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JULIA SOMMERLIEBE, BAND 23

MELANIE MILBURNE

Sommer der Leidenschaft

Sydney flirrt in der Sommerhitze, aber Claires Herz erstarrt zu Eis, als sie erfährt: Antonio ist in der Stadt! Ihren ganzen Mut nimmt sie zusammen und bittet ihn endlich um die Scheidung. Aber statt einzuwilligen, lodert die Leidenschaft in Antonios Augen auf. Und dann stellt er Claire ein Ultimatum, das den Himmel bedeuten kann – oder die Hölle!

HEIDI BETTS

Mehr als ein Flirt in Florida

Wunderbar, am idyllischen Strand zu joggen … Moment mal! Abrupt stoppt Michael, als er die zarte rotblonde Schönheit entdeckt, die sich mit Sonnenschirm und Badetasche abschleppt. Er kommt ihr zu Hilfe – und verfällt Abbys scheuem Charme restlos. Jede einzelne ihrer Sommersprossen möchte er küssen! Bloß, dass ihm ein Urlaubsflirt mit ihr viel zu wenig ist …

KATE HEWITT

Ein italienischer Boss zum Verlieben

Auf den ersten Blick verliebt Zoe sich in die romantische Villa am Comer See, wo tausend Bougainvilleas blühen – und in ihren attraktiven italienischen Boss! Doch schnell macht ihr Leandro Filametti klar: Gegen eine heiße Affäre mit ihr, seiner hübschen, amerikanischen Haushälterin, hat er nichts. Aber mehr darf sie nicht von ihm erwarten …

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1. KAPITEL

Verblüfft starrte Claire ihre Anwältin an. Ihre Gedanken überschlugen sich, und ihr Herz pochte plötzlich zu schnell und zu heftig. „Was soll das heißen, dass er nicht einwilligt?“

„Ihr Mann hat sich geweigert, die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Er wollte sie nicht einmal entgegennehmen. Er war da ganz unerbittlich und besteht darauf, sich zuerst mit Ihnen zu treffen.“

So war das alles nicht geplant. Sekundenlang nagte Claire an ihrer Unterlippe.

Sie hatte gehofft, jeglichen Kontakt zu Antonio Marcolini während seiner Vortragsreihe in Sydney vermeiden zu können. Sie musste endlich nach vorn blicken und die Vergangenheit hinter sich lassen.

Fünf Jahre waren seit ihrer letzten Begegnung vergangen; für eine Scheidung nach so langer Trennungszeit war doch sicherlich nichts weiter nötig als ein paar Formalitäten, die einer erfahrenen Juristin keine Probleme bereiten sollten.

„Sofern Sie keine speziellen Gründe haben, sich nicht mit ihm zu treffen, schlage ich vor, dass Sie es hinter sich bringen – und zwar bald“, riet ihr die Anwältin Angela Reed. „Es kann gut sein, dass er die Angelegenheit einfach auf einer persönlicheren Basis regeln will, anstatt den formellen Rechtsweg zu durchlaufen. Letztendlich wird er eine Scheidung natürlich nicht verhindern können, aber er kann sie hinauszögern – was noch höhere Anwaltskosten für Sie bedeutet.“

Claire verspürte einen Anflug von Panik bei dem Gedanken an weitere Rechnungen, die noch auf sie zukommen würden. Sie war ohnehin nicht besonders flüssig, und ein langwieriger Scheidungsprozess würde sie finanziell ans Limit bringen.

Aber warum in aller Welt sollte Antonio sie nach all dieser Zeit sehen wollen? Die Umstände, unter denen ihre Ehe geendet hatte, erweckten kaum das Verlangen nach einem freundschaftlichen Plausch über alte Zeiten bei einer Tasse Kaffee.

Sie holte tief Luft und begegnete dem forschenden Blick ihrer Anwältin. „Ein einmaliges Treffen von Angesicht zu Angesicht kann wohl nicht viel schaden“, räumte sie ein, allerdings hatte sie dabei ein flaues Gefühl in der Magengegend.

„Betrachten Sie es als Abschluss.“ Angela schob ihren Stuhl zurück und stand auf, um zu signalisieren, dass das Beratungsgespräch zu Ende war.

Kurz darauf trat Claire hinaus auf die Straße und atmete tief durch. Natürlich ist es ein Abschluss. Was denn sonst? Deswegen hatte sie die Scheidung ja in die Wege geleitet.

Es war allerhöchste Zeit, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Sie war es sich selbst schuldig, das Leben wieder zu umarmen und in vollen Zügen zu genießen.

Das Telefon begann zu klingeln, gerade als sie ihre Wohnungstür aufschloss. Sie ließ Handtasche und Schlüsselbund auf das Sofa fallen und griff zum Hörer. „Hallo?“

„Hallo, Claire.“

Sie umklammerte das Telefon mit plötzlich feuchter Hand und versuchte, die aufkommenden Gefühle zu bezwingen, die der sanfte weiche Klang ihres Namens in seinem reizvollen Akzent auslöste. Winzige Schweißperlen traten ihr auf die Oberlippe. Ihr Herz begann zu hämmern, und ihr Atem kam flach und unregelmäßig.

Himmel, wenn du schon so heftig reagierst, sobald du nur seine Stimme hörst, wie in aller Welt willst du dann erst ein Wiedersehen verkraften?

„Hallo, Claire“, wiederholte er.

Der samtweiche Ton seiner tiefen Stimme ließ ihre Haut unter den Schichten ihrer dicken Winterkleidung prickeln und das Blut schneller durch ihre Adern strömen.

Sie schluckte schwer, schloss die Augen und flüsterte atemlos: „Hallo, Antonio … ich wollte … dich gerade anrufen …“

„Ich gehe davon aus, dass du schon mit deiner Anwältin gesprochen hast?“

„Ja, aber …“

„Dann weißt du ja, dass ich kein Nein als Antwort akzeptiere“, unterbrach er. „Wenn du dich weigerst, dich mit mir zu treffen, willige ich nicht in die Scheidung ein.“

Seine Arroganz weckte ihren Widerspruchsgeist. „Du glaubst wohl, dass du mich wie ein Püppchen herumkommandieren kannst, wie? Verdammt, Antonio, was glaubst du denn von mir? Ich bin kein …“

„Von Angesicht zu Angesicht, Claire“, beharrte er in unbeugsamem Ton. „Ich bin überzeugt, dass es keinen besseren Weg gibt, um geschäftliche Angelegenheiten zu regeln.“

Sie spürte eine eiskalte Angst an ihrem Rücken hinaufkriechen. „Ich dachte, du wärst wegen einer Vortragsreihe hier, und nicht, um mit deiner zukünftigen Exfrau Umgang zu pflegen“, konterte sie, wobei ihr der beabsichtigte kühle Ton nicht wirklich gelang.

Ihr Blick fiel auf die Zeitung, die sein Erscheinen ankündigte. Der Artikel über ihn lag seit Tagen aufgeschlagen auf dem Tisch, obwohl es ihr jedes Mal einen Stich ins Herz versetzte, wenn sie daran vorbeiging und sein attraktives Gesicht sie anlächelte, als wäre in seiner Welt alles in bester Ordnung.

„Es stimmt tatsächlich, dass ich die nächsten drei Monate hier in Australien verbringe, um im Rahmen der Stiftung, die ich in Italien gegründet habe, Vorträge zu halten und Operationen durchzuführen.“

Nicht zum ersten Mal hörte sie von seiner Einrichtung namens FACE, die Millionen von Dollar für die chirurgische Korrektur schwerer Gesichts- und Kopfverletzungen bereitstellte.

Claire hatte auf seiner Website mehrere Fälle verfolgt, in denen er der operierende Arzt gewesen war, und staunte über die wahren Wunder, die er an seinen Patienten vollbrachte.

Aber Wunder widerfahren immer bloß den anderen, rief sie sich bitter in Erinnerung. Zumindest das hatte sie aus ihrer kurzen Ehe mit Antonio gelernt.

„Allerdings muss ich sagen, dass ich nicht verstehe“, fuhr er fort, „wieso du nicht erwartet hast, dass ich dich persönlich sehen will.“

„Ich finde es unangemessen – unter den gegebenen Umständen“, konterte sie kühl. „Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Ich bin der Ansicht, dass wir alles ausgesprochen haben, als wir das letzte Mal zusammen waren.“

Und wie deutlich! Lebhaft erinnerte sie sich an die heftigen Worte, die sie ihm an den Kopf geworfen hatte. Zornige und bittere Vorwürfe, die aber leider nicht geholfen hatten, ihren qualvollen Verlust und den Kummer über seinen Verrat zu mildern.

Antonio war so kalt, so distanziert geblieben, ja geradezu sachlich-analytisch wie ein Mediziner. Dadurch hatte er ihr zum einen das Gefühl vermittelt, keine Selbstdisziplin, keine Reife und herzlich wenig Würde zu besitzen, und zum anderen, dass ihn das alles überhaupt nicht betraf.

