Logo weiterlesen.de
JULIA EXKLUSIV BAND 247

KATE WALKER

Die Braut des griechischen Millionärs

Der Preis ist hoch! Um ihre Eltern vor dem Ruin zu bewahren, stimmt die schöne Skye einer Ehe mit dem alten Cyril Antonakos zu. Nur ein einziges Mal noch will sie sich frei fühlen und verbringt einen Abend in einer Bar – er mündet in einer rauschhaften Nacht mit einem faszinierenden Fremden. Doch der Millionär Theo entpuppt sich als Cyrils Sohn …

HELEN BROOKS

Sinnliche Eroberung in Paris

Jacques Querruel hat nicht nur Erfolg im Geschäftsleben, sondern auch beim weiblichen Geschlecht. Bis er in Paris merkt, dass ihm das nicht mehr genügt. Schuld daran ist seine schüchterne Assistentin Holly, die ihn auf der Geschäftsreise begleitet. Wie soll er ihr nur begreiflich machen, dass er für sie mehr empfindet als für alle Frauen vor ihr?

LUCY GORDON

Vergiss ihn, Jenny!

Ein heftiger Streit mit ihrem Freund David, und schon steht Jenny ohne Begleiter für ein wichtiges Bankett da. Im letzten Moment springt der bekannte Unternehmer Steven Leary ein: ein faszinierender Mann, mit dem Jenny fortan Ball für Ball besucht. Doch als sie als neues Traumpaar in der Klatschpresse erscheinen, treibt David einen Keil zwischen die beiden …

IMAGE

Die Braut des griechischen Millionärs

1. KAPITEL

Die Nachricht, dass er eine neue Stiefmutter bekommen würde, beeindruckte Theo Antonakos nicht im Geringsten. Der zweifelhafte Ruf, den sein Vater sich in Bezug auf Frauengeschichten erworben hatte, beeinflusste sein Leben, seit er denken konnte. Wie viele Geliebte des alten Mannes nach dem Tod seiner Frau versucht hatten, Mutterstelle an ihm zu vertreten, konnte Theo nicht sagen. Keine war geblieben, obwohl Cyril drei von ihnen sogar geheiratet hatte.

Und nun sah es so aus, als stehe die fünfte Mrs Antonakos ins Haus. Theo machte sich keinerlei Illusionen darüber, dass sie wohl kaum länger als ihre Vorgängerinnen bleiben würde. Ihn störte nur die Tatsache, dass sie bereits vor ihrem Auftauchen indirekt für die gereizte Stimmung verantwortlich war, in der er sich heute Abend befand.

Er griff nach seinem Weinglas, stürzte den dunkelroten Bordeaux hinunter. Das klirrende Geräusch, mit dem er das Glas auf den Tisch zurückstellte, verriet seinen inneren Aufruhr. Normalerweise genoss er die pulsierende Vitalität Londons: die überfüllten Straßen, das Summen des Verkehrs, die Großstadtlichter, die Menschen aller Nationalitäten, die geschäftig ihren Aufgaben und Neigungen nachgingen.

Das alles erinnerte ihn an Athen und das betriebsame Stadtleben, das er dort führte. Er liebte es, im Spannungsfeld einer Geschäftswelt zu leben, die ihn jeden Tag aufs Neue herausforderte.

Doch wenn es ein so dunkler, feuchter und kalter Oktoberabend wie heute war, wünschte er sich, überall zu sein, nur nicht hier. Dann vermisste er die gleißende Sonne Griechenlands, die ihm den Rücken wärmte, das Rauschen der Wellen, wenn sie träge gegen die felsige Küste der Insel rollten, die seiner Familie gehörte. Ihm fehlten die weichen Klänge seiner Heimatsprache, seine Familie …

Kurz gesagt, er hatte Heimweh.

Bewusst geworden war ihm das heute Morgen, als der Brief ankam. Ein kurzer Blick auf die bunte Briefmarke hatte gereicht, seinen Kopf schwirren und sein Herz schneller schlagen zu lassen. Er brauchte nicht einmal den Absender zu lesen, um zu wissen, von wem das Schreiben kam.

Sein Vater hatte tatsächlich sein langes Schweigen gebrochen und wieder Kontakt zu ihm aufgenommen.

„Na, komm schon, Rotschopf! Setz dich auf einen Drink zu uns!“ Der etwas schnodderig hervorgebrachten Aufforderung folgte Gelächter, und als Theo zur anderen Seite der Bar schaute, sah er eine Gruppe Jugendlicher an einem Tisch sitzen, auf dessen polierter Platte viele Bierflaschen standen.

Doch das fesselte seine Aufmerksamkeit nicht, sondern die Frau, der die Ansprache gegolten hatte. Ihr Gesicht konnte er nicht sehen, weil sie mit dem Rücken zu ihm stand. Aber selbst von hinten wirkte sie einfach umwerfend. Ihre perfekte Figur mit den atemberaubenden Kurven strahlte eine unterschwellige Sinnlichkeit aus, die heißes Begehren in Theo aufflammen ließ. Ganz unverhofft, geradezu blitzartig und überwältigend.

Ihr rotgolden schimmerndes Haar fiel ihr weit über die Schultern. Das gedämpfte Licht zauberte kupferfarbene Reflexe auf die üppige Pracht. Sie war groß und schlank, hatte schmale Schultern, eine unglaublich schlanke Taille, sanft gerundete Hüften und einen wohlgeformten Po, der sich unter dem engen Rock ihres schwarzen Kleides aufregend abzeichnete.

Kleid? Theo hätte fast aufgelacht. Das, was die Kleine da trug, war kaum mehr als ein breiter Gürtel, der den größten Teil ihrer langen Beine in schwarzen Nylons zur Schau stellte. Und wie sie es fertigbrachte, sich auf diesen absurden High Heels zu halten, war Theo ein Rätsel.

„Ich bestell dir, was du willst, Schätzchen …“

Irgendetwas hatte die Fremde an sich, das Theo faszinierte.

Na, was wohl? machte er sich über sich selbst lustig. Er war schon viel zu lange ohne Frau. Seit Eva vor drei Monaten aus seinem Leben verschwunden war, hatte es für ihn keine weibliche Gesellschaft mehr gegeben.

An Angeboten oder Gelegenheiten hatte es ihm nie gefehlt. Ohne falsche Bescheidenheit konnte Theo von sich sagen, dass seine markante, dunkle Erscheinung schon immer einen ziemlichen Eindruck auf die Damenwelt gemacht hatte. Und sein immenser Reichtum, den er sowohl seinem familiären Hintergrund wie seinem Geschäftssinn verdankte, garantierte ihm, dass er keine Nacht allein verbringen musste, wenn er es nicht wollte.

Doch in letzter Zeit befriedigte ihn diese Gewissheit nicht mehr. Er fühlte sich zunehmend nervös und gereizt … suchte etwas anderes. Allerdings nicht bei Eva. Das war auch der Grund ihres Streites und ihrer Trennung gewesen. Eva träumte von goldenen Ringen und hörte schon die Hochzeitsglocken läuten. Als Theo ihre Illusion zerstörte, verließ sie ihn. Eva war kein Mädchen, das Zeit verschwendete, wenn es nichts mehr zu holen gab. Und wenn Theo ehrlich war, hatte er sie in der Zwischenzeit kein bisschen vermisst.

„Nein, vielen Dank.“

Was für eine Stimme! Dunkel und sinnlich und überraschend heiser für eine Frau. Theo schloss die Augen und stellte sie sich in der Intimität seines Schlafzimmers mit dem riesigen Doppelbett vor …

In der nächsten Sekunde machte er die Augen jedoch unvermittelt auf, weil sich die Stimme der Fremden schlagartig verändert hatte. Mit einem Mal war jeder erotische Gedanke verschwunden.

„Ich sagte Nein! Nein danke!

Theo war auf den Füßen, ehe er sich überhaupt Rechenschaft über sein Tun abgeben konnte. Diese Frau war in Not, und er musste ihr helfen. Mit wenigen Schritten durchmaß er den dämmrigen Raum. Keiner der anderen Anwesenden hatte ihm bisher Beachtung geschenkt oder auch nur seine Anwesenheit registriert.

Skye Marston wusste, dass sie in Schwierigkeiten war. Sie hatte es bereits in der Sekunde geahnt, als sie sich dummerweise auf ein Gespräch mit diesen Typen einließ. Sie hätte deren Gruß mit einem freundlichen Nicken erwidern und einfach weitergehen müssen.

Aber Skye sehnte sich an diesem Abend so sehr nach Gesellschaft, dass sie gar nicht weiter nachgedacht hatte. Eigentlich war sie zufällig in der Bar gelandet. Von draußen, wo es regnete und ein schneidender Wind um die Häuserecken pfiff, hatte der Raum durchs Fenster so anheimelnd und gemütlich ausgesehen.

War es wirklich erst einen Monat her, dass ihr Vater zusammengebrochen war und ihr gestanden hatte, dass sie sich in einer fast aussichtslosen finanziellen Lage befanden? Fatalerweise hatte er versucht, das Ruder herumzureißen, indem er sich von seinem Boss Geld geliehen hatte. Von dem griechischen Millionär Cyril Antonakos, dem Eigner der Hotelkette, die Andrew Marston managte.

Und jetzt war die ganze Sache aufgeflogen, und Andrew drohte eine empfindliche Haftstrafe für die begangene Unterschlagung.

„Ich kann nicht ins Gefängnis gehen, Skye!“, hatte er weinend gesagt. „Nicht jetzt, wo deine Mutter so krank ist! Es würde sie umbringen. Ohne mich kommt sie niemals zurecht. Du musst mir helfen!“

„Ich will alles tun, um dich zu unterstützen, Dad“, versicherte sie ihm spontan.

