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Rasante Affäre in Monte Carlo

1. KAPITEL

Nash hatte es sich zur Regel gemacht, so wenig wie möglich im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Aber da es diesmal um eine Wohltätigkeitsveranstaltung ging, konnte er schlecht ablehnen.

„Ich werde mich mit der PR-Frau im Hotel de Paris an der Bar treffen.“

Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr, während er weiter telefonierend auf seinen schwarz-roten Bugatti Veyron zuschlenderte.

„Bis ein Uhr habe ich zu tun. Ich kann ihr danach ein paar Minuten abzweigen, mehr nicht.“

Das war einer der Vorteile, die mit Prominenz einhergingen. Die Leute warteten bereitwillig auf einen, ohne sich zu beklagen.

Nash schloss den Wagen auf und blickte für einen kurzen Moment auf das ruhige Mittelmeer. Cullinan faselte etwas davon, einen Tisch zu reservieren.

„Nein, Kumpel“, wehrte Nash ab. „Zum Essen ist keine Zeit. Die Sache ist in fünf Minuten erledigt.“

Nash Blues Management-Team wurde von John Cullinan geleitet, einem ausgebufften Iren, der Nash bereits betreut hatte, als dieser noch aktiver Rennfahrer war. John hatte ihn mehr als zehn Jahre lang weitgehend von den penetranten Medien abgeschirmt, und Nash vertraute auf die Kompetenz seines Freundes.

In den kommenden Wochen würde er auf Johns professionellen Umgang mit Pressevertretern dringend angewiesen sein. Es gab bereits heiße Spekulationen über Nash Blues Zukunft. Das allgemeine Interesse war schon im Mai geweckt worden, als Nash am Rande des Grand Prix zusammen mit dem Eagle – Fahrer Antonio Abruzzi gesehen wurde. Die Journalisten hatten sich wie Piranhas verhalten, die ein Stück Fleisch witterten. Genau deshalb würde das entscheidende Meeting mit Eagle in einer privaten Hotelsuite und unter höchster Geheimhaltung stattfinden. Erst danach sollte die Presse ihre Geschichte bekommen.

Nash beendete das Telefonat und ließ sich auf den Fahrersitz gleiten. Bevor er sich mit seinem Wagen in den Verkehr einfädelte, blickte er mit seinen graublauen Augen prüfend in den Rückspiegel. Eine Sportkommentatorin hatte diese Augen einmal als tödlich blau bezeichnet, und auch andere Journalisten beschrieben Nash für gewöhnlich als unnahbar und verschlossen. Eine ehemalige Geliebte hatte ihn sogar als eiskalten Mistkerl beschimpft … Aber als Sohn eines aggressiven Alkoholikers, der sich durch jedes unschuldige Wort seines Jungen provoziert fühlte, hatte Nash früh gelernt, den Mund zu halten und alle wichtigen Sachen für sich zu behalten.

Zumindest nahm man ihn heutzutage ernst. Im Alter von vierunddreißig Jahren hatte er mehr als eine Dekade in einer der gefährlichsten Profisportarten der Welt überlebt. Und nach seinem fulminanten Abschied vom aktiven Rennsport vor fünf Jahren war es ihm gelungen, mit seinem Fachwissen und seiner Liebe zu Form und Design eine höchst erfolgreiche zweite Karriere aufzubauen.

Gerade erst hatte er einen Deal mit dem Schweizer Autohersteller Avedon abgeschlossen, um den Blue 22 produzieren zu lassen. Das Konzept für diesen Wagen hatte Nash schon in den frühen Tagen seiner Karriere erstellt, als noch niemand seinen Visionen eine Chance geben wollte. Heute war er endlich ein renommierter Spezialist, der für seine Arbeit jeden erdenklichen Preis nennen konnte.

Trotzdem war er rastlos und fragte sich im Stillen ständig, was als Nächstes kommen sollte. Eigentlich kannte er die Antwort auf diese Frage. Deshalb waren die Verantwortlichen von Eagle schließlich gestern Abend hierher eingeflogen worden.

Ja, er wollte gern ins Spiel zurückkehren, aber dieses Mal zu seinen eigenen Bedingungen. Seine Jahre als Rennfahrer hatte er in einem Rausch von Geschwindigkeit, Adrenalin und Groupies hinter sich gebracht, stets auf der Flucht vor seinen inneren Dämonen. Doch inzwischen war Nash erwachsen. Seine Gefühlswelt hatte sich geändert, und er brauchte sich nicht länger vor Gott und der Welt zu beweisen.

Die Straße war frei, und Nash gab Gas, um den nächsten Hügel zu erklimmen.

Dort oben wollte er sich einen ganz besonderen Oldtimer ansehen, auf den er schon lange ein Auge geworfen hatte, ein wahres Prachtstück, an dem noch alle Teile original sein sollten. Der Wagen stand erst seit Kurzem zum Verkauf, und Nash musste sich beeilen, wenn er nicht von einem anderen Interessenten ausgebootet werden wollte. Trotzdem wollte er vor einem Kauf den Oldtimer unbedingt zuerst noch persönlich begutachten.

Als er heute Morgen nach einem endlos langen Flug in Monaco gelandet war, hatte Nash erfahren, dass es möglich war, den kostbaren Wagen am Nachmittag zu besichtigen. Davor war der Oldtimer noch an jemand anders vermietet. Da Nash sich den Vormittag jedoch extra freigehalten hatte, wollte er sein Glück sofort versuchen. Nicht auszudenken, wenn dieses Kleinod so kurz vor dem ersehnten Kauf womöglich beschädigt wurde!

Sein Zielort lag oben auf einem der höchsten Hügel mit herrlichem Blick über die Bucht – hübsch und exklusiv. Aber welche Adresse in dieser Stadt war nicht exklusiv? Dieses besondere Haus war sogar allgemein bekannt, weil es einst der Rückzugsort einer berühmten Stummfilmdiva gewesen war, und Nash war gespannt auf das Anwesen. Er war schon öfter daran vorbeigefahren, doch jetzt lenkte er sein Auto zum ersten Mal direkt durch das schmiedeeiserne Eingangsportal, das zu seiner Überraschung sperrangelweit offen stand. Dabei waren die Sicherheitsvorkehrungen in dieser Gegend für gewöhnlich außerordentlich strikt.

Die steile Kiesauffahrt war von grünen Linden umsäumt, und Nash fuhr immer langsamer, während er den desolaten Zustand des Haupthauses in sich aufnahm. Selbst Massen von blühender Bougainvillea konnten nicht verhehlen, wie dringend hier eine Sanierung benötigt wurde.

Und dann sah er den Oldtimer.

Sein Wagen war kaum zum Stillstand gekommen, da sprang Nash schon hinaus und rannte auf das Schätzchen zu … das mit der Nase voran tief in einem Rosenbeet steckte.

Ein 1931er Bugatti T51, umgeben von blühenden kleinen Büschen. Und um das Bild noch grausamer wirken zu lassen, hing nachlässig eine der Türen offen.

Jeder Muskel in Nashs Körper verkrampfte sich. Er war nicht wütend – er war weit jenseits von wütend!

Erschüttert und entsetzt, um genau zu sein. Allerdings war er ein Mann von höchster Selbstkontrolle. Deshalb zügelte er seinen Ärger, denn es war besser, ihn später auf denjenigen zu richten, der ihn verdiente.

Schon stolperte ein Mann in einer grünen Gartenhose auf ihn zu und warf dabei aufgeregt beide Arme gen Himmel. „Monsieur! Un accident avec la voiture!“

Ein Unfall? Ja, so konnte man es natürlich auch ausdrücken.

Nash fand, dass es genau jetzt an der Zeit war, seinem Ärger freien Lauf zu lassen …

Lorelei St James erwachte und streckte sich ausgiebig. Dabei glitten ihre nackten Arme über die seidige Bettwäsche, was sich sehr sinnlich anfühlte. Doch dann spürte Lorelei das Pochen in den Schläfen.

„Mpf!“ Mit einem gedämpften Laut vergrub sie das Gesicht im Kopfkissen und nahm sich vor, diesen unsäglichen Tag einfach zu verschlafen. Falls das irgendwie möglich war, denn von draußen hörte sie aufgebrachte laute Männerstimmen.

Schlichtweg ignorieren, nahm sie sich vor und kuschelte sich wieder in ihre Decke.

Das Gezeter draußen wurde lauter.

Lorelei rutschte ein Stückchen tiefer und kniff die Augen zusammen.

Noch mehr Flüche.

Sie rümpfte die Nase.

Dann ein lauter Knall.

Was jetzt? Seufzend schob sie ihre Satin-Schlafmaske hoch auf die Stirn und zuckte zusammen, als der grelle, mediterrane Sonnenschein auf ihre Augen traf. Der Raum um sie herum schwankte leicht – zweifellos das Ergebnis von zu viel Champagner und zu wenig Schlaf. Außerdem schlug ihr das finanzielle Fiasko mit diesem Haus schwer aufs Gemüt.

Letzteres schob sie schnell wieder in den hintersten Winkel ihres Verstands. Mit klopfendem Herzen tastete sie nach dem Wasserglas neben sich, um ihrem ausgetrockneten Mund wieder neues Leben einzuhauchen. Dabei warf sie mit ohrenbetäubendem Geschepper ihre Uhr, ihr Handy und ihren Schmuck auf den steinernen Fußboden.

Ganz vorsichtig brachte sich Lorelei in eine sitzende Position und strich sich die blonden Locken aus dem Gesicht. Sie runzelte die Stirn und hielt sich an der Matratze fest, als das Zimmer sich zu drehen begann.

Ich werde nie wieder Alkohol trinken, schwor sie sich. Und falls doch, dann nur ein Glas Wein. In Notlagen vielleicht auch Gin Tonic …

Ihr Telefon klingelte auf dem Fußboden, und Lorelei zuckte zusammen. Wenn sie zurzeit von jemandem angerufen wurde, dann fast nur von wütenden Gläubigern.

Das Klingeln verstummte, aber die streitenden Männerstimmen, von denen sie geweckt worden war, erhoben sich allmählich zum crescendo.

Damit musste sie sich doch hoffentlich nicht auseinandersetzen? Nicht ausgerechnet heute!

Aber ohne das Partypersonal von gestern blieben da nur Giorgio und seine Frau Terese. Und es wäre unfair, ihnen die Klärung der Situation dort draußen allein zu überlassen. Sie waren ihr in den vergangenen Wochen eine Riesenhilfe gewesen, all die Gläubiger abzuwimmeln, die hier auftauchten, seit Loreleis Vater Raymond im Strafvollzug saß.

Dabei hatte sie nach zwei Jahren Prozessführung keinen einzigen Cent Barvermögen mehr. Nicht, dass Lorelei das Problem ignorierte – sie verschob es einfach. Ganz bestimmt würde sie sich um all die Anrufe und E-Mails kümmern, mit den Anwälten sprechen, all die ungeöffneten Briefe lesen … Aber all das musste bis morgen warten. Heute war so ein schöner Tag! Die Sonne strahlte! Nur noch einen einzigen Tag wollte sie die Ruhe vor dem Sturm genießen.

Plötzlich fiel es ihr wieder ein. Sie hatte nicht nur einen Termin um zwölf Uhr mittags, sie wurde am Nachmittag auch noch im Hotel de Paris erwartet. Es ging um die Wohltätigkeitsarbeit ihrer Großmutter: die Aviary Stiftung. Jedes Jahr richteten sie in diesem Rahmen eine Spendenveranstaltung zugunsten der Krebshilfe aus.

Und in diesem Jahr handelte es sich um eine Oldtimerrallye. Anschließend sollte ein berühmter Rennfahrer mit krebserkrankten Kindern auf der Rennstrecke seine Runden drehen, natürlich in einem PS-starken Sportwagen. Die Dame für die Öffentlichkeitsarbeit war krank, und der Präsident der Stiftung hatte Lorelei höchstpersönlich darum gebeten, für sie einzuspringen und die Gäste auf dieser Veranstaltung in Empfang zu nehmen.

Lorelei presste die Fingerspitzen gegen ihre Schläfen. Sie hatte sich nicht einmal die Zeit für Recherchen genommen. Was, wenn dieser Rennfahrer erwartete, dass sie sich bezüglich seiner Karriere auskannte?

Als sie gerade den Gürtel ihres seidenen Morgenmantels zuknotete, sprang etwas Flauschiges auf sie zu und grub seine Krallen in ihr Bein.

„Fifi!“, sagte sie streng. „Benimm dich, ma chère!“

Damit hob sie ihren kuschligen Liebling hoch und drückte kurz das Gesicht in das warme weiße Fell.

„Jetzt sei lieb und bleib schön hier! Maman muss sich um ein paar Dinge kümmern.“

Erwartungsvoll blieb das Hündchen auf dem Bett sitzen, während Lorelei ihre Terrassentür aufstieß und nach draußen trat. Dies würde ein weiterer perfekter Septembertag werden, und sie sog die spätsommerliche Luft ein, die nach Lavendel und Rosen duftete.

Ihr war überhaupt nicht danach, jetzt einen Streit zu schlichten, aber das ließ sich nun einmal nicht ändern. Ergeben schlenderte sie die Steinstufen zum Vorgarten hinunter und schob sich dabei eine große Sonnenbrille auf die Nase. Ihr konnte schließlich nichts Schlimmeres passieren, als dass man sie anschrie – auch wenn das schon schlimm genug war! Diesbezüglich war sie recht sensibel und hatte zudem in der letzten Zeit genug durchgemacht.

Zuerst fiel ihr der Bugatti auf, und ihr Herz setzte einen Schlag aus. Wie war er denn bloß mit der Nase voran im Rosenbeet gelandet? Dann bemerkte sie den Mann, der ihren Schlaf gestört hatte. Er war … einfach bloß …

Ihr Mund formte ein erstauntes Oh. Und ihr Verstand erinnerte sie daran, dass sie weder Haare gekämmt noch Zähne geputzt hatte – und dass sie keine Unterwäsche unter dem Morgenrock trug. Aber nun war es zu spät, er hatte sie schon gesehen.

Zumindest trug sie eine Sonnenbrille, hinter der die Sünden der vergangenen Nacht verborgen blieben. Außerdem war er ein Mann und damit leicht zu beeinflussen. Auch wenn sie im Augenblick nicht gerade hervorragend aussah, besaß sie doch noch ihren umwerfenden Charme. Den galt es nun geschickt auszuspielen.

Der Fremde kam auf sie zu, groß und breitschultrig, mit schmalen Hüften und kräftigen langen Beinen. Er hatte dieses klassisch schöne Gesicht, das man von alten Filmstars kannte.

Lorelei wusste es besser, als nur stumm und hilflos dazustehen. Angriff war die beste Verteidigung. Also straffte sie die Schultern und steuerte auf den Bugatti zu. Dabei zeigte sie dem Mann ihre Kehrseite, die – wie sie sehr wohl wusste – knackig und durchtrainiert war.

„Himmel …“, rief sie gedehnt, „… da steckt ja ein Auto in meinen Rosen!“

Auf der anderen Seite war Humor vielleicht doch nicht die beste Strategie, um dieses Problem anzugehen. Auf dem Kies der Auffahrt hörte sie das Knirschen schwerer Schritte hinter sich. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, nachdem Giorgios verzerrter Gesichtsausdruck ihr vermittelt hatte, wie verfahren die Situation war.

„Sind Sie etwa verantwortlich für das hier?“

Drei Dinge fielen ihr sofort auf: Er war Australier, er hatte eine unheimlich tiefe Stimme, und er war auch von Nahem betrachtet unbeschreiblich attraktiv. Und seine Wut konnte sie ihm nicht verdenken, das Auto sah wirklich ziemlich ramponiert aus.

„Nun? Ist das hier Ihre Schuld?“, wiederholte er und riss sich dabei seine Sportsonnenbrille von der Nase.

Sie blickte in ein Paar spektakulär blaue Augen, umrandet von langen, schwarzen Wimpern. Sein Blick war männlich und einschüchternd. Diesen Mann zu bezirzen, würde nicht so einfach werden, wie sie gehofft hatte.

„Haben Sie gar nichts zu Ihrer Verteidigung zu sagen?“, wollte er wissen. „Was ist? Sind Sie etwa high, Lady?“

Sie war so sehr damit beschäftigt, seinen umwerfenden Anblick zu verkraften, dass ihr seine vielen Fragen entgingen. „Pardon?“

Aber der Fremde hatte sich schon dem verunglückten Wagen zugewandt, beide Hände auf seine Hüfte gestemmt. Eine ziemlich sexy Pose, wie Lorelei fand.

Giorgio murmelte irgendetwas auf Italienisch, und plötzlich schienen sich beide Männer in ihrer Empörung über den angerichteten Schaden einig zu sein. So hatte sich Lorelei den Verlauf dieser kleinen Szene wirklich nicht vorgestellt. Ihr eigenes Italienisch war nicht gerade ausgeprägt, und sie hasste es außerdem, ignoriert zu werden. Erst recht gefiel es ihr nicht, wenn man sie bedrohte.

Keck stützte sie sich auf ein Bein und bog ihre Hüfte zur Seite, so weit es ging. „Meinen Sie, Sie können es dort entfernen, bevor es meine Blumen vollkommen ruiniert?“

Giorgio stieß etwas aus, das klang wie: „Madonna!“

Gut, jetzt reagierte man zumindest auf sie.

Die breiten Schultern des Fremden verkrampften sich, und er drehte sich um wie in Zeitlupe. Sein eiskalter Blick traf sie hart wie eine Ohrfeige. Plötzlich kam er ihr noch größer und kräftiger vor.

„Lady, da kommt eine Menge Ärger auf Sie zu!“, gab er tonlos zurück.

Seine Bemerkung traf einen wunden Punkt bei ihr. Zu viele Menschen hatten in den vergangenen Wochen in gleicher Weise auf sie reagiert, und Lorelei konnte dieses bedrohliche Verhalten nicht mehr ertragen. Überhaupt, wen interessierte ein blödes Auto, wenn ihr selbst gerade ihr gesamtes Leben um die Ohren flog? Das war einfach zu viel!

Also tat sie, was sie immer tat, sobald jemand sie direkt herausforderte. Sie fuhr die scharfe Munition auf. Genau das hatte sie von ihrem geliebten, verantwortungslosen Vater gelernt.

Gelassen schob sie die Sonnenbrille ein Stück hinunter und schürzte die Lippen. „Ich kann es kaum erwarten“, schnurrte sie provokant.

2. KAPITEL

Ihrem Aussehen nach zu urteilen, hatte sie eben erst das Bett verlassen. Und für einen verwegenen Sekundenbruchteil war Nash danach, sie geradewegs wieder dorthin zu befördern.

Was kaum überraschend war. Immerhin stand hier eine höchst begehrenswerte Frau vor ihm, die nicht bloß außergewöhnlich gut aussah, sondern auch dieses gewisse Extra hatte, das Männer seit jeher um den Verstand brachte. In einer anderen Zeit hätte sie der romantischen Vorstellung einer Kurtisane entsprochen. Einer Frau, die jede Menge Geld in ihre Schönheit investierte und ihre Augen wandern ließ, stets auf der Suche nach der nächsten großen Chance.

Yeah, zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort würde diese Begegnung einen vielversprechenden Verlauf nehmen … Nash rieb sich das Kinn. Er stand kurz davor, wieder von den Medien aufgefressen zu werden, da konnte er sich eine brandheiße Liaison dieser Qualität nicht leisten. Dieser hübsche Po musste also strikt außerhalb seiner Reichweite bleiben, auch wenn es Nash verflixt schwerfallen sollte.

Sein erster Eindruck von ihr war allerdings ein anderer gewesen. Sie war ihm wie ein scheues Reh vorgekommen, und er hatte kaum gewagt, sich zu rühren, damit er sie nicht erschreckte. Aber jetzt stand sie da wie ein Vamp, Hand in die Taille gestemmt und das Becken herausfordernd nach vorn geschoben. Und sie hatte kaum etwas an …

Der Gentleman in ihm zwang Nash, sich auf ihr Gesicht zu konzentrieren. Dieses Mädchen war ein typisches Riviera-Babe mit all dem französischen Glamour, der dazugehörte. Das war im Grunde nichts Neues für ihn. Ihm ging es heute um dieses Auto und damit Schluss.

„Sie haben ein Kapitalverbrechen begangen, Lady“, knurrte er. „Dieser Wagen ist eine Symbiose aus kunstvoller Arbeit und erstklassigen Materialien, und Sie haben ihn zu Schrott gefahren.“

Sie setzte ihre riesige Sonnenbrille ab, und ein Paar sanfter rehbrauner Augen blickte ihn an, als würde er völlig überreagieren. „Ich habe überhaupt nichts zu Schrott gefahren“, erwiderte sie mit dieser tiefen sexy Stimme.

Nash verschränkte die Arme und wehrte sich innerlich gegen den Effekt, den ihre unerwartet warmen Augen auf ihn hatten.

„Das Auto hat möglicherweise einen kleinen Kratzer abbekommen, weiter nichts“, fuhr sie fort. „Und vermutlich gibt es davon nur ein paar Tausend auf der Welt …“

„Acht“, unterbrach er sie scharf. „Es gibt exakt acht Stück weltweit.“

Zufrieden beobachtete er, wie sie schluckte. Aber weiter ließ sie sich nicht einschüchtern. „Das sind dann noch sieben außer diesem hier. Ist doch keine Katastrophe, non?“ Aufreizend strich sie sich mit einer Hand über die herausgestreckte Hüfte.

Er starrte ihr direkt ins Gesicht. „Sie sind ein hübsches Ding, und ich bin sicher, die Männer stehen bei Ihnen Schlange. Ich persönlich habe allerdings nichts übrig für gedankenlose, oberflächliche Frauen.“

Sie stutzte und sah für einen Moment richtig erschrocken aus. Aber dann hob sie ihr Kinn und sah ihn kühl an. „Sie können ihn ja reparieren.“

„Als wäre das so einfach.“ Ohne es zu wollen, ließ er seinen Blick über ihre reizvollen Kurven gleiten, die sich durch den dünnen Stoff abzeichneten.

„Suchen Sie etwas?“

„Ja, ein Gewissen“, antwortete er trocken.

Ihr wurde bewusst, dass sie keinen BH trug, und sie kreuzte die Arme vor der Brust. „Oh, da befindet sich durchaus eines. Sie müssen eben etwas tiefer blicken, um es zu finden.“

Was für eine brillante Doppeldeutigkeit! Nash musste beinahe grinsen. Allzu dumm schien diese Blondine also doch nicht zu sein.

„Ich verzichte.“

„Zu schade.“ Mit Schwung warf sie ihre Locken zurück und ging auf das Heck des Wagens zu. „Ich bin sicher, man kann den Schaden leicht beheben. Schließlich steckt das Auto bloß zwischen ein paar Rosen fest, das ist doch kein großes Drama. Vielleicht ist der Lack ein bisschen zerkratzt, aber deswegen muss man wirklich kein Fass aufmachen“, fügte sie mit einem kurzen Blick über die Schulter hinzu.

Bildete er sich das ein, oder hatte sie ihm nicht in die Augen, sondern direkt unter die Gürtellinie gesehen?

Abwehrend streckte er den Zeigefinger aus. „Machen Sie sich auf eine Rechnung gefasst! Und ich hoffe, Ihr alter Herr wird Ihnen gehörig den Marsch blasen. Ist doch das Letzte, so mit dem Eigentum anderer umzugehen.“

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