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Wüstenprinz und Herzensbrecher

1. KAPITEL

Wie ein hell leuchtender Stern funkelte der Diamant auf ihrer Haut. Frankie drehte die Hand hin und her und betrachtete den Stein. Noch immer erschien es ihr wie ein Wunder. Wer hätte gedacht, dass die unscheinbare, strebsame Frankie O’Hara jemals heiraten würde – besiegelt mit einem Verlobungsring, dessen Edelstein die Größe einer prallen Heidelbeere hatte?

Sie spreizte die Finger und beobachtete, wie sich das fahle Novemberlicht in dem Stein brach und ihn glitzern ließ. Ihr Vater hätte sich über ihre Begeisterung amüsiert und erklärt, ein Diamant sei nichts anderes als eine besonders harte Form von Kohlenstoff – für Frankie aber bedeutete dieses Schmuckstück weit mehr.

Es war ein Symbol. Ein Zeichen dafür, dass ein Mann sie liebte und den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollte. Noch dazu ein attraktiver und erfolgreicher Mann. In ihren kühnsten Träumen hatte sie nicht erwartet, dass so jemand sich einmal für sie interessieren könnte.

Das laute Brummen eines Wagens riss sie aus ihren Gedanken. Erschrocken sprang Frankie auf. Das konnte doch wohl noch nicht Simon sein? Sie hatte bisher keine einzige Kartoffel für ihr Festmahl heute Abend geschält, und die Hähnchenbrustfilets lagen auch noch nicht lange genug in der Marinade.

Erleichtert atmete sie auf, als sie aus dem Fenster sah. Ein frisch polierter, unendlich teurer Wagen schoss die Auffahrt entlang, sodass die kleinen Steinchen auf dem Kiesweg zur Seite spritzten.

Das war ganz sicher nicht Simon. Er fuhr eine bequeme, unauffällige Limousine, nicht zu vergleichen mit dem sportlichen schwarzen Kraftpaket, das jetzt vor dem Haus hielt. Der kleine Sportflitzer passte sehr viel besser auf eine Rennbahn als in diesen einsamen Winkel Englands. Ohne abzuwarten, wer ausstieg, wusste Frankie bereits, wer der Fahrer war.

Zahid!

Ihr Herz schlug schneller, und ihr Mund war plötzlich vollkommen ausgetrocknet. Zahid kam der Traumvorstellung von einem Mann, die wohl jede Frau insgeheim hegte, ziemlich nahe – und jetzt stand er genau vor ihrer Haustür. Zahid Al Hakam, Scheich und Herrscher seines Landes. Der Mann mit dem scharfen Profil eines Falken und den dunklen, geheimnisvollen Augen.

Frankie war sich bewusst, dass die Freundschaft zwischen ihr, einer vollkommen normalen Frau, und diesem exotischen, mächtigen Scheich äußerst ungewöhnlich war. Doch sie kannte den König von Khayarzah seit ihrer Kindheit, weil ihre Väter unzählige Jahre miteinander befreundet gewesen waren. Allerdings waren seine Besuche selten geworden, seit er völlig unerwartet die Herrschaft übernommen hatte. Der plötzliche Tod seines Onkels und seines Cousins hatte Zahid zum Thronfolger gemacht, nun ließ sein prall gefüllter Terminkalender keine Zeit mehr übrig, um nach England zu reisen und Privatbesuche zu machen.

Zunächst hatte sie ihn schmerzlich vermisst, dann aber hatte sie beschlossen, es wäre ohnehin besser, ihn nicht mehr so häufig zu sehen – sie hatte schon viel zu viel Zeit damit vergeudet, sich ein Leben an der Seite eines Mannes zu erträumen, der ganz eindeutig nicht in ihrer Liga spielte.

Wieder sah sie aus dem Fenster. Warum tauchte er plötzlich hier auf? Und wieso ausgerechnet heute?

Sie beobachtete, wie er aus dem Auto stieg. Eigentlich war er viel zu groß für den kleinen Wagen, doch er bewegte sich mit der typischen eleganten Leichtigkeit, die sie schon immer an die Geschmeidigkeit einer Raubkatze erinnert hatte.

Das Läuten der Türglocke riss Frankie aus ihren Gedanken. Auf dem Weg zur Haustür sah sie die Räume plötzlich mit anderen Augen. Die Wände mussten dringend neu gestrichen werden, überall entdeckte man Zeichen der Abnutzung, obwohl sie sich nach besten Kräften bemühte, das Haus instand zu halten. Simon hatte recht, wenn er darauf beharrte, dass sie den Familienbesitz endlich verkaufen sollte.

Als sie öffnete, schlug ihr Herz noch immer bis zum Hals. Sie betete, dass sie mittlerweile reif und erwachsen genug war, um Zahid nicht sofort wieder zu verfallen. Fünf lange Jahre waren vergangen, seit sie sich zum letzten Mal gesehen hatten – zweifellos genug zeitlicher Abstand, um sich gegen seinen Charme zu wappnen.

Doch ihre Hoffnung war vergebens. Als sie in sein ernstes Gesicht sah, spürte sie sofort, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Konnte es eine Frau auf der Welt geben, die unbeeindruckt blieb, wenn dieser Mann vor ihrer Tür stand? Ganz sicher nicht – selbst wenn sie sich gerade mit einem anderen verlobt hatte.

Zahid sah nicht so aus, wie sich die meisten Menschen einen Scheich vorstellten. Ganz bewusst verzichtete er auf traditionelle Kleidung, wenn er in Europa unterwegs war. Er wollte nicht auffallen, war wandelbar wie ein Chamäleon. Das war auch der Grund dafür, dass er mehrere Sprachen fließend beherrschte. Doch so sehr er sich auch bemühte – Zahid fiel immer auf. Egal, wie fehlerfrei er sich in der Landessprache unterhalten konnte und wie angemessen er sich kleidete, immer richteten sich alle Blicke sofort auf ihn.

In einem maßgeschneiderten grauen Anzug, der seinen muskulösen Körper perfekt zur Geltung brachte, stand er in der Tür. Er hatte sich nicht verändert. Die Augen in seinem markanten Gesicht schimmerten wie dunkler Schiefer, seine Haut hatte fast den Farbton von mattem Kupfer. Mit seinem glänzenden schwarzen Haar und dem düsteren Gesichtsausdruck wirkte er wie ein Filmstar aus einem alten Western, dachte sie mit plötzlicher Wehmut. Obwohl er sie einfach nur schweigend ansah, spürte sie seine unglaubliche Anziehungskraft.

Ohne nachzudenken, schob Frankie ihre linke Hand in die Hosentasche und registrierte die Geste sofort schuldbewusst. Versuchte sie etwa, den Verlobungsring zu verbergen? Und wenn ja, warum?

„Hallo, Zahid“, sagte sie.

Nur wenige Menschen durften ihn mit seinem Vornamen ansprechen, aber in diesem Augenblick interessierte Zahid sich nicht für das Protokoll. Erstaunt sah er sie an, während er nach Worten suchte. Das musste ein Missverständnis sein.

„Francesca?“, brachte er schließlich hervor. Ungläubig betrachtete er sie, als sei sie eine Fata Morgana in der Wüste. „Bist du es wirklich?“

Frankie versuchte, nicht darauf zu reagieren. Niemand nannte sie mehr Francesca. Niemand außer ihm. Als sie den vertrauten Klang seiner Stimme hörte und wie er jede einzelne Silbe ihres Namens aussprach, erschauerte sie unwillkürlich. Ihre Mutter hatte ihr den glamourösen Namen gegeben in der Hoffnung, ihre Tochter werde ebenso mondän wie sie selbst. Doch sie war bitter enttäuscht gewesen von dem unscheinbaren Mädchen. Als sich das hässliche Entlein nachdrücklich geweigert hatte, zu einem schönen Schwan heranzuwachsen, war aus dem exotischen Namen Francesca ein alltagstaugliches Frankie geworden. Nur Zahid hatte sie weiterhin bei ihrem vollständigen Namen genannt.