„Ich nehme mir das Recht heraus, anderer Meinung zu sein“, gab er steif zurück. „Das letzte Mal, als wir zusammen waren, hast du ganz allein geredet und mich überhaupt nicht zu Wort kommen lassen. Sämtliche Vorwürfe und Beschimpfungen gingen auf dein Konto, wenn ich mich recht erinnere. Jetzt möchte ich auch endlich mal etwas sagen.“

Claire umklammerte das Telefon noch fester. „Hör mal, wir sind jetzt schon seit fünf Jahren getrennt und …“

„Ich weiß sehr gut, wie lange wir getrennt sind“, unterbrach er sie – wieder einmal. „Oder besser gesagt: entfremdet. Soweit ich weiß, ist das der treffendere Ausdruck, da bisher keine formelle Aufteilung der Güter zwischen uns stattgefunden hat. Das ist einer der Gründe, warum ich jetzt hier in Australien bin.“

Ihr drehte sich der Magen um. „Ich dachte, du wärst hier, um deine Stiftung zu promoten – um den Bekanntheitsgrad weltweit zu erhöhen.“

„Das stimmt zwar, aber ich beabsichtige nicht, die vollen drei Monate mit Vorlesungen zu verbringen. Ich möchte hier auch Urlaub machen und natürlich dir eine gewisse Zeit widmen.“

„Warum?“, hakte sie misstrauisch nach.

„Wir sind immer noch rechtskräftig verheiratet.“

„Dann lass mich raten“, sagte sie gedehnt, jedes einzelne Wort mit einem guten Schuss Hohn gewürzt. „Deine aktuelle Geliebte wollte dich nicht auf diese weite Reise begleiten, und deshalb suchst du nach einem Ersatz für drei Monate. Vergiss es, Antonio. Ich bin nicht verfügbar.“

„Bist du derzeit mit jemandem liiert?“, wollte er wissen.

Seine Frage machte sie wütend. Wie konnte er auch nur denken, dass sie sich ebenso leichtfertig in amouröse Abenteuer stürzte wie er? „Warum willst du das wissen?“

„Ich möchte niemandem in die Quere kommen. Obwohl es natürlich Mittel und Wege gibt, um mit derartigen Hürden umzugehen.“

„Ja, wir alle wissen, dass dich solche kleinen Hindernisse zumindest früher nicht abgehalten haben“, entgegnete sie schnippisch. „Ich meine mich zu erinnern, vor ein paar Jahren von deiner Affäre mit einer verheirateten Frau gehört zu haben.“

„Sie war nicht meine Geliebte“, widersprach er sofort. „Die Presse macht immer ein großes Tamtam aus allem, was Mario und ich tun. Das weißt du doch. Ich habe dich gleich davor gewarnt, als wir uns kennengelernt haben.“

Claire musste Antonio zugutehalten, dass er sich alle Mühe gegeben hatte, um sie auf den Medienrummel vorzubereiten, mit dem alle „Angebeteten“ der Marcolini-Brüder rechnen mussten. Antonio und Mario, Söhne des prominenten italienischen Geschäftsmannes Salvatore Marcolini, konnten sich der Berichterstattung in den Medien nicht entziehen.

Jede Frau, die sie auch nur ansahen, wurde sofort abgelichtet und erschien groß in den Klatschspalten. Über jedes Restaurant, das sie aufsuchten, wurde berichtet, und jeder Schritt, den sie unternahmen, wurde von Hunderten Teleobjektiven verfolgt.

Claire empfand diese Medienpräsenz als lästig und beängstigend. Sie war auf dem Lande aufgewachsen und nicht an Aufmerksamkeit gewöhnt, schon gar nicht an das Interesse der Weltöffentlichkeit.

Sie war in einem kleinen Provinzstädtchen im Outback von New South Wales geboren und aufgewachsen. Das Dasein im dürren Busch bot keinen Platz für Glanz und Glitter, und in ihrem jetzigen Leben sah es nicht viel anders aus.

Als Hairstylistin in einem kleinen Salon fand sie zum Glück nicht die Beachtung, die Antonio von Kindesbeinen an zuteil geworden war.

Das war nur einer der grundlegenden Unterschiede, die einen Keil zwischen sie getrieben hatten. Sie gehörte nicht zu seinen Kreisen; das hatten seine Eltern sie gleich von der ersten Begegnung an deutlich spüren lassen. Derart reiche Leute betrachteten eine dreiundzwanzigjährige, hergelaufene australische Friseuse auf Arbeitsurlaub nicht als geeignete Ehefrau für ihren überaus talentierten Sohn.

„Ich bin im Hammond Tower Hotel abgestiegen“, verkündete Antonio und unterbrach Claire in ihren Gedanken. „In der Penthousesuite.“

„Oh, natürlich“, murmelte sie zynisch.

Nach einer knappen, aber angespannten Pause fragte er: „Du hast doch sicherlich nicht erwartet, dass ich für die kurze Zeit, die ich hier verbringen werde, gleich ein Haus kaufe, oder?“

„Nein, natürlich nicht. Ein Penthouse ist nur ein bisschen übertrieben für jemanden, der eine Stiftung leitet – zumindest für mein Empfinden.“

„Die Stiftung wächst und steht finanziell gut da. Von daher habe ich es nicht nötig, auf einer Parkbank zu schlafen. Aber da möchtest du mich wahrscheinlich gern sehen, oder?“

„Ich will dich überhaupt nicht sehen“, gab Claire schroff zurück.

„Ich lasse dir aber keine Wahl. Wir haben einige Dinge zu besprechen, und zwar vertraulich. Bei dir oder bei mir. Das ist mir egal.“

Ihr war es keineswegs egal. Sie wollte seine Aura aus ihrer bescheidenen, aber ordentlichen Wohnung fernhalten.

Es war schon schwer genug, mit den Erinnerungen an seine Berührungen und Küsse, an die wilde Leidenschaft seines Liebesspiels zu leben. Selbst im Laufe der Jahre schien seine sinnliche Ausstrahlung nicht abgenommen zu haben.

Sogar in diesem Moment reagierte ihr Körper auf ihn, nur weil sie seine Stimme hörte. Wie viel schlimmer musste es sein, ihm von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, dieselbe Luft wie er zu atmen, ihn vielleicht sogar anzufassen?

„Es ist mir ernst, Claire“, erklärte er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Ich kann in zehn oder fünfzehn Minuten bei dir sein, oder du kannst mich hier treffen. Du hast die Wahl.“

Sie presste die Lippen zusammen, während sie ihre Optionen erwog. In ihrer eigenen Wohnung war es ihr zu privat, zu intim. Doch ein Treffen in seinem Hotel war ihr zu öffentlich. Wenn die Presse dort herumlungerte, wäre das denkbar ungünstig. Schon ein einziger Schnappschuss von ihnen beiden zusammen konnte sensationelle Spekulationen auslösen, die ihr zum Glück in den letzten fünf Jahren erspart geblieben waren.

Letztendlich entschied sie, dass sich ihr Domizil nicht für die beunruhigende Anwesenheit ihres entfremdeten Ehemanns eignete. Sie wollte nicht in nächster Zeit ihre Couch ansehen und daran denken müssen, wie seine langen starken Schenkel darauf ruhten, und auch nicht aus einer Tasse trinken, die seine Lippen berührt hatten.

„Ich komme zu dir“, willigte sie schließlich resigniert ein.

„Ich erwarte dich in der Pianobar. Soll ich dir eine Limousine schicken?“

Beinahe hatte sie den Wohlstand vergessen, den er für selbstverständlich hielt. Für ihn kam natürlich kein kleiner Mietwagen infrage. Nein, er brauchte den neuesten italienischen Sportwagen oder aber eine exklusive Limousine mit livriertem Chauffeur.

Die Vorstellung, dass ein Luxusschlitten vor ihrer Wohnung vorfuhr, um sie abzuholen, war geradezu lächerlich. Vor allem angesichts ihres eigenen Autos.

Claire musste dem betagten Gefährt jeden Morgen und jeden Abend gut zureden, damit es ansprang. Es zuckelte lahm dahin, ramponiert und angeschlagen wie sie selbst von den Schlägen, die das Schicksal auszuteilen pflegte, aber fest entschlossen, die Reise zu vollenden.

„Nein danke“, erwiderte sie mit einem letzten Rest von Stolz. „Ich schaffe den Weg allein.“

„Gut. Ich werde nach dir Ausschau halten und erwarte dich in – sagen wir – einer Stunde?“

Claire murmelte eine Zustimmung und legte das Telefon aus der Hand. Der Gedanke, Antonio wiederzusehen, versetzte ihr einen Stich mitten ins Herz. Ihr Magen begann zu flattern vor Nervosität, ihre Handflächen waren längst feucht.

Wenn er keine Scheidung wollte, was hatte er dann vor? Ihre Ehe war gestorben, zusammen mit dem Grund, aus dem sie überhaupt erst zustande gekommen war.

Der Kummer überwältigte Claire bei dem Gedanken an ihre tot geborene Tochter. Sie hätte gerade die ersten beiden Jahre Kindergarten hinter sich, wäre jetzt fünf Jahre alt und garantiert unglaublich niedlich. Wahrscheinlich hätte sie Antonios dunkelbraune Augen und vielleicht auch seine tintenschwarzen gewellten Haare …

Claire fragte sich, ob er auch jemals an ihr Baby dachte. Lag er wie sie in den Nächten wach und glaubte, es schreien zu hören? Sehnte auch er sich danach, es wenigstens noch ein einziges Mal in den Armen zu halten? Betrachtete er stundenlang das einzige Foto, das im Kreißsaal aufgenommen worden war, und spürte er dabei wie Claire einen unerträglichen Schmerz in der Brust, weil sich die Augen nie geöffnet hatten, um ihm ins Gesicht zu blicken?

Wahrscheinlich nicht dachte sie voller Bitterkeit, während sie in ihrem Kleiderschrank wühlte. Sie nahm ein schwarzes Kleid heraus und hielt es prüfend hoch. Das Kleid war bereits einige Jahre alt und viel zu weit, aber was machte das schon?

Sie legte es nicht darauf an, Antonio zu beeindrucken. Das war Aufgabe der Supermodels und It-Girls, mit denen er in ganz Europa wilde Partys feierte.

Das Hammond Tower Hotel stand im Stadtzentrum. Es bot überwältigende Ausblicke auf den Hafen und aus verschiedenen Perspektiven auf das Sydney Opera House, das weltberühmte Wahrzeichen mit seinem segelartigen Flügeldach.

Im Gegensatz zu anderen Hotels, mit denen das Hammond konkurrierte, besaß es einen altmodischen Charme. Das Art-déco-Design und die pflichteifrigen, makellos livrierten Bediensteten gaben Claire das Gefühl, in der Zeit zurückzureisen und in eine weit vornehmere und glamourösere Ära einzutauchen, die moderne Hotels mit ihren massiven Türmen aus Stahl und Glas nicht heraufbeschwören konnten.

Sie überließ dem Hoteldiener ihren Autoschlüssel und zog verlegen den Kopf ein, als der Motor hustete und spuckte und nicht anspringen wollte.

Der diensthabende Portier lächelte sie zur Begrüßung an und hielt ihr die Tür aus Glas und Messing auf. „Guten Abend, Madam. Willkommen im Hammond Tower.

Sie erwiderte das Lächeln und bedankte sich höflich. Auf verräterisch unsicheren Beinen machte sie sich auf den Weg zur exklusiven Pianobar.

Antonio saß auf einem Ledersofa und stand auf, sobald er sie kommen sah.

Claire stockte der Atem. Er war so bezwingend groß.

Wie hatte sie nur vergessen können, wie zierlich sie sich immer fühlte, wenn sie vor ihm stand? Er ragte vor ihr auf, und seine Augen, so finster wie die Nacht, forschten in ihren, ohne etwas preiszugeben.

„Claire.“

Das war alles, was er sagte, nur ihren Namen, und doch rief es eine so intensive Reaktion hervor, dass ihr Verstand kaum noch funktionierte, geschweige denn ihre Stimme.

Gierig, hungrig sog sie seinen Anblick in sich auf, prägte sich in jener prickelnden Sekunde des Schweigens jedes Detail seiner Züge ein.

Wird er mich anfassen? fragte sie sich in einem Anflug von Panik. Sollte sie den ersten Schritt machen, um ein Zeichen zu setzen und die Bedingungen zu diktieren, bevor er es tat? Sollte sie ihm eine Wange nach der anderen zum Kuss bieten, wie sie es in Italien als gängiges Begrüßungsritual gelernt hatte?

Oder sollte sie lieber so steif stehen bleiben – die Arme angelegt, die Handtasche fest umklammert – und mit wild hämmerndem Herzen jenen Moment hinauszögern, in dem sie erneut seinem dunklen Blick begegnen musste?

Er hatte sich kaum verändert. Sein schwarzes Haar wies immer noch keine Spur von Grau auf, obwohl er inzwischen sechsunddreißig Jahre alt war. Seine Haut war wie immer gebräunt, sein Gesicht glatt rasiert.

Der klassische Schnitt seines italienischen Designeranzugs verbarg nicht seine ausgezeichnete körperliche Verfassung. Breite Schultern und schlanke Taille, schmale Hüften und lange kräftige Beine – all das kündete von einem Mann, der seine Gesundheit und Fitness ernst nahm, trotz der langen Arbeitszeiten.

„A… Antonio …“, brachte sie schließlich hervor. Der Name kam ihr kaum hörbar, dafür aber sehr zittrig über die Lippen. Sie hätte sich dafür ohrfeigen können, dass sie sich anmerken ließ, wie sehr seine Gegenwart sie aufwühlte.

Warum konnte sie nicht ausnahmsweise mal cool und abgeklärt wirken, wenigstens jetzt? Warum musste sie sich fühlen, als wäre ihr Brustkorb in einen Schraubstock geraten, den jemand immer enger stellte, bis sie nicht mehr atmen konnte?

„Willst du dich nicht setzen?“ Er deutete zu dem Sofa, von dem er gerade aufgestanden war.

So höflich, so formell, dachte Claire. Sie nahm Platz. Als Antonio sich zu ihr setzte, schwang sie die Beine hastig zur Seite. Bloß jede Berührung vermeiden!

Ein Kellner trat zu ihnen.

„Was möchtest du trinken?“, fragte Antonio.

„Etwas Alkoholfreies. Mineralwasser“, murmelte sie und presste ihre Handtasche an sich wie einen Rettungsanker. „Ich muss noch fahren.“

Er bestellte ihr ein Wasser und sich selbst einen Brandy, bevor er sich zurücklehnte und sie eingehend musterte. „Du hast abgenommen.“

Ihre blaugrünen Augen blitzten vor Verärgerung auf. „Ist das eine Kritik oder eine Feststellung?“

„Ich wollte dich nicht kritisieren, Claire.“

In einer abwehrenden Geste verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Hör mal, können wir es nicht einfach schnell hinter uns bringen? Sag, was du zu sagen hast, und lass mich in mein Leben zurückkehren.“

Antonio lehnte sich zurück und legte einen Arm lässig über die Rücklehne. Gemächlich ließ er den Blick über ihre Gestalt gleiten. „Was für ein Leben könnte das sein? Das frage ich mich“, murmelte er.

Sie starrte ihn mit halb zusammengekniffenen Augen an; zwei rote Flecken erschienen auf ihren Wangen. Er war noch immer so schrecklich arrogant. Maßte sich Urteile über ihr Leben an, von dem er im Moment nicht die geringste Ahnung hatte. Und das Traurige war: Er hatte vollkommen recht.

„Ich habe ein Leben, Antonio. Ich ziehe es nur vor, es ohne dich zu führen.“

Er lächelte vor sich hin. Claire war immer sehr scharfzüngig, wenn sie sich im Vorteil wähnte. Doch er kannte Mittel und Wege, um ihr einen Dämpfer zu verpassen, und das hatte er jetzt auch vor. „Wir haben einiges zu besprechen. Schließlich sind wir schon seit langer Zeit getrennt und müssen entscheiden, wie es von jetzt an weitergehen soll.“

„Das kann ich dir genau sagen. Es ist alles ganz einfach: Wir gehen so schnell wie möglich vor Gericht und beenden ganz formell unsere Ehe. Und dann führt jeder sein gewohntes Leben weiter.“

Antonio schwieg einen Moment, musterte ihre blitzenden Augen und ihre weichen Lippen, die zu einer schmalen Linie zusammengepresst waren.

Ihr Teint war milchig hell. Die winzigen Sommersprossen auf der Stupsnase verliehen ihr das Aussehen eines unbekümmerten Mädchens von nebenan und wirkten faszinierend auf ihn.

Ihm war nicht entgangen, wie jeder Mann im Raum sich nach Claire umgedreht hatte, als sie in die Bar gekommen war. Doch entweder war sie sich der männlichen Blicke nicht bewusst, die sie auf sich zog, oder aber sie ignorierte die Aufmerksamkeit ganz bewusst, um auf clevere Weise ihre feminine Macht zu steigern.

„Und was ist, wenn ich dir sage, dass ich keine Scheidung will?“, erkundigte er sich nach einer wohlüberlegten Pause.

Claire stellte ihr Mineralwasser mit einem lauten Knall auf den Couchtisch und starrte ihn mit großen Augen an. „Was hast du gesagt?“

Er lächelte überheblich. „Du hast mich schon richtig verstanden.“

Sie holte tief Luft und warf ihm einen steinernen Blick zu. „Das ist dein Pech, Antonio, weil ich die Scheidung unbedingt will.“

Er sah ihr unverwandt ins Gesicht. „Warum hast du dann nicht schon vorher die erforderlichen Schritte eingeleitet?“

Sie wandte den Blick ab. „Aus meiner Sicht war es gar nicht nötig“, gab sie gereizt zurück. „Für mich warst du aus meinem Leben verschwunden. Aus den Augen, aus dem Sinn.“

„Aber jetzt, wo ich wieder da bin, willst du unsere Ehe ganz plötzlich endgültig beenden?“ Er schnippte mit den Fingern. „Einfach so?“

Mit eisiger Verachtung konterte sie: „Unsere Ehe ist bereits seit fünf Jahren am Ende, und das weißt du verdammt gut.“

„Und warum war dem so?“ Er machte sich nicht mehr die Mühe, seinen schwelenden Zorn zu verbergen. „Weil du jemandem für alles und jedes die Schuld geben wolltest und ich als dein Mann der willkommene Sündenbock war?“

Hitzig starrte sie ihn an.

Antonio bemerkte, wie eine Ader an ihrem Hals pulsierte und Claire ihre Handtasche umklammerte. Jeder einzelne Knöchel trat weiß hervor und drohte die zarte Haut zu durchbrechen.

„Du hast mich betrogen“, warf sie ihm mit harter Stimme vor. „Und was das Schlimmste daran ist: Du hast mich betrogen, als ich an meinem absoluten Tiefpunkt war. Das werde ich dir nie verzeihen.“

Antonio biss die Zähne so fest zusammen, dass es schmerzte, bevor er entgegnete: „Du glaubst also immer noch an das Märchen, dass ich dir in den letzten Monaten unserer Ehe untreu war, oder?“

Ihre Augen blitzten. „Ich weiß, was ich gesehen habe“, fauchte sie giftig, aber so leise, dass die anderen Gäste in der Bar es nicht verstehen konnten. „Du hast sie in den Armen gehalten. Also mach dir nicht die Mühe, es zu leugnen.“

„Ich denke nicht im Traum daran, es zu leugnen. Daniela war und ist eine enge Freundin der Familie. Das weißt du. Auch das habe ich dir gleich gesagt, als wir uns kennengelernt haben.“

„Aber du hast versäumt, mir zu erzählen, dass du die vorausgegangenen achtzehn Monate lang ihr Lover warst. Ein kleines Detail, aber ein wichtiges, würde ich meinen.“

Er stellte seinen Drink ab. „Ich wollte dich nicht mit Gerede über meine Exgeliebte beunruhigen. Es erschien mir unangemessen, da du nicht über ähnliche Erfahrung verfügt hast.“

„Tja, nun, ich habe ganz bestimmt all die Erfahrung gesammelt, die ich brauchte, während ich fast ein Jahr lang mit dir zusammengelebt habe“, warf Claire mit einem bitteren Zug um den Mund ein.

Einen spannungsgeladenen Moment lang kämpfte Antonio um seine Selbstbeherrschung. Vergeblich.

„Warum rückst du nicht mit der Sprache heraus?“, rief er aufgebracht. „Warum erzählst du nicht jedem in dieser Bar, was du mir eigentlich vorwirfst?“

Nun, da Claire ihn derart aus der Reserve gelockt hatte, wusste sie nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie war es gewohnt, dass er sich kühl und distanziert gab, sachlich nüchtern, ohne dass auch nur ein Anflug von Gefühlen hinter seiner unergründlichen Miene zum Vorschein kam.

Plötzlich merkte sie, dass sich interessierte Blicke der anderen Gäste auf sie richteten. Ihr wurde ganz warm. „Würdest du bitte die Stimme senken?“, flüsterte sie angestrengt. „Die Leute starren uns schon an.“

„Dann lass sie verdammt noch mal starren!“

Sie hörte jemanden ganz in der Nähe lachen und zog den Kopf ein. „Können wir wenigstens an einen abgeschiedeneren Ort gehen?“

„Meinetwegen. Komm mit“, sagte Antonio schroff und sprang sofort auf.

2. KAPITEL

Mit schnellem Schritt stürmte Antonio über den Marmorboden zu den Fahrstühlen, die sich auf der Rückseite des Foyers befanden. Claire folgte ihm in gemäßigterem Tempo wegen ihrer High Heels. Sie schlüpfte an ihm vorbei durch die Tür, die er ihr aufhielt, und zog sich bis an die Rückwand zurück – so weit entfernt von ihm wie möglich.

Sie beobachtete, wie er die Codekarte für das Penthouse durch einen Schlitz im Bedienungsfeld zog. Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt, sobald sich die Tür schloss und der Fahrstuhl Stockwerk um Stockwerk in die Höhe fuhr.

Abgesehen von dem leisen Surren des Aufzugs herrschte Stille; das anhaltende Schweigen kam ihr beinahe wie ein unsichtbares Raubtier vor, das sie mit seinen Reißzähnen anfiel.

Sie spürte ihr Herz unregelmäßig pochen, ihr Blut in Wallung geraten, ihre Knie weich werden und schließlich ihren Magen sich drehen, als der Fahrstuhl sanft zum Stillstand kam.

Erneut hielt Antonio ihr die Tür auf. Sie huschte an ihm vorbei. Ihr stockte der Atem, als sie einen Hauch seines zitrusfruchtigen Aftershaves auffing.

Es war ein sinnlicher Duft, der eine Flut an Erinnerungen heraufbeschwor. Erinnerungen an ihren Körper, gefangen unter seinem, an seinen Geruch auf ihrer Haut, an seinen aufreizenden Geschmack in ihrem Mund, an die Entspannung sämtlicher Muskeln nach der gemeinsamen Leidenschaft. Mit jeder Vision erhitzte sich ihr Körper mehr, und sie spürte Röte in ihre Wangen steigen und fragte sich, ob er wusste, woran das lag.

Er öffnete die Tür zu seiner Suite mit der Codekarte und forderte Claire schweigend mit einer Handbewegung zum Eintreten auf. Seine dunklen Augen, die jede ihrer Bewegungen verfolgten, wirkten unergründlich.

Sie senkte den Kopf und zwängte sich an ihm vorbei. Ihr Rock streifte seine Hosenbeine und machte ihr seine Nähe noch deutlicher bewusst.

Mit einem leisen Klick fiel die Tür ins Schloss. Claire lief ein Schauer über die Haut. Um sich nichts anmerken zu lassen, spazierte sie scheinbar gelassen zu der Fensterwand und betrachtete durchs Fenster die Stadt, als wäre sie allein wegen des Ausblicks gekommen.

Sie spürte, dass Antonio zu ihr trat. Ihre Nackenhaare schienen sich eins nach dem anderen zu sträuben. Sie unterdrückte ein Frösteln und konzentrierte sich darauf, eine hell erleuchtete Fähre zu beobachten, die unter der Harbour Bridge hindurchglitt.

„Du willst also die Scheidung“, bemerkte er wie zu einer Angestellten, die gerade eine Gehaltserhöhung verlangte, zu der es in absehbarer Zeit nicht kommen sollte.

Claire drehte sich streitlustig zu ihm um. „Ja, und dagegen kannst du nichts unternehmen. Wir sind viel zu lange getrennt, als dass du sie anfechten könntest.“

„Das ist mir klar.“ Er sah sie durchdringend an. „Und wenn du es wirklich so haben willst, willige ich ein. Aber erst nach Ablauf der drei Monate, die ich hier verbringen werde.“

„Ich weiß nicht, ob ich dir folgen kann.“ Sie runzelte die Stirn. „Schlägst du mir eine Versöhnung auf Zeit vor?“

Forschend musterte er sie. „Ich möchte, dass wir es noch einmal miteinander versuchen. Diesmal auf deinem Territorium, nicht auf meinem.“

Während seine Worte allmählich in ihr Bewusstsein vordrangen, begann ihr Herz zu rasen, beinahe wie nach dem Kontakt mit einem Elektroschocker. „Du meinst es tatsächlich ernst, oder? Mein Gott, Antonio, du musst total verrückt sein, wenn du glaubst, dass ich so einem verrückten Vorschlag zustimmen werde. Denk bitte mal darüber nach, was alles zwischen uns passiert ist. Das kann man nicht einfach so vergessen!“

Antonios Tonfall ließ keinen Widerspruch zu. „Das ist doch schon so lange her. Und drei Monate sind keine lange Zeit. Wenn es nicht funktioniert, was ist dann schon verloren? Auf diese Weise können wir uns beide zu hundert Prozent davon überzeugen, dass wir die richtige Entscheidung treffen.“

Claire warf ihm einen missmutigen Blick zu. „Ich habe die richtige Entscheidung schon damals getroffen, als ich in das Flugzeug nach Sydney gestiegen und nach Hause zurückgekehrt bin.“

„Du hast diese Entscheidung im Überschwang der Gefühle getroffen, nach einer besonders unangenehmen Zeit“, wandte er ein.

Sie wurde noch wütender. „Ach, so nennst du es inzwischen? Eine besonders unangenehme Zeit?

Er holte tief Luft und strich sich durchs Haar. „Ich wusste, dass du dich so verhalten würdest. Es ist unmöglich, mit dir über etwas zu reden, ohne dass du mir jedes Wort im Mund umdrehst, um mir zu unterstellen, dass mir nichts an unserer Tochter gelegen hat.“ Er seufzte. „Verdammt, Claire, du weißt genau, dass das nicht stimmt. Ich wollte sie mehr als alles andere auf der Welt.“

Sie biss die Zähne zusammen. Ihre Emotionen drohten außer Kontrolle zu geraten. Ja, unser Baby hat er wirklich gewollt, nur seine Ehefrau war für ihn dabei überflüssig. „Nenn sie gefälligst beim Namen, herrje! Sag ihren Namen – oder hast du ihn schon vergessen? Ist es das, Antonio?“ Ihre Stimme wurde schrill. „Hast du sie total vergessen?“

„Hör auf damit, Claire. Es bringt sie nicht zurück.“

Sie wirbelte herum und biss sich auf die Unterlippe, um zu verhindern, dass sie völlig hysterisch wurde, wie es ihr früher viel zu häufig passiert war. Im Gegensatz zu ihr konnte Antonio seine Gefühle so gut im Zaum halten, was ihre mangelnde Beherrschung noch peinlicher machte.

Wie sehr sie ihn für seine perfekte Kontrolle über sich hasste! Wie konnte er so kalt und unpersönlich dastehen und erwarten, dass sie seinen Plänen zustimmte? Wie konnte er sich einbilden, dass er nur mit den Fingern zu schnippen brauchte, damit sie zu ihm zurücklief, als wäre nichts weiter passiert?

„Es ist mir ernst. Ich möchte nichts unversucht lassen, um doch noch zu einer Versöhnung zu kommen“, erklärte er in das angespannte Schweigen.

Claire drehte sich zu ihm um. Ihre Augen blitzten trotzig. „Ich sage es dir höchst ungern, aber du wirst dich gehörig reinhängen müssen, wenn du das schaffen willst. Glaub bloß nicht, dass ich auf einmal wieder die liebende Ehefrau an deiner Seite spiele. Das kommt überhaupt nicht infrage. Nicht für drei Monate, nicht für drei Wochen, nicht mal für drei Tage.“

Antonio musterte sie lange und nachdenklich. „Womöglich überdenkst du diese Haltung noch einmal, nachdem du mit den Behörden über die Lage gesprochen hast, in die sich einer deiner Halbbrüder gerade gebracht hat.“

Alarmiert riss Claire die Augen auf. „Welcher denn?“ Im Stillen betete sie, dass es nicht Isaac war. Oh Gott, bitte, lass es nicht Isaac sein.

Callum war auch kein Engel, hatte einige Konflikte mit dem Gesetz hinter sich, war aber nun auf dem richtigen Weg. Isaac jedoch war verletzlich und anfällig – jung und hitzköpfig und gelegentlich unerbittlich loyal, was ihn häufig in Teufels Küche brachte.

„Isaac.“

Sie schluckte schwer und hoffte, dass ihr die Verzweiflung nicht anzusehen war. „Was hat er denn – vermeintlich – angestellt?“

Ironisch zog er eine Augenbraue hoch. „Ich merke, dass dir die juristische Fachsprache nicht fremd ist, wenn es um das Verhalten deiner Geschwister geht.“

Sie holte tief Luft und zwang sich, seinem Blick standzuhalten. „Ich bin die Erste, die zugibt, dass Isaac gewisse Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Aber ich begreife nicht, was das mit mir zu tun haben soll.“

„In diesem Fall hat sein Verhalten sehr viel mit mir zu tun“, erklärte Antonio. Seine Augen funkelten. „Und dadurch letzten Endes auch mit dir.“

Frag lieber nicht, warnte eine innere Stimme, doch schon sprudelte Claire hervor: „Was soll das heißen?“

„Dein Bruder hatte die idiotische Idee, heute Nachmittag meinen Mietwagen vom Krankenhausparkplatz zu stehlen und damit eine Spritztour zu unternehmen.“

Großer Gott! dachte Claire verzweifelt. Warum musste es von all den Fahrzeugen in Sydney ausgerechnet das von Antonio sein?

Sie wusste, dass Isaac sich noch in der Stadt aufhielt; er war vom Land hergekommen, um mit seinen Freunden an den berühmten Stränden zu surfen. Erst vor einigen Tagen war er bei ihr aufgekreuzt und über Nacht geblieben, und sie hatte ihm Geld für einen neuen Neoprenanzug gegeben.

„Ist dabei irgendein Schaden entstanden?“, fragte sie mit einem Anflug von Hoffnung in der nicht ganz festen Stimme.

Sein Blick bohrte sich eindringlich in ihren. „Keinen, den drei Monate Zusammenleben mit mir als meiner Ehefrau nicht wiedergutmachen könnten.“

Ihr Herz setzte mehrere Schläge aus. „Du erpresst mich, damit ich zu dir zurückkehre?“, brachte sie erstickt hervor.

„Das Wort Erpressung impliziert das Fehlen von Alternativen.“ Antonio deutete ein diabolisches Lächeln an. „In diesem Fall lasse ich dir jedoch eine Wahl. Entweder bleibst du für die Dauer meines Aufenthalts in Sydney als meine Ehefrau an meiner Seite, oder ich werde Anzeige gegen deinen Bruder erstatten. Die Entscheidung liegt ganz bei dir.“

Er musterte sie forschend. „Nun, was ist dir lieber?“

Claire fühlte sich, als hätte man ihr einen Eimer voll Eiswasser ins Gesicht geschüttet. Sprachlos starrte sie den Mann an, den sie einmal mehr als ihr eigenes Leben geliebt hatte. Sein Vorschlag war undenkbar.

Aber die Alternative war noch furchtbarer. Wenn Isaac ins Gefängnis oder auch nur in eine Jugendstrafanstalt wanderte, wie konnte sie sich dann jemals verzeihen, dass sie die Möglichkeit, es zu verhindern, nicht genutzt hatte? Callum berichtete gelegentlich von schrecklichen Dingen, die in Untersuchungsgefängnissen passierten und nichts mit Gerechtigkeit zu tun hatten.

Doch eine Ehe, die Claire so viel Kummer und Verzweiflung beschert hatte, wieder aufleben zu lassen, brachte sie sicherlich an ihre Grenzen. Wie in aller Welt sollte sie es schaffen? Wie viel Charakterstärke bräuchte sie, um diese drei Monate durchzustehen?

Hasserfüllt starrte sie Antonio an. „Diesmal hast du dich wirklich selbst übertroffen. Ich dachte, dein herzloses kaltschnäuziges Verhalten in der Vergangenheit wäre schon der Gipfel gewesen, aber das hier übersteigt alles. Du hättest dir keinen bösartigeren Racheakt ausdenken können.“

Kühl widersprach er: „Ich biete dir lediglich einen Ausweg, der für alle Beteiligten von Vorteil sein wird.“

Claire verdrehte die Augen, weil sie wusste, dass sie Antonio damit ärgerte. „Entschuldige bitte, aber ich verstehe nicht, wie ich von deinem ungeheuerlichen Plan profitieren könnte.“

Zorn blitzte aus seinen Augen. „Hast du schon mal daran gedacht, welchen Schaden dein Bruder heute Nachmittag hätte anrichten können?“

Sie hob herausfordernd den Kopf. „Hätte dein kostbarer Prestige-Leihwagen etwa ein paar Kratzer abbekommen können? Na und?“

Antonio presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen. „Hast du eine Ahnung, wie viele entstellte Gesichter ich im Laufe der Jahre operiert habe? Von Natur aus wunderschöne Gesichter, dauerhaft geschädigt durch Idioten wie dein Bruder.“

Er schnaubte verächtlich. „Weil sich diese Hohlköpfe einen Spaß daraus machen, mit Autos Kunststücke auf Großstadtstraßen zu vollführen, ohne einen Gedanken daran oder Rücksicht darauf, wer sich sonst noch dort aufhält. Darum dreht sich mein ganzes Lebenswerk. Aber das ist dir natürlich entgangen, weil du niemals auch ein Fünkchen Interesse dafür aufgebracht hast.“

„Das ist mal wieder typisch für dich!“, konterte sie. „Ich habe mein ganzes Leben für dich und deine Karriere aufgegeben! Nicht, dass du das jemals bemerkt hast! Ich habe einen elendigen Tag nach dem anderen ganz allein zu Hause festgesessen. Bloß deine Mutter und ganz selten mal dein Vater haben gerade oft genug hereingeschaut, um mich nicht besonders subtil daran zu erinnern, dass ich als Ehefrau nicht gut genug bin für ihren genialen Erstgeborenen, den brillanten Chirurgen.“

„Meine Mutter erzählt es ganz anders. Sie hat ihr Möglichstes getan, um dir zu helfen, dich bei uns einzuleben. Aber du hast dich geweigert, ihr auch nur einen Zentimeter entgegenzukommen.“

„Geht das schon wieder los! Ihre Version gegen meine – und du kannst dich immer noch nicht entscheiden, wem du glauben sollst.“

Antonio stopfte sich die Hände in die Hosentaschen, um nicht in Versuchung zu geraten, Claire an sich zu ziehen und zu küssen, bis sie ihren Widerstand aufgab. Sie konnte ihn maßlos aufregen.

Niemand sonst schaffte es, ihn so verdammt wütend zu machen. Normalerweise konnte er sich gut beherrschen und hatte seine Gefühle im Griff.

Er war immer ein disziplinierter Mensch gewesen und musste es auch während der stundenlangen komplizierten Operationen sein, die einen kühlen Kopf erforderten. Aber es brauchte nur fünf Minuten mit Claire, und schon geriet sein Blut unaufhaltsam in Wallung.

Allein die Tatsache, dass sie die Scheidung verlangte, kaum dass er einen Fuß in das Land gesetzt hatte, bewies hinreichend, dass sie nur auf sein Geld aus war. Er könnte es nicht ertragen, ihr die Hälfte seines Vermögens überlassen zu müssen.

Um das zu verhindern, war er zu fast allem bereit. Claire hatte ihm bereits genug genommen. Noch immer ärgerte es ihn, dass sie damals, bevor sie sang- und klanglos aus seinem Leben verschwunden war, so viel Geld von seiner Mutter verlangt hatte.

Aus ihrer anfangs unbeschwerten Affäre war durch eine ungewollte Schwangerschaft urplötzlich Ernst geworden. Antonio hatte zu Claire gehalten und sie prompt geheiratet, trotz erheblicher Zweifel an der wahren Beschaffenheit ihrer Gefühle.

Sie hatte behauptet, ihn zu lieben, aber er argwöhnte, dass es der Lebensstil war, in den sie sich vernarrt hatte, nicht in ihn selbst.

Aus ihren spärlichen Äußerungen über ihren Hintergrund wusste er, dass sie aus relativ ärmlichen Verhältnissen stammte, in denen Geld knapp und Luxus praktisch unbekannt waren. Häufig hatte sie unverhohlen über die ausschweifende Art gestaunt, in der er und seine Familie lebten.

Zunächst hatte es ihn amüsiert, doch nach einer Weile war ihm klar geworden, dass sie in ihm eine Eintrittskarte in eine ganz neue Existenz sah – in ein Leben, in dem nicht jeder Tag ein Kampf ums Überleben war.

Und dann hatte das Schicksal erbarmungslos zugeschlagen. Wenn Antonio an diese Zeit dachte, wühlte es ihn immer noch auf.

Damals war er beruflich stark eingespannt gewesen. Die chirurgische Laufbahn war selbst unter günstigen Bedingungen schon äußerst anstrengend. Die arbeitsintensive Ausbildung zum Facharzt, stundenlange Operationen und dazu die Bedürfnisse einer jungen, ungeplant schwangeren Ehefrau unter einen Hut zu bringen – das alles hatte ihn zermürbt.

Von seiner Mutter wusste er, dass Claire häufig bis in den Tag hinein im Bademantel herumgesessen und Trübsal geblasen hatte – unwillig, sich auch nur ein Quäntchen Mühe zu geben, um sich in die Rolle der Chirurgen-Ehefrau hineinzufinden.

Offensichtlich hatte sie von ihm erwartet, dass er nach ihrer Pfeife tanzte und ihretwegen einem Beruf mit geregelter Arbeitszeit nachging.

Seine eigenen Gefühle analysierte Antonio lieber nicht allzu genau. Doch er musste sich eingestehen, dass die Dinge vielleicht anders gelaufen wären, wenn er für Claire auch nur halb so viel Liebe wie Lust am Sex empfunden hätte.

Liebe war ein Wort, das er höchst ungern benutzte, wenn es um sie ging – oder um jede andere Frau, mit der er jemals ausgegangen war. Schon vor langer Zeit hatte er erkannt, dass er nicht der Typ war, der sich verliebte.

Sein Problem war, dass er Claire immer noch heftig begehrte, wann immer er in ihre Nähe kam. Sein Blut geriet in Wallung, wenn er nur daran dachte, welchen Genuss sie ihm früher bereitet hatte. Ihre Unerfahrenheit hatte sie durch hemmungslose Leidenschaft wettgemacht. Von allen Frauen, die er kennengelernt hatte, war sie mit Abstand die aufregendste Geliebte gewesen.

Etwas an ihr, an ihrer Reaktion auf ihn und umgekehrt, überzeugte ihn davon, dass er niemals glücklich und zufrieden leben konnte, solange sie ihm im Kopf herumspukte und er sich nicht ein für alle Mal von seiner Begierde befreite. Und nun bot sich ihm die ideale Gelegenheit, es auszuprobieren.

„Claire …“, er sah sie fest an, „… ist es nicht möglich, dass wir die Vergangenheit für einen Moment beiseitelassen und wie vernünftige Erwachsene miteinander reden?“

Sie setzte eine verächtliche Miene auf. „Ich begreife nicht, was vernünftig oder erwachsen daran sein soll, mich zur Rückkehr an deine Seite zu zwingen, an der du mich eigentlich gar nicht erst haben wolltest. Du wolltest nichts weiter als einen Erben. Und nachdem ich versagt habe, bist du gleich zur nächstbesten Frau weitergezogen, um es mit ihr zu probieren.“

Im Stillen zählte Antonio bis zehn. „Dann kann ich also davon ausgehen, dass du entschlossen bist, deinen Bruder ins Gefängnis wandern zu lassen? Verstehe ich das richtig?“

Sie wandte sich von ihm ab und verschränkte die Arme schützend vor der Brust. „Du weißt, dass ich alles tun würde, um das zu verhindern. Zweifellos ziehst du deswegen diese Trumpfkarte aus dem Ärmel.“

„Es ist kein Spiel, Claire.“

Sie drehte sich zu ihm zurück und entgegnete zynisch: „Ach nein? Ist es das wirklich nicht?“

Antonio atmete tief durch. „Ich bin jetzt sechsunddreißig Jahre alt. Irgendwann möchte ich zur Ruhe kommen und mich häuslich niederlassen, aber das kann ich nicht, solange die Dinge zwischen uns nicht geklärt sind. So oder so.“

Seine Worte versetzten ihr einen Stich in die Brust. „Also …“, sie befeuchtete sich die plötzlich trockenen Lippen mit der Zungenspitze, „… denkst du daran, eine andere Frau zu heiraten … sobald wir geschieden sind?“

Seine Augen verrieten wenig, seine Miene noch weniger. „Das ist nicht ausgeschlossen. Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht.“

Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Claire schluckte schwer. „Willst du Kinder haben?“

Antonios Gesichtsausdruck blieb undurchdringlich, während er gestelzt erwiderte: „Ich habe mir das Ziel gesetzt – wie übrigens die meisten Menschen meines Alters –, ein oder zwei Kinder zu bekommen, wenn es irgend möglich ist.“

„Dann verstehe ich nicht, warum du deine Zeit an unsere Beziehung verschwendest, nachdem sie schon einmal gescheitert ist.“ Nur mit Mühe gelang es ihr, seinem Blick standzuhalten. „Wärst du nicht besser dran, wenn du dir eine neue Ehefrau suchst, anstatt die jetzige zurückzufordern, die du eigentlich gar nicht willst?“

„Ich kann mich nicht erinnern, gesagt zu haben, dass ich dich nicht will. Im Gegenteil. Sonst wärst du jetzt nicht hier.“

Claire riss die Augen auf; ihr Herz setzte einen Schlag lang aus. „Soll das eine Andeutung sein, dass du mich immer noch willst – in sexueller Hinsicht?“

Er verzog einen Mundwinkel zu einem Lächeln, das ihren Puls beschleunigte. „Überrascht dich das etwa, cara?

„Ehrlich gesagt empfinde ich es als höchst beleidigend“, sagte sie schroff. „Abgesehen von ein paar knappen E-Mails und Nachrichten auf meiner Mailbox in den allerersten Monaten nach unserer Trennung hast du fünf Jahre lang kein Wort mit mir gesprochen und keinen Kontakt zu mir aufgenommen. Aber jetzt erwartest du, dass ich mich kopfüber in dein Bett stürze? Für wen hältst du mich eigentlich? Wie kannst du nur ernsthaft glauben, dass ich auf so einen erbärmlichen Vorschlag eingehe?“

„Du hast zurzeit keinen festen Freund, also weiß ich nicht, warum es zwischen uns nicht klappen sollte – zumindest für einige Zeit.“

Wütend starrte sie ihn an. „Woher willst du wissen, dass ich keinen festen Freund habe? Hast du mich etwa ausspioniert?“

„Vom Gesetz her bist du immer noch mit mir verheiratet. Ich finde, dass es mich sehr wohl etwas angeht, ob du mit jemandem liiert bist. Vor allem, wenn wir da wieder anfangen wollen, wo wir aufgehört haben.“

„Das ist ein sehr fragliches wenn.“ Wieder verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Außerdem, was ist mit dir? Wie viele Frauen hattest du während unserer Trennung?“

„Ich hatte hin und wieder ein Date, aber nichts Ernstes.“

Claire wollte ihm glauben. Doch so, wie sie Antonio kannte – oder einmal gekannt zu haben glaubte –, konnte sie sich nicht vorstellen, dass er fünf Jahre lang enthaltsam geblieben war. Er war ein heißblütiger Mann, gesund und vital, mit einer ausgeprägten Lust am Sex, die sie jedes Mal überwältigt hatte.

Auch jetzt spürte sie diesen Lebenshunger und die Potenz. Der sinnliche Zauber, den er ausstrahlte, schien sie einzufangen wie ein unsichtbarer Nebel, der ihre Haut benetzte, und machte ihr seine maskuline Erscheinung überdeutlich bewusst. Ihre Brüste regten sich und drückten gegen den zarten Spitzenstoff des BHs.

Die aufgerichteten Knospen erinnerten sie daran, wie er mit seinem heißen und feuchten Mund an ihnen gesaugt und sie die spielerischen kleinen Bisse seiner Zähne bis in die Zehenspitzen gespürt hatte.

Sie hatte plötzlich Schmetterlinge im Bauch und verzehrte sich nach diesem beeindruckenden Mann, der sie immer wieder zu ekstatischen Höhepunkten trieb, an die sie sich insgeheim an jedem einzelnen Tag der Monate und Jahre ersehnte, die sie getrennt waren.

Ihrer Schwäche für Antonio beschämte sie. Er wollte damals bloß eine kurzfristige Affäre, dachte Claire, aber dann ist alles anders gekommen. Im Geist durchlebte sie noch einmal, was danach geschehen war …

Beinahe einen Monat hatte sie gebraucht, um endlich den Mut aufzubringen und ihm von der ungeplanten Schwangerschaft zu berichten. Während ihrer Beichte war ein schockierter Ausdruck auf sein Gesicht getreten, doch dann hatte er zu ihrer Überraschung auf Heirat gedrängt.

Erst eine ganze Weile später wurde ihr bewusst, dass sein Verhalten nicht auf Liebe, sondern dem Wunsch nach einem Erben beruhte.

Schon von Anfang an wusste sie, dass Antonio es längst nicht so ernst mit ihr meinte wie sie mit ihm. Denn oft genug kam ihr der Spruch zu Ohren: Ein Italiener schläft gern mit Ausländerinnen, aber er heiratet nur eine Landsmännin.

Trotzdem ließ sie sich mehr und mehr verzaubern. Einen attraktiven Mann an ihrer Seite zu haben, der sie mit Geschenken überhäufte, zu berauschenden Events ausführte und darüber hinaus in die betörenden Freuden der Liebe einführte – das alles erschien ihr wie ein Märchen. Für ein schüchternes Mädchen vom Lande, aus dem australischen Outback, war das alles wie ein wahr gewordener Traum.

In der Vergangenheit war sie sehr vorsichtig im Umgang mit Männern gewesen. Sie wollte die Fehler ihrer Mutter nicht wiederholen, die in jungen Jahren schwanger und verlassen worden war. Den Großteil ihres Lebens hatte sie an falschen Orten nach wahrer Liebe gesucht und dann zwei weitere Kinder bekommen, deren Erzeuger nicht lange genug bei ihr geblieben waren, um ihren Namen in die Geburtsurkunden eintragen zu lassen.

Claire hatte sich nicht herumgetrieben wie die meisten ihrer Mitschülerinnen, sondern drei Teilzeitjobs gleichzeitig ausgeübt und sich dadurch eine Ausbildung zur Hairstylistin finanziert.

Nach ihrem Abschluss als Jahrgangsbeste hatte sie über ein Jahr lang eisern gespart, um für eine Zeit lang nach Übersee zu gehen. Sie wollte sich die Welt ansehen und im Ausland Berufserfahrung sammeln, bevor sie endgültig in einem exklusiven Salon Fuß fasste.

In Rom lernte sie Antonio kennen. Er kam wegen eines Haarschnitts in den Salon, in dem sie gerade jobbte.

Da Riccardo, ihr extravaganter Chef, durch den Irrtum eines Lehrlings doppelt gebucht war, bat er sie, an seiner Stelle Antonio die Haare zu waschen und zu schneiden.

Schüchtern lächelte sie den großen, umwerfend gut aussehenden Mann an und stellte sich ihm vor. „Ich muss mich bei Ihnen wegen des Fehlers im Terminkalender entschuldigen. Hat Riccardo mit Ihnen darüber gesprochen, dass ich für ihn einspringe?“

Antonio lächelte. „Das ist kein Problem“, versicherte er. „Sie kommen aus England?“

„Nein.“ Sie errötete und sprudelte hervor: „Ich stamme aus Australien. Aus Sydney. Na ja, eigentlich bin ich eher in der Provinz und nicht in der Stadt zu Hause. Es ist eine ländliche Gegend … Sie wissen schon … mit Kühen und Schafen und so weiter.“

„Oh, Australien.“ Er setzte sich auf den angebotenen Stuhl. „Ich habe entfernte Verwandte dort. Mein jüngerer Bruder war schon mehrmals zu Besuch bei ihnen. Ich selbst habe es noch nicht geschafft, aber mir fest vorgenommen, mir irgendwann einen Trip dorthin zu gönnen. Es ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, si?

Claire drapierte den Umhang um seine unglaublich breiten Schultern. Ihre Finger kribbelten, als sie zufällig sein stoppliges Kinn streifte. „Ja, vermutlich. Wenn man bereit ist, hart zu arbeiten.“

„Sprechen Sie italienisch?“

„Non parlo italiano“, erwiderte sie entschuldigend. „Aber ich möchte es gern lernen. Ich denke daran, Unterricht zu nehmen.“

Er begegnete ihrem Blick im Spiegel und hielt ihn gefangen. „Ich gebe Ihnen eine kostenlose Stunde, wenn Sie einwilligen, heute Abend mit mir zum Dinner auszugehen.“

Ihre Finger verharrten reglos in seinen seidigen schwarzen Haaren. „Also … Ich glaube nicht, dass Riccardo einverstanden damit ist, dass seine Angestellten privat mit den Kunden verkehren.“

„Er wird einwilligen, wenn es um mich geht“, widersprach Antonio mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen, das bei jedem anderen Mann arrogant gewirkt hätte.

„Würden Sie bitte mit mir zum Waschbecken kommen?“ Sie bemühte sich, cool und selbstsicher zu wirken, doch es gelang ihr nicht ganz.

Er stand auf, und seine Größe ließ Claire neben ihm winzig erscheinen. „Riccardo muss sehr viel von Ihren Fähigkeiten halten, wenn er einen seiner besten Kunden an Sie weiterreicht. Da bin ich wohl bei Ihnen in guten Händen, si?

Sie reagierte auf sein Flirten, wie es jede andere junge Frau getan hätte, und lächelte ihn an. „Nur, wenn Sie sich benehmen, Signor Marcolini. Es gehört zu meinen unumstößlichen Prinzipien, all meine Kunden zufriedenzustellen, sogar die anspruchsvollsten. Niemand geht hier unzufrieden raus.“

„Davon bin ich überzeugt“, murmelte er und beugte den Kopf nach hinten über das Waschbecken.

Es fühlte sich unbeschreiblich an, die Finger in seinen dichten seidigen Haaren zu vergraben, und sie massierte seine Kopfhaut wesentlich länger als bei jedem anderen Kunden vor oder nach ihm …

Entschlossen zwang Claire sich, aus der Vergangenheit in das Hier und Jetzt zurückzukehren. Sie wollte nicht daran denken, dass sie mit Antonio zum Essen ausgegangen war – nicht nur an jenem Abend, sondern auch am folgenden.

Schon gar nicht wollte sie daran erinnert werden, wie er sie bei ihrem dritten Date so betörend geküsst hatte, dass sie wenige Augenblicke später nackt in seinen Armen gelandet war. Wie stürmisch er in sie eingedrungen war. Wie ihr unterdrückter Schrei ihn veranlasst hatte, abrupt innezuhalten vor Schreck, weil er ihr unbeabsichtigt wehgetan hatte.

Nein! Claire verdrängte die Erinnerungen in den hintersten Winkel ihres Gedächtnisses. Damals hatte er ihr zum ersten, aber nicht zum letzten Mal wehgetan. Doch das wollte sie erst recht vergessen.

Laut verkündete sie: „Es fällt mir wirklich schwer zu glauben, dass du in den letzten fünf Jahren nicht ständig eine Geliebte hattest.“

„Glaub doch, was du willst. Wie schon in der Vergangenheit habe ich auch jetzt keinen Einfluss in deine unergründliche Denkweise.“

Sie biss die Zähne zusammen und sagte schroff: „Weißt du, du musst schon ein bisschen mehr Charme aufbringen, um mich wieder in dein Bett zu kriegen.“

Er lächelte überheblich. „Meinst du wirklich?“

Sie wich einen Schritt zurück und ballte die Hände zu Fäusten. „Was halten eigentlich deine Eltern und dein Bruder von deinem hinterlistigen kleinen Plan, mich in den Schoß der Familie Marcolini zurückzulocken?“

Ein Schatten glitt über seine dunklen Augen – so flüchtig, dass Claire es beinahe übersehen hätte. „Mein Vater ist leider vor zwei Monaten gestorben. Er hatte einen schweren Herzanfall. Sein Leben lang hat er zu viel geraucht, zu viel gearbeitet und zu wenig auf den Rat seines Arztes und seiner Familie gehört, es langsamer angehen zu lassen.“ Antonio verstummte für einen Moment und hielt ihren Blick auf beunruhigende Weise gefangen. „Ich dachte, du hättest in der Zeitung darüber gelesen?“

„Ich muss es wohl übersehen haben.“ Respektvoll senkte sie Stimme und Kopf. „Es tut mir sehr leid. Deine Mutter muss ihn furchtbar vermissen. Euch allen muss er sehr fehlen.“

„Meine Mutter hält sich unter den gegebenen Umständen sehr tapfer. Mein Bruder Mario hat die Geschäfte meines Vaters übernommen.“

Überrascht sah sie ihn wieder an. „Was? Soll das heißen, dass dein Vater dir in seinem Testament nichts hinterlassen hat?“

Ein undefinierbarer Ausdruck trat in seine Augen. „Mario und ich sind natürlich Partner, aber aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen muss ich ihm zwangsläufig den überwiegenden Teil der Unternehmensführung überlassen.“

„Ich nehme an, du hast deinen Bruder von deiner Absicht unterrichtet, mich während deines Aufenthalts hier aufzusuchen“, bemerkte Claire trocken. „Sicher war er von deinem Plan schockiert.“

Seine Miene blieb unergründlich. „Ich habe tatsächlich mit ihm darüber gesprochen. Er hat mir ziemlich unverblümt gesagt, dass er mich für einen Trottel hält, weil ich eine Neuauflage mit dir auch nur in Erwägung ziehe. Aber er war auch noch nie der Ansicht, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat. Ich bin da ein bisschen … toleranter.“

Claire konnte sich lebhaft vorstellen, wie sein jüngerer Bruder über sie hergezogen hatte. Von seinen Eltern war sie ebenfalls schlechtgemacht worden – auch wenn sie überzeugt war, dass Antonio ihr das nicht glaubte.

Sie hatte die letzte erniedrigende Szene mit seiner Mutter in der hintersten Schublade ihres Gedächtnisses abgelegt. Wochenlang hatte sie den Scheck im Portemonnaie mit sich herumgetragen, zu einem winzigen Quadrat zusammengefaltet.

Im Laufe der Zeit hatte der Scheck ebenso gelitten wie ihre Selbstachtung bei dem Gedanken daran, wie sie entlassen worden war – wie eine Bedienstete, die den unmöglichen Erwartungen ihres Arbeitgebers nicht gerecht wurde. Doch schließlich hatte sie ihn eingelöst, ohne eine Spur von schlechtem Gewissen, und ihrer Ansicht nach das Geld gut angelegt.

„Woher weißt du, dass es mein Bruder war, der dein Auto genommen hat?“, wollte Claire nun wissen. Misstrauisch musterte sie sein Gesicht. „Du hast doch nie jemanden aus meiner Familie kennengelernt.“ Zum Glück! Was er von meiner freundlichen, aber schlichten Mutter halten würde, sei mal dahingestellt. Aber meine Brüder, so lieb ich sie auch habe, rangieren weit unterhalb der hochgestochenen Kreise, in denen Antonio verkehrt.

„Als er von der Polizei gestellt wurde, hat er sich ausgewiesen. Er hat sich nicht die geringste Mühe gemacht, zu verbergen, dass er mein Schwager ist.“

Ihr Herz sank. „Wo ist er jetzt?“

„Ich habe veranlasst, dass er ein paar Tage bei einem Freund von mir verbringt, der an der Südküste ein Zentrum für Jugendliche führt, die mit dem Gesetz in Schwierigkeiten geraten sind.“

Sie ballte die Hände zu Fäusten. „Ich will meinen Bruder sehen und mich davon überzeugen, dass es ihm gut geht.“

„Ich werde dafür sorgen, dass du am Telefon mit ihm reden kannst“, versprach Antonio.

3. KAPITEL

Claire lauschte mit zusammengepressten Lippen, während Antonio mit seinem Freund telefonierte. Dann reichte er ihr das Handy. Sie nahm es mit zitternden Fingern, hob es ans Ohr und wandte sich ab, damit er weder den Kummer auf ihrem Gesicht sehen noch hören konnte, was ihr Bruder zu sagen hatte.

„Isaac? Ich bin’s, Claire.“

„He, du! Was liegt an?“

Sie unterdrückte ein Seufzen. „Das weißt du doch ganz genau.“ Sie entfernte sich ein Stück weiter von Antonio und senkte die Stimme. „Warum hast du das getan? Warum in aller Welt hast du Antonio Marcolinis Auto genommen?“

Er stieß einen Fluch aus. „Weil ich es hasse, wie er dich behandelt hat. Ich dachte, es würde dir helfen. Warum soll der denn in so einem coolen Angeberauto rumfahren, wo deins eine Rostbeule ist? Reicher Mistkerl! Außerdem dachte ich, du wolltest dich von ihm scheiden lassen.“

Sie zuckte zusammen, weil Isaac so laut sprach, dass seine Stimme im Raum zu hören war. „Ich spiele mit dem Gedanken … zu ihm zurückzukehren.“

Er fluchte erneut. „Spinnst du jetzt total? Verdammt, warum hast du mir das neulich nicht erzählt?“

„Hätte es denn etwas geändert?“

Einen Moment lang schwieg er. „Ja … vielleicht … ich weiß nicht. Du warst ziemlich daneben wegen der Zeitung mit dem Artikel und dem Foto.“

Claire kniff die Augen zu. Warum hatte sie das Blatt nicht in den Müll geworfen, wohin es gehörte? „Hör mal, du musst mir versprechen, dich zu benehmen. Du kannst von Glück sagen, dass du diese Chance bekommen hast.“

„Mir bleibt ja gar nichts anderes übrig, wo ich hier eingeschlossen bin“, murrte er.

Sie runzelte die Stirn. „Du bist eingeschlossen?“

„Na ja – irgendwie. Es ist so was wie eine Besserungsanstalt für Jugendliche. Aber irgendwie ist es ganz okay hier. Das Essen schmeckt einigermaßen, und ich habe ein eigenes Zimmer und einen Fernseher gekriegt. Der Boss will, dass ich den anderen Kids Surfen beibringe. Vielleicht mache ich das tatsächlich. Ich habe ja schließlich nichts Besseres zu tun.“

„Bleib bitte da und tu, was man dir sagt, Isaac“, bat sie ihn.

„Also willst du echt zu dem Typen zurück?“

„Ja, ich gehe zu ihm zurück.“ Obwohl Claire die Stimme noch mehr senkte, schienen ihre Worte ebenso ominös von den Wänden der eleganten Suite widerzuhallen wie Isaacs vernichtende Worte zuvor. „Ab sofort werde ich mit ihm wieder als seine Ehefrau zusammenleben.“

Mit grimmiger und resignierter Miene gab sie Antonio das Handy zurück. „Soll ich mich jetzt auf das Bett legen, damit du gleich zur Sache kommen kannst? Oder möchtest du, dass ich einen Striptease vollführe, damit du richtig auf deine Kosten kommst?“

Zorn flammte wie ein entzündetes Streichholz in seinen Augen auf. „Es besteht kein Grund, dich zu prostituieren. Ich werde nichts tun, was du nicht auch willst. Das verspreche ich dir. Momentan sehe ich, dass du nichts lieber tätest, als mir die Augen auszukratzen.“

Erleichterung kämpfte in ihr mit Enttäuschung, bis Claire nicht mehr wusste, was sie tatsächlich für Antonio empfand.

So oft hatte sie sich eingeredet, dass sie ihn abgrundtief hasste, aber als er nun vor ihr stand, musste sie feststellen, dass sie keinen Hass fühlen konnte. Sie empfand plötzlich etwas anderes – gefährliche Gefühle wie Verlangen und Sehnsucht. Ihr Puls pochte verräterisch; es erinnerte sie an die sexuelle Macht, die Antonio immer noch auf sie ausübte.

„Also, zu dieser Versöhnung für drei Monate …“ Sie bemühte sich um eine feste Stimme und eine gelassene Miene. „Soll ich hier bei dir einziehen, oder darf ich meine eigene Bleibe behalten?“

„Du wohnst momentan zur Miete? Ist das korrekt?“

Erneut wunderte sie sich darüber, wie viel Antonio über ihre derzeitigen Lebensumstände wusste, obwohl der Kontakt zwischen ihnen seit Jahren abgebrochen war.

In den ersten Wochen nach der Trennung waren immer wieder Nachrichten auf ihrer Mailbox und E-Mails von ihm eingetroffen, die sie allesamt unbeantwortet gelöscht hatte. Letztendlich hatte sie E-Mail-Adresse und Handynummer gewechselt.

Wenn er mich ernsthaft kontaktieren will, wird er schon Mittel und Wege finden, hatte sie sich gedacht. Erst nachdem Monat um Monat und schließlich Jahr um Jahr vergangen waren, hatte sie sich damit abgefunden, dass er sie endgültig aus seinem Leben streichen wollte.

„Claire?“

Sie schreckte aus ihren Gedanken auf. „Was? Ach so. Ja. Ich habe eine Wohnung in Glebe gemietet, in der Nähe des Salons.“

„Gehört der Salon dir ganz allein?“

Sie runzelte die Stirn. „Wie kommst du denn darauf? Ich bin doch kein Dukatenesel. Natürlich gehört er mir nicht. Ich arbeite für eine Freundin, Rebecca Collins.“

Einen Moment lang forschte Antonio in ihrem Gesicht. „Wenn dir nicht mal ein Anteil vom Salon gehört und du nur zur Miete wohnst, was hast du dann mit dem Geld angefangen, das meine Mutter dir gegeben hat?“

Sie straffte die Schultern. Ihre blaugrünen Augen blitzten. „Ach, davon hat sie dir also erzählt?“

„Sie hat mich widerstrebend darüber in Kenntnis gesetzt – einige Wochen nach deinem Verschwinden.“

„Ich habe es als eine Art Abfindung angesehen. Schließlich hast du meine Dienste nicht mehr gebraucht, da du dich wieder mit Daniela Garza zusammengetan hast.“

Antonio ignorierte den kleinen Seitenhieb und fragte: „Hast du dich deswegen geweigert, Geld von mir anzunehmen, obwohl ich es dir wiederholt in meinen E-Mails und Anrufen angeboten habe?“

Sie starrte ihn aufgebracht an. „Glaubst du wirklich, dass ich Geld von dir angenommen hätte – nach allem, was du getan hast?“

Verächtlich verzog er den Mund. „Und doch hast du es von meiner Mutter verlangt.“

Schockiert, mit weit aufgerissenen Augen, starrte sie ihn an. „Was hast du da gesagt?“

Er ließ einige Sekunden verstreichen, bevor er antwortete. „Tu doch nicht so scheinheilig. Du hast mich ganz genau verstanden. Du hast meine Mutter erpresst und sie gezwungen, dir eine große Summe Geld zu zahlen, um zu verhindern, dass du dich an die Presse wendest.“

Claire starrte ihn entgeistert an, als spräche er in einer fremden Sprache.

Antonio wusste, wie sehr sie ihn manipulieren konnte, und argwöhnte noch immer, dass sie beabsichtigte, ihn auszunehmen. Allerdings hätte niemand, der sie in diesem Moment ansah, ihr einen derart raffinierten Plan zugetraut.

Ihre Augen waren ganz groß und täuschten schockierte Unschuld vor. Ihre Lippen zitterten, und ihre Wangen waren bleich.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet“, hakte er nach.

Claire versteifte sich, fragte aber in ruhigem Ton: „Was für eine Frage war das?“

„Was hast du mit dem Geld gemacht?“

Sie stieß ein zischendes Geräusch aus. „Was glaubst du wohl, was ich damit gemacht haben könnte?“

Er blickte sie finster an. „Ich hätte dir Geld gegeben, verdammt! Aber du hast immer abgelehnt.“

Sie drehte ihm den Rücken zu. „Es von deiner Mutter anzunehmen, war weniger persönlich. Ich wollte nichts mehr mit dir zu tun haben.“

„Also, was hast du damit gemacht?“

Nach kurzem Zögern drehte sie sich zu ihm um. Ihre Miene wirkte so kalt wie die Nacht. „Ich habe es mit vollen Händen ausgegeben. Machen das nicht alle Frauen so, die nur auf Geld aus sind?“

Antonio atmete tief durch, um sein Temperament zu zügeln. Claire reizte ihn vorsätzlich, wie sie es schon so oft getan hatte. Er war felsenfest überzeugt, dass sie das Geld von seiner Mutter erpresst hatte, auch wenn sie es noch so entschieden leugnete. Er konnte sich gut vorstellen, dass sie es als eine Art Vergeltung dafür ansah, dass er nicht so oft für sie da gewesen war, wie sie es gebraucht hätte.

Inzwischen hatte er eine Phase im Leben erreicht, in der er endlich sesshaft werden wollte. Der plötzliche Tod seines Vaters trug zweifellos sehr viel dazu bei – ganz zu schweigen der gesundheitliche Verfall seiner Mutter seitdem.

Und da sein Bruder Mario nicht beabsichtigte, eine Familie zu gründen und für Erben zu sorgen, war es für Antonio an der Zeit, einige wichtige Entscheidungen über seine Zukunft zu fällen. Er konnte nicht nach vorn blicken, ohne vorher seine Vergangenheit zu bewältigen.

Der Himmel weiß, dass ich es meiner Tochter schuldig bin, der es nicht einmal vergönnt war, ihren ersten Atemzug zu tun.

Er schluckte schwer und versuchte die Gefühle zu verdrängen, die ihn zu überschwemmen drohten, wann immer er das winzige leblose ...

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