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Es war einmal ein Playboy …

1. KAPITEL

„Sie fahren also regelmäßig Trimmrad und schwimmen?“, erkundigte Serena sich interessiert.

„Ja“, bestätigte George.

„Haben Sie dabei Schmerzen?“

„Nein.“ Das war nicht einmal geflunkert. Zumindest nicht sehr. George konnte sein tägliches Trainingsprogramm problemlos absolvieren. Doch in der vergangenen Woche hatte er es etwas übertrieben. Der Gedanke, seinen Genesungsprozess ein bisschen zu beschleunigen, war einfach zu verlockend gewesen. Leider hatte er seinen Körper damit überfordert.

Serena sah ihn tadelnd an. „Seien Sie ehrlich!“

„Das bin ich!“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „George, ich weiß, dass es Sie wahnsinnig macht, noch nicht wieder so fit zu sein wie vor Ihrem Unfall. Sie möchten Ihr altes Leben lieber heute als morgen zurückhaben, aber es wird noch eine Weile dauern. Ihr Oberschenkel und Ihre Handgelenke haben bei dem Sturz ganz schön was abbekommen. Sie wissen doch, dass ein Oberschenkelknochen ungefähr sechs Monate braucht, um zu verheilen, oder? Und auch Ihr Muskel- und Bindegewebe ist arg in Mitleidenschaft gezogen worden.“

George seufzte. „Nun gut, wenn Sie es genau wissen wollen: Ich habe vor ein paar Tagen versucht, ein bisschen zu joggen. Allerdings im Schwimmbad, in hüfthohem Wasser, um durch den Wasserauftrieb die Belastung gering zu halten.“

Missbilligend runzelte sie die Stirn. „Und?“

„Es ging.“

„Wenn es nach mir ginge, würde es ein Gesetz geben, das es Patienten verbietet, irgendetwas im Internet nachzulesen“, murmelte Serena.

Er hüstelte verlegen. „Woher wissen Sie, dass ich den Tipp aus dem Internet habe?“

„Weil weder ich noch Bruno Ihnen diesen schwachsinnigen Rat gegeben haben. Die letzten Röntgenaufnahmen waren vielversprechend, Ihre Knochen heilen gut, doch Sie müssen mit dem Joggen noch warten, bis Sie richtig laufen können.“

„Das ist mir inzwischen auch klar.“

Serena seufzte. „Was haben Sie noch gemacht, George?“

„Na ja, ich habe es auch außerhalb des Wassers versucht. Aber nur ganz kurz.“

„Weil es zu sehr wehgetan hat.“ Das war keine Frage.

„Ein bisschen“, gab er zu.

„Ihrem Gang nach zu urteilen, verursacht der Oberschenkelmuskel die Schmerzen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Was soll ich nur mit Ihnen machen, George?“

„Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Zu Hause und vor allem in der Schule.“

„Warum überrascht mich das nicht?“ Sie verdrehte die Augen. „Würde es Sie stören, wenn ich mir das Bein näher ansehe? Ich würde gern sichergehen, dass Sie sich nicht ernsthaft verletzt haben.“

„Klar. Heißt das, ich muss meine Hosen ausziehen?“

„Nun, es ist ziemlich schwierig, einen Muskel durch den Stoff hindurch zu untersuchen.“ Amüsiert sah sie ihn an. „Sagen Sie Bescheid, wenn Sie so weit sind.“

George genierte sich etwas, vor ihr seine Hosen herunterzulassen. Natürlich war das lächerlich, denn Serena James war schließlich Ärztin und überwachte seit mehreren Wochen seine Physiotherapie. Abgesehen davon hatte George schon in unzähligen Schlafzimmern – und nicht nur dort – seine Hosen ausgezogen, ohne auch nur das geringste Problem damit zu haben. Außerdem würde er seine Boxershorts und das T-Shirt anbehalten.

Trotzdem war es angenehm, dass Serena sich diskret umgedreht hatte. Seit seinem Unfall fühlte er sich furchtbar hilflos. Wie lange mochte der Heilungsprozess noch dauern?

George wusste, dass er sein Trainingsprogramm etwas ruhiger angehen lassen musste – auch wenn seine Ungeduld ihn fast umbrachte. Er fand es unerträglich, sein Leben im Schneckentempo führen zu müssen.

„Fertig“, verkündete er, und sie drehte sich zu ihm um.

Ihre Hände waren warm und weich, als sie seine Beinmuskulatur abtastete. Obwohl die Berührungen rein professionell und alles andere als erotisch waren, spürte George ein leichtes Kribbeln im Bauch und bemerkte den schwachen Duft von Serenas Shampoo. Es roch nach Erdbeeren.

Entsetzt bemerkte er, dass sein Interesse an ihr nicht zu übersehen war. Schnell versuchte George, an etwas anderes zu denken, zum Beispiel an die kostspielige Reparatur des Daches von Somers Hall, die noch in diesem Jahr fällig war. Oder an eine der anderen Aufgaben im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung des Anwesens. Schließlich wollte er weder sich noch Serena in Verlegenheit bringen.

Andererseits fragte er sich schon seit Längerem, ob Serena ebenfalls die Spannung bemerkte, die seit der ersten Begegnung zwischen ihnen bestand. George war sich ziemlich sicher, dass er sich das Knistern nicht einbildete.

Unauffällig warf er einen Blick auf ihre Hände. Kein Ring. Natürlich bedeutete das nicht unbedingt, dass sie in keiner festen Beziehung war. Doch George hatte den Verdacht, dass Serena James zu den Frauen gehörte, für die ein unverbindliches Zusammenleben nicht infrage kam. Sie war eher der Typ, der heiraten und eine Familie gründen wollte.

Daher war er auch ein vollkommen ungeeigneter Mann für sie. Er bevorzugte lockere Affären und vermied es, ernsthafte Beziehungen einzugehen.

„Ihre Muskeln sind ziemlich verspannt. Ich werde Ihnen einige Übungen zeigen, mit denen Sie sie lockern können.“

„Vielen Dank. Ich verspreche, dass ich jeden Tag trainieren werde.“

„Versprechen Sie mir lieber, dass Sie es nicht wieder übertreiben.“ Sie sah ihn streng an.

George grinste. „Das würde ich doch nie tun!“

„Nein, natürlich nicht. Sie sind überhaupt nicht der Typ, der irgendetwas übertreiben würde. Die Tatsache, dass Sie sich unbedingt mit einem Gleitschirm von einer Klippe stürzen mussten, zeigt ja schon, dass Sie ein durch und durch vernünftiger Mensch sind.“

Er liebte es, wenn sie ihn neckte und ihre dunkelgrünen Augen dabei vor Vergnügen funkelten. Überhaupt mochte er Serena James. Entweder wusste sie nicht, dass er der Erbe von Somers Hall und damit der künftige Baron war, oder es war ihr egal. Auf jeden Fall behandelte sie ihn, als wäre er ein ganz gewöhnlicher Patient. George schätzte ihre bodenständige und unkomplizierte Art sehr.

Serena hatte sich umgedreht, damit er sich die verhassten Jogginghosen anziehen konnte. Unter normalen Umständen wäre George niemals auf die Idee gekommen, diese Art von Kleidung außerhalb eines Sportplatzes zu tragen. Er bevorzugte Designer-Jeans oder maßgeschneiderte Hosen, doch beides konnte er wegen der Verletzung im Moment nicht tragen. Der Unfall hatte ihm nicht nur seine Beweglichkeit, sondern auch seine Eleganz genommen, und er freute sich schon sehr darauf, sich bald wieder ordentlich kleiden zu können.

„Alles klar. Ich bin angezogen“, erklärte er lächelnd.

Serena wandte sich ihm zu. „Also, warum machen Sie das?“

„Was?“

„Na, all diese gefährlichen Sportarten.“

Er zuckte die Achseln. „Mein Bruder behauptet, dass ich ein Adrenalin-Junkie bin.“

„Hat er recht damit?“

„Ich mag den Kick, den man bei Extremsportarten bekommt“, gab George zu. „Das ist wohl meine Art, Spannungen abzubauen.“ Außerdem hielt es ihn vom Nachdenken ab.

„Gibt es denn keine ungefährlicheren Entspannungsmethoden für Sie?“

Doch, die gab es. Aber er würde Serena nicht damit in Verlegenheit bringen, ihr zu erzählen, was ihm bei der Frage sofort eingefallen war. Und schon gar nicht, welche Rolle sie dabei spielen könnte. „Gleitschirmfliegen ist überhaupt nicht gefährlich.“

„Sagt der Mann, der sich dabei den Oberschenkelknochen und beide Handgelenke gebrochen hat …“

„Das ist doch alles so gut wie verheilt. Außerdem habe ich einen Helm getragen und war sehr gut vorbereitet. Wenn dieser unerwartete Windstoß mich nicht gerade in dem Augenblick erwischt hätte, als ich ein wenig unaufmerksam war, dann wäre ich niemals gegen die Klippe geprallt.“

„Da waren Sie mit Ihren Gedanken wohl eher weit weg, oder?“

Allerdings. Er hatte an dem Tag erfahren, dass er womöglich nicht der leibliche Sohn seines Vaters war. Für eine normale Familie wäre das vielleicht kein großes Problem gewesen, doch in seinem Fall hätte es erhebliche rechtliche Konsequenzen gehabt. Sein ganzes Leben hätte sich verändert.

Glücklicherweise hatte ein DNA-Test bewiesen, dass seine Angst unbegründet gewesen war und seine Mutter sich geirrt hatte. Sowohl George als auch sein jüngerer Bruder Ed waren zweifelsfrei die Söhne von David Somers.

Die Zeit bis zum Testergebnis war ein wahrer Albtraum gewesen. George hatte nächtelang wach gelegen und darüber nachgedacht, ob er überhaupt noch zur Familie gehören würde, wenn sich herausstellte, dass er das Ergebnis einer der zahlreichen Seitensprünge seiner Mutter war. Natürlich wusste er, dass sein Vater, seine Stiefmutter, sein Bruder und seine Schwestern ihn genauso sehr liebten, wie er sie. Aber das lag daran, dass sie seine Familie waren. Sie waren mehr oder weniger verpflichtet, ihn gernzuhaben. Und das taten sie auch.

Bis auf einen Menschen.

Zara Somers hatte ihre Söhne verlassen, als George sechs Jahre alt war. Von diesem Tag an bis zu ihrem Tod hatte sie so getan, als existierten sie nicht mehr.

George war klar, dass er das Verhalten seiner Mutter nicht auf alle Frauen übertragen durfte. Und doch hatte er insgeheim immer damit gerechnet, dass seine Freundinnen ihn früher oder später im Stich lassen würden. Den Verdacht, dass sie nur an seinem sozialen Status interessiert waren und nicht an ihm als Menschen, hatte er nie ganz ablegen können.

Ein einziges Mal hatte er es riskiert und sich auf eine Frau eingelassen. Rebecca war eine Kommilitonin an der Uni gewesen, und er hatte wirklich geglaubt, sie würde ihn um seiner selbst willen lieben.

Doch er hatte sich geirrt.

Allerdings hatte seine Herkunft sie nicht für ihn eingenommen – im Gegenteil. Rebecca war nicht damit zurechtgekommen und hatte gesagt, sie könne nicht in einem goldenen Käfig leben und die Rolle der Gattin des angehenden Barons spielen. Obwohl er ihr mehrfach erklärt hatte, dass dieser Adelskram für ihn nur eine vollkommen unwichtige Formalität darstellte, hatte sie darauf bestanden, dass es zu seiner Persönlichkeit gehörte und untrennbar mit ihm verbunden wäre. Er hatte ihr sogar angeboten, seinem Bruder das Erbe und den Titel zu überlassen, doch das hatte sie abgelehnt. „Ich liebe dich zu sehr, als dass ich dich unglücklich machen könnte“, hatte sie gesagt, als sie ihm den Verlobungsring zurückgab.

Und dann war sie einfach gegangen.

Von dem Augenblick an hatte George dafür gesorgt, dass er derjenige war, der zuerst ging. Seine Beziehungen waren seitdem allesamt oberflächlich und kurz gewesen.

„Ja“, erwiderte er. „Mir ging an dem Tag einiges im Kopf herum.“

Serena errötete. „Tut mir leid. Ich habe natürlich in den Zeitungen darüber gelesen.“

Genau wie der Rest der Welt … Für die Klatschreporter war es ein Festtag gewesen, als das Gerücht aufkam, dass die Erben von David Somers eventuell gar nicht seine Söhne waren.

„Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten und ganz bestimmt keine Klatschgeschichte hören.“

Er glaubte ihr. Es war schließlich nicht ihre Schuld, dass seine Mutter so verantwortungslos gewesen war. Oder dass Rebecca es nicht geschafft hatte, ihre eigene Unsicherheit abzulegen und ihrer Liebe eine Chance zu geben.

„Schon gut. Es stört mich nicht, darauf angesprochen zu werden.“ Inzwischen stimmte das sogar. Seit dem Ergebnis des DNA-Tests hatte das Interesse der Paparazzi nachgelassen. Dann hatte Ed offiziell seine Verlobung mit Jane verkündet, und die Presse hatte sich auf die romantische Aschenputtel-Geschichte gestürzt. „Das ist alles Schnee von gestern. In Zukunft werde ich mich nicht mehr so leicht aus der Fassung bringen lassen.“

„Was meinen Sie damit?“, fragte Serena entsetzt. „Sie wollen doch nicht noch einmal mit so einem mörderischen Fallschirm fliegen?“

„Gleitschirm“, korrigierte George sie. „Nein, leider nicht. Meine Familie hat mir das Versprechen abgenommen, es aufzugeben und die Ausrüstung zu verkaufen. Außerdem hat mein Hausarzt mir verboten, Ski zu fahren, solange die Metallplatte noch in meinem Bein ist.“ Er verzog das Gesicht. „Vor mir liegt also ein sehr langweiliges Jahr, in dem ich nur herumhumpeln und alle Leute mit meiner schlechten Laune nerven werde.“

Ein Jahr, in dem er viel zu viel Zeit haben würde, über sich und sein Leben nachzudenken.

Sie lächelte. „Bestimmt finden Sie irgendetwas, womit Sie sich ablenken können.“

Irgendjemand, der ihn ablenkte, wäre ihm lieber. Rein zufällig wäre Serena genau die richtige Person für den Job. Auch wenn sie eigentlich nicht sein Typ war, faszinierte sie ihn immer mehr.

„Wie geht es Ihren Handgelenken?“, erkundigte sie sich.

„Viel besser. Ich komme inzwischen gut ohne die Schienen zurecht. Dank der Übungen, die Sie mir gezeigt haben, kann ich schon fast alle Bewegungen richtig ausführen.“ Wehmütig lächelnd sah er sie an. „Sie können sich nicht vorstellen, wie gern ich wieder selbst Auto fahren möchte!“

„Taxi fahren ist doch gar nicht so schlimm.“

„Haben Sie eine Ahnung! Normale Taxis mögen ja erträglich sein, aber wenn man von seinen kleinen Schwestern herumchauffiert wird, kommt man schnell an seine Schmerzgrenze. Vor allem, wenn besagte kleine Schwestern ununterbrochen an einem herumnörgeln.“

Serena lachte.

„Sie sollten Mitleid mit mir haben!“

„Habe ich.“ Sie grinste immer noch. „Aber ich stelle mir gerade vor, wie Sie von einer Frau herumkommandiert werden.“

„Von meinen Schwestern“, korrigierte er. „Und herumkommandieren ist noch untertrieben. Die älteste von ihnen ist Anwältin – und zwar die Furcht einflößendste, der ich je begegnet bin. Alice duldet nie – niemals – einen Widerspruch. Egal, worum es geht. Die mittlere, eine Architektin, droht ständig, mir mit Paketklebeband den Mund zuzukleben, sobald ich auch nur die leiseste Kritik an ihrem Fahrstil äußere. Dabei möchte ich doch nur, dass sie mein Auto heil lässt. Und die jüngste fängt an, Latein mit mir zu reden, sobald ich etwas sage, das ihr nicht passt.“

Wieder musste Serena lachen. „Ich bin mir sicher, dass Sie alle drei um den Finger wickeln können, wenn Sie es wollen.“

Da hatte sie recht. Genau das war Georges Masche bei Frauen. Er lullte sie mit seinem Charme ein, bis sie genau das taten, was er wollte.

Und in diesem Augenblick wollte er Serena!

Sie hatte einen wundervollen verführerischen Mund. In ihrem Gesicht war keine Spur von Make-up zu finden – was auch absolut nicht nötig war, denn sie besaß eine außergewöhnliche natürliche Schönheit. Nur zu gern hätte George ihre makellose Haut berührt, um festzustellen, ob sie tatsächlich so weich war, wie sie aussah. Und noch lieber hätte er sie geküsst, hätte diesen hübschen Mund, der ihn an eine Rosenknospe erinnerte, mit seinen Lippen berührt.

„Sie denken also, ich wäre ein oberflächlicher, manipulativer Frauenheld? Das verletzt mich.“ Mitleid heischend sah er sie an. „Wirklich, ich bin tief getroffen.“

„Sicher. Das sieht man.“ Das amüsierte Funkeln blitzte wieder in ihren Augen.

„Ja, ehrlich!“ Er konnte der Versuchung nicht widerstehen. „Und da Sie diejenige sind, die dafür gesorgt hat, dass ich mich so schlecht fühle, sollten Sie jetzt irgendetwas tun, damit es mir besser geht …“

Ihr Lächeln hätte nicht unverbindlicher sein können. „Tut mir leid, Mr Somers, aber das gehört nicht zu meinen Aufgaben.“

In Sekundenschnelle war sie professionell und förmlich geworden. Warum hatte er auch gleich so übertrieben? Zeit für den Rückzug. „Entschuldigen Sie bitte, Dr. James, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.“

Serena ging sämtliche Übungen noch einmal mit ihm durch, und George konzentrierte sich darauf, alles richtig zu machen.

„Gut. Ich denke, das reicht für heute“, erklärte sie schließlich.

„Sehe ich Sie am Donnerstag? Oder schicken Sie mich etwa zum brutalen Bruno, um sich dafür zu rächen, dass ich heute etwas frech war?“

„Bruno ist sanft wie ein Lamm“, protestierte Serena.

„Da muss ich leider widersprechen“, sagte George, der sich noch deutlich an Brunos qualvolle Therapiestunden erinnerte. Damals hatte er noch im Krankenhaus gelegen, und seine Schmerzen waren unerträglich gewesen, nachdem die Wirkung der Medikamente nachgelassen hatte. Selbstverständlich hätte er das niemals zugegeben.

„Ach, Sie bedauernswerter Patient“, machte Serena sich über ihn lustig. „Ich sehe Sie dann am Donnerstag.“

Er würde sie am Donnerstag wiedersehen!

Seltsam, wie sehr diese Aussicht seine Laune verbesserte.

Serena lächelte immer noch, während sie ihre Notizen in die Krankenakte schrieb.

George Somers war wirklich attraktiv. Zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort wäre sie vielleicht auf seinen Flirtversuch eingegangen. Doch heute …

Sie konnte es sich nicht leisten, unprofessionell zu sein. Dieser Job war wichtig für sie. Überlebenswichtig. Und eine Affäre mit einem Patienten – so harmlos sie auch sein mochte – würde sie in eine unangenehme Situation bringen und ihr schlimmstenfalls sogar eine Abmahnung bescheren. Vom Ende ihrer Karriere einmal ganz zu schweigen. Sie hatte zu hart dafür gearbeitet, Leiterin der physiotherapeutischen Abteilung der Klinik zu werden.

Außerdem wusste sie, dass George Somers zu den Männern gehörte, die sich mit jeder Frau nur zwei, drei Mal verabredeten. Er war nicht der Typ für eine dauerhafte Beziehung. Fast jede Woche konnte man in der Presse eine neue Frau an seiner Seite bewundern – meist waren es blonde, sehr dünne Models. Erstaunlich, dass auch der Unfall ihn nicht dazu gebracht hatte, sein Leben zu überdenken.

Ein Mann wie er kam für sie keinesfalls infrage. Abgesehen davon konnte sie sich nicht vorstellen, dass er – der reiche Erbe eines Adelstitels, der ein Supermodel nach dem anderen abschleppte – an einer normalen Frau wie ihr interessiert sein könnte.

Und dann war da noch Ethan. Ihr Sohn stand unangefochten an erster Stelle in ihrem Leben. Immer. Ende der Debatte.

Wie sehr sie George Somers auch mochte – es war für alle Beteiligten besser, wenn sie bei einer rein professionellen Beziehung blieben. Serena konnte es nicht riskieren, sich auf ihn einzulassen.

Nach einem Blick in ihren Terminkalender rief sie die nächste Patientin herein. Lisa Miller litt seit einem Unfall vor sechs Wochen an einem Schleudertrauma. Sie sprach großartig auf die Behandlung an, und Serena freute sich jedes Mal, wenn sie sah, welche Fortschritte ihre Patientin gemacht hatte. Lächelnd öffnete sie die Tür und begrüßte sie.

Nach Lisa Millers Behandlung machte Serena eine kurze Kaffeepause. In der Teeküche traf sie Jess, eine der Physiotherapeutinnen.

„Es ist noch heißes Wasser im Boiler. Soll ich dir auch einen Kaffee machen?“, fragte sie und holte bereits eine Tasse aus dem Schrank.

„Danke, Jess. Das wäre wunderbar.“

„Wie war es denn heute mit dem tollen Patienten?“, erkundigte Jess sich grinsend, während sie den Kaffee aufgoss. „So umwerfend attraktive Männer sieht man hier ja leider nicht jeden Tag.“

Serena wagte es nicht, etwas darauf zu erwidern. Zu groß war ihre Angst, dass ihr Tonfall sie verraten könnte. Sie wollte auf keinen Fall riskieren, dass ihre Mitarbeiter anfingen, über sie zu tratschen.

„Ist er Single?“

„Weiß ich nicht“, flunkerte Serena. „Ich dachte, du bist verlobt …“

„Das bin ich auch. Aber das heißt nicht, dass ich tot bin. Ein, zwei bewundernde Blicke werden doch erlaubt sein.“ Jess verdrehte die Augen. „Ich kann es nicht fassen, dass du nichts über ihn weißt. Wenn ich Single wäre und einer meiner Patienten wäre so heiß, dann würde ich alles über ihn herausfinden.“

„Schon mal was von Datenschutz und Schweigepflicht gehört?“, erkundigte Serena sich trocken.

„Klar.“ Jess lächelte unschuldig. „Aber wenn er Single ist, könntest du doch mal mit ihm ausgehen.“

„Spinnst du? Er ist mein Patient!“

„Aber nur, bis seine Behandlung abgeschlossen ist. Danach gibt es keinen Grund mehr, ihn nicht näher kennenzulernen.“

Serena spielte ihre Trumpfkarte aus. „Doch. Ethan.“

„Du weißt genau, dass deine Eltern nichts lieber täten, als auf ihn ...

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