Logo weiterlesen.de
Weißes Paradies der Liebe

1. KAPITEL

Es war ein kalter Tag. Außergewöhnlich kalt, selbst für den Winter in Norwegen. Vom strahlend blauen Himmel schien hell die Sonne, und ein leichter Wind wehte.

Inmitten des glitzernden Schnees stand Wendy ganz oben auf dem steilen Berghang und wartete darauf, dass das Startsignal ertönte. Adrenalin schoss durch ihre Adern, und prickelnde Vorfreude erfasste sie. Nie zuvor hatte sie sich so lebendig gefühlt.

„Konzentrier dich auf die Abfahrt, und denk an nichts anderes als an diesen Berg“, sagte der Coach. Und dann erklang auch schon das Signal. Mit beiden Stöcken stieß Wendy sich ab und fuhr den Hang hinunter. Mühelos schoss sie durch das erste Tor, dann durch das zweite, das dritte …

Urplötzlich jedoch verwandelte sich das anfängliche Glücksgefühl in reine Panik. Irgendetwas stimmte hier nicht. Sie war zu schnell. Viel zu schnell. O nein, dachte sie verzweifelt. Ich darf die Kurven nicht so eng nehmen. Ich muss korrigieren! Wendy holte tief Luft und kämpfte gegen die aufsteigende Übelkeit an. Bleib ganz ruhig, befahl sie sich. Es wird schon nichts passieren. Schließlich war sie eine außergewöhnlich gute Skirennläuferin.

Und dann war mit einem Schlag alles aus. Sie flog durch die Luft, prallte gegen das Netz am Rand der Piste und schoss darüber hinweg. Jemand schrie.

Das hätte nicht passieren dürfen, dachte sie ganz ruhig. Wie in Zeitlupe sah sie die Bäume auf sich zukommen, den weißen Schnee … und die grauen Felsen. Um sie herum wurde es schwarz.

„Meine Damen und Herren, willkommen am John F. Kennedy Airport. Bitte bleiben Sie sitzen, bis das Flugzeug steht.“

Wendy schreckte auf. Es war nur ein Traum. Ein Traum, den sie schon so lange nicht mehr gehabt hatte. Heute kehrte sie zum ersten Mal seit dem Unfall vor neun Jahren nach Cooper’s Corner zurück. Und prompt träumte sie wieder von dem schrecklichen Unfall. Willommen zu Hause, Wendy. Du kannst deine Pläne immer noch ändern, flüsterte ihr eine innere Stimme zu. Vielleicht war es besser, sofort nach Paris zurückzufliegen, wo sie die letzten sieben Jahre gelebt hatte. Zwar hatte sie ihre kleine Wohnung dort aufgegeben, weil sie nicht wusste, wie lange sie wegbleiben würde. Aber es wäre bestimmt kein Problem, bei einer ihrer Freundinnen unterzuschlüpfen, bis …

Ja, bis wann? Wendy hatte nicht vor, in Paris weiterhin Englischunterricht zu erteilen, obwohl sie ihre Arbeit liebte. Aber täglich mehrere Stunden in einem Klassenzimmer voller französischer Schulkinder zu sitzen war auf Dauer nicht das Richtige für sie. Sie vermisste den Schnee, die Berge und das Skilaufen. Wenn sie jemals wieder Rennen fahren wollte, musste sie nach Hause zurückkehren. Zumindest für eine gewisse Zeit.

Schließlich kam das Flugzeug zum Stehen. Die Passagiere lösten die Sicherheitsgurte, standen auf und strebten mit ihrem Handgepäck den Ausgängen entgegen. Wendy nahm ihre Tasche in die Hand und folgte den anderen durch die Zollkontrolle.

Es war zu spät für Zweifel. Jetzt gab es keine Ausreden mehr. Ihre Mutter war außer sich vor Freude, dass sie endlich nach Hause kam. Allerdings kannte sie auch noch nicht den wahren Grund für Wendys Besuch. Nur ihr Vater wusste, warum sie zurückkam. Und er hatte versprochen zu schweigen.

Außerdem war ihre Freundin Alison schon auf dem Weg nach Albany, um Wendy dort am Flughafen abzuholen. Ihre Eltern hatten ihr angeboten, sie dort in Empfang zu nehmen. Aber das hatte sie abgelehnt.

„Ihr braucht euch den Tag nicht extra freizunehmen“, hatte sie beim letzten Telefongespräch erklärt. „Ich weiß doch, wie viel ihr zu tun habt. Allie und ich haben uns auch bestimmt viel zu erzählen.“

Das war nicht mal nur eine Ausrede. Seit neun Jahren hatte sie ihre beste Freundin nicht gesehen. Deshalb freute sich Wendy darauf, mit Allie allein zu sein und erst einmal in Ruhe anzukommen.

Bei der Zollkontrolle reichte Wendy dem Beamten ihren Reisepass und das ausgefüllte Einreiseformular.

„Haben Sie etwas zu verzollen?“, fragte er.

„Nein, nichts“, erwiderte sie wahrheitsgemäß.

Aber ich habe so ein komisches Gefühl im Bauch, weil ich nach Hause gekommen bin, um mich von einem berühmten Arzt operieren zu lassen. Und das, obwohl mir alle davon abraten, dachte sie.

In der Nacht vor dem Abflug nach Norwegen haben Sean und ich uns zum ersten Mal geliebt, schoss es ihr plötzlich durch den Kopf. Sie wusste selbst nicht, woher der Gedanke kam. Sie stöhnte leise auf.

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte sich der Zollbeamte prompt.

„Ja, danke.“ Wendy lächelte betont unbekümmert, nahm ihren Reisepass entgegen und ging in die Halle.

Dort blieb sie kurz stehen, um sich zu orientieren und die Abflughalle für die Inlandsflüge zu finden. Nach dem langen Flug schmerzte das verletzte Bein, und sie hinkte etwas. Die Ärzte hatten sie vor dem stundenlangen Stillsitzen gewarnt. Ihre nur durch Schrauben zusammengehaltenen Gelenke konnten eine derartige Anstrengung nicht ohne weiteres verkraften.

„Miss?“

Wendy blinzelte und sah den Mann mittleren Alters an, der ihr seinen Platz anbot.

„Möchten Sie sich setzen?“

Gern hätte sie Ja gesagt. Doch sie zauberte ein Lächeln auf die Lippen und erwiderte: „Nein, vielen Dank. Es geht schon.“ Ihr war klar, dass er ihr leichtes Hinken bemerkt hatte. Rasch nahm sie sich zusammen und ging weiter, ohne sich umzudrehen. Sie war das ewige Mitgefühl leid. Am liebsten hätte sie den Leuten erklärt, dass sie kein armer Krüppel, sondern eine berühmte Skirennfahrerin war.

Dann blinkte auf der Anzeigetafel schon der Anschlussflug nach Albany auf. Wenig später ließ sich Wendy erleichtert auf ihren Sitz im Flieger sinken.

In Albany war es ein Grad unter null, obwohl es sich wegen des kalten Windes wie minus zehn Grad anfühlte.

Als Wendy schließlich durch die Ankunftshalle in Richtung des Ausgangs ging, erinnerte sie sich beim Anblick des vielen Schnees sogleich an die Vergangenheit. Auf dem Jiminy Peak hatte sie als Kind mit dem Skilaufen angefangen und ihre Liebe zu diesem Sport entdeckt. Deshalb würde dieser Berg für sie immer etwas ganz Besonderes sein.

Werde ich etwa sentimental?, fragte sie sich sogleich. Durch den kalten Wind, der ihr beim Verlassen des Flughafengebäudes ins Gesicht blies, fing sie an zu zittern. Rasch schlug Wendy den Kragen ihres Mantels nach oben. Dann knotete sie ihren Schal fester und sah sich suchend nach Alison um.

Es fing an, in dichten Flocken zu schneien. Ihrer Freundin gegenüber hatte sie betont, dass sie nur zu Besuch käme. Das war alles. Nur ein Besuch. Sie war aus einem bestimmten Grund hier. Und wenn ihr Vorhaben glückte, wollte sie weder in Cooper’s Corner noch in Paris leben. Sie würde einen Ort finden, der völlig frei war von den Schatten der Vergangenheit. Einen Ort, an dem nichts an Sean und ihre damaligen Zukunftspläne erinnerte.

„Wendy?“ Eine Frau in einem warmen Tweedmantel eilte auf sie zu. „Wendy! Du bist es wirklich!“

„Allie!“ Tränen der Freude standen Wendy in den Augen, während sie Alison Fairchild liebevoll umarmte. „Wie lange haben wir uns nicht gesehen!“

Sekundenlang hielten sich die beiden Frauen fest umschlungen. Dann schüttelten sie sich die Hände und sahen sich lächelnd an.

„Du siehst fantastisch aus“, sagte Alison schließlich.

Wendys Lächeln wirkte leicht gequält. „O ja, natürlich.“

„Ich meine es ernst. Du hast kein Gramm zugenommen. Aber wenn wir noch länger hier herumstehen, werden wir zu Schneemännern. Gib mir mal deine Tasche. Mein Auto steht da drüben auf dem Parkplatz. Wir können mit dem Bus hinfahren.“

„Nein, danke. Ich kann laufen und die Tasche selbst tragen, Allie.“

„Ich wollte dich nicht …“

„Schon gut, ich wollte es nur klarstellen. Ich bin völlig gesund, kann wieder laufen, schwer tragen und alles machen, was ich will.“ Sie verzog die Lippen. „Nur Ski laufen kann ich nicht“, fügte sie traurig hinzu, nahm sich jedoch rasch wieder zusammen. „Aber jetzt lass uns gehen.“

„Ja. Was hältst du von einem Kurzbesuch im Barn?“

„Im Barn?“ Wendy hakte sich bei Alison ein. Sie überquerten die Straße und liefen in Richtung Parkplatz. „Meinst du Barns Restaurant? Gibt es das noch?“

„Was für eine Frage! Natürlich gibt es das noch“, antwortete Alison gespielt empört. „Vielleicht ist das Essen dort nicht mehr nach deinem Geschmack, aber ich …“

„Ehrlich gesagt finde ich, das ist eine super Idee.“, unterbrach Wendy sie lachend.

Auf der Fahrt durch die Taconic Mountains, die sanft in die Hügel der Berkshires übergingen, stellte Wendy fest, dass sich nichts verändert hatte. Sie betrachtete die gemütlich wirkenden alten Häuser, die schneebedeckten Weiden und die vielen Wälder. Die Zeit scheint hier stillzustehen, dachte sie und lehnte sich zurück.

„Ich hatte ganz vergessen, wie friedlich es hier ist. Gibt es etwas Neues in Cooper’s Corner?“

„Ja, im Sommer wurde ein Tourist vermisst. Er war Gast im Twin Oaks und …“

„Im Twin Oaks?“

„Du kennst doch das große Haus oben auf dem Hügel, oder? Cooper, der frühere Besitzer, ist gestorben und hat es seiner Nichte und seinem Neffen hinterlassen. Sie sind Geschwister und haben in New York gelebt. In ihrer Kindheit waren sie aber scheinbar häufig hier. Jedenfalls sind sie gekommen, um sich das Haus anzusehen und haben dann spontan beschlossen, eine Frühstückspension daraus zu machen.“

„Warum meine Eltern mir das nie erzählt haben, ist mir rätselhaft. War das Gebäude nicht ziemlich heruntergekommen?“

„Ja, aber Clint und Maureen haben ein kleines Wunder vollbracht. Sie haben es vollständig renoviert. Auf dem Dachboden gab es viele alte Möbel, die sie gut gebrauchen konnten. Es wurden neue Badezimmer und eine moderne Küche eingebaut und …“

Es fiel Wendy immer schwerer, sich auf das zu konzentrieren, was Alison ihr erzählte. Sie bekam Herzklopfen. Bald war sie wieder zu Hause, und es hatte sich fast nichts verändert. Viele Touristen würden durch die Hauptstraße bummeln und alles fotografieren, was ihrer Meinung nach typisch für New England war.

Alison hielt vor einer Ampel an, die gerade auf Rot umsprang. Mehrere Menschen in dicken Wintermänteln, Parkas und Anoraks überquerten die Straße und eilten auf die kleinen Geschäfte zu, die sich rechts und links neben der Kreuzung befanden. Wendy betrachtete sie aufmerksam, aber es war unmöglich, in dem dichten Schneetreiben jemanden zu erkennen. Natürlich rechnete sie nicht damit, hier …

„… Sean“, hörte sie in dem Moment Alison sagen.

„Was ist mit ihm?“

Offenbar hatte ihre Stimme nicht so gleichgültig geklungen, wie Wendy es sich gewünscht hätte, denn Alison sah sie besorgt an.

„O Liebes, es tut mir leid. Ich wollte dir nur erzählen, was hier geschehen ist, und habe nicht daran gedacht, dass … Vergiss einfach, dass ich ihn erwähnt habe, okay?“

„Allie, das ist doch kein Problem. Was wolltest du sagen?“

„Er hat das Twin Oaks restauriert.“

„Was macht er beruflich?“

„Hauptsächlich stellt er wunderschöne Möbel her. Wie es aussieht, wird er …“ Alison zögerte. „Wendy, willst du das wirklich hören?“

„Warum denn nicht? Es ist doch alles längst vorbei.“ Wendy räusperte sich. „Ich bin nur überrascht, das ist alles. Damals hatte Sean am College Kunstkurse belegt.“

„Ja, das weiß ich. Nach deinem … Unfall hat er das Studium aufgegeben und in Stockbridge gearbeitet. Einige Jahre später hat er sich in Cooper’s Corner selbstständig gemacht. Weiß er noch nicht, dass du nach Hause kommst?“

„Nein. Es sei denn, du hast es ihm erzählt, Allie.“

„Das habe ich natürlich nicht getan“, erwiderte Alison leicht vorwurfsvoll. „Das hatte ich dir doch versprochen.“

„Entschuldige.“

„Ist schon in Ordnung.“

Das war es jedoch nicht, wie Wendy spürte. „Allie“, begann sie leise. „Nach Hause zu kommen ist schwieriger, als ich gedacht habe. So viel Zeit ist vergangen, seit …“ Sie schluckte. „Vielleicht bin ich einfach nur erschöpft.“

„Das tut mir leid. Ich wollte dich nicht überfallen.“ Die Ampel zeigte Grün, und Alison fuhr weiter. „Aber ich verstehe nicht, warum du ihn nicht sehen willst.“

„Es ist einfach schon lange vorbei.“

„Genau das ist der Punkt. Ehe du nach Norwegen geflogen bist, wart ihr beide unzertrennlich. Und dann war plötzlich alles aus. Sean wollte nicht darüber reden, und du bist nach Paris gezogen. Alle haben darüber gerätselt.“

Alison fuhr langsamer und bog auf den Parkplatz von Barns Restaurant ab. Nachdem sie den Wagen geparkt hatte, drehte sie sich zu Wendy um. „Wir alle haben uns Sorgen um dich gemacht. Die ganze Stadt war auf den Beinen, um sich von dir zu verabschieden. Erinnerst du dich noch an die vielen Spruchbänder an den Fenstern der Häuser entlang der Main Street? Man hat dir viel Glück und gute Heimkehr gewünscht. Als dann …“

„Allie, bitte.“ Wendy legte ihre Hand auf Alisons. „Das ist Vergangenheit. Die Olympischen Spiele, der Unfall, Sean, das alles ist vorbei. Ich habe mir ein neues Leben aufgebaut.“

„Das hat Sean auch getan.“

„Du meinst, er ist Restaurateur geworden?“

„Das auch.“ Alison verstummte und wandte sich ab. „Aber da ist noch mehr.“

Wendy befeuchtete ihre trockenen Lippen. „Ich verstehe. Du meinst, er ist verheiratet, oder?“

„Nein, das ist er nicht. Aber er hat eine Freundin. Sie heißt …“

„Es geht mich nichts an, mit wem Sean befreundet ist.“

„Die beiden sind seit zwei Monaten zusammen.“ Alison warf Wendy einen kurzen Blick zu. „Wahrscheinlich hätte ich es dir schonender beibringen müssen, stimmt’s?“

„Unsinn.“ Wendy versuchte, ein Lächeln auf ihre Lippen zu bekommen. „Wenn wir noch länger im Auto sitzen, erfriere ich.“

„Mit anderen Worten, das Thema ist beendet?“

Wendy deutete ein Lächeln an. „Mit anderen Worten, du hattest mir einen Besuch im Barn versprochen.“

„Ja“, antwortete Alison, ohne sich zu rühren. „Aber da ist noch etwas. Ich weiß, du hast gesagt, es sei nur ein Besuch, aber ich habe gehofft … Willst du wirklich nicht hierbleiben?“

Wendy schüttelte den Kopf. „Nein, ganz bestimmt nicht. Sagt dir der Name Rod Pommier etwas?“

„Sollte er das?“

„Rod Pommier ist ein Chirurg aus New York.“ Wendy atmete tief durch. „Er ist Orthopäde. Vor einigen Monaten wurde in allen möglichen Magazinen ausführlich über ihn berichtet. Er hat eine bahnbrechende Methode entwickelt, um komplizierte Knochenbrüche zu heilen.“

„So? Wie macht er das?“, fragte Alison.

„Bei mir haben die Ärzte Schrauben und Metallimplantate benutzt. Vereinfacht ausgedrückt, versucht Dr. Pommier die Knochen dazu zu bringen, sich mehr oder weniger selbst zu heilen. Das Problem ist nur, er nimmt keine neuen Patienten an, denn er ist für mehrere Jahre im Voraus ausgebucht. Außerdem ist die Methode nicht ganz ungefährlich. Jedenfalls habe ich Dr. Pommier angerufen, seine Sekretärin hat mich jedoch nicht mit ihm verbunden. Dann habe ich in dem Krankenhaus angerufen, wo er arbeitet. Auch dort wollte man mich nicht mit ihm verbinden. Deshalb habe ich ihm geschrieben und ihm mein Problem geschildert.“

„Wie hat er reagiert?“

Wendy seufzte resigniert. „Er hat meinen Brief höflich beantwortet, sein Mitgefühl und Verständnis für meine Situation ausgedrückt und dergleichen. Aber …“

„Er war nicht interessiert“, stellte Alison traurig fest.

„Genau. Er würde seine Meinung bestimmt ändern, wenn ich persönlich mit ihm sprechen könnte.“

„Bist du denn ganz sicher, dass er dir mit dieser neuen Methode helfen kann? Der Unfall ist vor vielen Jahren passiert.“

„Und meine Operation war eine Katastrophe“, fügte Wendy hinzu. „Das war aber nicht die Schuld des Chirurgen. Er hat alles in seiner Macht Stehende getan. Doch Dr. Pommier könnte es schaffen, dass ich wieder Ski laufen kann.“

„Meinst du?“

„Ich spüre es. Ich muss nur die Gelegenheit bekommen, mit ihm zu reden. Leider ist er sehr wachsam, was ich natürlich gut verstehen kann. Er wird von den Medien belagert und von verzweifelten Patienten verfolgt.“ Als Alison eine Augenbraue hob, errötete Wendy. „Okay“, fügte sie hinzu, wie um sich zu verteidigen, „von verzweifelten Patienten wie mir. Deshalb kommt er nach Cooper’s Corner.“

Alison war verblüfft. „Wie bitte? Soll das ein Scherz sein?“

„Nein. Dr. Pommier will einige Tage ungestört und unbelästigt in den Berkshires Ski laufen. Ein Freund meines Vaters kennt Dr. Pommier gut und hat es meinem Vater erzählt. Ich wette, er wird im Twin Oaks wohnen.“

„Wenn er so prominent ist, wird er doch eher in Lenox oder Stockbridge Urlaub machen“, wandte Alison ein. „Du musst zugeben, es gibt in Cooper’s Corner nichts, was für Promis interessant sein könnte.“

„Das ist ja der Punkt, Allie. Der Mann will nicht auffallen und nicht belästigt werden.“

„Ich verstehe.“ Alison atmete tief aus. „Also deshalb bist du zurückgekommen. Du willst unbedingt mit diesem Mann reden und ihn überzeugen, dich zu operieren.“

„Richtig.“

„Wissen es deine Eltern schon? Als ich kürzlich mit deiner Mutter gesprochen habe, hat sie nur immer wieder betont, wie sehr sie sich über deine Heimkehr freut.“

„Mein Vater weiß es, aber meine Mutter noch nicht. Ich will es ihr persönlich erzählen, und mein Vater soll dabei sein.“ Wendy seufzte. „Deine Miene verrät, was du denkst, Alison. Du hältst es für eine schlechte Idee, stimmt’s?“

„Ja. Du hast doch selbst gesagt, dass die Sache nicht ungefährlich ist. Warum willst du dich dieser Gefahr aussetzen?“

„Weil ich leben will.“

„Das tust du doch. Reicht dir das nicht?“

„Nein. Es ist nicht leicht zu erklären, aber ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war.“

„Vielleicht hast du dich wirklich verändert.“, antwortete Alison nach kurzem Zögern. „Du bist nur nach Hause gekommen, um mit diesem Arzt zu reden. Nicht wegen deinen Eltern und Sean.“

„Was hat Sean damit zu tun? Ich war achtzehn, er neunzehn. Was damals war, war nur … eine Kinderei.“

„Nein, das glaube ich nicht. Ihr beide wart doch immer zusammen und hattet Pläne für die Zukunft. Und als darüber berichtet wurde, dass du beim Training schwer gestürzt warst und in Lebensgefahr schwebtest, ist Sean vor Angst beinah verrückt geworden. Er ist gleich mit der nächsten Maschine nach Norwegen geflogen.“

„Das ist eine halbe Ewigkeit her.“

„Genau neun Jahre. Nie habe ich vergessen, wie er die Nachricht aufgenommen hat. Eine Welt schien für ihn zusammenzubrechen.“

„Meine Welt war zusammengebrochen, nicht seine“, entgegnete Wendy. „Und ich habe alles getan, um zu überleben.“ Die Freundinnen blickten sich sekundenlang unsicher an. Dann wandte Wendy sich ab und öffnete die Beifahrertür. „Ich kann zu Fuß weitergehen.“

Alison aber beugte sich vor und zog die Tür wieder zu. „Können wir die Unterhaltung nicht im Restaurant fortsetzen?“

Nein, das können wir nicht, dachte Wendy. Das Gespräch über Sean und die Vergangenheit, Alisons verständnislose Miene, als Wendy ihr zu erklären versuchte, welche Wendung ihr Leben genommen hatte … Das alles bestätigte ihr, dass der ursprüngliche Plan der beste war. Wendy wollte sich von alten Bekannten fernhalten. Sie wollte sich auch nicht auf Unterhaltungen über alte Zeiten einlassen und sich die mitleidigen Blicke und Bemerkungen früherer Freundinnen ersparen. Offenbar konnte sie einfach niemand verstehen.

„Gehen wir nun ins Restaurant oder nicht, Wendy?“, fragte Alison noch einmal.

„Nein, lieber nicht“, erwiderte Wendy ruhig. „Meine Eltern warten sicher schon.“

Alison nickte. Dann legte sie den Rückwärtsgang ein, fuhr aus der Parklücke heraus und bremste unvermittelt. „Ich bin deine beste Freundin und müsste dir die Wahrheit sagen dürfen.“

„Du kennst die Wahrheit ja gar nicht“, entgegnete Wendy verzweifelt. „Ich bin diejenige, die zu leiden hat, nicht du, nicht die Ärzte, auch nicht die Krankenschwestern oder die Therapeuten mit den mitleidigen Blicken.“ Sie fuhr sich mit der Hand durch das gelockte kastanienbraune Haar. „Manchmal wünsche ich mir, ich hätte den Unfall gar nicht überlebt. Stattdessen bin ich im Krankenhaus aufgewacht und musste feststellen, dass …“

„Was? Dass du noch lebst? Dass du noch beide Beine hast? Ich verstehe dich wirklich nicht. Hast du nie darüber nachgedacht, wie viel Glück du hattest?“

„Ich versuche, alles hinter mir zu lassen und weiterzugehen.“

„Indem du so tust, als würde Sean nicht existieren? Oder indem du einen Chirurgen zu einer Operation überreden willst, die vielleicht alles noch viel schlimmer macht?“

„Sean hat eine Freundin, wie du mir vorhin erzählt hast. Und Dr. Pommier wird mich freiwillig operieren, sobald er mit mir geredet hat.“ Wendy schüttelte den Kopf. „Du hast recht, ich habe überlebt und große Fortschritte gemacht. Ich bin nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen, obwohl das am Anfang niemand für möglich gehalten hat. Dennoch bin ich ein anderer Mensch. Die Frau, die ich einmal war, gibt es nicht mehr.“

„Ich verstehe dich wirklich nicht“, antwortete Alison ruhig. Sie blickte Wendy an und lächelte mit Tränen in den Augen. „Das muss ich auch nicht. Ich bin deine Freundin und halte zu dir, egal, was passiert. In Ordnung?“

Das ist mehr als in Ordnung. Es ist wunderbar, dachte Wendy, Sie war ganz gerührt und nickte. Einen kurzen Augenblick geriet sie in Versuchung, ihr die ganze Wahrheit anzuvertrauen. Wenn sie mit jemandem über das schreckliche Geheimnis reden könnte, vielleicht …

Nein, es hatte keinen Sinn. Nichts würde sich dadurch ändern.

Neben all den äußeren Verletzungen, die sie erlitten hatte, war auch ihre Seele an jenem Wintertag vor neun Jahren verletzt worden. Vielleicht würde der seelische Schmerz etwas erträglicher, wenn sie körperlich wieder so fit war wie vor dem Unfall.

„Wendy, hast du mich gehört?“, fragte Alison sanft.

„Ja, Allie. Danke. Du bist die beste Freundin der Welt.“

Lächelnd umarmten sie sich.

„Ich bin so froh, dass du gekommen bist“, sagte Alison.

„Ich bin auch froh, dass ich wieder hier bin.“

Schließlich fuhren sie weiter. In Cooper’s Corner hielt Alison vor einem hübschen Haus mit Erkerfenstern und Blumenkästen. Wendy erinnerte sich noch gut an die wunderschönen Blumen, die im Sommer in diesen Kästen blühten.

Während sie aus dem Wagen stieg, wurde die Haustür geöffnet. Ihre Mutter Gina und ihr Vater Howard standen sekundenlang reglos da. Dann lachte Gina und lief die Stufen hinunter. Howard folgte ihr. Als Wendy sich in die schützenden Arme ihrer Eltern fallen ließ, gestand sie sich ein, dass sie sich nirgendwo so wohl fühlte wie zu Hause.

2. KAPITEL

An einem solchen Tag sollte man nicht auf einem Dach herumklettern, dachte Sean Castleman.

In der Nacht waren mindestens fünfzehn Zentimeter Neuschnee gefallen. Und nun meldete die Wettervorhersage auch noch einen Sturm.

Philo Cooper hatte ihn am Morgen angerufen und gefragt, ob er bei einigen Reparaturarbeiten helfen könne. Sean hatte versprochen, am Nachmittag vorbeizukommen. Doch mit jeder eisigen Windböe wurde das Arbeiten schwieriger. Vorsichtig blickte er über den Rand des Dachs nach unten.

Die immer noch festlich geschmückte Stadt erinnerte ihn an eine Postkarte. Cooper’s Corner war im Winter einfach schön.

Im Dezember vor vielen Jahren war er hierhergekommen. Damals war er achtzehn gewesen, ein störrischer Teenager, der in New York lange im Waisenhaus und bei Pflegeeltern gelebt hatte. Er hatte in einem Skigebiet einen Job finden, sich etwas Geld verdienen und dann weiterziehen wollen. Doch er hatte hier nicht nur Arbeit gefunden, sondern sein Leben hatte sich völlig verändert.

Mit seinen achtzehn Jahren war er damals sehr zynisch und verschlossen gewesen. Zuerst rümpfte er die Nase über das altmodische Ambiente. Er glaubte zu wissen, dass man sich dieses Image absichtlich zugelegt hatte, um Touristen anzulocken.

Nach zwei Monaten musste er sich aber eingestehen, dass die Stadt wirklich das war, was sie zu sein vorgab: Man kümmerte sich noch um seine Mitmenschen, sogar um ihn, obwohl er den harten und abgeklärten Zyniker spielte.

Ohne dass er es merkte, stürzte die Mauer, die er damals um sich errichtet hatte, langsam ein. Sean verliebte sich in diese hübsche kleine Stadt, in die soliden altmodischen Häuser, die ruhigen Straßen, die freundlichen Menschen. Und er verliebte sich in ein junges Mädchen, dessen Haar ihn an Ahornblätter im Herbst und deren blaue Augen ihn an einen Bergsee im Sommer erinnerten.

„Verdammt!“ Sean fluchte, als er sich mit dem Hammer auf die Hand schlug. Das kommt vom Tagträumen, sagte er sich. Wenn man auf so einem steilen und schneebedeckten Dach arbeitete, musste man höllisch aufpassen und sich konzentrieren. Was war los mit ihm? Weshalb dachte er über die Vergangenheit nach? Die Beziehung mit Wendy war längst vorbei, und sie lebte schon viele Jahre nicht mehr hier.

Sean steckte den Hammer in den ledernen Werkzeuggürtel. Vielleicht hatte es etwas mit der Jahreszeit zu tun, dass er in der letzten Zeit so oft an Wendy denken musste. Im Winter war er ihr zum ersten Mal begegnet, und ein Jahr später hatte er sie beinah zur selben Zeit verloren.

Er konnte sie einfach nicht vergessen. Wenn er aufwachte, dachte er an Wendy, und abends vor dem Einschlafen auch. In der vergangenen Nacht war er aus dem Schlaf geschreckt, weil er geträumt hatte, sie in den Armen zu halten. Sekundenlang hatte er geglaubt, es sei wirklich wahr.

„Wendy?“, fragte er.

Joanne, die neben ihm lag, wurde wach und legte ihm die Hand auf den Arm. „Was ist los?“, flüsterte sie verschlafen.

Wendys Bild löste sich auf, und er nahm Joannes Duft wahr, der ihm immer noch nicht so vertraut war wie Wendys damals vor all den Jahren. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

„Nichts. Ich habe geträumt, das ist alles.“

Jo wollte ihn umarmen und trösten, doch er wich zurück. „Es ist schon spät“, sagte er. „Und ich muss morgen früh raus. Ich sollte jetzt gehen.“

Dass Jo enttäuscht war, konnte er gut verstehen. Noch nie war er über Nacht bei ihr geblieben. Obwohl sie sich nicht beschwerte, wusste er genau, dass es ihr nicht gefiel. Genauso wenig gefiel ihr, dass er noch nie vorgeschlagen hatte, mit ihr die Nacht in seinem Haus zu verbringen. Er hatte dort noch nie mit ihr geschlafen.

„Die Straßen sind bestimmt ganz zugeschneit“, sagte sie sanft, während er sich im Dunkeln anzog. Er küsste sie auf die Stirn und versicherte ihr, sie brauche sich keine Sorgen zu machen, er würde gut nach Hause kommen.

So war es auch. Auf halbem Weg zum Sawtooth Mountain, wo sein Haus stand, hatte er Glück, denn er konnte bis zu seiner Einfahrt hinter einem Schneepflug herfahren. Die letzten hundert Meter bewältigte sein Pick-up mit Allradantrieb mühelos.

Im Wohnzimmer zündete er das Feuer im Kamin an, schenkte sich einen Brandy ein, löschte das Licht und setzte sich in den Sessel. Dann blickte er durch das riesige Fenster hinaus in die Dunkelheit, bis die Dämmerung hereinbrach.

Warum er in der letzten Zeit so oft an Wendy denken musste, war ihm schon damals rätselhaft geblieben.

Vorsichtig kletterte er von dem Dach, stieg die Leiter hinunter, verstaute den Werkzeugkasten in seinem Pick-up und ging in den Laden.

Die Glocke über der Tür läutete, und sogleich kam Philo aus dem Hinterzimmer hervor. „Bist du fertig?“

Sean nickte.

Philo klopfte mit einem Schlüssel auf die altmodische Ladenkasse. „Wie viel bekommst du dafür?“

„Ich schicke dir die Rechnung.“

„Wenn du möchtest, kann ich dich bar bezahlen.“

„Nein, das ist nicht nötig.“ Sean rieb sich die Hände. „Aber ich bleibe gern noch einige Minuten hier, um mich am Ofen aufzuwärmen. Darf ich?“

„Natürlich. Ich leiste dir gleich Gesellschaft.“

Philo verschwand hinter dem Vorhang. Sean pfiff leise vor sich hin, während er zu dem eisernen Ofen hinüberging, der den ganzen Laden wärmte.

Schließlich kam Philo zurück, setzte sich in einen Sessel am Ofen, und Sean setzte sich ihm gegenüber.

„In der Kälte auf dem Dach zu arbeiten war sicher nicht angenehm, oder?“

„Nein, nicht wirklich.“

„Wie läuft es denn sonst so bei dir?“, fragte Philo.

„Sehr gut. Ich habe viel zu tun.“

„Dein Haus ist beinah fertig, oder? Wie lange arbeitest du schon daran? Zwei Jahre?“

„Drei“, entgegnete Sean. „Im Frühling ist es fertig, hoffe ich.“ Er zuckte mit den Schultern. „Spätestens im Sommer.“

„Es ist sicher nicht leicht, so ein großes Haus ganz allein zu bauen und jedes Wochenende daran zu arbeiten. Man sagt, du hast das Grundstück zu einem guten Preis gekauft.“

Sean verbiss sich das Lächeln. Früher oder später sprach sich hier alles herum. „Da hast du recht. Wahrscheinlich hätte ich mir jemanden nehmen können, der mir hilft. Aber es macht mir Spaß, das Haus selbst zu bauen.“

„Das kann ich verstehen.“ Philo öffnete die Klappe des Ofens und legte Holz nach. „Es geht mich natürlich nichts an“, fuhr er fort und räusperte sich. „Doch meine Frau und ich haben heute Morgen beim Frühstück über dich und … die junge Frau gesprochen. Ist alles in Ordnung mit euch beiden?“

Sean zog eine Augenbraue hoch. Hier in der Gegend war man ehrlich besorgt um seine Mitmenschen. Dennoch war es ungewöhnlich, dass jemand so eine persönliche Frage stellte.

„Ja, wir verstehen uns gut“, antwortete er.

„Ah ja.“ Philo nickte zufrieden. „Meine Frau wird sich freuen, sie mag die junge Frau sehr. Ich übrigens auch, obwohl ich sie nicht so gut kenne.“

Sean blickte Philo erstaunt an. Es ging hier wohl um mehr als nur um sein Privatleben und seine Beziehung mit Joanne.

„Na ja“, sagte er vorsichtig, „sie ist sehr zurückhaltend.“

„Das haben wir gemerkt. Bei allem, was man so hört …“ Philo zögerte kurz. „Bleibt sie für immer hier? Oder stimmt es, was die Leute erzählen? Ist es nur ein Besuch?“

Sean stockte das Herz. Es ging nicht um Joanne. Doch um wen sonst? Es musste sich um eine Frau handeln, die er gut kannte, sonst würde ihm Philo nicht solche Fragen stellen. Plötzlich erinnerte er sich an seinen Traum und an die Gedanken, mit denen er sich in der letzten Zeit herumgequält hatte … Wendy war zurückgekommen.

Aber das war unmöglich! Normalerweise hatte er keine hellseherischen Fähigkeiten, auch nicht im Traum. Dass die Erinnerungen momentan so lebhaft waren, bewies nur eins: Er war über die Trennung nie wirklich hinweggekommen.

„Von wem redest du?“, fragte er betont uninteressiert.

„Verdammt“, stieß Philo hervor. „Es tut mir leid, Sean. Ich habe gleich zu Phyllis gesagt, es sei keine gute Idee, dich auszufragen. Ich habe schon befürchtet, dass du nicht darüber sprechen willst.“

„Darum geht es nicht. Ich verstehe einfach deine Frage nicht. Von wem redest du?“

Philo griff nach dem Schürhaken und stocherte im Kamin herum. Schließlich blickte er Sean an.

„Von Wendy Monroe“, antwortete er und atmete tief durch. „Und wenn du mir jetzt erklärst, es ginge mich nichts an, warum sie zurückgekommen ist oder wie lange sie in Cooper’s Corner bleibt, dann hast du recht.“

Der Wind wehte wieder stärker, und es fing an zu schneien. Die Main Street sah aus wie eine riesige Eisbahn, denn die Streufahrzeuge waren noch nicht im Einsatz.

Sean fuhr langsam und vorsichtig. Er zwang sich, sich zu konzentrieren, was ihm jedoch nicht leichtfiel. Immer wieder kreisten seine Gedanken um Wendy. Sie war zurückgekommen, sie war wieder in Cooper’s Corner! Wahrscheinlich wusste es schon die ganze Stadt. Er hatte es vermutlich als Letzter erfahren.

Philo hatte erzählt, dass Wendy gestern angekommen war. Alison Fairchild hatte sie am Flughafen in Albany abgeholt.

Sean biss die Zähne zusammen. Er war Alison vor zwei Tagen im Twin Oaks begegnet, als er etwas ausgemessen hatte. Als er zu seinem Auto zurückgegangen war, wäre er beinah mit Alison zusammengestoßen. Er war in Gedanken versunken gewesen und hatte sie nicht bemerkt. Sie hatte Maureen, die Besitzerin des Twin Oaks, besuchen wollen.

„Oh, hallo, Sean. Entschuldige, ich habe nicht aufgepasst“, sagte sie lächelnd. Sie hatten sich über das Wetter, die Jahreszeit und andere Dinge unterhalten. Nur das, was ihn wirklich interessierte hätte, erwähnte Alison nicht. Sie erzählte ihm nicht, dass Wendy zurückkommen würde. Zweifellos hatte sie es zu diesem Zeitpunkt schon genau gewusst.

Und Gina, Wendys Mutter? Sean war mit ihr in Kontakt geblieben, und sie unterhielten sich oft. Mit Wendys Vater Howard redete Sean jedoch nie. Es war Howards Schuld, dass sie so schwer gestürzt war. Wenn er sie nicht ständig zum Training angetrieben hätte …

Sean atmete tief ein. Es war sinnlos, immer wieder dieselben Gedanken zu wälzen. Es war vorbei, und auch seine Gefühle für Wendy waren erloschen.

In gewisser Weise war es verständlich, dass weder Gina noch Alison mit ihm über Wendys Rückkehr geredet hatten. Doch warum regte er sich eigentlich so auf? Seine Beziehung mit Wendy war Vergangenheit. Er musste sich auf die Zukunft mit Joanne konzentrieren.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Julia Saison Band 0059" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen