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JULIA EXTRA BAND 466

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Nur eine Nacht mit dem Playboy-Boss?

PROLOG

Er würde Cecelia Andrews nicht einstellen.

Immobilienmagnat Luka Kargas hatte sich nämlich dafür entschieden, Kandidatin Nummer zwei zu seiner neuen persönlichen Assistentin zu machen.

„Ms. Andrews ist jetzt wegen des Vorstellungsgesprächs hier“, informierte ihn Hannah, seine aktuelle PA.

„Das Gespräch ist überflüssig“, antwortete Luka. „Ich nehme Kandidatin zwei.“

„Luka!“, rief Hannah empört. „Bringen Sie wenigstens so viel Anstand auf, Ms. Andrews zu empfangen. Sie hat zwei ausführliche Interviews mit mir hinter sich. Außerdem regnet es draußen in Strömen und sie musste quer durch London fahren! Inmitten eines Sturms!“

„Kein Interesse“, bekräftigte Luka, dem diese rührseligen Geschichten zuwider waren. „Es ist Zeitverschwendung.“

Und Lukas Zeit war überaus kostbar.

Dann aber fiel ihm ein, dass Ms. Andrews von Justin persönlich empfohlen worden war, einem Kontakt, den er sich gerne warmhalten wollte.

„Na gut, schicken Sie sie herein“, meinte Luka und beschloss, die Bewerberin kurz zu empfangen und dann so schnell wie möglich loszuwerden.

Ungeduldig trommelte er mit den Fingern auf dem Schreibtisch, dann wurde Kandidatin drei hereingeführt.

„Ms. Andrews.“ Luka erhob sich und schüttelte ihr die Hand. Sofort bemerkte er, dass sie an der Linken einen Verlobungsring trug.

Nichts würde ihn dazu bewegen, diese Frau einzustellen! Denn sie müsste schon den verständnisvollsten Verlobten der Welt haben, der die irrwitzigen Arbeitszeiten tolerierte, die sie hier würde leisten müssen.

Außerdem kannte jeder seinen Ruf.

Luka würde ein paar Minuten seiner Zeit erübrigen. Dann konnte er Justin sagen, dass er mit ihr gesprochen, sich aber für eine andere entschieden hatte.

„Bitte“, forderte er sie auf, „nehmen Sie Platz.“

Cecelia war nicht entgangen, wie betont höflich Luka Kargas ihren Nachnamen ausgesprochen hatte. Sicher erwartete er, dass sie ihn korrigierte und ihn bat, sie beim Vornamen zu nennen.

Was nicht passieren würde.

Schließlich hatte sich Cecelia eingehend über Luka Kargas informiert. Selbst seine jetzige Assistentin hatte in den Vorgesprächen auf seine Playboyallüren hingewiesen.

„Zu Ihrem Job würde es auch gehören, sich mit seinen Freundinnen auseinanderzusetzen. Na ja, mehr mit den Exfreundinnen“, hatte Hannah erklärt. „Zuweilen kann das ein ganz schöner Balanceakt sein. So extrem wie Luka sich in der Woche seiner Arbeit widmet, so extrem arbeitet er an den Wochenenden daran, Frauenherzen zu brechen.“

Leider kannte Cecelia den ausschweifenden Lebensstil der Reichen nur zu gut, und sie verabscheute ihn zutiefst. Denn auch ihre Mutter Harriet hatte ein wildes Partyleben geführt. Bis zu ihrem frühen Tod …

Allerdings gingen die Moralvorstellungen dieses Mannes nur ihn etwas an. Cecelia hatte sich in den Kopf gesetzt, Karriere zu machen. Und Luka Kargas war ein Schritt in die richtige Richtung. Das war alles.

„Seine Jacht liegt gerade in Xanero vor Anker“, hatte Hannah ausgeführt.

„Stammt er von Xanero?“, hakte Cecelia nach, obwohl sie das aus ihrer Recherche bereits wusste.

„Ja, aber Sie werden ihn nicht dorthin begleiten müssen. Luka hält das Familiengeschäft strikt von seinen Geschäften hier in London getrennt, sodass Sie nicht damit in Berührung kommen werden.“

Bei jenem ersten Vorgespräch mit Hannah hatte Cecelia der PA – und sich selbst – versichert, dass sie sich nicht in ihren Chef verlieben würde. Das Einzige, was die karrierebewusste Cecelia von Luka Kargas wollte, war sein Name als Arbeitgeber in ihrer Bewerbermappe! Und das ausgezeichnete Referenzschreiben, das er ihr nach einem Jahr harter Arbeit ausstellen würde.

Aber jetzt stand sie ihm erstmals leibhaftig gegenüber. Hier in seinem Büro. Und als sich seine langen braunen Finger um ihre schlossen, geriet der Entschluss der überaus besonnenen Cecelia, sich nicht zu ihm hingezogen zu fühlen, merklich ins Wanken …

„Hannah sagte, Sie seien in den Sturm gekommen?“, bemerkte Luka skeptisch.

Aus seinem Fenster im vierzigsten Stock hatte er selbst gesehen, wie dunkle Wolken aufgezogen und über London hinweggerollt waren.

Völlig durchnässt war Kandidatin zwei angekommen und hatte Hannah um einen zehnminütigen Aufschub des Vorstellungsgesprächs gebeten.

Im Normalfall wäre das für sie das Aus gewesen. Da er aber den Sturm selbst gesehen hatte, hatte Luka die Entschuldigung angenommen und die triefend nasse Kandidatin etwas später als vereinbart hereingebeten.

Cecelia Andrews hingegen war alles, nur nicht triefend nass.

Sie trug ein makelloses dunkelgraues Kostüm, und das blonde, streng nach oben gebundene Haar wirkte genauso perfekt wie ihr dezentes Make-up.

„Ich bin tatsächlich in den Sturm gekommen“, erwiderte Cecelia. „Davon überrascht wurde ich jedoch nicht – ich habe die Warnungen beherzigt.“

Was ich jetzt vielleicht auch tun sollte, dachte sie erschrocken. Denn die Wirkung, die dieser Mann auf ihre Sinne ausübte, war ihr völlig neu.

Luka Kargas trug einen dunklen Anzug mit Krawatte, sein weißes Hemd betonte seine gebräunte Haut. Und dass er sich offensichtlich an diesem Morgen nicht rasiert hatte, machte ihn nur noch attraktiver.

Die Stimmung hatte sich verändert. Als hätte sich die Spannung, die sich in der vergangenen Stunde am Himmel entladen hatte, plötzlich bei ihnen im Zimmer aufgebaut.

Luka Kargas verkörperte alles, wovor ihre Tante sie gewarnt hatte. Cecelia war bisher fest davon überzeugt gewesen, sich nie zu einem Mann wie ihm hingezogen zu fühlen. Allerdings war sie Luka bis jetzt auch noch nicht persönlich begegnet …

In Rekordzeit arbeiteten sich beide durch die Formalfragen des Bewerbungsgesprächs, um möglichst schnell zum Wesentlichen zu gelangen.

„Hannah hat sicher erwähnt, dass die Arbeitszeiten lang sind“, erklärte Luka.

„Das hat sie.“

„Manchmal Sechzehnstundentage.“

Cecelia nickte.

„Außerdem sind sehr viele Reisen erforderlich“, meinte er. „Aber … auch wenn die Arbeitswoche hart ist, Sie haben jedes Wochenende frei.“

Sie lächelte angespannt und leicht ungläubig.

„Tatsächlich“, bekräftigte Luka. „Sobald es Freitagabend ist, gehört das ganze Wochenende Ihnen.“

„Obwohl ich vermutlich nicht um 17 Uhr Feierabend haben werde?“

„Nein“, bestätigte er. „Normalerweise um 22 Uhr.“

Dann ist es kein ganzes Wochenende, dachte Cecelia kritisch, während er die Papiere durchging.

„Wieso verlassen Sie Justin?“, fragte Luka unvermittelt.

„Weil ich nicht in Dubai leben möchte.“

„Ich bin auch oft dort“, meinte Luka, „das würde bedeuten, Sie auch.“

„Das ist in Ordnung. Ich will nur nicht dort leben“, erklärte Cecelia und wusste zugleich, er spielte auf ihren Verlobten an, der ihre Entscheidung sicher beeinflusst hatte.

Und er hatte recht. Gordon hatte einen Umzug nach Dubai nicht einmal in Erwägung ziehen wollen.

„Sprechen Sie Griechisch?“, fragte er.

„Nein.“ Plötzlich hoffte Cecelia, dass es eine Voraussetzung für die Stelle wäre und diese Tortur endlich ein Ende finden würde. Es war eine Qual, denn ihr Magen schien sich zusammenzufalten und ganz plötzlich spürte sie das Gewicht ihrer Brüste. So eine heftige Reaktion auf eine andere Person hatte sie noch nie zuvor erlebt.

Allerdings schien ihre Reaktion höchst einseitig zu sein, denn Luka Kargas wirkte überaus gelangweilt.

„Sprechen Sie irgendeine andere Fremdsprache?“

„Etwas Französisch“, erklärte Cecelia, auch wenn sie die Sprache eigentlich sehr gut beherrschte. Schließlich hatte sie ein Jahr lang in Frankreich gelebt und gearbeitet.

Ihre Französischkenntnisse, ob gut oder schlecht, schienen ihn jedoch wenig zu interessieren, denn er kräuselte die Nase.

Gut, denn Cecelia hatte inzwischen entschieden, dass sie diesen Job doch nicht wollte.

Sie brauchte etwas Sicheres, und das aus sehr guten Gründen.

Cecelia gefiel es, wenn ihre Welt geordnet war. Und zehn Minuten alleine mit Luka Kargas hatten ihre Welt gerade ziemlich durcheinandergewirbelt.

Seine schwarzen Augen waren hypnotisierend, und seine kurz angebundene Gleichgültigkeit beunruhigte sie so sehr, dass sie die Beine erneut übereinanderschlug.

Bis zu diesem Moment war Sex eine ganz angenehme Erfahrung für sie gewesen, manchmal sogar eine etwas lästige Angelegenheit.

Jetzt allerdings saß sie einem Mann gegenüber, der sie an einem Montagnachmittag um 14 Uhr an heißen, spontanen Sex denken ließ. Doch solche Gedanken konnte sie sich absolut nicht leisten!

„Ms. Andrews …“

„Cecelia“, korrigierte sie nun doch, aber nur, weil sie nicht wie eine verklemmte Jungfer klingen wollte.

Was sie nicht war.

Sie war schließlich verlobt, und genau an diesen Gedanken versuchte sie sich krampfhaft zu klammern.

„Cecelia.“ Er nickte. „Ich sehe, Sie haben keinerlei Erfahrung im Hotelgewerbe.“

„Nein, nicht im Geringsten“, bestätigte sie.

„Nicht im Geringsten?“ Er sah ihr in die grünen Augen, und dabei bemerkte sie, dass seine tiefbraun waren.

„Genau.“

„Und mir ist aufgefallen, dass Sie einen Verlobungsring tragen.“

„Verzeihung?“ Cecelia runzelte die Stirn. „Das dürfen Sie nicht kommentieren.“

Luka wischte den Einwand mit einer verächtlichen Geste fort und blickte noch einmal in ihre Bewerbungsunterlagen. Dort las er, dass ihr Notfallkontakt nicht ihr Verlobter, sondern ihre Tante war.

Plötzlich war sein Interesse geweckt. „Sie sind doch verlobt?“

„Ja.“ Cecelia nickte, dann meinte sie kühl: „Nicht, dass Sie das etwas angeht.“

„Cecelia, wenn Sie in Erwägung ziehen, für mich zu arbeiten, sollten Sie wissen, dass ich nicht gerade für politische Korrektheit bekannt bin. Ich sag es direkt: Ich will weder eine Assistentin, die dabei ist, eine große Hochzeit zu planen, noch eine, die um sechs verschwinden muss, weil der Verlobte schmollt.“

Cecelia biss die Zähne zusammen, weil Gordon sich manchmal tatsächlich so verhielt.

„Mr. Kargas, mein Privatleben ist nicht Ihre Sache, und ich kann Ihnen versichern, das wird es auch nie werden.“

Niemals, denn sie würde den Job nicht annehmen!

Er hörte die doppelte Bedeutung in ihren Worten und hätte beinahe gelächelt, doch er hielt sich zurück.

„Kommen Sie her“, forderte er sie auf, erhob sich und ging zu den bodentiefen Fenstern.

So ein Vorstellungsgespräch habe ich noch nie erlebt, dachte Cecelia, stand aber auf und trat zu ihm.

Er war unglaublich groß.

Und er roch so gut, als hätte er in Bergamotte gebadet! Vermischt mit einer testosterongeladenen Basisnote …

„Sehen Sie die Aussicht?“, fragte er.

„Sie ist ausgezeichnet.“ Cecelia nickte und warf einen Blick über das glänzende, nasse und strahlende London. Allmählich riss der dunkle Himmel auf, und die schwarzen Wolken hatten einen silbernen Schimmer, doch nirgends konnte sie einen Regenbogen entdecken.

„Das gehört Ihnen“, erklärte Luka. Cecelia runzelte die Stirn. „Wenn Sie an einem Freitag fertig sind, liegt Ihnen die Welt da draußen bis Montagmorgen zu Füßen.“ Dann sah er sie an. „Aber wenn Sie hier sind …“

Er erwartete Ergebenheit. Das hatte Cecelia durchaus verstanden.

„Wann können Sie anfangen?“, erkundigte er sich.

Bevor sie ablehnte, atmete Cecelia tief durch und dachte an die Vorzüge des Jobs: ein Gehalt, das doppelt so hoch war wie ihr derzeitiges, endlose Reisen und der Name Kargas unauslöschlich auf ihrem Lebenslauf.

Dann bedachte sie die Nachteile.

Eine Sechzigstundenwoche neben diesem atemberaubenden Mann.

Dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte, war unerwartet und beunruhigend.

„Ich würde gern etwas Bedenkzeit haben“, entgegnete Cecelia auf sein Angebot.

„Nun, ich suche jemanden, der seinen Instinkten vertraut und zügig Entscheidungen trifft.“

Plötzlich wollte Luka unbedingt, dass diese Frau für ihn arbeitete.

Sie hatte ihn beeindruckt, als er das überhaupt nicht erwartet hatte. Und doch sagte ihm etwas, dass Cecelia Andrews nicht zurückkommen würde, wenn sie einmal aus der Tür gegangen war.

Er konnte ihr Zögern geradezu spüren.

Aber er wäre nicht Luka Kargas, wenn er nicht wüsste, wann und wie er Druck ausüben musste. „Also, ich frage Sie noch einmal: Wann können Sie anfangen, Cecelia?“

Nie! schrien ihre Instinkte.

Und doch hatte sie den Job und die damit verbundene Herausforderung so sehr gewollt. Außerdem kannte sich Cecelia gut genug, um zu wissen, dass – obwohl Luka Kargas unzweifelhaft attraktiv war – sie nie etwas mit ihrem Chef bei der Arbeit anfangen würde.

„Sofort“, antwortete Cecelia, die selbst von ihrer Entscheidung schockiert war. „Ich kann sofort anfangen.“

„Dann willkommen an Bord.“

Als er ihre Hand schüttelte, sprach Cecelia sich innerlich Mut zu.

Gewiss würde sie mit allen Schwierigkeiten fertigwerden …

1. KAPITEL

Luka, nach reiflicher Überlegung habe ich entschieden …

Kurz bevor der Wecker schrillte, wachte Cecelia auf, blieb aber noch einen Moment liegen. Auf der Straße vor ihrem Londoner Apartment hielt gerade ein Bus. Geistesabwesend lauschte Cecelia auf das zischende Geräusch der Bustüren, während sie darüber nachdachte, wie sie am besten kündigen konnte.

Und wann?

Sollte sie es gleich morgens hinter sich bringen? Oder sollte sie lieber bis zum Abend damit warten, Luka mitzuteilen, dass sie ihren Vertrag nicht verlängern würde?

Die meisten Menschen würden sagen, sie sei verrückt zu kündigen.

Die Bezahlung war fantastisch, die Reisen zwar anstrengend, aber auch herrlich. Doch mit den elf Monaten, die Cecelia nun für Luka arbeitete, war für sie nun das Ende der Fahnenstange erreicht.

Er war ein absoluter Playboy.

Und das war keine unqualifizierte Meinung. Nein, das war Fakt.

Schließlich führte Cecelia seinen Kalender!

Es war schlichtweg so: Sie konnte nicht mehr. Daher hatte sie am Freitag, als Luka sich auf den Weg zum Dach gemacht hatte, um mit seinem Hubschrauber in ein ausschweifendes Wochenende nach Frankreich zu fliegen, endlich gehandelt. Sie hatte zum Telefonhörer gegriffen und einen sechsmonatigen Vertrag als persönliche Assistentin eines angesehenen älteren Diplomaten angenommen.

Auch wenn sie in ihrem neuen Job weitaus weniger verdienen würde, der Seelenfrieden, der damit einherging, war für Cecelia Gold wert.

Sie griff nach ihrem Handy, um nach der Uhrzeit zu sehen. Da fiel ihr das Datum auf – es war ihr Geburtstag.

Cecelia hatte sich schon vor langer Zeit damit abgefunden, dass nicht viel Wirbel um ihren Geburtstag gemacht wurde. Ihre Tante und ihr Onkel, die sie aufgezogen hatten, seit sie acht Jahre alt war, hatten sich nicht sonderlich um Derartiges gekümmert. Und auch ihre Mutter nicht, bevor sie starb.

Cecelia entdeckte die Nachricht, die Luka nachts geschickt hatte:

Bin heute nicht im Büro, Cece. Sagen Sie alle Besprechungen ab, ich rufe Sie später an.

Cecelia knirschte mit den Zähnen, als sie die nervige Abkürzung ihres Namens las. Immerhin hatte sie ihn wiederholt gebeten, das zu unterlassen. Dann allerdings runzelte sie die Stirn, denn in den elf Monaten, seit sie für Luka arbeitete, hatte er nicht einen Tag freigenommen. Lukas Arbeitspensum war phänomenal, und doch ließ er sich nie etwas anmerken. Aber an dem einen Tag, an dem sie dringend mit ihm sprechen musste, würde er nicht anwesend sein.

Cecelia seufzte. Trotz der Abwesenheit ihres Chefs – tatsächlich sogar wegen seiner Abwesenheit – würde es heute außergewöhnlich hektisch werden, und so zwang Cecelia sich aufzustehen.

Sie duschte schnell und begann, sich fertig zu machen.

Ihre Abläufe waren in Stein gemeißelt und – ungeachtet der ausgedehnten Reisen und unmöglichen Arbeitszeiten – bestimmte Dinge änderten sich nie. Egal, ob sie in Florenz, New York oder zu Hause in London war, diese Dinge blieben gleich: Ihre Kleidung richtete sie am Abend zuvor her, ebenso wie ihr Frühstück, das sie zu sich nahm, bevor sie ihre Haare frisierte.

Für Cecelias Wohlbefinden waren diese geregelten Abläufe existenziell. Denn in den ersten acht Jahren ihres Lebens, als sie noch bei ihrer Mutter lebte, war das Chaos die einzige Gewissheit gewesen.

Das rote Feuer von Cecelias rotblonder Mähne war dank Foliensträhnen zu einem neutralen Blond gedämmt. Sie kämmte und glättete ihre langen Locken und band sie anschließend zu einem eleganten Pferdeschwanz im Nacken zurück.

Als Nächstes trug Cecelia ihr Make-up auf.

Viel war es nicht, aber als Lukas persönliche Assistentin wurde von ihr erwartet, stets gepflegt zu sein.

Was nicht immer der Fall war. Einmal hatte sie für eine berühmte Schauspielerin gearbeitet, die darauf bestanden hatte, dass Cecelia überhaupt kein Make-up und nur äußerst einfache Kleidung trug. Bei einem anderen Arbeitgeber hatte ihre Garderobe aus praktischen Gründen hauptsächlich aus Stiefeln und Jeans bestanden.

Cecelias blasse Haut benötigte nur einen Hauch von Rouge. Dann tuschte sie ihre Wimpern mit Mascara, die ihre dunkelgrünen Augen betonte. Leider wurde sie dabei von der Stimme der Radiomoderatorin gestört.

„Was, um Himmels willen, hat sie denn erwartet, als sie sich mit Luka Kargas eingelassen hat?“

Als sie den Namen ihres Chefs hörte, rutschte Cecelia aus und kam mit der Mascarabürste ins Auge.

Das lag allerdings weniger daran, dass Lukas Name im Radio erwähnt wurde, was häufig vorkam. Es ärgerte Cecelia einfach, dass es selbst um sieben Uhr morgens, wenn sie alleine in ihrem Badezimmer war, kein Entrinnen vor ihm gab.

Luka war überaus prominent, und obwohl sein Name vor allem Finanzberichte zierte, wurden seine Eskapaden und sein unmögliches Verhalten regelmäßig in den Klatschblättern und den Nachrichten diskutiert.

Und heute schien sein ausschweifendes Leben geradezu ein Fest für die Presse zu sein!

Anscheinend hatte er jede einzelne Sekunde des Wochenendes damit zugebracht, auf seine ihm unnachahmliche Art allerlei Chaos anzurichten. Am Freitag hatte an Bord seiner aktuell vor Nizza liegenden Jacht offenbar eine wilde Party stattgefunden.

An ihrem Frisiertisch sitzend, schürzte Cecelia die Lippen, als sie hörte, dass die zügellosen Feierlichkeiten in Paris fortgesetzt wurden, wo Luka und einige ausgewählte Gäste ins Kasino gegangen waren. Was anscheinend für heiße Tränen bei einem Supermodel gesorgt hatte, das auf eine ernsthaftere Beziehung mit Luka gehofft hatte.

So eine Närrin, dachte Cecelia.

Jeder kannte Lukas Erfolgsbilanz bei Frauen.

Aber sie alle kannten Luka nicht wirklich. Er hatte eine private Seite, die niemand zu sehen bekam. Auch nicht seine persönliche Assistentin.

Cecelia wusste nur, dass Luka schon immer ein sehr privilegiertes Leben geführt hatte. Seinem Vater gehörte ein luxuriöses Resort auf Xanero. Das berühmte Kargas-Restaurant war mittlerweile zu einer exklusiven Marke in verschiedenen Ländern geworden. Luka hingegen konzentrierte sich mehr auf das Hotelgeschäft – und lebte sein Leben auf der Überholspur. Seine Verabredungen traf er willkürlich und er entledigte sich ihrer mit Leichtigkeit. Allzu oft musste Cecelia Tränen trocknen oder Telefonate von verschmähten Geliebten annehmen.

Ja, er war ein extremer Playboy.

Und das war etwas, womit Cecelia nur schwer umgehen konnte!

Denn in ihrer Kindheit hatte sie bereits mehr als genug von den Schattenseiten eines solchen Partylebens mitbekommen!

Der Tod ihrer Mutter Harriet war außerordentlich peinlich für ihre gut situierte Familie gewesen, denn Cecelias Mutter starb so aufsehenerregend, wie sie gelebt hatte: mitten in einer Kokainparty, halb nackt und in kompromittierender Pose.

Harriet hatte eine Tochter zurückgelassen, mit der niemand so recht etwas anzufangen wusste. Der Name ihres Vaters war nicht auf ihrer Geburtsurkunde vermerkt, und Cecelia hatte ihn überhaupt nur einmal in ihrem Leben gesehen. Dieses eine Mal hatte ihr jedoch völlig ausgereicht!

Cecelias Tante und Onkel, die immer missbilligend die Nase gerümpft hatten über Harriets unkonventionelles Dasein, hatten das Kind nach ihrem Tod bei sich aufgenommen. Mit wilden Locken und strahlend grünen Augen war die kleine Cecelia eine Miniaturausgabe ihrer Mutter – was das Aussehen anging.

Das kleine Mädchen hatte sich allerdings nach Ordnung und Struktur gesehnt.

Tatsächlich war es die kleine Cecelia gewesen, die dem Leben ihrer Mutter zumindest einen Hauch von Ordnung verliehen hatte.

Sie hatte sich um ihre Schuluniform und um ihr Essensgeld gekümmert, war morgens immer selbst aufgestanden und allein zur Schule gegangen.

Nach einem sehr ungewöhnlichen Start führte Cecelia danach ein äußerst konventionelles Leben. Sie war effizient und ordentlich. Auch wenn sie durch ihre Arbeit rund um die Welt reiste, an Wochentagen war sie meist bereits um zehn Uhr, am Wochenende um elf Uhr im Bett.

Sie hatte zwar einige nette Freunde und Bekannte, doch keinem hatte sie je mitgeteilt, wann ihr Geburtstag war.

Cecelia erinnerte sich. Letztes Jahr an ihrem Geburtstag war sie noch verlobt gewesen.

Dass Gordon und sie sich getrennt hatten, war das einzige Problem, das sie ihrer Tante und ihrem Onkel je bereitet hatte. Die beiden hatten nicht begreifen können, warum Cecelia sich von einem so überaus anständigen Mann trennen wollte.

Es war nicht Gordons Schuld gewesen, und als sie sich von ihm trennte, sagte sie das auch.

Es war nämlich Lukas Schuld!

Das hatte sie Gordon allerdings nicht gesagt …

Aber heute Morgen war nicht der richtige Zeitpunkt, um über solche Sachen nachzudenken.

Rasch zog sich Cecelia ihre hautfarbene Unterwäsche an und warf dabei einen Blick aus dem Fenster, wo die Sonne am hellblauen Himmel strahlte. Sie konnte es nicht ertragen, das blaue Leinenkostüm anzuziehen, das sie sich am Abend zuvor herausgelegt hatte.

Ach, zur Hölle damit!

Da Luka nicht im Büro sein würde und sie heute bei keinen Besprechungen dabeisitzen musste, traf Cecelia eine ungeplante Entscheidung bezüglich ihrer Garderobe.

Sehr farbenfroh war sie nicht. Aber sie besaß ein Kleid, das sie für die Hochzeit eines Freundes gekauft hatte, auf der sie kürzlich eingeladen gewesen war.

Das war ein sehr selten vorkommender Impulskauf gewesen.

Es war ein cremefarbenes Neckholderkleid – kaum hatte sie die Boutique verlassen, dachte sie, dass es zu sehr ins Weiß ging und vielleicht die Braut brüskieren könnte.

Trotzdem liebte sie es! Und heute, an ihrem Geburtstag, würde sie es endlich tragen.

Weil das Kleid zu viel Schulter und Arme zeigte, kombinierte sie dazu ein durchscheinendes zitronengelbes Bolerojäckchen, das sie am selben Tag erworben hatte.

Da das Kleid dreiviertellang war, hielt sie sich nicht mit Strümpfen auf, sondern band sich einfach ein Paar Riemchensandalen um.

Ja, möglich, dass sie sich nun endlich entspannte, da sie wusste, sie würde Kargas Holdings bald verlassen. Zuversichtlich schloss sie die Tür ihres Apartments ab und trat auf den Flur.

„Sie sehen heute sehr sommerlich aus“, meinte Mrs. Dawson, ihre freundliche, aber überaus neugierige Nachbarin, als sie im Flur an ihr vorbeiging. „Gehen Sie zur Arbeit?“

„Ja.“

Der zartgelbe Bolero überlebte nicht einmal bis zur Rolltreppe hinunter zur U-Bahn. Es war so heiß und drückend, dass sie ihn ausziehen musste. Während sie sich an dem Handlauf festhielt, blickte sie in die aufgeschlagene Zeitung, die der Pendler vor ihr in der Hand hielt. Lukas Eskapaden hatten es in die Schlagzeilen der Zeitung geschafft.

Sie betrachtete das Foto unter der Schlagzeile. Es zeigte Luka an Deck seiner Jacht, wie er sich auf eine schicke, dunkelhäutige Frau zubewegte. Von seiner nackten Brust und seinem dichten schwarzen Haar tropfte Wasser auf die Frau, und obgleich sich ihre Körper nicht berührten, war es eine unglaublich intime Aufnahme.

Cecelia wandte ihre Augen ab und sah starr nach vorne. Doch das Bild ihres attraktiven Chefs schien auf den getönten Scheiben der Bahn zu tanzen.

Nachdem sie die U-Bahn verlassen hatte, lief Cecelia auf das markante Hochhaus zu, in dem Kargas Holdings untergebracht war. Sie lächelte den Portier an, betrat das Foyer und nahm den Aufzug. Mit ihrem Spezialausweis konnte sie bis in den vierzigsten Stock fahren, der Luka zur Gänze gehörte.

Es gab hier nicht nur Büros und Besprechungsräume, sondern auch einen Fitnessraum und einen Pool – obwohl sich Cecelia nicht erinnern konnte, dass Luka diese Räumlichkeiten je benutzte. Sie stellten mehr eine Vergünstigung für die Angestellten dar.

Außerdem gab es eine Suite, die genauso luxuriös und mit Service ausgestattet war wie ein Fünfsternehotel. Wenn er in London war und die Nacht durcharbeitete oder einen besonders frühen Flug erwischen musste, übernachtete Luka oft hier.

Ja, hier betrat sie seine Welt. Aber in dem Wissen, dass er nicht anwesend war, konnte Cecelia heute befreit atmen.

Es war erst kurz vor acht und es schien, als hätte Cecelia in Sachen Pünktlichkeit heute sogar die Empfangsdame Bridgette geschlagen Ein paar Reinigungskräfte polierten noch Fenster und saugten Staub, außerdem kümmerten sich einige Floristen wie jeden Morgen um die Blumen.

Cecelia machte sich einen Kaffee an der Espressomaschine, bevor sie an ihren Schreibtisch vor Lukas enormem Büro ging.

„Torwächterin“ nannte Luka sie manchmal, aber Cecelia fühlte sich eher wie jemand vom Sicherheitsdienst.

Sie empfing hier nicht nur Kunden und Gäste, sondern fungierte auch als letzte Hürde für abgelegte Liebhaberinnen, wenn diese es irgendwie an der Security unten vorbeigeschafft hatten.

Und da war es plötzlich wieder – das Bild von Luka, wie er nass und tropfend dastand. Cecelia schüttelte den Kopf, als könnte sie es damit loswerden.

Sie hängte ihr Jäckchen auf einen Ständer und wollte sich gerade hinsetzen, als sie plötzlich seine Stimme hörte.

„Ist der Kaffee für mich, Cece?“

Cecelia wirbelte herum – und sah Luka aus seinem Büro schlendern. Abgesehen davon, dass er unrasiert war, zeugte wenig von seinem wilden Wochenende. Er trug eine schwarze Hose und ein weißes Hemd, das seinen straffen, sonnengebräunten Körper perfekt in Szene setzte. Wie so oft war sein Haar ein wenig zerzaust, fiel aber dennoch perfekt in Form.

Er sollte doch gar nicht da sein!

„Ich dachte, Sie wollten heute nicht kommen?“, bemerkte Cecelia.

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Weil Sie es mir mitten in der Nacht geschrieben haben?“

„In der Tat.“

Luka genoss es. Seine sonst so souveräne Assistentin war tatsächlich überrascht! Wie anders sie aussah in ihrem leichten Sommerkleid! Normalerweise trug sie hochgeschlossene Kostüme in Blau oder Schwarz. Aber nicht nur ihre Kleidung war heute anders.

„Danke“, sagte er und nahm ihr den Kaffee aus der Hand.

„Da ist Zucker drin“, warnte sie und setzte sich an ihren Schreibtisch. „Und es heißt Cecelia, nicht Cece.“

„Gewohnheit“, entgegnete er.

„Eine überaus ärgerliche.“

Gut, dachte Luka.

Ihr kühles Auftreten reizte ihn.

Deshalb würde er sie auch weiterhin so nennen, denn er liebte es, eine Reaktion bei ihr zu provozieren, wenn auch nur eine abgeschwächte.

„Wie war Ihr Wochenende?“, erkundigte sie sich höflich.

„Ähnlich wie das letzte“, antwortete er, kam zu ihr an den Schreibtisch und lehnte sich zu ihrem Missfallen so dagegen, dass sein knackiger Hintern genau neben der Tastatur landete. „Langweilen Sie sich jemals?“, wollte er wissen.

„Eigentlich nicht“, log Cecelia, die durchaus wusste, dass sie sich mit Gordon gelangweilt hatte.

Auch ihr Exverlobter arbeitete in der Stadt, und so hatten sie die Gewohnheit entwickelt, mittwochs etwas trinken zu gehen, um freitags Zeit für die eigenen Freunde zu finden. Den Samstag verbrachten sie im Allgemeinen zu zweit, nachts folgte die vage Spur eines Orgasmus, und tags drauf ging es zu einer langweiligen Ausfahrt und einem Mittagessen in irgendeinem Pub. Und vielleicht kam es auch in dieser Nacht noch zu einem enttäuschenden Stelldichein.

Aber Gordon trug keine Schuld.

Cecelia hielt sich beim Sex genauso zurück wie im Leben.

Wenn man es genau nahm, lag die Schuld für Cecelias Trennung von Gordon bei dem Mann, der nun lässig gegen ihren Schreibtisch lehnte. Er hatte ihr die Augen geöffnet für Empfindungen, die besser unerforscht blieben.

Oh, hätte sie diesen Job doch nie angenommen!

„Aber sind Sie es nie leid, immer dasselbe zu tun?“, hakte Luka nach.

„Nein, ich mag das“, antwortete Cecelia.

Er besah sich ihren aufgeräumten Schreibtisch und wusste, dass es in ihren Schubladen genauso aussehen würde.

Und dann, nur um sie zu ärgern, nur um irgendeine Reaktion hervorzurufen, nahm er ein kleines Tongefäß, in dem ihre Stifte standen, und rückte es auf die andere Seite des Schreibtisches. „Leben Sie ein wenig.“

„Nein danke.“ Sie lächelte grimmig und schob das Gefäß zurück an seinen Platz. Dabei konnte Luka zumindest den Duft ihres frisch gewaschenen Haares riechen.

Sonst nichts.

Cecelia trug kein Parfüm; es gab keine Untertöne, die er wahrnehmen konnte. Wie konnte jemand nur so verschlossen sein?

Sie zu durchschauen war unmöglich – im Gegensatz zu allen anderen Frauen, die Luka kannte. Mit ihr zu flirten hatte er schon lange aufgegeben, denn die Missbilligung in ihren Augen verdarb ihm irgendwie den Spaß.

So rücksichtslos er auch war, Luka spielte nur mit den Willigen.

„Sie sehen hübsch aus“, sagte er ihr. Aus ihrem leichten Stirnrunzeln sprach der Tadel, weil er es gewagt hatte, etwas Persönliches zu kommentieren. Cecelia hielt alles rein geschäftlich und reagierte höflich.

„Danke.“

Aber Luka beließ es nicht dabei. „Sie tragen ein Kleid.“

„Sie haben eine scharfe Beobachtungsgabe, Luka.“

„Ich erwähne es nur, weil Sie üblicherweise ein Kostüm tragen.“

„Es war ein langes, warmes Wochenende. Ich wollte heute kein Kostüm tragen.“

„Nein, aber …“

„Luka“, unterbrach Cecelia ihn. „Wenn Sie ein Problem damit haben, dass ich mich etwas zwangloser kleide als sonst, sagen Sie es einfach, und es kommt nicht wieder vor.“

„Ich habe kein Problem damit, dass Sie ein Kleid tragen.“

„Dann gibt es ja nichts zu besprechen.“

„Sind Sie sich da ganz sicher?“, konterte Luka. Zwar hatte er nicht vorgehabt, das heute anzusprechen, aber offenbar war der Moment günstig.

„Was ich trage …“, setzte Cecelia an, doch Luka schnitt ihr das Wort ab.

„Haben Sie heute mal wieder einen Zahnarzttermin, Cecelia?“ Der Klang seiner Stimme hatte sich verändert, und weil er ihren richtigen Namen benutzte, hörte es sich seltsam bedrohlich an. „Oder haben Sie Ihr letztes heimliches Vorstellungsgespräch bereits hinter sich?“

Er war ziemlich sicher, dass sie gehen wollte. Eine Vermutung, die sich jetzt durch die flammende Röte auf ihren blassen Wangen bestätigte.

Persönliche Assistentinnen kamen und gingen.

Daran hatte sich Luka gewöhnt.

Er war ein außergewöhnlich fordernder Boss und wusste, dass nur wenige seinem unmöglichen Zeitplan lange standhielten.

Im Allgemeinen wollte er vor dem Weggang einer PA nur, dass sie die nächste Assistentin auf seinen Standard brachte und sicherstellte, dass die Übergabe nahtlos erfolgte.

Dass Cecelia gehen wollte, brachte jedoch eine ihm unbekannte Unruhe über ihn.

Ihm gefiel, dass sie in seinem Leben war, und er wollte nicht, dass sie fortging. Doch drei ausgedehnte Zahnarzttermine in den vergangenen Wochen waren unheilvolle Vorboten. Und als sie sich dann auch noch dem Gespräch über ihre Vertragsverlängerung entzogen hatte, war er sicher gewesen.

„Gibt es etwas, das Sie mir sagen möchten?“, fragte er.

„In der Tat, ja.“ Sie holte tief Luft. Da öffneten sich die Türen des Aufzugs und Cecelia sah, dass Bridgette gerade angekommen war.

Aber hierfür wollte sie keine Zuhörer haben.

„Könnten wir uns unter vier Augen unterhalten?“

„Natürlich“, antwortete Luka. „Sie wissen, meine Tür ist immer geschlossen.“ Als sie nicht lächelte, erhob er sich von ihrem Tisch. „Kommen Sie bitte.“

Luka hatte sich gerade entschieden, ihr die Kündigung auszureden.

Und er wusste auch schon genau, wie.

2. KAPITEL

Der Weg zu seinem Büro fühlte sich an wie ein unendlich langer Fußmarsch.

