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Nur eine Nacht vom Glück entfernt

1. KAPITEL

„Das ist ein sehr großzügiges Angebot, Mr Allonby.“ Und kommt sehr überraschend, fügte Molly im Stillen hinzu.

Sie brauchte keinen neuen Job, da mit der Firma ihres Chefs alles in Ordnung war. Ihrer Meinung nach.

Mr Allonby klang vom Gegenteil allerdings sehr überzeugt. Nachdenklich blickte Molly durch das Fenster ihres Büros im vierzehnten Stock, in dem sich die Räumlichkeiten von Banning Financial Services befanden. Der Himmel war strahlend blau wie üblich, die Skyline Brisbanes spektakulär und der Fluss weit und ruhig.

Was, wenn Mr Allonby recht hatte und sich Jarrod Bannings Firma tatsächlich in Schwierigkeiten befand? Ihr Chef liebte die Herausforderung, mit riesigen Summen zu jonglieren und für seine reichen Klienten profitable Portfolios anzulegen. Dabei war er für gewöhnlich sehr erfolgreich, denn er verstand seine Sache ausgezeichnet.

Trotzdem gab es immer ein gewisses Risiko …

„Ihr Angebot kommt völlig unerwartet“, gestand Molly. Sie strich sich eine braune Locke aus dem Gesicht und rückte dann ihre Brille mit dem eckigen schwarzen Gestell zurecht. „Bestimmt beruhen die Gerüchte über Banning Financial Services auf einem Missverständnis.“

„Meine Quellen sind zuverlässig, Miss Taylor. Das garantiere ich Ihnen.“ Mr Allonby neigte sich näher zu ihr. „Auch Milliardäre können in finanzielle Schwierigkeiten geraten.“

„Ich hätte Mr Banning eher für einen Millionär gehalten“, erwiderte sie zurückhaltend. „Aber ich weiß nur wenig über seine persönliche Finanzlage.“

Dass Jarrod Banning aus unglaublich reichem Haus stammte, wusste praktisch jeder in Brisbane. Seinen Eltern gehörte das luxuriöse Einrichtungshaus Road Ten, das reiche Kunden in aller Welt belieferte. Er hatte zuerst im Familienunternehmen gearbeitet und sich dann als Finanzberater selbstständig gemacht.

Das hatte er ihr erzählt, als er sie eingestellt hatte – als persönliche Assistentin, rechte Hand und Mädchen für alles. Bislang war sie seine einzige Mitarbeiterin. In seiner Branche brauchte es nicht viel mehr als einige Computer, reiche Klienten und natürlich ein unfehlbares Gespür für Aktien.

„Können Sie mir Ihre Quellen nennen?“, fragte Molly den Besucher geradeheraus.

Er räusperte sich. „Ich habe es von mehreren Kollegen und Geschäftsfreunden gehört. Mir geht es vor allem darum, mir Ihre Dienste zu sichern, Miss Taylor, falls Sie einen Wechsel in Erwägung ziehen.“

Ihren Chef im Stich lassen? Nein, das würde sie nicht übers Herz bringen! Sie ging zu ihrem Schreibtisch zurück und setzte sich.

„Was veranlasst Sie, mich sozusagen blind abwerben zu wollen?“, erkundigte Molly sich neugierig.

„Ich halte immer Augen und Ohren offen“, erklärte er. „So habe ich gehört, wie Ihr Chef Ihre Fähigkeiten lobte. Er ist mit Ihnen sehr zufrieden.“

Von Jarrod gelobt zu werden bedeutete ihr viel. Zu viel! Vielleicht hatte er ja nur erwähnt, wie verlässlich sie war, wenn es darum ging, seine Sachen aus der Reinigung zu holen?

Es besteht also gar kein Anlass, gleich aus dem Häuschen zu geraten, nur weil er dich gegenüber Dritten erwähnt hat, ermahnte Molly sich.

Auf der neuen Gegensprechanlage verlöschte ein rotes Lämpchen, was bedeutete, dass Jarrod sein Telefonat beendet hatte. Ein gelbes Licht begann zu leuchten.

Was das zu bedeuten hatte, wusste sie noch nicht, denn sie hatte das System erst vor weniger als einer Stunde installiert. Es musste noch richtig kodiert und eingerichtet werden. Jedenfalls klingelte nichts.

Mr Allonby reichte ihr seine Visitenkarte. „Ich würde mich freuen, wenn Sie mein Angebot in Betracht zögen. Sie wären ein Gewinn für meine Firma.“

„Ich überlege es mir“, erwiderte sie unverbindlich.

Sobald ich Sie losgeworden bin und meinen Chef gefragt habe, ob mit seiner Firma tatsächlich etwas nicht stimmt, fügte sie im Stillen hinzu.

Mr Allonby verabschiedete sich höflich und verließ umgehend das Büro. Molly blieb vor dem Computer sitzen. Wenn sie es genau überlegte, konnte sie doch nicht einfach zu ihrem Chef gehen und ihn fragen, wie es um seine Finanzen stand, oder?

Die Tür zu Jarrods Büro wurde geöffnet, und er kam heraus. Seine graugrünen Augen blitzten, seine dunklen Haare waren zerzaust. An seinem markanten Kinn zuckte ein kleiner Muskel.

„Nehmen Sie Ihre Tasche, Molly“, forderte Jarrod sie schroff auf. „Wir gehen früher als sonst zum Mittagessen. Es gibt etwas zu besprechen.“

„In Ordnung. Hier gibt es momentan nichts Dringendes zu tun“, erwiderte sie und hoffte, dass er bei dem Gespräch nicht bestätigte, geschäftliche Schwierigkeiten zu haben. Sie nahm die Tasche und folgte ihm.

„War Ihr Telefonat mit Mr Daniels problematisch?“, erkundigte Molly sich im Hinausgehen.

Sie musste beinah laufen, um mit ihm Schritt zu halten, als er zum Lift eilte und heftig auf den Knopf fürs Erdgeschoss drückte.

„Problematisch?“ Jarrod lachte freudlos. „Das auch. Unter anderem.“

Im Lift betrachtete sie ihren Chef unauffällig. Er trug eine legere Leinenhose und ein weißes Hemd mit aufgerollten Ärmeln, trotzdem sah man ihm sofort an, dass er ein dynamischer und erfolgreicher Geschäftsmann war. Sein Sinn für Zahlen und sein Gespür für Investmentstrategien erstaunten sie immer wieder. Auch seine Zielstrebigkeit, die manchmal ans Unerbittliche grenzte, beeindruckte sie.

Molly bewunderte ihn von ganzem Herzen. Sie konnte einfach nicht glauben, dass seine Finanzen in einer so schrecklichen Lage waren, wie Mr Allonby vorhin behauptet hatte. Das würde nicht zu Jarrod Banning passen!

Schließlich verließen sie den Lift und traten auf die belebte Straße im hektischen Banken- und Geschäftsviertel.

„Ich habe eben das Ende Ihres Gesprächs mit Allonby gehört, dank des neuen Kommunikationssystems“, begann Jarrod, als sie sich einen Weg durch die Menge bahnten. „Sein Jobangebot.“

„Was?“ Ihre Stimme klang plötzlich unnatürlich hoch. „Jetzt weiß ich wenigstens, was das gelbe Lämpchen bedeutet“, fügte sie in normaler Tonlage hinzu, nachdem sie sich geräuspert hatte.

Er umfasste ihren Ellbogen und führte sie über die Straße zu einem Lokal am Ufer des Flusses. „Überlegen Sie tatsächlich, das Angebot anzunehmen, Molly?“

„Aber nein! Das habe ich nur gesagt, um ihn abzuwimmeln. Ich wollte Sie nämlich fragen, ob es um die Firma tatsächlich schlecht bestellt ist … aber dann habe ich mich doch nicht getraut, weil ich nicht wusste, wie ich es anfangen sollte. ‚Man hat mir einen neuen Job angeboten, weil bei uns alles den Bach runter geht‘ wäre nicht der richtige Anfang gewesen, oder?“

„Nein, wirklich nicht!“ Jarrod lachte grimmig und streichelte ihr kurz den Ellbogen.

