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JULIA EXTRA BAND 385

SUSANNA CARR

Unsere Insel der Sehnsucht

Cruz kennt keine Skrupel: Er wird der schönen Ashley ihre Insel nehmen und sie als Geliebte behalten! Doch was als Rettung seiner Ehre begann, stellt ihn bald vor die größte Frage seines Lebens …

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Karibik, Cocktails, heiße Küsse

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Unsere Insel der Sehnsucht

PROLOG

„Ashley, unser Gast ist schon da. Oh, das ist vielleicht ein schönes Boot“, rief Clea, die Haushälterin, begeistert. „Du hättest sehen sollen, wie schnell Louis unten am Steg war, um es sich anzuschauen.“

„Dann muss es ja wirklich ein tolles Boot sein“, erwiderte Ashley. Auf Inez Key war alles entspannt, niemand hatte es besonders eilig und schon gar nicht Cleas Ehemann Louis. Ihre Familien lebten bereits seit Generationen hier und hatten sich dem gemütlichen Rhythmus des Insellebens angepasst.

Ashley trat nach draußen und starrte auf das scharlachrote schnittige Boot. Sie blinzelte, als sie mitbekam, dass nur eine Person auf dem Boot war. „Verdammt“, murmelte sie, „er ist allein.“

Beruhigend tätschelte Clea Ashleys Arm. „Ich bin sicher, er wird nicht viel Arbeit machen. Soll ich ihn begrüßen, während du dich umziehst?“, fragte sie.

„Danke, aber ich putze mich nicht mehr für zahlende Gäste heraus. Nicht nach dem Basketballspieler, der dachte, ich gehöre zum gebuchten Wochenendpaket.“

Clea blieb stehen. „Und was wird dieser Mann denken, wenn er dich so sieht?“

Ashley musterte ihr leuchtend gelbes Tanktop, das nicht ganz bis zum Bund ihrer ausgefransten Shorts reichte. Ihre Sandalen waren alt und bequem, und ihr langes Haar hatte sie zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden. Make-up und Schmuck trug sie nur zu besonderen Gelegenheiten, und ein Mann fiel eindeutig nicht in diese Kategorie. „Dass wir hier ziemlich leger sind.“

„Du weißt nicht viel über Männer, oder?“ Clea warf einen bedeutungsvollen Blick auf Ashleys lange, gebräunte Beine.

„Mehr als ich je wissen wollte“, entgegnete Ashley. Dafür hatte schon ihr Vater Donald Jones gesorgt, wenn er außerhalb der Tennissaison hier gewesen war – er und sein Gefolge.

Letztendlich hatte sie dieses Wissen eingesetzt, um einen großzügigen Kredit von Raymond Casillas zu bekommen. Es war ein großes Risiko gewesen. Sie traute dem alternden Playboy nicht und wusste, er würde einen Weg suchen, um sie mit Sex dafür bezahlen zu lassen. Und das musste sie verhindern.

Leider war sie mit ihrer Rückzahlung im Verzug und konnte sich keinen weiteren Monat Verzögerung leisten. Eiskalte Angst lief ihr über den Rücken, als sie die Konsequenzen bedachte. Nur noch ein paar reiche Prominente, die sich auf ihrer Insel erholen wollten – gut, vielleicht ein paar mehr –, dann wäre sie diese Bedrohung los.

Entschlossen ging Ashley den Hügel hinunter, den massiven, hölzernen Anlegesteg entlang und schirmte ihre Augen mit der Hand gegen die Sonne ab, um ihren Gast besser sehen zu können – Sebastian Esteban.

Plötzlich begann ihr Herz schneller zu schlagen. Der Wind spielte mit seinem schwarzen Haar, und das T-Shirt spannte über seiner breiten Brust. Seine kräftigen Beine steckten in ausgeblichenen Jeans. Als sie den attraktiven Fremden musterte, spürte sie ein unbekanntes Ziehen im Bauch.

„Irgendwie kommt er mir bekannt vor“, meinte Clea, die neben Ashley ging.

„Ist er berühmt? Ein Schauspieler?“ Sofort schob Ashley diesen Gedanken beiseite. Obwohl er gut aussah, wirkte Sebastian Esteban nicht so, als würde er aus seinen markanten, maskulinen Gesichtszügen Profit schlagen.

„Kann ich nicht genau sagen“, antwortete Clea. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich ihn schon mal gesehen habe.“

Egal womit er seine Brötchen verdiente, entschied Ashley. Davon würde sie sich nicht beeindrucken lassen. Schließlich hatte sie sich nach dem Tod ihrer Eltern vor fünf Jahren bewusst von der Welt zurückgezogen. Sie erkannte vielleicht den einen oder anderen Superstar, aber mit den aktuellen Stars und Sternchen hatte sie nichts am Hut.

„Mr Esteban?“, fragte Ashley und streckte ihm die Hand entgegen. Als sich ihre Blicke trafen, rauschte ihr das Blut in den Ohren, und als Sebastian ihre Hand berührte, war sie wie vom Blitz getroffen.

Sie wollte schon zurückzucken, aber er hielt ihre Hand fest. Sie war wie erstarrt.

„Bitte nennen Sie mich Sebastian.“

Bei seiner rauen, tiefen Stimme erschauerte sie. „Ich bin Ashley“, erwiderte sie. Das Sprechen fiel ihr schwer, weil ihre Kehle wie zugeschnürt war. „Willkommen auf Inez Key. Ich hoffe, Sie genießen Ihren Aufenthalt.“

Begehren flackerte in seinen Augen auf, als er widerstrebend ihre Hand losließ. „Danke, das werde ich.“

Während sie ihm Clea und Louis vorstellte, bemerkte sie, wie groß und durchtrainiert Sebastian war.

Verstohlen musterte sie ihn, als er Louis’ Hilfe ablehnte und seinen Rucksack selbst trug. Wer war dieser Mann? Er war reich genug, um dieses Boot zu besitzen und ein exklusives Wochenende in ihrem Haus zu verbringen, trug aber weder Designerkleidung, noch kam er mit Unmengen von Gepäck.

„Sie wohnen hier im Haupthaus“, erklärte Clea ihm, als sie ihn den Hügel hinauf zu dem weißen Anwesen begleiteten.

Sebastian blieb stehen und betrachtete das Herrenhaus. Sein Gesichtsausdruck verriet nichts, aber Ashley spürte seine Anspannung.

Was er wohl von ihrem Haus hielt? Die meisten Gäste bestaunten die Vorkriegsarchitektur mit den klaren Linien und massiven Säulen. Es erinnerte an eine längst vergessene, elegante Welt.

Doch niemandem fiel auf, dass ihr Zuhause langsam verfiel. Man konnte letztendlich mit etwas Farbe, einem sorgfältig platzierten Tisch oder einem frischen Blumenstrauß nicht alles verstecken. Die antiken Möbel, die Gemälde – alles Wertvolle – war bereits vor Jahren verkauft worden.

Als sie die große Halle betraten, schaute Ashley sich nervös um und hoffte, nichts übersehen zu haben. Sebastian Esteban sollte die gewundene Treppe bemerken und wie sich das Sonnenlicht in den Kristallleuchtern brach, aber auf keinen Fall die verblasste Tapete. Doch so, wie er den Raum musterte, ahnte sie, dass ihm nichts entging.

Hastig unterdrückte Ashley ein Keuchen, als ihr Clea den Ellbogen in die Seite stieß. „Miss Ashley, warum zeigen Sie Mr Sebastian nicht sein Zimmer, während ich die Getränke hole?“

„Natürlich. Hier entlang, bitte.“ Mit gesenktem Kopf ging Ashley auf die Treppe zu. Sie wollte mit diesem Mann nicht allein sein. Auch wenn sie keine Angst vor Sebastian Esteban hatte, war ihr ihre Reaktion auf ihn unangenehm. Denn das passte so gar nicht zu ihr.

Ihre Haut prickelte, als sie vor ihm die Treppe hochstieg, und plötzlich kamen ihr ihre abgeschnittenen Shorts zu kurz vor, als sie seinen heißen Blick auf ihren nackten Beinen zu spüren glaubte. Sie hätte auf Clea hören und sich umziehen sollen.

Tief durchatmend ging sie schneller. Ashley wünschte, sie könnte diese heftige Anziehung ignorieren. Was war schon dabei, dass sie Sebastian sexy fand? Jeder anderen Frau würde es genauso gehen.

Ohne ihn anzusehen, öffnete Ashley die Tür zur Mastersuite und ließ ihn eintreten. „Das ist Ihr Zimmer“, verkündete sie. „Der begehbare Kleiderschrank und das Bad befinden sich hinter dieser Tür.“

Er betrat den Raum, und Ashley wusste, er würde mit seiner Unterkunft zufrieden sein. Es war das größte Zimmer mit einem fantastischen Ausblick. Hier standen ihre besten Möbel, und das Himmelbett aus geschnitztem Mahagoni war groß genug, sodass er mit ausgebreiteten Armen in der Mitte liegen konnte.

Ashley schloss die Augen, als unerwartete Hitze sie durchflutete. Warum musste sie sich auch vorstellen, wie er in zerwühlten Laken lag, nackt und verschwitzt, und seine kräftigen Arme nach ihr ausstreckte?

„Vertreibe ich Sie aus Ihrem Bett?“, erkundigte sich Sebastian.

„Wie bitte?“, fragte sie heiser. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich neben ihm in diesem Himmelbett liegen. Schnell schüttelte sie den Kopf, um das Bild zu vertreiben. „Nein, ich wohne nicht hier.“

Er warf den Rucksack auf das Bett. „Warum nicht? Das ist doch die Mastersuite, oder?“

„Ja.“ Nervös fuhr sie sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. Sie konnte es ihm nicht erklären. Denn dieser Raum, dieses Bett waren der Mittelpunkt der zerstörerischen Beziehung ihrer Eltern gewesen. Die Affäre zwischen Donald Jones, ihrem Vater, und ihrer Mutter, seiner langjährigen Geliebten Linda Valdez, war von Eifersucht, Untreue und sexueller Besessenheit bestimmt gewesen. „Wenn Sie irgendetwas brauchen, lassen Sie es mich wissen“, bat sie und ging langsam zur Tür.

Als er sich zu ihr umwandte, bemerkte sie Trauer, Verlust und Wut in seinen Augen. Doch dann blinzelte Sebastian, und nichts davon war mehr zu sehen.

Stumm nickte er und begleitete sie zur Tür. Seine Hand lag auf ihrem Rücken, als sie über die Schwelle trat. Dabei streiften seine Finger ihre nackte Haut, und ihre Muskeln spannten sich an. Dann ließ er die Hand sinken, aber noch immer spürte sie seine Berührung.

Ashley atmete tief durch und eilte davon, ohne sich noch einmal umzuschauen. Diese Gefühle zu deuten, traute sie sich nicht, und sie war es nicht gewohnt, hier auf Inez Key in Versuchung zu geraten. Jahrelang hatte sie sich versteckt, sich absichtlich zurückgezogen, ruhig und geborgen gelebt. Keiner der Gäste, die in ihr Haus kamen, interessierte sie, aber dieser Mann … er erinnerte sie daran, was sie vermisste.

Und plötzlich war sie nicht sicher, ob sie sich noch weiter verstecken wollte …

1. KAPITEL

Ein Monat später

„Sir? Da ist eine Frau, die mit Ihnen sprechen möchte.“

Sebastian Cruz sah nicht einmal auf und unterschrieb weiter Dokumente. „Schicken Sie sie weg.“ Er duldete während der Arbeit keinerlei Unterbrechungen. Wahrscheinlich war es nur eine ehemalige Geliebte, die dachte, sie bekäme auf diese Weise seine Aufmerksamkeit. Normalerweise regelten seine Angestellten das, und er fragte sich, wie es die Frau geschafft hatte, in die Vorstandsetage vorzudringen.

„Sie besteht aber darauf, Sie zu sehen, und wartet schon den ganzen Tag im Empfangsbereich“, fuhr sein Assistent fort, diesmal war deutlich ein Anflug von Mitleid mit dem ungebetenen Gast aus seiner Stimme zu hören. „Sie meint, es wäre dringend.“

Das sagen sie alle, dachte Sebastian genervt, als er einen weiteren Brief überflog, bevor er ihn unterschrieb. Allerdings fühlte er sich nicht im Geringsten geschmeichelt. Er verstand nicht, warum Frauen eine öffentliche Szene veranstalteten, wenn die Beziehung doch eindeutig vorbei war. „Die Sicherheitsleute sollen sie aus den Geschäftsräumen entfernen.“

Der junge Mann räusperte sich und strich nervös seine Krawatte glatt. „Daran dachte ich auch schon, sie behauptet jedoch, dass Sie etwas haben, was ihr gehört. Sie wollte mir nicht verraten, worum es geht, aber sie ist hier, um es zurückzubekommen.“

Mit gerunzelter Stirn setzte Sebastian seinen Namen unter ein weiteres Dokument. „Wissen Sie, wie sie heißt?“

Bei seinem eisigen Tonfall musste der Assistent schlucken. „Jones“, antwortete er hastig. „Ashley Jones.“

Sebastian erstarrte. Die Buchstaben auf dem Papier verschwammen vor seinen Augen, als ihn Erinnerungen an Ashley Jones überfluteten – ihr weiches braunes Haar, das ihr über die nackten Schultern fiel, ihre grenzenlose Hingabe und ihr Lachen. Sein Körper spannte sich erregt an, als er an ihre sonnengebräunte Haut und ihren Mund dachte.

Diese Frau hatte während des letzten Monats seine Träume heimgesucht. Obwohl er versucht hatte, Ashley aus seinen Gedanken zu verbannen, sich mit Arbeit und Frauen abzulenken, konnte er ihre ungezügelte Reaktion nicht vergessen – oder ihre hochmütige Zurückweisung.

An jenen Morgen konnte sich Sebastian noch lebhaft erinnern. Sie hatte nackt im Bett gelegen, als sie ihm klarmachte, dass sie nur einen One-Night-Stand wollte. In dieser Nacht hatte sie mehr als nur ihren Körper mit ihm geteilt, und jetzt war er nicht mehr gut genug, um ihre Luft zu atmen. Ihre Lippen waren noch immer geschwollen gewesen von seinen Küssen, aber sie schaute ihm nicht in die Augen.

Ashley wusste nicht, dass er der interessanteste Junggeselle Miamis war, ein Millionär mit unglaublichem Einfluss, dem die Frauen nachliefen. Das Ghetto hatte er schon vor Jahren hinter sich gelassen und gehörte jetzt zur glitzernden Welt der High Society. Doch sie hatte ihn einfach zurückgewiesen, als wäre sie etwas Besseres. Wer dachte sie eigentlich, wer sie ist?

„Ich glaube, sie ist die Tochter dieser Tennislegende“, flüsterte sein Assistent aufgeregt. „Sie wissen schon, das war vor ein paar Jahren groß in den Schlagzeilen.“

Donald Jones. Sebastians Nasenflügel bebten, als er mühsam die aufsteigende Wut zurückdrängte. Er wusste alles über den Tennisspieler und seine Familie, hatte alles über Ashley in Erfahrung gebracht.

Es hatte einige Überraschungen gegeben, als er sie dann traf, aber sein erster Eindruck hatte gestimmt. Sie war eine verwöhnte Erbin, die im Paradies lebte. Was es bedeutete, gerade so über die Runden zu kommen, zu leiden oder zu überleben, wusste sie nicht. Frauen wie Ashley Jones kriegten immer alles, was sie wollten.

Bis jetzt. Er wusste, warum sie hier war. Sie wollte herausfinden, wie er an ihre geliebte Insel gekommen war und wie sie sie wieder zurückerhalten konnte.

Jetzt, wo er etwas hatte, was sie wollte, würde sie ihn nicht so schnell zurückweisen. Das war seine Chance zu sehen, wie sie zu Kreuze kroch. Sebastian wollte den Spieß umdrehen und dieser Frau ihren Stolz und ihren Status nehmen, sie für eine Nacht in sein Bett holen, die außergewöhnliche Lust erleben, die selbst den zynischsten Liebhaber an Schicksal glauben ließ, und sie dann links liegen lassen.

„Schicken Sie sie bitte herein“, sagte Sebastian gelassen, obwohl sein Herz erwartungsvoll klopfte, „und dann können Sie Feierabend machen.“

Unsicher saß Ashley auf der Kante des weißen Lederstuhls und sah, wie die Sonne über der Skyline von Miami unterging. Heimweh überfiel sie. Umgeben von Stahl, Glas, Lärm und Menschen fühlte sie sich nicht wohl. Wie gern würde sie jetzt allein von ihrem Lieblingsplatz in der Bucht ihrer Insel zuschauen, wie die Sonne im türkisfarbenen Meer versank.

Aber vielleicht sah sie das nie wieder. Angst schnürte ihr die Kehle zu, und sie umklammerte ihre weiße Clutch. Ihr wurde übel, wenn sie an den Räumungsbescheid dachte. Noch immer spürte sie das quälende Entsetzen, als sie herausgefunden hatte, dass ein Sebastian Cruz ihren Kredit aufgekauft hatte und nun die Insel ihrer Familie besaß, weil sie zwei Raten nicht hatte zahlen können.

Ashley presste die Lippen zusammen und betete, dass sie Mr Cruz treffen konnte und ihre Insel sofort zurückbekam. Aber was sollte sie tun, wenn dieser Mann kein Einsehen hatte?

Daran durfte sie nicht einmal denken. Langsam atmete Ashley aus und wünschte, die Panik, die in ihr hochstieg, würde nachlassen. Aufgeben war keine Option, sie musste einen Weg finden.

Sie sah sich im Empfangsbereich um, der so einschüchternd wirkte wie das ganze Gebäude. Es hatte sie mehr Mut gekostet, als ihr lieb war, den Tag über hier sitzen zu bleiben, obwohl sie sich klein und unscheinbar fühlte.

Sie schaute auf, als sie entschlossene Schritte auf dem glänzenden schwarzen Boden hörte. Der große Mann im Designeranzug und mit der Krawatte einer namhaften Universität kam auf sie zu. „Miss Jones? Mr Cruz erwartet Sie jetzt.“

Angst schnürte ihr die Kehle zu, doch Ashley nickte. Ihre Hände waren plötzlich eiskalt. Sie stand auf und folgte dem Mann ziemlich unsicher auf den geborgten High Heels.

Du kannst das in Ordnung bringen, dachte sie und strich sich nervös über die Haare. Es hatte ewig gedauert, ihre wilde Mähne in einen eleganten Haarknoten zu bändigen.

Auch wenn sie nicht wusste, wie dieser Sebastian Cruz in den Besitz von Inez Key gekommen war, war ihr doch klar, dass es ein Fehler sein musste. Warum sollte jemand, der so reich war, eine heruntergewirtschaftete Insel haben wollen?

Jetzt bedauerte sie, nicht über den Mann recherchiert zu haben, der den Cruz-Konzern besaß. Wenn sie nach der Vorstandsetage ging, schätzte sie Sebastian Cruz als älteren, förmlichen Gentleman ein, der auf Status und Anstand bedacht war.

Angespannt zupfte sie an dem klassischen weißen Kleid, das einmal ihrer Mutter gehört hatte, und war froh, dass sie sich dafür entschieden hatte. Es war altmodisch, und sie fühlte sich eingeengt, aber sie wusste, dass sie darin süß und unschuldig aussah.

Jetzt musste sie sich nur noch daran erinnern, wie eine Lady sprach. Ashley blieb vor der großen schwarzen Tür stehen, die zu Mr Cruz’ Büro führte. Plötzlich lief alles wie in Zeitlupe ab, als der Assistent anklopfte und die Tür öffnete. Pass einfach auf, was du sagst. Ashley fuhr sich mit der Zungenspitze über die trockenen Lippen. Sie wusste schließlich genau, wie ein unbedachtes Wort alles zerstören konnte …

Ihr Herz klopfte so laut, dass sie kaum hörte, wie der Assistent sie ankündigte. Sie setzte ein höfliches Lächeln auf, streckte die Hand aus und erstarrte, als sie Sebastian Cruz erblickte.

„Du!“, platzte sie heraus und zog instinktiv die Hand zurück. Das war Sebastian Cruz? Dieser Mann hatte vor einem Monat ihr Leben auf den Kopf gestellt, all ihre Schutzmauern eingerissen und sie in die verheißungsvolle Welt der Lust eingeführt.

Fassungslos rang Ashley nach Atem, während sie sich anspannte, bereit zu fliehen. Was ging hier vor? Das konnte nicht Sebastian Cruz sein! Das war Sebastian Esteban. Ein Name, der sich ihr unauslöschlich eingebrannt hatte, denn keine Frau vergaß ihren ersten Liebhaber.

Nur sah dieser Mann ganz anders aus als der mysteriöse Gast, der vor einem Monat für ein Wochenende nach Inez Key gekommen war. Die verwaschenen Jeans waren gegen einen Anzug getauscht und das wissende Lächeln einem ernsten Gesicht gewichen. Ihr Blick wanderte von seinem kurzen schwarzen Haar zu seinen braunen Augen und dem markanten Kinn. Er war attraktiv, wirkte aber abweisend, regelrecht bedrohlich.

Als er lächelte, lief es ihr kalt den Rücken herunter. Diesmal schlug ihr Herz keine Purzelbäume, denn seine weißen Zähne erinnerten sie an die eines kaltblütigen Raubtiers.

Unsicher wich Ashley einen Schritt zurück.

„Ashley“, sagte er weich und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Er schien nicht überrascht, sie zu sehen. „Setz dich doch bitte.“

Sie fühlte sich benommen und verletzlich, aber sie durfte ihm keine Angriffsfläche bieten. „Ich verstehe das nicht, er hat dich Mr Cruz genannt“, sagte sie verwirrt.

„Weil das mein Name ist“, erwiderte er und nahm hinter dem Schreibtisch Platz.

„Seit wann?“ Ihre Stimme klang so schrill, dass sie zusammenzuckte. Verzweifelt versuchte Ashley, sich zu beruhigen. „Mir hast du dich als Sebastian Esteban vorgestellt.“

„Das ist ein Teil meines Namens. Esteban ist der Familienname meiner Mutter.“ Er musterte sie eingehend, als sollte ihr der Name irgendetwas sagen. „Ich bin Sebastian Esteban Cruz.“

Das war seine Entschuldigung? Fassungslos starrte sie ihn an, wartete auf eine Erklärung. Er beobachtete sie jedoch nur ungeduldig und würde sich für nichts entschuldigen.

„Warum hast du mich belogen?“ Eine Frau musste Sebastian Cruz nur ansehen, um zu wissen, dass er ein Herzensbrecher war. Sie hatte gedacht, wenn sie ihre Begegnung auf einen One-Night-Stand beschränkte, passierte ihr nichts. Doch da hatte sie sich geirrt.

An diesem sinnlichen Wochenende war sie einem Impuls gefolgt und in seinem Bett gelandet.

Dabei hätte sie es besser wissen müssen. Schließlich war sie bei einem Vater aufgewachsen, der ein ausgemachter Frauenheld war, und hatte Sebastians Spiel durchschaut. Nur hätte sie sich auch daran erinnern sollen, dass dem Versprechen vom Paradies oft ein tiefer Fall folgte.

„Wenn man reich ist und etwas erwerben will, hat man großes Interesse daran, nicht zu enthüllen, wer man ist“, entgegnete er. „Sonst steigt der Verkaufspreis.“

„Inez Key stand aber nicht zum Verkauf“, protestierte sie heiser. Wut stieg in ihr auf. Jetzt verstand sie, warum er auf ihre Insel gekommen war. Er hatte von Anfang an vorgehabt, sie ihr wegzunehmen.

„Wie du immer wieder gesagt hast.“ Er zuckte abweisend mit den Schultern. „Mehrere meiner Angestellten haben dich in meinem Auftrag kontaktiert, erhielten aber immer dieselbe Antwort. Darum bin ich persönlich gekommen, weil ich hoffte, dich so zum Verkauf bewegen zu können.“

Irgendwie war es ihr schon seltsam erschienen, dass ein Mann wie Sebastian sich auf ihrer Insel hatte entspannen wollen. „Stattdessen hast du sie mir gestohlen“, flüsterte sie, während sich ihr der Magen umdrehte. „Jetzt ergibt das alles einen Sinn.“

„Ich habe sie nicht gestohlen“, widersprach er. „Du konntest deinen Kredit nicht zurückzahlen. Und nun gehört Inez Key mir.“

Der Triumph in seiner Stimme gefiel Ashley gar nicht. Sie umklammerte die Handtasche fester und schluckte ihre Wut herunter. „Der Kredit geht dich gar nichts an! Das war eine private Vereinbarung zwischen Raymond Casillas und mir.“

„Und ich habe ihn von Casillas gekauft. Du hättest deine Insel eben nicht als Sicherheit einsetzen sollen.“ Spöttisch schüttelte er den Kopf.

„Ich hatte keine große Wahl“, verteidigte sie sich heftig. Wie konnte dieser Mann es wagen, ihre Entscheidung infrage zu stellen? Die Finanzen ihres Vaters waren bei seinem Tod ein einziges Chaos gewesen. Sebastian hatte ja keine Ahnung, was sie alles getan und geopfert hatte, um Inez Key behalten zu können. „Die Insel war das einzig Wertvolle, was ich besitze.“

Er begegnete ihrem Blick. „War das so?“, fragte er zurück.

Ashley versteifte sich. Wie viel wusste er? Ihre Beine zitterten, trotzdem zwang sie sich dazu stehen zu bleiben. „Inez Key hat beim Hurrikan große Schäden erlitten, und die Versicherung wollte nicht für alles aufkommen.“

Gleichgültig zuckte er mit den Schultern. „Das interessiert mich nicht.“

Der gelangweilte Ausdruck auf seinem Gesicht ließ Wut in ihr aufsteigen. Ashley presste ihre Fingernägel in die Handflächen, weil sie spürte, dass ihr Temperament mit ihr durchzugehen drohte. Sie war ein Risiko eingegangen, als sie den Kredit angenommen hatte. Und es war nicht leicht gewesen, das Geld für die Raten aufzutreiben, aber so durfte es nicht enden. Sie musste Inez Key zurückbekommen.

„Raymond hat verstanden, warum ich Schwierigkeiten hatte, die Raten zu tilgen“, erklärte sie mit zitternder Stimme. „Er hat mir mehr Zeit gegeben, weil er ein guter Freund meines Vaters war.“

„Ich bin sicher, er war der Inbegriff von Verständnis und Mitgefühl, aber es war clever von dir, die Banken aus dieser Vereinbarung herauszuhalten, sonst hätte ich es eher herausgefunden.“

Dachte er, das war lustig? Hier stand ihre Zukunft auf dem Spiel. „Dann hättest du nicht mit mir zu schlafen brauchen, um an diese Information zu kommen“, schoss sie zurück.

Langsam glitt Sebastians Blick über ihren Körper und verweilte kurz auf ihren sanften Kurven. „Deswegen bin ich nicht mit dir ins Bett gegangen.“

Ihre Haut schien zu brennen. Sie konnte nicht verhindern, dass sie sich an seinen heißen, männlichen Duft und den Geschmack seiner Haut erinnerte. Hitze stieg ihr in die Wangen.

Abrupt wandte Ashley den Blick ab. Sie musste meist in den ungünstigsten Momenten an diese Nacht denken. Ihr Herz klopfte heftig. „Du hattest also nicht vor, mich zu verführen, als du nach Inez Key gekommen bist?“, hakte sie nach. „Irgendwie glaube ich das nicht.“

„Ich konnte ja nicht wissen, dass du nach dem Sex zu Bettgeflüster neigst“, antwortete er und lehnte sich zurück. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du deine Vereinbarung mit Casillas verrätst, und musste das einfach zum meinem Vorteil nutzen.“

Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Wie konnte er so gefühllos von diesem intimen Moment sprechen? War ihm nicht klar, dass sie sich sonst niemandem anvertraute? Bei ihm hatte sie sich sicher genug gefühlt, um ihm ihre Sorgen zu beichten.

Irgendwie hatte sie geahnt, dass sie das noch verfolgen würde. „Ich lasse nicht zu, dass du mir die Insel wegnimmst!“

Ihr Ausbruch ließ ihn völlig kalt. „Es ist zu spät.“

„Warum bist du so unvernünftig?“ Ihre Stimme hallte ihr in den Ohren nach. Obwohl es ihr nicht leichtfiel, versuchte sie es erneut. „Warum kannst du mir keine zweite Chance geben?“

Ihre Frage schien ihn ehrlich zu überraschen, als wäre sie naiver, als er gedacht hätte. „Und warum sollte ich?“

Ashley sah, wie sich seine Augen verdunkelten. Misstrauisch verschränkte sie die Arme. „Geht es darum, dass ich dich am nächsten Morgen aus dem Bett geschubst habe?“

Am liebsten hätte sie sich sofort auf die Zunge gebissen. Dabei wusste sie doch, dass sie mit ihren Worten vorsichtig sein musste. Sie zuckte zusammen, als sie sein heiseres Lachen hörte.

„Bild dir nur nichts darauf ein.“

Ashley wusste, es hatte ihn überrascht, dass sie die Beziehung nicht hatte weiterführen wollen. Sebastian würde nie erfahren, wie sehr sie der Vorschlag gefreut und wie viel Angst er ihr gleichzeitig eingejagt hatte. Darum hatte ihre Antwort kalt und gefühllos geklungen.

Immer wieder hatte sie sich gewünscht, sie hätte freundlicher abgelehnt oder den Mut gehabt, sein Angebot anzunehmen.

Aber nach nur einer fantastischen Nacht mit ihm lief sie Gefahr, zu der Art Frau zu werden, die sie hasste – eine Frau, die von ihren Gefühlen und Bedürfnissen gelenkt wurde. Um sich selbst zu schützen, hatte sie sich zurückgezogen.

„Ich denke einfach, dass es hier um etwas Persönliches geht“, erwiderte sie und musterte ihn finster.

Mit gehobener Augenbraue sah er sie an. „Wie soll das möglich sein, wenn wir uns erst auf Inez Key kennengelernt haben?“

Ashley hatte das Gefühl, etwas nicht zu verstehen. Sie wusste, dass sie sich noch nie vorher begegnet waren, doch selbst ein flüchtiges Treffen mit Sebastian Cruz konnte man nicht vergessen. „Du bist mit Hintergedanken und unter falschem Namen auf meine Insel gekommen und hast mich verführt. Es war ganz richtig, dass ich meinem Instinkt gefolgt und dich losgeworden bin.“

„Und ich folge meinem Instinkt und entferne dich sofort von der Insel“, erklärte Sebastian und wandte sich seinem Computer zu, als wäre das Gespräch beendet.

Sofort? Panik ergriff sie. Bevor sie sein Büro betreten hatte, waren ihr zwei Wochen Zeit geblieben, die Insel zu verlassen. Sie machte alles nur noch schlimmer. „Inez Key ist alles, was ich besitze“, sagte sie verzweifelt. „Ohne die Insel habe ich kein Zuhause, kein Geld …“

Er sah nicht einmal auf. „Das ist nicht mein Problem.“

Schnell ging sie auf seinen Schreibtisch zu und stützte sich auf der Kante ab. „Wie kannst du nur so grausam sein?“, fragte sie.

Jetzt hob er den Blick. „Grausam? Du kennst nicht einmal die Bedeutung dieses Wortes.“

Sie beugte sich vor. „Ich darf Inez Key nicht verlieren. Die Insel ist mein Zuhause und meine Lebensgrundlage.“

„Lebensgrundlage?“, höhnte er. „Du hast noch keinen einzigen Tag in deinem Leben gearbeitet, sondern vermietest gelegentlich dein Haus für ein Wochenende an reiche Leute.“

Ashley schwieg. Vielleicht hatte sie keinen typischen Job, aber deswegen arbeitete sie trotzdem hart, um alles zu behalten, was ihr wichtig war. „Sie bezahlen für ungestörte Privatsphäre gutes Geld. Du hast es auch getan. Warum denkst du, dass das nicht auch andere tun würden?“

Er griff nach seinem Füller und schraubte die Kappe ab. „Es gibt nicht genug reiche Promis, die sich nach Ruhe sehnen, damit du deinen Kredit zurückzahlen kannst.“

„Ich habe das noch nicht lange genug gemacht“, behauptete sie, weil sie unbedingt etwas Zeit schinden musste. „Raymond hat das verstanden.“

Sebastian schüttelte den Kopf. „Raymond Casillas wusste, dass du den Kredit nie zurückzahlen kannst. Warum, denkst du, hat er ihn dir überhaupt angeboten?“

Ashley richtete sich auf und trat vom Schreibtisch zurück. „Ich weiß es nicht“, gab sie zu. Darüber wollte sie nicht sprechen.

„Er hat gehofft, dass du deine Schulden auf andere Art zurückzahlst. Und ich glaube, das wusstest du. Deswegen hast du auch auf dem Vertrag bestanden. Normalerweise wäre das clever gewesen.“

„Und es hat mir auch so viel genutzt“, entgegnete sie ironisch. So war sie direkt in den Händen des skrupellosen Sebastian Cruz gelandet.

„Du wolltest keine Missverständnisse aufkommen lassen und hast deshalb als Sicherheit Inez Key und nicht deinen Körper eingesetzt.“ Sebastian hielt kurz inne. „Oder deine Jungfräulichkeit.“

Ashley wurde knallrot und wich seinem Blick aus. „Du wusstest es?“, flüsterte sie. Dabei hatte sie alles getan, um zu überspielen, wie unerfahren sie war, aus Stolz und zum Schutz. Aber woher hatte er es gewusst? Wie hatte sie sich verraten?

Er legte seinen Stift beiseite. „Du hättest es mir sagen sollen.“ Jetzt klang er beinahe sanft.

Ashley wünschte, sie könnte dieses Büro einfach verlassen, aber die ungewohnten High Heels fühlten sich bleischwer an ihren Füßen an. „Ich hatte dir schon zu viel erzählt. Und woher hast du gewusst, dass Raymond …“ Sie schluckte schwer und verstummte.

„Casillas ist bekannt dafür, dass er unschuldige Mädchen mag“, erklärte er angewidert und lehnte sich zurück. „Und sobald er wusste, dass wir zusammen gewesen waren, hatte er kein Interesse mehr daran, dir zu helfen.“

Gedemütigt schloss Ashley die Augen. Sebastian hatte Raymond von ihrem privaten Moment erzählt? Er war genau wie ihr Vater und seine Saufkumpane. Enttäuschung machte sich in ihr breit. „Du bist widerlich“, schleuderte sie ihm entgegen.

„Ich tue einfach, was nötig ist, um zu gewinnen.“

„Das ist noch nicht vorbei. Ich sehe dich vor Gericht“, verkündete sie und ging zur Tür.

„Viel Glück dabei“, rief er ihr nach. „Du kannst dir keine Rechtsberatung leisten, und jeder gute Anwalt wird dir sagen, dass du keine Chance hast.“

„Unterschätz mich nicht!“, warnte sie ihn.

„Wie dringend willst du Inez Key?“, hakte er nach, als sie nach der Türklinke griff.

Sie senkte den Kopf. Wie könnte sie es ihm erklären? Inez Key war mehr als ihr Zuhause, denn mehr war von ihrer Familie nicht übrig. Die Insel war ihr Zufluchtsort, aber auch ihr Gefängnis. Sie war sowohl Verwalterin als auch Gefangene, und sie war entschlossen, dort zu leben, bis sie ihre Dämonen vertrieben hatte. „Wahrscheinlich genauso sehr, wie du es wolltest.“

Amüsiert lachte er auf. „Das hättest du mir nicht verraten sollen.“

Widerwillig drehte sie sich um. Ruhig und beherrscht saß er auf seinem Stuhl und sah sie belustigt an. „Was willst du, Cruz?“

Bei seinem Lächeln lief es ihr eiskalt den Rücken herunter. „Dich.“

2. KAPITEL

Sebastian bemerkte, wie Ashley zusammenzuckte. Er wusste, dass sein Geständnis sie nicht überraschte. In ihren Augen flackerte Interesse auf, und Röte stieg ihr in die Wangen. Auch wenn sie ihre Reaktion zu verbergen suchte, verriet ihr Körper sie. Den hektischen Puls an ihrem Hals konnte sie nicht verstecken. Ashley wollte ihn immer noch, aber sie würde es nicht zugeben.

„Das hast du deutlich gezeigt“, entgegnete Ashley.

„Dafür schäme ich mich nicht.“ Er sah sein Verlangen nach Ashley nicht als Schwäche. Es war eher ein Problem, eine Ablenkung und eine wachsende Besessenheit. Aber sie schämte sich für die Anziehung, die sie verband.

„Ich stehe nicht zum Verkauf“, verkündete sie.

Sein Mundwinkel hob sich ein wenig. „Das hast du auch über Inez Key gesagt, und du siehst ja, was daraus geworden ist.“

Ashley biss die Zähne zusammen. „Ich meine das ernst, Cruz“, gab sie heftig zurück.

Wäre es ihr ernst, dann hätte sie ihm zu seinem unmoralischen Angebot ein paar deutliche Worte gesagt und ihm eine Ohrfeige verpasst, stattdessen umklammerte sie die Türklinke. Sie schwankte zwischen Entsetzen und Begeisterung, und wenn er es richtig anstellte, könnte er Ashley länger als eine Nacht in seinem Bett haben.

„Ich bin sicher, wir kommen zu einer Übereinkunft“, sagte er mit weicher Stimme, obwohl seine Erregung wuchs. Wochenlang hatte er sich nach ihr gesehnt, und das verstärkte sich jetzt, wo er wusste, dass er nicht mehr lange warten musste.

„Du bist auch nicht besser als Raymond“, zischte sie.

Sebastian grinste. Ihr Kommentar zeigte lediglich, wie unschuldig und weltfremd sie wirklich war. Hatte sie noch nicht bemerkt, dass er viel, viel schlimmer war?

„Im Gegenteil, Casillas hat dir eine Falle gestellt, aber ich sage ehrlich, was ich will.“ Und er wollte Ashley mehr als alles andere. Das ergab einfach keinen Sinn, schließlich war sie wie bisher keine andere Frau in seinem Leben. Sie war ungezähmt und unerfahren, ein Ärgernis, eine Unannehmlichkeit und eine Herausforderung.

Er sollte sie rausschmeißen. Schließlich ließ er sie auf keinen Fall wieder auf die Insel. Er würde kein Versprechen brechen, nur weil es dieser verwöhnten Prinzessin gefallen würde, aber er war neugierig, was ihren Preis anging.

„Ehrlich?“, fragte sie. „Das behauptest du, nachdem du dich mit einem falschen Namen bei mir vorgestellt hast, weil du mir die Insel abspenstig machen wolltest?“

Langsam stand er auf und ging auf sie zu. Diesmal war sie zu wütend, um vorsichtig zu sein, und bemerkte die Gefahr nicht. Ihre braunen Augen blitzten, und sie reckte das Kinn.

Sebastian fragte sich, warum sie versuchte, sich hinter diesem formlosen weißen Kleid zu verstecken. Ihm juckte es in den Fingern, ihre Haare aus dem Knoten zu lösen, nur um zu sehen, wie sie ihr über die Schultern fielen. Am liebsten würde er ihr das blasse Make-up abwischen, um das Inselmädchen darunter zu finden, das er kannte.

„Du bist diejenige, die nicht ehrlich ist“, konterte Sebastian, als er vor ihr stand und mitbekam, wie heftig sich ihre Brust hob und senkte. „Du wusstest, was Casillas wirklich wollte, und hast ihn in dem Glauben gelassen, er würde es bekommen, weil du das Geld brauchtest.“

„Ich hatte es bei verschiedenen Banken probiert, aber …“

„Casillas widert dich an. Meinst du nicht, dass er das wusste? War dir klar, dass du für ihn dadurch noch begehrenswerter warst?“, gab Sebastian zurück. „Du hast versucht, damit zu spielen und dir die Finger verbrannt.“

Ashley hob eine Augenbraue. „Ist dir in den Sinn gekommen, dass ich in deinem Bett gelandet bin, weil ich Raymond entkommen wollte?“

Sebastian zuckte zurück. Das hatte er nicht bedacht, und die Möglichkeit machte ihm zu schaffen.

Fest umfasste er ihr Kinn, damit sie stillhielt. Dabei spürte er die Anspannung unter ihrer weichen, seidigen Haut. „War es so?“, fragte er gefährlich leise.

In ihren Augen blitzte es trotzig. „Jetzt bist du dir nicht mehr so sicher, oder?“

Ungewohnte Gefühle tobten in seiner Brust, als er sie eingehend betrachtete. Mit ihrer natürlichen Schönheit und ihrem freien Geist hätte Ashley Jones jeden Mann haben können. Er wusste nicht, warum sie mit ihrem ersten Mal gewartet hatte. Um ihre Jungfräulichkeit loszuwerden, hätte sie sich einen unkomplizierten Mann aussuchen können, den sie kontrollieren konnte.

Mit dem Daumen strich er ihr über das Kinn und versuchte seine Gefühle im Zaum zu halten. „Ich denke, du hast mit mir geschlafen, weil du es genauso wolltest wie ich“, sagte er heiser. Sie wollte ihn, auch wenn es bedeutete, dass sie nachgeben musste. „Casillas hatte damit gar nichts zu tun. In meinem Bett hattest du ihn völlig vergessen.“

Sie versuchte, seine Hand wegzuschieben. „Träum weiter!“

Und er konnte gar nicht anders, als von Ashley zu träumen und der Nacht, die sie zusammen verbracht hatten. Er erinnerte sich an jede Berührung, jeden Kuss, jedes Keuchen und Stöhnen. Nichts davon hatte sie vorgetäuscht. „Du willst mich so sehr, dass es dir Angst macht. Nur deshalb hast du mich abgewiesen.“

„Nein, ich wollte nur keine Affäre mit dir“, protestierte sie. „Du hattest deinen Zweck erfüllt, und Playboys interessieren mich nicht.“

Sebastian ließ seine Hand sinken. Seinen Zweck erfüllt? Er wusste, sie wollte damit nur überspielen, dass er immer eine wichtige Rolle in ihrem Liebesleben spielen würde, aber für diese Worte würde sie bezahlen. „Ich bin kein Playboy!“

„Ha!“, erwiderte sie bitter. „Auf Inez Key hast du versucht, es zu kaschieren, aber ich bin unter Frauenhelden aufgewachsen und weiß genau, was für ein Mann du bist. Du köderst eine Frau mit ihrem Zuhause, aber wir wissen beide, dass du es nicht zurückgeben wirst.“

Sebastian musste sich ein Lächeln verkneifen. Ashley Jones hielt sehr viel von sich. Dachte sie wirklich, er würde seinen Schatz aufgeben, um noch einmal das zu bekommen, was sie geteilt hatten? „Ich habe nie gesagt, dass ich es dir zurückgebe.“

Sie erstarrte und runzelte die Stirn. „Ich verstehe nicht ganz. Du hast mich gefragt …“

„Wie sehr du Inez Key haben willst“, beendete er den Satz, kam näher und sog ihren Duft ein. „Die Insel steht nicht zur Debatte, ich behalte, was mir gehört, und werde es mir nicht wieder wegschnappen lassen.“

Ashley wurde blass und lehnte sich gegen die Tür. „Ich habe mich jahrelang um die Insel gekümmert“, flüsterte sie. „Sie hat mich meine Liebe, Schweiß und Tränen gekostet. Ich habe alles dafür geopfert.“

„Warum?“ Die Insel war nichts Besonderes, dort gab es weder Bodenschätze, noch hatte sie eine historische Bedeutung, darum war er auch der einzige Kaufinteressent gewesen.

„Warum?“, wiederholte sie. „Sie ist mein Zuhause.“

Sebastian ahnte, dass sie ihm etwas verschwieg und es auch nicht verraten würde.

Während dieses Wochenendes war Ashley offen und spontan gewesen, doch jetzt war sie misstrauisch. Überrascht stellte er fest, dass er es bedauerte, doch er ignorierte es. Schließlich war es höchste Zeit, dass sie lernte, wie es in der realen Welt zuging. Er hatte ihr eine wertvolle Lektion erteilt. „Deine Verbundenheit zu Inez Key ergibt keinen Sinn.“

„Was ist mit dir?“, konterte sie. „Nicht viele Leute würden solche Anstrengungen unternehmen, um jemandem sein Zuhause zu stehlen.“

„Ich habe es nicht gestohlen“, widersprach er leicht ungeduldig. „Du konntest deinen Kredit nicht mehr bedienen, also gehört die Insel jetzt mir.“

„Was hast du damit vor?“, fragte sie, als würde allein schon die Vorstellung schmerzen, dass er Veränderungen vornehmen würde. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass du dort wohnen willst.“

„Mach dir darüber mal keine Gedanken“, antwortete er, als er nach der Türklinke griff. Es war Zeit, sie zu einer Entscheidung zu zwingen. „Inez Key ist jetzt meine Sorge.“

Ashley starrte auf die geöffnete Tür und biss sich auf die Unterlippe. „Cruz.“

„Mein Name ist Sebastian“, erinnerte er sie. In dieser einen Nacht hatte sie ihn oft gesagt, verwundert und erregt, sehnsüchtig und befriedigt. Und heute Abend würde sein Name das letzte Wort sein, was sie sagte, bevor sie einschlief.

Sebastian. Nein, so würde Ashley ihn nicht nennen. Sebastian war ein mysteriöser Fremder, dessen Männlichkeit in ihr ein heftiges sexuelles Verlangen ausgelöst hatte, von dem sie nicht einmal gewusst hatte, dass es überhaupt existierte.

Dieser arrogante Mann, der jetzt vor ihr stand, war berechnend und einschüchternd, allerdings auch so atemberaubend, dass sie den Blick nicht von ihm wenden konnte. Nur war er nicht der Sebastian, an den sie sich erinnerte.

Vielleicht war das auch das Problem. Hatte sie diese eine magische Nacht in ihren Gedanken verklärt? Alles war so neu für sie gewesen. Jetzt wäre sie nicht mehr so überwältigt, wenn sie noch einmal mit ihm schlief. Allerdings bekam sie noch immer weiche Knie, wenn sie daran dachte, mit Sebastian ein Bett zu teilen.

„Wenn du nicht vorhast, mir mein Zuhause zurückzugeben“, fragte sie vorsichtig nach, „was bietest du mir dann an?“

„Du wärst die Verwalterin und würdest in dem Cottage hinter dem Haupthaus wohnen.“

Hastig unterdrückte Ashley die aufsteigende Wut. Sie war die Hausherrin gewesen, hatte freie Hand auf der Insel gehabt, und jetzt bot er ihr die Rolle der Verwalterin an, als wäre das ein Geschenk? „Nicht gut genug.“

Er legte ihr einen Finger auf den Mund. „Vorsichtig, mi vida“, sagte er weich. Seine Augen blitzten gefährlich. „Ich kann dir den Zutritt zur Insel auch verwehren, und ich muss auch sonst niemanden weiterhin dort wohnen lassen.“

Bei seiner unverhohlenen Drohung stöhnte Ashley entsetzt auf. „Nein! Das hat nichts mit den anderen Familien auf Inez Key zu tun. Sie leben dort schon seit Generationen.“

„Du setzt dich für die anderen ein?“, spottete er. „Wie großherzig!“

Sie dachte an die fünf Familien, die auf der kleinen Insel lebten und immer für sie da gewesen waren. Seitdem hatte sie für sie gesorgt und sie beschützt. Und sie würde sie auch jetzt nicht im Stich lassen. „Misch dich nicht in ihr Leben ein“, drohte sie. „Das alles betrifft nur dich und mich.“

„Stimmt“, bestätigte er und schloss die Tür. Dann stützte er sich mit der Hand über ihrem Kopf am Türrahmen ab. Er war zu nah, und sie fühlte sich gefangen, in die Ecke gedrängt.

Ihr fiel es nicht leicht stillzuhalten und seinem Blick zu begegnen. „Was willst du von mir?“

„Zwei Wochen in meinem Bett.“

Ashley wurde knallrot, und ihr blieb der Mund offen stehen. „Ich würde nicht mal zwei Minuten in deinem Bett bleiben, ganz zu schweigen von …“

„Dann eben drei“, unterbrach er sie kühl.

Mit großen Augen sah sie ihn an. „Du Mistkerl!“, fauchte sie.

„Und jetzt sind es vier“, entgegnete er völlig emotionslos. „Willst du fünf daraus machen?“

Ein ganzer Monat mit Sebastian? Bereits eine Nacht hatte ihren Schutzwall völlig zerstört, was würde dann nach vier Wochen in seinem Bett mit ihr passieren?

Wenn sich jetzt nur die Erregung, die sich in ihr aufbaute, legen würde. Aber sie würde nicht zulassen, dass dieses sexuelle Verlangen ihre Gedanken und Entscheidungen bestimmte. Sie war anders als ihre Eltern.

„Ashley, ein Monat wird für dich nicht reichen“, versprach er.

Stur presste sie die Lippen zusammen. Sie hätte sich von ihm nicht reizen lassen dürfen. Ihre wütenden Worte zogen immer Konsequenzen nach sich.

„Vielleicht dauert es auch gar nicht so lange“, fuhr er fort. „Bei Frauen habe ich eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, aber du wirst mich anbetteln zu bleiben.“

Und genau davor hatte sie Angst. Bis sie Sebastian Cruz kennengelernt hatte, war sie stolz darauf gewesen, keine leidenschaftliche Frau zu sein. Ein Blick auf ihn hatte genügt, und diese Gefühle waren erwacht. Ihre Reaktion auf seine Berührung hatte sie erschreckt. Dieser Mann besaß eine Macht über sie wie niemand sonst.

Sie musste diesen Zauber brechen und das Verlangen nach Sebastian Cruz auslöschen. Wenn dieser Monat vorüber war, würde kein Mann sie je wieder so in der Hand haben.

„Nur damit ich das richtig verstehe“, meinte sie. „Ich werde also auf der Insel ein Zuhause haben, wenn ich einen Monat lang mit dir das Bett teile?“

„Korrekt“, antwortete er mit einem teuflischen Glanz in den Augen.

Wo war der Haken? Gut, es war für ihn von Vorteil, einen Verwalter zu haben, der Inez Key bereits kannte. Aber dachte er, dieses Arrangement dauerte so lange, wie er das wollte? „Und woher weiß ich, dass du mich nicht rauswirfst?“

„Du bekommst einen Vertrag wie meine anderen Angestellten auch“, erklärte er, ohne den Blick von ihrem Mund zu lösen.

Ihre Lippen prickelten, und es fiel ihr schwer, nicht nervös darüber zu lecken. „Und wie lange habe ich Zeit, mich zu entscheiden?“

Er kam noch näher, sodass Ashley seinen warmen Atem auf der Haut spürte. „Du musst dich sofort entscheiden.“

Panik breitete sich in ihr aus. „Jetzt? Das ist nicht fair!“ Was sagte sie da? Sebastian spielte nicht fair, um zu gewinnen.

„Nimm es an oder lass es“, entgegnete er.

Sie wollte den Blick abwenden, eine andere Möglichkeit finden. So gern Ashley auch auf Inez Key bleiben wollte, sie glaubte nicht, dass sie stark genug war, ihr Verlangen nach Sebastian zu unterdrücken. Aber sie konnte auch nicht einfach gehen. „Ich nehme dein Angebot an“, flüsterte sie.

Leidenschaftlich küsste Sebastian sie. Und auch wenn sie ihm widerstehen wollte, entschlossen war, nicht zu reagieren, öffnete sie den Mund und kam ihm entgegen, als er den Kuss vertiefte. Ihre Zungen spielten miteinander, als er sie noch näher an sich zog. Sein Verlangen überwältigte sie, darum gab sie nach.

Abrupt löste sich Ashley von ihm. Was ist nur los mit mir? Ihr Herz raste, und sie konnte Sebastian nicht in die Augen sehen, dazu war sie viel zu verwirrt, zu erregt.

Warum reagierte sie nur so heftig auf ihn? Wo Sebastian Cruz doch alles verkörperte, was sie an einem Mann verachtete. „Ich muss gehen“, sagte sie und griff ungeschickt nach der Türklinke. „Ich muss mich zu Hause um einige Dinge kümmern.“

„Du fährst nicht nach Hause.“ Sebastian zog ihre Hand von der Klinke weg.

Verwirrt starrte sie ihn an, als seine Worte zu ihr durchdrangen. Er erlaubte ihr nicht, nach Hause zu fahren? Wie konnte er es wagen? Allerdings war es nicht mehr ihr Zuhause, sondern seins. „Ich habe gesagt, ich teile ein Bett mit dir, es war nicht die Rede davon …“

„Du bist jetzt meine Geliebte“, unterbrach er sie, nahm ihre Hand und presste die Lippen auf ihren jagenden Puls. „Du wohnst bei mir und schläfst bei mir.“

Geliebte? Ihre Knie drohten nachzugeben. Wie sie dieses Wort hasste. Ihr Dad hatte viele Geliebte gehabt. Vulgäre Frauen, denen es egal war, wen sie verletzten, solange sie die Aufmerksamkeit bekamen, die sie für sich beanspruchten. „Dem habe ich nicht zugestimmt.“

„Ich habe nicht gesagt, dass ich meine Nächte mit dir verbringe“, erinnerte er sie. „Ich teile ein Bett. Das kann jederzeit passieren oder den ganzen Tag.“

Den ganzen Tag. Ihr wurde heiß. Nein, das war schlecht. Sehr, sehr schlecht. Worauf hatte sie sich da nur eingelassen?

„Steigst du schon wieder aus?“, fragte er.

Das war ihre Chance, sich aus dieser Abmachung zu lösen und in ihre sichere, kleine Welt zurückzukehren. Nur leider existierte die nicht mehr, denn sie gehörte ihm. Jetzt musste sie selbst um ein kleines Stück davon kämpfen. Ashley schluckte schwer. „Nein.“

„Gut.“ Sebastians Zufriedenheit schwang in seiner tiefen Stimme mit, als er die Tür öffnete, ihre Hand ergriff und sie aus seinem Büro führte.

„Wohin gehen wir?“, wollte sie wissen. Sie stolperte in ihren High Heels, als sie versuchte, mit ihm Schritt zu halten.

„Dich aus diesem Kleid befreien.“

Sie versteifte sich. Jetzt? Er wollte den Deal jetzt besiegeln? Dazu war sie noch nicht bereit. Trotzdem merkte sie, wie ihre Brustspitzen vor Erregung hart wurden.

„Ich rufe eine Stylistin“, verkündete Sebastian. „Das Kleid, das du trägst, verhüllt deinen Körper und macht dich zwei Jahrzehnte älter.“

Das war Ashley ziemlich egal. Ihr machte es keinen Spaß, sich herauszuputzen und die Aufmerksamkeit auf ihren Körper zu lenken. „Wozu brauche ich ein denn anderes Kleid?“

„Ich muss zu einem Event, und du begleitest mich“, erklärte er ihr, als sie seinen Privataufzug erreichten.

Ein Event? Wahrscheinlich glamourös und luxuriös, an dem die Elite von Miami teilnahm. Darunter würden auch Freunde und frühere Liebhaber ihrer Eltern sein. Ein Albtraum! „Ich will aber nicht mitkommen.“

„Du weißt nicht viel über Geliebte, oder?“, fragte er, schlang ihr einen Arm um die Taille und zog sie an sich. „In der Hinsicht hast du kein Mitspracherecht.“

Ashley spürte seine Hand auf ihrem Rücken sehr deutlich. Neben ihm kam sie sich zart, beinahe zerbrechlich vor. Und das gefiel ihr nicht. „Dir ist aber schon klar, dass es einen Unterschied zwischen Geliebter und Sexsklavin gibt?“

„Setz mir lieber keinen Floh ins Ohr“, murmelte Sebastian.

Das Letzte, was sie wollte, war, in der Öffentlichkeit in der Begleitung dieses Playboys gesehen zu werden. Nachdem sie sich jahrelang vor der Boulevardpresse versteckt hatte, wollte sie nicht, dass alle Welt nun mitbekam, wie tief sie gefallen war.

Allerdings würde es wohl niemanden wundern, schließlich war sie die Tochter von Linda Valdez und Donald Jones. „Ich dachte immer, Männer verstecken ihre Geliebten“, beschwerte sie sich leise, „und zeigen sie nicht herum.“

„Du musst noch viel lernen, Ashley“, antwortete er und umfasste ihre Taille fester. „Und ich freue mich darauf, dir alles beizubringen.“

3. KAPITEL

Was hatte sie sich da nur eingebrockt? Ashley starrte in den Spiegel. Sebastian hatte eine Stylistin in die Penthousewohnung in der obersten Etage seines Bürogebäudes kommen lassen, die die letzten Stunden damit verbracht hatte, sie für den Abend herauszuputzen. Für die meisten Frauen wäre das wahrscheinlich lustig und entspannend gewesen, für Ashley war es eine Qual.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihr Spiegelbild an. Ihr Blick schweifte von der wilden Mähne zu den roten Lippen und den High Heels. Etwas an diesem Look kam ihr bekannt vor.

Waren Sebastians Frauen alle so gekleidet? Dabei konnte sie dieses sexuelle Versprechen doch gar nicht erfüllen. So sah eine Frau aus, deren einziges Ziel es war, sich einen Mann zu angeln und ihn so lange wie möglich zu halten. In ihrer Kindheit und Jugend hatte sie viele solcher Frauen gesehen.

Ashley runzelte die Stirn und betrachtete das orangefarbene Kleid genauer. Warum sollte Sebastian eine Frau wollen, die keine Ansprüche stellte? Er schien nicht der Typ zu sein, der sich mit geistlosen Frauen umgab, die seinen Intellekt nicht herausforderten. Allerdings wusste sie nicht viel über sein Liebes­leben.

Liebe? Sie schnaubte. Sex, korrigierte sie sich in Gedanken. Sein Sexleben. Erinnerte er sich an seine Geliebten, oder waren seine Frauen austauschbar?

Der Gedanke schmerzte. Ashley wollte nicht mit diesen Frauen in einen Topf geworfen werden – namenlos und leicht zu vergessen. So konnte sie keinesfalls ausgehen. Das Kleid war zwar nicht so freizügig, wie sie befürchtet hatte, aber doch so gewagt, dass es mehr versprach als Sex. Es deutete ihren Status und ihren Preis an.

Abrupt drehte sie den Kopf und erstarrte. Nein, nein, nein!

Aufgedonnerte Haare, kurzes Kleid in kräftiger Farbe. Für einen Moment ähnelte sie ihrer Mutter.

Linda Valdez hatte immer leuchtende und gewagte Farben getragen, damit Donald Jones sie bemerkte. Wenn das nicht funktionierte, dann wurden Lindas Kleider kürzer und freizügiger. Nur ihre Frisur veränderte sie nicht, aus Angst, dass es ihm nicht gefallen könnte.

Alles, was ihre Mutter tat, sollte Donalds Interesse wachhalten. Wenn sein Blick zu anderen Frauen wanderte, versuchte Linda verzweifelt, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Ashley wusste, dass es ihrem Vater völlig egal war, was ihre Mutter interessierte oder was sie dachte; ihn interessierte nur, dass Linda schön und sexuell verfügbar war, und dass es alle wussten. Er steckte Linda in billige, geschmacklose Kleider und diskutierte ihre Beziehung in aller Öffentlichkeit.

Ashley kniff die Augen zu und ballte die Hände zu Fäusten, sodass sich die Fingernägel in ihre Handflächen bohrten, und unterdrückte die aufsteigende Panik.

Zitternd atmete sie aus. Jahrelang war sie entschlossen gewesen, nie in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten, und trotzdem wurde sie jetzt zum Spielzeug eines reichen Mannes.

Im Gegensatz zu ihr hatte ihre Mutter hart dafür gearbeitet, Donald Jones’ Aufmerksamkeit zu erregen. Danach versuchte sie immer wieder, ihren Status zu verbessern und mit einer „ungeplanten“ Schwangerschaft zu einer Trophäenfrau aufzusteigen. Leider war Linda Valdez nicht Donalds liebste Trophäe gewesen.

„Ich bin nicht wie Mom“, flüsterte Ashley. Dafür hatte sie gesorgt. Früher einmal war ihre Mutter für sie so perfekt wie eine Märchenprinzessin gewesen, und sie wollte genauso sein wie sie. Aber als Linda älter wurde, und Donald sich weigerte, sie zu heiraten, wurde sie unsicher. Sie spürte, dass ihre Schönheit verblasste und sie den Kampf mit ihren jüngeren Konkurrentinnen verlieren würde.

Linda Valdez war wunderschön, aber zerbrechlich gewesen, eifersüchtig und leidenschaftlich. Ashley hatte die dunkle Seite von Liebe und Leidenschaft miterlebt, noch bevor ihre Mutter Donald umbrachte und die Waffe dann gegen sich selbst richtete.

Damals war Ashley achtzehn Jahre alt gewesen. Doch schon vor diesem schicksalhaften Vorfall war sie Männern gegenüber misstrauisch gewesen und hatte sie auf Abstand gehalten. Während sie mit den Folgen und dem Skandal um den Tod ihrer Eltern kämpfte, schwor sie sich, dass Liebe oder Sex ihr Leben nie derart beeinflussen würden. Darum hatte Ashley sich auf die Insel Inez Key zurückgezogen, denn sie glaubte nicht daran, dass Sex die Tränen und den Herzschmerz wert war.

Manchmal war die Einsamkeit kaum zu ertragen gewesen, aber es war besser als das, was sie von der Beziehung ihrer ­Eltern mitgekriegt hatte. Sie war bereit gewesen, ihr Leben so zu verbringen, bis Sebastian auf ihrer Insel aufgetaucht war.

Unter seinem Charme und seiner Aufmerksamkeit hatte sie ihre Abwehr aufgegeben. Eine Nacht mit ihm und ihr ruhiges, zurückgezogenes Leben war völlig außer Kontrolle geraten. Sogar jetzt noch, einen Monat später, fiel es ihr schwer, sich zurückzuhalten. Sie nahm ihn viel zu bewusst wahr, sehnte sich zu sehr nach seinen Berührungen.

Sebastian hatte ihre tiefste Angst bestätigt, sie war die Tochter ihrer Mutter – vielleicht stärker und disziplinierter, aber in seinen Armen war sie hemmungslos gewesen. Ihr Verlangen war beinahe nicht zu kontrollieren gewesen. Und seitdem war sie nicht mehr dieselbe. Sie wollte die Höhen der Leidenschaft nicht spüren, weil sie wusste, dass der Absturz hinterher unvermeidbar war. Wenn sie nicht aufpasste, erlebte sie dieselbe Qual wie ihre Mutter.

Ungeduldig stand Sebastian vor seinem begehbaren Kleiderschrank und schaute auf die Uhr. Er war es nicht gewohnt, auf eine Frau zu warten. Für gewöhnlich richteten sie sich nach seinem Zeitplan und verursachten keine Probleme. Ashley musste lernen, dass sie da keine Ausnahme war. „Ashley, ich bin kein besonders geduldiger Mann. Es wird Zeit.“

So gerne er auch zu Hause bleiben würde und sich wieder mit Ashleys Körper vertraut machen wollte, diese Party durfte er keinesfalls verpassen. Die Eröffnung seines neuesten Clubs würde Hunderttausende für wohltätige Zwecke einbringen, und sein altes Viertel brauchte das Geld. Und trotzdem war er versucht, seinen grauen Anzug auszuziehen, die Tür einzutreten und Ashley zurückzuerobern. Er wurde hart, als er sich vorstellte, wie er in sie eindrang.

„Ashley?“, fauchte er.

„Viel Spaß ohne mich“, rief sie durch die Tür.

Sebastian schloss die Augen und holte scharf Luft. Damit hätte er rechnen müssen. Reiche Erbinnen. Egal, ob sie High Heels oder Sandalen trugen, jede von ihnen wusste, wie man schmollte.

„Du kommst mit mir“, erwiderte er gefährlich leise. „Das ist die Abmachung.“

„Eigentlich habe ich dem nicht zugestimmt“, widersprach sie laut und deutlich. „Ich teile dein Bett. Davon jedoch, dass ich mich wie eine Hure anziehe und zur Schau gestellt werde, um dein Ego zu streicheln, war nicht die Rede.“

Hure? Sebastian schüttelte den Kopf. Das Kleid und die Schuhe stammten aus einer der exklusivsten Boutiquen in South Beach, außerdem hatte er der Stylistin eine Unsumme bezahlt, damit sie Ashleys natürliche Schönheit dezent unterstrich.

„Fein“, antwortete Sebastian und ging von der Tür weg. Es würde nicht lange dauern, um eine andere Frau zu finden, die ihn liebend gern begleitete, ohne ihn jederzeit herauszufordern. „Du willst Inez Key also nicht wirklich. Das ist verständlich, schließlich ist die Insel auch nichts Besonderes.“

„Warte!“, rief sie.

Sebastian zögerte, er wartete auf niemanden.

Und doch drehte er sich unwillkürlich um, weil er Ashley wollte. Keine andere Frau beherrschte seine Träume und Fantasien. Und als sie die Tür aufriss, stockte ihm der Atem.

Ihr langes braunes Haar fiel ihr über die Schultern. Er ballte die Hände zu Fäusten, als er daran dachte, wie weich es sich anfühlte. Sein Blick wanderte über ihr Gesicht – allein die gerunzelte Stirn minderte ihre Schönheit.

Das dünne Lederkleid war perfekt für Ashley. Der legere Schnitt erinnerte ihn an die übergroßen T-Shirts, die sie bevorzugte, und das Orange an den Sonnenuntergang, den sie auf Inez Key zusammen erlebt hatten.

„Perfekt“, sagte er schroff.

Unsicher fuhr sie mit den Händen über die Metallverzierungen des Kleides. „Hast du das ausgesucht?“

Sebastian schüttelte den Kopf. „Ich habe der Stylistin lediglich gesagt, was ich erwarte.“ Allerdings hatte er nicht gewusst, wie es ihre Kurven und ihre sonnengebräunte Haut betonen würde. Sein Blick wanderte zu ihren langen, trainierten Beinen. Als er daran dachte, wie sie sich angefühlt hatten, fest um seine Taille geschlungen, musste Sebastian schlucken.

„Es ist zu kurz.“ Sie zupfte am Saum, der ihr gerade bis auf die Oberschenkel reichte. „Zu freizügig, zu …“

„Unglaublich sexy“, beendete er den Satz.

Ashley stockte der Atem, als Sebastian auf sie zukam. Unwillkürlich wich sie einen Schritt zurück und stieß dabei gegen den Türrahmen. Der Mann bewegte sich wie eine Raubkatze, und sie stand vor ihm wie hilflose Beute. Ihr Herz schlug schon heftig, wenn sie ihn nur sah, und jetzt begann es zu rasen.

Wie kam sie nur aus dieser Situation wieder heraus? Wollte sie das überhaupt? Es gefiel ihr, wie er sie anschaute; als existierten nur sie beide. Nur bei Sebastian fühlte sie sich so schön, mächtig und unglaublich lebendig.

Aber wie vielen anderen Frauen hatte er dieses Gefühl gegeben? Zweifel wuchsen in ihr. Kaum war er bei ihr, hob Ashley eine Hand, um ihn aufzuhalten. Hoffentlich bemerkte er nicht, wie ihre Finger zitterten. „Nicht so schnell.“

„Keine Angst, mi vida“, sagte er heiser und verführerisch. „Ich werde es langsam angehen lassen, und es wird angenehm sein.“

„Das meinte ich nicht.“ Sie spürte, wie sie rot wurde, als sie sich vorstellte, wie Sebastian ihren Körper erkundete, sich Zeit ließ, während sie um Erfüllung bettelte, um mehr. „Zuerst einmal ein paar Grundregeln.“

Er hob eine Augenbraue. „Das meinst du nicht ernst.“

Durften Geliebte etwa nicht verhandeln? Schließlich ging es um eine geschäftliche Abmachung. „Erzähl niemandem von dieser Vereinbarung“, verlangte Ashley, verschränkte die Arme vor der Brust. Sie erinnerte sich nur zu gut daran, wie ihr Vater mit seinen Eroberungen vor jedem geprahlt hatte. „Das ist eine Privatangelegenheit.“

Sebastian musterte sie ganz genau. Sie konnte nicht sagen, ob er beleidigt war oder einfach nicht wusste, warum sie es überhaupt erwähnte. „Ich spreche nicht über mein Privatleben“, gab er leise zu. „Und ich lasse nicht zu, dass irgendjemand über dich spricht.“

Ashley blinzelte. Weder mit seiner Antwort noch mit seinem ehrlichen Blick hatte sie gerechnet. Denn Sebastian Cruz war ein guter Lügner. Er wusste genau, was sie hören wollte. Wenn sie nicht wüsste, dass er alles tun oder sagen würde, um seinen Willen zu bekommen, dann würde sie ihm beinahe glauben.

„Noch etwas?“, fragte er, während er näher kam.

Ashley spürte, wie ihr Puls zu rasen begann. Sein Duft, seine Wärme erregten sie. Eine Forderung jedoch war nicht verhandelbar. Wenn er ihr das verweigerte, würde sie sofort verschwinden. „Du wirst immer ein Kondom benutzen.“

Er hob die Hand und streifte mit den Fingern sanft ihr Kinn. „Darauf achte ich immer.“

„Immer?“, spottete sie. Frauenhelden ging es allein um ihre Befriedigung. Es lag bei den Frauen, sich zu schützen oder mit den Konsequenzen fertig zu werden.

„Immer“, wiederholte er, als er ihr mit den Fingerspitzen über den Hals und die Schulter strich. „Ich kümmere mich um meine Frauen.“ Sebastians Augen blitzten. „Noch irgendwelche Regeln?“

Nervös fuhr sich Ashley mit der Zunge über die trockenen Lippen. Wie gern würde sie eine ganze Liste aufstellen, nur fiel ihr gerade nichts ein. „Nein …“

„Gut.“ Er umfasste ihre Handgelenke. Sie keuchte auf, als er ihr die Hände hoch über den Kopf hob. Ashley hasste es, wie ihr Körper nachgab. Ihre Brüste wurden an seine Brust gepresst, und sie spürte seine Erregung an ihrem Becken.

Dann schob er ihr seinen muskulösen Oberschenkel zwischen die zitternden Beine. „Und jetzt zu meinen Regeln.“

Ashley musste schlucken. Damit hätte sie rechnen müssen. Sie würde alle ablehnen, aber insgeheim war sie neugierig, was er so alles von einer Frau verlangte.

„Erstens“, begann er und küsste sie auf die Wange, „du stehst mir vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung.“

„Mehr nicht?“, hakte sie sarkastisch nach, obwohl sie innerlich vor Aufregung zitterte.

„Und du hast keinen Anspruch auf mich“, fuhr Sebastian fort, während er ihr sanfte Küsse auf den Hals gab. „Wenn ich dich will, dann rufe ich dich.“

Das hatte sie erwartet. Er entschied wo und wann. Jede Affäre lief nach seinem Zeitplan, und die Frau hatte sich anzu­passen.

„Du verstehst das vielleicht nicht“, protestierte Ashley und schloss die Augen, als sein heißer Atem ihre Haut streifte. „Ich bin nicht gerade die Art Frau, die herumsitzt und wartet.“

„Bei mir wirst du das aber sein.“ Mit der Zungenspitze strich er über ihren heftig schlagenden Puls am Hals. Er wusste ganz genau, was er in ihr auslöste. „Und es wird das Warten wert sein.“

Sie holte tief Luft. „Du spuckst ziemlich große Töne …“

Er umfasste mit den Händen ihr Gesicht und küsste sie. Ashley wollte zum Gegenangriff übergehen, aber sie hatte keine Chance. Er lockte ihre Zunge in seinen Mund. Und ohne zu überlegen, gab sie nach.

Als er sich zurückzog, sah Ashley die Lippenstiftspuren auf seinem Mund und das wissende Funkeln in seinen Augen. „Ich weiß, wie sehr du das willst, mich willst.“

Sie fühlte sich gedemütigt, weil er den Kuss beendet hatte. An dieses Gefühl erinnerte sie sich gut. Sebastian wusste genau, wie er sie berühren musste. Sie wollte mehr und gleichzeitig, dass es aufhörte.

„Noch irgendwas?“, fragte sie heiser.

„Von meinen Frauen erwarte ich vollkommenen Gehorsam.“

Sie zuckte zusammen, obwohl sie nicht sicher war, was sie daran störte. Mit „seinen Frauen“ in einen Topf geworfen zu werden oder der Gehorsam? „Regeln zu befolgen war noch nie meine Stärke“, entgegnete sie.

„Du wirst es lernen. Dazu brauchst du nur die richtige Motivation.“ Lächelnd strich Sebastian mit den Fingerspitzen über ihre Brüste. Erwartungsvoll begann ihre Haut zu prickeln.

„Gehorsam kann ich nicht versprechen“, sagte sie. „Und werde es auch nicht.“

Ihre Worte brachten ihn zum Schmunzeln. „Ich kann dich dazu bringen, dass du mir alles versprichst.“

Am liebsten hätte sie bitter aufgelacht, seine Hand weggeschlagen und ihm gesagt, dass er sich nur etwas vormachte. Aber sie wusste auch, dass Sebastian diese Macht haben könnte und wollte es nicht riskieren. „Du bist dir ja ziemlich sicher.“

Statt zu antworten, schob er die Hand zwischen ihre Schenkel. Seine Augen funkelten gefährlich, als er bemerkte, dass sie unter dem Kleid nichts trug. Er murmelte zustimmend etwas auf Spanisch, während er sie streichelte.

Sofort presste Ashley die Beine zusammen, aber es war bereits zu spät. Sebastian lachte triumphierend auf, als sie auf ihn reagierte. Beschämt wandte sie den Blick ab, als eine Welle der Erregung ihren Körper durchflutete.

„Schau mich an!“, forderte er.

Ashley schüttelte den Kopf. Sie konnte ihm einfach nicht in die Augen blicken und ihm zeigen, was sie fühlte. Aber so wie er sie berührte, wusste er es bereits. Die Demütigung schmerzte, und trotzdem drängte sie sich seiner Hand entgegen.

Sie würde ihn nicht ansehen, konnte ihm aber auch nicht sagen, dass er aufhören sollte. Denn sie hatte Angst, dass er aufhörte, wenn sie seinen Befehl nicht befolgte.

„Schau mich an!“, wiederholte Sebastian schroff.

Ashley kniff die Augen zu und schüttelte den Kopf. Sie stöhnte auf, als Sebastian mit dem Finger in ihre pulsierende Mitte drang. Sie spürte seinen heißen Blick – er sah alles, wusste, was sie wollte. O Gott … was, wenn er nicht aufhörte, bis sie ihr tiefstes Verlangen und ihre dunkelste Fantasie offen­barte?

„Ashley.“ Seine Stimme klang rau und fordernd.

Sie machte die Augen auf. Und in dem Moment, als sie seinem Blick begegnete, erlebte sie ihren Höhepunkt. Ihre Lippen öffneten sich, und ihre Muskeln spannten sich an, und die Wogen der Lust trugen sie davon. Sie hatte ihr Verlangen, ihr Begehren nicht vor Sebastian verbergen können. Wie würde er das zu seinem Vorteil nutzen?

Langsam, ja beinahe widerwillig löste er sich von ihr. Benommen lehnte Ashley sich gegen die Wand. Sie zitterte, hätte sich gern an Sebastian festgehalten, traute sich aber nicht.

„Vollkommenen Gehorsam“, erinnerte er sie leise.

Seine Worte waren wie eine Ohrfeige. Wollte er so seine Dominanz beweisen? Zeigen, dass er sie dazu bringen konnte, alles zu tun, was er wollte?

Ashley zupfte ungeschickt ihr Kleid zurecht. Sie würde sich seinem Willen nicht beugen. „Nein, Cruz“, erklärte sie, „das wird niemals passieren.“

„Hast du es noch nicht begriffen, Ashley?“, fragte er herausfordernd. „Ich bekomme immer, was ich will.“

4. KAPITEL

Verloren stand Ashley im VIP-Bereich von Sebastians Tanzclub. Die blitzenden Lichter waren hypnotisierend, und die Tänzer bewegten sich wie in Trance zur Musik. Noch nie zuvor hatte sie so einen fantastischen, unwirklichen und ein wenig Angst einflößenden Ort gesehen.

Als sie den Club betraten, hatte sie Interesse und Bewunderung gespürt. Zuerst war es ihr unangenehm gewesen, so im Rampenlicht zu stehen, aber nach einer Weile wurde ihr klar, dass sie für die Gäste unsichtbar war. Sie wollten Sebastians Aufmerksamkeit, Ashley war lediglich die reizende Begleitung, ein teures Accessoire.

Eigentlich sollte sie dankbar dafür sein, dass sie keinem auffiel und sich auch niemand um sie kümmerte. In diesem riesigen, höhlenartigen Club fühlte sie sich klein und hilflos. Von der Tanzfläche tönte die Musik, und sie versuchte, den erotischen Rhythmus zu ignorieren, aber ihr Herzschlag passte sich ihm an.

Lautes Lachen ließ sie zusammenzucken, und Ashley wünschte, sie wäre zurück auf Inez Key. Dort war es still, ruhig und vorhersehbar. Und dort gehörte sie hin. Die Insel war ihr Königreich gewesen.

In dem Moment dachte sie daran, wie sie eine Runde mit Sebastians Boot gefahren war. Sein Angebot war zu verführerisch gewesen, dass sie es nicht hatte ablehnen können. Sie erinnerte sich an Sebastians warmes Lächeln, als er sie geneckt hatte, sodass sie ihn aus dem Boot kippen wollte. Vielleicht hatte sie ihn ja getestet, um herauszufinden, wie lange es dauern würde, bis er wieder das Steuer übernahm.

Doch das hatte er nicht getan. Sebastian war entspannt geblieben, während sie enge Kurven fuhr und das Boot über die Wellen jagte. Er hatte jede ihrer Bewegungen beobachtet und nur wenn sie zögerte, Hilfe angeboten.

Inzwischen fragte sich Ashley, ob das alles nur Teil der Verführung gewesen war. Hatte er das nur getan, damit sie unvorsichtig wurde, oder hatte er diese Augenblicke auch genossen? Wenn sie sich im Club umschaute, dann ahnte sie, dass er nicht verstehen würde, warum sie diesen Nachmittag auf seinem Boot in ihrem Gedächtnis behalten hatte.

Als sie die attraktiven Pärchen gewagt und anzüglich tanzen sah, tat ihr Herz einen Satz. Ihr wurde heiß, und Unruhe erfasste sie. Sie spürte, beinahe schon schmerzhaft deutlich, Sebastians Nähe und sehnte sich nach seiner Berührung.

Sie umklammerte ihre Clutch und kämpfte gegen den Drang an, sich zurückzuziehen. Der Club war mysteriös und faszinierend, gefährlich. Wie der Besitzer. Wenn sie nicht aufpasste, würde die Musik sie in ihren Bann ziehen und dazu bringen, ihre Hemmungen fallen zu lassen.

Ashley betrachtete die DJ-Kabine und die kleinen VIP-Bereiche, die um die Tanzfläche herum angeordnet waren. Auf den großen weißen Sofas saßen einige Filmstars und Profisportler mit anderen Prominenten und Models. Die Partygirls mit ihren wilden Mähnen und üppigen Kurven sahen einfach glamourös aus.

„Und wie geht es deiner Mutter?“

Abrupt drehte sich Ashley um. Drei wunderschöne Frauen standen mit Sebastian zusammen. Mit ihren geglätteten Haaren, dem makellosen Make-up und den bunten Kleidern, die wie knappe Badehandtücher um sie gewickelt waren, ähnelten sie sich.

„Schon besser“, antwortete Sebastian, bevor er geschickt das Thema wechselte. Raffiniert spielte er seinen Charme aus, und innerhalb kürzester Zeit himmelten ihn die Frauen kichernd an.

Ashley fragte sich, ob ihr als Einziger auffiel, wie weich seine Gesichtszüge wurden, wenn er von seiner Mutter sprach. Oder die Sorge in seinem Blick, bevor er sie verdrängte. Sie wünschte, sie hätte es nicht gesehen. Je weniger sie über sein Privatleben wusste, desto besser.

So konnte sie ihre emotionale Distanz wahren, schließlich hatte sie lediglich eine geschäftliche Beziehung. Von ihr wurde nicht erwartet, dass sie den Mann liebte, respektierte oder auch nur mochte.

Als sie sich kennengelernt hatten, war er für sie der faszinierendste Mann gewesen, aber da hatte Sebastian nur eine Rolle gespielt. Oder nicht? Bisweilen hatte sie gedacht, sie hätte in den entspannten Momenten auf Inez Key ein bisschen von dem echten Sebastian gesehen. Als hätte ihm das Leben auf der Insel die strenge Maske abgestreift und sein romantisches Wesen zum Vorschein gebracht.

Aber das ist nicht sein wahrer Charakter, rief sie sich hastig in Erinnerung, als sich Enttäuschung in ihr breitmachte. Sie würde nicht wie ihre Mutter enden, die sich an ihren Gönner klammerte und sich aus seinen seltenen freundlichen Gesten eine märchenhafte Liebesgeschichte vorgaukelte. Für Ashley war Sebastian ein kaltherziger, rücksichtsloser Frauenheld.

„Sebastian!“

Ashley hob den Kopf, als sie die dröhnende, männliche Stimme hörte. Ein großer, muskulöser Mann näherte sich Sebastian mit ausgebreiteten Armen. Der Fremde war etwa in seinem Alter, aber so groß, dass die üppige Blondine an seiner Seite im Vergleich zu ihm geradezu winzig wirkte.

„Hallo, Omar“, begrüßte Sebastian ihn.

Sein breites Lächeln und wie sich sein Gesicht aufhellte, bevor er seinen Freund umarmte, überraschten Ashley. Und sie war zugleich verwundert, dass er Freunde hatte. Er konnte ein charmanter und brillanter Gesprächspartner sein, aber aus irgendeinem Grund hielt sie ihn für einen Einzelgänger, einen Außenseiter.

„Und wer ist das?“, fragte Omar und deutete auf Ashley, während Sebastian die Blondine mit einem Kuss auf die Wange bedachte.

Angst stieg in ihr auf. Omar war offensichtlich ein guter Freund. Würde Sebastian lügen, um ihr die Peinlichkeit zu ersparen? Warum sollte er das tun? Gut, er hatte es ihr versprochen, aber sein Freund war ihm sicher wichtiger als eine kurzzeitige Geliebte.

Sie vertraute Sebastian nicht und musste die Initiative ergreifen, bevor er ihr bewies, dass sie ihn richtig einschätzte. Schnell streckte sie Omar die Hand entgegen. „Ich bin Ashley.“

Besitzergreifend legte ihr Sebastian einen Arm um die Taille, während sein Freund ihr die Hand schüttelte. „Omar und ich sind im selben Viertel aufgewachsen, bevor er ein Footballstar wurde.“

Ashley nickte und versuchte, diese neue Information mit dem zusammenzufügen, was sie bereits über Sebastian wusste. Sie hätte nicht gedacht, dass er alte Freundschaften schätzte.

„Und das ist meine Frau Crystal“, stellte Omar die Blondine vor.

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen“, sagte Ashley zu Omars Frau. Sie war wunderschön, aber Ashley bemerkte die winzigen Spuren mehrerer Schönheitsoperationen. Viele der Frauen, die sie früher kannte, hatten so eine makellose Stirn, volle Lippen und vergrößerte Brüste gehabt.

„Mir gefällt Ihr Kleid“, erklärte Crystal, als die beiden Männer begannen, sich auf Spanisch zu unterhalten.

„Danke“, erwiderte Ashley und zupfte an dem kurzen Saum. Sie fühlte sich noch immer nicht wohl in dem Kleid, aber es war bei Weitem nicht so freizügig wie das von Crystal. Die meisten Frauen hier im Club trugen Kleider, die nur mit doppelseitigem Klebeband und gutem Zureden an ihrem Platz blieben.

Crystal warf einen flüchtigen Blick auf ihr Outfit, als würde sie in Gedanken den Preis schätzen. „Wen tragen Sie?“

Wen? Oh, richtig, bei den Reichen und Berühmten drehte sich alles darum, genau die Designertasche zu bekommen oder ein Kleid, das sonst niemand besaß. So war sie auch einmal gewesen, bevor ihre Welt zerbrach. „Ich habe vergessen, nach dem Designer zu fragen.“

Crystal schüttelte den Kopf, als könnte sie nicht glauben, dass Ashley ein so wichtiges Detail vergessen konnte. „Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“

Ashley warf Sebastian einen Blick zu, aber er war in ein lebhaftes Gespräch mit seinem Freund vertieft. Sie musste vorsichtig sein. Am besten blieb sie so nah wie möglich bei der Wahrheit. „Ich habe ihn vor einem Monat getroffen, und wir haben uns sofort verstanden.“

„Das überrascht mich“, gab Crystal zurück und musterte Ashley kritisch, als würde sie ihre Fehler und Mängel katalogisieren. „Sie sind nicht gerade sein Typ.“

„Was ist denn sein Typ?“, fragte Ashley widerwillig, nicht ganz sicher, ob sie tatsächlich eine Antwort darauf wollte.

Ungläubig lachte Crystal. „Das wissen Sie nicht?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich wusste nicht, wer Sebastian wirklich ist, bevor es zu spät war.“

„Wie ist denn das möglich? Er ist doch ständig in den Nachrichten. Haben Sie hinterm Mond gelebt?“

„Wohl eher auf einer einsamen Insel.“

Crystal runzelte die Stirn, als wäre sie nicht sicher, ob Ashley scherzte oder die Wahrheit sagte. „Nun, ich würde sagen, Sebastians Frauen sind …“

„Blonder?“, ergänzte Ashley. „Kurviger? Nichtssagender?“

„Erfolgreicher“, korrigierte Crystal sie.

Ashley versteifte sich. Das tat weh. Schließlich war sie nicht gerade stolz darauf, wie es in ihrem Leben aussah. Nach dem Tod ihrer Eltern war ihre Welt kleiner geworden, und sie war kein Gegner für Sebastian, aber sie hatte mehr erreicht, als sie geglaubt hatte. Sie hatte sich um die Familien auf Inez Key gekümmert, ihr Zuhause mit Einfallsreichtum und harter Arbeit aufrechterhalten und war eine andere Frau als ihre Mutter geworden.

Sie war stolz darauf, dass sie nicht unter der schweren Last zerbrochen war, die ihr vor fünf Jahren aufgebürdet worden war, doch das würde sie niemandem erzählen. Niemand in diesem Club würde das verstehen. Sie würden darüber spotten, sie verhöhnen. Nur zu gut erinnerte sie sich an diese Welt. Allen Gästen ging es nur um Aufmerksamkeit. Sie würden nie verstehen, dass es ihr größter Erfolg war, ein friedliches Leben fern des Blitzlichtgewitters zu führen.

„Erfolgreich? Sie meinen berühmt“, verbesserte Ashley sie.

Crystal zuckte mit den Schultern. „Sie sind die Besten auf ihrem Gebiet oder bekannt für ihre Wohltätigkeitsarbeit. Er ist mit Geschäftsführerinnen und Profisportlerinnen, Politikerinnen und Prinzessinnen ausgegangen.“

„Ich schätze mal, er fühlt sich von einer erfolgreichen Frau nicht bedroht“, entgegnete sie mit einem aufgesetzten Lächeln. Aber was wollte er dann mit ihr? Lernen war ihr nie leichtgefallen – nach dem ersten Semester war sie bereits vom College abgegangen. Sie besaß auch keine speziellen Fähigkeiten oder ein besonderes Talent. Sie wollte lediglich ein gefestigtes, glückliches Familienleben, das sie nie gehabt hatte.

„Verstehen Sie mich nicht falsch“, fuhr Crystal fort, „er war auch mit Supermodels und Filmstars zusammen. Ihn interessieren nur keine Frauen, deren einziges Ziel es ist, Ehefrau oder Freundin zu sein.“

Und eine Geliebte? Nicht, dass sie das anstrebte. Schließlich hatte er sie dazu erpresst, aber Ashley biss sich auf die Zunge und schwieg.

Crystal legte den Kopf schief. „Ich habe das Gefühl, als hätte ich Sie schon mal gesehen.“

Ashley erstarrte. Meist dauerte es nicht lange, bis sie mit einem der Skandale ihres Vaters in Verbindung gebracht wurde. „Ich war schon jahrelang nicht mehr in Miami.“

„Kam kürzlich etwas über Sie in den Nachrichten? Ich muss gestehen, ich bin ein Schlagzeilenjunkie“, sagte Crystal und drückte die Hand auf ihr beeindruckendes Dekolleté. „Fernsehen, Zeitungen, Blogs, Boulevardpresse, ich komme immer und überall an meine Schlagzeilen.“

„Nein, ich habe nichts Schlagzeilenwürdiges getan.“

„Crystal, sie spielen unser Lied“, mischte sich Omar ein, und ergriff die Hand seiner Frau. „Zeit, die Tanzfläche unsicher zu machen.“

Sebastian sah, dass Ashley die Stirn runzelte. Schweigend und in sich gekehrt stand sie neben ihm.

Dachte sie an die bevorstehende Nacht? Wie sie in seinen Armen die Kontrolle verlieren würde? Sie ahnte nicht, dass er immer wieder an die magische Nacht denken musste, die vor ihnen lag. Oder dass er dafür sorgen würde, dass sie vor ihm die Kontrolle verlor.

Sie so nah bei sich zu haben, ihre Berührung zu spüren, war die reinste Folter. Er wusste nicht, wie lange er sich noch zurückhalten konnte.

Er umfasste ihre Taille fester. „Lächle, Ashley!“

Ashley blickte ihn finster an. „Ich lächle.“

„Nein, tust du nicht.“ Er presste seinen Mund an ihr Ohr. Als sie erschauerte, spannte sich sein Körper an. „Aber ich weiß, wie ich dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.“

Sie zuckte zurück und zeigte ihm die Zähne. „Ich lächle, siehst du?“

„Kannst du vielleicht weniger angriffslustig und gelöster aussehen?“

„Warum? Außer Omar und Crystal schaut mich doch keiner an.“ Sie zupfte erneut an ihrem kurzen Saum. „Versteh mich nicht falsch, Cruz, ich bin dankbar dafür, dass ich nicht erkannt werde. Ich schätze, ich sehe wie all deine anderen Geliebten aus.“

Dabei war sie seine erste, aber das musste sie nicht wissen. Sie sollte sich nicht einbilden, sie wäre anders oder besonders.

„Und wie lange müssen wir noch bleiben?“, wollte sie wissen.

„Hast du es denn so eilig, in mein Bett zu kommen, mi vida?“ Er auf jeden Fall. So verzweifelt war er seit seiner Teenagerzeit nicht mehr gewesen. Es war nicht gerade leicht, seine Gäste zu unterhalten, wenn er eigentlich Ashley in sein Schlafzimmer zerren wollte.

„Nein, ich habe nur keine Lust mehr, so zu tun, als wüsste ich, worum es geht. Deine Gäste sprechen über Leute, die ich nicht kenne, und Orte, an denen ich noch nie gewesen bin. Mir war nicht bewusst, dass du Geld für einen wohltätigen Zweck sammelst, bevor du diese Frau davon überzeugt hast, das Doppelte zu geben. Und wohin geht das Geld?“

„An mein altes Viertel“, antwortete er. Kurz schloss er die Augen und versuchte, die Erinnerung an graffitiverschmierte Wände und den Gestank von Abfall zu verdrängen.

Sie seufzte. „Geht es auch ein bisschen genauer?“

„Das kennst du nicht, es liegt im Ghetto“, erwiderte er mit einem Anflug von Trotz und Wut. Er hätte die idyllische Kindheit haben sollen, die Ashley genossen hatte. Während sie in Luxus und ohne Sorgen gelebt hatte, musste er um alles kämpfen. Er musste für sich und seine Familie sorgen, und oft hatte er das nicht geschafft.

Ashley blinzelte. „Richtig, ich weiß nicht, wo das ist, aber nur, weil ich nicht viel rauskomme.

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