Die Herzerkrankung ihrer Mutter war bereits seit vielen Jahren besorgniserregend, doch in der letzten Zeit hatte sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert. Und jetzt sah es so aus, als könnte sie nur noch durch eine Herztransplantation gerettet werden, wenn die letztmögliche, anstehende Operation auch keinen Erfolg brachte.

„Alles, Dad“, wiederholte Skye bewegt. „Obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich dir helfen kann.“

Doch ihr Vater wusste es. Cyril Antonakos hatte ihm bereits einen Vorschlag zur Lösung des Problems unterbreitet. Und Skye lauschte den Erklärungen ihres Vaters mit wachsendem Entsetzen.

Cyril wollte einen Erben. Und dafür brauchte er eine Frau. Da seine letzte Ehe mit einem erbitterten Scheidungskrieg zu Ende gegangen war, setzte er jetzt seine Hoffnungen auf Skye als potenzielle Mutter seiner Kinder. Wenn sie Cyril Antonakos heiratete und ihm einen Erben schenkte, würde er Andrew Marston die Schulden erlassen.

Skye schauderte unwillkürlich. Um ihren Dad vor dem Gefängnis zu retten, sollte sie einen Mann heiraten, der noch älter als ihr Vater war. Und morgen musste sie ihm ihre Antwort geben …

Deshalb war sie hier – um ihren letzten Abend in Freiheit inmitten der Lichter und fröhlichen Menschen in London auszukosten. Und Skye hatte sehnlichst gehofft, auf ihre Kosten zu kommen. Deshalb hatte sie die schweren Glastüren zur Bar aufgestoßen, sich durch die anderen Gäste einen Weg gebahnt und in dem schummrigen Raum suchend umgesehen.

Niemand schien hier allein zu sein. Und selbst wenn, dann könnte er sich nicht so verlassen fühlen wie ich mich in diesem Moment, dachte Skye entmutigt und wollte sich wieder zur Tür wenden, als sie plötzlich doch noch jemanden entdeckte, der im Hintergrund der Bar allein an einem Tisch saß.

Sollte sie … konnte sie es wagen, einfach zu dem Mann zu gehen und ihn anzusprechen? Immerhin war das von Anfang an ihr Plan gewesen. Jemanden zu finden, der sie von ihren trüben Gedanken ablenken würde und dem sie vielleicht sogar ihr Herz ausschütten konnte. Und den sie danach nie wiedersehen würde.

Aber der Fremde sah nicht so aus, als wäre er dafür der richtige Kandidat. Er ist einfach zu groß, zu dunkel, zu attraktiv … zu gefährlich, entschied Skye. Er saß zwar anscheinend entspannt auf dem niedrigen Bistrostuhl, die langen Beine lässig unter dem kleinen runden Tisch ausgestreckt, strahlte aber etwas Kraftvolles aus. Unwillkürlich legte sich Skye eine Hand aufs Herz, das ihr plötzlich bis zum Hals schlug.

Den dunklen Kopf hielt er gesenkt und blickte starr in ein halb volles Glas Rotwein. Während Skye immer noch unsicher auf einer Stelle stand und sich auf die Lippe biss, wurde sie von der Seite angesprochen.

„Hallo, Schätzchen. Suchst du jemanden?“

Wäre sie nicht so fasziniert und abgelenkt von dem schwarzhaarigen Fremden gewesen, hätte Skye sicher nur mit einem knappen Kopfnicken reagiert und irgendetwas gemurmelt wie: Habe ihn gerade entdeckt, danke.

Stattdessen sah sie die jugendlichen Draufgänger nur irritiert an, was die beiden falsch interpretierten und sich augenblicklich gute Chancen bei ihr ausrechneten. Mit ihren zweiundzwanzig Jahren und dem aufregenden Outfit war Skye durchaus das passende Freiwild, nach dem diese Schürzenjäger Ausschau hielten.

Nur das war es ganz und gar nicht, wonach ihr der Sinn stand. So versuchte Skye etwas verspätet, die Einladung auf einen Drink freundlich, aber bestimmt abzulehnen. Doch als sie weitergehen wollte, griff einer der jungen Männer nach ihrem Arm und hielt sie fest.

„Was ist?“, fragte er mit einem aggressiven Unterton. „Sind wir dir etwa nicht fein genug?“

„Ich … nein, das ist es nicht. Ich warte auf jemanden.“

„Auf wen denn?“

„Auf meinen … Freund. Wir wollten uns hier treffen.“

Der blonde Typ, der sie zuerst angesprochen hatte, schaute sich mit einem spöttischen Grinsen um. „Komisch, ich kann ihn nicht sehen“, meinte er im selben Moment.

„Dann darfst du dich wohl endlich entspannen, Rotschopf“, fügte der andere lässig hinzu und zog Skye dichter an sich heran. „Offensichtlich hat er dich versetzt.“

„Er … er hat sich nur etwas verspätet.“

Ihr Peiniger zog Skye mit einem schmerzhaften Ruck zu sich herunter. „Weißt du was, Rotschopf? Ich glaube, er kommt überhaupt nicht. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass du uns anschwindelst und dein Liebhaber gar nicht existiert.“

„Oh doch, das tut er.“

Beim Klang der tiefen männlichen Stimme hinter ihr zuckte Skye ebenso heftig zusammen wie die beiden verhinderten Don Juans. Es war wie ein Wunder, wie eine wahr gewordene Illusion. Ein Traumliebhaber taucht aus dem Nichts auf der Bildfläche auf, um die Jungfrau in Nöten zu retten … Und dann noch aus einer Situation, die sie selbst verschuldet hatte.

Aber es war keine Illusion. Das konnte sie an den geschockten Gesichtern ihrer Peiniger sehen. Und in der nächsten Sekunde war sie auch schon frei.

„Oh!“, platzte Skye heraus, als sie plötzlich spürte, wie zwei starke Arme ihre Taille umschlossen und sie an eine breite Männerbrust gezogen wurde. Und unversehens fühlte sie sich geborgen und beschützt.

„Tut mir leid, dass ich so spät dran bin, Liebling“, raunte ihr eine heisere Stimme ins Ohr. „Du weißt ja, wie sich diese Meetings in die Länge ziehen können. Aber jetzt bin ich da.“

„Hm.“

Mehr brachte Skye beim besten Willen nicht hervor, und es war ihr auch egal, dass es sich eher wie ein sehnsüchtiger Seufzer als nach einer Bestätigung anhörte. Sie bebte am ganzen Körper, so sehr reagierte sie auf die unerwartete Nähe des Fremden, dessen Gesicht sie noch nicht gesehen hatte.

Er hatte kräftige Hände, die keine Ringe trugen. An seinem Handgelenk bemerkte sie nur eine schlichte, flache Platinuhr, die unter der makellos weißen Manschette und dem Ärmel eines stahlgrauen Jacketts, das zweifellos aus kostbarem Kaschmir war, hervorsah.

„Vergibst du mir?“

„Oh ja, natürlich!“

Was sollte sie auch sagen? Skye hätte in dieser Sekunde allem zugestimmt, was der Fremde vorgeschlagen hätte. Sie konnte nicht mehr klar denken und versuchte verzweifelt, ihre Fassung wiederzugewinnen.

Dann spürte sie den Druck von warmen Lippen im Nacken. Instinktiv schloss sie die Augen, lehnte sich zurück, fand Halt an einer einladend breiten Schulter und seufzte verhalten auf.

„He, Darling …“ Die Stimme des Fremden klang jetzt ganz weich und verriet unterdrückte Erheiterung. „Nicht hier. Warte, bis wir zu Hause sind.“

Zu Hause!

Die beiden Wörter brachten sie schlagartig in die Realität zurück. Sie würde nirgendwo mit diesem verführerischen Unbekannten hingehen! Skye machte sich ganz steif und wollte schon protestieren, doch ihr Beschützer kam ihr zuvor.

„Zeit zu gehen, Liebling. Sag deinen Freunden Auf Wiedersehen.“

Wie er das Wort Freunde betonte, ließ sie hellwach werden. Der Fremde hatte recht. Sie hatte sich in Gefahr begeben, und er war ihr zu Hilfe gekommen. Wenn sie nicht doch noch Ärger provozieren wollte, durfte sie sich jetzt auf keinen Fall anders verhalten.

„Macht’s gut, Jungs!“, sagte sie deshalb betont forsch. „Und noch mal besten Dank für eure Gesellschaft.“

Und dann wollte Skye endlich sehen, wer ihr da so geistesgegenwärtig und spontan zu Hilfe gekommen war. Doch ehe sie sich ganz umwenden konnte, nahm der Fremde mit warmem Druck ihre Hand.

„Komm, lass uns von hier verschwinden“, raunte er ihr zu und zog Skye zum Ausgang. Und ihr blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Wie betäubt blickte sie auf seinen breiten Rücken und überlegte krampfhaft, was sie sagen könnte, um der ganzen Sache ein Ende zu machen.

Bis hierher und nicht weiter!

Das hörte sich selbstbewusst an und war nicht misszuverstehen. Doch vorher musste sie ihn erst dazu bringen, stehen zu bleiben und sich zu ihr umzudrehen.

„Warten Sie einen Moment …“, begann sie halbherzig, aber er schien es nicht zu hören. Unbeirrt bahnte er sich mit Skye im Schlepptau einen Weg durch den überfüllten Raum bis zur Tür und die wenigen Stufen zur Straße hinunter.

„So, das reicht!“, protestierte Skye energischer. „Das ist weit genug!“

Ihr Retter blieb auf der Stelle stehen, wandte sich zu ihr um, und im hellen Schein der Straßenlaterne erkannte sie ihn sofort. Diese männlich arroganten Züge. Der durchdringende Blick der nachtschwarzen Augen. Die hohen Wangenknochen, die markante, leicht gebogene Nase und das dunkle dichte Haar … schwärzer als die Schatten der Nacht.

„Sie!“, platzte sie schockiert heraus, als sie den Mann erkannte, der ihr schon zuvor in der Bar aufgefallen war und den sie in Gedanken instinktiv mit dem Etikett Achtung, Gefahr! Bitte nicht berühren! versehen hatte. Und jetzt wusste sie auch, warum … Aus der Nähe wirkte er noch viel gefährlicher … umwerfender und unwiderstehlicher auf sie. Geradezu beängstigend verführerisch. So einem Mann war Skye noch nie begegnet. Weder in der Schule noch zu Hause, noch im Büro. Und auch nicht bei den wenigen harmlosen Dates, die es in ihrem Leben gegeben hatte.

Wofür der dunkelhaarige Fremde stand, lag außerhalb ihres Erfahrungsschatzes und ganz sicher außerhalb ihrer Kontrolle. Trotzdem reagierte sie mit ihrem ganzen Körper auf diesen beunruhigenden Mann. Bisher war es ihr nie schwergefallen, ihre Gefühle zu kontrollieren, doch in diesem Fall war sie sich ihrer selbst nicht sicher.

Skye erschauerte unwillkürlich, weil sie ahnte, dass es für einen Rückzug bereits zu spät war.

2. KAPITEL

„Ich?“, fragte Theo überrascht und war sich im gleichen Augenblick bewusst, dass er sie nie hätte berühren dürfen, denn ihr bezauberndes Gesicht und ihre weit geöffneten Augen, aus denen sie ihn unverwandt ansah, entfachten sein sehnsüchtiges, kaum zu bezwingendes Begehren aufs Neue.

Er hätte sie eben nicht anfassen dürfen! Das war ein folgenschwerer Fehler gewesen. Noch nachhaltiger erschütterte ihn aber ihre spontane Reaktion auf seine Berührungen. Die Art, wie sie ihren Kopf an seine Schulter gelehnt hatte, der kaum vernehmbare Seufzer …

Sie musste es doch auch gefühlt haben! Das konnte er sich nicht nur eingebildet haben! Und jetzt benahm sie sich, als wäre er ein gefährlicher Dämon und nicht ein durchaus attraktiver Mann, der ihr aus reiner Gefälligkeit zu Hilfe gekommen war.

„Haben Sie denn jemand anderen erwartet?“, fragte er steif.

„Nein …, eigentlich nicht …“, erwiderte Skye stockend. „Es …, es ist nur …, ich hätte nicht gedacht, dass … dass ausgerechnet Sie mir zu Hilfe kommen würden. Ich habe mich auch noch gar nicht dafür bedankt und …“

„Schon gut“, tat er ihren Dank mit einer ungeduldigen Geste ab. Theo war sich sehr wohl bewusst, dass in erster Linie seine frustrierte Libido für seine plötzliche schlechte Laune verantwortlich war. Und dieses Gefühl verstärkte sich noch, als er jetzt ihr blasses Gesicht im Schein der Straßenlaterne genauer betrachtete.

Es war oval und einfach umwerfend. Sie hatte große graue, sprechende Augen, die von dichten dunklen Wimpern umrahmt waren, und weiche, volle Lippen, die zum Küssen geschaffen schienen. Und Theos Vision, was sie mit diesen verführerischen Lippen auf seiner brennenden Haut anrichten könnte, ließ ihn insgeheim erbeben.

„Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt“, sagte sie mit heiserer Stimme und hielt ihm eine schmale Hand entgegen. „Ich bin … Skye.“

Dass sie kurz zögerte und keinen Familiennamen hinzufügte, verriet Theo, wie wenig sie ihm traute, doch damit hatte er kein Problem.

„Anton“, antwortete er brüsk und schüttelte ihre Hand nur sehr flüchtig. Mehr hielt er für zu gefährlich, besonders, da Skye entschlossen schien, ihn so schnell wie möglich loszuwerden.

„Anton …“

Der Ton, in dem Skye den Namen wiederholte, ließ Theo vermuten, dass sie ihn verdächtigte, ihr nicht seinen richtigen Namen verraten zu haben. Na und? dachte er noch gereizter als zuvor. Der Name Antonakos und noch viel mehr der damit verbundene sagenhafte Reichtum war auch in England so publik, dass es reichte, zu dieser Familie zu gehören, um überall offene Türen zu finden. Auch bei Frauen – oder gerade da.

Theo war sich nicht sicher, zu welcher Kategorie diese fremde Schönheit zählte. Offensichtlich wollte auch sie inkognito bleiben, was ihm durchaus entgegenkam, da er nicht vorhatte, ihr seinen Familiennamen zu verraten. Seltsamerweise schien sie sich aber auch gar nicht dafür zu interessieren.

Jetzt wandte sie gerade den Kopf und schaute sich auf der Straße um.

„Waren Sie vielleicht doch mit jemandem verabredet?“, wollte Theo wissen und war selbst erstaunt, wie misstrauisch seine Stimme klang. Verflixt, diese Frau ging ihm wirklich unter die Haut. Der Gedanke, dass sie tatsächlich auf einen anderen Mann warten könnte, behagte ihm plötzlich gar nicht. Bisher hatte er den Freund, den sie in der Bar erwähnt hatte, für eine fiktive Figur gehalten. Für eine Ausrede.

„Etwa mit Ihrem Freund …?“

„Nein, nein“, wehrte sie hastig ab. „Der existiert gar nicht. Ich habe ihn nur erfunden, um mich aus der Affäre zu ziehen, was leider nicht viel gebracht hat …“ Sie verstummte und biss sich auf die Lippe. Dann blickte sie sich erneut um. „Ich warte darauf, dass ein Taxi vorbeikommt.“

„Ich kann Sie fahren, wohin Sie wollen.“

„Ein Taxi ist mir lieber.“ Der kühle Unterton in ihrer Stimme signalisierte, dass sie mehr Distanz zwischen ihnen schaffen wollte. Als unverhofft eine schwarze Limousine auftauchte, hob Skye die Hand, aber es war zu spät. Das Taxi fuhr einfach weiter – leider durch eine tiefe Pfütze, sodass Skye über und über mit eisigem Schmutzwasser bespritzt wurde.

„Wie gesagt, ich kann Sie fahren, wohin Sie wollen.“

Die stoische Ruhe, mit der Theo die gleichen Worte wiederholte, ließ Skye vermuten, dass sie ihn verstimmt hatte. Als sie seinen Blick suchte, sah sie einen Muskel in seiner Wange zucken, und ihr wurde ganz unwohl zumute. Sie hatte ihn offenbar beleidigt, indem sie auf sein Angebot nicht eingegangen war.

„Ich … Ich wollte nur vernünftig sein.“

„Ist es dafür nicht ein bisschen zu spät?“, fragte er prompt.

„Wie meinen Sie das?“

„Nun, wenn ich an die Situation denke, in die Sie sich da drinnen gebracht haben …“ Er wies mit dem Kopf zur verräucherten Bar. „Das würde ich nicht gerade als vernünftig bezeichnen.“

„Das habe ich doch nicht extra gemacht!“, empörte sich Skye. „Das ist einfach so passiert.“

„Und ich habe Ihnen nur angeboten, Sie nach Hause zu fahren.“

„Aber ich …“

„Ich bin dazu erzogen worden, eine Frau nie sich selbst zu überlassen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie meine Hilfe benötigt“, schnitt er ihr scharf das Wort ab.

„Dann rufen Sie mir doch ein Taxi!“, gab Skye störrisch zurück und betete insgeheim, er würde aufhören, noch länger mit ihr zu diskutieren.

„Nein“, lehnte er unerbittlich ab. „Sie brauchen kein Taxi. Ich werde Sie fahren, wohin immer Sie wollen …“

Skye erschauerte unwillkürlich, während sie sich das Szenario ausmalte. Sie wagte nicht einmal daran zu denken, was ihr Vater sagen würde, wenn sie in einem fremden Wagen nach Hause kam – und dann auch noch an der Seite eines völlig fremden Mannes! Noch weniger mochte sie sich die Reaktion ihres zukünftigen Verlobten vorstellen, sollte er davon erfahren.

Oh, warum hatte sie sich nur der Illusion hingegeben, noch einmal ihre Freiheit genießen zu können, ehe sie sich für den Rest ihres Lebens in einen goldenen Käfig sperren ließ?

Das hatte ja danebengehen müssen! Und mit jeder Minute, die sie sich noch weiter treiben ließe, würde sie tiefer im Sumpf der Großstadt und ihrer Gefühle versinken. Höchste Zeit, dem Ganzen ein Ende zu setzen!

„Dann werde ich mir eben selbst ein Taxi rufen“, erklärte Skye energisch und wandte sich zum Gehen. Wirklich eindrucksvoll deine Vorstellung, verspottete sie sich selbst. Komisch nur, dass ich das Gefühl habe, vor mir selbst davonzulaufen …

Doch so weit sollte es gar nicht kommen. Skye stand dichter am Straßenrand, als es ihr bewusst war, und so blieb sie bereits beim nächsten Schritt mit dem Absatz in einem Gitter eines Siels hängen, verlor das Gleichgewicht und wäre mitten in die eisige Pfütze direkt auf der Fahrbahn gefallen, wenn Theo nicht geistesgegenwärtig eingegriffen hätte.

„Skye, pass auf!“, rief er erschrocken aus, dann war er auch schon bei ihr. Geschickt fing er sie auf und zog sie fest an sich. Seine muskulösen Arme umschlossen sie ganz fest, und abermals empfand Skye dieses wundervolle Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Von Sicherheit? Oder befand sie sich etwa mitten im Auge eines Orkans?

Auf jeden Fall das Letztere, entschied Skye mit klopfendem Herzen. Der Schreck und die beunruhigende Nähe dieses kraftvollen Mannes verwirrten sie gänzlich. Sie konnte keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen. Also lehnte sie sich einfach nur an ihn und lauschte seinem kräftigen Herzschlag …

Und alles begann wieder von vorn.

Wie wenige Minuten zuvor in der Bar fühlte Skye ihr Blut immer schneller durch die Adern pulsieren. Der herbe Duft des Fremden hüllte sie ein wie eine Decke und ließ jede Widerstandskraft in ihr erlahmen. Es fühlte sich alles so richtig an. Als gehörte sie hierher. Als wäre es schon immer so gewesen.

Instinktiv kuschelte sie sich an die breite Brust des Mannes – wie ein kleines wildes Tier, das sich vor der kalten, harten Welt verkriecht. Als Skye ihm auch noch die Arme um die Hüften legte, fühlte sie, wie sich sein Griff verstärkte und er den dunklen Kopf zu ihr herabneigte, sodass seine etwas kratzige Wange ihre zarte Haut berührte. Dann spürte sie seine Lippen auf ihrem Nacken und hielt unwillkürlich die Luft an.

„Skye …“, flüsterte er mit rauer Stimme. „Geh nicht. Bleib bei mir …“

„Wie bitte?“

Hatte er das wirklich gesagt, oder hatte sie Halluzinationen? Skye konnte es nicht glauben. Hatte er wirklich gerade ausgesprochen, was ihr die ganze Zeit im Kopf herumging und was sie sich sehnlichst wünschte?

Nein, sie musste sich verhört haben. Männer wie er sprachen Mädchen wie sie nicht einfach auf der Straße an und baten sie, bei ihnen zu bleiben. Nicht nach einer so flüchtigen Bekanntschaft.

Vorsichtig versuchte Skye, den Kopf zu drehen, um Anton ins Gesicht sehen zu können, doch in der Sekunde neigte er den Kopf noch tiefer und presste seine Lippen leidenschaftlich und fordernd auf ihren Mund.

Skye war von Kopf bis Fuß wie elektrisiert. Das darf einfach nicht sein! schoss es ihr durch den Kopf, ehe die Welt um sie versank. Und dann gab sie sich ganz ihren Gefühlen hin.

Der Kuss erschütterte sie zutiefst. Die Straße, die Laternen, die Zeit – nichts nahm sie mehr wahr, während sie sich auf die Zehenspitzen stellte und Antons Kuss mit einer Intensität erwiderte, die sie sich selbst nie zugetraut hätte. Ohne Scheu, ohne Skrupel …

Dann hörte sie ihn aufstöhnen, als er seine Hände in ihre rotgoldenen Locken schob und ihren Kopf nach hinten drückte, um seinen Kuss noch vertiefen zu können. Der Regen nahm zu, wurde immer stärker, doch keiner von ihnen schien es zu bemerken.

Dann erklang in einiger Entfernung plötzlich ein schriller Pfiff, und zögernd löste sich das versunkene Paar voneinander. Skyes Atem ging stoßweise. Stumm und fast verwundert schaute sie Anton in die Augen.

„Ich …“, begann Skye und verstummte sofort wieder, weil ihr die Worte fehlten, um das auszudrücken, was sie momentan empfand. Ihr Kopf fühlte sich an wie Watte. Das also ist es, dachte sie verwundert, worüber Gedichte und Romane geschrieben und Filme gedreht wurden.

Leidenschaft, Begehren, Verlangen, Ekstase.

Endlich konnte sie mit diesen Begriffen etwas anfangen.

Endlich!

Das kurze Wort hallte in ihrem Kopf wieder, und plötzlich brannten heiße Tränen unter ihren Lidern. Es war zu spät. Das Schicksal spielte ihr einen üblen Streich. Es zeigte ihr, wonach sie sich stets gesehnt hatte, nur um es ihr in der nächsten Sekunde für immer zu nehmen.

Aber du hast noch diese eine Nacht, meldete sich leise eine innere Stimme. Skye erschauerte unwillkürlich bei der Vorstellung, der Verlockung einfach nachzugeben. Endlich war ihr Traum in Reichweite. Würde sie es nicht ihr Leben lang bereuen, wenn sie diese Chance nicht wahrnahm?

„Skye?“ Antons warme, dunkle Stimme riss sie aus ihrer Versunkenheit.

Jetzt spürte sie auch den kalten Regen auf der Haut und überlegte, wie lange sie schon so dicht beieinanderstanden. Durch den Schleier ihrer Tränen schaute Skye ihm forschend in die nachtschwarzen Augen und entdeckte dort das sehnsüchtige Begehren, das auch sie empfand und das schon sein Kuss verraten hatte. Diese Erkenntnis nahm ihr fast den Atem.

„Ich will dich weder erschrecken noch verletzen“, sagte er leise und zog sie ganz sanft wieder an sich. „Du kannst dich bei mir sicher fühlen. Ich schwöre dir …“

Skye barg ihren Kopf an seiner Schulter, damit ihr begehrlicher Blick sie nicht verriet. Zu spät! hämmerte es in ihrem Kopf. Warum bist du nicht früher aufgetaucht?

Du hast noch diese eine Nacht! meldete sich erneut die hartnäckige innere Stimme. Er kennt nicht einmal deinen vollen Namen!

Es würde sein wie in dem Märchen von Cinderella. Eine Nacht mit dem Prinzen und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden … Wenn sie doch nur den Mut aufbringen könnte, ihm zu antworten!

„Skye?“ Seine Stimme klang rau und ein wenig ungeduldig. „Bekomme ich irgendwann noch eine Antwort von dir?“

Sie versuchte es, aber ihre Stimme wollte ihr nicht gehorchen. Dann senkte sie den Kopf und spürte in der nächsten Sekunde, dass er ihr Kinn umfasste und sie zwang, ihm in die Augen zu sehen. Diesmal hatte sein Blick nichts von der feurigen Leidenschaft und dem glühenden Begehren wie noch Minuten zuvor. Er wirkte fast zärtlich und berührte ihr Herz. Skye begann zu beben.

Ihr Prinz umfasste ganz leicht ihre Arme, um sie zu stützen, und lachte leise. „Also, meine Schöne, wie geht es jetzt weiter?“ Seine Stimme klang verführerisch und samtweich. „Gehst du, oder bleibst du?“

Meine Schöne …, dachte Skye verträumt. Niemand, nicht einmal ihre Mutter, hatte sie je als schön bezeichnet oder ihr die Wärme und Zuneigung gegeben, die sein Kuss ihr vermittelt hatte. Wie sollte sie sich entscheiden?

Ich will diese letzte Nacht auskosten, entschied Skye. Möglicherweise werde ich es schon morgen früh bereuen – wenn ich jetzt aber Nein sage, wird es nicht anders sein.

Also bog sie sich ihm entgegen und legte ihre Antwort in einen begehrlichen, leidenschaftlichen Kuss.

„Ja …“, brachte sie heiser hervor, als sie endlich wieder zu Atem kam. „Ich bleibe. Allerdings unter einer Bedingung …“

3. KAPITEL

Theo knipste das Licht an und sah sich kritisch um. „Bist du sicher, dass du es auch wirklich willst?“

Der Raum war in Ordnung. So wie die meisten Hotelzimmer dieser Kategorie. Sauber, nicht zu klein mit einem bequem aussehenden Bett und der üblichen unpersönlichen Möblierung. Durch einen Spalt, den die angelehnte Tür freigab, konnte man in ein kleines Bad schauen, das ganz in Weiß gehalten war und mit Handtüchern und hoteleigenen Bademänteln in der gleichen Farbe ausgestattet war.

Es war absolut funktionell, aber völlig seelenlos – und dadurch nicht sehr einladend und ganz sicher nicht der Platz, den er für diese Nacht ausgewählt hätte. Aber war nicht der ganze Abend schon anders verlaufen, als er es erwartet hatte?

Noch vor wenigen Stunden hätte er es sich nie träumen lassen, mit einer fremden Frau in einem anonymen Hotelzimmer zu landen. Mit einer Frau, die seine primitivsten Instinkte in einer Art und Weise ansprach, die ihn immer noch erschauern ließ. Mit einer Frau, von der er außer dem Vornamen nicht das Geringste wusste.

„Wir sind Fremde füreinander“, hatte sie gesagt. „Du kennst mich nicht, und ich kenne dich nicht. Und ich möchte, dass es so bleibt.“

Keine Chance! war seine erste Reaktion gewesen. Da hatte er sich schon fast auf dem Rückzug befunden. Aber während sie gesprochen hatte, lagen ihre Arme immer noch um seine Hüften, und ihr Mund war seinem viel zu nah gewesen …

Er hatte sie nicht gehen lassen können. Schon vorher war es ihm seltsam schmerzlich bewusst gewesen, dass er sie dann nicht wiedersehen würde. Dann würde sie für immer aus seinem Leben verschwunden sein.

„Sie scheinen ganz schön abgebrüht zu sein, junge Lady …“, hatte er sich in Zynismus geflüchtet.

Mit keinem Wimpernschlag hatte sie erkennen lassen, dass sie bereit gewesen wäre, ihre Forderung noch einmal zu überdenken. „Das … oder gar nichts“, hatte sie ruhig erwidert und ihre Hand über seine Brust hinunter zum Gürtel gleiten lassen. Dann zog sie sie zurück.

Diese kleine, wie zufällige Geste hatte den Ausschlag gegeben. Er hatte sie nicht gehen lassen können! Seine Haut hatte wie Feuer gebrannt und sein Herzschlag sich geradezu beängstigend beschleunigt.

„Das oder gar nichts“, hatte Skye wiederholt.

„Was immer Sie befehlen, Lady“, hatte er heiser erwidert und gewusst, dass es der Wahrheit entsprach. „Was immer Sie befehlen …“

Und worauf hatte sie bestanden? Auf dieses Hotelzimmer.

Nun, für diese eine Nacht war er bereit, ihr nachzugeben. Immerhin war sie nicht die Einzige, die mit der Wahrheit über sich recht sparsam umging. Aber es gab immer noch ein Morgen. Und in der Zwischenzeit würde er sie davon überzeugen, dass es noch zahlreiche, weitaus reizvollere Alternativen gab als ihr strenges Motto: Das oder nichts.

„Skye?“ Sie hatte hinter ihm das Zimmer betreten, hatte aber noch kein Wort gesagt. „Was ist los?“, fragte er spöttisch. „Hast du deine Meinung inzwischen geändert? Möchtest du vielleicht doch ein etwas romantischeres Umfeld haben? Oder etwa ganz von unserem … Übereinkommen zurücktreten?“

Wollte sie das? Das hatte sich Skye schon den ganzen Weg hierher gefragt. Nein, eigentlich noch früher.

In der ersten Sekunde hatte es so ausgesehen, als würde er wortlos gehen. Das Funkeln in seinen Augen war verschwunden gewesen und sein Gesicht maskenhaft starr geworden. Dann hatte er langsam und zustimmend den Kopf geneigt.

„Nein“, sagte sie jetzt und war sich bewusst, dass ihre Unsicherheit und Nervosität ihre Stimme hart klingen ließen. „Ich will es nicht rückgängig machen. Es ist nur so …“, dass ich einfach keine Erfahrung in diesen Dingen habe! hätte sie fast hinzugesetzt. Hastig schloss sie die Augen und versuchte, ihre aufsteigende Panik zu unterdrücken.

„Es ist nur …?“

Seine Stimme klang plötzlich so nah, dass sie die Augen schnell wieder öffnete. Tatsächlich war er, lautlos wie eine Wildkatze, nähergekommen und stand beunruhigend dicht vor ihr. Skye klopfte das Herz bis zum Hals, und instinktiv befeuchtete sie ihre geschwollenen Lippen, die immer noch nach ihm schmeckten.

„Also was?“, fragte er erneut, und seine Stimme klang tief und rau.

„Ich …, ich wünschte nur, du würdest mich wieder küssen.“

Er lachte leise. Es klang irgendwie triumphierend. „Das kannst du haben.“ Langsam zog er sie in seine Arme und sah ihr lächelnd in die klaren grauen Augen. „Wo soll ich dich denn küssen, Sweetheart? Hier?“ Der sanfte Druck seiner Lippen auf ihrer Stirn war wie die Berührung eines Schmetterlings: flüchtig, betörend und so leicht, dass es vorbei war, ehe sie es richtig wahrnahm.

„Oder hier?“ Diesmal liebkoste er mit seinem Mund ihre Wangen und tupfte einen Kuss auf ihre linke Schläfe. Dann noch einen auf die rechte. Skye schloss verzaubert die Augen. Ihr Atem beschleunigte sich.

„Oder etwa hier?“ Bedächtig küsste er ihre geschlossenen Lider, und Skye versank in einer Welt sinnlicher Dunkelheit und Wärme, aus der sie nie wieder auftauchen wollte. Sie hörte, dass auch er heftig atmete, und spürte, wie er sie an seinen warmen, starken Körper zog.

„Das reicht, glaube ich, für den Anfang“, flüsterte sie und machte sich mit einem kleinen Lachen frei. Hoffentlich klang es nicht so erregt und aufgelöst, wie sie sich fühlte. Skye war so nervös, dass sie keine Sekunde länger darüber nachdenken wollte, was hier vor sich ging, aber Anton schien entschlossen zu sein, es langsam angehen zu lassen.

„Nicht so hastig, mein Liebling“, hauchte er ihr ins Ohr. „Wir haben noch die ganze Nacht vor uns.“

Die ganze Nacht … Wie wundervoll sich das anhörte. Doch gleichzeitig wusste Skye, wie schnell ein paar Stunden vorbei sein konnten – besonders dann, wenn man versuchte, sie festzuhalten.

Und sie wollte diese kostbare Zeit nicht verschwenden. Ihr zitterten die Knie – ja, ihr ganzer Körper bebte vor Verlangen, und Skye war froh, in Antons starken Armen zu liegen, die verhinderten, dass sie zu Boden sank.

„Anton …“ Es hörte sich nun an wie ein sehnsüchtiges Flehen.

Er lachte kehlig auf. „Ich weiß, was in dir vorgeht, Sweetheart.“ Und das dunkle Timbre in seiner Stimme verriet Skye, dass er wirklich wusste, was sie empfand. „Vertraue mir, du wirst es nicht bereuen. Lass dich einfach von mir leiten und dir zeigen …“

Er küsste sie erneut. Seine Lippen beschrieben eine brennende Spur von der Schläfe über die Wange, bis sie Skyes weichen Mund eroberten. Alles um sie her schien sich aufzulösen. Dennoch musste sie bei klarem Verstand bleiben. Denn die möglichen Konsequenzen waren so furchtbar, dass Skye sie sich gar nicht vorstellen mochte.

„Hast du … hast du auch an Verhütung gedacht?“

„Ja“, gab er, ohne zu zögern, zurück. Dabei liebkoste er mit heißen Lippen eine Stelle, von der sie bisher nicht gewusst hatte, dass sie überhaupt existierte. „Im Hotelshop gibt es alles Notwendige.“

„Ah, natürlich.“ Skye hoffte nur, dass sie sich selbstsicherer anhörte, als sie sich fühlte. Sie erinnerte sich wieder an den Moment an der Rezeption, als Anton sich entschuldigt hatte und sie sich mit heißen Wangen in die nächste Damentoilette geflüchtet hatte, um ihre Verlegenheit und Nervosität zu überspielen. Später traf sie ihn an den Fahrstühlen wieder, wo er, mit dem Zimmerschlüssel in der Hand, auf sie gewartet hatte.

„Du kannst dich völlig entspannen. Ich habe für alles Weitere gesorgt …“

Der vibrierende Unterton in seiner Stimme sandte ihr heiße Schauer über den Rücken, und plötzlich wünschte sich Skye nur noch, sich ganz fallen lassen zu können. Ungeduldig entledigte sie sich ihrer hochhackigen Schuhe und drängte sich enger an ihn. Mit einem leisen Aufstöhnen küsste Anton sie daraufhin leidenschaftlich.

Nie zuvor hatte Skye sich so lebendig gefühlt. Ihr Herz klopfte wie verrückt, als Anton sie auf die Arme nahm und fest an sich presste. Mit wenigen schnellen Schritten erreichte er das Bett und ließ sie behutsam auf die hübsch gemusterte Tagesdecke gleiten. Während er Skye geschickt auszog, löste er die Lippen nicht eine Sekunde von den ihren.

Danach entledigte er sich schnell seiner eigenen Kleidung und lächelte amüsiert, als er bemerkte, dass Skye ihn dabei heimlich beobachtete, obwohl sie die Lider gesenkt hielt.

„Na, gefällt dir, was du siehst?“, fragte er neckend. Skye errötete, und Anton lachte amüsiert auf, während er sich neben sie ins Bett legte. Als sie seine warmen Hände auf ihren bloßen Brüsten spürte, hielt Skye den Atem an und blickte ihn aus weit geöffneten Augen an.

„Jetzt schließ die Augen“, befahl er sanft, aber nachdrücklich. „Und lass sie fest zu.“ Lächelnd begegnete er ihrem unsicheren Blick, senkte den Kopf und küsste sie auf die Augenlider. Dann ließ er die Lippen sanft über ihre Wange zum herzförmigen Mund gleiten. „Nicht schauen, nur fühlen …“

Was blieb ihr auch anderes übrig, da sie seine Hände überall auf ihrem bebenden Körper spürte? Doch nach einer Weile reichten ihr seine sanften Liebkosungen nicht mehr. Skyes Haut schien zu brennen, und ihr Körper verlangte nach mehr. Seufzend bog sie sich Anton entgegen.

„Hilf mir … zeig mir …“ Doch als ihr bewusst wurde, dass sie viel mehr von sich und ihrem Gefühlszustand preisgab, als sie es beabsichtigt hatte, verstummte sie. Sie wollte nicht, dass Anton bemerkte, wie unerfahren sie war. Was sollte ein Mann von Welt, wie er es war, auch an einer Unschuld vom Lande finden? Zweifellos war er an erfahrene, leidenschaftliche Frauen gewöhnt, die ihn ebenso befriedigen konnten wie er sie.

„Zeig mir, wie du es am liebsten magst“, fuhr sie schnell fort.

„Sei einfach nur du selbst“, flüsterte er, und der heisere Unterton in seiner Stimme erfüllte Skye mit einem unerwarteten kleinen Triumphgefühl. Plötzlich klopfte ihr das Herz bis zum Hals. Vielleicht war sie ja genau die Frau, die er wollte, wenn sie einfach still mit geschlossenen Augen liegen blieb und sich ihm ganz hingab?

So fühlte sie sich auch weniger unsicher, obwohl der Wunsch, die Hände auszustrecken und seinen muskulösen Körper zu streicheln, immer übermächtiger in ihr wurde. Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus und erwiderte seine Liebkosungen zunächst zögernd, dann hingebungsvoll und mit zunehmendem Eifer.

„Gar nicht schlecht …“

„Du aber auch nicht“, gab sie mutig zurück und hoffte, den richtigen Ton getroffen zu haben. Als Antons Berührungen zunehmend intimer wurden, verspürte sie plötzlich den Drang, von ihm abzurücken und sich Schutz suchend zusammenzurollen. Doch der Impuls dauerte kaum mehr als einen Herzschlag lang. Dann überwogen Neugier, aufflammende Leidenschaft und die Begierde nach mehr. Während seine Hände immer fordernder wurden, beschleunigte sich ihr Atem, und mit einem kleinen Aufschrei klammerte sich Skye wie Hilfe suchend an Antons breite Schultern.

„Bitte …“

Das war alles, was sie herausbrachte, und Skye wusste selbst nicht, ob sie um mehr flehte oder darum, dass die süße Tortur aufhörte, ehe sie, Skye, völlig die Beherrschung über sich verlor. Doch Anton schien sie gar nicht gehört zu haben. Skye biss sich auf die Lippe, während er ihre empfindlichsten Stellen reizte, und als er sich auf sie schob, hieß sie ihn erwartungsvoll willkommen.

Da gab es kein Zaudern, kein Zurückweichen, keinen Gedanken über Unerfahrenheit mehr. Skye war so abgelenkt, dass sie kaum einen Schmerz verspürte, als die Wogen der Leidenschaft über ihr zusammenschlugen. Die ganze Welt schien sich in einem Kaleidoskop schillernder Farben aufzulösen.

Schließlich öffnete Skye die Augen und begegnete Antons glühendem Blick. Und dann entführte Anton sie in Dimensionen, die sie nie geahnt hatte. Ihr Körper schien plötzlich schwerelos zu sein, wurde höher und höher katapultiert, bis sie auf dem Gipfel ihrer Empfindungen glaubte, die Kontrolle verlieren zu müssen. Mit einem leisen Schrei tauchte Skye in das unbekannte Meer absoluter Ekstase ein. Auf dem Höhepunkt war Anton bei ihr, und als sie sein Stöhnen hörte, verspürte Skye absolute Befriedigung.

Theo selbst war zutiefst erschüttert von dem Gefühl, das ihn überwältigt hatte, als Skye ihm die Arme um den Körper gelegt und sich so heftig an ihn gepresst hatte, als wäre er ihr einziger Anker im tosenden Meer der Leidenschaft.

Immer wieder vereinigten sie sich voller Ekstase, die keiner Worte bedurfte, bis Theo gegen Morgen endgültig erschöpft in einen tiefen Schlaf fiel. Er bekam nicht mit, wie Skye sich sanft aus seinen Armen löste, aus dem Bett schlüpfte und sich hastig anzog.

Sie wagte es nicht, den friedlich schlafenden Mann anzuschauen. Sie wollte nicht gehen, aber sie musste gehen. Tränen traten ihr in die Augen, als sie sich ein letztes Mal in dem unpersönlichen Raum umsah, der für sie eine Nacht lang das Paradies bedeutet hatte. Doch das war vorbei. Jetzt musste sie in die grausame Wirklichkeit zurück. In eine Realität, die sie nur zu gern für immer verdrängt hätte.

Skye wagte es nicht einmal, Anton einen letzten Kuss auf das vom Schlaf zerzauste Haar zu drücken, aus Angst, er könnte aufwachen. Dann würde er seine wundervollen dunklen Augen öffnen und sie in deren Tiefen unrettbar versinken.

Hätten sie sich an einem anderen Tag, zu einem anderen Zeitpunkt getroffen …

Nein! Energisch verdrängte sie den verlockenden Gedanken. Für sie beide gab es keine gemeinsame Zukunft. Sie musste von hier verschwinden, und zwar so schnell wie möglich! Skye schlüpfte in ihre Sandaletten, griff nach Jacke und Tasche und hielt den Atem an, als die Klinke beim Herabdrücken leise quietschte.

Doch hinter ihr blieb alles ruhig. Erst nachdem sie die Tür wieder geschlossen hatte, wagte Skye, wieder zu atmen. Hatte sie etwas vergessen? Eine kurze Überprüfung ihrer Habseligkeiten zeigte ihr, dass dem nicht so war, trotzdem stellte sich kein Gefühl der Erleichterung ein.

Wie sollte es auch, wenn doch ein Teil von ihr in dem anonymen Hotelzimmer zurückgeblieben war?

4. KAPITEL

„Wir landen in fünf Minuten, Sir.“

„Danke.“ Theo quittierte den Hinweis seines Piloten mit einem kurzen Nicken. Nötig war die Bemerkung ohnehin nicht gewesen. Er hatte längst selbst festgestellt, dass sie sich kurz vor der Landung auf Helikos, der Privatinsel seines Vaters, befanden.

Sie war während seiner Kindheit sein Zuhause gewesen. Jedes Mal, wenn er nach wochen- oder monatelanger Abwesenheit von dem englischen Eliteinternat zurückgekehrt war, auf das ihn sein Vater aus Erziehungsgründen geschickt und das er, Theo, verabscheut hatte, hatte er sich jede Einzelheit des Weges von Athen bis zur Insel gemerkt.

Er hätte sich am liebsten aus dem Helikopter gelehnt, um so früh wie möglich die vielen unbewohnten grünen Flecken unter ihnen auf dem Weg zu seinem geliebten Heim zu zählen. Und wenn dann Helikos tatsächlich in Sicht kam, stieß er immer einen lauten Begrüßungsschrei aus, voller Freude darüber, dass die Ferien begannen.

Doch dieses Mal klopfte sein Herz nicht vor Aufregung und Vorfreude, stattdessen betrachtete er die vertraute Küstenlinie mit einem zynischen Lächeln und gemischten Gefühlen. Zum ersten Mal nach fünf Jahren kehrte er auf die Insel zurück, die für ihn längst kein Zuhause mehr war. Schuld daran war das Zerwürfnis mit seinem Vater. Und nun war er hier, um Cyrils Antonakos’ zukünftige neue Frau kennenzulernen.

Eine Aussicht, die ihn nicht im Mindesten begeisterte, zumal klar war, dass es sich bei der bevorstehenden Hochzeit nicht um eine Liebesheirat, sondern um eine Vernunftehe handelte, die vermutlich aus geschäftlichen Erwägungen heraus geschlossen wurde.

Das veränderte Fluggeräusch sagte Theo, dass der Pilot zur Landung ansetzte.

„Sie werden feststellen, dass sich hier in der Zeit Ihrer Abwesenheit so gut wie nichts verändert hat“, unterrichtete ihn der Pilot und lenkte Theo damit von seinen unerfreulichen Gedanken ab. Stumm betrachtete er das strahlend blaue Mittelmeer unter ihm. Er war nicht in der Stimmung für Small Talk. Genau genommen wollte er gar nicht hier sein. Und noch weniger Lust hatte er, der Braut seines Vaters zu begegnen und Höflichkeitsfloskeln mit ihr auszutauschen.

Cyril Antonakos war für seinen Frauengeschmack nicht gerade berühmt, und wenn sich sein alter Herr in den letzten fünf Jahren nicht dramatisch gewandelt hatte, konnte das heutige Dinner zu einer echten Geduldsprobe für Theo werden. Ganz besonders deshalb, weil er mit seinen Gedanken weit weg von Helikos weilte.

Seit dem Moment, als er an jenem Morgen aufgewacht war und das Bett neben sich leer vorgefunden hatte, konnte er an nichts anderes mehr denken als an die wunderschöne, mysteriöse Frau, mit der er eine einzige unvergessliche Nacht verbracht hatte. Die gesamte letzte Woche hatte er versucht, sie aufzuspüren, doch all seine Bemühungen waren erfolglos geblieben.

Theo wusste, dass es am besten war, die ganze Angelegenheit zu vergessen und sich Skye endgültig aus dem Kopf zu schlagen. Doch sie war ihm derart unter die Haut gegangen, dass es ihm einfach nicht gelingen wollte. Seine unruhigen Nächte waren voller heißer erotischer Träume, in denen natürlich sie die Hauptrolle spielte. Jedes Mal erwachte er mit rasendem Puls, sein Atem ging heftig, und ihm schmerzte der ganze Körper vor ungestilltem Verlangen.

Wenn ihm nur irgendeine plausible Ausrede eingefallen wäre, hätte er sich diesen Besuch auf Helikos erspart. Aber das angespannte Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater währte bereits viel zu lange. Wenn dieser ihm schon ein Friedenszeichen gab, wollte Theo ihm wenigstens auf halbem Weg entgegenkommen.

Das Haus sah tatsächlich noch genauso aus wie in seiner Erinnerung. Auf einem Kliff hoch über der See gelegen, erhob sich das imposante Gebäude in zwei Stockwerken. Beide waren mit umlaufenden Veranden versehen, die einen fantastischen Ausblick auf das blaue Meer boten. Auf der einen Seite führte ein breiter Arkadengang zu einer gefliesten Terrasse mit einem ovalen Swimmingpool und sich daran anschließendem Gästehaus.

Als Theo die Terrasse betrat, wurde die Tür von innen aufgerissen, und eine rundliche dunkelhaarige Frau rannte aufgeregt auf ihn zu.

„Master Theo! Willkommen zu Hause! Wie wundervoll, dass Sie wieder da sind!“

„Amalthea …“

Bereitwillig erwiderte Theo die überschwängliche Umarmung der älteren Frau, die von klein auf seine Kinderfrau und damit auch seine engste Vertraute gewesen war, nachdem seine Mutter so früh verstorben war.

„Wo werde ich schlafen? In meinem alten Zimmer?“

Amaltheas Blick verfinsterte sich, als sie ihren ergrauten Kopf schüttelte. „Ihr Vater hat mich angewiesen, Sie im Gästehaus unterzubringen.“

Also war es mit dem Friedenszeichen doch nicht so weit her, wie er gedacht hatte. Theo musste sich ein sarkastisches Lächeln verkneifen, um die alte Frau nicht noch mehr zu bestürzen. Der alte Herr machte es einem wirklich schwer, ihn zu mögen – und erst recht zu lieben. Cyril Antonakos fühlte sich schnell brüskiert und brachte es fertig, endlos lange beleidigt zu sein.

Theo war sich plötzlich nicht mehr so sicher, wie er die Einladung zur Hochzeit bewerten sollte, denn ein geschlachtetes Kalb für die Rückkehr des verlorenen Sohnes war weit und breit nicht in Sicht.

„Wer wohnt denn in meinem Zimmer?“

So viele Gäste konnten doch noch nicht angekommen sein, da die Hochzeit erst zum Ende des Monats geplant war.

„Die neue Kyria Antonakos.“

„Die Verlobte meines Vaters?“

Also teilte sein Vater mit seiner zukünftigen Frau kein gemeinsames Zimmer. Das war allerdings überraschend.

„Wie ist sie denn?“

Amalthea verdrehte missbilligend die dunklen Augen. „Nicht wie die anderen jedenfalls“, sagte sie vage. „Aber sie ist sehr schön.“

„Das waren sie doch immer“, erwiderte Theo zynisch. „Deshalb wurden sie schließlich erwählt. Ist mein Vater zu Hause?“

„Nein, er musste noch einmal in die Stadt. Zum Abendessen will er zurück sein. Aber seine Verlobte ist hier. Möchten Sie vielleicht …?“

„Oh nein“, wehrte Theo spontan ab. „Heute Abend ist früh genug.“ Dann konnte er wenigstens zwei unangenehme Begegnungen gleichzeitig hinter sich bringen. Vielleicht würde sich dann ein Small Talk mit seiner künftigen Stiefmutter sogar noch als angenehmer erweisen als das unvermeidliche Gespräch mit seinem Vater.

„Ich werde mich erst einmal im Gästehaus einrichten und dann vielleicht eine Runde schwimmen“, informierte er lächelnd die besorgt dreinblickende Amalthea und reckte sich genüsslich, um die vom langen Flug verspannten Muskeln zu lockern. „Es tut gut, wieder hier zu sein.“

Dies war also ihr neues Zuhause.

Skye wandte sich von dem Fenster mit dem grandiosen Panoramablick über das türkisblaue Mittelmeer ab und ließ sich mit einem tiefen Seufzer aufs Bett sinken. Verzweifelt biss sie sich auf die Lippe, um die aufsteigenden Tränen zurückzuhalten.

In den letzten Tagen war sie ständig den Tränen nahe gewesen. Immer weniger gelang es ihr, die aufsteigende Panik zu bezwingen, die sie bei dem Gedanken an die Zukunft befiel. Sie konnte ihr bevorstehendes Schicksal immer noch nicht wirklich fassen.

Aber hier auf der Bettkante zu sitzen und darüber zu brüten half ihr auch nicht weiter. Vielleicht war es besser, sich der Realität zu stellen und sich mit dem Rest des Hauses vertraut zu machen. Immerhin würde sie hier leben müssen.

Allein bei dem Gedanken bekam sie das Gefühl, einen dicken Kloß im Hals zu haben. Dieses Haus, so schön und luxuriös es auch war, hatte so gar nichts gemein mit ihrem gemütlichen Heim auf dem Land im englischen Suffolk. Aber vermutlich würde sie sich mit der Zeit daran gewöhnen. Was hatte sie denn sonst für eine Chance?

Skye fuhr sich energisch mit dem Handrücken über die feuchten Augen. Als sie am Vormittag mit ihrem Vater telefoniert hatte, hatte sie von ihm erfahren, dass ihre Mutter wieder im Krankenhaus war. Claire Marston stand eine weitere Operation bevor. Bis dahin war es nach Aussage der Ärzte für sie lebenswichtig, sie nicht zu beunruhigen. Jede Aufregung konnte tödlich sein.

Skye seufzte. Was für eine Ironie, dass sie sich Zeit ihres Lebens gewünscht hatte, Griechenland besuchen zu können. Jahrelang hatte sie sich nach dem Meer, dem Sonnenschein und den pittoresken Dörfern mit den strahlend weißen Häusern gesehnt, die sie nur von Fotos kannte. Und nun war ihr Traum in Erfüllung gegangen und entpuppte sich als ihr schlimmster Albtraum. Doch aus ihm gab es leider kein Erwachen.

„Oh, Dad! Wie konntest du nur so leichtsinnig und so dumm sein?“

Ach, wenn doch nur …

Nein! rief sie sich energisch zur Ordnung. Solche nutzlosen Überlegungen brachten sie nicht weiter. Wie hatte sie auch nur dem verrückten Impuls nachgeben können, noch ein letztes Mal die grenzenlose Freiheit erleben zu wollen, ehe sie sich in diesen goldenen Käfig sperren ließ?

Wäre sie doch nur nie diesem umwerfenden Mann namens Anton begegnet, der ihr eine Nacht voller Leidenschaft beschert hatte, die sie in ihrem ganzen Leben nie würde vergessen können. Und das machte ihre gegenwärtige Situation nur noch schlimmer.

Vor einer Woche hätte sie ihrer Zukunft vielleicht noch mit einem gewissen Gleichmut entgegensehen können. Doch jetzt, nachdem sie eine Ahnung vom Paradies bekommen hatte, das ihr für immer verschlossen bleiben würde, wusste sie nicht, wie sie die nächsten Tage und Jahre überstehen sollte. Doch sie hatte keine Wahl.

„Reiß dich zusammen, Marston!“, ermahnte Skye sich energisch. „Du musst einfach versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Und das würde ihr am ehesten gelingen, wenn sie sich eine sinnvolle Beschäftigung suchte. Was hatte Cyril noch gesagt, ehe er zu seinem Geschäftstermin in die Stadt gefahren war?

„Richte dich erst einmal häuslich ein, und mach dich mit der neuen Umgebung vertraut. Das Haus gehört dir. Du kannst tun und lassen, was du willst.“

Der Pool! Das war die Lösung. Körperliche Betätigung würde ihr sicher gut tun, den Nachmittag verkürzen und sie von ihren quälenden Gedanken ablenken. Möglicherweise konnte sie sich ja auch derart verausgaben, dass sie in der nächsten Nacht endlich den lang ersehnten Schlaf finden würde, anstatt von fiebrigen Träumen heimgesucht zu werden, in denen ein Mann mit einem kraftvollen, warmen Körper neben ihr lag …

Skye zog den eleganten weißen Bikini aus der Kommodenschublade, den Cyril ihr gekauft hatte, als er gestellt hatte, dass sie keinerlei Schwimmsachen im Gepäck hatte außer einem alten marineblauen Einteiler, den sie bereits während ihrer Schulzeit getragen hatte. Rasch zog sie sich um, griff nach einem flauschigen Badehandtuch und verließ ihr Schlafzimmer.

Theo brauchte nur wenige Minuten, um auszupacken. Viel gab es in den Schubladen und Schränken des Gästehauses nicht unterzubringen, in das sein Vater ihn hatte einquartieren lassen. Es war ein ziemlich warmer Nachmittag, und das Wasser im Pool wirkte verlockend kühl und frisch. Spontan entledigte Theo sich seiner Kleidung, schlüpfte in seine schwarzen Schwimmshorts und lief barfuß über die von der Sonne aufgeheizten Steinfliesen zum Pool hinüber.

Dass bereits jemand im Wasser war, hatte er nicht erwartet. Abrupt blieb er stehen und kniff die Augen zusammen, weil ihn die Sonne blendete. Wenn er sich nicht irrte, handelte es sich wohl um die Verlobte seines Vaters. Viel konnte er von ihr nicht erkennen. Sie schien lange schwarze Haare zu haben, schlanke Arme und endlose sonnengebräunte Beine, die …

Was, zur Hölle, war mit ihm los? Er konnte doch nicht auf diese Weise die zukünftige Frau seines Vaters betrachten! Seine Stiefmutter! Oder täuschte er sich ganz und gar? Vielleicht war Cyrils Verlobte vorher schon einmal verheiratet gewesen, und diese aufregende Nixe im Pool war ihre Tochter. Wer auch immer sie war … auf irgendeine Weise erinnerte sie ihn an Skye.

Das Beste war wohl, er stellte sich ihr erst einmal vor. Sonst bekam die schöne Fremde noch den Eindruck, er hätte keinerlei Manieren.

„Kalimera.“

Offenbar hatte sie ihn nicht gehört, denn sie zeigte keinerlei Reaktion. Vielleicht hatte sie ja Wasser in die Ohren bekommen. Oder sie verstand einfach kein Griechisch. Theo lächelte zynisch. Ein typischer Hinweis darauf, wie schlecht es um die Beziehung zwischen ihm und seinem Vater stand, dass er nicht einmal wusste, welche Nationalität seine zukünftige Stiefmutter besaß. Die letzte Frau, die er an Cyrils Seite gesehen hatte, stammte jedenfalls aus dem nächsten Dorf.

„Guten Tag“, begann er erneut, etwas lauter diesmal, gerade als sie das andere Ende des Pools erreichte und sich das Wasser aus dem langen Haar schüttelte. „Ich dachte, ich sollte mich dir mal vorstellen, Stiefmama.“

Aber was hatte er denn gesagt, um sie derart zu schockieren? Selbst auf diese Entfernung hin und geblendet von der Sonne, konnte Theo sehen, wie sich ihr ganzer Körper versteifte und sie mit beiden Händen Halt suchend den Beckenrand umklammerte.

Diese schmalen, feingliedrigen Hände …

Theo hatte das Gefühl, einen Faustschlag in den Magen bekommen zu haben. Er musste sich irren! Die gleißende griechische Sonne narrte ihn. Das Haar der Frau, dessen Farbe er für Schwarz gehalten hatte, als es sich wie ein Fächer auf der Wasseroberfläche ausgebreitet hatte, begann in der Hitze des Nachmittags zu trocknen und schimmerte plötzlich … Rotgold.

„Nein!“, murmelte er heiser. Das konnte nicht wahr sein. Aber wenn nicht, warum wandte sie ihm dann immer noch den Rücken zu? Warum zeigte sie ihm nicht ihr Gesicht? Um ihm zu beweisen, dass ihn seine Fantasie trog.

„Skye?“

Als sie seine Stimme hörte, fühlte sich Skye außerstande, sich zu rühren oder auch nur durchzuatmen.

„Guten Tag“, hatte er gesagt, und sie hatte das Gefühl gehabt, dass sich plötzlich alles um sie drehte. Aber Anton konnte unmöglich hier in Griechenland sein! Das wäre eine zu grausame Laune des Schicksals. Sie musste sich einfach irren!

Doch dann hatte er das mit der Stiefmama gesagt und die Welt damit aus den Angeln gehoben. Alles um Skye herum verschwand in einem dichten Nebel. Ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen. Sie konnte nicht mehr denken, aber sie musste die Kraft finden, sich umzudrehen. Sie musste die Wahrheit wissen. Und wenn er es wirklich war? Das wäre der schlimmste Albtraum von allen.

„Skye?“

Er sprach ihren Namen so wie in jener Nacht aus. Da hatte er mal leidenschaftlich, mal rau und heiser oder sanft und hingebungsvoll geklungen. Dann wieder fordernd und selbstsicher …

Anton!

Sie wagte es nicht laut zu sagen, als könnte sie damit das Trugbild ihrer Fantasie verscheuchen.

„Was, zur Hölle, tust du hier?“

Die wütend hervorgestoßene Frage ließ Skye herumfahren. Sie wollte Gewissheit haben. Er stand am anderen Ende des Pools, die Hände in die Hüften gestemmt. Skyes Herz begann heftig zu schlagen. Unvermittelt löste sie die Hände vom glatten Beckenrand und geriet unter die glitzernde Wasseroberfläche. Als sie Wasser in Mund und Augen bekam, schnappte Skye panisch nach Luft. Dann wurde ihr schwarz vor Augen, und sie sank immer tiefer …

Plötzlich tauchte eine geschmeidige Gestalt neben ihr auf, kräftige Hände schoben sich unter ihre Achseln, und sie wurde zur Wasseroberfläche emporgehoben. Während sie noch nach Luft rang, wurde ihr Kopf sanft an eine breite Brust gebettet.

„Ganz ruhig“, befahl ihr eine tiefe Stimme. „Langsam und tief durchatmen.“

Das ist leichter gesagt als getan, dachte Skye verschwommen. Denn wenn irgendetwas ihr den Atem nahm, dann war es ihre gegenwärtige Situation. Sie musste ihm nicht einmal ins Gesicht schauen, um sicher zu sein, dass es Anton war, der sie in seinen Armen hielt und ihr nasses Gesicht streichelte. Selbst nach nur einer Nacht kannte sie seinen Körper so gut, dass sie ihn immer und überall mit geschlossenen Augen hätte erkennen können.

Die breite, muskulöse Brust, der flache, durchtrainierte Bauch, die krausen dunklen Haare, die sich von der Mitte der Brust bis zum Bund seiner Schwimmshorts zogen, die kleine Narbe seitlich am Hals – und wenn noch Raum für Zweifel gewesen wäre, dann brauchte sie nur tief einzuatmen, um ganz sicher zu sein, denn seinen betörend herben Duft würde sie in ihrem ganzen Leben nicht vergessen …

Skye wusste nicht, ob es nur der Schock über sein unerwartetes Auftauchen oder eine heftige körperliche Reaktion auf Antons berauschende Nähe war, die sie erbeben ließ.

„D…anke“, brachte sie atemlos hervor und hörte sich an wie nach einem Marathonlauf.

„Kein Problem.“ Der Unterton in seiner Stimme veranlasste Skye dazu, den Kopf zu heben und ihrem Retter einen fragenden Blick zuzuwerfen. Doch er dachte nicht daran, weitere Kommentare abzugeben, sondern trug sie auf seinen Armen die breiten Stufen aus dem Pool heraus zu einer Sonnenliege, auf der er sie behutsam absetzte. Skye biss sich auf die Lippe, um nicht zu protestieren. Gleichzeitig kämpfte sie gegen das fast übermächtige Verlangen an, ihm die Arme um den Nacken zu legen und sich fest an ihn zu schmiegen. Doch das durfte sie auf keinen Fall tun. Dieses Recht hatte sie in dem Moment verwirkt, in dem sie an jenem Morgen heimlich aus dem Hotelzimmer und Antons Leben verschwunden war.

Nie würde er erfahren, wie schwer ihr das gefallen war. Wie sehr sie sich danach gesehnt hatte, bleiben zu können. Doch das war unmöglich gewesen. Und wenn er den Grund herausfand, würde Anton sie ohnehin nicht mehr in seinen Armen halten wollen.

Während er Skye immer noch mit einer Hand stützte, griff Theo mit der anderen nach dem bereitliegenden Badetuch und rubbelte ihren bebenden Körper trocken.

Sein dunkles Gesicht war dabei maskenhaft starr, und nur die zusammengepressten Lippen verrieten, wie schwer es ihm fiel, nichts zu sagen.

Die Furcht vor dem zu erwartenden Ausbruch ließ Skye heftiger zittern als zuvor. Und als Anton sie daraufhin noch grober mit dem Handtuch bearbeitete, stöhnte sie leise auf.

„Sighnomi …“, entschuldigte er sich gedankenverloren und warf das Badetuch zur Seite. Dann ließ er seinen glühenden Blick über ihr nasses Haar und die blassen Wangen zu ihren rosa lackierten Zehennägeln gleiten und dann zurück zu ihrem Gesicht.

Sie schluckte mühsam. Jetzt war es so weit. Sein kalter Blick sagte ihr, dass er lange genug gewartet hatte und auf eine Erklärung bestehen würde.

5. KAPITEL

„Wir müssen miteinander reden.“ Theo hatte Mühe, seine Stimme zu kontrollieren. Obwohl er das brennende Feuer in seinem Innern kaum beherrschen konnte, war er entschlossen, nicht die Fassung zu verlieren. Doch er wollte endlich wissen, was, zur Hölle, hier vor sich ging! Wie die Frau, die er zum letzten Mal in einem Hotelzimmer in London gesehen hatte, nach Helikos, in das Haus seines Vaters und in dessen Swimmingpool gekommen war.

„Hast du nichts, was du überziehen kannst?“

„Mir …, mir ist nicht kalt.“

„Darum mache ich mir auch keine Sorgen“, erwiderte er grob. Er wusste, dass man ihm seine Wut ansah. Skyes ängstlicher Blick und ihr Zurückweichen sprachen Bände. Doch auch er war durch die unerwartete Begegnung total aus dem Gleichgewicht gebracht worden, und ihr so nah zu sein wie im Moment machte alles nur noch schlimmer. Denn sie mit all ihren weiblichen Reizen jetzt vor sich zu sehen, brachte ihn an den Rand seiner Beherrschung.

Das anschmiegsame Stretchmaterial ihres lächerlich winzigen Bikinis, wie ihn viele junge Frauen an griechischen Stränden trugen, betonte ihre herrlichen Kurven auf eine Art und Weise, die sein Herz zum Rasen brachte und ihn in höchstem Maße verwirrte. Ihre langen gebräunten Beine schienen gar kein Ende zu nehmen, und er malte sich unwillkürlich aus, wie Skye sie um seine Hüften legte, während sie sich ihm völlig auslieferte und …

„Wir können uns sicher vernünftiger unterhalten, wenn du dir etwas … Dezenteres übergezogen hast“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Theo sah, wie ihr weicher Mund zu beben begann und ihre grauen Augen einen trotzigen, regelrecht rebellischen Ausdruck annahmen. Die Atmosphäre zwischen ihnen schien plötzlich zu knistern.

„Und deine Kleidung hältst du für angemessen, oder?“, entgegnete sie unerwartet scharf.

„Willst du damit etwa andeuten, dass du sonst nicht die Hände von mir lassen kannst?“, fragte Theo spöttisch. „Verzeih, aber das nehme ich dir nicht ab. Immerhin hattest du ja auch kein Problem damit, dich in jener Nacht von mir loszureißen.“

Jene Nacht war ein Fehler, den ich inzwischen bitter bereue.“

„Bestimmt nicht so sehr wie ich, meine Liebe! Ich stehe nämlich nicht auf billige One-Night-Stands. Wenn ich das vorher geahnt hätte, wäre es gar nicht so weit gekommen. Und dich jetzt auch noch im Pool meines Vaters zu sehen …“

„Ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und dir nichts vorgemacht …“ Sie verstummte unvermittelt, als ihr seine letzten Worte bewusst wurden. „D…eines Vaters!“, wiederholte sie stockend. Alle Farbe wich aus Skyes Wangen, und sie wurde ganz blass. „Willst du damit sagen …?“

Das durfte nicht wahr sein! Anton konnte unmöglich Cyrils Sohn sein! Der Sohn des Mannes, der das Schicksal ihrer Familie in seiner Hand hielt und ihre Träume von einer selbst bestimmten, glücklichen Zukunft zunichtemachte.

Skye kniff sich in den Arm, in der Hoffnung, der Schmerz würde sie aus dem Albtraum erwachen lassen, was natürlich nicht geschah.

„Aber du hast behauptet, Anton zu heißen“, sagte sie mit heiserer Stimme und schaute ihm anklagend ins versteinerte Gesicht.

Anton … Antonakos.

„Du hast mich angelogen!“

Theo zuckte nur lässig die breiten Schultern. „Ich habe es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Keine schlechte Taktik, solange man nicht über die genauen Motive des anderen Bescheid weiß.“

Sein kalter Blick machte ihr eindeutig klar, dass er sie zu den Menschen zählte, denen er nicht traute. Skye bekam eine Gänsehaut und schauderte trotz der warmen Sonne. Sie nahm ihr Badetuch von der Sonnenliege, wickelte es sich um und verknotete es über der Brust.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Julia Exklusiv Band 247" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen