Logo weiterlesen.de
JULIA EXTRA BAND 364

Lynne Graham, Lynn Raye Harris, Carole Mortimer, Sandra Marton, Jennie Lucas

JULIA EXTRA BAND 364

LYNNE GRAHAM

Mein Mann, der Multimillionär

Ein idealer Ehe-Deal: Bee wird seine Stiefkinder umsorgen, und Sergios unterstützt dafür ihre Familie. Gefühlschaos ausgeschlossen – glaubt der Reeder. Bis er Bee im Schaumbad sieht …

LYNN RAYE HARRIS

40 Tage und Nächte mit dem Scheich

Karawanen, Palmen, Paläste: Für ihr Trennungsritual ist Sydney Scheich Malik nach Jafahr gefolgt. Nun muss sie ihm widerstehen. Doch allein seine Nähe lässt ihre Haut heißer glühen als die Wüstensonne …

CAROLE MORTIMER

Rote Rosen in Verona

Drakon bricht Gemini fast das Herz. Der Grieche schenkt ihr Blumen, lädt sie nach Verona ein – und will ihr Elternhaus in ein Hotel verwandeln. Besser, sie vergisst den attraktiven Tycoon. Nur wie?

SANDRA MARTON

Liebe kennt keine Regeln

Noch einmal diesen muskulösen Körper an ihrem spüren … Esmé brennt vor Verlangen, als sie Rio wiedersieht. Doch sie muss ihr Herz schützen – bevor es aus unerwiderter Liebe zerbricht.

IMAGE

Mein Mann, der Multimillionär

1. KAPITEL

„Was ich in Sachen Royale-Hotelgruppe unternehmen will?“ Der Sprecher, ein sehr großer, gut gebauter Grieche mit blauschwarzem Haar, hob eine Augenbraue und lachte mokant. „Lassen wir Blake ruhig noch ein Weilchen zappeln …“

„Ja, Sir.“ Thomas Morrow, der leitende britische Angestellte, der die Frage auf Bitten seiner Kollegen hin gestellt hatte, war so nervös, dass er schwitzte. Persönliche Begegnungen mit seinem Arbeitgeber, einem der reichsten Männer der Welt, waren selten, und es lag ihm sehr daran, nichts zu sagen, was dumm oder naiv wirken könnte.

Sergios Demonides, griechischer Multimillionär, verspürte keine Veranlassung, die Motive für seine Geschäftsentscheidungen weiter zu erläutern, was es seinem Führungsteam nicht gerade leicht machte. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit schien das Ziel darin bestanden zu haben, die Royale-Hotelgruppe um jeden Preis zu erwerben. Ja, es hatte sogar das Gerücht kursiert, Sergios plane, Zara Blake, die Tochter des Mannes, dem die Hotelgruppe gehörte, zu heiraten. Doch nachdem Fotos von Zara in den Armen eines italienischen Bankers in der Presse aufgetaucht waren, war das Gerücht schnell vom Tisch gewesen. Sergios’ Mitarbeiter hatten bei ihrem Chef deshalb allerdings keine große Trauer feststellen können.

„Ich habe mein ursprüngliches Angebot an Blake wieder zurückgezogen. Der Preis wird jetzt mit Sicherheit sinken“, erklärte Sergios gedehnt. Seine schwarzen Augen funkelten, denn nichts im Leben erregte ihn so sehr wie die Aussicht auf ein gutes Geschäft.

Die Royale-Gruppe zu einem überhöhten Preis zu kaufen, wäre ihm deutlich gegen den Strich gegangen, aber noch vor ein paar Monaten war er dazu bereit gewesen. Warum? Sein geliebter Großvater Nectarios hatte sein legendäres Geschäftsimperium einst mit dem allerersten Royale-Hotel in London begründet. Nachdem Nectarios gerade erst eine gefährliche Herzerkrankung überwunden hatte, schien Sergios die Hotelgruppe das perfekte Geschenk für den achtzigsten Geburtstag seines Großvaters zu sein. Aber er war nicht länger bereit, dafür einen astronomischen Preis zu zahlen.

Und was die Ehefrau anging, die er als Teil des Deals miterworben hätte – Sergios war einfach nur erleichtert, dass das Schicksal ihn davor bewahrt hatte, einen Fehler zu machen. Zara Blake hatte sich als hübsche kleine Schlampe erwiesen, die weder über Anstand noch über Ehre verfügte. Einzig ihr Mutterinstinkt wäre praktisch gewesen, dachte Sergios grimmig. Wenn sein Cousin und dessen Frau nicht völlig überraschend bei einem Autounfall ums Leben gekommen und ihm die Verantwortung für ihre drei kleinen Kinder überlassen hätten, dann wäre Sergios ohnehin nie auf die Idee gekommen, noch einmal zu heiraten.

Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. Ein katastrophaler Versuch reichte völlig. Einzig für das Wohl der Kinder war er bereit, noch einmal vor den Traualtar zu treten. Natürlich wäre es eine reine Zweckehe gewesen, eine Farce für die Öffentlichkeit, um eine Mutter für die Kinder zu finden und sein Gewissen zu beruhigen.

„Dann warten wir also darauf, dass Monty Blake den nächsten Schritt macht“, tippte Thomas und brach somit das Schweigen.

„Genau. Und das wird nicht lange dauern, weil ihm das Wasser bis zum Hals steht. Die Banken üben bereits ordentlich Druck auf ihn aus, weshalb ihm nur noch wenige Optionen bleiben“, entgegnete Sergios voller Zufriedenheit.

„Du bist Grundschullehrerin und kannst gut mit Kindern umgehen“, argumentierte Monty Blake, der den ungläubigen Gesichtsausdruck seiner ältesten Tochter glattweg ignorierte. Sie befanden sich in seinem Büro. „Du wärst die perfekte Frau für Sergios Demonides …“

„Hör sofort damit auf!“ Bee hob eine Hand, um der Wortflut ihres Vaters Einhalt zu gebieten. In ihren grünen Augen lag pure Fassungslosigkeit. Rasch schob sie sich mit einer Hand das schwere kastanienbraune Haar aus der Stirn. „Du redest hier mit mir und nicht mit Zara. Ich hege mit Sicherheit kein Interesse daran, einen sexbesessenen griechischen Multimillionär zu heiraten, der ein kleines, gefügiges Frauchen braucht, das zuhause nach seinen Kindern schaut …“

„Diese Kinder sind gar nicht seine eigenen“, unterbrach ihr Vater sie, so als mache das einen Unterschied. „Er ist nur durch den Tod seines Cousins zu deren Vormund geworden. Nach allem, was man so hört, ist er selbst nicht sonderlich erfreut über die Verantwortung …“

Die letzte Aussage ärgerte Bee noch mehr. Sie hatte weidlich Erfahrung mit Männern, die sich kein bisschen um ihre Kinder kümmerten – der Mann, der gerade vor ihr stand und seine sexistischen Bemerkungen machte, gehörte auch dazu. Er mochte ja ihre naive kleine Schwester Zara dazu gebracht haben, eine Zweckehe mit dem griechischen Schiffsmagnaten zu erwägen, aber Bee war nicht so leicht zu manipulieren und wesentlich misstrauischer.

Sie hatte kein Problem damit, zuzugeben, dass sie ihren Vater weder mochte noch respektierte. Immerhin hatte der Mann während ihrer ganzen Kindheit keinerlei Interesse an ihr gezeigt. Im Gegenteil. Mit sechzehn hatte er ihr Selbstbewusstsein völlig untergraben, indem er ihr riet, eine Diät zu machen und ihr Haar aufzuhellen. Monty Blakes weibliche Idealvorstellung bestand aus blondem Haar und Size Zero, wohingegen Bee brünett war und feminine Kurven hatte. Sie richtete ihren Blick auf das Schreibtischfoto ihrer Stiefmutter Ingrid, einem glamourösen schwedischen Ex-Model: blond – und dürr wie ein Hering.

„Tut mir leid, Dad, kein Interesse“, erklärte sie ihm unmissverständlich, wobei sie etwas verspätet bemerkte, wie erschöpft und gestresst ihr Vater wirkte. Vielleicht beruht dieser ungeheuerliche Vorschlag, dass ich Sergios Demonides heiraten soll, tatsächlich auf schwerwiegenden finanziellen Sorgen, dachte sie unbehaglich.

„Nun, dann solltest du besser Interesse entwickeln“, versetzte Monty Blake scharf. „Deine Mutter und du, ihr führt ein angenehmes Leben. Wenn die RoyaleHotelgruppe den Bach runtergeht und Demonides sie zum Schleuderpreis kaufen kann, dann wird das nicht nur auf mich und deine Stiefmutter Auswirkungen haben, sondern auf alle, die von mir abhängig sind …“

Bee verspannte sich unwillkürlich. „Was willst du damit sagen?“

„Du weißt ganz genau, was ich damit sagen will“, entgegnete er ungeduldig. „Du bist nicht so dumm wie deine Schwester …“

„Zara ist nicht …“

„Ich sage es dir ganz unverblümt. Ich war immer sehr großzügig zu dir und deiner Mutter …“

Obwohl ihr dieses Thema sehr unangenehm war, wollte Bee gerecht sein. „Ja, das warst du“, billigte sie ihm zu.

Es war nicht der rechte Moment, ihm zu sagen, dass sie seine Großzügigkeit gegenüber ihrer Mutter nur für ein Mittel hielt, sein Gewissen zu beruhigen. Emilia, Bees spanische Mutter, war Montys erste Ehefrau gewesen. Ein verheerender Autounfall hatte sie an den Rollstuhl gefesselt. Bee war damals vier Jahre alt gewesen, und ihre Mutter hatte schnell festgestellt, dass ihre Behinderung ihren jungen, ehrgeizigen Ehemann abstieß. Mit stiller Würde akzeptierte Emilia das Unausweichliche und stimmte einer Trennung zu. Aus Dankbarkeit darüber, dass sie kein Theater machte, kaufte Monty ihr und Bee ein Einfamilienhaus, das behindertengerecht umgebaut wurde. Er bezahlte auch eine Pflegerin, sodass Bee sich nicht rund um die Uhr um ihre Mutter kümmern musste. Auch wenn Bee immer zuhause mithelfen musste und damit nicht dieselbe unbeschwerte Kindheit wie andere Mädchen ihres Alters genießen konnte, so war sie sich doch im Klaren, dass es ihr nur durch die finanzielle Unterstützung ihres Vaters möglich gewesen war, zu studieren, die Lehrerausbildung zu machen und einen Job auszuüben, den sie liebte.

„Tut mir leid, aber wenn du nicht bereit bist, zu tun, um was ich dich bitte, dann wird meine Großzügigkeit hier und heute ein Ende finden“, erklärte Monty Blake brutal. „Das Haus deiner Mutter gehört mir. Niemand kann mich daran hindern, es zu verkaufen.“

Bee wurde blass. „Aber warum willst du Mum etwas so Schreckliches antun?“

„Ich habe deine Mutter vor über zwanzig Jahren geheiratet und mich seitdem um sie gekümmert. Die meisten Menschen würden mir zustimmen, dass ich meine Schuld gegenüber einer Frau, mit der ich nur fünf Jahre verheiratet war, mehr als beglichen habe.“

„Du weißt, wie sehr Mum und ich zu schätzen wissen, was du für sie getan hast“, erwiderte Bee, die es hart ankam, angesichts seiner Skrupellosigkeit auch noch zu Kreuze kriechen zu müssen.

„Wenn du willst, dass ich weiterhin für deine Mutter sorge, dann kostet dich das etwas“, verkündete er völlig schonungslos. „Ich bin darauf angewiesen, dass Sergios Demonides die Hotels zum richtigen Preis kauft. Und dazu war er auch bereit, ehe Zara ihm den Laufpass gegeben und stattdessen diesen Italiener geheiratet hat …“

„Zara ist überglücklich mit Vitale Roccanti“, verteidigte Bee ihre Schwester. „Und ich wüsste wirklich nicht, wie ich einen knallharten Geschäftsmann wie Demonides dazu bringen sollte, deine Hotels zu einem hohen Preis zu kaufen.“

„Also schön, sind wir mal ehrlich – du verfügst nicht über Zaras Aussehen“, entgegnete ihr Vater vernichtend. „Aber soweit ich weiß, will Demonides nur eine Mutter für die Kinder, die ihm aufgehalst wurden, und du wärst ihnen eine wesentlich bessere Mutter, als Zara es jemals hätte sein können – deine Schwester kann ja kaum lesen! Ich wette, dass er das nicht wusste, als er der Ehe mit ihr zugestimmt hat.“

Bee konnte nicht fassen, mit welcher Grausamkeit er über ihre Schwester redete, die unter Legasthenie litt. Sie betrachtete ihn kalt. „Ich bin sicher, dass ein so reicher und mächtiger Mann wie Demonides tausend Frauen finden kann, die bereit sind, ihn zu heiraten und die Mummy für diese Kids zu spielen. Ich habe ihn nur einmal getroffen, und dabei hat er mich kaum angeschaut.“

Die Äußerung, dass der griechische Tycoon bei dieser Gelegenheit allerdings deutliches Interesse für ihr Dekolleté aufgebracht hatte, verkniff sie sich.

