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JULIA EXTRA BAND 441

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Ein griechisches Fest der Liebe

PROLOG

Vom Balkon drangen vertraute Männerstimmen herein, doch Holly wollte erst einen günstigen Moment abpassen, bevor sie sich dazugesellte. Mit offenen Armen würde sie von Apollo nicht empfangen werden, so viel war klar. Doch sie durfte ihm nicht einfach aus dem Weg gehen, schließlich war sie mit Apollos bestem Freund Vito verheiratet. Die beiden Männer kannten sich schon seit ihrer Internatszeit und waren wie Brüder füreinander. Sie standen immer in Kontakt, ganz egal, ob sie sich gerade am selben Ort aufhielten oder Tausende Kilometer zwischen ihnen lagen.

Holly wusste, warum Apollo etwas gegen sie hatte: Er sah sie als die mittellose Frau, der ein steinreicher Ehemann ins Netz gegangen war.

Sie hatte Vito vorgeschlagen, zu Hause zu bleiben, statt ihn zur Trauerfeier von Apollos Vater zu begleiten. Doch Vito war entsetzt gewesen, dass sie so etwas überhaupt in Erwägung ziehen konnte. Also hatte Holly klein beigegeben.

Der Aufenthalt auf Nexos, der Privatinsel der Familie Metraxis, war bisher alles andere als angenehm gewesen. Zur Trauerfeier waren zahllose Menschen gekommen, darunter auch jede einzelne von Apollos Exstiefmüttern samt Anhang. Dass Apollo wütend aus dem Raum gestürmt war, als später das Testament des Patriarchen verlesen wurde, hatte die Stimmung auch nicht gerade verbessert.

Sein Vater hatte offenbar verfügt, dass sein Sohn das Familienunternehmen erst erben würde, wenn er geheiratet hatte. Dabei hatte Apollo dieses Unternehmen bereits seit Jahren kommissarisch geführt, weil sein kranker Vater dazu nicht mehr in der Lage gewesen war.

Diese Information hatte Vito ihr vorhin zugeflüstert, aber auch nur, weil Holly keine Ruhe gegeben hatte. Apollo musste wie vom Donner gerührt sein. Ausgerechnet er sollte heiraten? Der Playboy, dem nichts mehr zuwider war als die Ehe?

„Du kennst doch genug Frauen, Apollo. Heirate eine von ihnen, lass dich wieder scheiden, und du hast deine Ruhe“, raunte Vito ihm gerade zu.

Holly schnappte nach Luft. So ein Vorschlag von ihrem Ehemann, den sie über alles liebte?

„So einfach, wie du es darstellst, wird es wohl kaum sein“, entgegnete Apollo mürrisch. „Wie soll ich sie denn wieder loswerden? Die Frauen kleben ja förmlich an mir. Außerdem gibt es da noch ein Problem: Wie soll ich verhindern, dass die Frau den Deal ausplaudert? Wenn herauskommt, dass die Ehe nur auf dem Papier besteht, werden meine Exstiefmütter gegen mich prozessieren, um an das Erbe meines Vaters zu kommen.“ Finster blickte er vor sich hin. „Sobald ich einer Frau sage, dass ich sie nicht will, fühlt sie sich verletzt und sinnt unweigerlich auf Rache. Nein, Vito, so einfach ist das nicht.“

Geduldig schaute Vito seinen besten Kumpel an. „Dann schließt du eben einen Vertrag mit deiner Auserwählten ab, an den ihr euch beide strikt haltet. Bei deinem Frauenverschleiß kann es allerdings schwierig werden, eine weibliche Person zu finden, die kein Hühnchen mit dir zu rupfen hat …“

Jetzt oder nie, dachte Holly und gesellte sich zu den Männern. „Es ist eine gute Idee, diese Angelegenheit wie eine Geschäftsbeziehung zu betrachten“, bemerkte sie vorsichtig.

Apollo sah sie abschätzig an. Selbst im schwarzen Anzug versprühte er den für ihn typischen rebellischen Charme. Das schwarze Haar reichte ihm bis auf die Schultern, die Augen glitzerten wie Smaragde. Unter einer Hemdmanschette lugte eine kunstvoll gestaltete Drachentätowierung hervor. Apollo wirkte unkonventionell, gefährlich und arrogant. Der konservative Vito war das genaue Gegenteil.

„Wer hat dich denn um deine Meinung gebeten?“, fragte Apollo trocken.

„Drei Köpfe sind schlauer als zwei.“ Ungerührt setzte Holly sich zu den beiden Männern.

Apollo warf ihr einen arroganten Blick zu. „Ach ja?“

Holly ließ sich nicht beirren. „Ja. Du solltest die Sache nüchtern betrachten, statt ein Drama daraus zu machen.“

„Holly!“ Vito warf seiner Frau einen warnenden Blick zu.

„Ist doch wahr“, rechtfertigte sie sich. „Apollo neigt zur Übertreibung. Es wird doch wohl vernunftbegabte Frauen geben, die sich von seinem Charme nicht beeindrucken lassen.“

„Ach ja? Kennst du eine?“, fragte Apollo herausfordernd.

Sie dachte angestrengt nach. Dieser Mann war superreich und sah fantastisch aus. Wenn er einen Raum betrat, konnten neun von zehn Frauen nicht die Blicke von ihm reißen …

Doch dann lächelte Holly triumphierend. „Meine Freundin Pixie kann dich nicht leiden. Einigen anderen Frauen wird es bestimmt ebenso gehen.“

„Pixie?“ Apollo schüttelte den Kopf und wechselte einen entsetzten Blick mit Vito.

„Sie kommt wohl kaum infrage“, warf Vito schnell ein. Er hatte seiner Frau nicht alles gesagt. Im Gegensatz zu Holly wusste er genau, was in der testamentarischen Verfügung von Apollo verlangt wurde …

Schon die Erwähnung des Namens von Hollys bester Freundin genügte, um Apollo wütend zu machen. Die Frau war eine bettelarme Friseurin!

Er war nur zu genau im Bilde über Holly und Pixie. Sowie Holly aufgetaucht war und behauptet hatte, Vitos Sohn Angelo zur Welt gebracht zu haben, hatte Apollo einen Privatdetektiv damit beauftragt, das Leben der beiden Frauen bis in den dunkelsten Winkel zu beleuchten.

Dabei hatte sich herausgestellt, dass Pixie schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Ihr Bruder war hochverschuldet und Pixie hatte aus für Apollo unerfindlichen Gründen die Schulden übernommen. Der Bruder hatte eine heftige Abreibung bekommen, weil er die Schulden nicht rechtzeitig beglichen hatte. Beim Versuch, ihren Bruder zu beschützen, war Pixie zwischen die Fronten geraten und einmal sogar mit gebrochenen Beinen im Rollstuhl gelandet.

Hollys Freundschaft zu einer Frau mit solch einem düsteren Hintergrund hatte Apollos Misstrauen nur bestärkt. Bis zum heutigen Tag war ihm unverständlich, wieso Vito sich sofort bereit erklärt hatte, Holly zu heiraten.

Seit der Hochzeit wartete er nur darauf, dass Pixie ihre Freundschaft zu Holly ausnutzen und um finanzielle Unterstützung bitten würde. Sehr zu seiner Verwunderung war das bisher nicht geschehen. Apollo war darüber erleichtert, denn es widerstrebte ihm, sich ein weiteres Mal einzuschalten. Durch sein feindseliges Verhalten während Vitos Hochzeit hatte er Holly schon genug gegen sich aufgebracht.

Pixie Robinson. Nachdenklich sah er Vito und Holly nach, die gerade Hand in Hand im Haus verschwanden, um sich vor dem Essen umzuziehen. Den Anblick der zierlichen Blondine, die im Rollstuhl der Hochzeit ihrer besten Freundin beigewohnt hatte, würde er nicht so schnell vergessen. Den ganzen Tag über hatte sie ihm finstere Blicke zugeworfen.

Holly musste verrückt sein, den Namen überhaupt zu erwähnen. Natürlich war sie voreingenommen, denn Pixie war ja ihre beste Freundin. Trotzdem konnte sie doch wohl nicht im Ernst vorschlagen, dass Apollo Pixie heiraten und schwängern sollte, oder?

Apollo schüttelte sich innerlich. Dann fiel ihm ein, dass Holly diese unerhörte Verfügung im Testament seines Vaters ja gar nicht kannte.

Ich habe den alten Herrn gründlich unterschätzt, dachte Apollo wütend. Vassilis Metraxis hatte schon immer alles für den Fortbestand des Familiennamens getan. Fünfmal hatte er nach seiner ersten Ehe geheiratet, um einen weiteren Erben zu zeugen. Doch immer vergeblich! Apollo war inzwischen dreißig Jahre alt und der einzige Nachkomme des Patriarchen. Wie oft hatte Vassilis ihn unmissverständlich aufgefordert, endlich zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen. Das hatte Apollo kategorisch abgelehnt. Er war fest entschlossen, ledig und kinderlos zu bleiben. Daran konnten auch die geldgierigen Stiefmütter mit ihren Kindern aus anderen Ehen nichts ändern. Apollo hatte immer ein gutes und sogar inniges Verhältnis zu seinem Vater gehabt. Nur in diesem einen Punkt waren sie sich uneinig geblieben.

Auch deswegen hatte Vassilis’ Verfügung Apollo einen heftigen Schock versetzt. Er sollte zunächst das Unternehmen weiterführen und durfte sich des gewohnten Wohlstands erfreuen. Doch die Sache hatte einen Haken. Sollte er nicht innerhalb von fünf Jahren heiraten und einen Erben produzieren, würde das Metraxis-Vermögen zu gleichen Teilen unter den Exfrauen seines Vaters aufgeteilt werden. Dabei hatten sie alle bereits bei den Scheidungen großzügige Abfindungen erhalten.

Fassungslos musste Apollo zur Kenntnis nehmen, dass sein verstorbener Vater ihn aus dem Grab hinaus zu erpressen versuchte.

Nachdenklich schaute er aufs stürmische Meer hinaus. Mit großer Wucht donnerten die Wellen gegen die Felsen.

Apollos Großvater hatte Nexos erworben und den Familiensitz dort bauen lassen. Die verstorbenen Mitglieder der Familie Metraxis lagen auf dem kleinen Friedhof hinter der Dorfkirche. Dazu gehörte auch Apollos Mutter, die bei seiner Geburt gestorben war.

Die Insel war Apollos Zuhause. Nirgendwo sonst fühlte er sich heimisch. Die Vorstellung, diese Heimat zu verlieren, war ihm unerträglich. Diese enge Verbundenheit mit der Insel, dem Sitz seiner Familie, dem Familiennamen wurde ihm erst jetzt bewusst. Heirat, Ehe, Familie war für ihn bisher immer unvorstellbar gewesen. Er hielt nichts von der Ehe, betrachtete diese Institution als Farce. Sein Vater mit seinen sechs gescheiterten Ehen war ja das beste Beispiel. Apollo hatte sich geschworen, niemals ein Kind zu zeugen. Ihm selbst war in seiner Kindheit übel mitgespielt worden. So ein Schicksal wünschte er niemandem.

Doch nun zwang sein Vater ihn aus dem Jenseits dazu, sich zu verheiraten und einen Erben zu zeugen. Sollte Apollo sich dem letzten Willen seines alten Herrn widersetzen, würde er alles verlieren – die Insel mit dem Familiensitz, das Familienunternehmen, einfach alles.

Er hatte keine Wahl. Seine Prinzipien musste er über Bord werfen. Am schlimmsten traf ihn aber die Tatsache, dass er seine Freiheit aufgeben musste, um das Familienerbe für sich zu retten. Er war gezwungen zu heiraten, gezwungen, mit einer Frau zusammenzuleben, gezwungen, ein Kind zu zeugen, das er niemals hatte haben wollen. Wie sollte er das alles so schnell in die Wege leiten?

Vitos Vorschlag, einfach eine Frau für diese Aufgaben zu engagieren, war wohl die einzige Lösung. Irgendwo auf der Welt gab es bestimmt eine Frau, die ihn heiraten würde, wenn er sie gut dafür bezahlte. Natürlich musste sie Stillschweigen über die Vereinbarung bewahren und durfte die Geschichte nicht an die Medien verkaufen.

Wie aber sollte er eine Frau finden, der er vertrauen konnte? Ich muss etwas gegen sie in der Hand haben, dachte Apollo. Sonst plaudert sie mein Geheimnis womöglich doch aus.

Nachdenklich sah er vor sich hin. Es musste eine Frau sein, die ihn ebenso brauchte wie er sie und sich deshalb strikt an seine Anweisungen halten würde. Pixie Robinson war eine Option, auch wenn ihm das nicht passte. Er könnte die Schulden ihres Bruders übernehmen und sie damit unter Druck setzen. Sie würde den Mund halten, um ihren Bruder zu schützen. Und Apollo könnte sein Erbe antreten und das Familienimperium behalten … Ja, Pixie war definitiv eine Option.

Doch im Grunde traute Apollo keiner Frau über den Weg. Kein Wunder, denn seine erste Stiefmutter hatte ihn ins Internat gesteckt, als er kaum vier Jahre alt gewesen war. Die zweite Stiefmutter hatte ihn immer wieder verprügelt. Die dritte hatte ihn verführt. Die vierte hatte seinen geliebten Hund einschläfern lassen. Die fünfte hatte versucht, seinem Vater ein Kind unterzuschieben. Den unzähligen Frauen, mit denen Apollo seither ins Bett gegangen war, hatte er ebenso misstraut wie seinen Stiefmüttern. Sie alle waren darauf aus gewesen, ihn während der kurzen Affären um möglichst viel Geld zu erleichtern. All diese Erlebnisse hatten Apollos Frauenbild geprägt. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es auch Frauen gab, die einem Mann keinen Schaden zufügen wollten.

Mit Ausnahme von Holly, gab er widerstrebend zu. Es war offensichtlich, wie sehr sie Vito und ihr gemeinsames Kind liebte. Also gab es doch noch einen anderen Frauentyp: Frauen, die zur Liebe fähig waren. Aber so eine Frau konnte Apollo nicht gebrauchen. Liebe würde alles nur noch komplizierter machen. Nein, das kam für ihn nicht infrage. Er brauchte eine Frau, die er kontrollieren konnte, eine Frau, die alles tat, was er verlangte.

Erneut kreisten seine Gedanken um Pixie – und um ihren hochverschuldeten Bruder. Sie muss ziemlich dumm sein, fuhr es ihm durch den Kopf, sonst hätte sie ihrem Bruder wohl kaum geholfen und dadurch ihr eigenes Leben ruiniert. Das wäre mir nie passiert, dachte Apollo. Zum ersten Mal war er froh, keine Geschwister zu haben. Pixie fühlte sich wohl für ihren Bruder verantwortlich. Aber war sie auch bereit zu heiraten und ein Kind zu bekommen, um ihren Bruder zu retten?

Holly hatte eben behauptet, dass Pixie ihn nicht ausstehen könnte. Offensichtlich war der armen Holly verborgen geblieben, wie begehrlich ihre beste Freundin Apollo angesehen hatte, wenn sie sich unbeobachtet gefühlt hatte.

Ein wissendes Lächeln umspielte Apollos sinnliche Lippen. Ja, die zierliche Blondine war definitiv eine Option. Also gut, er würde Pixie auf den Prüfstand stellen. Schließlich hatte er ja nichts zu verlieren.

1. KAPITEL

„Guten Morgen, Hector.“ Schlaftrunken streichelte Pixie den kleinen Terrier, der es sich auf ihrem Bauch gemütlich gemacht hatte.

Dann stand sie auf, suchte das winzige Badezimmer auf, das sie sich mit den anderen Mietern teilte, zog sich an und griff nach der Leine, die sie an Hectors Halsband befestigte. Auf ging es zum Morgenspaziergang um den Block.

Ängstlich beäugte der kleine Terrier den großen Hund auf der anderen Straßenseite. Hector hatte vor allem und jedem Angst, wahrscheinlich sogar vor seinem eigenen Schatten. Zuhause verhielt er sich ruhig und friedlich. Pixie hatte ihn noch nie bellen hören.

„Wahrscheinlich hat man es ihm als Welpe verboten“, vermutete der Tierarzt, dessen Praxis neben dem Friseursalon lag, in dem Pixie arbeitete. „Er hat Angst, Aufmerksamkeit zu erregen. Er wurde offensichtlich misshandelt. Davon abgesehen ist er aber gesund und noch sehr jung.“

Noch immer war es Pixie ein Rätsel, wie sie sich dazu überreden lassen konnte, in ihrer schwierigen Situation den kleinen Hund aufzunehmen. Aber sie hatte schon ganz andere Probleme bewältigt! Und der junge Terrier war ihr innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen. Außerdem hatte er sie darüber hinweggetröstet, dass Holly und Angelo zu Vito nach Italien gezogen waren.

Sie hatte ihre beste Freundin verloren. Noch belastender für Pixie war jedoch, dass sie Holly nichts von Patricks Spielschulden erzählen durfte. Ihre Freundin hätte augenblicklich vorgeschlagen, die Schulden zu übernehmen. Doch Patrick war nicht Hollys und Vitos Problem, sondern Pixies – und das schon seit dem Tod ihrer Mutter.

Auf dem Sterbebett hatte Margery Robinson ihrer Tochter das Versprechen abgenommen, sich um Patrick zu kümmern. „Er ist ein so sanftmütiger Junge, und hat nur noch seine große Schwester.“

Es war fast unmöglich gewesen, das Versprechen zu halten, denn Patrick und sie waren zu unterschiedlichen Pflegefamilien gekommen. Erst als Pixie ihre Ausbildung zur Friseurin abgeschlossen hatte und Geld verdiente, konnte sie Patrick regelmäßig in London besuchen.

Auch Patrick hatte inzwischen seine Lehre beendet und arbeitete bei einem großen Bauunternehmen als Elektriker. Er hatte eine Freundin. Leider hatte er aber auch Gefallen am Kartenspiel gefunden … Der Mann, bei dem er Spielschulden hatte, war sehr gefährlich. Holly hatte versucht, Patrick zu helfen. Sie sparte an allen Ecken und Kanten, zog aus dem geräumigen Reihenhaus aus, das sie sich mit Holly geteilt hatte und lebte nun in einem preiswerten Zimmer. Bad und Küche teilte sie sich mit anderen Mietern.

Jede Woche schickte sie Patrick Geld, doch der Schuldenberg wuchs durch die horrenden Zinsen immer weiter. Und Patrick wurde verprügelt, wenn er die Raten nicht rechtzeitig bezahlte.

Ihr brach noch immer der Angstschweiß aus, wenn sie sich an den Abend erinnerte, als während ihres Besuchs bei Patrick plötzlich Schuldeneintreiber aufgetaucht waren. Die Schlägertypen standen vor der Tür und verlangten Geld. Als er ihnen verzweifelt mitteilte, er könnte die fällige Rate nicht bezahlen, fingen sie an, auf ihn einzuprügeln. Pixie hatte sich mutig dazwischen geworfen – und war dabei die Treppe hinuntergestürzt.

Beide Beine hatte sie sich dabei gebrochen. Die Folgen dieses Unfalls waren verheerend. Pixie hatte nicht mehr arbeiten können und war auf Krankengeld angewiesen gewesen.

Der Unfall lag nun sechs Monate zurück. Langsam kehrte wieder Normalität in Pixies Leben ein. Doch Patricks Schuldenberg wuchs weiter! Sein Leben war in Gefahr, ihr mutiger Einsatz hatte überhaupt nichts bewirkt. Der Mann, bei dem Patrick Spielschulden hatte, wurde immer ungeduldiger. Er wollte sein Geld zurück, oder er würde ein Exempel an Patrick statuieren, um anderen Schuldnern Angst einzujagen.

Nach ihrer Morgenrunde setzte Pixie den kleinen Hund zu Hause wieder in seinem Körbchen ab und machte sich auf den Weg zum Frisiersalon. Leider hatte sie kein Auto mehr, denn sie hatte Clementine verkauft, um Patrick das Geld zu geben. In der Kleinstadt brauchte sie ja eigentlich keinen Wagen. Hier ließ sich auch alles zu Fuß erreichen.

In der Mittagspause wollte sie Hector zu einem kleinen Spaziergang abholen und unterwegs ein Sandwich essen.

Freundlich begrüßte sie im Salon ihre Kolleginnen und ihre Chefin Sally. Als sie im Personalraum ihre Sachen verstaute, erschrak Pixie als sie ihr eigenes Spiegelbild erblickte. Seit wann sah sie so langweilig aus? Sie war doch erst dreiundzwanzig Jahre alt! Die Jeans und das schwarze Top gehörten in die Altkleidersammlung. Ihr Teint war zwar immer noch frisch und makellos, aber ihr Make-up war nicht gerade aufregend und ihr naturblondes Haar fiel ihr einfach offen auf die Schultern. Die Tage, in denen sie sich an unterschiedlichsten Styles ausprobiert hatte, lagen definitiv hinter ihr! Seufzend wandte Pixie sich ab und widmete sich den Kundinnen.

Nachdem sie die abgeschnittenen Haare ihrer dritten Kundin zusammengefegt hatte, warf Pixie einen Blick ins Auftragsbuch. Seltsam, den Namen des nächsten Kunden kannte sie gar nicht. Männer ließen sich normalerweise von Pixies einzigem männlichen Kollegen die Haare schneiden.

Pixie sah auf, als die Tür aufging. Und wer betrat den Salon? Kein Geringerer als Apollo Metraxis!

Er steuerte direkt auf sie zu. „Ich bin dein Zwölf-Uhr-Termin.“

Sprachlos musterte sie ihn, dann hatte sie sich von der Überraschung erholt. „Was tust du denn hier? Ist was mit Holly oder Vito?“, fügte sie beunruhigt hinzu.

„Nein, ich brauche einen Haarschnitt“, antwortete er, ohne sich darum zu scheren, dass alle Blicke auf ihn gerichtet waren. Er war daran gewöhnt.

In schwarzer Motorradjacke, schwarzen Jeans und Stiefeln wirkte er noch größer als sonst. Wie gebannt ruhte Pixies Blick auf dem perfekt gebauten Mann mit den ungewöhnlichen hellgrünen Augen. Was hatte dieser griechische Milliardär, der noch nie zuvor auch nur ein Wort mit ihr gewechselt hatte, an ihrem Arbeitsplatz verloren? Der Typ war Vitos Trauzeuge gewesen und hatte auf der Hochzeit eine unmögliche Rede gehalten, über die Pixie sich sehr aufgeregt hatte.

„Tut mir leid, ich habe gleich einen Kunden“, erklärte sie knapp.

„John Smith.“ Apollo lächelte frech. „Das bin ich. Der Name muss dir doch verdächtig vorgekommen sein.“

Darauf ging Pixie nicht ein. „Also gut“, sagte sie. „Ich nehme dir die Jacke ab.“

Wortlos zog Apollo die Lederjacke aus und reichte sie Pixie. In dem kurzärmligen T-Shirt kam sein muskulöser Oberkörper perfekt zur Geltung. Zum Vorschein kam nun auch die Drachentätowierung auf dem Arm, die Pixie schon bei Hollys Hochzeit fasziniert hatte.

Entschlossen riss sie sich zusammen, nahm die schwere Jacke und hängte sie an die Garderobe neben dem Empfangstresen.

„Komm rüber zum Spülbecken!“ Bei dem Gedanken, Apollo gleich mit eigenen Händen berühren zu müssen, wurde Pixie plötzlich ganz aufgeregt …

Apollo musterte sie. Pixie war noch kleiner als erwartet. Die zierliche Person reichte ihm ja kaum bis zur Brust. Am auffälligsten waren ihre wunderschönen ausdrucksvollen grauen Augen. Die kleine Stupsnase war niedlich, die wie eine Rosenknospe geformten Lippen luden zum Küssen ein. Der makellose helle Teint erinnerte an feinstes Porzellan. Pixies war eine natürliche Schönheit, die kein Make-up benötigte.

Apollo nahm auf dem Frisierstuhl Platz, und Pixie drapierte einen Umhang um seine breiten Schultern. Dann legte sie ihm noch ein Handtuch über. Sie war wild entschlossen, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

„Was führt dich ausgerechnet in diesen Salon?“, erkundigte sie sich neugierig.

„Das errätst du nie.“ Apollo lehnte sich zurück, damit das Haar im Spülbecken gewaschen werden konnte.

Bewundernd fuhr sie durch das dichte, blauschwarz schimmernde Haar und überging Apollos Bemerkung. „Wann hast du unsere gemeinsamen Freunde zuletzt gesehen?“

„Vergangene Woche, bei der Trauerfeier für meinen Vater.“

Pixie merkte auf. „Oh, das tut mir sehr leid“, sagte sie mitfühlend.

„Wieso sollte es dir leid tun?“, fragte Apollo abfällig. „Du hast ihn nicht gekannt, und mich kennst du auch nicht.“

Sein Tonfall ärgerte sie. Kräftiger als nötig verteilte sie das Shampoo in seinem Haar. „Ich wollte nur höflich sein und mein Beileid ausdrücken.“

„Empfindest du denn Mitleid?“

Am liebsten hätte Pixie ihn von Kopf bis Fuß nass gespritzt. Mühsam riss sie sich zusammen. „Natürlich empfinde ich Mitleid mit Menschen, die einen nahen Verwandten verloren haben.“

„Er war schon lange krank. Sein Tod kam also nicht unbedingt überraschend“, erklärte Apollo und schloss die Augen.

Pixie bewunderte die unglaublich langen schwarzen Wimpern und widmete sich geistesabwesend der Arbeit. Was wollte Apollo hier? Sie konnte sich sein überraschendes Auftauchen nicht erklären.

„Erzähl doch mal von dir“, forderte Apollo sie unvermittelt auf.

„Wozu?“

„Weil ich dich darum bitte“, antwortete er.

„Ich würde aber lieber etwas über dich erfahren“, entgegnete Pixie. „Was führt dich nach England?“

„Ich habe geschäftlich hier zu tun und nutze die Gelegenheit, Freunde zu besuchen“, erzählte er lässig.

Pixie verteilte etwas Pflegespülung im Haar und begann, Apollos Kopfhaut zu massieren. Ich habe ihn gar nicht gefragt, ob er das möchte, dachte Pixie nervös, machte aber trotzdem weiter.

Apollo entspannte sich. Ob sie wohl auch andere Massagen anbot. Im Bericht des Privatdetektivs hatte er nichts zu Pixies Liebesleben gefunden. Vielleicht war das darauf zurückzuführen, dass sie mit zwei gebrochenen Beinen mehr oder weniger ans Haus gefesselt gewesen war.

Diese rhythmische Massage … Apollo stellte sich vor, wie die splitterfasernackte Pixie woanders Hand anlegte. Sein Körper reagierte sofort, wie Apollo irritiert feststellen musste. Andererseits war es ein gutes Zeichen. Hätte er Pixie nicht attraktiv gefunden, wäre sein Projekt auf der Stelle gescheitert.

Apollo brauchte Sex wie die Luft zum Atmen, sonst konnte er sich nicht entspannen. Seine letzte Affäre hatte er vor der Trauerfeier seines Vaters beendet, seither hatte er enthaltsam gelebt.

Für ihn war das eine lange Zeit! Als Pixie jetzt das Shampoo aus seinem Haar spülte, wurden Apollos Fantasien immer eindeutiger. Wieder und wieder stellte er sich vor, wie Pixie sich über ihn beugte und ihn mit ihrem süßem, herzförmigem Mund verwöhnte …

Erleichtert stand Apollo auf, nachdem das Haar trocken gerubbelt war und setzte sich auf einen anderen Stuhl.

Wortlos kämmte Pixie das dichte Haar. „Was soll gemacht werden?“, fragte sie dann und begegnete Apollos Blick im Spiegel.

„Mach es mit mir!“, hätte Apollo fast gefordert. Noch nie zuvor hatte sein Körper so schnell und so heftig auf eine Frau reagiert.

„Schneiden, aber nicht zu kurz“, stieß er stattdessen heiser hervor und zerbrach sich den Kopf, wieso ausgerechnet dieses blonde Püppchen so eine Wirkung auf ihn hatte. Vielleicht, weil sie nicht seinem Beuteschema entsprach. Er hatte eine Vorliebe für große schlanke Blondinen. Eine Abwechslung wäre gar nicht schlecht. Es wäre ein Bonus, wenn es mit Pixie gut im Bett liefe. Wenn sie ihm dann auch noch schnell einen Erben schenken würde, wollte er sie auf Händen tragen. Ihr sollte es nie wieder an etwas fehlen.

Dazu musste sie aber zuerst auf seinen Vorschlag eingehen. Es wäre durchaus möglich, dass sie ihm einen Korb gab. Das wäre allerdings das erste Mal. Jedenfalls durfte er nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Wenn Pixie wusste, was er von ihr wollte, und ihn abwies, bestand die Gefahr, dass sie mit der Story an die Presse ging, um genug Geld herauszuholen, um die Schulden ihres Bruders zu begleichen.

Plötzlich unterbrach Pixie das Haareschneiden und fing geistesgegenwärtig den Garderobenständer auf, den eine ältere Kundin umgestoßen hatte.

Im Spiegel beobachtete Apollo, wie Pixie die heruntergefallenen Jacken und Mäntel sorgfältig wieder aufhängte. Hinreißende Kurven! dachte er bewundernd.

Im nächsten Moment konzentrierte sie sich wieder auf den Job, fuhr gelegentlich fast liebkosend durch sein Haar und setzte dann wieder die Schere an.

Verstohlen musterte Apollo ihr ausdrucksvolles Gesicht. Will sie mich anmachen? überlegte er. Nein, sie konzentrierte sich völlig auf ihre Aufgabe. Trotzdem stellte er sich wieder vor, wie sie mit ihren schlanken Händen über seinen sexhungrigen Körper strich. Ihm wurde immer heißer.

Nun griff Pixie zum Föhn. Sie bestand darauf, die wilde Mähne zu bändigen, obwohl Apollo ihr versicherte, er könnte das Haar auch selbst föhnen.

Zum ersten Mal in ihrem Berufsleben fiel es Pixie schwer, Distanz zu wahren. Es war unglaublich sinnlich, die Hände durch Apollos erstaunlich seidiges Haar gleiten zu lassen. Apollos Duft mit der leichten Zitrusnote stieg ihr in die Nase. Am liebsten hätte sie ihn genießerisch eingesogen. Der Mann entfesselte heiße Lust in ihr. Die Nippel waren hart vor Erregung, auch das süße Ziehen in ihrem Schoß war ein untrügliches Zeichen, wie sehr Apollo sie anmachte. Diese heftige Reaktion auf den berüchtigten Playboy machte ihr Angst.

Kaum trat Pixie einen Schritt zurück, um ihr Werk zu bewundern, sprang Apollo auch schon auf. Hastig reichte sie ihm die schwarze Lederjacke. Apollo zog sie an, griff in die Taschen und stutzte.

„Meine Brieftasche ist weg!“

„Ach, du liebe Zeit.“ Pixie sah ihn entsetzt an.

Die grünen Augen glitzerten eisig. „Hast du sie herausgenommen?“, fragte er misstrauisch.

„Wie bitte?“ Schockiert musterte sie ihn. Hatte Apollo sie gerade des Diebstahls bezichtigt?

„Du hast mir die Jacke abgenommen und aufgehängt“, sagte Apollo so laut, dass es jeder im Salon hören konnte. „Wenn du mir die Brieftasche sofort zurückgibst, werde ich die Angelegenheit vergessen.“

„Willst du wirklich allen Ernstes behaupten, ich hätte dich bestohlen?“, rief Pixie außer sich.

Sally eilte heran, um die Wogen zu glätten.

„Rufen Sie die Polizei!“, verlangte Apollo von Pixies Chefin.

Pixie wurde kreidebleich. Ein Albtraum! Was war denn in Apollo gefahren? Plötzlich stieg ein absurder Gedanke in ihr auf. Hatte er es von Anfang an darauf angelegt, sie des Diebstahls zu bezichtigen? Dafür hätte er nur sein Portemonnaie zu Hause lassen müssen. Aber warum sollte er so etwas tun?

Und wer würde ihr glauben? Apollo war ein Mann von Welt, während sie … Ihr wurde übel. Hastig wandte sie sich um, lief in den Personalraum und erbrach sich ins Waschbecken.

Apollo hatte sie dem schlimmsten Albtraum ausgesetzt, den es für Pixie nur geben konnte! Ihr Vater hatte immer wieder wegen Einbruch hinter Gittern gesessen. Ihre Mutter war eine professionelle Ladendiebin gewesen, die im Auftrag anderer stahl.

Hätte Pixie eine Geldbörse auf dem Fußweg gefunden, sie hätte sie nicht angerührt, aus lauter Angst, man könnte sie des Diebstahls bezichtigen. Von klein auf hatte Pixie unter der kriminellen Vergangenheit ihrer Eltern gelitten. Sie hatte diese schreckliche Angst nie überwinden können …

2. KAPITEL

Pixie kannte den Polizisten, der wenig später im Salon eintraf, vom Sehen. In der Kleinstadt kannte jeder jeden, und der Mann mittleren Alters ging hier regelmäßig Streife.

Zunächst musste Apollo Angaben zur Person machen. Daran hatte er nicht gedacht. Vielleicht hätte er doch nicht gleich nach der Polizei verlangen sollen. Er wollte unbedingt anonym bleiben, sonst bekam die Presse noch Wind von dieser Angelegenheit. Das wiederum wollte er Pixie Robinson nicht antun, selbst wenn er sich in seiner Meinung über sie bestätigt fühlte. Sie nutzte offenbar jede Gelegenheit, an Geld zu kommen. Die Brieftasche eines Milliardärs war ihr da wohl gerade recht gekommen.

Ungläubig musterte der Polizist ihn, als er hörte, wie viel Geld Apollo bei sich gehabt hatte.

Mit bebender Stimme berichtete Pixie detailliert, was seit Apollos Eintreffen im Salon geschehen war. Pixie war völlig aufgelöst und konnte kaum sprechen, zumal Apollo am Tresen lehnte und sie keine Sekunde lang aus den Augen ließ, wenn er nicht gerade einen Blick auf seine goldene Armbanduhr warf. Offensichtlich hatte er noch einen Termin. Oh, am liebsten hätte Pixie ihn zum Mond geschossen. Wie konnte er ihr nur so etwas antun?

Sein rüdes Verhalten bei Vitos und Hollys Hochzeitsfeier hatte sie ja schon vorgewarnt: Apollo war alles andere als ein Gentleman. Er hatte einen immensen Frauenverschleiß, dabei konnte er Frauen nicht ausstehen. Keine Affäre dauerte länger als zwei Wochen …

„Vergiss nicht, dass du die Jacken und Mäntel aufgehoben und wieder aufgehängt hast, nachdem die alte Frau den Garderobenständer umgerannt hatte.“ Apollo sah sie streng an.

„Willst du mir unterstellen, bei der Gelegenheit deine Brieftasche genommen zu haben?“, fragte Pixie wütend. Hasserfüllt musterte sie ihn.

„Vielleicht ist die Brieftasche ja heruntergefallen“, schlug der Polizist vor und ließ den Blick suchend über den Boden gleiten. „Haben Sie schon unterm Tresen nachgesehen?“

„Es wäre sinnvoller, diese Frau und ihre Handtasche zu durchsuchen“, sagte Apollo mit Blick auf Pixie.

„Erst schließen wir alle anderen Möglichkeiten aus, Mr. Metraxis.“ Der Polizist beugte sich über den Papierkorb.

Apollo zog nur indigniert eine Augenbraue hoch.

Er ist so selbstgerecht, dachte Pixie wütend. Nichts würde seine vorgefasste Meinung über sie ändern. Erneut wurde ihr übel. Ich habe seine Brieftasche nicht, aber das glaubt mir sowieso keiner. Bald wird mich jeder in dieser Kleinstadt für eine Diebin halten. Meinen Job bin ich dann natürlich auch los. Pixie war völlig verzweifelt. Niemand würde einen Friseursalon aufsuchen, in dem eine Diebin arbeitete.

Der Polizist zog eine Zeitung aus dem Papierkorb und sah hinein. Im nächsten Moment hielt er eine braune Lederbrieftasche in der Hand. „Ist das Ihre, Mr. Metraxis?“, fragte er triumphierend.

Sichtlich überrascht nickte Apollo und griff nach seinem Eigentum. „Ja.“

„Offensichtlich ist die Brieftasche in den Papierkorb gefallen, als die Kundin gegen den Garderobenständer gelaufen ist“, stellte Sally fest, erleichtert über die Lösung des Rätsels.

„Oder Pixie hat sie dort versteckt, um sie später an sich zu nehmen“, murmelte Apollo missmutig.

„Das hätte sich auch alles ohne meine Mithilfe geklärt, wenn Sie nach der Brieftasche gesucht hätten“, bemerkte der Polizist ungehalten. „In Zukunft sollten Sie mit Ihren Anschuldigungen zurückhaltender sein, Mr. Metraxis.“

Die Kritik stieß bei Apollo auf taube Ohren. „Ich bin immer noch nicht überzeugt, dass die Brieftasche versehentlich im Papierkorb gelandet ist“, entgegnete er stoisch. „Schließlich stammt diese Frau aus einer kriminellen Familie.“

Schockiert musterte sie ihn. Woher konnte er das wissen?

„Ich bin aber nicht vorbestraft!“, entgegnete sie knapp und sah zu, wie Apollo einen Geldschein auf den Tresen legte. Eilig gab Sally das Wechselgeld heraus.

„Ich an Ihrer Stelle würde diese Unterhaltung privat weiterführen und nicht in der Öffentlichkeit“, riet der Polizist trocken und verließ den Salon.

„Nimm dir für den Rest des Tages frei, Pixie“, schlug Sally sofort vor. „Tut mir leid, dass ich gleich die Polizei angerufen habe, aber …“

„Schon gut, Sally.“ Der Kunde hatte ja immer recht, daher hatte Sally gar keine andere Wahl gehabt. Jetzt war der Albtraum vorbei.

Erleichtert atmete Pixie auf. Die Ereignisse der vergangenen halben Stunde hatten sie sehr mitgenommen. Sie war den Tränen nahe. Schnell entschuldigte sie sich, um sich im Personalraum wieder zu fangen. Schließlich holte sie ihre Handtasche aus dem Spind, fuhr sich über die Augen, um die Tränen zu trocknen. Es war ihr gleichgültig, ob sie dabei den grauen Eyeliner verschmierte. Sie wollte nur noch nach Hause und Trost bei Hector suchen.

Die Kundinnen verfolgten sie mit Blicken und riefen ihr aufmunternde Worte zu, als Pixie durch den Salon zur Tür ging. Pixie hatte jedoch nur Augen für den großgewachsenen Mann, der draußen wartete. Was will der denn noch hier? überlegte sie wütend. Hatte er nicht schon genug Unheil angerichtet?

„Pixie!“

„Du Mistkerl! Lass mich gefälligst in Ruhe!“

„Ich bin extra hergekommen, um etwas mit dir zu besprechen“, erklärte er.

„Vergiss es!“, zischte sie wütend.

Apollo musterte sie unnachgiebig. „Steig ein! Ich bringe dich nach Hause.“

Sie fluchte nur laut.

Im nächsten Augenblick hatte Apollo sie bereits hochgehoben und trug sie über die Straße. Außer sich schlug sie ihm mit der geballten Faust ins Gesicht.

Apollo zuckte nicht einmal zurück, sondern verfrachtete Pixie seelenruhig auf den Rücksitz der Limousine. „Du bist ja eine kleine Wildkatze“, sagte er nur und schlug die Wagentür zu, nachdem er sich ebenfalls auf den Rücksitz gezwängt hatte.

„Lass mich sofort raus!“, wütete Pixie.

„Sowie der Wagen vor deinem Haus steht“, entgegnete Apollo und rieb sich die Wange, die nun doch etwas schmerzte.

„Nein, sofort! Du kriegst eine Anzeige wegen Entführung, das schwöre ich dir.“

„Willst du wirklich so aufgelöst und mit verschmiertem Gesicht zu Fuß nach Hause gehen?“, fragte er ungläubig.

„Klar! Das ist immer noch besser, als von dir nach Hause gebracht zu werden“, stieß sie wütend hervor.

Zu spät, die Limousine bog bereits ab und befand sich nun in Pixies Wohnstraße. Eine Minute später hielt der Wagen, und Pixie stieg hastig aus und eilte zum Haus.

Gelassen folgte Apollo ihr.

Außer Atem schloss Pixie die Haustür auf, betrat das Treppenhaus und wirbelte zu Apollo herum, der gerade die Tür hinter sich schloss. „Woher weißt du von meiner Familie?“, fragte sie wütend.

„Das verrate ich dir, wenn du mich hineinbittest.“

„Warum sollte ich? Du bist so ein Schuft!“

„Du weißt genau, dass ich nur deinetwegen hier bin. Interessiert dich gar nicht, warum?“

„Nein.“

„Auch nicht, wenn es um deinen missratenen Bruder geht?“

Die Erwähnung ihres Bruders änderte alles. Sofort ließ Pixie den großen Mann in ihre Wohnung hinein. „Was hast du mit Patrick zu tun?“

„Ich weiß alles über dich, deinen Bruder, deinen familiären Hintergrund und über Holly“, erklärte Apollo und sah sich in der kleinen schäbigen Wohnung um. „Als Holly plötzlich mit dem Baby bei Vito auftauchte und behauptete, Angelo wäre sein Sohn, habe ich einen Privatdetektiv beauftragt, euch auszuforschen.“

Schockiert wich Pixie zurück. Sie blieb erst stehen, als sie den Bettrahmen hinter sich fühlte. „Was hast du damit bezweckt?“

„Vito ist viel zu gutgläubig. Da habe ich beschlossen, euch mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Im Fall der Fälle hätte ich Vito dann vor möglichem Schaden bewahren können.“ Interessiert schaute Apollo in eine dunkle Ecke, wo ein kleiner Hund gerade versuchte, sich unsichtbar zu machen.

Pixie hatte den Blick aufgefangen. „Das ist Hector. Am besten ignorierst du ihn einfach. Er hat fürchterliche Angst, besonders vor Männern. Sag mal, meinst du nicht, Vito ist alt genug, um selbst auf sich aufzupassen?“

„Vito hat keine Ahnung von der dunklen Seite des Lebens.“

Im Gegensatz zu dir, vermutete Pixie. Sie wusste, dass Apollo schon seit seiner Kindheit in Skandale verstrickt gewesen war. Sein Vater hatte immensen Reichtum angehäuft, war etliche Male verheiratet gewesen, immer mit Frauen, die höchstens halb so alt waren wie er. Jede Hochzeit, jede Scheidung wurde genüsslich von der Boulevardpresse begleitet. Apollos Leben spielte sich im grellen Scheinwerferlicht der Medien ab. Genau dieser Mann stand nun in ihrem winzigen Zimmer.

Der Mann mit dem Ruf eines unverbesserlichen Playboys, auf dessen Jacht sich halbnackte Blondinen sonnten. Der Milliardär, der zudem noch so unverschämt gut aussah wie der griechische Sonnengott, nach dem er benannt worden war. Pixie selbst hatte es bei seinem Anblick auf Hollys Hochzeitsfeier den Atem verschlagen. Wo immer Apollo auftauchte, stand er sofort im Mittelpunkt. Sein Sexappeal war legendär und ließ auch Pixie nicht kalt. Schließlich war sie auch nur eine Frau.

Ein leises Winseln riss Pixie aus den Gedanken. Der arme Hector! Sofort griff sie nach der Leine. „Hector muss jetzt Gassi gehen“, erklärte Pixie und zog den verstörten kleinen Terrier aus der dunklen Ecke, leinte ihn an und hob ihn hoch. Zärtlich schmiegte sie eine Wange an sein weiches Fell und flüsterte beruhigend auf das zitternde Wesen ein.

„Ich komme mit. Wir müssen etwas besprechen“, sagte Apollo.

„Ich will aber nicht, dass du mitkommst. Du hast heute schon genug Schaden angerichtet. Mich des Diebstahls zu bezichtigen, war ja wohl eine riesengroße Unverschämtheit.“

„Ich weiß, dass du Geld brauchst. Deshalb nahm ich an …“

Wütend wirbelte Pixie herum. „Ich hoffe, diese falsche Beschuldigung war dir eine Lehre!“

„Bist du eigentlich immer so streitlustig?“

„Nein, nur bei dir.“ Sie wandte sich wieder ab. „Meinetwegen kannst du hier auf mich warten. Ich bin in einer Viertelstunde zurück.“ Entschlossen zog sie die Tür hinter sich zu.

Während des Spaziergangs überlegte sie, was Apollo mit ihr besprechen wollte. Er wusste also von Patrick, den Schulden, und in welcher Gefahr er schwebte. Patrick war kein schlechter Mensch, er war irgendwie in die Sache hineingeschliddert, hatte nicht geahnt, in welche Gefahr er sich mit dem Kartenspielen begab. Wie jeder Spielsüchtige hatte er sich an die Hoffnung geklammert, eines Tages das ganz große Geld zu gewinnen. Als er seinen Irrtum erkannt hatte, war er bereits hochverschuldet. Verzweifelt versuchte er seitdem, den Schuldenberg abzutragen. Tagsüber arbeitete er als Elektriker, abends als Barkeeper.

Während des kurzen Spaziergangs zerbrach Pixie sich den Kopf darüber, was Apollo von ihr wollte. Sie konnte sich zwar nicht vorstellen, dass er bereit war, Patrick zu helfen, trotzdem beschloss sie, auch nur nach dem kleinsten Strohhalm zu greifen. Selbst wenn sie Patrick noch so sehr unterstützte, es würde nie reichen, ihn aus der Schuldenfalle zu befreien.

Währenddessen wartete Apollo in Pixies winzigem Zimmer ungeduldig auf ihre Rückkehr. Sie hatte ihn einfach hier sitzen lassen. Das war ihm noch nie passiert. Ungehalten fluchte er vor sich hin. Aber Pixie hatte ihren eigenen Kopf und ließ sich nicht beirren. Einfach würde eine Ehe mit ihr sicher nicht werden.

Geistesabwesend ließ er den Blick über das schmale Bücherregal neben dem Bett gleiten. Dann zog er ein Buch heraus. Es interessierte ihn, was Pixie las. Das Titelbild sprach für sich: ein Degen schwingender Pirat in Stulpenstiefeln. Apollo amüsierte sich. Pixie schien eine heimliche Romantikerin mit Hang zum Abenteuer zu sein.

Plötzlich bemerkte Apollo, wie hungrig er war. Entschlossen zückte er das Handy und bestellte Mittagessen für sich und Pixie.

Kurz darauf kehrte sie zurück und ließ Hector von der Leine. Sofort raste der kleine Hund unters Bett, um sich zu verstecken. Apollo beobachtete das Geschehen interessiert vom einzigen Sessel, der sich im Zimmer befand.

„Verhält dein Hund sich immer so?“ Fragend musterte er Pixie.

„Ja, er ist schrecklich ängstlich. Am meisten Angst hat er vor Männern. Offenbar ist er als Welpe nicht gut behandelt worden. Erzählst du mir jetzt, warum du hier bist?“

„Weil wir beide ein Problem haben. Ich glaube, ich weiß eine Lösung, die uns beiden weiterhilft.“

Verdutzt zog sie die Augenbrauen zusammen. „Ich habe keine Ahnung, was du meinst.“

„Du bekommst Schweigegeld, damit du für dich behältst, was ich dir jetzt sagen werde. Das ist nämlich streng geheim.“

Wollte er sie beleidigen? „Du musst mich nicht fürs Schweigen bezahlen.“ Ungehalten fuhr sie ihn an. „Ich weiß nicht, wofür du mich hältst, aber ich bin ganz bestimmt nicht geldgierig.“

„Sicher nicht, aber du brauchst Geld. Die Presse würde ein Vermögen dafür bezahlen, hinter mein Geheimnis zu kommen. Du könntest versucht sein, die Story zu verkaufen.“

„Ist dir das schon mal passiert?“, fragte Pixie neugierig.

„Mindestens ein halbes Dutzend Mal. Angestellte und Exfreundinnen haben immer wieder Details aus meinem Privatleben ausgeplaudert und sich die Indiskretionen fürstlich bezahlen lassen.“ Lässig streckte Apollo die langen Beine aus. „Damit muss man in meiner Position immer rechnen. Deshalb sind auch immer Leibwächter in meiner Nähe.“

Pixie war der Wagen auf der anderen Straßenseite bereits aufgefallen. Ein Mann lehnte an der Motorhaube und sprach in ein Handy. Aha, das war also einer der Leibwächter. „Du traust niemandem über den Weg, oder?“

„Doch, ich vertraue Vito. Meinem Vater habe ich auch vertraut, aber er hat mich immer wieder enttäuscht. Sogar in seinem Testament befindet sich eine Klausel, die mir das Leben schwer macht.“

Ach ja, sein Vater war ja kürzlich gestorben. Hatte Apollos Besuch etwas mit dem Testament seines Vaters zu tun? Kaum vorstellbar. Wie sollte ausgerechnet sie ihm helfen? Er war Milliardär und sie eine arme Friseurin. Sie sah auf. „Ich habe keine Ahnung, worauf du hinaus willst, Apollo“, sagte sie daher. „Du sprichst in Rätseln.“

Bevor er sie aufklären konnte, klopfte jemand an die Wohnungstür.

Apollo sprang auf, offensichtlich erleichtert über den Aufschub. Pixie konnte das nachvollziehen, denn auch sie war eher misstrauisch. Aber sie liebte ihren Bruder, ihre Freundin Holly und deren Sohn Angelo, und hätte alles für sie getan. Wenn sie erst einmal Vertrauen gefasst hatte, war dies unerschütterlich. Es war ihr sehr schwergefallen, in letzter Zeit die enge Freundschaft zu Holly zu lockern. Dazu hatte sie sich gezwungen gesehen, um ihre beste Freundin nicht in Patricks Angelegenheiten mit hineinzuziehen. Holly hätte nämlich sofort vorgeschlagen, Patrick Geld zu geben, damit er die Schulden begleichen konnte. Das wollte Pixie auf gar keinen Fall. Deshalb hatte sie Holly und Vito auch noch nicht in Italien besucht.

Verblüfft beobachtete sie nun, wie einige Männer das Zimmer betraten und geschäftig mit Hauben bedeckte Teller, Bestecke, Gläser und eine Flasche Wein auf den kleinen Couchtisch stellten. Sogar an Servietten hatten sie gedacht.

„Was ist das denn alles?“, fragte sie erstaunt.

„Unser Mittagessen.“ Kaum waren die Männer wieder verschwunden, nahm Apollo die Hauben ab. „Ich bin fast verhungert. Bedien dich!“ Er hob die letzte Haube hoch. „Das ist für den Hund.“

„Für den Hund?“ Pixie musterte Apollo überrascht.

„Ja. Wundert dich das? Ich halte mehr von Tieren als von Menschen.“

Misstrauisch griff Pixie nach dem Teller mit dem Luxushundefutter und roch daran. Das Essen roch wesentlich besser als das, was sie Hector sonst vorsetzte. Also schob sie den Teller unters Bett, damit Hector sich ungestört bedienen konnte. Begeistert stürzte die kleine Promenadenmischung sich auf das leckere Fressen.

„Woher kommt denn plötzlich das ganze Essen?“, wollte sie wissen.

„Ich glaube, aus dem Hotel an der Ecke. Viel Auswahl gibt es in dieser Gegend ja nicht.“

„Aha.“ Pixie griff nach einem Teller. So lief das also, wenn man Milliardär war. Hatte Apollo Hunger, rief er seine Leibwächter an. Die sorgten dann dafür, dass ihr Boss nicht lange hungrig blieb. Sie nahm einen Bissen. „Wann erzählst du mir endlich von deinem Problem?“, fragte sie dann.

„Ich kann das Erbe meines Vaters erst antreten, wenn ich verheiratet bin“, erklärte Apollo frustriert. „Er wusste genau, wie ich zur Ehe stehe. Immerhin hatte er fünf gescheiterte Versuche hinter sich, nachdem meine Mutter bei meiner Geburt gestorben war.“

Pixie hörte ihm erstaunt zu. „Sechs Ehefrauen! Erinnert mich an Heinrich den Achten.“

Apollo grinste amüsiert. „Mit dem Unterschied, dass mein Vater seine Frauen nicht hat hinrichten lassen. Zwei von ihnen hätte er allerdings sicher gern auf dem Schafott gesehen.“

„Sechs Ehen, und du bist das einzige Kind?“ Sie wunderte sich. „Warum wollte er unbedingt, dass du heiratest?“

„Um den Familiennamen zu erhalten.“

„Okay, aber dazu müsstest du ein Kind zeugen.“

„Genau. Mein Vater hat mich in der Hand, obwohl er tot ist. Natürlich haben meine Anwälte das Testament genauestens unter die Lupe genommen. Aber es kann nicht angefochten werden. Als es aufgesetzt wurde, war mein Vater bei klarem Verstand. Immerhin habe ich fünf Jahre Zeit, um der testamentarischen Verfügung nachzukommen.“ Er fluchte unterdrückt.

„Da hat dein Vater dir ja ganz schön was eingebrockt“, sagte Pixie. „Aber immerhin geht es ja auch um ein großes Vermögen. Vielleicht hat das deinen Vater dazu bewogen, von dir zu verlangen, alles zu tun, damit es in der Familie bleibt.“

„Möglich, aber ich leite das Unternehmen schon seit Jahren sehr erfolgreich. Und er fällt mir so in den Rücken. Das ist doch unfair.“

„Ja, das ist es wohl.“ Nachdenklich stimmte Pixie zu. „Du hast deinem Vater vertraut, so wie ich meinem, als er hoch und heilig versprochen hat, nicht mehr straffällig zu werden. Das Versprechen hat er natürlich sofort gebrochen. Meiner Mutter konnte man auch kein Vertrauen schenken. Wie oft hat sie mir geschworen, sie würde nie wieder stehlen. Sie hat erst aufgehört, als sie zu krank war.“

Apollo musterte sie erstaunt. Pixie wagte, seinen Vater, einen aufrechten und anständigen Kaufmann, mit ihren kriminellen Eltern auf eine Stufe zu stellen?

Gedankenverloren aß Pixie das köstliche Fischgericht. „Du sitzt wirklich ganz schön in der Klemme“, befand sie schließlich. „Aber wenn das Testament unanfechtbar ist, wird dir nichts anderes übrig bleiben, als der Verfügung nachzukommen.“

„Du hast es erfasst.“ Mürrisch blickte Apollo vor sich hin. „Ich lasse mir doch nicht wegnehmen, was meine Familie praktisch aus dem Nichts innerhalb von drei Generationen aufgebaut hat.“

„Das kann ich gut verstehen. Aber was hat das alles mit mir zu tun?“

Apollo stellte den Teller auf den Tisch und griff nach dem Weinglas. Dann sah er Pixie fest in die Augen. „Ich brauche eine Frau, die mich heiratet und ein Kind von mir empfängt. Sowie das Kind auf der Welt ist, lasse ich mich wieder scheiden. Dann kann mein Leben so weitergehen wie bisher.“

„Und was wird aus dem Kind?“, fragte Pixie besorgt.

„Das Kind bleibt bei seiner Mutter. Ich werde trotzdem versuchen, ein guter Vater zu sein. Ich möchte, dass alle Seiten zufrieden sind.“

„Na dann, viel Glück!“ Ungerührt ließ sich Pixie das köstliche Essen schmecken. Auch die Tatsache, dass sie ihre Mahlzeit auf dem Boden im Schneidersitz einnehmen musste, konnte ihrem Appetit nichts anhaben. Apollo hatte es sich im einzigen Sessel gemütlich gemacht und war bisher nicht auf die Idee gekommen, ihn ihr anzubieten. „Wie du das anstellen willst, ist mir allerdings ein Rätsel. Welche Frau lässt sich darauf ein zu heiraten, ein Kind zu bekommen und sich dann wieder scheiden zu lassen?“

„Eine Frau, die ich gut dafür bezahlen werde“, antwortete Apollo trocken. „Eine Frau, die Gefühle für mich hat und klammert, kann ich in meinem Leben nicht gebrauchen.“

Pixie lachte. „Wenn eine Frau sich ungeliebt fühlt, wird sie wohl kaum klammern, oder?“

„Hast du eine Ahnung! Auch nach einer ultrakurzen Affäre wollen die Frauen bei mir bleiben. Weil das Leben an meiner Seite keine Wünsche offenlässt.“

Pixie stellte den Teller ab, griff nach dem Weinglas, das Apollo ihr eingeschenkt hatte, und trank einen Schluck. „Das ist natürlich ein Riesenproblem“, sagte sie amüsiert. „Aber warum vertraust du ausgerechnet mir das alles an?“

„Sag mal, bist du immer so begriffsstutzig?“

„Was willst du damit sagen?“ Sie hatte wirklich keine Ahnung, was das alles mit ihr zu tun haben sollte.

Sie hat wunderschöne Augen, dachte er hingerissen. Groß, silbergrau, wie frisch poliertes edles Silber. „Kannst du dir das wirklich nicht denken?“, fragte er rau.

Sein tiefer Blick entfesselte heißes Sehnen in Pixies Innerstem. Das Herz begann aufgeregt zu klopfen.

„Gut, dann will ich es dir sagen: Wenn der Preis stimmt, könntest du die Frau sein, die ich heirate und von der ich mich wieder scheiden lasse. Wir profitieren beide davon, du bekommst genug Geld, um deinen Bruder aus der Schuldenfalle zu befreien, und ich bekomme einen Erben.“

Pixie hatte gerade an ihrem Wein genippt und verschluckte sich fürchterlich. Schockiert stellte sie das Glas auf den Tisch und hustete und hustete. Apollo wollte ausgerechnet sie heiraten? So ein ungleiches Paar gab es wohl kein zweites Mal auf der Welt.

Erst beschuldigte er sie, seine Brieftasche gestohlen zu haben, im nächsten Moment wollte er sie heiraten? Der Mann hatte entweder den Verstand verloren oder er war der größte Exzentriker unter dem Himmel.

3. KAPITEL

Pixie rang nach Luft, rappelte sich auf und verschwand im Badezimmer. Nach kurzer Zeit atmete sie wieder normal. Ein Blick in den Spiegel versetzte ihr den nächsten Schock. Ihr graues Augen-Make-up war völlig verschmiert. Sie hatte Ähnlichkeit mit einem traurigen Panda.

Hastig versuchte sie, das Make-up wieder in Ordnung zu bringen, während sie über Apollos Angebot nachdachte, Patricks Schulden zu übernehmen, vorausgesetzt sie heiratete den griechischen Milliardär und brachte sein Kind zur Welt. Bei der Vorstellung musste sie sich am Waschbecken festhalten, sonst wäre sie wohl zu Boden gegangen. Sex mit Apollo? Ein Baby von Apollo? Jeder anderen Frau wäre auch schwindlig geworden.

Nach einigen tiefen Atemzügen ging es ihr wieder besser. Apollo musste verrückt geworden sein, ihr so einen Vorschlag zu machen. Ausgerechnet ihr!

Es dauerte eine ganze Weile, bis Pixie sich gefangen hatte und das Bad wieder verlassen konnte. „Das ist ja wohl die wahnwitzigste Idee, die ich je gehört habe“, sagte sie kopfschüttelnd, als sie wieder ins Zimmer trat. „Du kennst mich doch überhaupt nicht.“

„Ich weiß genug über dich.“

„Vor einer Stunde hast du mich des Diebstahls bezichtigt.“ Vorwurfsvoll funkelte sie ihn an.

„Möglich wäre es gewesen, du brauchst ja dringend Geld. Dein Bruder riskiert sein Leben, wenn er die Schulden nicht bezahlt. Der Schuldner ist ein kaltblütiger Verbrecher, der kein Pardon kennt. Er könnte ein Exempel an deinem Bruder statuieren – als Warnung an andere Schuldner.“

Pixie lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, als sie ihre geheimsten Ängste von ihm bestätigt hörte. Ihre Stimme drohte zu versagen.

„Trotzdem verstehe ich immer noch nicht, warum deine Wahl ausgerechnet auf mich gefallen ist“, hauchte sie schließlich.

„Weil du dringend Geld brauchst, um deinem Bruder das Leben zu retten. Dafür würdest du alles tun“, erklärte er sachlich. „Und bei dir kann ich mir sicher sein, dass du dich an meine Regeln hältst. Wenn nicht, würdest du deinen Bruder unnötig in Gefahr bringen. Du wirst also für dich behalten, dass du mich nur zum Schein geheiratet hast. Wenn das herauskommt, sind wir beide dran. Wahrscheinlich würde ich alles verlieren.“

Seine Argumente waren nicht zu widerlegen, wie Pixie eingeschüchtert feststellte. Mit wenigen Worten hatte Apollo ihr vermittelt, wie mächtig und einflussreich er war. Er wollte totale Macht über seine Frau ausüben. Sie musste sich an seine Regeln halten, sonst würde sie alles verlieren.

Sie sah auf. „Mit anderen Worten: Du willst eine Frau, die du in der Hand hast, die du erpressen kannst, damit sie tut, was du von ihr verlangst. Die Frau wäre dir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. So eine Frau könnte ich niemals sein, Apollo.“

„Ich glaube, da unterschätzt du dich. Du bist mutig genug, dich mit mir einzulassen. Du hast doch wohl verstanden, dass ich dich und deinen Bruder vor Schlimmerem bewahren kann, oder? Er war dumm genug, sich in diese Situation hereinzureiten. Noch schlimmer ist jedoch, dass er dich da mit hineingezogen hat.“

Verlegen blickte Pixie zu Boden, und eine nachdenkliche Stille breitete sich aus.

Nach einer Weile zückte Apollo sein Handy und tätigte einen kurzen Anruf in griechischer Sprache.

Als er ihn beendet hatte, sah Pixie auf. „Dir ist es wirklich ernst, oder? Und du musst wirklich einen Erben zeugen?“, fügte sie unsicher hinzu.

„Ja, wenn du nicht schwanger wirst, lassen wir uns nach achtzehn Monaten wieder scheiden. Ich stehe ja unter erheblichem Zeitdruck. Aber keine Sorge, du würdest auch in diesem Fall eine sehr großzügige Abfindung erhalten.“

Es klopfte. Pixie eilte zur Tür. Zwei Männer kamen herein, um das Geschirr abzuräumen. Wein und Gläser ließen sie zurück.

„Ich kann nicht mit dir schlafen“, stieß Pixie hervor, als sie wieder allein waren.

Apollo musterte sie erstaunt, dann brach er in Gelächter aus.

Ungläubig beobachtete sie das Schauspiel. Er lachte so sehr, dass er fast aus dem Sessel gekippt wäre.

„Wieso ist das so witzig?“, fragte sie wütend, als er sich wieder beruhigt hatte. „Denk doch mal nach! Du verlangst von mir, mit einem wildfremden Mann zu schlafen. Für dich ist das vermutlich normal, mit wildfremden Frauen zu schlafen. Aber du solltest nicht von dir auf andere schließen. Außerdem müssten wir sehr, sehr oft Sex haben, um ein Kind zu zeugen“, fügte sie verlegen hinzu. „Das könnte Monate dauern. Nein, das kann ich nicht. Nicht mit dir.“

„Kein Grund, hysterisch zu werden. Dafür bist du gar nicht der Typ. Du wirkst auf mich sehr bodenständig. Ich würde sagen, deine Freundin Holly neigt eher zur Hysterie. Wenn du mich heiratest und ein Kind mit mir hast, wirst du nie wieder gezwungen sein, in so einer Absteige zu hausen, nur um für die Schulden deines Bruders aufzukommen. Du wirst ein unbeschwertes Leben ohne Geldsorgen führen, Pixie. Das verspreche ich dir.“

Es war Pixie unangenehm, so gefühlsbetont reagiert zu haben. Normalerweise geriet sie nicht so leicht in Panik. Sie musste sich setzen und ließ sich auf der Bettkante nieder. Die Vorstellung, mit Apollo zu schlafen, brachte sie fast um den Verstand.

Vor langer Zeit hatte sie sich geschworen, nur mit einem Mann zu schlafen, in den sie verliebt war und der dieses Gefühl erwiderte. Sie hatte sich ihre Unschuld nicht so lange bewahrt, um sie jetzt ausgerechnet Apollo Metraxis zu opfern. Für ihn war das nur ein Deal, um an sein Erbe zu kommen.

Frustriert sah Apollo sie an. Er hatte keine Ahnung, was Pixie so sehr an ihm störte, dass sie nicht mit ihm schlafen wollte. Bisher hatte noch jede Frau, für die er sich interessierte, Sex mit ihm gehabt. Okay, Pixie mochte ihn nicht besonders, aber das eine schloss das andere ja nicht aus. Apollo brauchte Sex wie die Luft zum Atmen. Sex machte ihm Spaß und war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Für Pixie offensichtlich nicht. Verkrampft saß sie auf der Bettkante und ließ den Kopf hängen. Eine Hand hielt sie unters Bett, um den verängstigten Terrier hervorzulocken. Der dachte aber nicht daran, sich in Apollos Gegenwart blicken zu lassen.

„Wo ist das Problem?“, fragte er schließlich ungeduldig.

„Ich will kein Kind von einem Mann, der weder mich noch mein Kind liebt“, stieß Pixie leise hervor. „Das würde mich zu sehr an das Leben mit meinen Eltern erinnern.“

„Und ich will keine Frau, die mich liebt. Sie würde sich niemals von mir scheiden lassen. Ich will jedoch meine Freiheit zurück, sowie ich die testamentarische Verfügung meines Vaters erfüllt habe. Würde die Frau, die ich heirate, mich lieben, wäre sie sehr verletzt, wenn ich sie verlasse. Sie würde bestimmt irgendwann hinausposaunen, dass unsere Ehe nur zum Schein geschlossen wurde, damit ich mein Erbe antreten kann. Ich fürchte, ich bin außerstande, je eine Frau zu lieben. Mein Kind allerdings schon.“

Immerhin, dachte Pixie. Trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen, immer wieder mit Apollo zu schlafen, nur damit ein Kind gezeugt wurde, das er lieben konnte. Ihr Körper reagierte jedoch anders als ihr Verstand. Ein heißes, sehnsüchtiges Ziehen durchlief sie. Der Mann sah fantastisch aus. Das hieß aber nicht, dass er auch ein rücksichtsvoller Liebhaber wäre …

Pixie riss sich zusammen. Frauen heirateten aus den verschiedensten Gründen. Vielleicht sollte sie gar nicht so viel Gewicht auf die sexuelle Komponente legen. Sex war etwas Körperliches, nichts Geistiges.

Angestrengt überlegte sie hin und her, was Apollos ungewöhnliches Angebot für sie bedeuten konnte. Sie wäre die Sorge um Patrick los. Alle finanziellen Einschränkungen und das Leben am Existenzminimum wären Geschichte. Und sie würde ihre beste Freundin Holly wieder öfter sehen. Holly und den kleinen Angelo, in den sie völlig vernarrt war. Doch der Preis, den sie dafür bezahlen musste, war hoch. Das – wenn auch nur vorübergehende – Zusammenleben mit Apollo würde nicht einfach werden. Außerdem musste sie ihm ein Kind gebären. Eigentlich fühlte sie sich noch zu jung für Kinder. Außerdem war es nicht legal, was Apollo da vorhatte.

Sie sah auf, direkt in diese außergewöhnlichen grünen Augen. „Ich möchte mich nicht auf etwas Ungesetzliches einlassen“, sagte sie mit fester Stimme. „Mir ist unverständlich, wie du so einen Vorschlag machen kannst, nur um an das Geld deines Vaters zu kommen“, fügte sie mutig hinzu.

„Um das Geld geht es mir ja gar nicht. Ich habe mir selbst ein ansehnliches Vermögen erarbeitet“, entgegnete Apollo trocken. „Mir ist wichtig, das Familienerbe auf Nexos zu erhalten. Meine Vorfahren liegen dort begraben. Das Familienunternehmen liegt mir sehr am Herzen. Es wurde von meinen Urgroßvater gegründet und darf nicht in fremde Hände geraten. Wie sehr ich daran hänge, ist mir erst nach dem Tod meines Vaters bewusst geworden.“ Ernst sah er Pixie in die Augen.

„Wenn ich mich auf deinen Vorschlag einlassen würde, Apollo, täte ich etwas Illegales. Wenn herauskommt, dass wir nur zum Schein geheiratet haben, sind wir beide dran. Ich habe noch nie gegen ein Gesetz verstoßen. Und das soll auch so bleiben. Außerdem weiß ich nicht, ob ich der Rolle als liebende Ehefrau an deiner Seite gewachsen wäre.“

„Wir würden ja nur die testamentarische Verfügung erfüllen, dass ich heiraten und innerhalb von fünf Jahren ein Kind zeugen muss. Wenn wir heiraten und die Ehe vollziehen, tun wir nichts Ungesetzliches“, beharrte Apollo.

Unschlüssig musterte sie ihn. „Trotzdem werde ich mich nicht darauf einlassen. Du dachtest wohl, ich wäre leichte Beute. Aber da hast du dich geirrt. Keine Sorge, ich werde mit niemanden darüber reden, Apollo“, fügte sie hinzu, als sie seinen warnenden Blick auffing. „So eine Geschichte würde mir sowieso keiner glauben.“

Apollo erhob sich langsam aus dem Sessel und musterte Pixie von oben herab. „Du solltest in Ruhe darüber nachdenken.“ Er zog eine Visitenkarte aus der Tasche und legte sie auf den Tisch. „Hier ist meine Privatnummer. Ruf mich an, wenn du es dir anders überlegt hast.“

„Mein Entschluss steht fest“, antwortete Pixie unnachgiebig.

Schweigend ging Apollo zur Tür. Dort wandte er sich um und ließ den Blick auf Pixies verführerischen Lippen ruhen. Sein Körper reagierte sofort. „Wir hätten viel Spaß gehabt im Bett. Ich finde dich überraschend anziehend.“

Pixie war ihm gefolgt und riss die Tür auf. „Das beruht aber nicht auf Gegenseitigkeit. Du bist arrogant, unsensibel und willst deinen Willen durchsetzen – ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer.“

„Trotzdem reagierst du auf mich“, sagte Apollo heiser. „Das ist nicht zu übersehen, so sehr du es auch zu verbergen suchst.“

Wütend funkelte sie ihn an. „Du bildest dir wohl ein, unwiderstehlich zu sein, Apollo. Da kann ich ja nur lachen.“

„Bist du sicher, dass du mir widerstehen kannst?“, fragte er rau und legte sanft einen Finger unter ihr Kinn. Ein erregendes Prickeln lief ihr über den Rücken.

„Hundertprozentig“, behauptete sie leise, obwohl Apollos Nähe und sein erregender Duft sehr wohl auf sie wirkte.

Apollo lachte leise. „Schwindlerin. Deine Körpersprache verrät dich. Ich wette, du würdest alles tun, worum ich dich bitte.“

Der verführerische Blick ging ihr durch und durch. Wie hypnotisiert fühlte sie sich. „Bist du dir so sicher?“, stieß sie mit versagender Stimme hervor.

Apollo neigte den Kopf und brachte seine Lippen ganz nah an die ihren. Als sie schwankte, legte er schützend die Arme um sie.

Überwältigt von ihren wilden Gefühlen, ließ Pixie es geschehen. Es war ein unglaublich sinnlicher Augenblick. Mit pochendem Herzen streckte sie sich dem spürbar erregten Apollo entgegen. Plötzlich wollte sie all das, was sie bisher noch nie gewollt hatte. Sie wollte sich auf die Zehenspitzen stellen und den Kuss einfordern, den Apollo ihr bisher vorenthalten hatte …

In diesem Augenblick löste Apollo seine Umarmung und lachte zufrieden. „Stur und stolz – sehr gefährlich in meiner Nähe“, raunte er. „Ich bin nämlich auch stur und stolz. Das könnte ziemlich temperamentvoll werden. Ich kann es kaum erwarten, koukla mou.“

Pixie wurde es heiß und kalt.

Hector knurrte leise unter dem Bett. Das hatte er noch nie getan.

Apollo lachte amüsiert. „Er will dich beschützen, traut sich aber nicht. Wie heißt er doch gleich?“

Der plötzliche Themenwechsel brachte Pixie aus dem Konzept. „Hector“, antwortete sie automatisch.

„In der griechischen Mythologie war Hector ein trojanischer Prinz und ein großer Feldherr. Wusstest du das?“ Gelassen verließ er das Zimmer.

„Nein. Mir hat nur der Name gefallen“, hauchte Pixie atemlos. Erst als sie die Tür hinter Apollo schloss, holte sie tief Luft.

Kaum war Apollo fort, schoss Hector hervor und tänzelte um die fassungslose Pixie herum. Geistesabwesend hob sie ihn hoch und liebkoste ihn. „Du bist also ein trojanischer Prinz“, wisperte sie ihm zu und dachte an den Kuss, den Apollo ihr fast gegeben hätte. Was für ein Mann! Schon die Andeutung eines einzigen Kusses hatte Pixie völlig um den Verstand gebracht …

Am Abend meldete Patrick sich per Skype bei ihr. „Schlechte Neuigkeiten, Pixie“, sagte er besorgt. „Maria ist schwanger. Es geht ihr gar nicht gut.“

„Schwanger?“ Pixie stöhnte entsetzt. Auch das noch!

„Geplant war das natürlich nicht. Aber wir freuen uns auf das Kind. Wir sind ja nun auch schon drei Jahre zusammen.“ Er rang sich ein Lächeln ab. „Aber ich mache mir große Sorgen um Maria. Sie kann nicht den ganzen Tag arbeiten. Wer soll sich um sie kümmern? Ich arbeite ja Tag und Nacht.“

„Bitte richte Maria meine Glückwünsche aus, Patrick.“ Pixie ließ sich nicht anmerken, wie entsetzt sie über diese Neuigkeit war. Wenn Maria nicht mehr mitarbeiten konnte, würde es Patrick nie schaffen, die Schulden abzutragen! Diese Befürchtung wurde leider auch sofort durch Patricks nächste Frage bestätigt.

„Meinst du, du könntest uns diesen Monat etwas mehr Geld schicken?“, bat er leise – mit Tränen in den Augen.

„Ich werde sehen, was ich machen kann!“

Nach dem kurzen Gespräch fühlte Pixie sich wie am Boden zerstört. Die finanzielle Situation ihres Bruders war absolut aussichtslos. Ich kann nicht noch mehr Geld erübrigen, dachte Pixie unglücklich. Sie befand sich sowieso schon am Existenzminimum.

Unwillkürlich dachte sie an Apollos Angebot. Wenn sie ihren Bruder retten wollte, musste sie sich wohl oder übel darauf einlassen. Es gab keine Alternative.

Schweren Herzens griff sie nach dem Handy, wählte Apollos Privatnummer und schickte ihm eine SMS: Wenn du die Schulden meines Bruders übernimmst, bringe ich dein Kind zur Welt.

4. KAPITEL

„Es ist ganz einfach“, behauptete Apollo. „Pack deine Sachen zusammen! Du und dein Hund werdet noch heute Abend abgeholt.“

„Das geht nicht.“ Pixie protestierte sofort. „Was ist mit meinem Job und der Wohnung? In diesem Land gibt es Kündigungsfristen.“

„Darum kümmern sich meine Leute. Ich will, dass du heute Abend bei mir in London bist, damit wir alles Weitere vorbereiten können.“

„Was willst du denn vorbereiten?“

„Du musst einen Vertrag unterschreiben, dich untersuchen lassen, Klamotten kaufen und so weiter. Die Liste, die ich erstellt habe, ist ziemlich lang. Du wirst sehr beschäftigt sein.“

Ich tue das nur für dich, Patrick, dachte Pixie verzweifelt. Für dich lasse ich mich auf diesen Deal mit Apollo ein und gebe meine Freiheit auf.

„Wo werde ich in London wohnen?“

„Bei mir. Dort werden dich die Paparazzi nicht so schnell aufspüren, und du bist ungestört. Ich habe die nächsten Tage in Athen zu tun.“

„Okay.“ Begeistert war sie nicht gerade. Es fiel ihr schwer, ihr zukünftiges Leben von Apollo bestimmen zu lassen. Oh, wie sie diesen Mann hasste! Vito war der einzige Mann, dem sie je vertraut hatte. Es war so offensichtlich, wie sehr er Holly und den kleinen Angelo liebte. Ihr eigener Vater dagegen war oft gewalttätig geworden, wenn er getrunken hatte. Wie oft hatte er seine Frau verprügelt und auch Pixie, wenn sie dazwischengehen wollte. Die meiste Zeit hatte ihr Vater im Gefängnis verbracht. Immer wieder war er wegen Einbruch und Diebstahl verurteilt worden. Ihre Eltern hatten nur geheiratet, weil ihre Mutter schwanger geworden war.

Ein Jahr nach Pixies Geburt war Patrick zur Welt gekommen. Ihre Mutter war völlig überfordert gewesen mit den beiden Kindern. Als Pixie acht Jahre alt war, wurden sie und ihr Bruder aus der Familie genommen, weil ihre Mutter wegen fortgesetzten Ladendiebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Dass sie auch noch versucht hatte, ihre eigenen Kinder zum Stehlen anzuleiten, hatte die Sozialarbeiter zusätzlich in ihrem Entschluss bestärkt, Pixie und Patrick anderswo unterzubringen.

Vom Kinderheim ging es für Pixie zu Pflegefamilien. Dort hatte sie schnell gelernt, dass sie vor Männern auf der Hut sein musste. Die Angst vor Männern war bei Pixie seither tief verwurzelt. Erst im Alter von zwölf Jahren hatte sie endlich einmal Glück gehabt. Die neuen Pflegeeltern Sylvia und Maurice Ware bewirtschafteten einen großen Bauernhof in Devonshire und kümmerten sich rührend um die oft schwer traumatisierten Kinder, die ihnen zugewiesen wurden.

Bis zum heutigen Tag war Pixie dem Ehepaar unendlich dankbar, sie so herzlich und liebevoll aufgenommen zu haben.

Auch Holly hatte zu den Kindern auf dem Hof gehört. Sie war nur anderthalb Jahre älter als Pixie, und die beiden Teenager hatten sich sofort angefreundet …

Nachdenklich betrachtete Pixie den Koffer und den vom Laden an der Ecke erbetenen Karton, in denen alle ihre Habseligkeiten Platz gefunden hatten. Dann sprach sie eine Entschuldigung für ihre plötzliche Kündigung auf Sallys Anrufbeantworter. Mehr konnte sie nicht tun.

Es machte Pixie Angst, wie sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen grundlegend veränderte. Sie war Apollo ausgeliefert. Was sollte sie tun, wenn er zu dem Schluss kam, dass sie doch die Falsche war für seine Pläne? Wo sollte sie dann hin? Wo würde sie einen neuen Job finden? Sie traute Apollo nicht über den Weg. Die Vorstellung, obdachlos und arbeitslos in der Gosse zu landen, löste fast eine Panikattacke in ihr aus.

Vor dem Haus fuhr eine Limousine vor. Der Chauffeur verstaute das Gepäck im Kofferraum und kehrte dann mit einem Hundetransportkorb zurück. Doch Hector dachte gar nicht daran, sich dort einsperren zu lassen. Pixie versprach, er werde sich ruhig verhalten, wenn er auf ihrem Schoß liegen dürfte. Als der Chauffeur zustimmte, nahm sie auf der Rückbank Platz und staunte über die luxuriöse Ausstattung. Holly und Vito lebten ja auch im Wohlstand. Pixie hatte Fotos von der Luxusvilla in Italien gesehen. Zum Glück war Holly dieses Leben aber nicht zu Kopf gestiegen. Sie kleidete sich dezent, trug nur wenig Schmuck.

Diese Limousine verfügte sogar über eine Bar, einen Fernseher und ein Telefon, wie Pixie staunend feststellte.

Die lange Fahrt wurde einige Male unterbrochen, um Hector etwas Bewegung zu verschaffen. Abendessen wurde in einem sehr vornehmen Hotel serviert. Erst auf dem Hotelparkplatz bemerkte Pixie, dass es noch ein Begleitfahrzeug gab. Einer der Passagiere führte sie in den eleganten Speisesaal und teilte ihr freundlich mit, sie könnte sich auf der Speisekarte aussuchen, was sie wollte.

Die Preise schockierten sie. Da sie befürchtete, man würde ihr die Rechnung präsentieren, bestellte sie nur eine Suppe, zu der ein Brötchen serviert wurde.

Natürlich musste sie nicht selbst bezahlen. Der muskulöse Bodyguard in ihrer Begleitung übernahm das wie selbstverständlich.

Als sie schließlich nach zehn Uhr in London ankamen, war Pixie nur noch ein Nervenbündel. Mit Hector im Arm stieg sie in der Tiefgarage aus und betrat mit Chauffeur und Bodyguard den Fahrstuhl.

„Wie heißen Sie eigentlich?“, fragte sie nervös.

„Theo und Dmitri, Miss Robinson. Eigentlich sollten Sie uns gar nicht beachten“, fügte Theo freundlich hinzu. „Wir gehören zum Personal.“

Apollo lebte definitiv in einer anderen Welt. Sie konnte ihre Mitmenschen doch nicht einfach ignorieren! Darüber wollte sie später nachdenken. Momentan beschäftigte sie nur die Frage, ob sie gleich Apollo gegenüberstehen würde.

Lautlos öffneten sich die Fahrstuhltüren und gaben den Weg zum Eingangsbereich einer großen Wohnung frei. Offensichtlich handelte es sich um einen Lift, der nur von Apollo und seinem Personal benutzt wurde.

Ein kleiner, rundlicher, schon älterer Mann begrüßte sie. „Willkommen, Miss Robinson. Ich bin Manfred und führe den Haushalt. Bitte folgen Sie mir! Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.“

Pixie nickte wortlos. Der Weg führte an einem stattlichen Salon vorbei, wo eine bildhübsche Blondine mit einem Drink in der Hand stand. Offensichtlich eine von Apollos Affären, dachte Pixie. Würde er diese Affären auch fortsetzen, wenn er verheiratet war? Darüber musste sie unbedingt mit ihm reden. Sie dachte nämlich gar nicht daran, mit einem Mann zu schlafen, der nebenbei noch mit anderen Frauen ins Bett ging. Wenn er darauf bestand, würde sie auf dem Absatz kehrtmachen.

„Hier ist das Gartenzimmer“, erklärte Manfred und führte sie in ein riesiges Schlafzimmer mit Zugang zu einem weitläufigen Dachgarten. „Perfekt für den kleinen Hund, oder?“

„Stimmt.“ Dass Apollo daran gedacht hatte …

Als sie sich in dem Dachgarten umschaute, bemerkte sie, dass ein Teil provisorisch abgesperrt war. Offensichtlich, um Hector daran zu hindern, in den dahinterliegenden Pool zu springen.

„Kann ich Ihnen etwas anbieten?“, erkundigte sich Manfred höflich.

„Ein Sandwich wäre schön“, antwortete Pixie bescheiden.

„Sehr gern.“ Manfred zog sich zurück, Hector erkundete seinen ersten eigenen Garten, und Pixie packte ihre Sachen aus.

In einer Zimmerecke entdeckte sie ein mit Fell ausgelegtes Himmelbett für Hector. Der kehrte gerade zurück, schnüffelte an dem Bett, befand, dass keine Gefahr davon ausging, und sprang hinein.

Einige Minuten später servierte Manfred Tee und Sandwiches.

Aber zuerst genoss Pixie eine Dusche im luxuriös ausgestatteten Badezimmer. Danach schlüpfte sie in den mitgebrachten Shorty und streckte sich auf dem breiten Bett aus, wo sie sich das Abendbrot schmecken ließ.

Apollo hatte Lauren deutlich zu verstehen gegeben, dass er am nächsten Morgen früh aufstehen musste. Ihr unangemeldeter Besuch passte ihm gar nicht. Höflich hatte er ihr ein Glas Wein angeboten und sich kurz mit ihr über belanglose Dinge unterhalten. Laurens eindeutiges Angebot, mit ihm zu schlafen, hatte er sofort abgelehnt. Prinzipiell lud er keine seiner Affären zu sich nach Hause ein. Er traf sie entweder in Hotels oder besuchte sie zu Hause. So konnte er sich jederzeit verabschieden.

„Du willst mich loswerden, oder?“, fragte Lauren weinerlich.

„Es passt heute Abend einfach nicht“, antwortete er. „Ich muss noch viel erledigen. Außerdem habe ich einen Gast.“

„Eine andere Frau“, schlussfolgerte Lauren haarscharf.

Apollo reichte es. Er kannte Lauren exakt zwei Tage. Geschlafen hatte er noch nicht mit ihr, und dazu würde es auch nicht kommen. Ihr Tonfall missfiel ihm.

Aber Lauren knallte bereits das Glas auf den Tisch und stolzierte beleidigt von dannen.

Erleichtert atmete er auf. Nun hatte er endlich Zeit für Pixie. Endlich? Ja, er konnte es tatsächlich kaum erwarten, sie wiederzusehen. Außerdem interessierte ihn, ob Hector das Himmelbett gefiel.

Nach kurzem Anklopfen betrat er das Schlafzimmer und wunderte sich über Pixies panischen Blick. „Entschuldige! Habe ich dich erschreckt?“, fragte er sofort.

Pixie beruhigte sich und setzte sich auf. „Schon gut. Ich dachte, du hast Besuch.“

„Nein.“ Apollo musterte sie. Ihr kurzer, abgetragener Schlafanzug war kein besonders verführerisches Kleidungsstück. Trotzdem reagierte sein Körper extrem lustvoll auf Pixies Anblick. Das lag wohl daran, dass die harten Nippel sich unter dem dünnen Baumwollstoff abzeichneten. Die schlanken Beine waren auch nicht übel. Am heftigsten reagierte er aber auf den sexy Mund, der ihn an eine Rosenknospe erinnerte.

„Da bin ich also“, sagte Pixie nervös. „Vielen Dank für das kleine Himmelbett. Hector hat es sich sofort gemütlich gemacht.“

Apollo betrachtete den struppigen Terrier, der sich so klein wie möglich machte, und musste amüsiert lächeln. „Wenigstens hat er jetzt ein gemütliches Versteck.“

Dieses unverhoffte jungenhafte Lächeln überraschte Pixie. Es ließ Apollo fast menschlich wirken …

Doch sie war nicht hier, um sich Gedanken über Apollos Charakter zu machen. Sie hatte nur eine Geschäftsbeziehung zu ihm. Warum sollte sie sich dafür interessieren, was für ein Mensch Apollo Metraxis wirklich war?

Schnell konzentrierte sie sich aufs Wesentliche. „Verrätst du mir, was du wegen der Schulden meines Bruders unternehmen wirst?“, fragte sie abrupt.

„Ich übernehme sie, sobald wir verheiratet sind“, versprach er.

„Ja? Nicht erst, wenn ich schwanger bin?“

„Nein, das wäre unfair. Vielleicht wirst du ja gar nicht schwanger, obwohl wir es versuchen. Dass wir es versuchen und dass du absolut verschwiegen bist, reicht mir als Gegenleistung.“

„Dann bezahlst du also Patricks Schulden alle auf einen Schlag?“

„Nein, ich werde sie in Raten abbezahlen.“ Apollo log, ohne mit der Wimper zu zucken. „Du hältst dich an unsere Vereinbarung, und ich zahle.“

„Es ist völlig unnötig, mich so unter Druck zu setzen. Ich halte mich immer an gegebene Versprechen und Vereinbarungen.“

„Trotzdem halte ich mich an meine Taktik.“ Apollo hatte fast ein schlechtes Gewissen, weil er Pixie verschwieg, dass er Patricks Schulden längst bezahlt hatte. Keinesfalls durfte irgendjemand, schon gar nicht die Presse, Wind davon bekommen, dass er etwas mit einem Verbrecher zu tun hatte, der einen illegalen Spielclub unterhielt. Hätte er Patricks Schulden in Raten abbezahlt, wäre wahrscheinlich irgendwann aufgeflogen, wer dahintersteckte.

Energisch schluckte Pixie ihren Protest hinunter. Apollos Angebot war immerhin um Längen besser, als ihre eigenen Möglichkeiten, Patricks Schulden abzutragen. Für Patrick und seine Freundin bedeutete es eine große Erleichterung, sich nicht mehr selbst um die Finanzierung kümmern zu müssen. Sie konnten sich fortan ganz auf ihre neue Rolle als werdende Eltern konzentrieren.

Pixie schlug das Herz bis zum Hals. Nun lastete alles auf ihren eigenen Schultern. Wenn sie nicht tat, was Apollo von ihr verlangte, konnte er später jederzeit die Ratenzahlungen einstellen. Pixie stöhnte unterdrückt. Wie sollte sie diesen Druck aushalten?

„Wenn du mich tatsächlich heiraten willst, solltest du mir vertrauen, Apollo“, sagte sie leise.

„Das sagt die Richtige!“ Apollo lachte harsch. „Wer hat mich denn voller Panik angesehen, als ich gerade hereingekommen bin?“

„Du darfst das nicht persönlich nehmen. Ich traue keinem Mann über den Weg.“ Nach kurzer Pause fügte sie hinzu: „Sag mal, wieso soll ich mich eigentlich untersuchen lassen?“

„Um sicherzugehen, dass du schwanger werden kannst. Wenn nicht, können wir uns die Mühe sparen.“

„Dann lässt du dich auch untersuchen?“

„Nein.“

„Bei vierzig Prozent der Paare, die keinen Nachwuchs bekommen, ist der Mann zeugungsunfähig“, behauptete Pixie. „Also solltest auch du einen Test machen lassen.“

Aus irgendeinem Grund ärgerte es Apollo gewaltig, dass Pixie ihm zutraute, womöglich zeugungsunfähig zu sein. „Bis morgen!“, sagte er kühl und wandte sich zum Gehen. In der offenen Tür drehte er sich noch einmal zu Pixie um. „Im Schrank hängt ein Outfit für dich. Trag das bitte morgen.“

Pixie sprang sofort aus dem Bett und lief argwöhnisch zum Kleiderschrank. Dort fand sie ein blaues Kleid mit dazu passendem Blazer, außerdem silbern schimmernde Designerschuhe und eine umwerfende Handtasche. „Diktierst du mir jetzt auch noch, was ich zu tragen habe?“, fragte sie aufgebracht.

„Gewöhn dich schon mal dran. Ich möchte, dass du das Beste aus dir machst.“ Nachdrücklich zog er die Tür hinter sich zu. Verflixt, die Kleine törnte ihn mehr an, als gut für ihn war. Vielleicht hätte er doch mit Lauren ins Bett gehen sollen. Nein, er musste sich jetzt auf Pixie konzentrieren. Eine wahre Herausforderung, auf die er sich fast freute.

Die Frauen, mit denen Apollo bisher zu tun hatte, hätten sich überschwänglich bei ihm für das neue Outfit bedankt. Sie hätten es sofort angezogen oder eifrig nachgeschaut, ob ein Etikett verriet, dass es sich um ein Designerkleid handelte. Pixie? Blieb absolut unbeeindruckt! Apollo grinste. Zum ersten Mal seit dem Tod seines Vaters hellte sich seine Stimmung wieder auf.

Schlaftrunken schlug Pixie die Augen auf, als Manfred am nächsten Morgen die Vorhänge aufzog und das Frühstück für Pixie und Hector auf der Dachterrasse servierte. „Mr. Metraxis erwartet Sie um neun Uhr“, sagte er beflissen.

Zunächst ließ Pixie sich das fürstliche Frühstück schmecken. Dann duschte sie, föhnte das Haar und gab sich besondere Mühe mit dem Make-up, bevor sie in das neue Outfit schlüpfte und im Salon auf Apollo traf.

Der musterte sie verblüfft. „Dreh dich mal um“, kommandierte er heiser und machte eine entsprechende Geste. In dem blauen Kleid wirkte Pixie unglaublich elegant und zierlich. Die High Heels brachten ihre schlanken Beine besonders gut zur Geltung. Am liebsten hätte er Pixie hochgehoben und wäre mit ihr durch den Salon gewirbelt. Dieser ungewöhnliche Impuls verwunderte ihn. Pixie hatte die Figur eines Topmodels, aber nicht die Größe.

„Das Kleid gefällt mir“, sagte er. Wieso auch nicht? Schließlich hatte er es höchstpersönlich ausgesucht.

„Es ist sehr elegant. Aber ich bin es nicht gewohnt, Röcke oder High Heels zu tragen. In Hosen fühle ich mich einfach wohler.“ Apollo konnte nur stumm den Kopf schütteln …

Zuerst begleitete er sie zu einer großen Privatpraxis, in der Pixie gründlich untersucht wurde. Auch Blut wurde ihr abgenommen. Die Ergebnisse würden am nächsten Morgen vorliegen, versicherte der Arzt.

Apollo telefonierte aufgebracht auf dem Flur, als sie das Sprechzimmer wieder verließ. „Nein, ich habe es auch nicht durchdacht. Hör auf zu lachen, Vito! Es war ganz schön peinlich!“ Als er Pixie bemerkte, beendete Apollo das Gespräch und eilte zu ihr. Er konnte es offensichtlich kaum erwarten, die Praxis zu verlassen. „Fertig?“

Pixie konnte sich das Lachen kaum verkneifen. Sein eigener Fruchtbarkeitstest hatte ihn anscheinend ziemlich schockiert. Geschieht ihm recht, dachte sie. Ich musste schließlich auch einiges über mich ergehen lassen. Insgeheim freute sie sich aber, dass Apollo sich ihre Worte zu Herzen genommen und sich bereits selbst einem Test unterzogen hatte. Das war wirklich anständig von ihm.

„Ja, ich bin hier fertig, Apollo. Was müssen wir noch erledigen?“

„Jetzt fahren wir zur Anwaltskanzlei, danach steht Shoppen auf dem Programm“, antwortete Apollo brüsk.

„Was müssen wir denn einkaufen?“ Neugierig musterte sie ihn.

„Ein Brautkleid und alles, was du sonst noch so brauchst. Ich habe dir eine Stilberaterin organisiert und genau instruiert, was ich mir vorstelle. Du musst nur alles anprobieren.“

„Aber die Testergebnisse liegen doch noch gar nicht vor.“

„Schon mal was von positivem Denken gehört?“ Apollo neigte den Kopf und küsste Pixie flüchtig auf die Wange. „Du hast dich über mich amüsiert, als ich vorhin mit Vito telefoniert habe. Ich fand das gar nicht komisch, als die Sprechstundenhilfe mir vorhin ein Pornoheft in die Hand gedrückt hat. Völlig unnötig, ich habe mir nämlich vorgestellt, du wärst bei mir.“ Apollo schob die perplexe Pixie auf den Rücksitz.

„Ich?“, fragte sie ungläubig und sehr verlegen.

Diese Reaktion hatte er erwartet. „Genau, koukla mou.“

Pixie glaubte ihm kein Wort. „Du nimmst mich auf den Arm.“

„Nein, ganz und gar nicht. Überleg doch mal: Wie sollte das alles gehen, wenn ich dich nicht anziehend fände?“

Darüber hatte sie noch gar nicht nachgedacht. Aber dass dieser Mann, der jede Frau haben konnte, ausgerechnet sie wollte, machte Pixie sprachlos.

Völlig überrumpelt ließ sie sich widerstandslos auf seinen Schoß ziehen. Im nächsten Moment spürte sie Apollos Lippen auf ihren. Der Kuss war so zärtlich, dass sie gar nicht auf die Idee kam, sich wegzudrehen, wie sie es bei jedem anderen Mann angstvoll getan hätte. Apollo besaß die Gabe, die Gefühle einer Frau auf einen Blick zu erkennen. Aber das ahnte Pixie natürlich nicht.

Zärtlich liebkoste er ihre rosigen Lippen mit seiner Zungenspitze. Pixie schmolz dahin. Ein lustvoller Schauer rann ihr über den Rücken, als Apollo sie spielerisch biss. Ein völlig unbekanntes Gefühl. Es war wundervoll und verführerisch, und sie hatte überhaupt keine Angst.

Bald wurde der Kuss inniger, leidenschaftlicher. Heiße Lust durchströmte Pixie. Sehnsüchtig schmiegte sie sich enger an Apollo und fuhr mit einer Hand durch sein dichtes seidiges Haar. Ihr wurde immer heißer, sie fühlte sich fantastisch und sehr, sehr lebendig, fast als würde sie schweben. Völlig entspannt gab sie sich diesem erregenden Gefühl hin, das Apollos Kuss in ihr entfesselte. Ein heftiges Pulsieren in ihrem Schoß überraschte sie, als sie spürte, wie erregt Apollo war. Instinktiv presste sie sich an ihn.

Zärtlich umfasste er ihr Gesicht und küsste sie immer leidenschaftlicher. Es war so aufregend und überhaupt nicht zum Fürchten. Sehnsüchtig erwiderte sie seine wilden Küsse. Sie konnte gar nicht genug von ihm bekommen. Deshalb reagierte sie auch schockiert, als Apollo sie plötzlich entschlossen wieder auf den Sitz beförderte.

Ratlos sah sie ihn an. Warum hatte er das erregende Spiel so abrupt beendet?

„Du hast ja noch mehr Sexappeal, als ich zu hoffen gewagt habe“, stieß er heiser und vorwurfsvoll hervor. Fast hätte er die Beherrschung verloren und Pixie auf dem Rücksitz der Limousine genommen. Er hatte keine Ahnung, was ihn da geritten hatte. So heiß war er noch nie auf eine Frau gewesen. Pixie entfesselte ungeahnte Lust in ihm, die ihn fast überwältigt hätte. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Er war stets darauf bedacht, die Kontrolle zu behalten. Das hatte er sich fest vorgenommen, seit er als blutjunger Teenager von einer reifen Frau als Toyboy missbraucht worden war. Ihm wurde übel.

„Es war doch nur ein Kuss“, behauptete Pixie. Sie war enttäuscht über das abrupte Ende.

„Nur ein Kuss? Ich war drauf und dran, dich auf der Stelle zu nehmen“, stieß Apollo rau hervor. Er war wütend auf sich selbst, weil er einige Momente lang alles um sich her vergessen hatte.

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