„Natürlich bin ich es“, gab sie betont locker zurück, doch insgeheim gefiel ihr das kurze Aufflackern von Bewunderung in seinem Blick. Bisher hatte er sie immer betrachtet wie einen treuen Gefolgsmann, einen ergebenen Diener – oder vielleicht sogar wie einen braven Hund, der schwanzwedelnd angelaufen kam. Sie wusste, wie überflüssig die Frage war, dennoch wollte sie es aus seinem Mund hören. „Warum? Habe ich mich verändert?“

Einen Moment lang geriet seine übliche Gelassenheit ins Wanken. Verdammt, ja, das hatte sie. Verändert war gar kein Ausdruck. Das letzte Mal, als er sie gesehen hatte, war sie eine burschikose Neunzehnjährige gewesen, zurückhaltend und so unauffällig, dass niemand sie in einer Gruppe wahrgenommen hätte. Was war seither mit ihr passiert?

Er betrachtete sie genauer. Das kurze Haar, das stets widerspenstig in alle Richtungen abgestanden hatte, war gewachsen und fiel in dunklen, glänzenden Locken über ihre Schultern. Die dicken Brillengläser waren verschwunden, sodass er ihre großen tiefblauen Augen sehen konnte. Ihre unförmige Kleidung hatte sie gegen schmale Jeans und einen weichen Pullover getauscht – darunter waren weibliche Formen zu erahnen, die Zahid niemals bei Francesca erwartet hätte.

„Was hast du mit deiner Brille gemacht?“, wollte er wissen.

„Ich trage Kontaktlinsen“, erklärte sie schulterzuckend.

Am liebsten hätte er sie gefragt, seit wann sie so wundervolle Brüste hatte und eine Taille, deren kurvenreicher Schwung ihm den Atem nahm. Wie gern hätte er erfahren, wann das nichtssagende Mädchen sich in eine Frau verwandelt hatte – doch er zwang sich, diese verfänglichen Fragen nicht zu stellen. Denn dies war Francesca, die süße, unschuldige Francesca, und nicht etwa eine seiner vielen Begleiterinnen, mit denen er auf Cocktailpartys flirtete.

Stattdessen bedachte er sie mit einem kühlen Blick, der ihr klarmachen sollte, dass selbst eine alte Freundin zumindest die grundsätzlichsten Formen der Höflichkeit ihm gegenüber wahren sollte.

Als Frankie bemerkte, wie er unwillig die Stirn runzelte, reagierte sie sofort. „Oh, entschuldige. Möchtest du …“ Sie öffnete die Tür ein bisschen weiter, doch sie war unentschlossen, ob sie sich wünschte, er solle gehen oder bleiben.

Denn wenn er blieb – würde seine Gegenwart sie aus der Bahn werfen? Würden die Jungmädchenfantasien sie wieder quälen? Jene Träumereien, die immer damit endeten, dass Zahid sie in seine Arme zog und sie leidenschaftlich küsste, ehe er ihr gestand, er könne nicht ohne sie leben.

„Komm doch herein“, bat sie ihn schließlich.

„Danke“, gab er zurück und betrat die große Eingangshalle. Er schaute sich um und fühlte sich gleichzeitig heimisch und vollkommen fremd. Ein großes, leicht heruntergekommenes englisches Haus mit einem üppigen Garten. Dies war der einzige Ort außerhalb seiner Heimat, an dem er sich immer rundum wohlgefühlt hatte. Hier war er unbeobachtet, niemand wartete darauf, Tratsch und böse Gerüchte an die Presse zu verkaufen. In diesem Haus war er nie der Neffe des Scheichs gewesen, sondern einfach nur ein Freund.

Im Laufe der Jahre waren seine jährlichen Besuche zur Regel geworden. Sein Vater liebte es, stundenlang mit seinem englischen Freund zu debattieren. Ihm hatte er es zu verdanken, dass in seinem nach vielen Kriegen hoch verschuldeten Heimatland Öl gefunden worden war. Francescas Vater war ein brillanter, aber auch exzentrischer Mann gewesen. Durch ihn war das Scheichtum Khayarzah zu unermesslichem Reichtum gelangt.

Als Francesca die Tür schloss, ließ Zahid seinen Blick länger als nötig auf ihren Kurven ruhen. Er kannte sie seit ihrer Geburt. Sie war ein Schreihals gewesen, ein kleines, zornrotes Gesichtchen, eingebettet in blütenweiße Kissen. Er selbst war damals dreizehn gewesen.

Gerührt dachte er daran, wie sie als Kleinkind auf ihn zugewackelt war – unglaublich süß – und wie sie stets darauf bestanden hatte, von ihm getragen zu werden. Er hatte alles getan, was sie verlangte. Von ihr hatte er sich um den Finger wickeln lassen wie von keiner anderen Frau in seinem Leben.

Und er erinnerte sich, wie sich die Atmosphäre im Haus verändert hatte, nachdem Francescas Mutter sich von ihrem Mann getrennt hatte – gelangweilt von einem Wissenschaftler, den wenig anderes interessierte als sein Fachgebiet. Seither wirkte das Haus vernachlässigt, kühl und von einer unbeschreiblichen Hoffnungslosigkeit durchzogen. Sie hatte ihn wegen eines reicheren Mannes verlassen, der ihr die schönen Dinge des Lebens gezeigt hatte. Er war der erste in der langen Reihe wohlhabender Liebhaber gewesen, die sie alle irgendwann fallen ließen. Schließlich war sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Eine Tragödie, die von der Tatsache, dass am Steuer des Wagens ein bekannter und verheirateter Politiker gesessen hatte, in den Schmutz gezogen worden war.

Doch Francesca und ihrem Vater war es gelungen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das kleine Mädchen war inmitten fachsimpelnder Wissenschaftler aufgewachsen und häufig sich selbst überlassen gewesen. Sie hatte sich nie besonders für ihr Äußeres interessiert und war kein kichernder Teenager mit aufreizenden Kleidern gewesen. Damals, dachte Zahid, hatte man kaum wahrnehmen können, dass sie überhaupt eine Frau war.

Er dachte daran, wie er ihr das Kartenspielen beigebracht und sie hatte gewinnen lassen, obwohl er eigentlich äußerst ehrgeizig war und niemals verlieren wollte. Und er erinnerte sich an das glückliche Lächeln, das ihr Gesicht damals zum Strahlen gebracht hatte.

Ihre Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Hast du etwas gesagt?“, fragte er und schüttelte den Kopf über sich selbst, denn es war nicht seine Art, sentimental zu werden.

„Ich habe gefragt, was dich hierher nach Surrey geführt hat“, wiederholte sie. „Oder bist du zufällig vorbeigekommen?“

Er antwortete nicht gleich. Was genau hatte ihn hierhergeführt? Das unterschwellige Schuldbewusstsein, sie seit fünf Jahren nicht besucht zu haben? Er wusste, dass sie nun ganz auf sich gestellt war. Und obwohl er sich immer vorgenommen hatte, sich um sie zu kümmern, hatte das Leben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit er Scheich von Khayarzah war, lasteten seine vielfältigen Pflichten schwer auf ihm.

„Ich habe geschäftlich in London zu tun und dachte, ich mache einen kleinen Abstecher“, erklärte er. „Irgendwann ist mir klar geworden, wie lange wir uns nicht gesehen haben – und ich dachte, das müsse sich ändern.“

Während er das sagte, sah er sie so merkwürdig und durchdringend an, dass Frankie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss.

„Möchtest du … etwas trinken?“, bot sie an, wohl wissend, dass er normalerweise ablehnte. Bis vor einigen Jahren hatte sie sich gefragt, ob er befürchtete, jemand wolle ihn vergiften. Doch ihr Vater hatte ihr erklärt, dass die Angehörigen des Königshauses immer einen gewissen Abstand zu den Bürgerlichen wahrten.

„Ja, gern“, sagte er zu ihrem Erstaunen.

„Tatsächlich?“

Irritiert sah er sie an. „Hast du mir nicht gerade etwas angeboten? Ja, ich hätte gern einen Tee. Pfefferminz, wenn das möglich ist.“

Aufgeregt nickte sie und wünschte, er möge für einen Moment verschwinden, damit sie sich wieder sammeln konnte. Dann könnte sie den Verlobungsring ablegen, solange er da war, und den unangenehmen Fragen entgehen, die er zweifellos stellen würde. „Willst du … schon mal im Wohnzimmer Platz nehmen?“

Zahid runzelte die Stirn. Was war nur los mit ihr? Langsam fragte er sich, ob ihre körperliche Veränderung mit ihrem merkwürdigen Verhalten in Zusammenhang stand. „Nein, ich begleite dich in die Küche und werde mich mit dir unterhalten, während du den Tee machst.“

„Gut.“ Warum nur fühlte sie sich in seiner Gegenwart wie elektrisiert? Als hätte sich ohne Vorwarnung irgendetwas zwischen ihnen verändert. „Dann komm mit.“

Zahid folgte ihr durch den eiskalten Flur und bemühte sich, seine Augen von ihren Hüften zu lösen, die sich mit jedem Schritt hin und her wiegten. Warum nur verhielt sie sich so seltsam? Und weshalb ging sie so, als ob …

Als sie an der Küchentür ankamen, war ihm klar geworden, was so anders war als zuvor. „Was ist mit deiner Hand, Francesca?“, erkundigte er sich.

Sie drehte sich um, ihr Herz schlug schuldbewusst bis zum Hals. „Meine Hand?“

„Ja. Sie scheint an deinem Oberschenkel festgeklebt zu sein.“

War es unhöflich, einem Scheich gegenüberzustehen und die Hand in der Hosentasche vergraben zu haben? Vermutlich. Und außerdem konnte sie mit einer Hand keinen Tee zubereiten, noch dazu, wenn er sie mit Argusaugen beobachtete. Widerstrebend zog sie die Hand aus der Tasche, spürte, wie das Edelmetall am Jeansstoff entlangschabte und sah den Stein im Licht aufblitzen.

Das verwunderte Entzücken beim Anblick des Rings, das sie noch kurz vor Zahids Ankunft empfunden hatte, wandelte sich in größte Verlegenheit. Als sie aufsah und ihre Blicke sich trafen, spürte Frankie, wie sie errötete. Doch in seinen Augen las sie nichts weiter als unverhohlene Neugier.

„Nein, Francesca“, sagte er mit einem Unterton in der Stimme, den sie noch nie gehört hatte, „das ist ja unglaublich. Du hast dich verlobt.“

2. KAPITEL

Mit seinen dunklen, fast schwarzen Augen sah Zahid sie an. Frankie fühlte sich seltsam schwach unter dem forschenden Blick.

„Du willst heiraten?“, fragte er mit sanfter Stimme.

Sie nickte. Ihr Mund war wie ausgetrocknet, und sie fragte sich, warum sie in einem Moment, in dem sie sich einfach stolz fühlen sollte, so nervös war. „Ja. Ja, das will ich.“

„Seit wann bist du verlobt?“

„Gerade erst – seit gestern.“

„Lass mich mal sehen. Sei doch nicht so schüchtern.“ Sie konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht deuten. „Komm schon, Francesca, ich habe geglaubt, alle Frauen lieben es, ihren Verlobungsring vorzuzeigen.“

Widerstrebend streckte sie die Hand aus, und als er sie berührte, ging ein Prickeln durch ihren Körper. Jahr um Jahr hatte sie davon geträumt, dass Zahid ihre Hand so hielt wie in diesem Augenblick. Es war eine Ironie des Schicksals, dass es genau jetzt geschah, und es bedeutete absolut nichts. Er sah sich lediglich den Verlobungsring an, den ihr ein anderer Mann geschenkt hatte.

Stirnrunzelnd betrachtete er den Edelstein näher und nahm wahr, dass sie erschauerte. Dann entzog sie ihm abrupt ihre Finger. Und auch ihn selbst ließ die Berührung nicht kalt. Wenn er es nicht besser wüsste, hätte er seine Reaktion für Begehren gehalten. Zahid hob den Kopf und suchte ihren Blick. „Das ist doch ein Grund zum Feiern. Warum machst du solch ein Geheimnis daraus?“, neckte er sie.

Frankie errötete noch mehr. „Ja, du hast natürlich recht.“ Warum hatte sie den Ring dann vor ihm verborgen? Die unausgesprochene Frage lag in der Luft, und Frankie bezweifelte, dass sie eine Erklärung finden würde, die ihn überzeugte – oder auch nur sie selbst. Doch glücklicherweise hakte er nicht weiter nach.

„Also, wer ist der Glückliche?“

„Sein Name ist Simon Forrester.“

„Simon Forrester.“ Zahid zog einen Stuhl heran, ließ sich an dem langen Eichenholztisch nieder und streckte die Beine aus. Dabei fiel sein Blick auf den üppigen Strauß Treibhausrosen, der statt der schlichten Zweige, die Frankie normalerweise selbst im Garten schnitt, auf dem Tisch stand. Hatte jener Simon ihr die Rosen geschenkt? War er der Grund dafür, dass sie ihr Haar hatte wachsen lassen und auf die Brille verzichtete? Trug sie seinetwegen sexy Jeans und einen hautengen Pullover? Hatte Simon in ihr die Lust geweckt, etwas ganz Neues auszuprobieren?

Unerklärlicherweise empfand er einen schalen Geschmack im Mund. „Und was macht er beruflich, dein Simon Forrester?“

Frankies Lächeln erstarrte. Genau das hatte sie befürchtet – dass er alles ganz genau wissen wollte. Kurz war sie versucht, ihm zu sagen, er könne nicht einfach nach Jahren auftauchen und so tun, als sei sie ihm Rechenschaft schuldig. Doch sie wusste, dass er sich davon nicht würde beeindrucken lassen. Zahid bekam immer genau das, was er wollte – und aus welchem Grund sollte sie ihm diese Information verweigern?

„Er ist Immobilienmakler. Ihm gehört das Büro, in dem ich arbeite. Erinnerst du dich, dass ich meinen Job in einer der letzten Weihnachtskarten erwähnt habe?“

Hatte sie? Zahid zögerte. In Khayarzah wurde Weihnachten nicht gefeiert, und er war sicher, dass sie das wusste. Doch sie bestand darauf, ihm jedes Jahr eine Karte zum Fest zu schicken. Und aus irgendeinem Grund ließ er es sich nicht nehmen, diese Briefe selbst zu öffnen, statt es eine seiner Sekretärinnen tun zu lassen. Die Motive waren immer unterschiedlich: Mal hatte sie eine Karte mit schlichten Tannenzweigen ausgesucht, dann eine Zeichnung mit einem Kinderchor in einem verschneiten Dorf. Und er konnte sich nicht dagegen wehren, dass diese Karten jedes Mal eine sentimentale Rührung in ihm weckten und ihn an seine Besuche in England erinnerten.

„Vielleicht hast du es geschrieben, ja“, entgegnete er langsam. Dennoch überraschte es ihn, dass sie einen Bürojob hatte. Irgendwie hatte er angenommen, sie würde in die Wissenschaft gehen, wie ihr Vater. „Erzähl mir mehr“, bat er.

Frankie biss sich auf die Lippen. Ganz offensichtlich machte er sich nicht die Mühe, die Zeilen zu lesen, die sie ihm jedes Jahr schrieb. „Nun, die Firma ist ziemlich erfolgreich und …“

„Nicht über die Firma, Francesca, über ihn“, unterbrach er sie. „Den Mann, den du heiraten willst. Diesen Simon Forrester.“

Beinahe feindselig sah Zahid sie mit seinen dunklen Augen an, und er spie Simons Namen regelrecht aus, als sei er eine bittere Medizin. Dennoch versuchte sie, an die guten Seiten ihres Verlobten zu denken. Seine klaren blauen Augen. Sein aufmerksames Interesse, wenn sie ihm etwas erzählte. Die Rosen, die er ihr regelmäßig nach Hause schickte – ausgerechnet ihr, die nie zuvor Blumen geschenkt bekommen ...

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