„Das ist mir völlig egal. Ich will, dass du zu ihm gehst und ihm einen Deal anbietest – den gleichen Deal, den er mit Zara gemacht hat. Eine Ehe, in der er tun und lassen kann, was er will, und ein Kauf meiner Hotels zum vereinbarten Preis …“

Ich soll zu ihm gehen und ihn bitten, mich zu heiraten?“, wiederholte Bee völlig fassungslos. „Ich habe noch nie in meinem Leben etwas so Lächerliches gehört! Der Mann würde mich für verrückt erklären!“

Monty Blake musterte sie kalt. „Ich halte dich für clever genug, ihn zu überzeugen. Wenn du ihm klarmachst, dass du die perfekte Mutter für die kleinen Waisen wärst, ist der Deal mit mir wieder aktuell. Ich brauche dieses Geschäft – und zwar jetzt, denn sonst bricht alles zusammen, was ich mein ganzes Leben lang aufgebaut habe. Und dann ist es auch mit der Versorgung deiner Mutter vorbei …“

„Hör auf, Mum auf diese Weise zu drohen.“

„Das ist keine leere Drohung.“ Monty warf seiner Tochter einen bitteren Blick zu. „Die Bank droht, mir den Geldhahn zuzudrehen. Meine Hotelgruppe steht am Rand des Ruins, und im Moment hält mich dieser Teufel von Demonides hin. Ich kann es mir nicht erlauben, zu warten. Wenn ich untergehe, dann wird deine Mutter ebenfalls alles verlieren“, erinnerte er sie harsch. „Stell dir das mal vor – kein barrierefreies Haus, keine Pflegerin, stattdessen die tagtägliche Verantwortung für Emilia, kein eigenes Leben mehr …“

„Hör auf!“, rief Bee. Seine Methoden widerten sie an. „Du musst völlig verrückt sein, wenn du glaubst, Sergios Demonides würde jemanden wie mich heiraten.“

„Vielleicht bin ich das, aber wir werden es erst mit Sicherheit wissen, wenn du es versucht hast, oder?“

„Du bist ja irre!“, entgegnete seine Tochter, die immer noch nicht glauben konnte, was er da von ihr verlangte.

Ihr Vater stieß mit dem Finger in die Luft. „Am Ende der Woche wird ein Schild am Haus deiner Mutter hängen mit der Aufschrift ‚Zu verkaufen‘, wenn du nicht wenigstens zu ihm gehst und mit ihm sprichst.“

„Das kann ich nicht … ich kann nicht!“, keuchte Bee. „Bitte tu das Mum nicht an.“

„Ich habe eine zumutbare Bitte vorgetragen, Bee. Mir bleibt keine andere Wahl. Nachdem ihr all die Jahre meine Unterstützung genossen habt, kannst du mir ruhig ein wenig helfen.“

„Das kann doch nicht dein Ernst sein“, erwiderte Bee mit hilflosem Zorn darüber, dass ihr Vater sein Verhalten so falsch darstellte. „Zu verlangen, dass ich an einen griechischen Geschäftsmann herantrete und ihn bitte, mich zu heiraten, ist eine ‚zumutbare‘ Bitte? Auf welchem Planeten und in welcher Kultur, bitte schön?“

„Sag ihm, dass du ihm die Kids abnimmst und ihm weiterhin seine Freiheit erlaubst, und du wirst eine gute Chance haben“, versetzte Monty stur.

„Und was passiert, wenn ich mich erniedrigt habe und er mich trotzdem abweist?“

„Du wirst einfach beten müssen, dass er Ja sagt“, antwortete er ungerührt. In seiner Verzweiflung war er nicht bereit, einen Zoll nachzugeben. „Immerhin ist es die einzige Möglichkeit, dass das Leben deiner Mutter weiterhin so angenehm verläuft wie bisher.“

„Zu deiner Information, Dad: Das Leben im Rollstuhl ist nicht angenehm“, schleuderte seine Tochter ihm bitter entgegen.

„Und das Leben ohne meine finanzielle Unterstützung ist noch unangenehmer“, konterte er, offensichtlich fest entschlossen, das letzte Wort zu haben.

Da es ihr nicht gelang, ihren Vater umzustimmen, verließ Bee ein paar Minuten später das Hotel und nahm den Bus zu dem Haus, das sie sich immer noch mit ihrer Mutter teilte. Sie kochte gerade Dinner, als Beryl, die Pflegerin ihrer Mutter, Emilia von einem Ausflug in die Bücherei zurückbrachte. Emilia rollte in die Küche und strahlte ihre Tochter an. „Ich habe einen Roman von Catherine Cookson gefunden, den ich noch nicht gelesen habe!“

Bee betrachtete das erschöpfte Gesicht ihrer Mutter, in dem die Jahre des Leids und der Krankheit deutliche Spuren hinterlassen hatten. Dass Emilia trotzdem noch versuchte, auch die kleinsten Dinge im Leben zu feiern, brachte Bee beinahe zum Weinen. Ihre Mutter hatte bei diesem Unfall so viel verloren, und dennoch beklagte sie sich nie.

Nachdem Bee ihrer Mutter ins Bett geholfen hatte, setzte sie sich an den Schreibtisch, um die Hefte ihrer siebenjährigen Schüler zu kontrollieren. Doch sie konnte sich einfach nicht konzentrieren. Die ungeheuerliche Forderung ihres Vaters ging ihr nicht aus dem Kopf. Er hatte sie nicht nur bedroht, sondern auch eine unleugbare Wahrheit geäußert, die Bee bis ins Innere erschütterte. Naiv, wie sie war, hatte sie die geschäftlichen Erfolge ihres Vaters für selbstverständlich gehalten und angenommen, dass ihre Mutter nie Geldsorgen haben würde.

Wenn Emilia ihr Haus und ihren Garten verlor, dann würde ihr das Herz brechen. Das Haus war extra so umgebaut worden, dass sie sich eigenständig darin bewegen konnte. Ohne die Unterstützung von Monty Blake konnten sie sich die ganzen kleinen Extras, die ihrer Mutter das Leben erleichterten, nicht mehr leisten. Eine schreckliche Vorstellung. Bee, der das Wohl ihrer Mutter schon immer sehr am Herzen gelegen hatte, mochte gar nicht daran denken.

Angesichts dieser düsteren Zukunftsvision kam es ihr fast schon akzeptabel vor, einem kaltblütigen griechischen Tycoon die Ehe anzutragen. Also gut, sie würde sich zweifellos zur Närrin machen und er die Geschichte vermutlich jahrelang zum Besten geben. Sie war Sergios Demonides nur ein einziges Mal begegnet, aber da war er ihr wie ein Mann vorgekommen, der sich am Leid anderer ergötzen würde.

Nicht, dass er nicht auch schon die Härten des Lebens zu spüren bekommen hätte. Als ihre Schwester noch vorgehabt hatte, Demonides zu heiraten, hatte Bee ihn im Internet ausgeforscht. Sergios war erst als Teenager zu einem Demonides geworden. Damals hatte er ein beeindruckendes Jugendstrafregister vorzuweisen. Er war in einer der schlechtesten Gegenden von Athen groß geworden. Mit einundzwanzig hatte er eine reiche griechische Erbin geheiratet und sie kaum drei Jahre später begraben. Als sie starb, trug sie ihr ungeborenes Kind in sich. Ja, Sergios Demonides mochte unanständig reich sein, aber sein Privatleben glich einem einzigen Desaster.

Die Gerüchteküche besagte, dass er extrem intelligent und scharfsinnig war, aber auch arrogant, rücksichtslos und kalt – die Sorte Ehemann, die ihre sensible Schwester Zara in Angst und Schrecken versetzt hätte. Glücklicherweise hielt Bee sich nicht für allzu empfindsam. Sie war ohne Vater groß geworden, und die Behinderung ihrer Mutter hatte sie gezwungen, früh erwachsen zu werden. Insofern war sie aus etwas härterem Holz geschnitzt.

Mit vierundzwanzig wusste Bee allerdings auch, dass die meisten Männer sich nicht zu toughen Frauen hingezogen fühlten. Sie war keine zerbrechliche Schönheit, und die Jungs, mit denen sie ausgegangen war, waren bis auf eine Ausnahme eher Freunde als Lover gewesen. Nur einmal war sie unsterblich verliebt gewesen, und als die Beziehung über der Verantwortung für ihre Mutter zerbrach, war sie am Boden zerstört.

Also schön, sie kümmerte sich nicht um ihr Aussehen, aber sie war clever – und nachdem sie mittlerweile so viele Prüfungen mit Auszeichnung abgelegt hatte, wusste sie aus eigener, schmerzhafter Erfahrung, dass eine kluge Frau Männer eher in die Flucht jagt.

Ungerechtigkeit oder Grausamkeit in jeglicher Form verabscheute sie. Bee wäre nicht im Traum darauf gekommen, diese Zerbrechliche-kleine-Frau-Nummer abzuziehen, mit der ihre Stiefmutter Ingrid ihrem Vater stets schmeichelte. Da war es kaum überraschend, dass selbst Zara, die Schwester, die sie liebte, eine ordentliche Portion dieses Ich-muss-es-dem-Mann-recht-machen-Gens abbekommen hatte. Nur ihre jüngste Schwester Tawny, die einer Affäre ihres Vaters mit seiner Sekretärin entstammte, hatte eine ähnlich unabhängige Haltung wie Bee.

Nie zuvor hatte Bee das Gefühl von Hilflosigkeit erlebt – bis sie tatsächlich einen Termin mit Sergios Demonides ausmachte. So eine verrückte Idee, so ein völlig sinnloses Unterfangen …

Achtundvierzig Stunden nachdem Bee den Kampf gegen ihren Stolz gewonnen und den Termin vereinbart hatte, fragte Sergios’ persönliche Assistentin ihn, ob er Monty Blakes Tochter Beatriz empfangen wolle. Zu seiner Überraschung konnte Sergios sich sofort an die funkelnden jadegrünen Augen der Brünetten erinnern und an ihre fantastischen Brüste. Ein Dinner in langweiliger Gesellschaft war durch den Anblick dieses der Schwerkraft widerstehenden Dekolletés beinahe erträglich geworden, auch wenn ihr seine Aufmerksamkeit gar nicht recht gewesen war.

Aber warum zur Hölle wollte Blakes älteste Tochter ihn sprechen? Arbeitete sie mit ihrem Vater zusammen? Wollte sie vielleicht als seine Unterhändlerin auftreten? Er schnippte seine Assistentin mit den Fingern herbei und verlangte einen sofortigen Hintergrundbericht zu Beatriz, ehe er ihr einen Termin am nächsten Tag einräumte.

Am folgenden Nachmittag wartete Bee im Foyer des eleganten Glas- und Stahl-Gebäudes, in dem sich die Londoner Hauptverwaltung von SD Shipping befand. Sie trug einen grauen Hosenanzug, den sie normalerweise nur zu Bewerbungsgesprächen anzog, von dem sie sich heute aber ein würdevolles Erscheinungsbild erhoffte.

„Mr Demonides wird Sie jetzt empfangen, Miss Blake“, teilte ihr die attraktive Empfangsdame mit einem geübten Lächeln mit, etwas, das Bee so gar nicht beherrschte.

Plötzlich war ihr speiübel. Sie wusste ganz genau, welche Peinlichkeit gleich auf sie zukommen würde. Rasch rief sie sich in Erinnerung, dass der griechische Multimillionär nur ein grobschlächtiger Kerl mit zu viel Geld war, der noch dazu die Unverschämtheit besaß, einer Frau direkt in den Ausschnitt zu glotzen. Bee errötete, wenn sie an das tief dekolletierte Abendkleid dachte, das eine Freundin ihr für dieses blöde Dinner geliehen hatte. Während sein Blick sie daran erinnert hatte, warum sie diesen Teil ihres Körpers normalerweise sorgsam bedeckte, wunderte sie sich über seine offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber der Schönheit ihrer Schwester Zara.

Als Beatriz Blake auf flachen Schuhen mit energischen Schritten durch die Tür seines Büros schritt, wusste Sergios sofort, dass sich gleich keine Charme-Offensive über ihn ergießen würde. Ihr unförmiger, farbloser Hosenanzug versteckte ihre weiblichen Kurven. Sie hatte das dicke, kastanienbraune Haar zurückgebunden und nicht einen Hauch von Make-up aufgelegt. Als Mann, der an sorgfältig gestylte Frauen gewöhnt war, kam ihm ihr mangelndes Interesse daran, einen guten ersten Eindruck zu machen, beinahe unhöflich vor.

„Ich bin ein sehr beschäftigter Mann, Beatriz. Ich weiß nicht, was Sie hier wollen, aber ich bitte Sie darum, es kurz zu machen“, erklärte er ungeduldig.

Für den Bruchteil einer Sekunde ragte Sergios Demonides wie ein riesiger Turm vor ihr auf. Rasch trat sie einen Schritt zurück, denn seine schiere Größe und Nähe schüchterten sie ein. Himmel, sie hatte ganz vergessen, wie groß und dominant er war. Auch wenn sie es nur ungern zugab, so war er mit seinem blauschwarzen Haar und den markanten Gesichtszügen außerdem ein verdammt attraktiver Mann.

Ihr Blick kollidierte mit Augen von der Farbe geschmolzenen Goldes. Im ersten Moment stockte ihr der Atem. Urplötzlich war ihre Kehle wie zugeschnürt, und ihr Herz pochte wie verrückt.

„Mein Vater hat mich gebeten, Sie in seinem Namen aufzusuchen“, begann sie, wobei es sie furchtbar ärgerte, dass die Atemlosigkeit ihre Stimme so schwach und leise klingen ließ.

„Sie sind Grundschullehrerin. Was könnten Sie wohl zu sagen haben, was mich auch nur im Entferntesten interessieren könnte?“, entgegnete er mit brutaler Offenheit.

„Ich denke, Sie werden überrascht sein …“ Bee presste die Lippen zusammen. Ihre Stimme gewann an Kraft, während sie ihre innere Belustigung nicht unterdrücken konnte. „Nein, ich weiß, dass Sie überrascht sein werden.“

Überraschungen waren selten und wenig willkommen in Sergios’ Leben. Er war ein Kontrollfreak, was er durchaus wusste und keinesfalls zu ändern versuchte.

„Vor gar nicht allzu langer Zeit wollten Sie meine Schwester Zara heiraten.“

„Das hätte nicht funktioniert“, erwiderte er knapp.

Bee atmete tief ein, während sie ihre Handtasche fest umklammerte. „Zara hat mir gesagt, was genau Sie von einer Ehe wollen.“

Während er sich noch fragte, wohin dieses merkwürdige Gespräch wohl führen sollte, fiel es ihm schwer, nicht die Zähne zusammenzubeißen. „Das war sehr indiskret von ihr.“

Bee errötete, was das tiefe Grün ihrer Augen noch mehr betonte. „Ich werde meine Karten einfach auf den Tisch legen und direkt zum Punkt kommen.“

Sergios lehnte sich gegen den Rand seines auf Hochglanz polierten Schreibtischs und betrachtete sie auf eine Weise, die nicht besonders ermutigend war. „Ich warte“, sagte er, als sie zögerte.

Sein ungeduldiges Schweigen zerrte an ihren Nerven.

Erneut holte Bee tief Luft, wodurch sich ihre Brüste hoben und beinahe die Knöpfe ihrer Bluse sprengten. Sofort senkte sich Sergios’ Blick auf den Stoff, der so herrlich über den vollen Rundungen spannte, an die er sich nur zu gut erinnern konnte.

„Mein Vater hat einen gewissen Druck auf mich ausgeübt, um heute zu Ihnen zu kommen“, gab sie unbehaglich zu. „Ich habe ihm gesagt, dass es verrückt ist, und dennoch bin ich hier.“

„Ja, Sie … sind … hier“, murmelte Sergios betont gelangweilt. „Und kommen immer noch nicht zum Punkt.“

„Dad möchte, dass ich mich an Zaras Stelle anbiete“, erklärte Bee unumwunden und beobachtete, wie sich Ungläubigkeit in seinem Gesicht ausbreitete, während ihre eigenen Wangen zu brennen begannen. „Ich weiß, dass es verrückt ist, aber er will diesen Hoteldeal und glaubt, dass eine angemessene Ehefrau den großen Unterschied macht.“

„Angemessen? Sie gehören ganz sicher nicht zu den üblichen Frauen, die versuchen, mich vor den Traualtar zu zerren“, versetzte er unverblümt.

Und das stimmte. Beatriz Blake war geradezu schlicht im Vergleich zu den umwerfenden Frauen, die normalerweise hinter ihm oder vielmehr hinter seinem Vermögen her waren.

Die unnötige Anspielung auf ihre Unzulänglichkeiten ließ Bee erbleichen, aber sie erholte sich schnell und schob trotzig das Kinn vor. „Nun, ich bin ganz offensichtlich nicht blond und schön, aber ich denke trotzdem, dass ich eine wesentlich bessere Wahl für diese Position wäre als Zara.“

Mein Gott, die Frau hat Nerven! Gegen seinen Willen war Sergios fasziniert. „Sie sprechen von der Rolle meiner Ehefrau, als wäre das ein Job.“

„Ist es das denn nicht?“, konterte Bee. „Soweit ich verstanden habe, wollen Sie nur heiraten, um den Kindern Ihres verstorbenen Cousins eine Mutter zu geben, und ich könnte mich dieser Aufgabe in Vollzeit widmen – etwas, das Zara nie getan hätte. Außerdem bin ich …“

„Seien Sie einen Moment still“, unterbrach Sergios sie und musterte sie mit einem Stirnrunzeln. „Welche Art Druck hat Ihr Vater ausgeübt, damit Sie hierherkommen und diesen Unsinn von sich geben?“

Bee versteifte sich, doch dann warf sie trotzig den Kopf zurück. Warum sollte sie aus den Machenschaften ihres Vaters ein Geheimnis machen? Ihr Stolz verlangte, ehrlich zu sein. „Ich habe eine schwerbehinderte Mutter, und wenn der Hoteldeal platzt, hat mein Vater gedroht, unser Haus zu verkaufen und Mums Pflegerin nicht mehr zu bezahlen. Ich bin zwar nicht von ihm abhängig, aber Mum ist es, und ich will nicht, dass sie leidet. Ihr Leben ist schon schwer genug.“

„Das kann ich mir vorstellen.“ Sergios war gegen seinen Willen von ihr beeindruckt. Offensichtlich verhielt sich Monty Blake in seiner eigenen Familie noch skrupelloser als in der Geschäftswelt. Selbst sein Großvater Nectarios, einer der rücksichtslosesten Männer, die Sergios kannte, hätte niemals einer behinderten Exfrau gedroht. Es gab Grenzen. Und was Beatriz anging, so konnte er ihre Ehrlichkeit und Loyalität nur bewundern – Eigenschaften, die viel über die Frau aussagten, die da vor ihm stand.

„Dann erklären Sie mir doch bitte, warum Sie sich für eine bessere Wahl als Ihre Schwester halten?“, drängte Sergios, der seine Neugier befriedigen wollte. Ihre Einstellung zur Ehe faszinierte ihn. Eine Ehefrau als Angestellte? Das war eine völlig neue Sichtweise, die ihm sehr gefiel. Bei einem solchen Arrangement würde es wenig Raum für ungewünschte Gefühle und Missverständnisse geben.

„Ich wäre weniger fordernd. Stehe auf eigenen Füßen und bin praktisch veranlagt. Wahrscheinlich würde ich Sie nicht mal sonderlich viel kosten, weil mein Aussehen mich nicht interessiert“, entgegnete Bee, wobei sich ihre vollen, rosigen Lippen verächtlich verzogen, so als wäre Eitelkeit eine Todsünde. „Außerdem kann ich sehr gut mit Kindern umgehen.“

„Was würden Sie mit einem Sechsjährigen tun, der Bilder auf die Wände malt?“

Bee runzelte die Stirn. „Mit ihm reden.“

„Aber er sagt nichts. Sein kleiner Bruder versucht ständig, sich an mich zu klammern, und die Anderthalbjährige starrt einfach nur stur geradeaus“, verriet Sergios ihr mit einigem Kummer. Es war deutlich, dass er ein solches Verhalten einfach nicht verstehen konnte. „Warum erzähle ich Ihnen das?“

Überrascht von seiner Offenheit, wertete Bee es als Zeichen, dass ihn die Probleme der Kinder stark beschäftigten. „Vielleicht, weil Sie es für möglich halten, dass ich eine Antwort haben könnte?“

Ohne Vorwarnung wurde plötzlich die Tür geöffnet und jemand sprach ihn auf Griechisch an. Sergios gab eine kurze Antwort, ehe er sich wieder an Bee wandte. Irgendetwas an seinem abschätzenden Blick behagte ihr gar nicht. „Ich werde mir Ihren Vorschlag durch den Kopf gehen lassen“, sagte er zu ihrer Überraschung. „Aber seien Sie gewarnt – ich bin nicht leicht zufriedenzustellen.“

„Das wusste ich schon, als ich Sie das erste Mal gesehen habe“, konterte Bee, die das sarkastische Funkeln seiner Augen registrierte, die markanten, kompromisslosen Züge und den störrischen, sinnlichen Mund. Es war das Gesicht eines harten Manns, der stets nur seinem eigenen Urteil folgte.

„Als Nächstes werden Sie wahrscheinlich behaupten, dass Sie mir die Zukunft aus der Hand lesen können“, gab Sergios spöttisch zurück.

Bee verließ völlig benommen sein Büro. Er hatte gesagt, dass er sich ihren Vorschlag durch den Kopf gehen lassen würde. War das nur eine höfliche Lüge gewesen? Irgendwie konnte sie sich nicht vorstellen, dass er leere Worte von sich gab. Aber wenn er ernsthaft in Erwägung zog, sie zur Frau zu nehmen – was machte sie dann? In Schockstarre verfallen? Denn Bee war selbstverständlich davon ausgegangen, dass Sergios Demonides ihr einen Vogel zeigen würde. Zu keinem Zeitpunkt hätte sie sich träumen lassen, tatsächlich seine Frau zu werden …

2. KAPITEL

Vier Tage später durchquerte Bee gerade das Tor der Grundschule, an der sie arbeitete, als sie bemerkte, dass eine große schwarze Limousine um die Ecke parkte.

„Miss Blake?“ Ein Anzugträger mit der Statur eines Türstehers trat auf sie zu. „Mr Demonides möchte Ihnen anbieten, Sie nach Hause zu bringen.“

Bee blinzelte und starrte die lange glänzende Limousine mit den dunkel getönten Scheiben an. Wie hatte er herausgefunden, wo sie arbeitete? Sie überlegte zwar noch, was in aller Welt Sergios Demonides vorhatte, sah aber keine andere Möglichkeit, als die Einladung anzunehmen. Kollegen und Eltern wichen zur Seite, um Bee und ihrem stämmigen Begleiter den Weg zu dem auffälligen Fahrzeug freizugeben. Bee wurde angesichts der neugierigen Blicke, die sie verfolgten, ganz rot.

„Beatriz“, grüßte Sergios sie mit einem Kopfnicken, während er kurz von seinem Laptop aufblickte.

Als Bee in den luxuriösen Wagen stieg, fiel ihr wieder auf, dass Sergios ein geradezu animalisches Charisma besaß. Ihre Brustspitzen wurden hart, so sehr reagierte sie auf seinen unverhohlenen Sexappeal. Es war ihr furchtbar peinlich. Noch dazu war ihr Haar windzerzaust, und ihr Regenmantel, der knielange Rock und die schwarzen Stiefel gehörten eher in die Kategorie „bequem“ denn „schick“. Sie fühlte sich unbehaglich und fragte sich gleichzeitig, warum, denn bisher hatte sie nie den Ehrgeiz gehabt, anders auszusehen als sauber und ordentlich.

