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Küss mich in der Blauen Lagune / Palast der sinnlichen Träume / Heißes Spiel in Florida

Rosalie Ash

Küss mich in der Blauen Lagune

1. KAPITEL

„Hallo, Romano! Hallo, Stephanie!“ Susan Hastings breitete die Arme in einer herzlichen Willkommensgeste aus. „Wie schön, euch zu sehen! Kommt, ihr müsst unbedingt meine Tochter Caroline kennenlernen.“

Caroline, die sich gerade auf der Terrasse des alten Stadthauses ihrer Mutter in Kalkara Creek auf Malta einen Campari Orange einschenkte, blickte auf und lächelte höflich. Dann erstarrte sie in ungläubigem Staunen, sodass der Campari über ihr Glas schwappte.

Der Mann, der gerade die Terrasse betrat, war groß, breitschultrig und dunkel. Er wirkte wie ein Abenteurer, der nur zu diesem Anlass einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Anzug mit Seidenkrawatte trug. Unwillkürlich erinnerte er Caroline an jene alten phönizischen Entdecker, die vor Jahrtausenden Malta und den halben Mittelmeerraum kolonialisiert hatten.

Ihr Mund wurde trocken, und ihre Kehle war wie zugeschnürt. Das konnte unmöglich der Mann sein, mit dem sie die nächsten Wochen zusammenarbeiten würde!

Nein, das durfte nicht Romano de Sciorto sein, der gute Freund ihrer Mutter, der sie hierher nach Malta eingeladen hatte.

Voller Panik starrte sie ihn aus dem Schatten der mit Bougainvillea überwachsenen Pergola an.

Er hingegen stand im prallen Sonnenlicht und strahlte trotz der Wärme eine selbstsichere Autorität aus.

Die dunkelhaarige junge Frau an seiner Seite wurde ihr als Stephanie Marsa, seine Sekretärin, vorgestellt. Sie war attraktiv und elegant und wirkte eher wie seine Vertraute.

„Schön, Sie kennenzulernen“, sprach Romano de Sciorto nun Caroline an und sah sie aus seinen dunklen, unergründlichen Augen an. „Ich freue mich schon auf unsere Zusammenarbeit, Signorina Hastings.“

Diese Stimme. Caroline kannte diese Stimme. Der letzte Hauch eines Zweifels wich einer unerträglichen Gewissheit. Diese Stimme würde sie überall wiedererkennen.

Er war es wirklich. Das dunkle Haar war nun trocken, die Locken waren gezähmt. Er hatte das schwarze Poloshirt und die Jeansbermudas durch einen teuren Anzug und ein blütenreines Hemd ersetzt. Und doch war es derselbe Mann. Ihr Retter des vergangenen Abends und ihr vorübergehender Arbeitgeber waren ein und dieselbe Person.

Ein unbehagliches Schweigen entstand, und Caroline wünschte sich nichts sehnlicher, als auf der Stelle im Erdboden versinken zu können. Stattdessen wurde ihr abwechselnd heiß und kalt.

„Caroline, Liebes, geht es dir nicht gut?“ Ihre Mutter klang besorgt, doch Caroline wandte den Blick nicht von de Sciorto.

Sie?“, brachte sie mühsam hervor. „Sie sind Romano de Sciorto?“

Spöttisch ruhte sein Blick auf ihr. „In der Tat. Der bin ich. Und wir sind einander schon einmal begegnet, nicht wahr?“ Amüsiert blitzte es in seinen Augen auf. „Vor nicht allzu langer Zeit, unter … etwas dramatischeren Umständen, wenn ich mich recht entsinne.“

Caroline hatte mit ihren Freunden Penny und Devlin ein paar Tage Urlaub in Sizilien gemacht. Nachdem sie in den vergangenen Monaten hart gearbeitet und sich kaum Freizeit gegönnt hatte, war dies der erste Urlaub. Penny und Devlin kannte sie schon lange, doch hatte sich ihr Kontakt in den letzten beiden Jahren auf E-Mails und ein gelegentliches Telefonat beschränkt.

Devlins Eltern besaßen in Sizilien ein uriges kleines Ferienhaus direkt an der Küste. Bei ihrem Besuch hatte er auch die Jacht seiner Eltern ausleihen dürfen, damit sie segeln konnten. Devlin und Penny besaßen beide einen Segelschein.

Caroline, eher ängstlich veranlagt, war gern mitgesegelt, hatte sich aber lieber im Hintergrund gehalten. Ihr gemeinsamer Segeltörn nach Malta hatte sich als ideale Gelegenheit ergeben, Caroline bei ihrem neuen Arbeitsplatz abzusetzen.

Als sie sich in der Dämmerung Valletta genähert hatten, war Caroline unter Deck gewesen und hatte sich nach dem erholsamen, müßig verbrachten Sonnentag umgezogen. Gerade hatte sie ihr Bikinioberteil abgelegt, als Devlin sie rief.

„Caroline, Penny, die Lichter von Valletta! Kommt schnell! Lasst euch diesen Anblick nicht entgehen!“

Hastig hatte Caroline das Bikinioberteil wieder verknotet und war an Deck gekommen, um die beleuchtete Festung in der Ferne zu bewundern. Sich Malta vom Wasser aus zu nähern war ein sehenswürdiges Erlebnis. Die zahlreichen Fackeln der Festung spiegelten sich auf der Wasseroberfläche wider und verliehen dem Ganzen etwas Mystisches. Die Festung, die Felsen und die Schiffe in dem alten Hafen wirkten wie aus einer alten, längst verschwundenen Zeit.

Wie gebannt hatte Caroline ihrem Zielhafen entgegengesehen. „Das ist wunderschön.“

„Ja, nicht wahr?“ Penny beschirmte die Augen mit einer Hand.

Sie standen kaum eine Minute auf Deck, als die fremde Motorjacht sie um ein Haar rammte.

Devlin schrie auf. Im selben Moment verlor Caroline das Gleichgewicht und fiel ins Wasser. Ihre Jeans sogen sich voll Wasser, und das offensichtlich zu locker gebundene Bikinioberteil machte sich selbstständig. Einen Augenblick brauchte sie, um die Orientierung wiederzufinden, und strampelte einfach nur panisch, bis sie schließlich an die Wasseroberfläche gelangte.

Im nächsten Moment lag sie in starken Männerarmen und wurde auf die fremde Motorjacht gezogen.

Nachdem der Fremde ihr einen Vortrag darüber gehalten hatte, dass Oben-ohne-Baden hier verboten sei, hatte er ihr ein viel zu großes Leinenjackett gereicht, mit dem sie ihre Blöße bedecken konnte.

Die Wangen vor Scham gerötet, hatte Caroline den Blick gesenkt. Sie hielt ihm vor, zu schnell mit seinem Motorboot gefahren zu sein. „Das ist verantwortungslos. Es hätte ein Unglück geschehen können!“

„Und Sie hätten eine Sicherheitsleine benutzen sollen, wie es eigentlich Vorschrift ist, dann wäre überhaupt nichts passiert.“

Nach einer hitzigen Diskussion hatte er plötzlich laut aufgelacht. „Unglaublich! Ich habe eine Meerjungfrau aufgefischt, die Gift und Galle spuckt“, hatte er grinsend bemerkt.

Das lange blonde Haar klebte nass an ihrem Kopf und ihren Schultern, und ihre Jeans lagen so eng an. Sie fühlte sich seinem Blick schutzlos ausgeliefert.

Doch auch ihr Retter war nass bis auf die Knochen. Sein dunkles Haar tropfte, und er hatte die herausforderndsten Augen, die sie je gesehen hatte. Das schwarze Poloshirt klebte an seiner breiten Brust, während die Bermudashorts seine muskulösen Schenkel umspannten.

Unwillkürlich schlug Carolines Herz höher. Er sah aus wie ein Mittelmeer-Pirat … gefährlich, aber auch ungemein sexy.

Dass sie so heftig auf ihn reagierte, ärgerte sie maßlos. Und als sie schließlich den Hafen von Valletta erreichten, hatte er sie an Land zu ihren Freunden getragen.

Erst als sie wieder zu Devlin und Penny stieß, fragte sie sich, warum er sie nicht sofort auf Devlins Jacht gebracht hatte. Dann wäre ihr diese unangenehme Fahrt in seiner Gesellschaft bis in den Hafen Vallettas erspart geblieben.

Abrupt wurde sie aus ihren Gedanken in die Gegenwart zurückgerissen. Kräftige Finger schlossen sich um das Handgelenk der Hand, mit der sie die Campariflasche hielt, und drehten die Flasche wieder aufrecht. Bei der Berührung durchlief es sie heiß.

„Man muss auch erkennen, wann das Glas voll ist, Miss Hastings.“ Ein süffisantes Lächeln umspielte seine Lippen.

„Oh.“ Der Campari schwappte bereits über den Rand ihres Glases auf die terrakottafarbenen Fliesen der Terrasse hinunter.

Schon wischte Katherine, das Zimmermädchen, den Boden auf, und Caroline saß am Esstisch neben Romano de Sciorto. Seine Nähe trug nicht gerade dazu bei, dass sie ihr inneres Gleichgewicht wiederfand.

„Also haben Sie keinen Schaden von Ihrem kleinen Unfall davongetragen?“, erkundigte sich ihr Tischnachbar spöttisch.

Musste er unbedingt auf den peinlichen Vorfall von gestern anspielen? „Nein. Danke der Nachfrage.“ Unter seinem Blick wurden ihre Brustspitzen unwillkürlich hart. Wie konnte ihr Körper nur so unmissverständlich auf Romano de Sciorto reagieren, wo Caroline ihn doch so sehr verachtete? Dass sie sich auf so peinliche Weise kennengelernt hatten, überschattete die Aussicht, mit diesem Mann zusammenzuarbeiten.

„Sie hätten ertrinken können.“

„Ja, ich weiß. Ich stehe auf ewig in Ihrer Schuld.“ Ihre Stimme triefte vor Ironie.

Als sie seinem Blick begegnete, blinzelte sie. Der Appetit war ihr gründlich vergangen.

„Ich kann es gar nicht fassen.“ Ihre Mutter schüttelte lächelnd den Kopf. „Dass ausgerechnet du gestern Abend Caroline gerettet hast, Romano!“ Schlank, elegant und betont jugendlich, freute sie sich ganz offensichtlich, ihre Lieben um sich versammelt zu haben.

„Ja, kaum zu glauben“, stimmte Romano trocken zu. „Meinen Sie, unser etwas delikateres Zusammentreffen gestern wird sich positiv auf unsere Zusammenarbeit auswirken, Signorina?

„Wohl kaum.“ Caroline wich seinem Blick aus und widmete sich ihrem Essen. Der Appetit war ihr gehörig vergangen. Anstandshalber aß sie ein paar Bissen. Doch sie schmeckte kaum, was sie zu sich nahm. Dabei wusste sie ein gutes Essen normalerweise außerordentlich zu schätzen. Besonders, wenn sie sich den Luxus erlauben konnte, bekocht zu werden. Zu Hause war sie so eingespannt, dass sie immer nur abends dazu kam, etwas Ordentliches zu essen.

„Sie tun sich unrecht, Signorina“, erklärte er grinsend. „Eine so originelle erste Begegnung werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen.“

Röte überzog ihr Gesicht. Dieser Mann war absolut unmöglich. Er hatte kein Benehmen, dafür aber ein übertriebenes Selbstbewusstsein, und er hielt sich für unwiderstehlich. Caroline konnte überhaupt nicht begreifen, wieso er zu den Freunden ihrer Mutter gehörte.

Nein, Romano de Sciorto war wirklich nicht ihr Fall, auch wenn er zugegebenermaßen verdammt gut aussah.

2. KAPITEL

„Kommt schon, ihr beiden“, mischte Susan Hastings sich fast vorwurfsvoll ein. „Ihr könnt euch ruhig duzen und bei den Vornamen nennen. Das ist doch selbstverständlich. Wir kennen uns jetzt schon so lange. Und meine Freunde sind auch Carolines Freunde. Es sei denn, du ziehst es vor, dass wir uns vor dir verneigen und dich mit deinem Titel ansprechen, Romano.“

„Titel?“ Caroline räusperte sich. Dass sie nicht automatisch mit den Freunden ihrer Mutter befreundet war, brauchte sie nicht extra zu betonen. Romano spürte ihre Abneigung sicher auch so deutlich genug. Umso peinlicher war der Versuch ihrer Mutter, sie einander näherzubringen.

„Ja, wusstest du das denn nicht?“ Ihre Mutter hob erstaunt die Augenbrauen. „Das ist Graf Romano de Sciorto von der Casa Sciorto, Mdina.“

„Wie aufregend“, hörte sich Caroline antworten. „Warum hast du das nicht gleich gesagt?“

„Ich gebrauche meinen Titel selten“, murmelte Romano. „Und deine Mutter weiß das auch ganz genau.“

„Aber warum nur?“, beharrte Caroline. „Die meisten Männer behängen sich doch gern mit ihren Titeln, um sie der ganzen Welt zu präsentieren.“

„Genauso fühlt es sich auch manchmal an.“ Wenn Romano lächelte, selbst wenn dieses Lächeln ironisch war, wirkte sein strenges Gesicht gleich viel weicher und machte ihn sympathischer. „Als trüge ich ein Etikett um den Hals. Ich ziehe es vor, nicht etikettiert zu werden.“ Damit lehnte er sich zurück und trank noch einen Schluck Wein.

Caroline konnte sich schon denken, warum er nicht mit seinem Titel hausieren ging. Dann nämlich müsste er sich auch wie ein Graf benehmen, anstatt wie ein Verrückter mit seinem Motorboot die Gewässer unsicher zu machen!

Nur ein Draufgänger wie er konnte diesen Unfall verursacht haben. Widersprüchliche Gefühle tobten in ihr. Sie fühlte sich von diesem Mann körperlich angezogen, verabscheute ihn jedoch wegen seines arroganten Auftritts gestern. Außerdem misstraute sie dem angeblichen Freund ihrer Mutter aus anderen Gründen. Schon lange war er ihr nicht geheuer, lange bevor sie ihm begegnet war.

Viel zu oft hatte sie sich Geschichten über Romano de Sciortos Furchtlosigkeit und Risikobereitschaft anhören müssen. Seit dem Tod ihres Vaters sang ihre Mutter bei jeder Gelegenheit ein Loblied auf Romano und die abenteuerlichen Sportarten, die er liebte. Was Caroline aber eigentlich so gegen ihn aufbrachte, war, dass er ihre Mutter anstiftete, sich auch darin zu versuchen. Am liebsten würde sie alles, was Romano machte, auch ausprobieren.

Jetzt war aber nicht der richtige Zeitpunkt, um ihm deswegen Vorwürfe zu machen.

Stattdessen lächelte sie ihn unter Aufbietung all ihrer Kräfte an. „Gestern Abend wolltest du wohl lieber deine Anonymität wahren. Du bist verschwunden, ohne dich mir vorzustellen. Hättest du mir deinen Namen gesagt, dann wäre mir der Schreck erspart geblieben, dass mein nächtlicher Retter mein zukünftiger Arbeitgeber ist.“

Er deutete ein Lächeln an und neigte leicht den Kopf. „Mein jüngerer Bruder hatte es sehr eilig, Gozo zu erreichen. Seine Frau lag mit ihrem ersten Kind in den Wehen.“

„Ich verstehe …“ Für einen Moment hatte Romano sie aus dem Konzept gebracht. „Ist denn alles gut gegangen?“

„Sie hat einen gesunden Sohn geboren.“

„Und dein Bruder war noch rechtzeitig dort?“

„Gerade eben noch. Wenige Sekunden, bevor der Kleine auf die Welt kam.“

„Oh, das freut mich.“ Die Worte waren heraus, bevor Caroline darüber nachgedacht hatte. „Unter diesen Umständen kann ich dir unsere Beinahekollision sogar fast verzeihen.“

„Du bist wirklich zu gnädig, Caroline. Aber du übertreibst. Unsere Boote hatten noch genug Abstand. Die Gefahr einer Kollision bestand nicht.“

„Das sehe ich anders“, widersprach sie.

„Dein Freund Devlin hat selbst zugegeben, dass er die Beleuchtung zu spät eingeschaltet hatte. Er hat sich sogar dafür entschuldigt, zu unaufmerksam in einen ihm unbekannten Hafen eingelaufen zu sein.“ Kühl musterte er sie. „Und wenn du eine Sicherheitsleine benutzt hättest, da wäre es überhaupt nicht zu einem Unfall gekommen. Aber ich denke, das haben wir gestern schon besprochen.“

„Du hast die Nerven, über Sicherheit zu sprechen?“, platzte sie heraus und vergaß ihren Vorsatz, ruhig zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen. Dieser Mann war unverschämt dreist.

„Warum nicht?“ Amüsiert funkelten seine Augen. „Klär mich doch bitte auf. Warum sollte ich nicht über Sicherheit sprechen?“

Caroline spürte Stephanie Marsas frostigen Blick auf sich. Ganz offensichtlich missfiel der jungen Frau die Aufmerksamkeit, die Romano Caroline zukommen ließ. Carolines Verdacht verstärkte sich, dass Stephanie weit mehr war als Romanos Sekretärin.

„Das weißt du ganz genau.“ Sie erschrak selbst über ihre Heftigkeit. Normalerweise hatte sie sich immer ganz gut im Griff und konnte sich auch in heiklen Situationen beherrschen. Durch ihren Beruf war sie es gewohnt, auch mit schwierigen Partnern zu kommunizieren und sich zu einigen. Dabei durfte sie weder Antipathien noch Abneigungen zeigen. Schließlich wollte sie Geschäfte machen.

In Romanos Fall hingegen fühlte sie sich, als wollte sie jeden Moment aus der Haut fahren. Er war so arrogant und behandelte sie dermaßen respektlos, dass ihr Temperament aufbegehrte.

Entschuldigend nickte sie in die Runde. „Verzeihung.“ Rasch erhob sie sich, schenkte ihrer Mutter ein kurzes Lächeln und legte ihre Serviette beiseite. „Ich fürchte, ich habe doch einige unerwartete Folgeschäden von gestern zurückbehalten.“

Das war eine lahme Entschuldigung, aber ihr fiel nichts Besseres ein. Auf zittrigen Beinen ging sie ins Haus.

Hier war es kühl und ruhig. Dankbar für die Atempause versuchte Caroline, wieder zur Ruhe zu kommen. Sie war allein im Wohnzimmer ihrer Mutter. Erschöpft ließ sie sich auf das cremefarbene Chintzsofa sinken und blickte über das Meer nach Fort St. Angelo hinüber.

So viele Monate hatte sie jetzt ohne einen Tag Urlaub an ihrer Selbstständigkeit gearbeitet, dass sie sich auf einmal wünschte, sie wäre zu ihrem Vergnügen hier. Und jetzt entpuppten sich ihre beruflichen Aufgaben hier als besonders schwierig.

Nach ihrer kurzen Auseinandersetzung mit Romano de Sciorto zitterte sie am ganzen Körper. Sie fühlte sich nicht wie eine vierundzwanzigjährige Frau, sondern wie ein vierzehnjähriges Schulmädchen.

Dabei war sie doch eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die ein eigenes Unternehmen leitete. Im Spiegel sah sie ihre großen grauen Augen, melancholisch und sorgenvoll. Ihrem verführerisch geschwungenen Mund fehlte jede Härte.

Die schweren Augenlider verliehen ihr einen sinnlichen und träumerischen Ausdruck. Ihre Verehrer waren sich darin einig, dass dies ihren größten Reiz auf die Männerwelt ausübte. Sie selbst ärgerte sich eher darüber, da ihr Schlafzimmerblick oft über ihre wirklichen Gefühle hinwegtäuschte.

Doch was nützte es, mit ihrem Aussehen zu hadern? Caroline konnte es ohnehin nicht ändern.

Und ausgerechnet dieser unverschämte Mann musste sie aus dem Wasser ziehen und in einem so kompromittierenden Aufzug sehen. So aufgewühlt war sie seit Jahren nicht mehr gewesen. Und das alles wegen dieses angeblich guten Freundes ihrer Mutter!

Caroline legte den Kopf zurück und schloss die Augen. Was war nur los mit ihr? Schließlich hatte sie zugestimmt, für Romano zu arbeiten, obwohl er an der neuen Risikobereitschaft ihrer Mutter schuld war. Seit dem Tod ihres Mannes hatte ihre Mutter plötzlich sehr abenteuerliche Pläne, wollte wieder arbeiten und ihren Platz in der Gesellschaft ausfüllen. Und jedes Mal, wenn sie von ihren neuen Plänen berichtete, fiel der Name de Sciorto.

Immerhin war Caroline nun in der Lage, sich selbst ein Bild zu machen. Sie konnte Romano kennenlernen, ihm ins Gewissen reden und vielleicht Einfluss auf ihre Mutter ausüben. Das zumindest hatte sie gehofft. Doch jetzt, da sie Romano getroffen hatte, löste sich diese Hoffnung in Wohlgefallen auf. Sie ärgerte sich, dass sie für diesen Job nach Malta gekommen war.

Zunächst war sie sogar geschmeichelt gewesen, dass er gerade sie gebeten hatte. Nicht viele Vierundzwanzigjährige hatten schon ein eigenes, noch dazu gut florierendes PR-Unternehmen vorzuweisen. Außerdem konnte sie, wenn sie schon einmal hier war, nach ihrer Mutter sehen, ohne dass sie allzu besorgt wirkte.

Vielleicht war es ein Fehler gewesen, den Job anzunehmen. Von vornherein war sie durch die Erzählungen ihrer Mutter gegen ihren vorübergehenden Arbeitgeber eingenommen gewesen.

Das war eine schlechte Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Fiasko der letzten Nacht trug auch nicht gerade zur Verbesserung ihrer Stimmung bei. Wie sollte sie auch professionell mit jemandem zusammenarbeiten, wenn dieser sie so herablassend und arrogant behandelte?

Missmutig streifte sie die Sandalen von den Füßen und zog die Beine an. Ihre Haut hatte in der kurzen Zeit hier schon Sonnenbräune angenommen.

In der Bucht tummelten sich die bunten maltesischen Fischerboote, die luzzus und die dghajjes, die größeren Wassertaxis im türkisblauen Wasser.

In den wenigen Jahren, die ihre Eltern hier gelebt hatten, hatte Caroline bereits einiges über Malta, seine Geschichte und Kultur gelesen. Auch wenn sie zum Arbeiten hergekommen war, wollte sie auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen, das Land ein bisschen besser kennenzulernen. Doch sosehr sie die Bilder in Fotobänden bewundert hatte, in der Realität war alles noch viel schöner.

Die ganze idyllische Szenerie erstreckte sich unter einem wolkenlosen blauen Himmel, den man unmöglich in einem Foto einfangen konnte.

Allmählich entspannte sie sich ein bisschen. Ganz loslassen konnte sie jedoch nicht.

Sie konnte sich ohnehin kaum erinnern, dass sie sich irgendwann keine Sorgen gemacht hätte. Immer hatte sie ein unruhiges Gefühl gehabt, wenn sie an ihre Eltern dachte. Diese Unsicherheit rührte von einer Trennung aus einer Zeit her, als sie vier Jahre alt gewesen war. Damals war ihre Mutter von einem mysteriösen Virus befallen gewesen und hatte für längere Zeit auf der Intensivstation liegen müssen. Ihr Vater, selbst außer sich vor Verzweiflung, hatte sich kaum um sein Kind kümmern können.

Stattdessen hatte eine Nachbarin die kleine Caroline versorgt. In der Zeit dieses Traumas war sich Caroline wie ein Waisenkind vorgekommen. Sie hatte sich zurückgewiesen gefühlt und in ständiger Angst um ihre Mutter gelebt. Niemand hatte ihr wirklich erklärt, was passiert war.

Wahrscheinlich wollten die Erwachsenen sie damit schonen und ihr nicht unnötig Angst machen. Unbewusst hatten sie jedoch genau das Gegenteil durch ihr Schweigen und ihre Beschwichtigungen bewirkt. Eine diffuse Angst hatte sich damals in ihrem Herzen eingenistet, die nie wieder ganz verschwunden war. Dann kam ihre Mutter nach Hause, erholte sich allmählich, und alles wurde wieder gut. Doch das Gefühl der Sorge war geblieben, unterschwellig, aber beständig.

Gedankenverloren strich sie sich durch das blonde Haar und entwirrte die seidigen Strähnen, die ihr ins Gesicht fielen. Durch das offene Fenster wehte eine leichte Brise herein. Es war noch nicht ganz Hochsommer.

Vor drei Jahren waren ihre Eltern für ihren Ruhestand hierher gezogen. Sie waren sehr glücklich gewesen. Ihr Vater war gerade sechzig geworden und wollte nach jahrelanger Tätigkeit als Journalist ein Buch schreiben. Bei der Recherche für sein Buch über die Geschichte Maltas hatte er Romano de Sciorto kennengelernt. Trotz des Altersunterschiedes hatte sich zwischen den beiden rasch eine enge Freundschaft entwickelt.

Nach dem tödlichen Herzinfarkt ihres Vaters vor anderthalb Jahren hatte ihre Mutter nur schwer den Verlust verwunden. Und jetzt wurde Caroline bei ihren Anrufen und Briefen angst und bange. Klettern mit achtundsechzig Jahren? Paragliding mit neunundsechzig? Die Persönlichkeit ihrer Mutter veränderte sich so rasant, und sie suchte das Abenteuer wie ein Teenager. Nichts konnte ihr aufregend genug sein. Und immer fiel in diesem Zusammenhang der Name Romano de Sciorto …

Angesichts dieser Eskapaden hatte Caroline vor Sorge Albträume bekommen, aus denen sie nachts schweißgebadet erwachte. Und jetzt entpuppte sich die ganze Sache als Furcht einflößender Wachtraum. Sie hatte gedacht, Romano de Sciorto ins Gewissen reden zu können. Doch in Wirklichkeit war er noch unsympathischer, als sie befürchtet hatte.

„Hier steckst du also.“

Caroline versteifte sich. Die tiefe männliche Stimme verursachte ihr unwillkürlich eine Gänsehaut. Als sie sich langsam umdrehte, sah sie ihn lässig im Türrahmen stehen.

Leidenschaftslos musterte er sie und trat dann näher. „Alles in Ordnung?“

„In allerbester Ordnung, Graf de Sciorto.“

„Romano“, korrigierte er sie.

„Romano.“ Der Name blieb ihr im Hals stecken, und sie musste ihren Ärger hinunterschlucken. Wenn sie ihrem beruflichen Image nicht schaden wollte, musste sie ihre Gefühle unter Kontrolle behalten. Routiniert zauberte sie ein professionelles, höfliches Lächeln auf ihr Gesicht.

Mit unverhohlenem Selbstbewusstsein betrachtete er sie. „Du wirkst angespannt, Caroline. Wahrscheinlich ist dein Stolz angekratzt. Ist dir peinlich, was letzte Nacht passiert ist?“

Zu ihrem Erstaunen errötete sie heftig. „Natürlich!“ Mehr brachte sie nicht hervor.

„Aber warum? Du bist sehr attraktiv und kannst deinen Körper zeigen, ohne dich zu schämen.“

Er klang so vernünftig, so beiläufig, dass sie fast darauf hereinfallen könnte. Wäre da nicht dieses ironische Funkeln in seinem Blick. Unter der ruhigen Oberfläche brodelte eine Feindseligkeit, die ihrer eigenen ihm gegenüber in nichts nachstand.

Caroline stand auf und strich sich die Hose glatt. Sie war groß, doch Romano überragte sie noch um einiges. Unbehagen schnürte ihr die Kehle zu.

Wie lächerlich. Da stand sie, Caroline Hastings, die coole Karrierefrau mit einem erfolgreichen Unternehmen, und ihre Selbstsicherheit zerfiel angesichts dieses Mannes.

Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, jagte ihr Angst ein. „Danke für das Kompliment“, gab sie ruhig zurück. „Aber deine Meinung über meinen Körper ist absolut irrelevant. Bemühe dich nicht, meinen Stolz aufzurichten. Ich werde es überleben. Das ist nichts, was unser Arbeitsverhältnis trüben könnte.“

„Ach, ja. Du hast natürlich recht. Du solltest übrigens so bald wie möglich in mein Büro kommen, damit wir dein neues Aufgabengebiet umreißen.“

Caroline starrte in sein gebräuntes Gesicht und steckte ihre zitternden Hände hastig in die Hosentaschen. Sie hatte das Gefühl, als sähe Romano sie wieder nackt, verletzlich und außer sich vor Wut … wie letzte Nacht. „Und wann hattest du dir unser erstes Meeting vorgestellt?“

„Gleich heute Abend?“ Angesichts ihres offenkundigen Unbehagens zuckten seine Mundwinkel amüsiert. „Du bist eine viel beschäftigte Frau, Caroline. Ich will dich hier auf Malta nicht länger aufhalten als unbedingt notwendig.“

„Wie aufmerksam von dir. Um wie viel Uhr?“

„Um halb neun? Zu der Zeit sind meine Angestellten weg, und wir haben das Büro für uns. Dann können wir uns ganz ungestört unterhalten. Und jetzt komm doch zurück zu Tisch. Zum Nachtisch gibt es prinjolata.“

„Das sagt mir gar nichts“, gestand sie mit einem Achselzucken.

Prinjolata ist ein typisches maltesisches Dessert, das traditionell rund um Karneval gegessen wird. Aber Kathleen hat es heute zu Ehren deiner Ankunft zubereitet. Magst du Mandeln und Schokolade?“

Caroline nickte langsam. Wie gebannt starrte sie Romano an. Wenn er so sprach, spürte sie schon fast, wie die Schokolade auf ihrer Zunge zerging.

„Dann solltest du es unbedingt probieren.“ Romanos Lächeln hatte auf einmal etwas Verführerisches. Caroline warf den Kopf zurück und folgte ihm hinaus. Irgendwie hatte er seinen ersten kleinen Sieg verzeichnet. Sie begriff selbst nicht, wie das passieren konnte. Aber er hatte es genauso bemerkt wie sie, dessen war sie sicher.

Plötzlich wurde sie wütend. Aber das wollte sie sich nicht anmerken lassen. Diesen Triumph gönnte sie Romano nicht. Stattdessen würde sie sich ihm gegenüber vollkommen gleichgültig verhalten.

Als er dann jedoch leicht eine Hand auf ihre Schulter legte, um sie durch die Tür zu geleiten, zuckte sie unwillkürlich zusammen. Sie war innerlich so angespannt, dass ihr das Herz prompt bis zum Hals schlug.

„Entspann dich“, flüsterte er viel zu nahe an ihrem Ohr. „Ich bin nicht gefährlich, Signorina. Ich weiß, dass du sehr auf Sicherheit bedacht bist, und in meiner Gesellschaft bist du vollkommen sicher.“

Eine Gänsehaut überlief sie. Von wegen, schoss es ihr durch den Kopf. Noch nie zuvor hatte sie sich so unsicher gefühlt.

3. KAPITEL

„Also …“ Caroline ließ den beeindruckenden Showroom mit der elektronischen Navigationsausrüstung auf sich wirken. „Emblem Communications verkauft, justiert und repariert hochmoderne Navigationssysteme für jede Art von Schiffen. Richtig?“

„Richtig. So könnte man es ausdrücken.“

„Elektronik ist nicht mein Fachgebiet, wie du dir denken kannst. Aber das ist ja auch nicht erforderlich. Hauptsache, du weißt, wovon du sprichst.“

„Was ist dein Fachgebiet, Caroline?“

Romanos Ton war absichtlich provozierend, und sie atmete entnervt aus. Sie hatten gerade ihre Tour durch seinen Bürokomplex an der Küste Msidas beendet. Hier gab es einen kleinen Jachthafen entlang der Küstenlinie, die nach Valletta führte.

Von außen waren die Gebäude aus honiggelbem Stein mit hölzernen Balkonen verziert, die für die maltesische Architektur so typisch waren und auf eine jahrhundertealte Kultur zurückblicken ließen.

Im Gegensatz dazu war das Innere des Büros höchst modern eingerichtet. Romano erläuterte Caroline die Einzelheiten von Emblem Communications internationalen Im- und Exportbeziehungen. Zum ersten Mal konnte sich sie vorstellen, dass er ein guter und kompetenter Geschäftsmann war.

Sie gingen den langen Korridor entlang zu Romanos Büro. Hier wollten sie das geplante Projekt besprechen, das anlässlich des zehnten Jubiläums seines Unternehmens durchgeführt werden sollte.

„Englisch. Das habe ich zumindest in Oxford studiert. Aber lass bitte die Seitenhiebe.“ Sie bedachte ihn mit einem kühlen Blick.

Vor seinem Büro hielt Romano ihr galant die Tür auf. Caroline war sichtlich beeindruckt von der geschmackvollen Einrichtung des Raumes. Dominiert wurde er von einem massiven Mahagonischreibtisch mit einem ledernen Chefsessel und einer kleinen Sitzgruppe für Besprechungen. Durch die breite Fensterfront mit der wunderschönen Aussicht wurde der Raum lichtdurchflutet. Ein dicker, weicher Läufer zierte den Parkettboden.

Romano legte sein Jackett ab und hängte es über die Lehne seines Sessels. „Setz dich doch“, forderte er sie auf und wies auf die Sitzgruppe. Dann gesellte er sich zu ihr.

„Du importierst also von überall her?“

Romano nickte und griff in die Gesäßtasche seiner Hose. „Stört es dich, wenn ich rauche?“

„Ehrlich gesagt wäre mir lieber, wenn du es lässt.“ Die Worte waren heraus, bevor Caroline sie verhindern konnte.

Mit einem lakonischen Achselzucken steckte er die Zigaretten zurück in die Tasche. „Du hast recht. Ich hatte ohnehin vor, mir das Rauchen abzugewöhnen.“

„Tut mir leid, ich wollte dich nicht bevormunden.“ Sie warf einen Blick auf ihre Notizen, versuchte ihre Gedanken zu ordnen und verfluchte insgeheim ihre mangelnde Professionalität.

„Es entspricht perfekt deinem Charakter, Caroline. Du bist sehr … auf Sicherheit bedacht. Und du bist eine sehr bevormundende junge Dame.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Nach so kurzer Zeit kannst du meinen Charakter wohl kaum richtig einschätzen.“

„Aber du meinen?“

Ihre Blicke trafen sich. Irritiert zwinkerte Caroline und sah dann schnell weg.

„Meine Mutter hat dich oft in ihren Briefen erwähnt“, gab sie zu. Was blieb ihr anderes übrig, als seinen Beschuldigungen mit Ehrlichkeit zu begegnen? „Furchtlos und mutig sind die Worte, mit denen sie dich am liebsten beschreibt. Ich hingegen finde Menschen, die das Leben anderer Leute aus reiner Abenteuerlust aufs Spiel setzen, verantwortungslos. Aber ich bin wegen meines Jobs hier, Signor de Sciorto.“

„Romano.“

„Romano.“ Das hörte sich für ihre Begriffe viel zu intim an.

„Du hast meine Einladung angenommen, obwohl du mich längst als rücksichtslosen Menschen abgestempelt hattest?“ In seinem Blick flackerte es auf. „Und dann wurden deine Befürchtungen gestern auch noch bestätigt. Arme Caroline. Glaubst du, in den Wochen unserer Zusammenarbeit wirst du sicher sein? Oder hast du Angst, dass dir irgendetwas zustößt?“

Einen Moment lang konnte sie sich nicht von seinen dunklen Augen lösen. „Nein. Da du mir ja schon einmal das Leben gerettet hast, wird mir wohl nichts passieren“, gab sie zurück. „Und jetzt zu den Ausrüstungen, die du aus dem Ausland importierst. Würdest du sagen, diese repräsentieren den wichtigsten Aspekt deines Unternehmens? Deine Fähigkeit, die Jachtliebhaber mit erstklassigen Markengeräten zu versorgen?“

Romanos Blick verdunkelte sich, und es war schwer zu sagen, ob er sich amüsierte oder sie für ihr Geschick bewunderte. „Absolut. Sehr scharfsinnig.“

„Du klingst ja ziemlich überrascht. Als hättest du mir kein Hirn zugetraut. Zurück zu deinen Verbindungen mit …“

„Im Gegenteil. Ich habe mir sagen lassen, dass du sehr kompetent bist.“

Entgeistert starrte sie ihn an. Ein Kompliment? Von ihm? „Wie schmeichelhaft. Warum hast du mich überhaupt von London hergebeten, Romano? Abgesehen davon, dass du meine Mutter kennst?“

„Freunde von mir in London haben dich mir empfohlen. Sie sagten, du bist intuitiv, originell und hast erstklassige Verbindungen.“

„Das ist alles?“

„Ich wollte ein internationales Unternehmen aufbauen. Jemanden aus London zu engagieren schien mir clever.“

„Das war es sicher“, gab sie trocken zurück. „Aber wir schweifen wieder ab. Wo waren wir? Ach, ja, beim Import. Habt ihr eure Lagerhäuser in der Nähe?“

Sein Gesichtsausdruck war völlig ausdruckslos. Wie ein Panther streckte er sich und fuhr sich mit beiden Händen durch das dichte, dunkle Haar. „In Gzira“, erklärte er. „Wir bekommen unsere Waren von Märkten in ganz Europa, auch aus Afrika. Aber lassen wir es für heute gut sein. Morgen stelle ich dich meinem Team vor. Wir sind nur zwölf, aber alle sind hoch qualifiziert. Ich schicke meine Mitarbeiter oft ins Ausland, damit sie sich mit den neuesten Technologien auskennen.“

Er schob sie regelrecht hinaus und schloss die Tür hinter ihnen beiden. Das Interesse, dieses Geschäft voranzubringen, lag offenbar allein auf ihrer Seite. Warum wollte er ihre kostbare Zeit vergeuden?

Gleichzeitig war Caroline unendlich erleichtert, dass dieses Meeting zu Ende war. Immerhin war sie allein mit Romano in diesem Gebäude, und gestern hatte er sie halb nackt gesehen. Natürlich wusste sie nicht, ob er ein Frauenheld war, aber dass er skrupellos war, konnte sie mit Sicherheit sagen …

Angesichts der unwillkommenen Gefühle, die über sie hereinbrachen, erschauerte sie unwillkürlich. Schon kehrte die Erinnerung an seine starken Hände zurück. Wie er sie gepackt und aus dem Wasser gezogen hatte. Ihre Brustspitzen richteten sich prompt auf.

Energisch presste sie die Lippen zusammen und sorgte für Sicherheitsabstand zwischen sich und ihm. Die Luft draußen war lau und würzig. Eine leichte Brise wehte vom Meer herüber und spielte in den Masten der Segelboote. Was für eine zauberhafte Nacht. Und was für eine wundervolle Insel …

Als Caroline in der vergangenen Nacht an Deck von Devlins Jacht gestanden hatte und sie sich in rasantem Tempo Valletta näherten, hatte sie dasselbe gedacht. Ihre Überfahrt von Sizilien war sonnig und leicht gewesen, die See ruhig und klar. Valletta hatte sich wie eine mittelalterliche Festung gegen den mauvefarbenen Himmel abgehoben wie eine Fantasiestadt aus einem Märchen.

Schweigend beobachtete Romano sie, die Stirn gerunzelt. „Wir fahren nach St. Paul’s Bay. Dort gibt es ein gutes Restaurant.“

„Ich bin gar nicht hungrig“, protestierte Caroline.

„Ich aber“, beharrte er mit einem Grinsen und führte sie zu seinem Aston Martin. „Tu es mir zuliebe.“

Obwohl sie ihren Begleiter nicht sonderlich mochte, musste sie zugeben, dass sie es genoss, in so einem luxuriösen Wagen chauffiert zu werden. Als Romano das Verdeck heruntergefahren hatte, liebkoste eine sanfte Brise Carolines Haut. Der Motor schnurrte angenehm leise.

Unwillkürlich fragte sie sich, was Jeremy, ihr Verehrer in London, zu diesem Wunderwerk von Auto sagen würde. Er schwärmte für stilvolle Wagen.

Eine Weile fuhren sie schweigend. Caroline betrachtete die Umgebung und entspannte sich etwas. Die bequemen Ledersitze, die leichte Brise in ihrem Haar und die Sonne trugen zu ihrem Wohlbehagen bei. Sie schloss die Augen und stellte sich vor, sie sei im Urlaub.

Solange Romano schwieg, konnte sie ihn ignorieren. Belüg dich nicht selbst, sagte ihre innere Stimme. Romanos Anwesenheit war körperlich so präsent. Caroline spürte ihn neben sich, als würde seine Wärme bis zu ihr ausstrahlen. Ganz fein drang sein Aftershave an ihre Nase, gemischt mit der salzigen Meeresbrise. Nimm dich zusammen, ermahnte sie sich.

„Bist du zum ersten Mal auf Malta?“

„Nein. Ich war schon einmal für kurze Zeit hier, als meine Eltern hergezogen sind …“

„Und da hast du nicht das Bedürfnis gehabt, öfter herzukommen?“

„Doch, natürlich. Aber ich hatte mich gerade selbstständig gemacht und konnte nicht weg. Und meine Eltern sind gern bereit gewesen, stattdessen zu mir nach London zu kommen. Die Reise nach Sizilien mit meinen Freunden und der Segeltörn hierher waren seit Jahren mein erster richtiger Urlaub.“

„Segelst du gern?“

„Bei gutem Wetter, ja.“

„Verstehe. Das hätte ich mir denken können.“ Sie spürte seinen Blick. „Einen Moment hatte ich schon gedacht, ich hätte eine abenteuerliche Seite an dir entdeckt, Caroline.“

Warum musste er immer auf diesem Thema herumreiten? Hielt er sie für ein lebensuntüchtiges Luxusweibchen, das sich ständig halb nackt auf einer Jacht sonnte? Schließlich stellte eine Geschäftsgründung mit all ihren Risiken auch eine Herausforderung dar. Wäre sie wirklich so ein Feigling, als den er sie hinstellte, ginge sie wahrscheinlich irgendeiner sicheren Angestelltentätigkeit nach.

„Nicht jeder spielt gern mit seinem Leben“, gab sie spitz zurück.

„Diese Formulierung ist nun wirklich nicht ganz passend.“

„Nicht?“

„Du glaubst also, ich lebe gern gefährlich?“ Er lächelte.

Wie konnte er nur so arrogant sein? Selbst gern gefährlich zu leben war eine Sache. Andere Menschen zu so einem Lebensstil anzustiften eine andere. Ihre Mutter anzustiften …

Als hätte Romano ihre Gedanken gelesen, sagte er wie beiläufig: „Deine Mutter will verreisen. Ich schätze, du bist damit nicht ganz einverstanden?“

Caroline biss sich auf die Unterlippe und vermied es, ihn anzusehen. Ihre Mutter und Gwen, eine ebenfalls verwitwete Freundin ihrer Mutter, hatten eine Tour ins geheiligte Land gebucht. Am kommenden Freitag sollte es losgehen.

„Ich wollte es dir vorher nicht sagen, Liebes, damit du es dir nicht anders überlegst und noch absagst“, hatte ihre Mutter erklärt. „Während ich weg bin, hast du das ganze Haus für dich. Ruf dein Büro in London an, sooft du willst. Ich bedaure nur, dass ich das Mnarja verpasse. Es ist ein romantisches nächtliches Festival in den Buskett Gardens, Ende des Monats. Aber Romano nimmt dich sicher gern mit hin, nicht wahr, Romano?“

„Ich war ein bisschen enttäuscht“, gestand Caroline. „Natürlich gönne ich meiner Mutter den Urlaub mit ihrer Freundin, aber ich hatte mich auch darauf gefreut, Zeit mit ihr zu verbringen. Wir haben uns sehr lange nicht gesehen.“ Sie zuckte die Achseln. Es fiel ihr selbst auf, wie verloren das klang, und sie verfluchte sich für ihre Offenheit.

„Deine Mutter ist eine sehr selbstständige, unabhängige Frau.“

Sie hielten sich nördlich, fuhren parallel zur Küste bis nach St. Paul’s hinauf. So rau und steinig diese Insel war, sie barg doch viele Reize.

Caroline schloss die Augen und dachte daran, wie ihr Vater immer von Malta geschwärmt hatte. Schon früh hatte er seine Leidenschaft dafür entdeckt. Als er mit seinem Buch über Malta begonnen hatte, fand er vor lauter Begeisterung kaum ein anderes Thema.

Caroline bereute, dass sie nicht die Zeit gefunden hatte, sich die Insel von ihm zeigen zu lassen. Wehmut breitete sich in ihrem Herzen aus. Aber sie hatte schließlich nicht ahnen können, dass er so früh dem Leben entrissen werden sollte.

Ihre Eltern waren unzertrennlich gewesen. Daher hatte ihre Mutter auch sofort zugestimmt, ihren Lebensabend mit ihm auf dieser Insel zu verbringen. Gemeinsam hatten sie sich das schöne kleine Stadthäuschen in Kalkara renoviert und eingerichtet. In der kurzen Zeit, die sie hier miteinander verbracht hatten, waren sie ihrer Mutter zufolge sehr glücklich gewesen.

Und Romano hatte angeblich zu diesem Glück beigetragen. Als guter Freund zunächst ihres Vaters, dann auch ihrer Mutter, war er bei ihnen ein und aus gegangen. Deshalb hatte er einen so großen Einfluss auf ihre Mutter.

Sicher hatte Romano recht. Ihre Mutter war unabhängig und selbstständig. Aber sie war auch verletzlich und wurde langsam alt. Romano schien das nicht zu begreifen.

Caroline würde dieses Thema wieder anschneiden, sobald sie sich innerlich ruhiger und sicherer fühlte. Aber nicht mehr heute Abend. Nach diesem Tag wollte sie eigentlich nur noch ins Bett, sich die Decke über den Kopf ziehen und die beängstigenden Gefühle, die in ihr tobten, ordnen.

Sie hatten keinen Tisch reserviert, doch bei Romanos Erscheinen überschlugen sich die Kellner vor Eifer, ihnen den besten Tisch mit Blick auf die Bucht bieten zu können. Der Mond hing wie ein riesiger Ballon am Himmel und tauchte alles ringsumher in ein milchiges Licht.

Unbehaglich saß Caroline Romano gegenüber. Die Nachtluft war noch mild und duftete nach Blumen. Um den Kopf freizubekommen, atmete sie tief durch.

Romano studierte ausgiebig die Weinkarte, und so hatte sie die Gelegenheit, ihn ungestört zu betrachten.

Er hatte ein schmales, hart wirkendes Gesicht. Sein leicht gewelltes, schwarzes Haar umspielte glänzend und herrlich dicht die klassische Form seines Kopfes. Die Nase war lang und leicht gebogen, die Stirn hoch. Der Mund fein geschnitten und sinnlich, das Kinn eckig und entschlossen. Dichte Brauen überschatteten tief liegende dunkle Augen mit einem goldenen Schimmer.

„Gegen ein kleines Entgelt stelle ich mich auch für Fotos zur Verfügung“, murmelte er lächelnd, als er ihren Blick bemerkte. „Wie lautet dein Urteil, Caroline? Bin ich ein Mensch, oder gehöre ich einer niederen Spezies an?“

Irgendwie hatte sich eine wesentlich entspanntere, ja fast heitere Stimmung eingeschlichen.

Unwillkürlich erwiderte Caroline Romanos spitzbübisches Lächeln. „Definitiv ein Exemplar einer niederen Spezies“, gab sie schelmisch zurück und richtete den Blick auf die Speisekarte.

Es war ein wundervoller Abend. Die Abendluft duftete nach Meer und war angenehm lau. Kerzen erfüllten den Raum mit einem warmen, ursprünglichen Licht. Zur Wahl des Restaurants konnte Caroline Romano innerlich nur gratulieren. Es war elegant und gemütlich zugleich.

Aufmerksam trat der Kellner an ihren kleinen Tisch, um die Bestellung aufzunehmen.

„Möchtest du auch ein Glas Wein trinken?“

„Gern.“ Obwohl sie nicht die Kontrolle verlieren wollte, konnte sie sich zur Entspannung ein Glas genehmigen.

Romano wählte einen guten Burgunder.

Und nachdem sie gekostet hatten und der Kellner ihnen eingeschenkt hatte, wurden diverse Vorspeisen serviert.

Köstliche, in würzigem Öl eingelegte Oliven und Gemüse mit einheimischen Kräutern, gefüllte Peperoni und zarte Artischockenherzen schmeckten Caroline so ausgezeichnet, dass sie fast schon zu satt für den Hauptgang war.

Die Hauptgerichte, für sie gefüllte Auberginen mit Oliven und Tomaten, für Romano Bragoli, maltesische Rindsrouladen, schmeckten wunderbar.

Er ermunterte Caroline, von seinem Essen zu probieren, und sie fühlte sich verpflichtet, auch ihm etwas anzubieten. Wie Freunde aßen sie gemeinsam. Und auf einmal waren alle Hemmungen, alle Vorbehalte verflogen.

Als sie den Hauptgang mit Appetit genossen hatte, trank sie einen Schluck des exzellenten französischen Burgunders, den Romano ausgewählt hatte.

„Dafür, dass du dich anfangs so dagegen gesträubt hast, war dein Appetit aber bemerkenswert“, sagte Romano amüsiert.

Caroline hatte alles bis auf den letzten Bissen verzehrt, so gut hatte es geschmeckt. „Ich hatte wohl doch Hunger“, gab sie zu.

„Weil du heute Mittag kaum etwas angerührt hast.“ Romano sah sie durch das warme Kerzenlicht an.

„Wenn ich angespannt bin, leidet mein Appetit.“

„Dann fühle ich mich geschmeichelt, dass du dich heute Abend in meiner Gesellschaft entspannen kannst, Caroline.“

In seinem Blick flackerte es auf, und Carolines Herz schlug schneller. Wie konnte sie sich von der Atmosphäre einlullen lassen? Romano hatte eine gepflegte Tischkonversation geführt, hatte ihr von seinem Leben und von seiner Familie erzählt, und sie hatte sich von ihm täuschen lassen. Sie durfte nicht vergessen, wer er war.

Sie räusperte sich. „Das war ein sehr angenehmer Abend, vielen Dank. Jetzt sollte ich aber wirklich nach Hause fahren.“

Romano schaute auf seine Uhr. „Wovor hast du jetzt schon wieder Angst? Das Gefährlichste, was du in deinem Urlaub hier erleben wirst, ist ein bisschen Segeln. Dabei wirst du unsere Produkte in Aktion sehen. Entspann dich, Caroline.“

„Ich habe keine Angst“, protestierte sie und unterdrückte den Impuls, ihm eine Ohrfeige zu versetzen. Gleichzeitig wollte sie sich ihm am liebsten an die Brust werfen. Sie schlug die Augen nieder und gab vor, sich ein Dessert auszusuchen. Wenn er wüsste, was für widersprüchliche Gefühle er in ihr weckte. Zum ersten Mal im Leben konnte ein Mann sie aus der Fassung bringen, und das allein mit einem Blick. Die Erinnerung an seine Berührung tat das Übrige. Sie durfte ihm nicht trauen.

„Das Gbejniet moxxi schmeckt gut“, empfahl er jetzt hilfsbereit. „Getrockneter Ziegenkäse. Mit Obst ist er ganz köstlich.“

„Ich bin wirklich satt.“ Caroline legte die Speisekarte beiseite. Um sich zu entspannen, atmete sie tief durch und lehnte sich im Stuhl zurück. Dabei straffte sie den Rücken. Unbewusst brachte sie dabei ihre Brüste zur Geltung.

Diese unschuldige, zugleich jedoch sinnliche Bewegung entging Romano natürlich nicht. Sein Blick streifte ihre Brüste, als berührte er sie mit den Händen, liebkoste sie mit den Lippen. „Vielleicht verzichte ich auch auf den Nachtisch“, murmelte er. Er wirkte angespannt. Ganz unbeteiligt war er also auch nicht. Doch die Tatsache, dass er sie wirklich zu begehren schien, dass er ebenso wie sie aus der Fassung geriet, beruhigte Caroline nicht im Geringsten. „Aber einen Kaffee nimmst du doch sicher?“

Sie nickte. Koffein würde sie wieder zur Vernunft bringen. Hoffentlich …

„Nur zwei Kaffee, bitte“, bestellte er bei dem aufmerksamen Kellner. Er griff nach seinen Zigaretten. Dann zog er eine Grimasse und legte sie wieder beiseite. „Wie alt bist du, Caroline?“

„Vierundzwanzig.“

„Und was treibst du so, wenn du nicht arbeitest?“

„Warum interessiert dich das?“, fragte sie gleichgültig. „Möchtest du eine weitere Rekrutin für deine Extremsportarten gewinnen?“

Der Kaffee wurde serviert, und Caroline beobachtete, wie Romano das goldbraune, duftende Getränk in die winzigen Tassen goss. Sie selbst nahm einen Tropfen Milch, Romano trank seinen Kaffee schwarz.

„Erzähl mir doch etwas über meine angeblichen Extremsportarten“, forderte er sie gutmütig auf. Er trank einen Schluck Kaffee.

Auch Caroline nippte an ihrer Tasse, um ihre plötzlich sehr trockene Kehle zu befeuchten. „Steilklippen erklimmen und sich wieder davon abseilen? Vielleicht Bungee-Jumping von den Dingli-Klippen? Fallschirmspringen ohne Fallschirm?“

„Mal sehen, ob ich deine Hobbys genauso gut erraten kann. Lesen? Spaziergänge im Park? Handarbeiten?“

„Du hast Blumenpressen, Kochen und Stricken vergessen“, gab sie zuckersüß zurück. „Und was wäre so schlimm daran, wenn das meine Hobbys wären?“

Überrascht schwieg er einen Moment. Dann zuckte er mit den Schultern. „Gar nichts. Aber was ist so schlimm an meinen Freizeitbeschäftigungen?“

„Schlimm? Schlimm finde ich nur, dass du meine Familie da hineinziehst. Davon abgesehen ist es mir gleichgültig, ob du dich aus schwindelnden Höhen auf Klippen stürzt oder mit voller Geschwindigkeit gegen irgendein Hindernis bretterst.“

„Ich hatte eigentlich vor, sehr alt zu werden und dabei gesund zu bleiben.“

„Und ich möchte, dass meine Mutter das auch tut.“ Die Worte waren heraus, bevor sie sich auf die Zunge beißen konnte.

Schlagartig wich die Ironie aus seinem Gesicht. Beinahe erschrocken sah er Caroline an. „Gibt es denn einen triftigen Grund, warum sie das nicht tun sollte?“

„Wenn du sie nicht weiter zu so halsbrecherischen Sportarten animierst, nein. Sie ist fast siebzig.“

„Vielleicht habe ich dich missverstanden“, sagte er langsam. „Nur damit ich das richtig verstehe … du glaubst allen Ernstes, dass ich irgendeinen Einfluss auf die Freizeitaktivitäten deiner Mutter habe?“

„Du bist angeblich ihr Freund!“ Verständnislos schüttelte Caroline den Kopf. „Wenn man jemanden liebt, dann will man doch, dass dieser Mensch sicher ist und keine gefährlichen Wagnisse eingeht. Aber Sicherheit scheint für dich ein Fremdwort zu sein.“

Einen Moment herrschte Schweigen.

Romano musterte sie nachdenklich. „Wenn du jemanden wirklich liebst, Caroline, dann schenkst du ihm Freiheit“, widersprach er leise. „Oder möchtest du die Menschen, die du liebst, lieber in ein freudloses Vakuum stecken, nur weil du Angst hast, ihnen könnte sonst etwas zustoßen?“

„Viele Menschen kosten ihr Leben voll aus, ohne sich irgendwelchen Gefahren auszusetzen.“

„Arme Caroline. Unglaublich, wie viel Angst du vor dem Leben hast. Du brauchst einen Bösewicht, einen Sündenbock, in deiner kleinen angstbesetzten Welt. Einen, dem du alle Schuld zuweisen kannst. Hast du mich zu deinem Bösewicht erkoren?“

Irritiert schwieg sie. Steckte in seinen Anschuldigungen ein Funken Wahrheit? Machte sie ihn wirklich für ihre Sorgen verantwortlich?

Warum konnte er sich nicht einfach aus dem Leben ihrer Mutter heraushalten? Warum akzeptierte er Caroline nicht einfach so, wie sie war? So ungewöhnlich war es ja wohl nicht, dass sich eine Tochter Sorgen um ihre älter werdende Mutter machte. Wie leicht konnte sie glauben, dass er einfach nur seine eigene Risikobereitschaft, vielleicht sogar sein schlechtes Gewissen, reinwaschen wollte, indem er sie anklagte. Angriff ist die beste Verteidigung.

Doch Caroline wollte sich nicht selbst betrügen. Wenn seine Worte sie so trafen, war vielleicht etwas Wahres daran. Was, wenn Romano tatsächlich recht hatte? Darüber musste sie nachdenken. Jedoch nicht unter seinem eindringlichen Blick. Vor ihm brauchte sie ihr Inneres nicht auszubreiten, damit er darin herumstocherte und sich über sie lustig machte. „Können wir bitte jetzt gehen?“, flüsterte sie.

Romano nickte und beglich ohne weitere Diskussionen die Rechnung. Am Wagen öffnete er ihr die Beifahrertür und sah zu, wie sie sich anschnallte.

Schweigend fuhren sie nach Kalkara zurück. Innerlich war Caroline aufgewühlt. Es fiel ihr schwer, die Fassung zu wahren. Tränen brannten in ihren Augen. Mit einem Mal brach alles über ihr zusammen. Die anstrengenden letzten Monate, die Sorge um ihre Mutter, die Demütigungen durch Romano …

Romano parkte vor dem großen Haus und stellte den Motor ab.

Caroline drehte sich weg und versuchte, ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen.

Stirnrunzelnd musterte er sie und legte ihr dann sacht einen Finger unter das Kinn, um ihren Kopf zu sich zu drehen. „Tränen?“, fragte er sanft. „Um wen weinst du, Caroline?“

Um wen, nicht warum …

Diese Frage rührte an einen tief verschütteten Kummer. Doch Caroline war jetzt zu sehr damit beschäftigt, sich wieder unter Kontrolle zu bekommen, als dass sie der Klärung nachgehen konnte. „Ich weine nicht. Gute Nacht, Romano.“ Sie machte Anstalten, die Tür zu öffnen.

Romano aber griff nach ihrer Schulter. Warm und gut lag seine Hand dort, durch den hauchdünnen Stoff ihrer Seidenbluse viel zu nah an ihrer Haut. Mit der anderen Hand berührte er sie. Seine Finger strichen über ihre tränenfeuchten Wangen.

„Und ob du weinst.“ Er klang rechthaberisch und besorgt zugleich. Bevor Caroline seine Absichten erahnte, hatte Romano sie zu sich gedreht. Und dann küsste er sie liebevoll.

Geborgen lag sie an seiner Brust. Es fühlte sich so gut und richtig an. Und doch wusste Caroline, dass es nicht sein durfte. „Bitte nicht …“

Unendlich zärtlich küsste Romano ihren Protest fort. Sanft hob er ihr Kinn an, streichelte über ihre Wangen und küsste sie wieder, diesmal leidenschaftlich und fordernd.

Glühendes Verlangen überkam ihn.

Caroline gab sich seinem Kuss hin wie nie einem Kuss zuvor. Ihre Zunge begegnete seiner, und es war, als würde sie ein Stromstoß durchzucken.

Selbst überwältigt, umfasste Romano ihr Gesicht und hielt es wie ein kostbares Kleinod. Einen Moment ließ er von ihr ab. Schwer atmend schauten sie sich in die Augen. Dann gab Caroline jeden Widerstand auf, und sie schmiegte sich an seine Brust.

„Caroline …“ Er flüsterte ihren Namen. Es klang wie eine unausgesprochene Frage. Doch als sie den Mund öffnete, um ihm zu antworten, eroberte er erneut ihre Lippen, vertiefte den Kuss.

Schockiert wegen ihrer eigenen heftigen Reaktion, schloss sie die Augen, und dann genoss sie nur noch. Die Leidenschaft zwischen ihnen war animalisch, eine gefährliche Mischung aus Neugier, Zorn und Lust. Ihr akkurater Haarknoten löste sich, und die weichen Strähnen umspielten ihr Gesicht.

Halbherzig abwehrend legte sie ihm die Hände auf die Schultern, um ihn von sich fortzustoßen. Aber stattdessen spürte sie fasziniert seine Muskeln und seine Wärme. Wie eine Verdurstende klammerte sie sich an, ihn als sei er der rettende Schluck Wasser.

Abrupt war es vorbei. Romano gab sie frei, die Hände immer noch in ihrem Haar, und starrte sie an, als sei sie ein Phantom.

„Morgen“, sagte er endlich. „Morgen habe ich den ganzen Vormittag zu tun. Komm um drei Uhr nachmittags. Dann können wir die Strategie für die Kampagne diskutieren.“

Etwas verspätet erinnerte er sich an seine Manieren, stieg aus und öffnete ihr die Beifahrertür.

Er benahm sich, als sei nichts geschehen. „Gute Nacht, Caroline.“

Bis sie zum Haus gegangen, mit zitternden Fingern den Schlüssel ins Schloss gesteckt und hineingegangen war, sah Romano ihr nach.

4. KAPITEL

Bei Emblem Communications herrschte hörbar reges Treiben, als Caroline kurz nach drei Uhr eintraf. Trotzdem war der Empfangsbereich menschenleer. Auf der Sitzgruppe unter der Topfpalme wartete Caroline äußerlich gefasst, innerlich jedoch aufgewühlt.

Telefone läuteten, Computertastaturen klapperten. Stimmen drangen aus dem Großraumbüro. Nervös spielte Caroline mit dem Träger ihrer Handtasche und blickte durch die Glastüren hinaus in die heiße Sommerszenerie.

Die Sonne brannte auf Reihen von weiß leuchtenden Jachten mit Masten aus Aluminium und auf Hochglanz poliertem Messing und Chrom nieder. Auf dem Deck einer Jacht stand ein Mädchen mit hüftlangen braunen Haaren und rief etwas zu einem Mann auf dem Boot nebenan hinüber.

Alles wirkte so sorglos, so wunderbar mediterran und entspannt, dass Caroline sich plötzlich wünschte, sie könnte ihr Unternehmen für eine Weile vergessen, all die Jahre harter Arbeit, an Bord einer dieser Jachten springen und einfach auf und davon segeln, dem azurblauen Horizont entgegen …

Den freien Vormittag hatte sie gemeinsam mit Penny und Devlin an Bord der Kestrel verbracht, bevor die beiden wieder nach Sizilien gesegelt waren. Unweigerlich war Caroline von ihren Freunden wegen der abenteuerlichen Rettung durch den attraktiven Fremden geneckt worden.

Nach dem aufwühlenden Kuss gestern Abend fiel es ihr noch schwerer, auf die Späße ihrer Freunde nicht überzureagieren.

Noch nie hatte ein Kuss so viele Gefühle in ihr ausgelöst. Solche Küsse gab es sonst nur im ganz großen Kino. Konnte es am Wein gelegen haben? Schließlich hatte sie mehr als nur ein Glas getrunken. Ein mit Aphrodisiaka versetzter Wein von einer kleinen unbekannten Insel war es jedenfalls nicht gewesen. Caroline hatte das Etikett gesehen: Es hatte sich um einen ganz normalen, guten französischen Burgunder gehandelt, und der Kellner hatte die Flasche vor ihren Augen entkorkt.

Wenn alles nicht so verwirrend wäre, könnte Caroline fast darüber lachen. Aber es war alles andere als lustig. Besonders, da Romano de Sciortos Ego angesichts ihrer Hingabe ins Unendliche wachsen würde. Eigentlich sollte er nur ihre Fähigkeiten als PR-Spezialistin kennenlernen.

„Nun lass dir doch nicht jede Einzelheit aus der Nase ziehen“, beschwerte sich Penny und strich sich das kastanienbraune Haar aus dem Gesicht.

Die drei Freunde saßen im Hafen von St. Julian’s und blickten aufs Meer und die Boote hinaus. Die Sonne schien heiß, und sie verbrachten die letzten Stunden gemeinsam, bevor Devlin und Penny wieder in See stachen, um die Heimfahrt anzutreten.

Caroline hatte ein bisschen erzählt und versucht, möglichst unbeteiligt zu wirken. Den inneren Konflikt, in den Romano de Sciorto sie stürzte, wollte sie ihren Freunden nicht offenbaren. Erst recht nicht, da sie ja selbst keine Ahnung hatte, warum sie so heftig auf ihn reagierte, obwohl sie ihn nicht sonderlich mochte.

Sie versuchte, sich wieder auf die bevorstehende Besprechung zu konzentrieren. In Gedanken überprüfte sie noch einmal ihre Garderobe. Auf keinen Fall wollte sie in irgendeiner Weise aufreizend oder verführerisch wirken. Deshalb hatte sie ihr schlichtes schwarzes Baumwollkleid gewählt, kurzärmelig und mit V-Ausschnitt. Dazu trug sie ihre Kette mit dem goldenen Christopherus-Anhänger. Ein grauer Ledergürtel rundete ihr Outfit ab. Sie sah gut aus, aber nicht sexy.

Nervös schaute sie auf ihre Uhr. Ganz bestimmt würde sie hier nicht den ganzen Tag warten. Sie versuchte sich zu erinnern, welchen Weg sie gestern von hier zu seinem Büro genommen hatten. Hoch erhobenen Hauptes schritt sie durch die Schwingtür, durch den Gang, bog rechts ab und ging die Treppen hinauf. Selbstbewusst öffnete sie die Tür zu Romanos Büro …

… und errötete prompt. Stephanie Marsa hatte sich an Romanos Brust geschmiegt, die Arme besitzergreifend um seinen Nacken gelegt. Hastig lösten sie sich voneinander, als sie Caroline bemerkten.

Stephanie schwankte auf ihren hohen Absätzen, trotz derer sie Romano kaum bis zur Schulter reichte.

Dieser griff nach ihrem Arm und stützte sie. Sein Blick war ruhig und selbstbewusst, aber dennoch fragend, als er nun Caroline ansah. „Bongu, Caroline.“ Die maltesische, an das französische Bonjour angelehnte Begrüßung hatte einen weichen Klang. „Du bist fünf Minuten zu spät.“ Er besaß auch noch die Dreistigkeit, sie zu rügen. Damit wollte er doch nur von seinem Fehlverhalten ablenken!

„Ich war pünktlich hier.“ Die Worte steckten ihr im Halse fest. „Aber du hast mich an der Rezeption warten lassen.“

„Es tut mir leid, Signorina Hastings, dass Sie warten mussten“, warf nun Stephanie ein. „Aber Romano musste mich … ganz dringend sprechen.“

Stephanie Marsa sammelte ein paar Akten und Briefe vom Schreibtisch zusammen. Ihr winziger Minirock gewährte freien Blick auf schlanke, scheinbar endlos lange Beine. Insgesamt war sie so zart und feminin, dass Caroline unwillkürlich an die Fee Tinkerbell denken musste.

Höflich lächelte Stephanie nun Caroline zu, die sich zusammennahm und das Lächeln erwiderte.

Stephanie war eine aparte Schönheit. Ihre Augen waren groß und rehbraun, umrahmt von langen gebogenen Wimpern, um die sie sicher jede Frau beneidete. Der Mund war zartrosa geschminkt und stand in aufreizendem Kontrast zur ihrer olivbraunen Haut und dem vollen, glänzenden schwarzen Haar. An ihrem makellosen Körper hatte sie nicht ein Gramm Fett zu viel. Sie war einfach vollkommen – und damit das genaue Gegenteil von Caroline. Warum setzte Romano dann Caroline so zu, wenn er doch Stephanie so leicht haben konnte?

„Kein Problem, ich habe meinen Weg ja gefunden.“ Caroline verschränkte die zitternden Finger hinter dem Rücken. Sie fragte sich, ob Romano diese Szene absichtlich inszeniert hatte. Jetzt brauchte sie sich über gestern Abend jedenfalls keine weiteren Gedanken mehr zu machen.

Romano schickte Stephanie weg mit der Bitte, ihnen Kaffee zu bringen.

„Setz dich doch.“ Seine Miene war ausdruckslos.

Schweigend setzte sie sich in den ihr zugewiesenen Sessel. Romano nahm hinter seinem Schreibtisch Platz. Statt seinem Blick zu begegnen, suchte sie umständlich ihr Notizbuch heraus und betrachtete dann das Bürozimmer. Innerlich verfluchte sie ihr verräterisch klopfendes Herz.

Auf seinem Schreibtisch standen drei Telefone mit Anrufbeantworter, ein Computer und ein Faxgerät. Ordner, Memokladde, Stifte und Karteikasten rundeten den geschäftigen Eindruck ab. Auf den weitläufigen Regalen wurde eine Auswahl von Emblem Communications’ Satelliten- und Videosystemen präsentiert.

„Ich habe ein paar Fragen“, setzte Caroline kühl an. Den Blick hielt sie dabei auf ihre Unterlagen gesenkt, um ihre Gefühle nicht zu offenbaren. Diskret schlug sie die Beine übereinander und suchte in ihrer Tasche nach dem Kugelschreiber. „Gibt es eine regelmäßige Bootsmesse auf der Insel? Das wäre die ideale Plattform für den Event, den du zum zehnten Jubiläum planst.“

„Die Bootsmesse hat im März in Naxxar stattgefunden“, erklärte Romano nicht minder kühl. „Wir haben dort ausgestellt, und die Ausstellung war erfolgreich. Dort konnten wir viele neue Kontakte knüpfen und uns über das Angebot der Konkurrenz informieren. Wir haben uns erstklassig positioniert. Emblem Communications ist Marktführer. Aber gegen Monatsende wird die International Business Fair, die internationale Messe, durchgeführt. Das ist eine viel größere Chance für uns.“

„Sehr gut. Dann werden wir unsere PR-Kampagne auf diesen Event ausrichten. Ich werde Radio und Fernsehen informieren. Und vielleicht können wir einen Artikel mit Fotos von deiner Belegschaft, den Produkten, Showrooms und Jachten in der Sunday Times und in Fachmagazinen veröffentlichen. Auch Empfehlungen von Jachtbesitzern, die bereits mit euren Systemen ausgestattet sind, könnten abgedruckt werden. Auf internationaler Seite …“

„Immer mit der Ruhe“, drosselte er ihr Tempo. „Ich bin ganz beeindruckt von deinem Engagement. Aber mach dir doch erst einmal ein eigenes Bild.“

„Ich denke, ich habe ein ziemlich genaues Bild von dem, was hier vorgeht.“ Caroline konnte es sich nicht verkneifen, ihren Worten einen zweideutigen Klang zu verleihen.

Den Romano natürlich sofort heraushörte. „Wirklich?“

Sie starrte ihn an. Ihr Puls raste. In seinem cremefarbenen Leinenanzug, dem hellen Hemd und der gelben Krawatte sah er ungemein attraktiv aus. Das Fatale an gut aussehenden Männern war nur, dass sie es meistens wussten, sich für unwiderstehlich hielten und nur mit den Frauen spielten. Caroline war immer klug genug gewesen, sich von solchen Männern fernzuhalten. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

„Ich bin weder blind noch dumm.“

„Blind sicher nicht. Dumm? Das bleibt abzuwarten, Caroline. Weißt du, der gestrige Abend hat mir ein paar Fantasien eingeflüstert …“

„Ich bin nicht im Geringsten an deinen Fantasien interessiert.“

„Nicht? Da hatte ich gestern im Auto aber einen ganz anderen Eindruck.“ Das dunkle Timbre seiner Stimme verursachte ihr eine Gänsehaut. Und dann lag sie wieder in seinen Armen. Unerwartet riss er sie an sich und küsste sie, hart und fordernd.

Der Angriff kam so überraschend, dass sie vollkommen überwältigt war. Sie legte die Hände auf seine starken Brust und gab sich dem Kuss hin. Nur wenige Millimeter trennten ihre Hüften voneinander.

Er rückte näher, schloss die Lücke zwischen ihnen. Caroline war sich ihrer Verletzlichkeit nur allzu bewusst. Besitzergreifend legte Romano eine Hand auf ihre Hüfte. Verlangen erfasste sie. Das Blut pulsierte wie flüssige Lava durch ihren Körper.

Dann erst wurde ihr im vollen Ausmaß klar, was hier vor sich ging, und sie schämte sich. Wie konnte er es wagen, sie so zu behandeln? Zuerst flirtete er mit Stephanie Marsa, und dann wandte er sich zynisch ihr zu? Heftig stieß sie ihn von sich, doch seinem fesselnden Blick konnte sie nicht entfliehen.

„Süß wie maltesischer Honig“, murmelte er heiser. „Mit geheimnisvollen Tiefen, vermute ich …“

Sein Blick erinnerte sie an den eines schläfrigen Tigers, immer auf seine Beute gerichtet. Es war ihr unmöglich, seine Gedanken zu deuten. Was er wollte, war unmissverständlich, doch welche Absichten dahinter lagen, konnte sie nicht ergründen. Sanft legte er ihr den Finger unter das Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. Mit der anderen Hand liebkoste er ihre Wange und zeichnete dann die Linie ihres Halses bis zum Nacken nach. Der Kette folgend, spielte er in ihrem Ausschnitt mit dem Anhänger des heiligen Christopherus.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken, und sie bekam eine sinnliche Gänsehaut. Als er sie an sich ziehen wollte, hob sie die Hand, um ihm eine Ohrfeige zu versetzen. Im Schlag griff er nach ihrem Handgelenk und hielt es fest. „Beruhige dich, Signorina. Willst du, dass meine Sekretärin den Kaffee hereinbringt und mich mitten in einer Prügelei mit meiner PR-Beraterin aus London überrascht?“

„Das wäre auch nicht schlimmer, als wenn deine PR-Beraterin aus London hereinkommt und dich mitten in einem Kuss mit deiner Sekretärin überrascht!“, schleuderte sie ihm entgegen. „Und jetzt lass mich los.“

„Gern doch. Aber erst wenn ich mir meiner körperlichen Unversehrtheit gewiss sein kann.“ Er grinste. „Ein blaues Auge und eine gebrochene Nase tragen sicher nicht zu einer guten Publicity bei. Und was das Küssen meiner Sekretärin angeht, kann ich mich an nichts dergleichen erinnern.“

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