann es nicht. Es ist offensichtlich stumm. Jedoch es tut so, als ob es fauchen könnte. Es sieht jedenfalls so aus. Äfft es mich etwa nach? Na warte, Bürschchen, wir sprechen uns noch! Du hattest Glück, Bruder, dass irgendetwas Glattes, Undurchdringliches zwischen uns beiden ist! Aber was das ist, werde ich auch noch herausfinden!

 

Wir Drei lachen uns halb tot, als sie vor diesem Spiegel ihre richtige Tanzschau abzieht. Sie dreht um ihre eigene Achse Pirouetten und biegt dabei den schmalen Rücken grazil durch. Sie faucht ihr unbekanntes Gegenüber unentwegt an und wundert sich, dass dieses kleine Wesen, das ihr doch so ähnlich sieht, genau das macht, was auch sie tut. Sie kratzt mit beiden Vorderpfoten aufgeregt in den Spiegel (der ja nun wirklich nichts dafür kann!), und den Pauli tapfer festhält. Man sieht, welches ungemeine Vergnügen es ihm bereitet, Julie zu ärgern.

 

Der kleine Sadist.

 

Urkomisch finden wir sie, die kleine Julie, und sie wächst uns Allen sehr schnell ans Herz. Man könnte unsere Beziehung zu ihr als geradezu harmonisch bezeichnen!

 

Pauli, der kleine Bengel, hält doch tatsächlich sein Indianer-Ehrenwort: Er kümmert sich nicht nur ausgiebigst um sein Kätzchen, sondern er säubert auch tagtäglich - äußerst tapfer und ohne Murren - ihr muffiges Klo.

 

„Er liebt sie!“, flüstert Gitty mir zu.

„Ja, das tut er.“, flüstere ich zurück.

 

xxx

 

Ich streiche soeben zum wiederholten Male durch die schöne, geräumige Wohnung meiner Menschen - ja! Meiner Menschen. Ganz hervorragend fand ich Pets Idee, verschiedene, weiche Läufer auszulegen. Er sagt, dies schone den Parkettboden! Natürlich spielt er damit auf meine Krallen an! Nun gut, wie er meint. Zu meinem großen Glück lässt Gitty alle Türen offen stehen, damit ich mich hier überall frei bewegen kann - wenn man hier drinnen überhaupt von Freiheit sprechen kann! Direkt gegenüber der Eingangstüre haben diese beiden alten Menschen ihr Schlafzimmer. Dort liegen sie nachts nebeneinander und ab und zu turnen sie in ihrem Bett umher. Dabei geben sie - besonders Gitty - seltsame Töne von sich. Leise Brunftschreie, könnte man dazu wohl sagen. Anfangs dachte ich, dass Pet seiner Gitty etwas antun würde, aber dann merkte ich schon sehr bald, dass dies doch mehr ein Spiel ist, was die beiden da veranstalten. Wenn es ihnen Spaß macht - bitte!

 

Direkt daneben befindet sich Paulis Kinderzimmer. Es ist überaus bunt eingerichtet. Was der Junge an Spielzeug hat, ist geradezu unglaublich! Ich muss schon sagen: Es ist bei ihm sehr gemütlich. Pauli hat Geschmack. Hier schlafe ich meist auch in meinem Körbchen direkt neben seinem Bett. Gelegentlich flüchte ich aber aus seinem Zimmer, wenn er diese schreckliche Musik (ich glaube, die Menschen nennen diese Aneinanderreihung von verschiedenen Tönen so) zu laut aufdreht. Gitty kommt dann meistens angerannt und schimpft ihn gehörig aus. Aber er lacht nur hinter ihrem Rücken und zeigt ihr die lange Nase.

 

Der Witzbold.

 

Neben seinem Zimmer liegt die geräumige Wohnküche mit diesem herrlichen Kühlschrank, der jedoch meist verschlossen ist. Ich schaffte es bisher leider noch nicht, die schwere Türe zu öffnen. Aber irgend-wann wird mir auch dies gelingen.

 

Gegenüber befindet sich die gemeinsame Toilette der Menschen. Hierzu gibt es wohl nicht viel zu sagen.

 

Dann haben wir noch dieses wunderschöne Wohnzimmer, in dem ich mich am wohlsten fühle. Goldbraune, schwere Vorhänge sind für mich wie geschaffen. Ganz zu schweigen von den gemütlichen Ecken und Plätzen auf der langen Couch und den bequemen Sesseln! Hier kann man es als Katze schon aushalten!

 

Insbesondere ich!

- Julie!

 

Ja, und dieser schöne Balkon! Er ist halbkreisförmig geschwungen und sehr groß - etwa so lang wie das Wohnzimmer - ich schätze sechs Meter. Hier sitzen meine Besitzer meist abends auf so genannten Plastikstühlen, rauchen so genannte Zigaretten (ich wüsste ja allzu gerne, was das bedeuten soll!) und genießen kühle Getränke. Anfangs dachte ich, dass Gitty und Pet von innen heraus brennen würden, weil sie so qualmten, aber dann stellte ich fest, dass dem doch nicht so war. Liebend gerne würde ich auch einmal etwas kühles Bier oder diese schmackhafte Limonade probieren (Pauli behauptet jedenfalls, dass die Limonade so gut schmeckt!), aber ich bekomme immer nur dieses Gemisch aus Wasser und Milch.

 

Nun gut.

Wie sie meinen.

 

Ich versuchte ja schon einige Male, an dem Balkon nach unten zu turnen, aber irgendetwas warnte mich davor. Dieser Abstieg ist einfach zu hoch und auch zu gefährlich für mich. Natürlich würde ich auf meine Pfoten fallen, aber wahrscheinlich würde ich mir doch den ein oder anderen Knochen brechen - und das muss ja nicht sein, oder? Jedoch muss ich zugeben, dass es mich schon ungemein reizen würde, zumindest die nähere Umgebung - also die Dinge um das Haus herum - zu erforschen. Irgendwann wird es mir auch gelingen, nach unten in diesen schönen Garten zu gelangen, in dem es sicherlich viele Mäuse gibt, aber noch fühle ich mich nicht stark genug.

 

Kommt Zeit, kommt Rat.

 

Damals bei Muttern im dunklen Stall hatte ich diese Mäuse zum ersten Mal gesehen. Sie waren fast so groß wie ich es war. Aber es hätte mich trotzdem sehr gereizt, eine von ihnen gefangen und sie zumindest tot gespielt oder gefressen zu haben! Aber damals war ich dazu noch viel zu klein. Jetzt sieht es jedoch schon etwas anders aus! Alles in Allem ist diese Wohnung - meine Wohnung! - ideal. Für mich jedenfalls!

 

xxx

 

Die Wochen vergehen. Julie wird natürlich, wie das so üblich ist, etwas größer und auch ein wenig reifer. Man sollte es zumindest annehmen. Unser behaarter Familienzuwachs steht gut im Futter. Sechs oder sieben Wochen ist sie jetzt schon bei uns.

 

Es scheint alles perfekt...

 

„Gitty, fällt dir an Julie etwas auf?“, frage ich sie ganz nebenbei, als wir abends vor dem Fernseher sitzen.

 

Pauli und Julie spielen in seinem Zimmer und wir können uns endlich ungestört unterhalten. Viel zu selten haben wir diese Gelegenheit.

 

„Ja, sie ist sehr intelligent, finde ich.“

„Intelligent nennst du das? Es ist doch geradezu unglaublich, was sie so alles abzieht!“

„Ich habe den Eindruck, Pet, als ob sie erahnen kann, was Pauli zu ihr sagt.“

„Wir müssen uns diesbezüglich mit ihm unterhalten, Gitty.“

„Ja, aber lass ihn nicht merken, was wir vermuten!“

 

Als wir Drei am nächsten Tag beim gemeinschaftlichen Abendessen sitzen, frage ich unseren kleinen Stammhalter möglichst unauffällig, ob mit seiner Katze soweit alles in Ordnung sei...

 

„Wie meinst du das, Papa?“

„Nun, ist sie gesund?“

„Ja, das ist sie.“ Vollkommen ruhig bringt er diese Worte heraus.

„Du kommst mit ihr also blendend zurecht, ja?“

„Ja, ganz prima.“

„Sie ist sehr intelligent. Findest du nicht auch?“

„Ja, wir verstehen uns gut.“

 

Sieh an!

Er blockt ab.

Na, so was?

 

Ha! Das ist ja interessant! Sie halten mich für intelligent! Ob ich es tatsächlich bin? Ich denke schon! Jedenfalls kann ich, so glaube ich, recht gut kombinieren! Wenn Pet und Gitty wüssten, wie intelligent ich wirklich bin, wären sie ja sowieso nur neidisch. Sicher liegt mein Geisteszustand an den Spritzen, die sie mir damals in dem Labor verabreicht hatten. Nun, mit einer normalen Katze bin ich sicherlich nicht zu vergleichen! Ob ich leicht etwas vergesse? Aber, aber! Ich vergesse nichts! Gar nichts! Nicht das Geringste! Die Menschen würden wohl von einem fotographischen Gedächtnis sprechen! Ich finde übrigens, dass auch diese Leute hier so einigermaßen intelligent sind.

 

Gut, ich kenne ja nur diese hier...

 

Anscheinend weiß er nicht so recht, wie er auf diese Frage antworten soll, der gute Junge. Außerdem ist diese Frage ja auch sehr merkwürdig und nicht angebracht, da Pauli keinen Vergleich zu anderen Katzen hat. Woher auch?

 

„Wie meinst du das, Pauli?“

„Nun, sie gehorcht mir eben.“

Gitty und ich horchen auf: „Sie gehorcht dir?“

„Ja, wenn ich ihr etwas sage, gehorcht sie mir.“

„Sie versteht also, was du zu ihr sagst?“

„Es könnte sein.“ Etwas zögerlich ist seine kurze Antwort. Er ist sich nicht sicher, wie es scheint.

„Was zum Beispiel sagst du denn zu ihr, Pauli?“, fragt ihn seine Mutter. Sie lächelt ihn ungläubig an.

„Wenn ich zu ihr sage: Julie, Platz! Dann setzt sie sich direkt neben mich.“

„Das gibt es doch gar nicht!“

„Doch, Mutti. Wenn ich zu ihr sage: Unters Bett! Dann verschwindet sie sofort unter meinem Bett!“

„Ist ja unglaublich!“

„Und wenn ich sage: Julie, bring mir dies oder das Spielzeug, dann bringt sie es mir. Sie kennt jedes einzelne Teil, das ich habe, ganz genau!“

„Mach uns das doch mal vor, Junge!“, mische ich mich ein.

 

Das gemeinsame Essen wird zur Nebensache.

 

Gitty und ich wissen selbstverständlich, dass Pauli gerne etwas übertreibt. Wir sind uns also nicht sicher, ob seine Behauptungen auch tatsächlich zutreffen. Aber wir lassen ihm die Freude...

 

Natürlich gehorche ich ihm! Ich will es mir mit ihm doch nicht verderben! Schließlich hat man als Hauskatze ja nur eine Bezugsperson! Wie es andere Katzen halten, ist natürlich ihre Sache.

 

Ich lache innerlich. Paulis Phantasie ist scheinbar grenzenlos! Gut, auch ich verfüge über ein großes Maß an Einbildungskraft und er hat dieses Gen sicherlich von mir geerbt, aber was er uns da auftischt, ist doch etwas zu viel. Auch Gitty ist dieser Meinung, denn ihr zweifelnder Blick sagt mir alles.

 

„Dann zeig uns mal, Pauli, was sie so alles drauf hat!“, sagt Gitty zu ihm.

 

Wir marschieren zusammen - Julie als Hauptperson läuft voran, als ob sie wissen würde, was Pauli uns nun veranschaulichen will - in sein unaufgeräumtes Zimmer.

 

„Julie! Hol den Hausschuh!“

Ich bringe ihm ein großes Legoteil. Mal sehn, wie er reagiert!

„Julie! Was ist mit dir? Bring mir den Hausschuh!“

Ich schaue etwas verzweifelt und bringe ihm einen alten Handschuh.

„Julie! Den Hausschuh!“

 

Es reicht.

Ich verziehe mich unters Bett.

Ich bin doch nicht sein Kasper!

 

Pauli ist stinksauer. Seine Vorführung ist vollkommen misslungen. Wie kann er auch ahnen, dass ich bei meinen Handlungen immer mitdenke? Müssen seine Eltern denn wissen, dass ich alles verstehe? Ich gab ihnen schon viel zu viel Einblick, als ich noch so jung und dumm war!

 

Nein. Ich finde, sie brauchen nicht alles wissen.

 

Gitty und ich sind komischerweise sehr beruhigt. Sie versteht ihn also doch nicht! Und Pauli hat eine Riesenwut. Er hat sich blamiert.

 

Unser kleiner Stammhalter ist oft stundenlang mit der kleinen Katze alleine in seinem Zimmer. Wir beide haben nicht die böse Angewohnheit, ihn in seinen Handlungen zu kontrollieren. Dies würde uns widerstreben. Und so kommt es, dass wir von dem, was die beiden so alles treiben, nahezu nichts mitbekommen.

 

xxx

 

Seit etwa zwei Wochen darf Julie nun auch auf den Balkon. Unsere geräumige Wohnung liegt direkt unter dem Dach, also im zweiten Stockwerk des schmucken Dreifamilienhauses. Direkt am geschwungenen Balkon führt eine Dachrinne nach unten in den großen, mit diversen Pflaumenbäumen versehenen Garten, der aber sehr übersichtlich ist. Es dürfte wohl klar sein, dass unser Tierchen unmöglich an dieser Rinne hinunterturnen kann, eben weil diese viel zu glatt ist. Sie würde unweigerlich abrutschen und in den Garten bzw. auf die Terrasse im Erdgeschoss fallen. Die Bäume stehen auch zu weit entfernt, als dass sie auf diese springen könnte. Julie unternahm bisher auch noch keinen einzigen Versuch, über den Balkon in den für sie sicherlich hochinteressanten Garten zu gelangen. Über das Dach kann sie es schon gar nicht probieren, denn der Überhang ist für sie nicht erklimmbar. Gitty und ich haben trotzdem etwas Angst, dass sie eines schönen Tages hinunterstürzen könnte. Abwartend, ja, irgendwie lauernd, sitzt sie oft auf dem Balkongeländer, das zum großen Glück sehr breit ist und starrt leicht unsicher in die ihr noch unbekannte Tiefe. Minutenlang und regungslos. Wie ein kleines Raubtier, das auf seine Chance wartet. Ein herrlicher Anblick! Ob diese abwartende Haltung - dieses Abwägen - wohl immer so bleiben wird?

 

Sicher nicht!

 

Es wird der Tag kommen, an dem sie es nicht mehr aushält. Sie wird dann auf eine ganz bestimmte Art und Weise versuchen, in den wunderschönen Garten zu gelangen.

 

Und es wird ihr auch gelingen!

 

Pauli teilt diese, unsere Bedenken komischerweise nicht mit uns. Er ist davon überzeugt, dass seine Julie niemals einen solch haarsträubenden Fehler begehen würde. Wir wundern uns über seine feste Ansicht, hüten uns jedoch, ihn zu verunsichern.

 

Wie gesagt: Man kann sich ungewöhnliche Fähigkeiten auch nur einbilden, sagen Gitty und ich uns insgeheim. Wenn man einen bestimmten Menschen oder auch ein Tier besonders liebt, neigt man gerne dazu, bestimmte außerordentliche Eigenschaften in dieses Individuum zu projizieren, die er, sie oder es jedoch in keiner Weise hat!

 

Es ist fragwürdig! Außerdem verfügen Gitty und hauptsächlich ich über eine ausgeprägte Phantasie. Wie gesagt. Wenn Gitty sie aber seit Neuestem ruft, kommt Julie sofort - wie ein dressierter Hund - angetrabt und setzt sich abwartend neben ihre Beine. Dabei wedelt sie mit ihrem buschigen Schwanz. War ihr Vater vielleicht ein Hund?

 

Unsinn!

 

Ich möchte mich ja nicht länger dumm stellen! Sollen sie doch wissen, dass ich sie verstehen kann! Es wird mir nämlich zu anstrengend, mich andauernd verstellen zu müssen! Zuerst wollte ich ja nicht, dass Gitty und Pet wissen sollten, dass ich Pauli haargenau verstehe, aber in letzter Zeit wird mir das nun doch zu blöde. Es ist ja nichts dabei, wenn sie meine kleinen Geheimnisse kennen!

 

Dieses Kätzchen hörte schon nach zwei Tagen (!) auf seinen Namen! Wenn ich - wie gesagt - des Öfteren abends auf der Couch liege und fernsehe, hat sie die nette Angewohnheit, sich allzu gerne auf meinen Bauch zu legen. Sie ist also nicht immer bei Pauli, denn sogar er braucht ab und zu seine heilige Ruhe. Julie döst dann vor sich hin und lässt sich von mir ausgiebigst streicheln. Gelegentlich sitzt sie aber auch auf Gittys Schoß und faulenzt. Manchmal schaut sie auch mit in den Fernsehapparat, gerade wenn es um Katzennahrung oder um irgendwelche Tiersendungen geht, in denen kleine und auch größere Katzen wie z. B. Löwen, Tiger, Geparde und Leoparden zu sehen sind. Dann legt sie ihre niedlichen Ohren an und lauscht den Tönen dieser ihr völlig unbekannten Tiere. Aber: Sie erkennt sie natürlich als ihre Artgenossen. Wenn ich dann aber zu ihr sage: „Julie, gehe in dein Katzenhaus!“ So folgt sie sofort - aufs Wort. Sie steht auf und schleicht mit eingeklemmtem Schwanz zu ihrem gemütlichen Fellhaus. Dort bleibt sie dann auch, wenn wir sie nicht erneut rufen.

 

Einfach klasse, diese Katze!

 

Weder Pauli noch wir beide versuchten, das Tier mit irgendwelchen Tricks zu dressieren! Es schien - nein, es war so - dass sie fast von Anfang an genau verstand, was wir zu ihr sagten. Dieses behaarte Geschöpf ist sehr undurchsichtig. Es zeigt bestimmte Züge, die man von anderen Katzen nicht gewöhnt ist.

 

Und wir wissen nicht, warum.

 

xxx

 

Heute wird Gitty vierunddreißig Jahre alt. Wir haben gute Freunde, und so kommt es, dass je nach Anlass bei uns oder auch bei den anderen etwas gefeiert wird. Ich besorge den „Großeinkauf“ inklusive Getränke und Gitty kocht etwas Leckeres. Wir haben Mitte August und die Temperaturen sind enorm.

 

Ich kenne meine Freunde Johann, Bernd und Dieter schon seit mehr als zwanzig Jahren. Damals saßen wir noch - singlemäßig - in unserer geliebten Stammkneipe und grölten schmutzige Lieder. Jedoch änderte sich dies in den letzten Jahren natürlich grundlegend. Johann, der Friseurmeister mit eigenem Laden heiratete Margarete und Bernd, der Automechaniker gab Barbara das Ja-Wort. Dieter, der Computerspezialist, dem es von uns allen in finanzieller Hinsicht am besten geht, ist seit Jahren mit Gunda verehelicht. Ja, und ich selbst arbeite seit vielen Jahren als Autoverkäufer in einem großen Ingolstädter Autohaus - Marken Audi und VW. Ingolstadt an der schönen grauen Donau ist übrigens unser aller Heimatort.

 

Unser Pauli ist in dem illustren Kreis nicht das einzige Kind. Ursula, besser gesagt Uschi, Johanns Töchterchen, wurde in der Zwischenzeit Paulis erste große Liebe. Sie ist wie er zehn Jahre alt. Wer weiß, was daraus noch werden wird, fragen wir uns alle belustigt, wenn wir uns treffen und mit ansehen können, wie hervorragend sich die beiden verstehen. Da von den anderen keiner ein Haustier hat, ist Julie der absolute Mittelpunkt.

 

Heute lernen sie Julie also etwas näher kennen. Unsere Freunde sahen sie zwar schon gelegentlich, wenn sie kurz bei uns vorbeigeschaut hatten, und Uschi wollte Julie natürlich gleich am liebsten mit zu sich nach Hause nehmen, womit jedoch ihr Freund Pauli in keiner Weise einverstanden war.

 

Es klingelt an der Wohnungstüre. Gitty öffnet. Julie sitzt abwartend daneben und ist sicherlich höchst neugierig, wer da zu uns kommt.

 

„Hallo, Johann! Hereinspaziert! Wo hast du denn deine beiden Damen?“ Er überreicht ihr einen kleinen Blumenstrauß und dazu noch ein winziges Päckchen.

„Sie kommen gleich. Margarete muss noch einen Parkplatz für den Wagen suchen! Meinen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Gitty!“

 

Johann weiß, was sich gehört. Er ist ein ruhiger Zeitgenosse und als Mensch äußerst angenehm. Gitty bietet ihm gleich einen Platz auf der geräumigen Couch im Wohnzimmer an und bringt ihm eine frische Orangenlimonade und dazu ein Glas. Ich setze mich zu ihm und wir unterhalten uns ein wenig über unsere Arbeit. Er lästert über die dünnen Haare eines neuen Kunden und ich schimpfe über die überteuerten Preise unserer neuen Fahrzeuge. Julie sitzt daneben - genau zwischen unseren Beinen - und tut so, als ob sie uns verstehen würde.

 

„Eure Katze schaut mich andauernd so eindringlich an, Pet!“

„Wieso, Johann, was ist denn mit ihr?“

„Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll.“

„Du wirst sie im Laufe des Tages sicherlich noch genauer kennen lernen!“, lache ich.

Er blickt nach unten und sagt leise: „Julie!“

 

Sofort steht sie auf und springt auf seinen Schoß. Sie reibt ihr Köpfchen an seinem Arm und schnurrt dabei ganz königlich. Eben typisch Katzenkind.

 

„Versteht sie mich denn?“ Er wirkt sehr überrascht.

„Sie ist sehr schlau!“, antworte ich ihm ausweichend.

„Das kann doch nicht sein!“ Er wirkt perplex, was ja auch verständlich ist.

 

Wenn du wüsstest, alter Knabe, wie gut ich dich verstehen kann! Das mit dem „eindringlich ansehen“ verzeihe ich dir ja noch mal! Anscheinend merkst du gar nicht, wie seltsam du doch guckst! Nun gut, Hauptsache, du streichelst mich, du kleiner, glatzköpfiger Haarkünstler!

 

Inzwischen erscheinen Bernd und Barbara. Sie überreicht Gitty das Geburtstagsgeschenk sowie einen Strauß Blumen und die beiden drücken sich herzlichst. Auch Bernd beglückwünscht und umarmt sie. Julie sitzt mittlerweile neben Johanns Bein und blickt erwartungsvoll Richtung Wohnzimmertür, in der nun die weiteren Gäste erscheinen.

 

Pauli gesellt sich unauffällig zu uns, beugt sich zu seiner Katze und flüstert ihr etwas ins Ohr. Gerade als Bernd und Barbara das gemütliche Zimmer betreten wollen, läuft Julie schnurstracks auf die beiden zu, legt sich vor ihre Füße und beginnt leise zu knurren.

 

Das darf doch nicht wahr sein!

Julie knurrt wie ein kleiner Hund!

War ihr Vater etwa doch ein Hund?

 

„Pauli! Was soll das bedeuten?“, schimpfe ich ihn.

 

Uschi kichert leise.

 

„Ich habe ihr gelernt, wie ein Hund zu knurren, Papa!“

„Da ist doch ein Trick dahinter, oder Pauli?“, fragt Johann ihn lachend. „Du hast ihr doch sicherlich ein kleines Tonbandgerät um den Bauch geschnallt!“

„Nein, ganz ehrlich! Ich habe es ihr einige Male vorgemacht und dann konnte sie es!“, beteuert er treuherzig.

 

Ich drehe kurz meinen Kopf und knurre diesen Johann an.

Eben wie ein Hund.

 

Wir sind allesamt sehr überrascht. Eine knurrende Katze kam uns ja noch nie unter!

 

„Kann sie noch mehr solche Kunststücke?“, fragt Bernd ihn.

„Ja, nur reden kann sie noch nicht!“, antwortet unser Knirps mit seinem kindlichen, trockenen Humor. Seine Freundin lacht laut auf.

„Eine sprechende Katze!“, wispert sie mit ihrer hässlichen Zahnspange.

 

Lautes, allgemeines Gelächter.

 

Nur ich lache nicht! Denn ich finde das ja überhaupt nicht lustig! Wie sie sich über mich amüsieren! Wollen sie mir wirklich die Laune verderben?

 

Die Geburtstagsfeier nimmt ihren Verlauf. Auch Dieter erscheint mit Ehefrau Gunda auf der Matte. Die Stimmung ist hervorragend. Und wer steht im absoluten Mittelpunkt?

 

Pauli? - Ein wenig. Uschi? - Auch ein wenig. Nein! - Es ist dieses kleine Tierchen, das die Runde immer wieder aufs Neue verblüfft!

 

Meine Gattin kredenzt frischen Kaffee und den Kuchen, den ich mit sicherem Auge ausgesucht habe. Unsere Freunde albern fröhlich mit den Kindern herum, die zu jedem Blödsinn aufgelegt sind. Dann - ganz plötzlich - sagt Margarete zu Gitty etwas verhalten:

 

„Ich habe den Eindruck, als ob Julie eifersüchtig ist!“

„Auf wen denn?“

„Auf Pauli!“

„Du meinst, weil er sich andauernd mit Uschi abgibt?“

„Ja. Schau sie dir doch einmal an! Ihr Rücken ist gekrümmt und sie wirkt offensichtlich verstimmt!“

„Unsinn. Das bildest du dir nur ein.“

 

Meine Frau verharmlost. Ich kenne sie. Und ich kenne auch unser absolut unschuldiges Katzenkind! Margarete hat völlig recht! Julie ist sauer!

 

Stinksauer!

 

Wie recht sie doch hat! Was bildet Pauli sich denn überhaupt ein? Kaum erscheint dieses kleine Mädchen mit ihrem albernen Kleidchen und ihrem blitzenden Drahtgeflecht im Mund, schon bin ich vergessen! Wenn sie öfter kommen sollte, werde ich mir vielleicht etwas mit ihr einfallen lassen müssen! Von wegen kleine Freundin...

 

Ich schaue dieser so albern kichernden Uschi tief in die Augen und denke mir hochkonzentriert: Was würdest du wohl sagen, wenn dir deine gräuliche Zahnspange nicht mehr passen würde? Was wäre dann wohl, du Göre? - Sie betrachtet mich gerade intensiv, die Kleine, und nach einigen endlosen Sekunden wendet sie ihren Blick von mir ab. Sie wirkte in dieser so kurzen Zeitspanne, als ob sie paralysiert gewesen wäre. Ist sie etwa krank? Oder ist bei ihr eine kleine Schraube locker?

 

„Julie! Geh in dein Katzenhaus!“ Paulis Stimme klingt sehr ruhig, aber bestimmt. Uschi ist zwar anderer Meinung (sie will jetzt plötzlich doch mit ihr spielen), aber der Junge setzt sich durch. Will er uns etwa zeigen, welche Macht er über das Tierchen hat? Exakt dies frage ich mich, während Gitty auftischt.

 

Das hast du nicht umsonst getan, Pauli! So haben wir nicht gewettet! Du blamierst mich hier vor all den Leuten! Was bildest du dir denn überhaupt ein? Denkst du etwa, du bist mir überlegen? Dass ich nicht laut lache! Ja, wenn ich das nur könnte!

 

Du hast meinen Stolz verletzt!

 

Julie knurrt leise und verzieht sich unverzüglich dorthin, wie ihr geheißen wurde. Alle staunen.

 

„Sie versteht ihn wirklich!“, flüstert Johann mir zu.

„Ich sagte dir doch, dass dieses kleine Luder nicht mit normalen Maßstäben zu messen ist!“

 

Wie nennt er mich? Ein Luder? Was ist denn ein Luder?

 

Dieter mischt sich ein: „Ihr könntet mit ihr im Fernsehen auftreten und viel Kohle machen!“

 

Insgeheim denke ich mir: Sprich lieber nicht so negativ über sie, alter Freund! Das mag sie nämlich gar nicht!

 

„Sie wäre eine absolute Zirkusattraktion!“, lacht er laut und etwas zynisch.

 

Was ist denn das für ein Hornochse? Ich soll eine Zirkusattraktion sein? Er könnte sich ja selbst im nächstbesten Zirkus als Oberclown bewerben! Mit Sicherheit würden sie ihn sofort - und ungeschminkt - einstellen! Was man sich von manchen Menschen doch so alles anhören muss!

 

Ungeheuerlich!

 

Ich blicke kurz Richtung Julie, die etwa einen Meter unter der Zimmerecke auf dem gepolsterten Vorsprung ihres Katzenbaumes sitzt (sie wechselte von ihrem Katzenhaus hinüber zu dem Baum) und uns unentwegt beobachtet. Mir ist klar, dass ihr nichts entgeht. Wie oft zerbrachen wir uns schon den Kopf darüber, ob wir uns das alles nur einbilden oder ob sie uns wirklich versteht! Aus Pauli ist ja nichts herauszukriegen! Ich kann es mir aber - ehrlich gesagt - immer noch nicht so recht vorstellen, obwohl ich natürlich weiß, wie ungemein schlau sie ist. Insgeheim verdränge ich jedoch ihre nahezu ungeheuerlichen Fähigkeiten, weil es einfach nicht angehen kann, dass eine kleine Katze die menschliche Sprache verstehen und verarbeiten kann. Aber es ist doch auch so: Was wir Menschen nicht real definieren können, ist für uns...

 

unheimlich!

Unerklärlich.

Und geheimnisvoll.

Ja, ein Ding der Unmöglichkeit!

 

Ich kann jedoch akzeptieren, dass Julie in der Lage ist, das, was wir sagen, zu spüren. Wahrscheinlich liegt es am Tonfall und an der Lautstärke, wie gesprochen wird. Freundlich oder unfreundlich, leise oder laut, langsam oder schnell. Gitty und ich stellten schon oft fest, dass sie auf negative oder auch auf positive Äußerungen unsererseits reagiert hatte. Aber was das Seltsamste daran war:

 

Sie reagierte immer richtig - also logisch!

 

Sei es drum: Wir möchten dieses liebenswerte Geschöpf nicht mehr missen.

 

xxx

 

Die Stimmung ist hervorragend, doch plötzlich beginnt Uschi zu weinen. Zuerst verhalten und dann immer lauter. Sie hält beide Hände vor ihren kleinen Mund. Margarete, ihre Mutter, ist sofort bei ihr und nimmt sie an den schmalen Schultern:

 

„Was hast du denn, Kindchen?“

 

Uschis Gesichtsausdruck drückt es deutlich aus: Schmerz, Schmerz und noch einmal Schmerz.

 

„Hast du etwas verschluckt, Uschi?“, fragt Johann sie besorgt. Die beiden Elternteile stehen nun direkt neben ihr. Sie sind sichtlich erschrocken.

 

„Uäääääääääääh!“, ist ihre eindeutige Antwort.

„Los, sprich schon, Baby!“ Johann entwickelt sich offensichtlich zurück.

„Uäääääääääääh! Meine Zahnspange schneidet in mein Zahnfleisch!“

„Ach du lieber Himmel! Was tun wir denn jetzt?“, kreischt Margarete fassungslos.

„Lass mich mal ran!“, ereifert sich Johann. Er wirkt etwas wichtigtuerisch.

 

Die allgemeine Aufregung ist groß. Wir Anderen sitzen um sie herum und wissen nicht, wie wir ihr helfen sollen. Uschis Geschrei steigert sich langsam, aber konstant. Plötzlich sehen wir Blut an ihrem Mund. Zuerst nur ansatzweise, aber dann quillt immer mehr Blut aus ihrem Mund. Es läuft über ihre Hände, tropft auf ihr nettes Kleidchen und dann auf den empfindlichen Teppichboden. Es hat fast den Anschein, als ob sie reines Blut erbrechen würde. Hysterisch vor Angst fährt sie sich mit ihren Händen über das Gesicht und beschmiert sich dadurch automatisch. Der Anblick ist dementsprechend grauenhaft. Völlig blutverschmiert. Margarete weiß sich nicht mehr anders zu helfen und fasst beherzt in Uschis Mund. Diese beißt zu. Nun schreien sie beide - Mutter und Kind. Der Lärm ist infernalisch.

 

„Da kann nur ein Zahnarzt helfen, Margarete!“, schreit Johann seiner Margarete ins Ohr. Er springt hoch, packt sein armes, leidendes Töchterchen am Arm und ruft quer durchs Wohnzimmer: „Ich bringe sie ins Klinikum! Dort sind immer Notärzte!“

„Ich möchte mit, Johann!“

„Wegen deines Fingers, Marga?“

„Nein, nur so.“

„Bleib du hier. Ich fahre mit ihr alleine. Wir kommen später wieder zurück!“

 

Weg sind sie, die beiden.

 

Was für ein Zufall! Ich dachte gerade vorhin an ihre Zahnspange und dann passiert diesbezüglich tatsächlich etwas! Aber so schlimm war das ja nun auch wieder nicht. Sie, diese Uschi, übertreibt wohl gerne!

 

xxx

 

Etwas später, direkt beim Abendessen (der Duft des frischen Sauerbratens durchzieht die gesamte Wohnung und man bedauert den Vorfall mit Uschi aufs Äußerste) kommt natürlich, was kommen muss: Julie bettelt. Wie ein kleiner Hund setzt sie sich neben unsere Gäste und schmachtet sie der Reihe nach an.

 

„Gebt ihr bitte nichts!“, ruft Gitty quer über den Tisch (ein folgenschwerer Satz).

 

Was fällt ihr denn ein? Das ist die Gelegenheit aller Gelegenheiten! Gerade heute, wo sie alle anwesend sind, könnte ich mir so Einiges von dem frischen, wunderbar weichen Fleisch, ergattern! Und was tut sie? Wenn das keine Unverschämtheit ist?

 

Das wirst du mir büßen, Gittylein!

 

Zufällig schaue ich Julie an und bemerke plötzlich ihren ungewöhnlichen Blick, den sie Gitty zuwirft. Sehe ich da Wut? Oder ist es gar Hass? Das darf doch nicht wahr sein! Welche Freude drückte Julie noch kurz zuvor aus, als unsere Freunde sich allesamt um sie gekümmert hatten! Ihre Gefühle schlugen - bedingt durch Gittys Aussage - völlig um! Aber hundertprozentig! Ich bin mir zumindest so ziemlich sicher.

 

Ich kann mir einfach nicht vorstellen (bisher fiel mir dies jedenfalls nicht auf!) dass eine Katze solche negativen Gefühle in dieser Art ausdrücken kann, wie es ihr momentaner Gesichtsausdruck - ihre ganze Haltung - mir zeigt.

 

Uns zeigt!

 

Ihr Mäulchen ist schief nach unten gezogen und die blauen Augen glitzern gefährlich. Deutlich sieht man ihre spitzen Zähne. Ihr Rücken ist leicht gekrümmt. Wenn man sie jetzt - in diesem Moment - um das Fünffache vergrößern würde, sähe sie wie ein gefährlicher, leibhaftiger Tiger aus. Ein großer Tiger in Angriffsstellung...

 

Unberechenbar.

Zu allem bereit!

Und absolut tödlich!

 

Empfindet ein Tier überhaupt Hass? Oder Wut, geht es mir durch den Kopf. Eifersucht konnte ich bei ihr schon beobachten, auch Ungeduld und etwas Traurigkeit - gerade wenn Pauli sie zu lange alleine gelassen hatte - aber das hier? Ich kann es mir fast nicht vorstellen!

 

Einer unserer Nachbarn erzählte mir kürzlich, dass ein Hund, dessen Herrchen plötzlich verstorben war, am Grab Desjenigen so lange liegen geblieben war, bis er ebenfalls starb. Besser gesagt: Er verhungerte und verdurstete. Niemand hatte ihn von dort weglocken können. Tiere empfinden somit nachweisbar auch grenzenlose Trauer und logischerweise auch uneingeschränkte Liebe. Wenn Tiere also Liebe, Trauer und Eifersucht empfinden, dann könnte es doch auch möglich sein, dass sie all die anderen Gefühle wie Hass, Wut, Neid (Futterneid!), Missgunst, Ärger, Schadenfreude, Enthusiasmus, Depression und was es sonst noch so alles an Empfindungen gibt, die Menschen zeigen, haben.

 

Plötzlich sehe ich unsere Julie nicht mehr nur als ein etwas besonderes Tierchen, sondern ich erkenne sie - wie gesagt - von einem Moment auf den anderen als eine Katze mit...

 

... menschlichen Zügen.

Eine Menschenkatze!

 

Ich entschließe mich nun - in diesem Augenblick - ernsthaft, in absehbarer Zeit über unsere geliebte Julie einige kleine, harmlose Nachforschungen anzustellen. Leicht verträumt blicke ich sie an: Sie sitzt dort oben und starrt mich an. Unentwegt und völlig regungslos. Und plötzlich habe ich das unge-heuerliche Gefühl, als ob sie spürt, was ich über sie soeben dachte.

 

Was ich über sie denke!

Das darf doch nicht wahr sein!

 

Mir wird siedend heiß. Kleine Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn. Mit zitternder Hand zünde ich mir eine Zigarette an.

 

„Pet!“

„Ja, was ist denn, Gitty?“

„Warum isst du nicht weiter? Schmeckt es dir nicht?“

„Doch. Ganz hervorragend. Ich lege nur eine kleine Pause ein.“

„Was für ein Unsinn!“, grinst Dieter mich an. „Seit wann rauchst du denn während des Essens?“

„Ich musste über etwas nachdenken.“

 

Alle sind verblüfft und erstaunt.

Ich selbst am meisten.

 

„Wie meinst du das, Pet?“ Gitty ist sichtlich verunsichert.

„Ach, das war doch nur ein dummer Spruch von mir.“

 

Ich drücke die Zigarette aus, wische mir klammheimlich den Schweißfilm von der Stirn und esse weiter, als ob überhaupt nichts gewesen wäre.

 

Aber ich fühle mich beobachtet. Von dort oben. Von ihr. Und es schmeckt mir plötzlich nicht mehr.

 

„Was ist denn los mit dir, Pet?“ Barbara zupft mich am Ärmel.

„Nichts. Gar nichts.“

„Du bist ja ganz blass!“

„Unsinn.“

„Irgendetwas stimmt doch nicht mit dir!“

„Es ist alles in Ordnung.“

„Iß, Pet!“, ruft Gitty, als ob sie es etwas angehen würde.

„Lasst mir doch endlich meine Ruhe!“

 

Sie sind still.

Gott sei Dank.

 

Als ob Gitty es ahnen würde, dreht sie sich sehr, sehr langsam um und blickt nach oben zu Julie.

 

„Hat es mit ihr zu tun, Pet?“

„Sei bitte leise, Gitty!“, flüstere ich in ihr Ohr. „Ich will nicht, dass sie merkt, dass wir über sie reden!“

 

Du sprichst noch viel zu laut, Pet! Denkst du tatsächlich, dass ich euch nicht verstehen kann? Ob es dir passt oder auch nicht: Ich zeige meine Gefühle, auch wenn ihr Menschen behauptet, dass wir Katzen falsch sind! Wenn jemand falsch ist, dann seid ihr es! Ihr seltsamen Geschöpfe! Was bildet ihr euch überhaupt ein? Ihr stellt euch großkotzig über uns Tiere! Wenn du wüsstest, Pet, was in mir wirklich steckt, dann würdest du nicht solche Dinge von dir geben! Aber ich verzeihe dir: Schließlich bezahlst du ja auch mein Futter!

 

Je leiser ich spreche, umso neugieriger werden die anderen. Meine Freunde kriegen immer längere Ohren, wie es scheint. Da ich mich mittlerweile äußerst unwohl fühle, lenke ich das Gespräch gezielt von Julie ab. Barbara steigt prompt darauf ein und die Lage entschärft sich.

 

Ich sehe, wie aufmerksam Pauli den gesamten Vorfall beobachtet hatte. Nichts entging ihm. Was ihn jedoch sehr verunsicherte, war die Tatsache, dass ich Angst zeigte. Ich, der große, kräftige Vater hatte vor unserer niedlichen, äußerst harmlosen Katze Angst gezeigt.

 

Wie unangenehm!

Wie peinlich!

Und das vor meinem einzigen Sohn!

 

Ich ärgere mich insgeheim über mich selbst. Aber nun ist es leider schon zu spät. Es war tatsächlich das erste Mal, dass ich solch eine Situation erlebt hatte. Angst war für mich bisher ein Fremdwort. Aber ich konnte nichts dagegen tun, als sie mich so unverhofft überfallen hatte - diese unerklärliche Angst. Dieses kleine, unscheinbare Tierchen schaffte es, mich aus meinem inneren Gleichgewicht zu bringen.

 

Nun gut.

 

Der Abend wird trotzdem noch sehr lustig. Johann kam vor etwa zehn Minuten mit Uschi zu uns zurück. Ein Notarzt hatte die unerklärlicherweise verbogene Zahnspange wieder repariert. Jedoch Uschis Zahnfleisch ist sehr in Mitleidenschaft gezogen. Sie hat ziemliche Schmerzen.

 

Johann bekommt natürlich seine Portion Sauerbraten nachträglich, nur Uschi muss sich mit weicher Speise begnügen. Im Augenblick jedenfalls. Gitty gibt ihr als Ersatz einen herrlichen Pudding.

 

Den unangenehmen Vorfall mit Julie habe ich mittlerweile weggesteckt. Irgendwann komme ich auf die blendende Idee (die Kinder müssen um neun Uhr sowieso ins Bett), Julie gleich mit in Paulis Zimmer zu verfrachten. Sie straft mich mit Blicken, als ich sie hochnehme (mein Verhältnis zu ihr hat sich seit diesem prekären Vorfall von vorhin etwas verändert - eine dünne, unsichtbare Wand steht zwischen uns beiden) und in sein Zimmer befördere. Ich habe den Eindruck, als ob sie beleidigt ist. Aber vielleicht bilde ich mir dies alles auch nur ein. Leide ich etwa unter gewissen Ansätzen einer Paranoia? Erzählen darf ich dies jedenfalls niemandem!

 

Ich schließe die Kinderzimmertüre und gehe zurück ins Wohnzimmer, in dem dicke Rauchschwaden stehen. Jeder von uns Erwachsenen raucht. Die Gesellschaft ist mittlerweile aufgrund des genossenen Alkohols sehr aufgedreht und gerade, als ich zurück-komme, höre ich, wie Gitty von Pauli und Julie erzählt:

 

„Als wir Julie bekamen, war Pauli hin und weg. Sein bisheriges Spielzeug wanderte im Laufe der Wochen zum Teil in den Keller zu den anderen Flohmarktsachen, weil er sich fast nur noch mit ihr beschäftigte. Wir dachten anfangs, dass sich dies im Laufe der Zeit legen würde - dieses unglaubliche Interesse an seiner kleinen Katze - aber wir stellten dann fest, dass dem nicht so war.“

„Eure Katze erscheint mir unheimlich, Gitty!“, wirft Gunda ein.

„Aber nein!“, wiegelt Gitty ab. „Aber Pet und ich überlegen oft unbewusst, was wir sagen dürfen, und was nicht!“

„Kommt ihr euch da nicht komisch vor, Gitty?“

„Nein.“

„Ist das denn nicht nervtötend?“

„Am Anfang war es etwas schwierig, Dieter, aber im Laufe der Wochen gewöhnten wir uns daran. Wir äußern uns über sie jetzt nicht mehr, wie man von einem Tierchen spricht, sondern wir tun ganz einfach so, als ob sie unser zweites Kind wäre!“

 

Unser zweites Kind!

 

Die Kinderzimmertüre ist nur angelehnt. Da Pauli sehr neugierig ist, öffnete er sie vorsichtig, so dass wir Drei mithören können, was die Erwachsenen erzählen. An Schlaf ist natürlich nicht zu denken...

 

Ich soll euer zweites Kind sein? Ich finde es ja äußerst nett von euch, mich nicht nur als euer Haustier zu betrachten!

 

Ruhe.

Stille.

Alle Gäste überlegen.

 

Ich erzähle meinen Freunden noch einige lustige Geschichten, die wir mit Julie bisher erlebt hatten, und sie hören mit offenem Ohr und höchst amüsiert zu.

 

„Wenn ich nicht wüsste, Pet, dass du der bodenständige Peter Hofer bist, dann würde ich fast annehmen, dass dir diese kleine Katze in den Kopf gestiegen ist!“

„Nun, Johann, da du einer meiner besten Freunde bist und ich Ehrlichkeit schätze, akzeptiere ich deine Aussage selbstverständlich. Aber glaube mir, dass ich nichts als die Wahrheit sage, ebenso wie Gitty. Diese Katze ist ganz einfach phantastisch.“

„Und wie kann das kommen?“, fragt Barbara uns.

 

Die Frage aller Fragen steht im verräucherten Raum...

 

Wir wechseln endlich das Thema. Es ist schon nach Mitternacht, als plötzlich Pauli aus seinem Zimmer ins Wohnzimmer stürmt. Ja, so könnte man es wohl nennen. Er sieht in seinem bunt karierten Schlafanzug recht lustig aus, aber sein Gesichtsausdruck sagt genau das Gegenteil:

 

„Papa! Julie ist verschwunden!“ Er weint nicht. Dazu ist er schon zu groß.

„Wie bitte? Hast du auch überall nachgesehen?“

„Sie lag wie immer neben meinem Bett, als Uschi und ich einschliefen. (Uschi liegt im Kindergästebett) Ich wachte vorhin auf, weil ich zur Toilette musste. Die Kinderzimmertür war nicht angelehnt. Sie war zu. Du hast sie ja geschlossen, Mutti! (vorwurfsvoll) Julie konnte also nicht in der Wohnung herumlaufen, wie sie es gewöhnt ist!“

 

(Der Lümmel schiebt die Schuld auf seine Mutter!)

 

„Wir haben ganz vergessen, dass ihre Toilette im Bad steht!“, jammert Gitty. Sie kann sich in der momentanen Aufregung nicht mehr erinnern, ob sie es war, welche die Tür zugemacht hatte.

 

Normalerweise sind die Türen wie gesagt - also auch Paulis Türe - nur angelehnt. Somit kann Julie nachts in der gesamten Wohnung umherstreichen. Die Türe war heute ausnahmsweise nur deswegen zu, weil wir Gäste haben. Wir wollten nicht, dass die Kinder von unserer Lautstärke gestört würden und vergaßen dabei völlig die Katze. Nun haben wir den Salat.

 

Kurz, bevor Pauli aufwachte, hatte sich im Kinderzimmer folgendes abgespielt: Abgesehen davon, dass Julie ihre Toilette suchte und natürlich nicht fand, war sie noch sehr über Gittys Bemerkung, dass man ihr nichts von dem wunderbaren Fleisch geben sollte, erzürnt:

 

Was denken die sich denn überhaupt? Wo soll ich jetzt mein Geschäft verrichten? Ich kann es Pauli und Uschi unmöglich zumuten, dass ich in das Zimmer pinkele! Sie wären sicherlich entsetzt! Aber was soll ich nur tun? Da ich mir nicht mehr zu helfen weiß, schleiche ich zu dem halb geöffneten Fenster. Ich springe auf den Fenstersims und schaue mit gemischten Gefühlen nach unten. Sehr deutlich kann ich - trotz der bestehenden und bedrohlichen Dunkelheit - die schönen Pflaumenbäume erkennen, die mich sowieso schon so lange reizen. Ich schätze meine Lage ein und schwanke zwischen Furcht und Neugier. Ich betrachte die weiße Rauputzwand des Hauses und schätze die Entfernung bis zum Garten. Etwa zehn Meter werden es sein!

 

Ich probiere es einfach aus!

Es wird schon nichts passieren!

 

Vorsichtig tapse ich auf das glatte Fensterbrett und wäge erneut ab. Soll ich, oder soll ich nicht? Da ich keine feige Katze bin, riskiere ich den heiklen Abstieg. Ich weiß genau, was zu tun wäre, wenn ich von der Wand abrutschen würde, obwohl ich bisher noch nie in einer solch gefährlichen Lage war: Eine blitzschnelle Drehung, alle Muskeln anspannen und beim Aufprall abfedern! Mein ureigener Instinkt sagt mir, dass ich mit Sicherheit mit den Pfoten aufkommen würde.

 

Falls...

 

Mit meinen scharfen Krallen halte ich mich an dem harten Mörtel fest. Den Kopf nach unten, den Hintern an der senkrechten Wand. Es geht doch ganz gut, sage ich mir, mich selbst beruhigend. Jedoch ich schwitze in diesem Moment Wasser und Blut.

 

Was werden sie wohl sagen, wenn sie merken, dass ich getürmt bin, lache ich innerlich. Die Muskeln meiner Pfoten und Beine sind auf das Äußerste angespannt. Da ich in bester Kondition und außerdem sehr kräftig bin, gelingt es mir tatsächlich, den Abstieg unbeschadet zu überstehen. Zwei Meter über dem Rasen springe ich hinab und fühle mich ungemein gut. Jetzt habe ich es endlich geschafft, frohlocke ich. Jetzt kann ich die Wohnung verlassen, wann immer es mir beliebt - vorausgesetzt, eines der Fenster oder die Balkontüre ist offen!

 

Ich bin sehr stolz auf meine große Leistung. Es ist mir gelungen, in den Garten zu gelangen. Wie werden sie wohl schauen, wenn sie es bemerken, frage ich mich klammheimlich. Dann, ganz plötzlich, bekomme ich doch leichte Gewissensbisse. Ein Gefühl, dass ich bisher noch nicht kannte und außerdem absolut ablehne: Sie werden sich sicherlich um mich Sorgen machen! Ob sie mich auch suchen werden? Ich denke, schon! Aber was soll‘s! Hätten sie die Tür nicht verschlossen, dann wäre ich auch nicht abgehauen!

 

„Und was sollen wir jetzt tun?“ Pauli ist furchtbar aufgeregt.

„Wir suchen sie!“, antworte ich.

„Wir suchen mit!“, rufen die anderen im Chor.

„Glaubst du, Pet, dass sie aus dem Fenster geklettert ist?“

„Ja, Gitty, so wird es wohl sein!“, gebe ich zurück.

 

Ich mache mir große Sorgen um unser kleines Katzenkind.

 

Paulis Gesichtsausdruck sagt mir alles: Er hat eine panische Angst um sie. Ich betrete leise sein vollkommen unaufgeräumtes Zimmer - Uschi schläft immer noch. Sie bekam von der ganzen Sache bisher nichts mit. Mit einem dicken Kloß im Hals wage ich einen vorsichtigen Blick aus dem Fenster. Ich schaue angestrengt nach unten, weil ich befürchte, dass Julie dort unten in ihrem Blut - mit zerschmetterten Knochen - liegt. Jedoch ich kann nichts erkennen, da es viel zu dunkel ist. Ich schleiche mich zurück und flüstere Gitty zu:

 

„Wir gehen jetzt nach unten und schalten die Gartenbeleuchtung ein!“

„Ja, Pet! Das tun wir.“

„Halte Pauli von der Stelle entfernt, an der Julie aufgeschlagen sein könnte!“

„Mach ich.“

„Dort rings um die Terrasse!“

„Ja. Ist klar.“

 

Wir marschieren nun alle - im Gänseschritt - leise nach unten. Ich erkläre den Freunden, dass wir unsere Nachbarn nicht aufwecken wollen. Dementsprechend vorsichtig bewegen sie sich im Treppenhaus Richtung Haustür. Ich gehe voran und öffne diese. Gitty hat mittlerweile die Außenbeleuchtung aktiviert. Der Garten ist hell erleuchtet. Der plötzliche Kontrast erscheint unheimlich, ja, irgendwie erschreckend. Insgeheim hoffe ich, dass Julie vor unserem Hauseingang sitzt und darauf wartet, dass jemand die Haustür öffnet.

 

„Bleibt bitte hier! Ich schaue schnell!“ Mit hurtigem Schritt nähere ich mich der Stelle, an der Julie die Wand hinunter gekommen sein muss.

 

So oder so...

 

Von Julie ist nichts zu sehen. Ich schaue nach oben und hoffe, dass sie sich vielleicht auf dem Balkon der Familie, die unter uns wohnt, oder auf der Terrasse im Erdgeschoss befindet und rufe leise:

 

„Julie! Goldkätzchen! Wo bist du?“

 

Nichts. Keine Resonanz. Enttäuscht und verzweifelt begebe ich mich zu Gitty, Pauli und meinen Freunden, die unglücklich umherstehen und nicht wissen, was sie nun tun sollen.

 

„Keine Spur von ihr! Lasst uns ausschwärmen!“ Wie ein Indianerhäuptling gebe ich meine direkten Befehle.

 

Ha! Wen sehe ich denn da? Den Herrn Oberclown Dieter! Ich fixiere ihn mit Blicken und denke mir: Ach, wie schön wäre es, wenn er für uns den Clown machen würde!

 

Wir verteilen uns nun im gesamten Garten, der eine ungefähre Fläche von fünfhundert Quadratmetern hat. Abgesehen von den zehn Zwetschgenbäumen ist unser Gemeinschaftsgarten auch noch mit vielen verschiedenartigen Sträuchern bepflanzt. Alle rufen leise durcheinander:

 

„Julie! Miezekatze!“

„Ja wo ist sie denn?“

„Komm zu uns, Julie!“, schreit Pauli.

„Du kriegst auch was Schönes zu Fressen!“, locke ich sie.

 

Was hat er gesagt? Ich kriege was Schönes zu fressen? Ja, was denn, bitteschön? Ein Stück von dem herrlich duftenden Sauerbraten? Ich überlege, ob ich mich auf dieses verlockende Angebot einlassen soll, sage mir aber, dass es sicherlich interessanter ist, wenn ich diese Gesellschaft doch noch ein wenig zappeln lasse. Das erhöht die Wiedersehensfreude!

 

Gerade vorhin kreuzte eine Maus meinen Weg. Es hätte mich geekelt, wenn ich sie hätte fressen - nein, essen - müssen. Pfui Teufel noch mal! Bin ich doch anders als all die anderen Millionen Katzen auf dieser seltsamen Erde? Als normal kann man meine Handlungsweise ja nicht gerade bezeichnen! Also, aus der Sicht der Menschen. Ich muss wohl damals in dem dunklen Schuppen, in dem ich geboren wurde, ein Trauma erlitten haben! Oder kommt meine Abart von der speziellen Behandlung dieses sogenannten Arztes im Tierheim?

 

Genau. Das muss es sein. Der Teufel soll ihn holen! Wie sie mich suchen! Wie sie nach mir rufen! Ich wusste gar nicht, dass sie mich so sehr mögen!

 

Diese Menschen...

 

Ich sitze, gut geschützt von einer Unmenge von Blättern in einem der Pflaumenbäume, und beobachte die nächtliche Szene. Wie sie alle umherschwirren! Wie sie mich mit ihren albernen Worten locken!

 

Einfach lächerlich.

 

Plötzlich höre ich, wie Pauli, genau unter dem Baum stehend, auf dem ich zufälligerweise sitze, mit völlig ruhiger Stimme sagt:

 

„Wenn du nicht sofort von da oben herunterkommst, kannst du aber was erleben!“

 

Woher weiß er, dass ich hier oben bin? Hat er mich etwa gesehen? Aber das kann doch gar nicht sein! Meine Deckung ist geradezu perfekt!

 

Er spürt mich, der Bengel!

 

Und er droht mir! Was will er denn machen, wenn ich nicht hinunter komme? Den Baum fällen? Oder ihn gar anzünden? Ich gehorche ihm lieber, denn ich finde es besser, mich ihm nicht zu widersetzen. Der Bursche weiß ganz genau, was er will! Und genau das schätze ich so an ihm. Gut, ich turne zu ihm hinunter. Der Klügere gibt nach. Vorsichtig hangele ich mich an der dicken Baumrinde nach unten. Ich befinde mich nun genau einen Meter über Paulis Kopf.

 

„Komm her, du kleines Miststück!“, sagt er gedämpft zu mir.

 

Ich springe auf seine schmale Schulter und er ist überhaupt nicht überrascht. Ich spiele die Bedauernswerte, aber er steigt nicht darauf ein.

 

„Julie, du freche Katze! Was fällt dir ein, uns so zu erschrecken?“, ruft Gitty quer durch den Garten.

 

Man hört eine gewisse Erleichterung aus ihren Worten. Aber auch ein leichter Vorwurf ist daraus zu erkennen.

 

„Da ist sie ja!“ Auch ich bin sehr froh, sie so zu sehen.

 

Die gesamte Gesellschaft schart sich nun um Pauli und mich und jeder versucht, mich zu streicheln. Es tut gut, gemocht zu werden!

 

Da!

Was ist denn das?

Ich denke, ich sehe nicht recht!

 

Dieter, unser geliebter Dieter, führt dort hinten zwischen den Pflaumenbäumen einen Tanz auf!

 

Was hat er denn plötzlich?

Was ist denn in ihn gefahren?

 

Wir stehen alle zusammen und bewundern den Tanz aller Tänze: Dieter springt von einem Bein auf das andere und führt einen regelrechten Teufelstanz auf. Dabei jault er wie ein junger Hund. Er kratzt sich an den unglaublichsten Stellen seines Körpers und führt sich auf, als ob er in einen überdimensionalen Ameisenhaufen gefallen wäre. Wir lachen uns halb zu Tode, denn dieser Anblick ist einfach königlich. Ist er denn vollkommen übergeschnappt? Jetzt schlägt er einen Purzelbaum, dann den nächsten und danach einen rückwärts.

 

Uaaah!“, schreit er durch die laue Nacht.

 

Immer und immer wieder. Seine Frau Gemahlin macht sich langsam Sorgen um ihn.

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