Luka ging voraus. Fast wurde es Cecelia ein wenig übel, denn sie war unsicher, ob sie das Richtige tat.

Cecelia war überaus karriereorientiert, und mit ihrer Kündigung warf sie eine tolle Position weg – Lukas Unternehmen expandierte rapide: Hotels in New York City und Singapur standen auf dem Plan. Ein Teil davon zu sein würde sich hervorragend auf ihrem Lebenslauf machen.

Doch als er ihr die Tür aufhielt und sie eintrat, wusste Cecelia, dass sie kündigen musste.

Sie konnte seinen Blick auf ihrem Rücken spüren. Auf ihrer Haut.

Und tatsächlich konnte Luka heute seine Augen nicht von ihr losreißen!

Cecelias, hatte die eintönigste Garderobe, die er kannte. Ja, sie war stets gepflegt und elegant. Aber Luka hatte sich schon vor langer Zeit damit abgefunden, dass seine PA selbst aus einem Taschentuch ein ordentliches Outfit machen würde.

Nur nicht heute.

An dem Tag, an dem sie ihre Kündigung aussprechen würde, konnte er zum ersten Mal ihren nackten Rücken sehen.

Er war ausgesprochen blass, und Luka überlegte unwillkürlich, ob sie ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen sollte. Sicher sah dieser Körper nur sehr wenig Sonne – wenn überhaupt.

Wenige Wochen, nachdem sie bei ihm angefangen hatte, hatte Luka sie außerhalb der Arbeit getroffen und festgestellt, dass Cecelia auch in ihrer Freizeit dezente Kleidung bevorzugte. Allerdings war dieses Treffen nicht zufällig geschehen. Luka hatte gehört, wie sie sagte, sie würde mit ihrem Verlobten in eine Ausstellung gehen, und er wollte wissen, was Cecelia antörnte – sexuell gesehen.

Blasse Engländer mit dürren Beinen offensichtlich.

Sie hielten noch nicht einmal Händchen und standen höflich wie zwei Fremde nebeneinander, während sie ein unfassbar erotisches Kunstwerk betrachteten.

Als sie ihn erblickt hatte, war sie allerdings zusammengezuckt! Und ein bisschen errötet, als sie ihm Gordon vorstellte.

Wie gern hätte Luka diese Frau einmal im Bett kennengelernt!

„Bitte“, sagte er nun. „Nehmen Sie Platz.“

Luka deutete auf einen Stuhl und ging um seinen Schreibtisch herum, während sie sich setzte. Cecelia betrachtete ihren Chef mit klopfendem Herzen.

Er war wirklich ein schöner Mann.

Mal davon abgesehen, dass sie für ihn schwärmte, war Luka Kargas tatsächlich ein Blickfang.

Seine samtigen Augen ruhten auf ihr, doch sie erwiderte seinen Blick noch nicht, sondern bewunderte zuerst seine hohen Wangenknochen und den vollen Mund.

Cecelia mochte Münder.

Gordons war etwas klein und verkniffen gewesen, was ihr aber erst aufgefallen war, nachdem sie Lukas Mund gesehen hatte.

Nein, niemals hätte sie diesen Job annehmen dürfen …

Sobald Luka damals aufgestanden war, um sie zu begrüßen, hätte sie die Flucht ergreifen sollen!

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Gordon und sie sehr gut zusammengepasst – was sich just änderte, als sie Luka die Hand schüttelte.

In der Nacht, als sie aus dem Museum nach Hause kamen und sie sich beim Sex Luka vorstellte, wusste sie, sie musste die Verlobung lösen.

Dabei war es der beste Orgasmus ihres Lebens gewesen …

Luka repräsentierte alles, wovor ihre Tante sie gewarnt hatte.

Trotzdem hatte sie den Job angenommen.

Und nun saß sie hier – kurz davor zu kündigen.

„Gibt es etwas, das Sie besprechen möchten?“, fragte Luka, und sie nickte.

Es ging absichtlich überaus formell zu, denn Luka hatte nicht vor, es ihr leicht zu machen.

Es gab keine bessere Assistentin als sie, und er wollte nicht, dass sich das änderte.

Er wollte, dass Cecelia blieb. Und Luka bekam immer, was er wollte.

„Und?“, forderte er sie auf. „Was möchten Sie mir sagen?“

Nicht zum ersten Mal in ihrem Leben kündigte sie, und eigentlich wollte Cecelia nun ruhig und gelassen ihre zurechtgelegten Worte aufsagen. Stattdessen saß sie stumm und angespannt da. Denn wenn dieser Mann ihr so wie jetzt in die Augen sah, fiel es ihr schwer, die richtigen Worte zu finden.

„Ich gehe.“

„Verzeihung?“, antwortete Luka, der den Kopf leicht schräg legte, als hätte er sie nicht verstanden. Er wollte, dass sie es wiederholte, und diesmal ausführlicher.

„Ich werde meinen Vertrag nicht verlängern.“ Nach einem furchtbaren Anfang purzelten die Worte nun geradezu aus ihr heraus. „Nach eingehender Überlegung und obwohl es ein großartiges Jahr gewesen ist, habe ich mich entschieden, neue Wege einzuschlagen.“

„Trotz aller eingehenden Überlegungen haben Sie das aber nicht mit mir besprochen.“

„Ich brauche nicht Ihre Erlaubnis, um zu kündigen, Luka.“

Das läuft gar nicht gut, dachte Cecelia, als sie den schnippischen Unterton in ihrer Stimme hörte.

Sie hatte ihre Sollbruchstelle beinahe erreicht, da summte der Lautsprecher, und Bridgettes Stimme ertönte: „Eine Frau namens Katiya ist unten an der Rezeption und möchte Sie sprechen, Luka …“

Er verdrehte die Augen. „Ich bin beschäftigt.“

„Sie ist sehr beharrlich. Sie meint, Sie wissen, warum.“

„Sagen Sie der Security, ich feuere jeden, der sie herauflässt.“

Er sah zu Cecelia. „Wieso können Frauen kein Nein als Antwort gelten lassen?“

„Wieso kann das mein Boss nicht?“

„Touché“, lenkte er ein und beschloss, die Mitleidskarte zu ziehen. „Cecelia, einer der Gründe, warum ich den Tag doch nicht freigenommen habe ist, dass ich gerade herausgefunden habe, dass es meiner Mutter sehr schlecht geht.“

„Das tut mir sehr leid“, entgegnete Cecelia. „Wenn es etwas gibt, das ich …“ Sie unterbrach sich und schloss ihren Mund.

„Was wollten Sie sagen?“, hakte Luka nach. Aber als sie stumm blieb, redete er weiter. „Denn es gibt tatsächlich etwas, das Sie für mich tun können. Cece, ich werde in den kommenden Monaten sehr viel unterwegs sein. Meine Mutter hat Krebs und wird sich einer intensiven Behandlung unterziehen …“

Sie blinzelte schnell.

Luka sprach nie von seiner Familie.

Niemals!

„Ich werde sehr viel Zeit in Xanero verbringen. Sie sind eine hervorragende PA, und ich hoffe, Sie wissen, wie sehr ich Sie schätze.“ Er sah sie schlucken und holte zum vernichtenden Schlag aus. „In dieser schwierigen Zeit möchte ich mit niemand Neuem arbeiten müssen.“

„Luka, es tut mir leid, dass es Ihrer Mutter schlecht geht, aber das ändert nichts an meiner Entscheidung.“

Sie war wirklich so kalt wie Eis. Und doch … als er sie über seinen Schreibtisch hinweg ansah, erkannte er die Anspannung in ihren Gesichtszügen und stellte fest, dass ihre wundervollen grünen Augen seinem Blick nicht standhalten konnten.

„Kann ich Sie bitten, weitere sechs Monate zu bleiben? Natürlich werden Sie entschädigt …“

„Luka, nicht bei allem geht es ums Geld.“

Er sah, wie ihre Augen aufblitzten, und wusste nur zu gut, dass sie in ihm nichts weiter als einen reichen Playboy sah.

Sie wusste nichts über seine Anfänge, und Luka würde sie sicher nicht aufklären.

Niemand kannte die Wahrheit.

Selbst seine eigenen Eltern schienen die Lüge zu glauben, die vor langer Zeit zementiert worden war – dass das Resort auf der Insel Xanero und das erste berühmte Kargas-Restaurant, das sich dort befand, Luka zu seinem erfolgreichen Leben verholfen hatten.

Hatten sie nicht.

Das hatte der Sex getan.

Wohlhabende Urlauberinnen, die nach Nervenkitzel suchten, hatten ihm geholfen, den Weg aus der Armut zu dem goldenen Leben zu ebnen, das er nun führte …

Doch es bestand kein Grund, Cecelia etwas davon zu erzählen.

Luka musste sich seiner PA gegenüber nicht erklären.

„Und wenn ich Ihnen mehr Jahresurlaub gewähre?“

„Ich habe bereits eine andere Stelle angenommen.“

Und da nett und freundlich nicht funktionierte, wurde Luka mürrisch. „Bei wem?“

„Darauf muss ich nicht antworten.“

„Genau genommen, Cece …“

„Nennen Sie mich nicht so!“, fuhr sie auf. „Luka, Sie sagen, wie sehr Sie meine Arbeit schätzen, und dann bekommen Sie meinen Namen nicht einmal richtig hin!“

Da hatte er seine Reaktion.

„Sie gehen also, weil ich Sie nicht bei Ihrem richtigen Namen nenne?“

„Nein.“

„Warum dann?“

„Darauf muss ich nicht antworten.“

„Genau genommen, Ce-ce-li-a …“, er betonte jede Silbe ihres Namens, „… wenn Sie sich Ihren Vertrag durchlesen, dürfen Sie ein Jahr lang nicht für einen meiner Konkurrenten arbeiten und Sie dürfen …“

„Nicht.“ Sie stoppte ihn. „Luka, ich darf gehen.“

„Natürlich.“ Es gefiel ihm nur nicht.

„Es sind vier Wochen bis zum Vertragsende, daher werde ich sofort nach einem Ersatz suchen. Es sei denn, Sie haben jemanden im Auge?“

„Das überlasse ich ganz Ihnen.“

„Natürlich.“

Er machte eine entlassende Handbewegung. Sofort erhob sich Cecelia und ging. Aber nicht an ihren Schreibtisch.

Sobald sie alleine in den Waschräumen war, lehnte sie sich gegen die kühle Marmorwand. Sie hatte es getan!

Auch wenn diese Kündigung ihrer Karriere vermutlich schadete, bald würde wieder die Vernunft regieren.

Sie würde nicht länger während der Rushhour in der geschäftigen U-Bahn stehen und sich wünschen, die Frau zu sein, die zu diesem wunderschönen Gesicht hochsah, während es sich ihr näherte, um sie zu küssen …

Nie mehr würde sie durch den Mund atmen müssen, wenn er in der Nähe war, nur um seinem berauschenden Duft zu entgehen.

Endlich würde sich ihr Magen nicht mehr bei jedem trägen Lächeln ihres umwerfenden Chefs zusammenkrampfen.

Ordnung würde wieder in das Chaos einziehen, das er aus ihrem Herzen gemacht hatte.

Allerdings erst später.

Der Tag war wirklich furchtbar. Cecelia nahm Blumen für Luka in Empfang und las dann dummerweise die Karte.

Oh, das Angebot von Katiya war sehr eindeutig.

Er musste ihr nur den Code für den Aufzug geben, dann würde Katiya direkt nach oben fahren und sofort auf die Knie gehen.

Cecelia schob die Karte zurück in den Umschlag und brachte ihm die Blumen.

„Eine Lieferung für Sie.“

„Von?“

„Keine Ahnung.“

Er öffnete die Karte und warf sie beiseite.

„Sie können sie haben, wenn Sie wollen“, meinte er mit einer Geste in Richtung Blumen.

„Nein danke.“

„Dann schaffen Sie sie mir aus den Augen.“

Damit Sie nicht in Versuchung geraten? wollte Cecelia fragen, tat es aber natürlich nicht.

Später baute die Rezeption Mist und stellte einen Anruf zu Luka durch. Glücklicherweise war Cecelia gerade in seinem Büro und nahm den Anruf für ihn entgegen.

„Ich muss einfach mit ihm sprechen …“, schluchzte eine Frau, aller Wahrscheinlichkeit nach Katiya, in den Hörer.

„Es tut mir leid, Mr. Kargas nimmt keine ungeplanten Anrufe entgegen“, antwortete Cecelia.

Luka sah noch nicht einmal von seinem Computer auf.

„Wann müssen Sie heute aufhören?“, fragte er, als sie auflegte.

„Keine bestimmte Uhrzeit“, entgegnete sie überrascht. Diese Frage war ungewöhnlich, bisher hatte es Luka auch nicht interessiert. „Wieso?“

„Verschieben Sie meinen Termin mit Garcia bitte auf den frühen Abend.“

„Ich sehe, was ich machen kann.“

„Und buchen Sie meinen Flug morgen nach Xanero. Ich werde ein paar Wochen weg sein.“

„Ein paar Wochen?“, vergewisserte sich Cecelia, da so etwas noch nie vorgekommen war.

„Ich sagte es Ihnen bereits“, meinte Luka kurz angebunden. „Meine Mutter ist krank.“

Nachdem sein Flug gebucht war, rief Luka sofort Sophie Kargas an und sagte ihr, dass ihr einziges Kind morgen nach Hause kommen würde.

„Eine Sache“, sagte Luka. „Ich werde nicht deine Hand halten und dabei zusehen, wie du aufgibst. Du wirst dagegen kämpfen.“

„Luka, ich bin müde, ich brauche keinen Ärger. Ich will nur, dass du heimkommst.“

Die Niedergeschlagenheit war ihrer Stimme deutlich anzuhören, und den Grund dafür kannte er nur zu gut. Die Behandlung bedeutete regelmäßige Aufenthalte in Athen, und Theo Kargas hatte seine Frau gerne bei sich zu Hause.

Ja, es war ein sehr langer und schwieriger Tag, an dem sie einander so gut es ging mieden, doch die Anspannung im Büro hing schwer in der Luft.

„Ihre Mutter ist dran“, sagte Cecelia gegen Abend.

„Sagen Sie ihr, ich bin in einer Besprechung.“

„Natürlich.“

Was für ein Bastard, entschied Cecelia und übermittelte die Nachricht an die kraftlos klingende Frau.

Luka saß währenddessen einfach nur da, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, die Beine auf dem Schreibtisch.

Noch einmal mit seiner Mutter zu sprechen und zu hören, dass sie ihr Leben so gut wie aufgegeben hatte, ertrug er heute nicht mehr.

Erst morgen würde er sich mit alldem befassen. Denn was Luka zu sagen hatte, sagte man besser von Angesicht zu Angesicht.

Verlass ihn.

Nicht zum ersten Mal würde er das seiner Mutter sagen, aber er hoffte, zum letzten Mal.

Immer hatte er gehofft, dass sein Vater als Erster starb. Wenn auch nur, um seiner Mutter etwas Ruhe zu verschaffen …

Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es auf die sieben zuging. Die Besprechung mit Garcia war auf zehn verlegt worden.

Luka erhob sich, zog sein Jackett über und verließ anschließend das Büro.

Cecelia hob nicht einmal ihren Blick; stattdessen tippte sie munter an ihrem Computer weiter und gab vor, ihn nicht bemerkt zu haben.

„Waffenstillstand?“, bot Luka an und bemerkte, dass ihre Schultern ein klein bisschen nachgaben und sich um ihre Lippen ein sanftes Lächeln zeigte.

„Waffenstillstand“, bestätigte sie und sah zu ihm auf.

„Lassen Sie uns etwas essen gehen.“

Ihr Herz blieb stehen.

Cecelia wollte, dass dieser Tag endlich vorüberging!

Sie hasste es mehr als alles andere auf der Welt, mit ihrem Chef heute essen zu gehen.

Denn eigentlich liebte sie es, mit ihm essen zu gehen.

Sie liebte die Gesellschaft dieses Mannes!

Aber genau das war ja ihr Problem …

3. KAPITEL

„Ich gehe mich schnell frisch machen“, erklärte Cecelia und griff sich ihre Handtasche.

„Natürlich.“

Wieder lümmelte er an ihrem Schreibtisch und sie musste über seine langen Beine steigen, um vorbeizukommen.

Im luxuriösen Waschraum der Kargas Holdings starrte Cecelia ihr Spiegelbild an und erinnerte sich daran, dass diese Folter in vier Wochen vorbei sein würde.

Sie band sich das Haar neu zusammen, legte nochmals Lippenstift nach und – sie konnte einfach nicht anders – sie sah nach, ob ihre Tante oder sonst jemand eine Nachricht zu ihrem Geburtstag geschickt hatte.

Nein.

So enttäuschend das mit ihrer Tante und ihrem Onkel sein mochte, Cecelia konnte sich im Grunde nichts Schöneres vorstellen, als mit Luka an ihrem Geburtstag essen zu gehen.

Wobei das natürlich kein Date war, sondern nur ein Geschäftsessen mit ihrem Chef. Wahrscheinlich würde Cecelia sich die nächsten Stunden ständig an diese Tatsache erinnern müssen …

Als sie herauskam, stand Luka da und wartete auf sie. Sie spürte seinen Blick auf ihr liegen, als sie ihren kleinen Bolero nahm und ihn anzog.

Gott, wie Luka dieses senfgelbe Ding hasste.

Viel lieber wollte er ihre blasse Haut sehen. Nur zu gern hätte er ihr das gesagt, aber bei Cecelia gab er sich stets von seiner besten Seite.

„Fertig?“, fragte er prüfend, und sie nickte.

„Fertig.“

Sein Fahrer brachte sie zu einem hübschen griechischen Restaurant am Fluss, das vor Kurzem eröffnet hatte.

„Zeit, die Konkurrenz zu überprüfen“, erklärte Luka. Doch als sie drinnen zu einem edel eingedeckten Tisch geführt wurden, lehnte er ab.

„Wir essen draußen“, sagte er.

Kurz darauf saßen sie an einem wundervollen Platz mit Blick auf den Fluss.

„Die Musik da drin würde mich verrückt machen“, behauptete Luka. Der wahre Grund aber war, dass drinnen die Klimaanlage lief, dabei wollte er doch, dass Cecelia dieses Jäckchen auszog.

Was zum Teufel ist los mit mir? dachte Luka. Er wollte nur draußen sitzen, um Cecelias Oberarme zu sehen zu bekommen.

Ihre Arme!

„Es ist perfekt hier“, meinte Cecelia und setzte sich. „Und es weht ein schönes Lüftchen vom Fluss her.“

„In der Tat“, bestätigte Luka, wobei sie sein gequältes Lächeln nicht so genau einordnen konnte.

Rasch blickte Cecelia in die Karte, konnte sich aber nicht konzentrieren, denn sie war sicher, er würde sie überreden wollen, zu bleiben.

Was er nicht tat, stattdessen wählte er den Wein.

„Für mich keinen, danke“, erklärte sie.

„Natürlich nicht.“ Er verdrehte die Augen. Der Himmel bewahre, dass sie sich in seiner Gegenwart entspannte! Aber dann bestellte er doch erstaunlich folgsam Mineralwasser für seine PA.

Sie gab bei dem Kellner ihre Bestellung auf, bei der es sich trotz der ausgefallenen Formulierung im Grunde um einen Tomatensalat handelte.

Luka orderte bourdeto.

Sie hatte das Gericht auf der Karte gesehen und gelesen, dass es aus Skorpionfisch zubereitet wurde.

Hatten diese Fische nicht giftige Stacheln an ihrem Körper? Irgendwie schien ihr das gut zu diesem Abend zu passen …

Ja, die Umgebung war wunderbar und die Unterhaltung höflich, aber sie wartete angespannt auf seinen Angriff. Denn Luka gab nicht so leicht auf.

Für Luka war das Leben wie ein Schachspiel, und jeder Zug war geplant.

Mit einer kranken Mutter war er mehr denn je auf eine effiziente Assistentin angewiesen. Eine, die in seiner Abwesenheit das Steuer in der Hand hielt.

Ja, sie war gewappnet – falls kein Angriff kam, würde Luka es vielleicht mit seiner seidenen Überredungskunst versuchen. Aber sie durfte nicht nachgeben – nicht jetzt, da sie endlich den Mut aufgebracht hatte, ihre Kündigung auszusprechen.

„Ein Geschmack der Heimat“, sagte er, als die Gerichte serviert wurden.

„Werden Sie auf Xanero bei Ihrer Familie wohnen?“, fragte Cecelia ruhig. Sie war nicht neugierig, sagte sie sich – wenn allerdings Arrangements zu treffen waren, würde sie sich dadrum kümmern müssen.

„Das Resort ist riesig. Meine Eltern wohnen in ihrer Villa und ich in meiner.“

„Wie ist es auf Xanero?“

„Die Insel ist atemberaubend.“

„Ist das berühmte Kargas-Restaurant eigentlich noch immer ein Familienbetrieb?“, vergewisserte sich Cecelia.

„Ja.“ Das war zwar keine direkte Lüge, aber so viel blieb damit ungesagt.

„Ist Ihr Vater immer noch der Chefkoch?“

Luka antwortete nicht sofort.

Die Wahrheit war, sein Vater war noch nie der Chefkoch gewesen. Na ja, vor vielen Jahren einmal, ganz kurz.

Das alles war Teil einer ausgeklügelten Scharade, bei der Luka mitspielte, damit seine Mutter erhobenen Hauptes durchs Dorf laufen konnte.

„Er ist fast im Ruhestand“, erklärte Luka, was keine wirkliche Lüge war – sein Vater hatte sein erwachsenes Leben hindurch kaum etwas gearbeitet. Dennoch lenkte er das Gespräch nun lieber auf die kommenden Wochen. Nicht alle Termine sollten gestrichen werden. Luka würde online arbeiten, und auch eine Reise nach Athen würde stattfinden. Natürlich war alles machbar, wenn auch kompliziert, denn Luka war Wochen und Monate im Voraus ausgebucht. Viel Bewegungsspielraum gab es also nicht.

„Ich werde Garcia mitteilen, dass die Reise nach New York warten muss.“

„Das wird ihm nicht gefallen.“

„Gut“, meinte Luka. „Manchmal ist es durchaus angebracht, sich etwas rar zu machen! Er braucht mich mehr als ich ihn, trotzdem scheint er das zu vergessen! Vielleicht können wir die Reise ja nach meiner Rückkehr nachholen.“

„Natürlich.“ Cecelia nickte. „Wenn Sie mehr über die Situation zu Hause wissen, kann ich die Reise noch mal planen. Hoffentlich ist bis dahin Ihre neue PA mit an Bord, sodass sie ebenfalls mitgehen kann.“

Das gefiel ihm gar nicht.

Luka warf ihr einen Blick zu. Mit diesem senffarbenen Jäckchen über ihren Schultern nippte sie an ihrem Mineralwasser, und noch immer fragte er sich, was sie antrieb.

Cecelia faszinierte ihn.

Sie war so eiskalt und zugeknöpft und steif, dass er sich – obwohl sie verlobt gewesen war – insgeheim fragte, ob sie noch Jungfrau war. Denn er konnte sie sich einfach nicht im Bett vorstellen.

Gelegentlich erwischte er sich jedoch dabei, wie er sich genau das ausmalte!

„Was ist eigentlich mit Gordon passiert?“, fragte Luka plötzlich.

Ihr Schweigen war eisig.

„Kommen Sie schon“, forderte er sie auf, „Sie gehen, da kann ich doch jetzt fragen.“

„Ich will mein Privatleben privat halten“, entgegnete sie und spießte mit ihrer Gabel eine Olive auf.

„Ich weiß“, bestätigte er. „Na los, was ist geschehen?“

Cecelia zögerte.

Ganz sicher würde sie Luka nicht auf die Nase binden, dass immerzu pikante Bilder von ihm in ihrem Kopf aufgetaucht waren! Oder dass sie einfach nicht mehr zufrieden gewesen war, nachdem er in ihrem Leben aufgekreuzt war.

Stattdessen präsentierte sie ihm eine entschärftere Version. „Ich entschied, dass die Vorstellung meiner Tante und meines Onkels von dem perfekten Mann für mich nicht der meinen entsprach.“

„Ihre Tante und Ihr Onkel?“, hakte Luka nach, dem einfiel, dass Cecelia ihre Tante als nächste Angehörige angegeben hatte.

„Nach dem Tod meiner Mutter haben sie mich großgezogen.“

„Wie alt waren Sie?“

„Acht“, presste Cecelia hervor, denn das Thema behagte ihr nicht. Luka hingegen schien fest entschlossen, heute Abend alles zu erfahren.

„Und Ihr Vater?“

Sie schüttelte leicht den Kopf, was ihm sagte, dass dieses Thema tabu war.

Noch nie hatte sie jemandem erzählt, dass sie ihrem Vater nur ein einziges Mal begegnet war.

Er hatte dunkles Haar und trug einen Ehering am Finger.

Mehr wusste Cecelia nicht. Das und die Tatsache, dass er ihre Mutter angeschrien hatte. Als das Geld aufgebraucht war, hatte Harriet ihn angerufen und ihm gesagt, dass er ein Kind hatte. Allerdings löste das nicht die Reaktion aus, die ihre Mutter erwartet hatte.

Eine freudige Begrüßung gab es nicht. Wutentbrannt blickte er der Kleinen in die Augen, sodass Harriet ihre verstörte Tochter rasch auf ihr Zimmer schickte.

Von dort hörte Cecelia viel Geschrei und sie erfuhr, dass ihre Mutter von ihrem Vater eine beträchtliche Summe erhalten hatte für … Die Siebenjährige konnte mit dem Wort, das sie nun hörte, nichts anfangen.

Bald danach hatte Cecelia jedoch zu ihrem großen Kummer erfahren, wofür ihr Vater ihrer Mutter Geld bezahlt hatte. Für eine Abtreibung …

„Über meinen Vater möchte ich nicht sprechen“, sagte sie kategorisch.

„Schön.“ Er zuckte die Schultern, dann lächelte er verschmitzt. „Erzählen Sie mir eben mehr über Ihren Verlobten.“

„Exverlobten“, betonte sie.

„Stimmt.“

Dass es vorbei war, hatte er damals nur erraten, weil sie keinen Ring mehr trug und seine Anrufe ausblieben. Keine Tränen, keine Abwesenheiten, keine Einschränkung ihrer Effizienz.

„Haben Sie es beendet?“

Cecelia nickte knapp.

„Wie nahm er es auf?“

„Luka!“, rief sie warnend.

„Ich bin nur neugierig. Ich habe es nie so lange ausgehalten, dass es zu einer Verlobung kommen konnte. Ich kann mir nicht vorstellen, jemandem so nahezukommen.“ Mit leicht zusammengekniffenen Augen versuchte er, seine PA einzuschätzen, was ihm jedoch seit ihrem Kennenlernen nicht gelungen war. „Gab es einen anderen? Haben Sie deshalb Schluss gemacht?“

„Natürlich nicht“, erwiderte sie empört.

„Lebten Sie zusammen?“

„Ich möchte mein Privatleben nicht mit Ihnen besprechen. Und Sie möchten das auch nicht“, bekräftigte sie.

„Doch, will ich.“

„Nein, Luka, wirklich nicht. Ich mag mich mit Ihren Exfreundinnen befassen, aber ich weiß rein gar nichts über Sie …“

„Das stimmt nicht.“

„Wie lange ist Ihre Mutter schon krank?“

Er knirschte mit den Zähnen, was Cecelia mit einem wissenden Lächeln bedachte, als sie an ihrem Glas nippte.

„Na schön.“ Nachdem sie das Glas abgestellt hatte, sagte er ernsthaft: „Ich werde es aber vermissen, Sie nicht kennenzulernen.“

Und Cecelia würde ihn mehr vermissen, als ihm bewusst war.

„Kann ich etwas tun, um Sie umzustimmen?“

Überrascht sah sie zu ihm auf. Seine Stimme klang so verändert. So ehrlich.

„Nein“, erwiderte sie und räusperte sich. „Luka, ich bin noch einen Monat da und werde die geeignetste Nachfolgerin aussuchen. Ich werde sie selbst einarbeiten. Es war ein großartiges Jahr, aber ich bin bereit für eine neue Herausforderung.“

„Dann bin ich keine mehr?“

„Doch, natürlich“, wiegelte sie ab.

Tatsächlich war er eine ständige Herausforderung für ihre Sinne – kaum kam er in ihre Nähe, musste Cecelia gegen ihr Verlangen ankämpfen.

„Ist Ihr Essen nicht gut gewesen?“, erkundigte sie sich, nachdem sein Teller halb voll abgetragen wurde.

Luka zuckte gleichgültig die Schultern. Ihm ging anderes im Kopf herum.

„Was, wenn ich verspreche, Sie nicht mehr Cece zu nennen?“, schlug er vor. „Eine Gewohnheit zu ändern dauert 21 Tage.“

„Tatsächlich dauert es 66 Tage“, korrigierte Cecelia. „Dafür ist also keine Zeit. Aber danke für das Angebot.“ Und dann lächelte sie. Etwas, was sie sehr selten tat.

Das heißt, sie lächelte selten richtig. So wie jetzt. Doch schon schien es Cecelia selbst aufzufallen, und sie nahm ihr Lächeln zurück.

Für Luka wirkte das Verblassen ihres Lächelns, als ginge der Sommer zu Ende.

Was auch stimmte: In ein paar Wochen würde der Sommer vorbei sein. Zwar würde wieder einer kommen, aber eben nicht dieser.

„War Gordon aufgebracht, als Sie es beendet haben?“, fuhr Luka fort. „Und bevor Sie sagen, das sei privat … Ich weiß.“

„Wieso fragen Sie denn dann?“

„Sie sind die beste Assistentin, die ich je hatte. Ich wollte nicht riskieren, dass Sie kündigen, weil ich zu persönlich werde. Da Sie jetzt aber ohnehin gekündigt haben, muss ich mich nicht mehr benehmen.“

„Doch, müssen Sie.“ Auch wenn ihre Stimme ruhig blieb, sie spürte ein aufgeregtes Flattern in der Magengegend.

Daher beantwortete sie die Frage.

„Ja, er war aufgebracht. Aber, um ehrlich zu sein, glaube ich, dass es ihm eher peinlich war.“

„Nein, er war sicher sehr aufgebracht“, erklärte Luka mit tiefer, weicher Stimme und sah ihr direkt in die Augen. Plötzlich fühlte sich der kühle Wind vom Fluss her warm an.

Hin und wieder ignorierte Luka die professionellen Grenzen und flirtete mit ihr.

So wie jetzt.

Der seidenweiche Charme seiner Worte jagte Cecelia einen wohligen Schauer über den Rücken.

„Ich sollte zurück ins Büro“, meinte Cecelia, „und Ihre Videokonferenz vorbereiten.“

Doch er bevorzugte es, hier am Fluss sitzen zu bleiben. Mit ihr.

„Wir müssen erst noch über Ihre Nachfolge sprechen.“

„Ich habe bereits Ihre übliche Agentur informiert“, meinte Cecelia.

„Wurden Sie nicht von ihr vermittelt?“

„Nein.“ Cecelia schüttelte den Kopf.

„Ach, stimmt. Sie haben für Justin gearbeitet. Wie wurden Sie eigentlich zur persönlichen Assistentin?“

Und noch mehr Fragen, dachte sie. Zumindest war diese hier nicht privater Natur, sodass sie etwas freier antwortete. „Das war nie geplant. Als ich mit der Schule fertig war, wollte ich reisen“, sagte sie. „Oder auf die Universität gehen, aber …“ Cecelia zögerte. „Ein Freund meines Onkels brauchte eine Nanny in Frankreich. Ich sprach Französisch – na ja, zumindest ein wenig −, und er sagte, ich würde reisen können und gleichzeitig arbeiten.“

„Sie wollen sagen, der Treuhandfonds war erschöpft.“

„Entschuldigung?“ Cecelia blinzelte.

„Ihre Verwandten hatten sicherlich Geld bekommen, um Sie aufzuziehen, aber sobald sie achtzehn wurden …“

„Nein“, unterbrach Cecelia. „So war es überhaupt nicht.“ Sie schüttelte den Kopf. „Es war sehr nett, dass sie mich aufgenommen haben.“

„Hatten sie Kinder?“

„Nein“, antwortete sie und musste schlucken, denn ihrer Meinung nach waren die beiden bewusst kinderlos geblieben.

Und da sie immer das Gefühl gehabt hatte, ihnen im Weg zu stehen, zwickte Lukas Kommentar ein bisschen, obwohl sie es ihm gegenüber nie zugeben würde. „Mein Onkel hatte einen Freund, der eine Nanny brauchte.“

„Im Ernst, Cece! Sie? Eine Nanny?“

Er konnte sich die förmliche Cecelia überhaupt nicht bei der Arbeit mit Kindern vorstellen! Ein vergnügtes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

Herrje, dachte Cecelia. Er hat so einen schönen Mund.

„Ich habe es gehasst“, gab sie schließlich zu. „Vier Wochen hielt ich aus, bevor ich gekündigt habe. Dann fragte mich die Mutter, eine Fernsehproduzentin, ob ich stattdessen für sie arbeiten könne. Ich glaube, so ging es los.“

„Besuchen Sie Ihre Tante und Ihren Onkel noch?“

„Natürlich“, entgegnete Cecelia im Brustton der Überzeugung, musste sich aber insgeheim eingestehen, dass es immer von ihr und nicht von ihnen ausging.

Sie hatten ihr ja noch nicht einmal zum Geburtstag gratuliert.

Vielleicht hatte sie ja eine Postkarte im Briefkasten, wenn sie nach Hause kam.

Oder es lagen Blumen vor ihrer Tür.

Und doch wusste sie, dass nichts dergleichen der Fall sein würde.

Ihr Geburtstag war wieder einmal unbemerkt vorübergegangen, und das schmerzte.

Natürlich würde sie sich nichts anmerken lassen, aber Lukas Kommentar über den ausgetrockneten Treuhandfonds hatte sie durchaus irritiert.

„Möchten Sie einen Nachtisch?“, fragte er, obwohl er die Antwort kannte.

„Nein danke.“

„Zu dumm“, erwiderte er. „Denn Sie bekommen einen.“

In dem Moment, als sie fragen wollte, was er denn meinte, wechselte die aus dem Restaurant klingende Hintergrundmusik in eine sehr bekannte Melodie. Cecelia drehte sich um und sah einen Kellner mit einem Stück Kuchen und einer Kerze obendrauf auf sie zugehen.

Die Melodie war „Happy Birthday“!

Und sie wurde für sie gespielt.

„Luka …“

Cecelia war verlegen.

Erfreut.

Und völlig überrumpelt.

Noch nie hatte jemand so liebevoll an ihren Geburtstag gedacht.

Als Kind war ihr Ehrentag immer in die Schulferien gefallen, und ihrer Mutter gefielen nur Erwachsenenpartys, die kaum das waren, was Cecelia sich unter einer Geburtstagsfeier vorstellte. Nach ihrem Tod hatte Cecelia nicht so leicht Freunde gefunden. Tatsächlich hatte man sie auf dem Internat, in dem ihr Onkel und ihre Tante sie unterbrachten, auf niederträchtige Weise gemobbt.

Ab ihrem achtzehnten Geburtstag hatten ihre Tante und ihr Onkel dann sogar auf die oberflächliche Geburtstagskarte und das Pflichtgeschenk verzichtet, das immer, wirklich immer etwas gewesen war, das Cecelia brauchte, nie das, was sie sich vielleicht wünschte.

Heute war das erste Mal, dass sie an ihrem Geburtstag verwöhnt wurde.

Da waren zwei Löffel, und der Kuchen schmeckte köstlich – Vanillebiscuit, beträufelt mit dickem Zitronensirup, zugleich herb und erfrischend.

Sie teilte an ihrem Geburtstag einen Nachtisch mit Luka Kargas.

Cecelia fürchtete sich davor, Luka anzusehen, weil sie Tränen in ihren Augen vermutete.

„Hier … ist der andere Grund, weshalb ich heute ins Büro gekommen bin.“

Nun blickte Cecelia doch auf, gerade als seine Hand im Jackett verschwand und ein wunderschön verpacktes Geschenk herauszog, das er ihr über den Tisch hinschob.

Es war eine tiefrote Samtschachtel, um die ein Band geschlungen war, an dem ein goldener Glücksbringer hing.

Erstaunt runzelte Cecelia die Stirn, denn sie erkannte die Verpackung.

Auf einer ihrer gemeinsamen Geschäftsreisen hatte sie oft heimlich die Auslage einer luxuriösen Boutique im Foyer eines Florentiner Hotels bewundert, in dem sie abgestiegen waren. Wenn sie auf Luka warten musste, hatte sie sich die Freude gegönnt, die exquisiten Schmuckstücke zu betrachten.

Sie löste die Schleife, wollte aber noch eines wissen, weil sie Luka nicht ganz glauben wollte. „Sie sind doch nicht wirklich gekommen, weil es mein Geburtstag ist?“

„Natürlich. Am Geburtstag meiner Assistentin versuche ich, stets das Richtige zu tun.“

Luka wusste nur zu gut, dass er für Cecelia weit mehr getan hatte als das. Normalerweise gab es Blumen und Parfüm für seine PA oder einen Gutschein für ein Wellness-Hotel. Aber auf einer ihrer Geschäftsreisen vor ein paar Wochen hatte Luka zufällig mitbekommen, wie intensiv Cecelia die Schaufensterauslage eines der Hotelgeschäfte betrachtete.

Am folgenden Morgen hatte sie wieder fasziniert vor dem Schaufenster gestanden.

Und auch am nächsten.

Wochenlang hatte er die Schachtel mit Cecelias Geschenk in seinem Schreibtisch verstaut.

Letzte Nacht, kurz nachdem er ihr die SMS geschrieben hatte, hatte er sich an ihren Geburtstag erinnert.

Weil er die schlechten Neuigkeiten über seine Mutter verdrängen wollte, hatte Luka versucht, sich mit einer ausufernden Party abzulenken. Um nicht nach Hause zu müssen, hatte er sogar beschlossen, das Wochenende zu verlängern.

Doch dann war ihm das Geschenk für Cecelia wieder eingefallen.

„Oh!“ Sie erkannte die Kette sofort. „Wie in aller Welt …?“ Das Schmuckstück war einfach traumhaft! Glänzend und schwer, verschwenderisch mit Rubinen besetzt … Aber vielleicht waren es auch Steine aus Glas, sie war nicht sicher. Damals hatte Cecelia nicht nach dem Preis gefragt, denn er hätte in jedem Fall ihre Mittel gesprengt; sie hatte das Collier einfach bewundert, das war alles. „Luka, das ist viel zu viel.“

„Es könnte gleichzeitig als Abschiedsgeschenk gelten“, argumentierte Luka. „Möchten Sie es anlegen?“

„Nein“, sagte sie rasch, „ich warte, bis ich zu Hause bin.“

Sie würde den Verschluss sicher nicht unter Kontrolle bekommen, und die Berührung seiner Hände würde sie in Flammen aufgehen lassen, wenn er die sensible Haut ihres Halses auch nur leicht streifte.

Und die Brise vom Fluss war in diesem Moment auch keine Hilfe. Das dünne Jäckchen fühlte sich an wie ein dicker Umhang, und sie wusste einfach nicht, wie sie reagieren sollte.

„Woher wussten Sie überhaupt, dass ich Geburtstag habe?“, wollte Cecelia wissen, denn sie hatte es weder erwähnt noch in seinem Terminkalender notiert.

„Ich mache es mir zur Aufgabe, so etwas zu wissen.“ Er bemerkte, dass sie aufgewühlt war, und ihre Reaktion verdutzte ihn. Er hätte gedacht, dass sie daran gewöhnt war, wenn man einen Wirbel um ihren Geburtstag machte. Aber tatsächlich schien sie völlig überrascht zu sein. Ja, den Tränen nahe. „Vor zehn Jahren habe ich eine Assistentin gefeuert“, erklärte er, gerade als der Kellner zwei kleine Gläser, eine Ouzo-Flasche und eine Karaffe Eiswasser auf den Tisch stellte.

„Nein danke“, lehnte Cecelia ab, als dieser ihr einen einschenken wollte. „Und dann?“

Luka ließ sich nicht beirren und gab etwas Wasser in den Ouzo hinein, sodass die Flüssigkeit milchig weiß wurde.

Wie gern hätte Cecelia davon gekostet, aber sie musste wachsam bleiben. Es fiel ihr immer schwerer, sich daran zu erinnern, dass dies nur ein Geschäftsessen war.

„Sie fing an zu weinen.“

„Was Sie bei einer Frau normalerweise nicht stört.“

„Tut es nicht“, bestätigte er. „Aber während sie ihre Sachen packte, murmelte sie, es sei der schlimmste Geburtstag überhaupt. Sie war eine furchtbare Assistentin und verdiente den Rauswurf. Aber ihren Geburtstag wollte ich nicht ruinieren.“

„Es hat Ihnen tatsächlich leidgetan?“ Cecelia freute sich, dass er doch ein Gewissen zu haben schien.

„Ein bisschen. Seither versuche ich, das im Auge zu behalten. Normalerweise hätte ich Sie zum Mittagessen ausgeführt. Das hatte ich auch eigentlich geplant, aber dann war ich zu sehr mit Schmollen beschäftigt …“

Sie lächelte, und die Sonne ging auf.

„Da Sie Geburtstag haben, dachte ich, Sie hätten Pläne für heute Abend. Deshalb fragte ich, wann Sie gehen müssen.“

„Nein, keine Pläne.“

Es war der beste Geburtstag aller Zeiten.

Was nicht so sehr am Wert des Geschenks lag, sondern an den Gedanken, die sich Luka ihretwegen gemacht hatte …

Dass er überhaupt bemerkt hatte, dass sie das Collier ansah!

Und das bestätigte: Es war gut, dass sie ging.

In ihrer Kindheit bekam Cecelia ständig die Warnung zu hören, ja nicht so zu werden wie ihre Mutter. Und dass Männer wie Luka sie nur hinters Licht führen wollten.

Trotzdem spürte Cecelia in sich manchmal die Sehnsucht nach einem Abenteuer.

Wie heute zum Beispiel.

Es wäre so einfach, ihm mit einem Kuss zu danken.

Allerdings wusste sie, wohin das führen würde. Und sie wollte, dass es dahin führte.

Schwer zu überzeugen wäre Luka sicher nicht!

Er war schließlich ein Playboy.

Obwohl er – zumindest bei ihr – stets der perfekte Gentleman war. Gut, vielleicht nicht perfekt und vielleicht auch nicht immer ein Gentleman, aber im Großen und Ganzen achtete er ihre Grenzen und hatte nie offen mit ihr geflirtet.

Stumm betrachtete Luka seine verwirrte PA. Er spielte nur dort, wo er willkommen war. Außerdem funktionierte seine Welt viel besser mit Cecelia. Er erkannte Talent – und sie war geradezu brillant in ihrem Job. Luka wusste nur zu genau, dass er die beste Assistentin verlieren würde, die er je gehabt hatte, wenn er dieser ewigen Lust nachgab, die in ihm brannte.

Aber was hat mir mein gutes Benehmen eingebracht? dachte Luka. Er hatte sie dennoch verloren. Nun, zumindest konnte er jetzt noch versuchen, etwas mehr über Cecelia herauszufinden.

„Wie ist Ihre Mutter gestorben?“, fragte Luka und erwartete insgeheim, dass Cecelia ihn mit einer ihrer üblichen Antworten abspeisen würde: Das ist zu persönlich, Luka!“ oder „Das geht Sie nichts an.“

Tatsächlich wollte sie gerade etwas in der Art antworten, da fiel ihr ein, dass sie gekündigt hatte. Sie musste nicht mehr perfekt sein. Also sagte Cecelia ihm das, was sie wusste.

„Ich glaube, sie starb an einer Überdosis Kokain.“

4. KAPITEL

Oh, Cecelia!

Luka hatte nicht erwartet, überhaupt etwas über den Tod ihrer Mutter zu erfahren, geschweige denn so etwas. Eine Überdosis Kokain! Die steife, kontrollierte Art seiner PA schien einen ganz anderen Grund zu haben, als Luka bisher vermutet hatte …

Doch statt etwas zu sagen, saß Luka ruhig da und schwieg. Zum einen wollte er nichts Falsches sagen, zum anderen hoffte er inständig, dass Cecelia ihm noch mehr erzählen würde, wenn er sie nicht bedrängte.

Cecelia gefiel sein geduldiges Schweigen. Sie war dankbar, dass Luka das, was sie gesagt hatte, einfach so hinnahm.

„Es soll auf einer Party passiert sein“, fügte sie schließlich hinzu.

„War es eine einmalige …“

Cecelia schüttelte den Kopf. „Nein. Es kam regelmäßig vor. Meine Mutter liebte es zu feiern und zügellos zu leben.“

„Und Sie haben bei ihr gelebt?“

„Ja.“

„Wie war das?“

Wie gerne hätte sie schöne Erinnerungen an ihre Kindheit gehabt. Wie gern hätte Cecelia jetzt gesagt, dass sie trotz allem geliebt worden war. Das konnte sie jedoch nicht, also beschrieb sie ihr damaliges Leben mit einem einzigen Wort. „Unsicher.“

Ja, Luka konnte Cecelia nun besser verstehen.

Das erklärte ihren Widerwillen, sich gehen zu lassen und Spaß zu haben. Und da griff sie auch schon nach ihrer Handtasche und erhob sich.

„Wir sollten zurück“, erklärte Cecelia, die der Ansicht war, entschieden zu viel gesagt zu haben.

„Nein, setzen Sie sich“, forderte Luka sie auf, doch sie schüttelte den Kopf.

„Ich habe keine Zeit, am Fluss zu sitzen und in Erinnerungen zu schwelgen“, widersprach sie. „Und Sie auch nicht. Um zehn ist das Gespräch mit Garcia.“

„Er kann warten.“

Aber sie wollte nicht.

Cecelia ging rasch davon. Wieso hatte sie Luka so viel erzählt? Sonst tat sie doch alles, um ihre Vergangenheit zu verbergen.

Ihr war zum Weinen zumute, als sie daran dachte, wie ihre sogenannten Freunde sie im Internat mit den Skandalgeschichten über den Tod ihrer Mutter gequält hatten. Jedes peinliche Detail aus den Zeitungsartikeln wurde im Schlafsaal immer wieder durchgehechelt. Und in den Ferien war es nicht viel besser gewesen. Ihre Tante und ihr Onkel hatten über ihre Mutter nur missbilligende Worte gefunden – wenn sie überhaupt mit Cecelia sprachen.

Und für Gordon? Nun ja, für ihn war ihre Mutter sie, deren Name nicht genannt werden darf. Ein schändlicher Teil von Cecelias Vergangenheit, den man am besten vergaß.

Nur Luka hatte mehr wissen wollen.

„Warten Sie!“, rief er und holte sie bald ein, auch wenn sie ihr Tempo nicht drosselte. „Wieso laufen Sie weg, wenn wir reden?“

„Weil die Arbeit wartet, weil …“

Das hier ist nur ein Geschäftsessen. Unablässig musste sie sich daran erinnern. Sich mit ihrem Chef einzulassen wäre schlicht verrückt. Dass sie ihn haben konnte, war nichts, worauf sie stolz sein sollte. Sie kannte Luka sehr gut und wusste daher, dass es nur für eine Nacht sein würde, bestenfalls für ein paar Wochen.

Und wie es enden würde, wusste sie auch, schließlich hatte sie es nur allzu oft miterlebt. Das einzige Problem war, dass sie nicht wusste, ob sie sich je davon erholen würde.

Derart starke Gefühle hatte sie bisher für niemanden empfunden.

Luka Kargas war ihre einzige Schwäche – aber sie durfte dieser Schwäche nicht nachgeben.

Nach ihrem traumhaften Dinner am Flussufer fuhren sie schweigend mit dem Aufzug ins Büro. Dort machte Cecelia sich daran, die Besprechung vorzubereiten, die schon so oft verschoben worden war. Sie sorgte dafür, dass Lukas Notizen bereitlagen, und versuchte vergeblich, seinen allgegenwärtigen Duft zu ignorieren, während sie mit Garcias Assistentin Stacey sprach.

„Er braucht noch etwa eine halbe Stunde“, verkündete diese. Cecelia zuckte innerlich zusammen, denn sie sehnte sich nach Feierabend. „Können Sie …“ Ihre Stimme brach ab und der Bildschirm wurde schwarz. Da erst ging Cecelia auf, dass Luka den PC gerade absichtlich ausgeschaltet hatte.

„Was tun Sie denn da?“, fuhr sie auf.

„Ich mag es nicht, wenn man mich warten lässt.“

„Aber das Gespräch heute Morgen haben doch Sie abgesagt!“

„Sie können ja morgen sagen, die Verbindung wäre unterbrochen worden. Ich kann jetzt keine Besprechung über Zahlen abhalten.“

„Na schön!“, blaffte sie.

Wieso machte überhaupt noch irgendjemand Geschäfte mit diesem unmöglichen Mann?

Weil Luka brillant ist, beantwortete sie sich die Frage. Die anderen würden warten.

„Ich will mit Ihnen reden“, sagte Luka.

„Ist es geschäftlich?“

„Nein.“

„Dann gibt es nichts zu besprechen. Ich gehe für Sie packen“, meinte Cecelia, „und dann gehe ich nach Hause.“

Entschlossen verließ sie das Büro und ging über den Flur zu Lukas Suite. Dort angekommen, sah sie sich unsicher um. Was sollte sie für diesen Reisezweck einpacken? Nach einer Weile verließ sie die Suite frustriert und kehrte zu Luka zurück. Wie bereits am Morgen lehnte er lässig an ihrem Schreibtisch und sah sie aufmerksam an.

„Ich weiß nicht, was ich einpacken soll“, gab sie zu. „Bleiben Sie heute Nacht hier?“

Luka nickte.

„Dann kann ich in Ihre Stadtwohnung gehen und eine etwas legerere Garderobe auswählen. Ich bringe Ihnen das Gepäck morgen früh mit.“

„Klar.“

Scheu nahm sie ihre Tasche und lächelte ihn angespannt an. „Danke für das Essen und den Kuchen – und für mein exquisites Geschenk.“

„Gern geschehen.“

Sein dunkler Blick begegnete ihrem, und sie fragte sich, ob sie ihn auf die Wange küssen sollte. Das würde sie normalerweise bei jedem anderen tun, der ihr so einen schönen Abend beschert hatte. Nur dass Luka nicht jeder andere war.

Aber ausgerechnet heute Abend entglitt ihr die Kontrolle, und so beugte sie sich zu ihm und hauchte ihm einen leichten Kuss auf die Wange.

Sie berührte ihn kaum mit ihren Lippen und hielt sogar den Atem an, um die Wirkung auf ihre Sinne zu schmälern. Sie würde ihn später schmecken: Im Aufzug würde sie mit der Zunge über ihre Lippen fahren und sich seine warme Haut an ihrem Mund in Erinnerung rufen.

Und das Ziehen, das sie in ihrer Brust spürte, als sie sein Hemd leicht streifte.

Obwohl sie am liebsten ihre Tasche fallen gelassen und ihrem Verlangen nach diesem Mann nachgegeben hätte, beherrschte sich Cecelia und trat einen Schritt zurück.

Luka wollte jetzt auf keinen Fall einen Fehler machen.

Denn obwohl Frauen für ihn sonst wie ein offenes Buch waren … bei Cecelia konnte er sich einfach nicht sicher sein.

So oft hatte sie ihn mit Blicken zurechtgewiesen, dass er beinahe die Ohrfeige spüren konnte, die sie ihm verpassen würde, falls er sich falsch benahm.

Was er jedoch gerne in Kauf nehmen würde …

„Bis morgen“, verabschiedete Cecelia sich und beeilte sich, aus der Gefahrenzone zu kommen.

Und trotzdem … „Wenn Sie jedoch vorher noch etwas brauchen …“

Hunderte, ja Tausende Male hatte sie diese Worte bereits gesagt, doch heute Abend klangen sie anders.

Und auch seine Antwort war eine andere: „Ich will mit dir zusammen sein.“

Nein, sie versetzte ihm keine Ohrfeige, sie starrte ihn nur an. Als sie dachte, sie würde endlich von ihm geküsst werden, spürte sie seine Hände auf ihren Armen.

„Willst du die Kette nicht doch anlegen?“

Atemlos nickte sie.

„Lass mich helfen.“ Er nahm ihr die Tasche ab, holte das Präsent hervor und ließ die Tasche zu Boden gleiten.

Langsam öffnete er die rote Samtschachtel, und während sie beobachtete, wie seine schmalen Finger die glitzernden Steine berührten, setzte ihre Atmung aus.

Luka hörte es, spürte, wie spannungsgeladen die Luft war, atmete den Duft der Verführung.

„Dreh dich um!“, wies er sie an und stand auf.

Cecelia gehorchte und drehte das Gesicht der Wand zu.

Sie hatte gewusst, wie dieser Abend enden würde, dieses Jahr. Dass sie es miteinander beenden würden. Aber es war einerlei – denn sie würde sowieso gehen.

Cecelia wollte gerade ihren Pferdeschwanz hochheben, doch er schob ihre Hand beiseite. „Ich hab das im Griff“, erklärte Luka.

Seine Hände an ihrem Hals zu spüren, die Berührung seiner Finger an ihrer pulsierenden Ader, raubte ihr den Atem. Er war groß und – dessen war sie sich sicher – hart. Wie gern hätte sie sich an ihn gelehnt.

Er legte ihr die Halskette an und hakte den Verschluss zu, doch anstatt sie herumzudrehen und sie zu bewundern, ließ er seine Hände zu dem winzigen Bolero wandern. „Ich hasse das Ding.“ Seine Worte hallten in ihr wider, als er ihr den Stoff von den Schultern streifte und das Jäckchen zu Boden fallen ließ.

Luka würde nichts überstürzen. Viel zu lange hatte er auf diesen Moment gewartet. Sie erzitterte, als er mit den Fingern über die nackte Haut ihrer Arme strich.

Danach hatte er sich schon den ganzen Abend gesehnt.

„Luka …“

Sacht hob er ihr Haar und fuhr mit seinen Fingern aufreizend über ihren nackten Rücken. Endlich! Der Gedanke an ihre zarte Haut hatte Luka schon den ganzen Morgen verrückt gemacht.

Sie spürte den sanften Kuss seiner Lippen auf ihrem Nacken, und die Botschaft war wie ein Versprechen.

„Ich will das Collier so an dir sehen, wie es sich gehört“, flüsterte er und löste den Knoten ihres Neckholderkleids. Als er ihren hautfarbenen trägerlosen BH öffnete, biss sie sich auf die Lippe.

Ihre Brüste fühlten sich schwer an, und sie sehnte sich nach seiner Berührung, doch erst löste er ihr Haar und fächerte es auf, dass es ihr in sanften Wellen über die Schultern fiel. Dabei streifte er für einen kurzen Moment ihre Brust.

Er fühlte ihre harten Brustwarzen, und schlagartig war er es, der unregelmäßig atmete. Sein Verlangen, sie zu betrachten, war übermächtig! Doch Luka entschied, dass er nackt sein wollte, wenn sie sich zum ersten Mal küssten.

Cecelias, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Sie hörte ein Geräusch und sah sich um: Luka warf gerade sein Jackett über einen Stuhl. Rasch wandte sie ihren Blick zur Wand, denn sie war unsicher, ob sie es ertragen würde, ihn beim Ausziehen zu beobachten.

So hörte sie nur, wie er sich das Hemd auszog. Der Gedanke an seine nackte Brust ließ sie schwanken.

Ihre Knie zitterten. Sie würde nicht mehr lange stehen können. Doch da spürte sie seine Hände auf ihren Schultern, hörte eine weitere Anweisung: „Dreh dich um.“

Sie drehte sich um und sah ihn an, ihr sonst so blasses Gesicht vor Erregung gerötet. Kein Vorwurf stand in ihren grünen Augen, sondern ein Versprechen auf das, was kommen würde.

„Sie sieht wunderschön aus.“

So schön die Kette zwischen ihren Brüsten auch strahlte, er schenkte ihr nur einen flüchtigen Blick, denn Luka hatte die Vollkommenheit woanders gefunden. Heftig durchzuckte ihn die Lust. Er wollte Cecelia schmecken, sie mit seinen Fingern erkunden, obwohl sie sich noch nicht einmal geküsst hatten.

Sanft streiften seine Lippen über ihre. Der flüchtige Kontakt mit seiner Haut reizte ihre Brüste, dann zog er sie so leidenschaftlich in seine Arme, dass sie aufstöhnte. Er schmeckte nach Anis, verboten und süß.

Und dann küsste er sie zügellos. Stürmisch erwiderte sie seinen Kuss, denn schließlich sehnte sie sich schon so lange danach. Cecelia befreite ihre Hände und schlang die Arme um seinen Nacken, dass sie ihn eng an sich ziehen konnte.

Er hatte Zurückhaltung erwartet, damit gerechnet, dass er ihre Zunge herausfordern musste. Stattdessen entflammten sie miteinander ein drängendes Verlangen. Die Frau, die kaum errötete, die stets so kühl und distanziert war, brannte lichterloh unter seiner Berührung. Luka musste innerlich lächeln, als er daran dachte, dass er vorgehabt hatte, sie ganz langsam zu verführen. Die Frau in seinen Armen war keine Jungfrau – sie war sexy und wild.

Luka presste sich an ihre Hüften, und sie packte ihn fester an den Haaren.

Sie knabberten aneinander, küssten sich heiß und feucht, während Luka sie gegen die Wand drückte. Sie war dankbar für den Halt, denn ihre Beine zitterten.

Luka drängte sich an sie, packte ihre Hände und führte sie über seinen flachen Bauch hinab zu der harten Hitze seiner Erektion.

Weil es Luka war, hatte er natürlich einen Schutz zur Hand. Doch bevor er das Latex überstreifte, hielt ihn Cecelia einen Moment in der Hand, tat, wonach sie sich schon so lange sehnte: Sie streichelte seine stahlharte Männlichkeit, und einzelne Tropfen der Lust befeuchteten ihre Handfläche.

Sie leckte sich über die Lippen, und Luka entfuhr ein leiser Fluch. Jetzt sofort wollte er sie in seine Suite tragen, ihr die restlichen Kleider vom Leib reißen. Aber so lange konnte er nicht mehr warten. Er schob ihre Hand weg und streifte sich mit geübter Hand den Schutz über, dann wandte er sich wieder ihrem Mund zu.

Er war so groß, dass Cecelia ihm selbst in hohen Schuhen nicht gewachsen war.

Ihre Zähne stießen aneinander, und plötzlich konnte es nicht schnell genug gehen. Er schob ihr Kleid nach oben. Rau streichelte er die Innenseiten ihrer Schenkel, fühlte, wie heiß und feucht sie war. Mit einem kräftigen Ruck riss er ihr Höschen entzwei. Dann ging er gerade so weit in die Knie, um in sie eindringen zu können.

Luka war gröber, als Cecelia es gewohnt war, aber sie war seidig feucht und ebnete ihm so den Weg.

Noch nie war sie so erregt gewesen! Als er sie hochhob, schlang sie ihre Beine um ihn. Er war stark, und sein Griff war fest genug, sodass sie sein Gesicht umfassen und ihn hemmungslos küssen konnte.

Wild und spektakulär war diese Vereinigung.

Denn sie passten perfekt zueinander.

Er hielt ihren Po umklammert und seine Finger gruben sich so tief ein, dass sie sicher blaue Flecke davontragen würde. Trotzdem drängte sie sich ihm entgegen, trieb ihn dazu an, zu kommen.

„Luka!“ Sie konnte ihn jetzt nicht mehr küssen, riss ihren Mund von seinen Lippen los. Er fühlte das Spiel ihrer zuckenden inneren Muskeln, vergrub sich tief in ihrer köstlichen Hitze. Sein Glied schien im Gleichklang zu ihrem Orgasmus anzuschwellen und zu pulsieren. Ihr sinnliches Stöhnen trieb ihn dazu an, gemeinsam mit ihr zu kommen. Jetzt …

Tief in ihr ergoss sich Luka zu den letzten Zuckungen ihrer Lust.

Cecelia wurde plötzlich ganz schwindlig vor Glück. Sein atemloses Stöhnen an ihrem Ohr. Die langsamen, sinnlichen Bewegungen ihrer heißen, feuchten Körper, als sie allmählich den göttlichen Ort ihres Zusammenseins verließen. Der tiefe Kuss, den sie teilten, als die Wirklichkeit langsam zu ihnen zurückkehrte.

Er setzte sie ab, und sie spürte sein Herz heftig an ihrer Brust klopfen. Cecelia lehnte den Kopf an seine Schulter. Das erste Mal in ihrem Leben fühlte sie sich voll und ganz wie sie selbst.

„Komm.“ Er war schon dabei, die Kleidung aufzusammeln. Bereit, mit ihr in seine Suite zu gehen, um dort in seinem Bett weiterzumachen, wo sie gerade aufgehört hatten. Nur sehr viel gemächlicher.

Cecelia entschied jedoch, dass sie nicht dort aufwachen würde.

Einmal vom Paradies zu kosten war mehr als genug, und sie hatte sich immer geschworen, zu gehen, bevor Luka die Bedingungen diktierte.

„Ich muss nach Hause.“

Sie hob ihren BH auf, stopfte ihn in ihre Tasche.

„Cece …“, setzte er an, und sie korrigierte ihn nicht. Stattdessen griff sie nach dem zerrissenen Höschen, das ebenfalls in ihrer Handtasche verschwand. Dann band sie sich den Nackenträger mit zittrigen Händen zu.

„Ich muss wirklich nach Hause, Luka.“

„Du läufst also nicht weg.“

„Nein. Ich will nur heim.“

Ihre Stimme klang unglaublich gefasst. Wahrscheinlich hätte Luka sie über seine Schulter werfen müssen, um sie am Gehen zu hindern! Denn Cecelia hatte sich entschieden.

Im Normalfall wäre das perfekt gewesen: ein großartiger Orgasmus ohne anschließende Pflichtkonversation. Nur dass Luka sich jetzt zu gerne noch mit Cecelia unterhalten hätte …

„Danke für eine wundervolle Nacht“, sagte Cecelia. Dann lehnte sie sich zu ihm und küsste ihn so förmlich auf die Wange, als hätte es die vergangene halbe Stunde nie gegeben.

„Geh noch nicht“, bat Luka.

„Aber ich möchte es gerne.“

Dem konnte er nicht widersprechen. Also sah er ihr zu, wie sie zum Aufzug ging und den Knopf drückte.

Cecelia trat ein und betätigte die Taste für die Lobby. Sie lehnte sich gegen die kühlen Spiegel, wenig überrascht von dem, was passiert war.

Unten angekommen, trat sie aus dem Fahrstuhl und durchquerte das Foyer.

Cecelia verabschiedete sich vom Portier und trat in die Nacht hinaus, doch leider empfing sie keine kühle Brise.

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