Ihr wurde ganz warm und kribbelig, obwohl seine Berührung sicher völlig unverfänglich gemeint war.

„Tut mir leid, aber wenn ich besorgt bin, fange ich an zu plappern“, erklärte sie entschuldigend.

„Machen Sie sich keine Sorgen, Molly. Ihr Job ist sicher, und ich möchte Sie auf jeden Fall behalten. Sie wollen doch bei mir bleiben, oder?“

„Ja, natürlich“, stimmte sie eifrig zu.

Am Tresen bestellten sie ihr Mittagessen, dann setzten sie sich draußen an einen Tisch, der durch Topfpflanzen gegen die andern Gäste abgeschirmt war und einen Blick auf den Fluss bot.

„Wenn mit der Firma alles okay ist, warum wollte Mr Allonby mich dann abwerben?“, nahm Molly den Gesprächsfaden wieder auf.

„Weil seit Kurzem gewisse Gerüchte im Umlauf sind“, antwortete Jarrod ernst. „Sie haben sich schon weit verbreitet und zielen ganz eindeutig darauf ab, mir möglichst großen finanziellen Schaden zuzufügen.“

„Woher wissen Sie das?“

„Durch das Telefongespräch mit Daniels vorhin. Er wollte sein Portfolio aus der Firma nehmen. Es hat mich viel Überzeugungsarbeit gekostet, ihn umzustimmen und zu überzeugen, dass die Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen sind.“

„Sie sind also nicht in finanziellen Schwierigkeiten, aber jemand möchte, dass sie welche bekommen“, fasste Molly präzise zusammen.

„Es scheint so.“ Kurz ballte er eine Hand zur Faust. „Molly, es könnte für eine Weile ziemlich rau für uns werden. Wer auch immer die Gerüchte in die Welt gesetzt hat, bewegt sich in denselben gesellschaftlichen Kreisen wie ich und scheint dort Einfluss zu haben.“

Sie atmete tief durch. Hier ging es um die absolute High Society von Brisbane, die glitzernde, glamouröse, märchenhafte Welt der Superreichen, absolut unerreichbar für Normalsterbliche wie sie, die einfache Molly Taylor.

„Wenn sich mehr von meinen Kunden plötzlich besorgt über die Sicherheit ihrer Investments bei mir äußern …“

„… könnten wir sie verlieren“, ergänzte sie. „Wer kann Ihnen das antun wollen? Warum hat jemand Interesse daran, Ihnen zu schaden?“

„Ich habe keine geschäftlichen Feinde“, überlegte er laut. „Jedenfalls habe ich das bisher angenommen. Aber irgendeinen Feind habe ich offensichtlich.“

„Der sofort gestoppt werden muss“, erklärte Molly aufgebracht.

Sie war bereit, ihrem Chef jederzeit hilfreich zur Seite zu stehen! Seine Interessen mussten verteidigt werden, egal, wie viel Extraarbeit das kostete.

Seine Miene verfinsterte sich. „Ich werde mit den Gerüchten aufräumen, das können Sie mir glauben.“

„Sie können auf meine Hilfe zählen. Jederzeit“, versprach Molly inbrünstig.

In dem Moment wurde ihr Essen serviert, und sie schwiegen, bis die Kellnerin sie wieder allein ließ.

„Sobald wir zurück im Büro sind, rufe ich einige Bekannte an und frage sie nach der Quelle der Gerüchte“, erklärte Jarrod, nachdem er einen Bissen gegessen hatte. „Vermutlich ist es reine Zeitverschwendung, aber irgendwie muss ich ja anfangen. Meistens will keiner etwas sagen, weil jeder Angst vor einer Klage wegen übler Nachrede hat, die teuer werden kann. Also halten sich alle bedeckt.“

„Wenn Ihre Bekannten Ihnen nicht verraten, wer die Gerüchte in die Welt gesetzt hat, was machen Sie dann?“

Darauf gab er keine Antwort. Schweigend widmeten sie sich eine Weile ihrem Essen. Plötzlich sah Molly hoch und merkte, dass Jarrod sie eindringlich betrachtete. Ihre Haut begann zu prickeln, und ihr wurde unbehaglich zumute. Ihr Chef wirkte so entschlossen.

Verlegen zog sie den schwarzen Rock weiter über die Knie und zupfte an ihrem schwarz-grünen Top, an dem es eigentlich nichts zu zupfen gab, denn es war hochgeschlossen, lang genug und bequem weit.

„Also, wir müssen unbedingt alle unsere Kräfte mobilisieren, um die Lage zu meistern. Ich möchte die Person ausfindig machen, die hinter den Gerüchten steckt. Ich will den falschen Anschuldigungen ein Ende machen.“ Er wirkte beherrscht, aber es schien ihn Mühe zu kosten, ruhig zu bleiben. „Und ich möchte diese Unterstellungen durch meinen Erfolg so endgültig widerlegen, dass nie wieder jemand Ähnliches von meiner Firma glaubt.“

Das war eine Kampfansage, wie sie zu Jarrod Banning passte! In den drei Jahren, die Molly für ihn arbeitete, hatte er seine Firma zu einem der erfolgreichsten Finanzserviceanbieter weit und breit gemacht und zählte einige sehr reiche Menschen zu seinen zufriedenen Kunden.

„Sie wollen also erstens die Person finden und zur Rechenschaft ziehen, die hinter all dem steckt“, fasste sie zusammen. „Zweitens wollen Sie die negativen Konsequenzen für die Firma verhindern, beziehungsweise beheben, und uns drittens so erfolgreich machen, dass wir in Zukunft vor solchen Sabotageakten völlig sicher sind.“

„Exakt! Außerdem werde ich alle wissen lassen, dass Sie, Molly, bei mir bleiben.“ Sein Ton verriet, dass er keinen Widerspruch duldete. „Wenn wir eine gemeinsame Front präsentieren, werden wir die Schwierigkeiten meistern.“

„Ich mache gern Überstunden, sofern es der Firma nutzt“, bot sie hilfsbereit an.

„Das nehme ich dankend an.“ Jarrod verschränkte die Finger auf dem Tisch.

Sie konnte den Blick nicht davon abwenden. Seine Hände waren schlank und zugleich kräftig, richtige Pianistenhände … Aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um an solche persönlichen Details ihres Chefs zu denken und sich davon ablenken zu lassen!

„Allerdings sollen Sie die Überstunden nicht im Büro absolvieren“, fügte er überraschend hinzu. „Während wir versuchen, die Gerüchtequelle aufzuspüren, will ich Sie ständig an meiner Seite haben.“

Meinte er damit etwa, dass sie ihn zu seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen begleiten sollte?

„Was genau wollen Sie damit sagen?“, erkundigte sie sich und hoffte, sie hätte seine Worte falsch gedeutet. „Falls Sie vorschlagen, dass ich Sie zu gesellschaftlichen Ereignissen begleite, Jarrod, halte ich das für keine gute Idee.“

„Ich schon.“ Er wirkte unnachgiebig. „Der Dreistufenplan hat mehr Aussicht auf Erfolg, wenn wir beide uns um seine Ausführung kümmern. Zum einen sehen vier Augen mehr als zwei, wie es so schön heißt, und vier Ohren hören mehr, und zum anderen präsentieren wir unserem mysteriösen Gegner eine gemeinsame Front.“

Ja, das Argument wirkte vernünftig. Leider!

„Wie wäre es, wenn Sie als Erstes Ihre Kunden anrufen und Ihnen versichern, dass mit der Firma alles zum Besten steht?“, regte Molly an.

„Damit würde ich den Gerüchten einen hohen Stellenwert einräumen“, wandte er ein. „Das würde sie in den Augen meiner Kunden glaubwürdig erscheinen lassen. Nein, Molly, ich möchte die Gesichter meiner Gesprächspartner sehen, wenn ich das Thema anschneide. Sie will ich unbedingt dabeihaben, weil Ihr Gedächtnis für Zahlen und Hintergrundinformationen so phänomenal ist – und Sie mit dem neuen Tablet besser umgehen können. Dieser Computer ist ja zum Glück so klein, dass er sogar in eine Abendhandtasche passt.“

Er aß den letzten Bissen und schob dann den Teller weg.

„Die Gerüchte sind nicht in meinen Geschäftskreisen entstanden, sondern in den gesellschaftlichen“, erklärte Jarrod. „Dort müssen wir ihre Quelle aufspüren und trockenlegen. So einfach ist das.“

Einfach ist das letzte Wort, das mir in diesem Zusammenhang einfällt, dachte Molly bedrückt. Sie fühlte sich eher überrumpelt und ausgetrickst.

„Heute Abend haben wir den ersten Termin“, informierte er sie gleichmütig. „Eine private Kunstausstellung bei einem Ehepaar, das ich kenne.“ Er nannte den Namen eines der reichsten Paare der Stadt.

„Aber die sind ja …“ Beinahe so vermögend wie Ihre Eltern, hätte sie fast gesagt. „Ich meine, das ist ja schon in wenigen Stunden. Ich habe kein Kleid für so eine Party.“

„Daran hatte ich gar nicht gedacht. Dann müssen Sie sich eins kaufen, Molly. Natürlich auf meine Kosten“, fügte er schnell hinzu. „Sie sollen ja nicht in finanzielle Schwierigkeiten kommen, wenn Sie mir helfen. Also, decken Sie sich mit allem Nötigen ein: Kleider, Schuhe, Handtaschen und so weiter.“

Dass sie beide aus verschiedenen Welten stammten, hätte er ihr nicht deutlicher machen können. Ihre Vergnügungen bestanden aus Kinobesuchen mit ihrer Mutter, Tante Izzy und Faye oder einem gemeinsamen Abendessen in einer preiswerten Pizzeria. Dazu brauchte man keine Abendgarderobe mit allem Drum und Dran.

„Das ist wirklich sehr freundlich von Ihnen“, bedankte sie sich steif. „Aber …“

„Nein, nein, keine Widerrede!“, unterbrach er sie. „Immerhin erledigen Sie Extraarbeit für mich, also fallen Ihre Einkäufe unter Spesen.“

Sie hatte das Gefühl, er würde ihre Skrupel verstehen. Oder bedauerte er sie etwa wegen ihres einfachen Lebensstils? Das wäre schrecklich! Lieber würde sie sich gleich jetzt in den Fluss stürzen, als von Jarrod Banning bemitleidet zu werden.

„Ich kann durchaus die Kosten für …“, begann sie, aber er ließ sie nicht weiter zu Wort kommen.

„Schluss mit der Diskussion, Molly. Heute Nachmittag gehen Sie shoppen. Ich gebe Ihnen eine Kreditkarte mit. Sie müssen sich für die neue Rolle, die Sie künftig spielen, richtig ausrüsten. Das sind Geschäftsausgaben, genauso, als ob Sie einen neuen Computer bekämen. Dagegen würde Sie sich doch auch nicht wehren, oder?“

Molly schüttelte stumm den Kopf. Gegen so viel festen Willen kam sie nicht an.

„Wenn es Ihnen ein Trost ist“, fügte Jarrod hinzu, „kann ich Ihnen sagen, dass ich auch keine Lust auf ein Wochenende voller Events habe. Viel lieber würde ich die abschließenden Arbeiten an meiner Jacht machen.“

„Sie sind fast fertig mit der Jacht?“, fragte Molly erstaunt.

„Ja, und ich freue mich schon darauf, das Boot zu segeln“, antwortete er und kam wieder auf das ursprüngliche Thema zurück. „Übrigens, für die Überstunden zahle ich den doppelten Tarif und den dreifachen für Arbeit an Sonntagen. Nein, keine Widerrede! Ich habe meinen Entschluss gefasst und lasse mich nicht davon abbringen!“

„Sagten Sie Sonntage? In der Mehrzahl?“, hakte Molly nach und unterdrückte ein körperliches Unbehagen. Sich in den ersten Kreisen der Stadt bewegen zu müssen war für sie wirklich kein Vergnügen.

„Wir werden sehen“, antwortete Jarrod. „Jedenfalls bleiben wir so lange wie nötig am Ball, selbst wenn es Wochen dauert! Die Ausstellung heute Abend ist ein guter Start, aber eben nur ein Anfang. Selbst wenn wir denjenigen, der die Gerüchte verbreitet hat, sofort ausfindig machen, müssen wir immer noch Schadensbegrenzung betreiben.“

„Von wie vielen Events sprechen wir hier? Wie viel Zeit muss ich investieren? Ein bis zwei Abende pro Woche oder mehr?“, erkundigte Molly sich.

„Anfangs müssen wir mit geballter Kraft attackieren. Also gehen wir heute Abend zu der Ausstellung, morgen steht eine Benefizversteigerung auf dem Programm. Dabei geht es dann nicht so formell zu.“ Er überlegte kurz. „Es gibt noch mehr Termine, aber die muss ich nachher in meinem Kalender checken.“

Fürs Erste brauche ich mir also nur wegen zwei Veranstaltungen Sorgen zu machen, dachte sie erleichtert.

Sie würde tun, was ihr Chef von ihr erwartete: Augen und Ohren offen halten und zeigen, dass sie mit ihm an einem Strang zog. Am Montag würde sie dann wieder zu ihrer normalen Rolle als persönliche Assistentin zurückfinden, als wäre nichts gewesen!

„Für die Versteigerung habe ich das richtige Outfit“, informierte sie Jarrod sachlich.

„Wie Sie meinen! Aber stellen Sie sich darauf ein, sich einige Abendkleider auf Firmenkosten zuzulegen.“ Er stand auf und nahm seine Brieftasche aus dem Jackett. Nach kurzem Suchen reichte er ihr eine goldfarbene Kreditkarte. „Bezahlen Sie bitte hiermit, Molly.“

Während er sich zu ihr neigte und ihr leise den PIN-Code mitteilte, versuchte sie sich nur auf die Zahlen zu konzentrieren, was ihr auch – beinahe – gelang.

„So, jetzt müssen wir ins Büro zurück. Ich telefoniere, während Sie einkaufen“, bestimmte er.

Wenigstens hat er nicht vorgeschlagen, mich zum Shoppen zu begleiten, dachte sie erleichtert.

2. KAPITEL

„Am besten mache ich eine Liste von unseren Kunden und Ihren Bekannten, damit wir diejenigen abhaken können, mit denen wir gesprochen haben“, schlug Molly vor.

„Gute Idee“, stimmte Jarrod zu. Er hakte sie unter und führte sie über die Straße.

Sie kam sich fast vor wie im Märchen. Wie Aschenputtel, dem gleich ein wunderschönes Kleid für den Ball geschenkt werden würde, in dem sie den Prinzen so beeindruckte, dass er sie nicht vergessen konnte.

Als sie noch einen Block von dem Hochhaus entfernt waren, in dem sich das Büro befand, erklang plötzlich eine tiefe, imposante Stimme hinter ihnen.

„Jarrod!“

Molly merkte, wie ihr Chef sich unwillkürlich verspannte. Wollte einer seiner Kunden mit ihm sprechen? Machte ihn das so distanziert?

Er drehte sich um, und da er sie noch untergehakt hatte, folgte sie ihm notgedrungen. Nun standen sie einem äußerst eleganten Paar mittleren Alters gegenüber.

„Hallo, Dad. Guten Tag, Mum“, begrüßte Jarrod die beiden. „Was verschlägt euch in diesen Teil der Stadt?“

Das waren also seine Eltern! Molly kannte sie nicht, denn sie hatten ihn noch nie in seinem Büro besucht.

„Einkäufe“, antwortete seine Mutter kühl. „Normalerweise lassen wir so etwas ja von anderen erledigen, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden.“

„Ich kaufe eigentlich ganz gern ein“, bemerkte Jarrod freundlich, doch seine Miene wirkte verschlossen.

„Wie schön für dich. Ich mache es heute nur aus geschäftlichen Gründen“, verkündete Mrs Banning.

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