Während sich die Limousine langsam in Bewegung setzte, schloss Sergios den Laptop und drehte sich zu ihr um. Sofort runzelte er die Stirn. Ihr Outfit war indiskutabel – unmodisch und ein wenig schäbig. Dabei hatte sie makellose Haut, zauberhafte Augen und dickes glänzendes Haar – Attribute, die jede andere Frau betont hätte. Zum ersten Mal fragte er sich, warum sie sich so überhaupt keine Mühe gab.

„Wie komme ich zu der Ehre?“, erkundigte sich Bee, die zusah, wie er den Laptop wegräumte. Er hat wohlgeformte Hände, dachte sie. Ein irritierender Gedanke.

„Ich fliege heute Abend nach New York und möchte, dass Sie vorher meine Kinder kennenlernen.“

„Warum?“ Verwirrt blickte sie ihn an. „Wieso soll ich sie treffen?“

Ein sehr schwaches Lächeln spielte um seine sinnlichen Lippen. „Weil ich Sie ganz offensichtlich für den Job in Erwägung ziehe.“

„Aber das kann nicht sein!“, rief sie völlig fassungslos.

„Doch, kann es. Ihr Vater hat einen wahren Trumpf ausgespielt, als er Sie vorgeschickt hat“, entgegnete Sergios, den ihre mit Entsetzen gepaarte Überraschung amüsierte. Die Frau war wirklich erfrischend.

Sie runzelte die Stirn. „Aber ich verstehe das nicht … Sie könnten jede heiraten!“

„Unterschätzen Sie sich nicht“, versetzte er und dachte dabei an die Berichte und Referenzen, die er seit ihrer letzten Begegnung über sie gesammelt hatte. „Laut meinen Quellen sind Sie eine loyale, hingebungsvolle Tochter und eine begabte, engagierte Lehrerin. Ich bin davon überzeugt, dass Sie diesen Kindern genau das geben können, was sie brauchen …“

„Woher haben Sie diese Informationen?“, entgegnete Bee wütend.

„Es gibt private Ermittler, die solche Informationen für den richtigen Preis innerhalb von wenigen Stunden beschaffen können“, gab Sergios mit unglaublicher Ruhe zu. „Natürlich habe ich Sie überprüfen lassen. Was ich dabei erfahren habe, hat mich sehr beeindruckt.“

Aber ich habe es nicht ernst gemeint, als ich Ihnen die Ehe vorgeschlagen habe, hätte sie beinahe gefaucht, ehe ihr einfiel, was das für ein Eingeständnis gewesen wäre. Schnell schluckte sie die Bemerkung hinunter. Immerhin schwebte die Drohung ihres Vaters immer noch wie ein Damoklesschwert über ihr. Schlagartig erkannte sie, dass sie gar keine andere Wahl hatte, als Sergios Demonides’ Angebot, sie zu heiraten, anzunehmen.

„Wenn die Kinder Ihres Cousins traumatisiert sind, so muss ich Ihnen sagen, dass ich keine Erfahrung mit so etwas habe“, warnte sie ihn. „Genauso wenig, wie ich Erfahrung darin habe, Kinder großzuziehen, und ich kann ganz sicher keine Wunder bewirken.“

„Ich glaube nicht an Wunder, insofern erwarte ich auch keine“, erwiderte Sergios trocken. Sein spöttischer Blick ruhte auf ihrem Gesicht. „Außerdem gäbe es Bedingungen, die Sie erfüllen müssten, um meinen Anforderungen zu genügen.“

Bee sagte nichts. Die Aussicht, ihn tatsächlich zu heiraten, schockierte sie noch so sehr, dass sie ihrer Stimme nicht traute. Und was seine Erwartungen anging – sie war sicher, dass sie hoch waren. Sergios Demonides war der Typ Mann, der sich nur mit dem Besten zufriedengab. Sie holte ihr Handy aus der Tasche und rief ihre Mutter an, um ihr zu sagen, dass sie erst später nach Hause kommen würde. Als sie den Anruf beendete, bog die Limousine gerade in eine Einfahrt ein, die rechts und links von Birken gesäumt wurde, die gerade das erste zarte Grün zeigten. Sie hielten vor einem frei stehenden Gebäude, das so groß und prächtig war, dass es als Herrenhaus hätte durchgehen können.

„Mein Londoner Domizil.“ Sergios warf ihr einen scharfen Blick zu. „Eine der Pflichten als meine Ehefrau bestünde darin, für den reibungslosen Ablauf des Haushalts in meinen verschiedenen Wohnsitzen zu sorgen.“

Das Wort „Ehefrau“ in Kombination mit dem Wort „Pflichten“ klang furchtbar antiquiert in Bees Ohren. „Sind Sie ein Haustyrann?“, fragte sie.

Sergios warf ihr einen finsteren Blick zu. „Ist das ein Scherz?“

„Nein, aber es hat etwas geradezu Viktorianisches an sich, das Wort Ehefrau im selben Atemzug mit dem Wort Pflichten zu gebrauchen.“

Um seine Mundwinkel zuckte es. „Sie waren die Erste, die die Rolle als Job bezeichnet hat, und ich möchte es im selben Licht betrachten.“

Aber Bee mochte den Job, den sie bereits hatte, sehr. Sie war der Bitte ihres Vater nachgekommen, ohne wirklich über die möglichen Konsequenzen nachzudenken. Jetzt kamen sie ihr schlagartig zu Bewusstsein. Während sie Sergios in die Eingangshalle folgte, gab er einem herbeieilenden Diener ein paar Anweisungen, dann führte er Bee in einen großen Salon.

„Im Gegensatz zu Ihrer Schwester sind Sie sehr still“, bemerkte er.

„Sie haben mich überrumpelt“, gab sie ein wenig kleinlaut zu.

„Sie wirken völlig konsterniert. Warum?“, fragte Sergios ungeduldig. „Ich habe kein Verlangen nach der üblichen Sorte Ehefrau. Ich will nichts zu tun haben mit emotionalen Bindungen, Forderungen und Einschränkungen, aber auf praktischer Ebene wäre eine Frau, die diese Rolle ausfüllt, eine wertvolle Bereicherung für mein Leben.“

„Vielleicht sehe ich einfach nicht, was für mich dabei herausspringt – abgesehen davon, dass Sie die Hotels meines Vaters kaufen, was die finanzielle Situation meiner Mutter hoffentlich für absehbare Zeit absichert“, erklärte Bee offen.

„Wenn ich Sie heirate, dann sorge ich dafür, dass Ihre Mutter für den Rest ihres Lebens abgesichert ist“, betonte Sergios mit fester Stimme. „Selbst wenn wir uns später trennen sollten, müssten Sie sich um Ihre Mutter nie wieder Sorgen machen. Ich garantiere persönlich dafür, dass sie alles hat, was sie braucht – inklusive der besten medizinischen Betreuung, die es gibt.“

Sofort dachte Bee an all die teuren Extras, die Emilia Blake das Leben erleichtern könnten. Anstelle von Bees unbeholfenen Bemühungen könnte ihre Mutter eine regelmäßige Physiotherapie bekommen, um die Muskeln in ihren gelähmten Beinen zu stärken. Vielleicht gäbe es sogar etwas, mit dem man die Atemprobleme lindern könnte, die sie manchmal hatte. Sergios, erkannte Bee plötzlich, war reich genug, um all das zu ermöglichen.

Eine junge Frau in der Uniform einer Nanny betrat den Raum. Sie trug ein Baby von ungefähr achtzehn Monaten auf dem Arm. Zwei weitere Kinder folgten ihr wenig enthusiastisch.

„Vielen Dank. Lassen Sie die Kinder bei uns“, wies Sergios sie an.

Nachdem das jüngste Kind auf dem Teppich abgesetzt worden war, fing es sofort an zu weinen. Dicke Tränen kullerten über das kleine Gesicht. Der dreijährige Junge klammerte sich an Sergios’ Hosenbein, während das älteste Kind einen Sicherheitsabstand von ein paar Schritten wahrte.

„Ganz ruhig … es ist alles in Ordnung, Kleines.“ Bee nahm das Baby auf den Arm, worauf das kleine Mädchen aufhörte zu weinen. Ängstliche blaue Augen richteten sich auf Bee. „Wie ist ihr Name?“

„Eleni … und das ist Milo“, antwortete Sergios, der den Klammergriff des Jungen um sein Bein löste und ihm einen aufmunternden kleinen Schubs in Bees Richtung gab, so als hoffe er, der Kleine würde nun sie statt ihn umarmen.

„Und du musst Paris sein“, sagte Bee zu dem älteren Jungen, während sie sich hinkniete, um Milo zu begrüßen. „Meine Schwester Zara hat mir erzählt, dass du zum Geburtstag ein neues Fahrrad bekommen hast.“

Paris lächelte zwar nicht, rückte aber ein Stück näher, während Bee mit dem Baby im Arm auf das Sofa sank. Milo kletterte neben sie und versuchte, auf ihren Schoß zu gelangen, aber es war nicht genug Platz. „Hallo, Milo.“

„Paris, wo sind deine Manieren?“, schaltete sich Sergios streng ein.

Mit ängstlichem Blick streckte Paris einen dünnen Arm aus, um Bee die Hand zu schütteln. Dabei wich er ihrem Blick aus. Bee lud ihn ein, sich neben sie zu setzen. Sie erzählte ihm, dass sie Lehrerin sei. Als sie ihn fragte, wie es ihm in der Schule gefalle, warf er ihr einen kurzen, verängstigten Blick zu und schaute dann rasch wieder fort. Man musste kein Genie sein, um dahinterzukommen, dass Paris Probleme in der Schule hatte. Von den drei Kindern war Milo am normalsten – ein Dreijähriger voller Energie, der nach Aufmerksamkeit und Beschäftigung suchte. Paris dagegen wirkte angespannt und verstört, und das kleine Mädchen war viel zu still. Sie zeigte beunruhigend wenig Reaktion.

Nach einer halben Stunde hatte Sergios genug gesehen. Er war überzeugt, dass Beatriz Blake genau die Frau war, die er brauchte, um die Probleme in seinem Leben zu lösen. Ihre Wärme zog die Kinder an. Sie verhielt sich völlig entspannt in ihrer Gegenwart, während ihre Schwester furchtbar nervös gewesen war – freundlich zwar, aber viel zu sehr darum bemüht, zu gefallen. Bee dagegen strahlte eine ruhige Autorität aus, die Respekt verlangte. Er rief die Nanny, um die Kinder wieder wegzubringen.

„Sie erwähnten bestimmte Bedingungen …“, erinnerte ihn Bee an ihr vorheriges Gespräch, sobald die Kinder fort waren.

„Ja.“ Sergios war ans Fenster getreten. Seine nächsten Worte überraschten sie.

„Ich habe eine Geliebte. Melita ist nicht verhandelbar“, teilte er ihr kühl mit. „Hin und wieder hege ich auch noch andere Interessen. Ich bin diskret. Nichts davon wird je an die Presse gelangen.“

Seine Offenheit, wo er doch sonst immer so reserviert war, schockierte Bee. Er hatte eine Geliebte namens Melita? War das ein griechischer Name? Wie auch immer, jedenfalls schien er seiner Geliebten nicht treu zu sein. Bee spürte, wie sie ganz heiße Wangen bekam, als ihre Fantasie ihr alle möglichen erotischen Bilder vorgaukelte, die sie in seiner Nähe lieber nicht sehen wollte.

„Ich erwarte keinerlei Intimität von Ihnen“, verkündete er unumwunden. „Falls Sie allerdings irgendwann ein eigenes Kind wünschen, wäre es eigensüchtig von mir, Ihnen diese Möglichkeit zu verwehren …“

„Nun, dann gibt es immer noch die künstliche Befruchtung“, unterbrach sie ihn rasch.

„Soweit ich weiß, ist sie nicht besonders zuverlässig.“

Bee starrte mit plötzlichem Interesse auf ihre Füße. Er hatte eine Geliebte. Er erwartete nicht, das Bett mit ihr zu teilen. Wo blieb sie dabei? Eine Ehefrau nur dem Namen nach.

„Und was für ein Leben soll ich führen?“, fragte Bee ihn unvermittelt. Als sie zu ihm aufschaute, glänzten ihre grünen Augen wie frische Blätter im Regen.

„Was meinen Sie damit?“, erwiderte Sergios, der froh war, dass sie weder verärgert reagierte noch Interesse an seiner Geliebten zeigte. Aber warum sollte es sie auch kümmern, was er tat? Genau diese Haltung wünschte er sich von ihr.

„Erwarten Sie von mir auch, dass ich mir Liebhaber nehme … diskret natürlich?“, verdeutlichte Bee mit brennenden Wangen. Nur mit Mühe bekämpfte sie ihre Verlegenheit. Es war eine legitime Frage, ja eine vernünftige Frage, und sie weigerte sich, aus lauter Prüderie diesen Punkt nicht zu klären.

Seine dunklen Augen funkelten wütend. „Natürlich nicht.“

Sie runzelte die Stirn. „Ich versuche nur zu verstehen, wie diese Ehe Ihrer Meinung nach funktionieren soll. Sie können doch nicht erwarten, dass eine Frau in meinem Alter eine Zukunft ohne jegliche körperliche Intimität akzeptiert?“, versetzte sie steif.

So formuliert klang ihr Einwand durchaus berechtigt, aber Sergios konnte eine untreue Ehefrau genauso wenig akzeptieren, wie er sich den rechten Arm abschneiden würde. „Ich kann nicht einwilligen, dass Sie sich Liebhaber nehmen.“

„Die alte scheinheilige Doppelmoral“, murmelte Bee, die seine entsetzte Reaktion merkwürdigerweise amüsierte. Was dem einen recht, ist dem anderen noch lange nicht billig … Andererseits konnte sie kaum glauben, dass sie tatsächlich eine solche Diskussion führte. Immerhin war sie eine vierundzwanzigjährige Jungfrau – eine Information, die ihn sicherlich genauso schockieren würde wie die Vorstellung von einer Ehefrau mit eigenen sexuellen Bedürfnissen.

Sergios warf ihr einen vernichtenden Blick zu. „Sprechen Sie nicht in diesem Ton mit mir …“

Lektion Nummer eins, dachte Bee. Er hat ein sehr aufbrausendes Temperament. „Ich habe Ihnen eine berechtigte Frage gestellt, auf die Sie mir allerdings keine vernünftige Antwort gegeben haben. Wie lange soll diese Ehe dauern?“

„Zumindest so lange, bis die Kinder groß sind.“

„Meine Jugend“, stellte Bee völlig emotionslos fest. Wenn die Kinder groß waren, war ihre Jugend vorbei.

Sergios musterte sie. Sofort erinnerte er sich an die üppigen Kurven in dem Abendkleid, das sie bei ihrer ersten Begegnung getragen hatte. Volle Brüste, eine schmale Taille und weibliche Hüften. Zu seiner Überraschung erregte ihn das Bild, das er vor Augen hatte.

„Dann machen wir eine richtige Ehe daraus“, erklärte er bissig und blendete seine körperliche Reaktion mit typisch männlicher Ungeduld aus. „Das ist die einzige Alternative. Wenn Sie einen Mann in Ihrem Bett haben wollen, dann müssen Sie mit mir vorliebnehmen.“

Die Röte auf den Wangen breitete sich über ihr ganzes Gesicht aus. Bee senkte rasch den Blick. „Ich möchte diese Diskussion nicht weiterführen. Nur eins noch: Solange es andere Frauen in Ihrem Leben gibt, bin ich nicht bereit, eine intime Beziehung mit Ihnen einzugehen.“

„Wir verschwenden unsere Zeit mit Unsinn, dabei sind wir doch reife Erwachsene. Wir werden uns mit diesen Problemen befassen, wenn sie tatsächlich auftauchen“, versetzte Sergios knapp. „Es wird einen Ehevertrag geben, den Sie vor der Trauung unterzeichnen müssen …“

„Sie haben Ihre Häuser und Ihre, ähm … Geliebte erwähnt. Welche weiteren Bedingungen wollen Sie stellen?“

„Nichts, was Sie beunruhigen müsste. Unsere Anwälte können sich damit beschäftigen. Wenn Sie über die Bedingungen verhandeln wollen, können Sie das über Ihren Anwalt tun“, entgegnete er in abschließendem Ton. „Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden. Mein Chauffeur wird Sie nach Hause fahren. Ich muss noch einige Dinge erledigen, ehe ich nach New York fliege.“

Bee, die geglaubt hatte, dass er sie noch zum Dinner einladen würde, sah sich getäuscht. Sie glättete ihren Regenmantel und stand langsam auf. „Ich habe auch eine Bedingung. Sie müssen zustimmen, mich jederzeit höflich und respektvoll zu behandeln und mein Glück im Sinn zu haben.“

Als er ihre unerwartete Forderung hörte, erstarrte Sergios auf halbem Weg zur Tür. Er fragte sich, ob sie seine Manieren kritisierte. Langsam drehte er sich zu ihr um. „Das ist ein bisschen viel verlangt. Ich bin egoistisch, aufbrausend und oft kurz angebunden. Von meinem Personal verlange ich, dass es sich meiner Art anpasst.“

„Wenn ich Sie heirate, werde ich nicht zu Ihrem Personal gehören. Ich werde irgendetwas zwischen einer Ehefrau und einer Angestellten sein. Sie werden Zugeständnisse machen und sich ändern müssen.“ Bee schaute ihn erwartungsvoll an, denn sie wollte um keinen Preis zulassen, dass er glaubte, sie werde völlig nach seiner Pfeife tanzen.

Sergios konnte kaum fassen, dass sie ihn so herausforderte. Mit ihren grünen Augen betrachtete sie ihn kühl, so als wäre er ein wissenschaftliches Rätsel, das es zu lösen galt. Er biss die Zähne zusammen. „Ich werde einige Zugeständnisse machen, aber ich bin derjenige, der bestimmt, wo es langgeht. Wenn Sie diesem Arrangement zustimmen, dann möchte ich, dass die Trauung so bald wie möglich stattfindet, damit Sie hier einziehen und bei den Kindern sein können.“

Konsterniert starrte Bee ihn an. „Aber ich kann meine Mutter nicht allein …“

„Sie sind Lehrerin – gut im Reden, aber schlecht im Zuhören“, unterbrach Sergios sie ungeduldig. „Also sperren Sie die Ohren auf. Um Ihre Mutter wird sich auf jede nur erdenkliche Art gekümmert werden.“

„Auf jede erdenkliche Art, die genau das ermöglicht, was Sie wollen!“, schleuderte Bee wütend zurück.

Er hob eine Augenbraue und lächelte sie spöttisch an. „Haben Sie wirklich etwas anderes von mir erwartet?“

3. KAPITEL

Nach dem denkwürdigen Abschied von Sergios veränderte sich Bees Leben mit rasender Geschwindigkeit.

Als sie am nächsten Tag von der Schule nach Hause kam, musste sie feststellen, dass ihr Vater voller Wut angerufen und ihre Mutter in helle Aufregung versetzt hatte.

„Monty hat mir erzählt, dass du heiratest“, sagte Emilia Blake und machte dabei ein völlig ungläubiges Gesicht. „Aber ich habe ihm gesagt, dass du nicht mal regelmäßig ausgehst.“

Bee wurde rot. „Ich habe es dir nicht gesagt, aber …“

Ihre Mutter starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an. „Meine Güte, es gibt jemanden! Aber du gehst doch nur zweimal die Woche zu deinen Fitnesskursen …“

Bee zog eine Grimasse. Rasch ergriff sie die Hand ihrer Mutter. Um nichts in der Welt würde sie der zerbrechlichen Frau eine Wahrheit gestehen, die ihr nur Kummer bereiten würde. „Es tut mir leid, dass ich nicht ehrlich zu dir war. Ich möchte, dass du dich für mich freust.“

„Also warst du offensichtlich nicht an jedem dieser Abende beim Sport“, vermutete Emilia schmunzelnd, während sie ihre errötende Tochter voller Stolz betrachtete. „Das freut mich so sehr. Dein Vater und ich haben dir kein besonders gutes Beispiel vorgelebt, und mir ist völlig klar, dass du nicht dieselben Möglichkeiten wie andere Mädchen deines Alters hattest …“

„Du hast mir immer noch nicht gesagt, worüber Monty sich so aufgeregt hat“, unterbrach Bee ihre Mutter besorgt.

„Irgendein Geschäft, das er mit deinem zukünftigen Ehemann abschließen will, ist nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat“, entgegnete Emilia desinteressiert. „Was glaubt dein Vater denn, was du dagegen tun kannst? Nimm dir meinen Rat zu Herzen und halt dich da raus.“

Bee war geradezu erstarrt. „Was genau hat Dad gesagt?“

„Du weißt doch, wie mürrisch er sein kann, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er es sich wünscht. Erzähl mir lieber von Sergios – ist er nicht der Mann, den du bei dem Dinner kennengelernt hast, zu dem dich dein Vater vor ein paar Monaten eingeladen hat?“

„Ja.“ Obwohl die Hochzeit auf dem Weg war, sollte ihr Vater also nicht so stark von dem Deal profitieren wie erhofft. Bee fand es eine ausgleichende Gerechtigkeit, dass ihr Opfer Monty Blake keinen Vorteil verschaffte. Drohungen sollten nicht auch noch belohnt werden.

„Ich wette, dass du dich Hals über Kopf verliebt hast“, äußerte Emilia mit strahlendem Lächeln. „Bist du sicher, dass Sergios der richtige Mann für dich ist, Bee?“

Bee erinnerte sich an Sergios Demonides’ Versprechen, dass sie nie wieder von Montys finanzieller Unterstützung abhängig sein würden. Sie erinnerte sich an die feste Entschlossenheit in seinen dunklen Augen, und obwohl ihr etwas bange war, wenn sie an ihre Zukunft dachte, so war sie doch überzeugt, dass Sergios zu seinem Wort stehen würde. „Ja, Mum. Ich bin mir sicher.“

Sergios rief an diesem Abend an, um ihr mitzuteilen, dass sich eine seiner Mitarbeiterinnen mit ihr in Verbindung setzen und das genaue Hochzeitsarrangement absprechen würde. Er riet ihr, sofort ihre Kündigung einzureichen. Zum Schluss ließ er noch die Bombe platzen, dass er nach der Hochzeit von ihr erwartete, mit ihm in Griechenland zu leben.

„Aber Sie haben ein Haus hier in London“, protestierte Bee.

„Ich halte mich regelmäßig in London auf, aber Griechenland ist mein Zuhause.“

„Als Sie Zara heiraten wollten …“

„Stopp! Sie und ich werden unser eigenes Arrangement treffen“, unterbrach er sie brüsk.

„Ich will meine Mutter aber nicht allein in London lassen.“

„Ihre Mutter wird uns nach Griechenland begleiten – aber erst nach Ablauf einer angemessenen Zeitspanne, die wir als Neuvermählte zusammen verbracht haben. Ich habe bereits angewiesen, dass man ihr eine geeignete Unterkunft vorbereitet. Haben Sie schon von Ihrem Vater gehört?“

Bee war völlig benommen. Er hatte bereits veranlasst, dass ihre Mutter sie nach Griechenland begleitete? Scheinbar war er ihr immer einen Schritt voraus. „Soweit ich weiß, war er über irgendetwas sehr wütend, als er meine Mutter heute anrief“, gab sie widerwillig zu.

„Ihr Vater hat nicht den Deal bekommen, den er haben wollte“, verriet er ihr unverblümt. „Aber das hat nichts mit Ihnen zu tun, und das habe ich ihm auch gesagt.“

„Ach, wirklich?“, entgegnete Bee mit einem Stirnrunzeln. Allmählich ging ihr sein autoritärer Ton auf den Geist.

„Sie sind die Frau, die ich heiraten werde. Es schickt sich nicht, dass Ihr Vater ungebührlich von Ihnen oder Ihrer Mutter redet. Ich habe ihm gesagt, dass er Sie mit Respekt zu behandeln hat.“

Bee lief es eiskalt den Rücken hinunter. Nur zu gut konnte sie sich die Szene vorstellen, die sich zwischen dem kühlen Sergios und ihrem jähzornigen Vater abgespielt haben musste.

„Wie schnell können Sie in mein Londoner Stadthaus ziehen?“, drängte Sergios. „Mir wäre es sehr recht, wenn es noch diese Woche passieren würde.“

Diese Woche?“, echote Bee fassungslos.

„Die Hochzeit ist schon bald. Ich bin außer Landes, sodass sich im Moment nur das Hauspersonal um die Kinder kümmert. Wenn möglich wäre es mir lieber, wenn Sie sich während meiner Abwesenheit im Haus aufhalten. Falls Sie sich Gedanken um Ihre Mutter machen – das müssen Sie nicht. Ich habe bereits eine sehr erfahrene Pflegerin engagiert, die für diesen Zeitraum zu Ihrer Mutter ziehen wird.“

Als Bee den Hörer auflegte, akzeptierte sie widerwillig, dass sich ihr Leben radikal ändern würde – egal, was sie davon hielt. Also schickte sie ihr Kündigungsschreiben ab, da es sowieso der letzte Schultag vor den Osterferien war, und ging abends zu ihrer Pole-Dance-Klasse, wo sie sich ordentlich verausgabte, um nicht länger über all die Dinge nachdenken zu müssen, die sie noch zu erledigen hatte.

Die Liste wurde noch länger, nachdem Annabel, Sergios’ hocheffiziente persönliche Assistentin, die sich um die Hochzeitsvorbereitungen kümmern sollte, sie kontaktiert hatte.

„Ich habe einen Termin mit einem Stylisten und einer Shopping-Beraterin?“, fragte Bee fassungslos, als sie den vollgepackten Zeitplan betrachtete, der die nächsten zwei Wochen ihrer Osterferien umfasste. Neben dem Termin bei einer angesehenen Anwaltskanzlei, die mit dem Ehevertrag betraut war, stand ein ganzer Tag in einem berühmten Schönheitssalon auf dem Programm. „Das ist doch lächerlich. Es hat nichts mit der Hochzeit zu tun.“

„Mr Demonides hat mir strikte Anweisungen gegeben“, versetzte Annabel in unnachgiebigem Ton.

Bee schluckte schwer und presste die Lippen zusammen. Sie würde direkt mit Sergios reden. Vielleicht meinte er ja, ein Makeover wäre der Traum jeder Frau, doch sie fühlte sich zutiefst beleidigt.

Die neue Pflegerin ihrer Mutter tauchte noch an diesem Abend auf. Bee redete mit ihr und zeigte der Frau ihr Zimmer. Danach packte sie ihre Sachen, um am nächsten Tag in Sergios’ Haus einzuziehen.

Als sie dort ankam, führte man sie in eine palastartige Schlafzimmer-Suite, die mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet war – bis hin zum eleganten Briefpapier auf einem zierlichen Sekretär. Der Haushalt schien wie ein exklusives Hotel zu arbeiten. Nachdem sie sich kurz frisch gemacht hatte, ging Bee auf die Suche nach den Kindern.

Nur Eleni, die Jüngste, war zuhause. Paris hatte Schule, und Milo befand sich in einer Kindergruppe, wie die Nanny ihr erklärte. Insgesamt drei Kindermädchen schauten rund um die Uhr nach den drei Kleinen. Bee brachte in Erfahrung, wie der normale Tagesablauf der Kinder aussah, und dann hockte sie sich auf den Boden des Spielzimmers, um mit Eleni zu spielen. Wenn sie nah bei ihr war und Blickkontakt herstellte, zeigte das kleine Mädchen mehr Reaktion, aber es war schwierig, ihre Aufmerksamkeit dauerhaft zu fesseln. Als ein Windstoß die Tür erfasste und sie mit lautem Knall zustieß, zuckte Bee erschrocken zusammen, stellte aber zu ihrer Überraschung fest, dass Eleni überhaupt nicht reagierte.

„Ist ihr Gehör untersucht worden?“, erkundigte sich Bee mit einem Stirnrunzeln.

Die frisch eingestellte Nanny wusste es nicht. Daraufhin rief Bee die Arztpraxis an und erfuhr, dass Eleni eine standardmäßige Höruntersuchung vor ein paar Monaten verpasst hatte. Bee vereinbarte einen neuen Termin. Als sie ins Spielzimmer zurückkehrte, begrüßte Milo, der ein absolut liebenswertes Kind war, sie wie eine alte Freundin. Sie las dem kleinen Jungen gerade ein Bilderbuch vor, als Paris im Türrahmen des Spielzimmers auftauchte und ihr einen finsteren Blick zuwarf.

„Guckst du jetzt nach uns?“, fragte der Junge dünn.

„Zum Teil. Ihr werdet nicht mehr so viele Nannys brauchen, weil ich von jetzt an hier lebe. Sergios und ich werden in einigen Wochen heiraten“, erklärte Bee und bemühte sich dabei um mehr Ruhe, als sie tatsächlich spürte.

Paris schenkte ihr einen verächtlichen Blick und ging in sein eigenes Zimmer hinüber, wobei er die Tür sorgsam schloss und damit seinem Wunsch nach Ungestörtheit deutlich Ausdruck verlieh. Bee beschloss, seinen Wunsch zu respektieren, solange sie noch nicht mit seinen Lehrern gesprochen hatte. Dennoch seufzte sie. Sie war eine Fremde. Was konnte sie da erwarten? Eine Verbindung zu Kindern aufzubauen, die erst vor wenigen Monaten ihre Eltern, ihr Zuhause und alles, was sie kannten, verloren hatten, brauchte Zeit und eine Menge Vertrauen.

Achtundvierzig Stunden später kehrte Sergios zum ersten Mal in ein Haus zurück, das von einer Frau bewohnt wurde. Ach was, Beatriz zählt gar nicht, redete er sich sofort ein. Sie war für die Kids da, nicht für ihn persönlich, und sie würde es schnell lernen, seine Privatsphäre zu respektieren. Trotzdem war er überrascht, als seine Haushälterin ihm mitteilte, dass Beatriz ausgegangen war. Er war noch weniger erfreut, als er sie auf dem Handy anrief und sie zugab, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.

„Ich hatte Sie noch nicht so früh zurückerwartet … Ich habe meine Mutter besucht“, verteidigte sie sich.

Als Bee schließlich ankam, war sie erhitzt und atemlos, weil sie so schnell von der Bushaltestelle hergelaufen war. Außerdem ärgerte sie sich über den vorwurfsvollen Ton, den Sergios ihr gegenüber am Telefon angeschlagen hatte. Besaß sie etwa kein Recht, auszugehen? Sollte sie ihn gar erst um Erlaubnis fragen? Wollte er jeden Bereich ihres Lebens kontrollieren? Das schwere kastanienbraune Haar hing ihr unordentlich ins Gesicht, als sie das große Foyer betrat.

Sergios kam ihr schon entgegen. Bei seinem Anblick stockte ihr mal wieder der Atem. Er sah wie ein dunkler Racheengel aus – harte, markante Gesichtszüge, ein dunkler Bartschatten und purer, männlicher Sexappeal.

Sergios unterzog seine aufgelöst wirkende Braut einer genauen Musterung. Zerzauste Haare, schlecht sitzende Jeans – ihr Aufzug war mal wieder indiskutabel. Er konnte es kaum abwarten, dass sie endlich professionell gestylt wurde. „Ich habe Anweisungen gegeben, dass Sie einen Wagen und Fahrer benutzen sollen, wenn Sie ausgehen“, erinnerte er sie tonlos.

Bee zog eine Grimasse. „Ein bisschen viel verlangt von einer Frau, die es gewohnt ist, mit Bus und Bahn zu fahren.“

„Diese Frau sind Sie nicht mehr. Sie werden bald meine Ehefrau sein“, versetzte er knapp. „Und insofern erwarte ich, dass Sie sich entsprechend verhalten. Ich bin ein reicher Mann. Sie könnten das Ziel eines Räubers oder sogar eines Kidnappers werden. Persönliche Sicherheit ist ab jetzt ein integraler Bestandteil Ihres Lebens.“

Der Hinweis auf eine mögliche Entführung hielt sie davon ab, ihm die wütenden Worte entgegenzuschleudern, die ihr auf der Zunge lagen. Bee nickte widerwillig. „Ich werde es mir für die Zukunft merken.“

Sergios nickte zufrieden und öffnete die Tür hinter sich. „Gut. Ich denke, wir sollten allmählich zum Du übergehen. Bitte komm rein, ich möchte mit dir reden.“

„Ja, wir müssen reden“, stimmte Bee zu, obwohl sie am liebsten nach oben in ihr Schlafzimmer gegangen wäre und dort abgewartet hätte, bis ihre dummen Hormone Ruhe gaben und sie nicht länger in Verlegenheit brachten. Hoch erhobenen Hauptes betrat sie das superschicke Büro.

Sergios verfügte über einen geradezu tödlichen Sexappeal, da war es doch kein Wunder, dass ihr Körper reagierte. Das war ganz natürlich. Nichts, weshalb sie sich Sorgen machen müsste. Ganz sicher bedeutete es nicht, dass sie sich ernsthaft zu ihm hingezogen fühlte.

Sergios erkundigte sich bei Bee nach den Kindern, woraufhin sie sich ein wenig entspannte. Sie teilte ihm mit, dass Eleni bei dem Hörtest sehr schlecht abgeschnitten hatte und der Arzt vermutete, dass sie unter einem Leimohr litt. Die Kleine sollte demnächst von einem Spezialisten untersucht werden, der dann auch eine mögliche Therapie vorschlagen konnte. Als Nächstes erzählte Bee ihm von dem Bild, das Paris an die Wand seines Zimmers gemalt hatte. Sie hielt seine Darstellung einer einst vollständigen Familie mit Eltern und Heim für selbsterklärend. Ihr war aufgefallen, dass der Junge keine Fotos seiner verstorbenen Eltern besaß, und Bee fragte Sergios, ob es dafür einen bestimmten Grund gebe.

„Ich dachte, es wäre weniger aufwühlend – sein Leben geht weiter. Er muss nach vorne blicken.“

„Ich glaube, dass Paris Zeit braucht, zu trauern, und dass Familienfotos dabei helfen würden“, betonte Bee.

„Ich habe die persönlichen Sachen seiner Eltern einlagern lassen. Ich werde dafür sorgen, dass sie nach Familienfotos durchforstet werden“, entgegnete Sergios, der ihre Einschätzung offenbar akzeptierte.

„Ich denke, dass die Kinder einfach zu viele Veränderungen in zu kurzer Zeit wegstecken mussten. Sie brauchen ein geregeltes Zuhause.“

Sergios atmete zischend aus. Sein Gesichtsausdruck wirkte grimmig. „Ich habe mein Bestes getan, aber das war scheinbar nicht gut genug. Ich weiß nichts über Kinder. Nicht mal, wie man mit ihnen redet.“

„Auf dieselbe Weise, wie du mit allen anderen redest – interessiert und freundlich.“

Ein kleines Lächeln tauchte um seine Mundwinkel herum auf. „Das ist nicht mein Stil. Ich bin besser darin, Befehle zu erteilen, Beatriz.“

„Nenn mich Bee … das machen alle.“

„Nein. Bee klingt wie eine alte Jungfer. Beatriz ist hübsch.“

Bee wäre beinahe zusammengezuckt. „Aber ich bin es nicht.“

„Gib den Schönheitsexperten eine Chance“, versetzte Sergios ohne zu zögern.

Bee versteifte sich sofort. Trotzig schob sie das Kinn vor. „Genau darüber wollte ich mit dir reden.“

Sergios beobachtete interessiert, wie die Knöpfe über ihren Brüsten spannten, als sie den Rücken durchbog. Am liebsten hätte er ihre Bluse aufgerissen, sodass sich die sinnliche Fülle direkt in seine Hände ergießen konnte. Es war mehr als eine Handvoll, stellte er hungrig fest und wurde hart. Das erotische Bild, das Sergios vor sich sah, überraschte ihn sehr – er hätte nicht gedacht, in so großer sexueller Not zu sein. Offensichtlich hatte er zu lange damit gewartet, sein Verlangen zu befriedigen. Seine zukünftige Frau wollte er nicht in diesem Licht betrachten.

Gedankenverloren holte Bee tief Luft und platzte dann mit ihrem Missfallen heraus. „Ich will kein Makeover. Ich bin zufrieden, so wie ich bin. Entweder du nimmst mich so, oder du lässt es bleiben.“

Sergios schien ihre Reaktion gar nicht zu gefallen. Eindringlich betrachtete er sie. „Ein eleganteres Styling ist Teil des Jobs“, erklärte er unmissverständlich.

„Das ist viel zu persönlich … das kannst du nicht verlangen“, protestierte sie mit Nachdruck. „Ich habe bereits mein Zuhause aufgegeben, meinen Job … wie ich aussehe, ist ja wohl meine Angelegenheit.“

Seine dunklen Augen funkelten golden. „Nicht, wenn du mich heiraten willst.“

Bee warf den Kopf zurück, worauf die glänzenden kastanienbraunen Locken nur so flogen. „Das ist doch lächerlich.“

„Ist es das? Ich finde dich unvernünftig. Normalerweise ist eine Frau stolz auf ihr Aussehen. Was ist passiert, dass du jegliches Interesse an deiner Erscheinung verloren hast?“, fragte er rundheraus.

Stille. Bee wäre beinahe zusammengezuckt, denn mit dieser Frage hatte sie nicht gerechnet, und sie rührte tief. Es hatte eine Zeit gegeben, als sie sehr viel Wert auf ihr Äußeres gelegt und auch ihre Kleidung mit Sorgfalt ausgewählt hatte. Aber das war keine Phase, an die sie gern zurückdachte. „Ich will nicht darüber reden. Das geht dich absolut nichts an.“

„Das Makeover ist nicht verhandelbar. Es wird offizielle Anlässe geben, bei denen du mich begleiten musst. In wenig schmeichelhaften Kleidern und mit unordentlichen Haaren herumzulaufen, ist völlig indiskutabel“, betonte er kühl.

Zorn erfasste Bee wie glühend heiße Lava. „Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden?“

„Ich bin nur ehrlich. Komm rüber.“ Sergios packte sie am Ellbogen und zerrte sie vor den Spiegel an der Wand. „Und sag mir, was du siehst …“

Ihr Spiegelbild zeigte windzerzauste Haare, eine alte Bluse und eine sackartige Jeans. Bee hätte ihn am liebsten geschlagen. Sie biss die Zähne zusammen. „Es spielt keine Rolle, was du sagst oder was du willst. Ich werde mich nicht ummodeln lassen und damit basta!“

„Kein Makeover, keine Hochzeit“, schoss Sergios sofort zurück. „Es ist Teil des Jobs, und ich werde in dieser Hinsicht keine Zugeständnisse machen.“

Bee warf ihm einen Blick voller Verachtung zu. Sie fuhr einmal abschließend mit der Hand durch die Luft. „Dann wird es keine Hochzeit geben, denn eins sage ich dir klipp und klar, Sergios …“

Er hob eine Braue und schaute sie spöttisch an. „Und das wäre?“

„Ich werde mir von dir nicht vorschreiben lassen, was ich zu tun und zu lassen oder wie ich mein Haar zu frisieren und welche Kleider ich zu tragen habe!“, fauchte sie wütend.

Ihre fantastischen Brüste hoben und senkten sich heftig. Ob er im Herzen ein Mann war, der auf ein verführerisches Dekolleté stand? Anders konnte sich Sergios seine merkwürdige Reaktion nicht erklären. Ihre Augen funkelten erstaunlich farbintensiv. In Rage sah sie besser aus als jemals zuvor, aber er würde ihr Aufbegehren trotzdem nicht tolerieren. „Die Wahl liegt bei dir, Beatriz“, äußerte er kühl. „Das war von Anfang an so. Im Moment bin ich mir ohnehin nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, dich zu heiraten, denn du verhältst dich völlig irrational.“

Sein Vorwurf brachte sie noch mehr auf die Palme. „Ich verhalte mich irrational?“, wiederholte sie fassungslos. „Erklär mir das.“

Doch Sergios schien nicht dazu gewillt. Mit versteinertem Gesichtsausdruck öffnete er die Tür. „Die Diskussion ist beendet.“

Bee rauschte wutschnaubend an ihm vorbei. Noch nie war sie so zornig gewesen, aber Sergios Demonides brachte sie dazu, nur noch rotzusehen. Soll der Mann doch in der Hölle schmoren, dachte sie aufgebracht. Was bildete er sich ein, sie derart zu kritisieren? Und wie konnte er es wagen, sie zu fragen, was geschehen war, dass sie jegliches Interesse an ihrem Äußeren verloren hatte? Wieso hatte der verdammte Kerl überhaupt eine so gute Intuition?

Denn Bee war etwas Traumatisches passiert, als sie sehr in einen Mann verliebt gewesen war, der sie am Ende schnöde sitzen gelassen hatte. Ja, dieser Mann hatte sie durch eine kleine, blonde Maus ersetzt, deren oberflächliche Persönlichkeit alles infrage gestellt hatte, was Bee dummerweise für eine gute, solide Beziehung gehalten hatte. Nach diesem verheerenden Weckruf wirkte das ganze Nägellackieren, Make-up-Auflegen, Frisieren und Stylen nur noch wie pure Zeitverschwendung.

Und warum sollte sie sich für Sergios Demonides auf den Kopf stellen? Er war genauso wie jeder andere Mann, der ihr je begegnet war. Zu Beginn mochte er ihr kurz geschmeichelt haben, dass sie so eine loyale Tochter und begabte Lehrerin sei, doch trotz dieser Qualitäten beurteilte er sie nur nach ihrem Äußeren und war bereit, sie wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, weil sie nicht seiner Vorstellung von weiblicher Schönheit entsprach. Aber das spielte für sie jetzt ja überhaupt keine Rolle mehr!

Aber für deine Mutter spielt es eine ganz entscheidende Rolle, meldete sich zaghaft die kleine Stimme in ihrem Kopf zu Wort. Wenn sie jetzt einen Rückzieher machte, würde Emilia Blake vermutlich ihr Zuhause verlieren, denn ihr erzürnter Vater würde Bee sicherlich dafür bestrafen wollen, dass er nicht den Deal bekommen hatte, den er wollte.

Und noch etwas würde geschehen. Paris, Milo und Eleni würden sich von einer weiteren Erwachsenen betrogen fühlen. Bee hatte die Kinder ermutigt, sich an sie zu binden, hatte verkündet, dass sie Sergios heiraten und bei ihnen bleiben würde. Paris hatte zwar wenig beeindruckt gewirkt, aber Bee vermutete, dass sie sich in seinen Augen erst bewähren musste, ehe er das Risiko einging, ihr sein Vertrauen zu schenken. Wollte sie ihn jetzt wirklich im Stich lassen?

Nur weil sie einen Schönheitssalon besuchen und eine Shopping-Tour machen sollte? War das nicht ein wenig übertrieben? Unglücklich gestand Bee sich ein, dass das eigentliche Problem in Sergios’ Scharfsinn lag. Als er sie gefragt hatte, was passiert war, dass sie sich gar nicht mehr für ihr Aussehen interessierte, hatte er einen wunden Punkt berührt und ihren Stolz verletzt. Deshalb war sie auch so ausgeflippt.

Dabei hatte Bee ihr Spiegelbild selbst nicht gefallen. Ihr Haar brauchte dringend einen vernünftigen Schnitt, und ihre Garderobe musste genauso dringend aufgepeppt werden. Zudem konnte sie nicht verlangen, dass ein Mann von Sergios’ Kaliber sie in ihrem derzeitigen „natürlichen“ Zustand akzeptierte.

Bee brachte ihr Haar in Ordnung, ehe sie in wesentlich gemächlicherem Tempo die Treppe hinunterging, als sie diese zuvor heraufgerast war. Mit rebellischer Miene hob sie die Hand, um zu klopfen, doch dann überlegte sie es sich anders und marschierte unangekündigt in sein Büro.

Sergios saß an seinem Schreibtisch und arbeitete am Laptop. Als er den Kopf hob, schaute er sie wenig einladend an.

Bee kostete es beinahe körperliche Anstrengung, ihren verletzten Stolz zu überwinden und zu sagen: „Also gut, ich mache es … diese Makeover-Geschichte.“

„Was hat dich dazu bewogen, deine Meinung zu ändern?“, fragte er teilnahmslos. Seine Miene wurde kein bisschen weicher.

„Die Bedürfnisse meiner Mutter … und die der Kinder“, gab sie wahrheitsgemäß zu. „Ich kann mich nicht einfach so meiner Verantwortung entziehen.“

Um seinen Mund zuckte es zynisch. „Das tun die Menschen ständig.“

Bee streckte sich ein wenig. „Aber ich nicht.“

Sergios stieß sich vom Schreibtisch ab und stand in einer fließenden, geschmeidigen Bewegung auf, die für einen Mann von seiner Größe und muskulösen Statur erstaunlich war. „Kämpf nicht gegen mich an“, sagte er heiser. „Das mag ich nicht.“

„Aber du weißt nicht immer, was das Beste ist.“

„Es gibt subtilere Herangehensweisen.“ Er bot ihr einen Drink an, den sie akzeptierte. Verlegen verharrte sie an seinem Schreibtisch und umklammerte ein Glas Wein, das sie eigentlich gar nicht wollte.

„Subtil ist nicht mein Ding“, gestand Bee.

Mit einem Mal wirkte er furchtbar distanziert. „Du wirst es lernen. Es wird nicht leicht, mit mir zu leben.“

Als sie das Glas an die Lippen führte und den teuren Wein kostete, dachte Bee zum ersten Mal an Melita. Ob er sich bei seiner Geliebten anders verhielt? War sie blond oder brünett? Wie lange gab es sie schon? Wo lebte sie? Wie oft traf er sich mit ihr?

„Wir werden auf unsere Hochzeit anstoßen“, murmelte Sergios gedehnt.

„Und auf einen verständnisvolleren Umgang?“, fügte Bee hinzu.

Er blickte sie finster an. „Wir müssen uns nicht verstehen. Wir müssen auch nicht sonderlich viel Zeit miteinander verbringen. Nach einer Weile müssen wir nicht mal mehr unter ein und demselben Dach leben …“

Seine Worte ließen sie bis ins Mark frösteln. Bee trank ihren Wein aus und stellte das Glas auf dem Schreibtisch ab. „Dann gute Nacht“, sagte sie prosaisch.

Als sie die Treppe hinaufstieg, fragte sie sich, warum sie sich einsamer fühlte als je zuvor. Sie hatte doch sicher nicht erwartet, dass Sergios ihr seine Gesellschaft und Unterstützung anbieten würde? Die Parameter ihrer Beziehung schienen für ihn in Stein gemeißelt zu sein: Er liebte sie nicht, er begehrte sie nicht und brauchte sie lediglich als Mutter für die Kinder. Die Rolle seiner Ehefrau schien tatsächlich mehr ein Job zu sein als alles andere …

4. KAPITEL

Bee trat aus der großzügigen Umkleidekabine auf das Podest, um ihr Brautkleid vor den riesigen Spiegeln der exklusiven Boutique bestmöglich betrachten zu können.

Sie gab es zwar nur ungern zu, aber Sergios hatte eine erstaunlich gute Wahl getroffen. Es war ein kurzer, hitziger Disput zwischen ihnen entstanden, als er sie mit der Neuigkeit überraschte, dass er bereits ein Kleid für sie ausgewählt hatte.

„Was in aller Welt fällt dir nur ein?“, sagte Bee am Telefon. „Eine Frau freut sich darauf, ihr Brautkleid selbst auszusuchen.“

„Ich war bei einer Modenschau in Mailand. Als das Model in dem Brautkleid über den Laufsteg lief, wusste ich sofort, dass es dein Kleid ist“, versetzte Sergios mit seiner üblichen unerschütterlichen Ruhe und Selbstsicherheit.

Am liebsten hätte sie ihn gefragt, wen er zu der Modenschau begleitet hatte, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass er allein dorthin ging, aber sie hatte die neugierige Frage runtergeschluckt. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, dachte sie.

Jetzt posierte sie also in dem Brautkleid, das Sergios für sie ausgesucht hatte, und stellte fest, dass der Schnitt ihr üppiges Dekolleté prachtvoll zur Geltung brachte, während er gleichzeitig ihre schmale Taille betonte. Offensichtlich kannte Sergios sich aus, wenn es um Frauen ging. Bee leugnete gar nicht, dass ihre Erscheinung eine grundlegende Veränderung durchgemacht hatte. Ihr kastanienbraunes Haar war in schicke Stufen geschnitten worden, die ihr nur noch bis zur Schulter fielen – so wirkte die Frisur nicht mehr so schwer. Das Make-up betonte ihre Wangenknochen und ihre Augen. Darüber hinaus war sie von Kopf bis Fuß gewachst und eingecremt worden. Sie sah so perfekt aus, wie es eine normalsterbliche Frau nur tun konnte. Die Ironie an der Geschichte war, dass sie sich von dem Schönheitsprogramm weder missbraucht noch herabgesetzt fühlte. Im Gegenteil. Sie genoss das Wissen, nie zuvor so gut ausgesehen zu haben.

In sechsunddreißig Stunden fand ihre Hochzeit statt. Bee holte tief Luft und versuchte, ihre Nerven zu beruhigen. Als sie die Boutique verließ, um zu ihrem Termin in der Anwaltskanzlei zu fahren, trug sie ein elegantes, grau gestreiftes Kleid mit passendem Blazer. Ein Bodyguard befand sich an ihrer Seite, und innerhalb weniger Minuten fuhr eine schwarze Limousine vor. Allmählich gewöhnte sie sich daran, derart verwöhnt zu werden, wie sie zu ihrer Schande gestehen musste. Es dauerte nicht lang, und sie betrat die standesgemäßen Räumlichkeiten der angesehenen Anwaltskanzlei.

Bee saß noch im Empfangsraum, als sie ein bekanntes Gesicht entdeckte und beinahe zusammenzuckte. Es war ihr Exfreund Jon Townsend. Mehr als drei Jahre waren seit ihrer letzten Begegnung vergangen, und jetzt stand er kaum fünf Schritte von ihr entfernt. Er trug Anzug und Krawatte und war so attraktiv wie eh und je.

Jon drehte den Kopf und erkannte sie genau in dem Moment, als die Empfangsdame ihr sagte, sie könne nun in Mr Smyths Büro gehen. Jon stand die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben, als er mit einem Stirnrunzeln auf sie zukam. „Bee?“, fragte er ganz so, als könne er nicht fassen, dass sie tatsächlich vor ihm stand.

„Jon … tut mir leid, ich habe einen Termin“, entgegnete sie und erhob sich.

„Du siehst fantastisch aus“, sagte er mit Wärme.

„Danke.“ Ihr Lächeln wirkte ein wenig gezwungen, denn sie konnte die Verletzungen nicht vergessen, die er ihr zugefügt hatte. So konzentrierte sie sich darauf, ihre Würde zu bewahren. „Arbeitest du hier?“

„Ja, seit letztem Jahr. Wir sehen uns nach deinem Termin und dann plaudern wir ein wenig“, erwiderte er.

Ihr falsches Lächeln verblasste. Rasch eilte sie in Halston Smyths Büro und fühlte dabei eine merkwürdige Mischung aus Erleichterung und dunkler Vorahnung. Worüber in aller Welt wollte Jon mit ihr plaudern? Er war mittlerweile verheiratet – zumindest hatte sie das gehört –, vielleicht hatte er sogar Kinder, auch wenn er damals mit ihr keine gewollt hatte. Aber bis zu seiner Begegnung mit Jenna hatte er ja auch nicht heiraten wollen. Bees Nachfolgerin, eine kleine alberne Blondine, war die Tochter eines Richters am Obersten Gerichtshof. Eine äußerst lukrative Verbindung für einen angehenden Anwalt.

Mr Smyth erklärte ihr noch einmal die Vereinbarungen des Ehevertrags, die sie bereits in der vergangenen Woche durchgegangen waren, während ein jüngerer Mitarbeiter bereitstand, falls sie irgendwelche Wünsche äußern sollte. Bei ihrem ersten Besuch war Bee schon klar geworden, dass man sie als zukünftige Ehefrau eines Multimillionärs als VIP ansah und entsprechend zuvorkommend behandelte. Trotz aller Warnungen, sich reiflich zu überlegen, was sie da tat, unterzeichnete sie an der vorgesehenen Stelle und fragte sich dabei, wie schnell sie Physiotherapie-Stunden für ihre Mutter buchen konnte.

Mr Smyth begleitete sie bis zum Lift. In der allerletzten Sekunde, ehe sich die Türen schlossen, trat Jon zu ihr und ihrem Bodyguard.

„Um die Ecke gibt es eine nette Weinbar“, bemerkte er lässig.

Bee runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass wir viel zu bereden haben.“

„Nun, ich kann dich nicht dazu zwingen, mich zu begleiten, schließlich hast du einen Leibwächter im Schlepptau“, entgegnete er mit einem vertrauten Grinsen.

„Kennen Sie diesen Gentleman, Miss Blake?“, fragte ihr Bodyguard Tom, der Jon mit unverhohlenem Misstrauen musterte.

Bee begegnete Jons amüsiertem Blick und hätte beinahe gekichert. „Ja. Ja, das tue ich“, bestätigte sie und zu Jon gewandt: „Ich kann aber nicht lange bleiben.“

Sie war sich ziemlich sicher, dass Neugier hinter Jons Ansinnen stecken musste. Immerhin war sie zu ihrer Zeit als Paar vor drei Jahren eine einfache Lehramtsstudentin aus ziemlich gewöhnlichen Verhältnissen gewesen. Jetzt stand sie kurz davor, einen der reichsten Männer Europas zu heiraten, und vermutlich fragte sich Jon, wie es dazu gekommen war. Sie verkniff sich ein kleines Lächeln. Nur wenige Menschen würden die Wahrheit glauben.

In der Bar wählte ihr Bodyguard einen Platz in ihrer Nähe und begann, zu telefonieren. Jon bestellte die Drinks und übte sich in leichter Konversation. Bee erinnerte sich an die Zeit, als sein Lächeln ihren Herzschlag beschleunigt hatte. Rasch verdrängte sie die Erinnerung.

„Jenna und ich haben uns vor ein paar Monaten scheiden lassen“, erzählte Jon von sich aus.

„Das tut mir leid“, entgegnete Bee unbehaglich.

„Es war eine Vernarrtheit.“ Jon zog eine Grimasse. „Ich habe es schnell bereut, dich verlassen zu haben.“

„Mach dir deshalb keine Gedanken. Ich bin nicht nachtragend“, erwiderte Bee, die sich unter seinem eindringlichen Blick nicht ganz wohlfühlte.

„Das ist verdammt anständig von dir. Aber jetzt lass mich zum eigentlichen Grund meiner Einladung kommen. Natürlich darfst du mich gern einen berechnenden Was-auch-immer nennen!“, neckte er und zog gleichzeitig eine Broschüre aus seiner Jacketttasche, die er zu ihr rüberschob. „Ich wäre dir unheimlich dankbar, wenn du in Erwägung ziehen würdest, zur Schirmherrin dieser Wohltätigkeitsorganisation zu werden. Sie leistet wirklich tolle Arbeit und könnte die Unterstützung sehr gut gebrauchen.“

Bee war überrascht. Der Jon, an den sie sich erinnerte, war zu sehr damit beschäftigt gewesen, die Karriereleiter hochzuklettern, als dass er Zeit gehabt hätte, Geld für gute Zwecke zu sammeln. Es schien, als hätte die Zeit ihn reifen lassen, was sie durchaus beeindruckte. Er saß im Vorstand einer Stiftung, die sich um behinderte Kinder kümmerte – ähnlich der Organisation, für die sie sich als Studentin engagiert hatte. „Ich bezweifle, dass ich persönlich viel tun könnte, denn ich werde nach meiner Hochzeit in Griechenland leben.“

„Als Ehefrau von Sergios Demonides würde dein Name allein reichen, der Stiftung mehr Gewicht zu verleihen“, versicherte Jon voller Begeisterung. „Und falls du doch mehr tun möchtest, könntest du die eine oder andere offizielle Veranstaltung für uns besuchen.“

Bee war erleichtert, dass Jons Gesprächswunsch rein sachlicher Natur war. Sie trennten sich wenige Minuten später, doch ehe sie sich abwenden konnte, griff er rasch nach ihrer Hand.

„Es war mir ernst mit dem, was ich vorhin gesagt habe“, betonte er leise. „Ich habe einen riesigen Fehler gemacht. Du weißt gar nicht, wie oft ich schon bereut habe, dich verloren zu haben, Bee.“

Sie blickte ihn kühl an und beeilte sich, ihm ihre Hand zu entziehen. „Es ist ein bisschen spät, um mir das zu sagen, Jon.“

„Ich hoffe, dass du glücklich wirst mit Demonides“, erwiderte er, doch sein Gesichtsausdruck besagte, dass er Zweifel hatte.

Die Aussage ließ sie ein wenig frösteln, während sie zu Sergios’ Haus zurückfuhr, um mit den Kindern zu Abend zu essen. Sergios war über zwei Wochen lang aus geschäftlichen Gründen um die halbe Welt gereist, und sie hatten lediglich telefoniert. Nach dem Essen kontrollierte sie Paris’ Hausaufgaben, badete Milo und Eleni und steckte die Kinder schließlich ins Bett.

In vier Wochen hatte Eleni eine Operation, bei der ein Gummiring in ihre Ohren eingesetzt werden würde. Dies sollte ihre Hörprobleme beheben.

Nachdem sie mit Paris’ Lehrerin gesprochen hatte, wusste Bee inzwischen, dass der Junge sich schwer damit tat, Freunde zu finden. Sie versuchte ihm zu helfen, indem sie ein paar seiner Schulkameraden zum Spielen einlud. Paris begann ganz allmählich, Fuß zu fassen, und war auch nicht mehr so misstrauisch Bee gegenüber.

Kurz bevor sie ins Bett gehen wollte, rief Sergios aus Tokio an. „Wer war der Mann, der dich in die Weinbar begleitet hat?“, fragte er.

Bee versteifte sich sofort. „Tom ist also ein Spion?“

„Beatriz …“, stöhnte Sergios ungeduldig.

„Er war einfach nur ein alter Freund, den ich seit der Uni nicht mehr gesehen habe.“ Sie zögerte kurz, entschied dann aber, nicht mehr zu sagen, weil sie nicht das Gefühl hatte, ihm eine Erklärung zu schulden.

„Sobald es die Runde gemacht hat, dass du mich heiratest, wirst du schnell feststellen, dass etliche alte Freunde hervorgekrochen kommen“, bemerkte er zynisch.

„Ich finde das beleidigend. Dieser spezielle Freund hat mich darum gebeten, mich für eine Kinder-Wohltätigkeitsorganisation einzusetzen. Daran ist ja wohl nichts auszusetzen.“

„Hat er deshalb deine Hand gehalten?“

Bee keuchte. „Mein Gott, er hat nach meiner Hand gegriffen – eine Riesensache!“

„Ich erwarte, dass du dich in der Öffentlichkeit diskret verhältst.“

Ihr Zorn wuchs. „Du musst immer das letzte Wort haben, oder?“

„Und ich habe immer recht, latria mou“, versetzte er völlig unbeeindruckt von ihrem Vorwurf.

In dieser Nacht lag Bee in ihrem riesigen, luxuriösen Bett und dachte über die Begegnung mit Jon nach. Sie verbot sich, über ein Was-wäre-wenn zu grübeln. Wenn er sie damals wirklich geliebt hätte, dann hätte er sie niemals sitzen gelassen, nur weil sie eine Mutter hatte, die immer auf ihre Unterstützung angewiesen sein würde. Jons Zurückweisung hatte den Traum zerstört, den Bee am höchsten schätzte, den Traum von einer eigenen Familie.

„Das ist ein verdammt romantisches Kleid“, bemerkte Tawny und beäugte ihre Halbschwester neugierig, denn das maßgeschneiderte Seidenkleid mit dem fließenden Rock war ausgesprochen feminin und entsprach gar nicht Bees sonst eher konservativem Kleidungsstil. „Und eine äußerst wohlüberlegte Wahl von einem Mann, der eine rein praktische Zweckehe eingeht.“

Bee wurde rot. Sie wünschte, Zara wäre ihrer jüngeren Schwester gegenüber nicht so offen gewesen, denn Tawny hatte kein Verständnis dafür, dass Bee einen Mann heiraten wollte, den sie nicht liebte. Sie wünschte auch, Zara wäre einer potenziell unangenehmen Situation nicht dadurch aus dem Weg gegangen, dass sie vorgab, in ihrem schwangeren Zustand nicht mehr reisen zu wollen. „Sergios ist nicht romantisch, und ich bin es auch nicht.“

„Also schön, die Kids sind süß“, räumte Tawny ein, die den Kopf leicht schräg legte und Bee besorgt anschaute. „Und Sergios ist rein äußerlich Sex auf zwei Beinen, aber nur für eine abenteuerlustige Frau, und du bist so konventionell, wie man nur sein kann.“

„Unterschätz mich nicht“, entgegnete Bee und griff nach ihrem Brautstrauß.

„Wenn ich misstrauisch wäre, würde ich ja vermuten, dass du es nur für das Wohlergehen deiner Mutter tust“, fuhr Tawny fort und bewies damit ihren messerscharfen Verstand. „Du würdest alles für sie tun, und sie ist ja auch eine absolut liebenswerte Frau.“

„Ja, das ist sie, nicht wahr? Meine Mutter freut sich auch unheimlich für mich“, versetzte Bee mit einem eindringlichen Blick. „Bitte verdirb ihr das nicht, indem du ihr ein falsches Bild von meiner Ehe vermittelst …

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Julia Extra Band 364" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen