Logo weiterlesen.de
JULIA COLLECTION BAND 66

Eine Liebe wie im Märchen

MINISERIE VON SARA ORWIG

Wie verführ ich einen Millionär?

Soll ich es wagen? fragt sich die mittellose Kellnerin Olivia, als Multimillionär Matt ihr vorschlägt, auf seine Ranch zu ziehen. Da sie ein Kind von seinem verstorbenen Bruder erwartet, willigt sie ein und findet sich in einer Welt voller Luxus wieder. Doch Matts Reichtum bedeutet ihr nichts. Sie will sein Herz erobern und ihn heiraten. Geht ihr Plan auf?

Die heiße Wette

„Das schaffst du nie!“, fordert Tyler den Tycoon Nick Ransome heraus. Die Freunde wetten, dass es Nick nicht gelingt, innerhalb von zwei Wochen die attraktive Julia zu verführen. Als er sie auf seine Jacht einlädt und romantische Stunden mit ihr verbringt, verliebt er sich in die Tochter seines Geschäftspartners. Aber dann erfährt Julia von der Wette …

Heiß geliebter Herzensbrecher

Neun Jahre nachdem Katherine Ransome von Cade Logan kurz vor der Hochzeit sitzen gelassen wurde, trifft sie ihren Traummann auf einer Charity-Veranstaltung wieder. Kurzerhand bietet Cade 500.000 Dollar, um einen Abend mit Katherine zu verbringen. Schnell kommen sich die beiden näher, doch die hübsche Karrierefrau fürchtet, dass Cade ihr erneut das Herz bricht …

IMAGE

Wie verführ ich einen Millionär?

1. KAPITEL

Sie war ein Männertraum.

Die brünette Kellnerin hinter dem Tresen hatte genau das Aussehen, dem kein Mann widerstehen konnte. Beim Anblick ihrer vollen Lippen und ihres sinnlichen Hüftschwungs dachte jeder Mann an Sex. Ihr flacher Bauch ließ niemanden auf den Gedanken kommen, dass sie im dritten Monat schwanger war. Ein enges rotes T-Shirt und zu Shorts abgeschnittene Jeans, so sah die Kellnerinnen-Uniform im „Two-Steppin’ Ribs“ aus, und die Shorts brachten ihre langen, schön geformten Beine bestens zur Geltung.

Es war zehn Uhr an einem Samstagabend. Die männlichen Besucher der verräucherten Bar in Texas ließen die Kellnerin keine Sekunde aus den Augen, während sie Drinks vom Tresen holte und servierte.

Matthew Ransome war sicher, dass Olivia Brennan an bewundernde Männerblicke gewöhnt war. Sie würde nicht bemerken, dass auch er sie beobachtete, während sie gerade einen Gast in der benachbarten Sitzecke bediente.

Es war ohrenbetäubend laut. Drei Country-Musiker spielten live, und auf der Tanzfläche herrschte dichtes Gedränge.

Matt jedoch interessierte sich nur für Olivia.

Er hatte Rippchen bestellt, in aller Ruhe gegessen und dazu ein kühles Bier getrunken. In diesem Zeitraum hatte ein Dutzend Männer einen Annäherungsversuch bei ihr unternommen. Manche ergriffen ihre Hand, andere tätschelten ihr den Po. Doch sie befreite sich jedes Mal geschickt, wich den nach ihr greifenden Händen aus oder schob sie einfach weg. Offensichtlich war sie es gewohnt, sich gegen plumpe Annäherungsversuche zu wehren.

Sicher bekommt sie jeden Abend eindeutige Angebote, überlegte Matt. Er staunte, wie ruhig und ernsthaft sie die ganze Zeit über blieb. Den Gästen gegenüber war sie höflich und lächelte, doch dieses Lächeln war flüchtig. Er hatte sich ein völlig anderes Bild von ihr gemacht.

Einige der Anwesenden kannte er. Pug Mosley zum Beispiel, den Inhaber der Bar. Er flirtete unverhohlen mit seiner Kellnerin und strich ihr im Verlauf des Abends sogar einige Male über den Po. Einmal fuhr Olivia ihn wütend an, doch Pug grinste nur und erwiderte schulterzuckend etwas, bevor er mit seinem typischen Watschelgang davonzog.

Fast wäre Matt Olivia zu Hilfe geeilt, als sie sich gegen ihren Chef zur Wehr setzen musste, doch er hatte sich fest vorgenommen, sich im Hintergrund zu halten. Vor einer Woche hatte er einen Privatdetektiv auf Olivia angesetzt, und daher wusste er, dass es seit seinem Bruder Jeff keinen anderen Mann in ihrem Leben gegeben hatte.

Er hatte großes Vertrauen in den Privatdetektiv, dennoch konnte er kaum glauben, dass eine so attraktive Frau wie sie nicht ständig wechselnde Partner hatte.

Jeff hatte sich mit vielen zwielichtigen Gestalten herumgetrieben und kaum jemals eine Frau mit nach Hause gebracht, um sie seiner Familie vorzustellen. Auch Olivia, die von Jeff schwanger war, sah Matt an diesem Tag zum ersten Mal.

Wieder probierte es jemand bei ihr mit plumper Anmache. Ihre Antwort fiel so kühl und knapp aus, dass Matt selbst aus der Entfernung genau zu wissen glaubte, was sie erwidert hatte. Allmählich war er nicht mehr so überzeugt davon, dass diese Frau sich leicht erobern ließ. Jeff hat sie alle rumgekriegt, dachte er, aber außer ihm haben es bei Olivia Brennan bestimmt nicht viele geschafft.

Sein Respekt vor ihr wuchs.

Weit nach Mitternacht hantierte Olivia endlich hinter dem Tresen, ohne von Gästen umlagert zu sein. Matt stand auf und ging quer durch die Bar auf sie zu.

Erst als er direkt vor ihr stehen blieb, sah sie auf und blickte ihn mit ihren großen grünen Augen an. Matt fühlte sich plötzlich benommen. Er war froh, dass auch Olivia einen Moment verunsichert wirkte.

Die Anziehung und ein gewisses Knistern zwischen ihnen waren so spürbar wie ein Sog im Meer. Die Bar und die Gäste nahm Matt kaum noch wahr. Es gab nur noch die Frau vor ihm mit ihren ausdrucksvollen grünen Augen. Ein unbändiges Verlangen nach ihr überkam ihn.

Ihre vollen Lippen glänzten, und Matt spürte die sinnliche Ausstrahlung ihres Körpers. Kein Wunder, dass sein Bruder sich mit ihr eingelassen hatte und dass die männlichen Gäste sie mit Blicken verschlangen.

Sekunden verstrichen, und beide verharrten reglos. Dann atmete Olivia tief durch und wandte sich ab.

„Warten Sie.“ Matt streckte die Hand aus. „Ich bin Jeffs Bruder Matt.“

Sie zog die Augenbrauen zusammen. „Das mit Ihrem Bruder tut mir leid“, stellte sie nüchtern fest, ohne ihm die Hand zu geben, und ging vom Tresen weg.

„Ich muss mit Ihnen reden.“ Matt holte sie ein. „Wann haben Sie hier Schluss?“ Olivia Brennan sah ihn kurz an, und er entdeckte Ärger in ihrem Blick.

„Hören Sie, Jeff und ich haben uns schon vor einiger Zeit getrennt. Ich habe keine Ahnung, wieso Sie hier sind. Zwischen Jeff und mir war überhaupt nichts mehr.“

Ihre tiefe Stimme war so sexy wie alles an ihr.

„Da ist immer noch das Baby“, rief Matt ihr in Erinnerung. „Ich bin der Onkel dieses Kindes, also werden Sie ein paar Minuten für mich erübrigen müssen.“

Olivia biss sich auf die Unterlippe. Ihre makellosen Zähne schimmerten perlweiß. Fast hätte Matt vergessen, wieso er mit ihr sprechen wollte.

„Ich kann mir nicht vorstellen, was Sie wollen. Es gibt nichts zu bereden.“ Sie schüttelte den Kopf. „Mit Ihrer Familie bin ich fertig. Ich möchte keinen von Ihnen mehr sehen.“ Unvermittelt beugte sie sich zu ihm und senkte die Stimme. „Wenn Sie glauben, ich würde mein Baby aufgeben, dann täuschen Sie sich gewaltig!“ Sie straffte die Schultern und wollte weitergehen.

Was unterstellte sie ihm! Matt trat ihr in den Weg. „Ich bin mit diesem Kind verwandt, also können Sie mich nicht einfach so wegschicken. Ich will mit Ihnen reden, wann immer es Ihnen passt. Aber wenn Sie nicht wollen, können wir diese Unterhaltung auch in einen Gerichtssaal verlegen.“

Wütend richtete Olivia sich kerzengerade auf. Als sie tief einatmete, musste Matt sich beherrschen, um nicht auf ihre Brüste zu starren.

„Wir machen erst um zwei Uhr zu. Früher komme ich hier nicht weg.“

„Dann warte ich.“

„Also schön, um zwei auf dem Parkplatz.“ Sie sprach jetzt in gelassenem Ton, doch ihr Blick verhieß nichts Gutes.

„Einverstanden. Und in der Zwischenzeit könnten Sie mir einen Kaffee bringen. Ich sitze dort hinten.“

Sie nickte nur und ging fort. Matt konnte nicht anders, er musste einfach auf ihren Po sehen.

Plötzlich blieb Olivia stehen und warf ihm über die Schulter einen Blick zu.

Ertappt! Matt presste die Lippen aufeinander. Wenigstens will sie kein Geld von mir, dachte er. Eigentlich erstaunlich. Genau damit hatte er gerechnet, als Jeff ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte.

„Verdammt, Jeff!“, stieß Matt leise aus und dachte voller Wut und Kummer an seinen waghalsigen jüngeren Bruder, dem sein abenteuerliches Leben zum Verhängnis geworden war, als er beim Bergsteigen im Himalaja tödlich verunglückte.

Matt wartete ab, bis die Bar geschlossen wurde, und ging dann zum Angestelltenparkplatz. Eine einzelne Laterne tauchte die kiesbestreute Fläche in ein trübes gelbliches Licht. Am Himmel zeigte sich die schmale Sichel des Mondes, und der warme Südwind fuhr Matt durch das dichte schwarze Haar. Drei alte verbeulte und zerschrammte Autos waren hier abgestellt. Verärgert ließ Matt den Blick über den einsamen Parkplatz schweifen. Jenseits der beleuchteten Fläche erstreckte sich wildes Buschwerk, und nirgendwo schien es irgendeine Überwachung durch Sicherheitskameras zu geben. Dies war kein Ort, an dem sich eine Frau nachts um zwei allein aufhalten sollte.

Er wartete, bis Olivia als Letzte aus der Bar kam und hinter sich abschloss. Langsam ging er auf sie zu. Sie stand da, die Hände in die Hüften gestemmt, und sah ihn abwartend an.

„Jeff und ich haben uns getrennt. Also gibt es zwischen Ihnen und mir nicht viel zu besprechen.“

„Sie erwarten ein Kind von ihm. Er hat mir gesagt, er sei sicher, dass es von ihm ist.“

„Das ist es allerdings.“

Matt verstand nicht, wieso sie ihm gegenüber so feindselig reagierte. „Jeff sagte mir, Sie hätten keinerlei Familie und seien ganz allein auf der Welt. Ich will Ihnen doch nur helfen.“

„Danke, ich verzichte. Sie schulden mir nichts, und ich kann mich auch allein um mein Baby kümmern.“ Entschlossen strich Oliva sich das glänzende lange Haar nach hinten.

„Wieso wollen Sie es sich und Ihrem Baby eigentlich unnötig schwer machen?“

„Jeff hat jede Verantwortung für dieses Kind von sich gewiesen. Wenn Sie es genau wissen wollen, hat er gesagt: ‚Ich will weder von dir noch von dem Kind jemals wieder etwas hören.‘ Alles klar?“ Durchdringend sah sie Matt in die Augen. „Er fand, ich hätte besser aufpassen sollen, und damit hatte er recht. Ich möchte durch nichts und niemanden mehr an Jeff erinnert werden.“ Damit wandte sie sich ab und ging auf ihr Auto zu.

Matt verkniff sich eine zornige Erwiderung. Es schmerzte ihn, zu hören, dass Jeff nichts von seinem eigenen Kind hatte wissen wollen. Er lief Olivia nach und stellte sich ihr erneut in den Weg.

„Lassen Sie mich vorbei.“

„Ich will doch nur mit Ihnen reden. Ein paar Minuten haben Sie sicher noch für mich übrig.“

Sie holte tief Luft, und wieder musste Matt mit sich kämpfen, um ihr nicht auf die Brüste zu starren.

„Also schön, aber nur kurz.“ Olivia verschränkte die Arme vor der Brust und hob angriffslustig das Kinn.

„Dieses Baby wird in seiner Generation das einzige in unserer Familie sein.“

„Wieso? Können Sie keine Kinder zeugen?“

„Die Ehe ist nicht mein Ding. Ich werde niemals heiraten.“

„Na und? Das hat Ihren Bruder auch nicht gehindert. Außerdem war es ihm egal, ob dieses Baby der letzte Spross seiner Familie ist. Die Zukunft seiner Familie schien ihn nicht sonderlich zu interessieren.“

Aus ihren Worten hörte Matt Verbitterung heraus. Er sah ihre geballten Fäuste, und erst jetzt erkannte er, wie tief der Abgrund zwischen Olivia und Jeff gewesen sein musste.

„Haben Sie nicht noch einen Bruder und eine Schwester? Können die nicht für Nachkommen sorgen?“

Matt zuckte mit den Schultern. „Eines Tages vielleicht. Nick und Katherine führen beide ein unstetes Leben, und es sieht nicht so aus, als würden sie in absehbarer Zeit sesshaft werden.“

„Genau wie Jeff“, stellte Olivia verbittert fest.

„Keiner von uns ist so wild, wie Jeff es war“, fuhr Matt sie an. „Jeff hat sich genommen, was immer er wollte, und er hat sich für unbesiegbar gehalten. Leider hat sich gezeigt, dass er sich getäuscht hat.“ Er seufzte. „Ich möchte Ihnen doch nur helfen.“

Entschieden schüttelte Olivia den Kopf. „Falls Sie vor Gericht gehen, um mir mein Baby wegzunehmen, dann werde ich Sie mit allen Mitteln bekämpfen.“

„Könnten Sie mir vielleicht mal zuhören?“ Obwohl er vor Wut fast platzte, gelang es ihm, völlig ruhig zu sprechen.

Olivia hob fragend die Augenbrauen. „Also schön, ich höre zu, aber machen Sie’s kurz.“

Am liebsten hätte Matt sie bei den Schultern gepackt und sie geschüttelt, damit sie Vernunft annahm. „Ich nehme an, als Kellnerin verdienen Sie nicht sonderlich viel. Deshalb möchte ich mich finanziell um Sie und das Baby kümmern.“

„Ich brauche Ihre Hilfe nicht. So, Ende der Unterhaltung. Sie haben als Onkel keinerlei Rechte, und wenn Sie vor Gericht ziehen wollen, nur zu. Dieses Risiko bin ich bereit einzugehen. Mischen Sie sich nicht in mein Leben ein. Ihr Bruder war ein Mistkerl. Und jetzt gehen Sie mir aus dem Weg.“ Sie stieg ein, knallte die Tür zu und verriegelte sie sofort. Knatternd sprang der Motor an. Olivia setzte aus der Parklücke zurück, wendete und wirbelte beim Anfahren den Kies auf.

„Verdammt!“ Matt ballte die Hände zu Fäusten, marschierte entnervt zu seinem Pick-up, stieg ein und fuhr in Richtung Rincon. Er wusste, dass sie dort am Stadtrand wohnte. Ein letztes Mal wollte er noch versuchen, vernünftig mit ihr zu reden, bevor er seinen Anwalt anrief. So eine sture Frau!

Jeff hatte also nichts mit seinem Baby zu tun haben wollen. Matt biss die Zähne zusammen, während er über seinen kleinen Bruder nachdachte. Sein Vater hatte als Alleinerziehender sein Bestes getan, aber er hatte ihnen allen zu viel durchgehen lassen. Jeff als Jüngster der vier Geschwister war hoffnungslos verwöhnt worden.

Matt erreichte das Vorstadtviertel. Vor den kleinen Häusern standen alte Autos, die Vorgärten waren ungepflegt. Er kam bei Olivias Haus an, und in dem Moment tauchte auch ihr Wagen auf.

Sie bog in ihre Auffahrt, stieg mit einer Einkaufstüte im Arm aus und ging auf den Eingang zu.

Als sie Matt auf sich zukommen sah, warf sie ihm nur einen flüchtigen Seitenblick zu. „Wir haben uns bereits alles gesagt, was es zu sagen gibt.“ Sie drängte sich an ihm vorbei und stieg die unebenen Stufen zur Veranda hinauf. Matt folgte ihr und trat so dicht neben sie, dass er den Zigarettenrauch, der noch in ihrem Haar hing, wahrnahm.

„Bitte gehen Sie“, forderte Olivia ihn auf.

„Seien Sie doch nicht so stur. Sie erwarten den jüngsten Spross der Ransomes und können jede Unterstützung gebrauchen. Also hören Sie sich an, was ich Ihnen anbieten möchte. Vielleicht lassen Sie sich ja eine Million entgehen.“

Sie hob die Augenbrauen. „Ach ja? Tue ich das?“

Erstaunt nahm er den leicht belustigten Tonfall wahr. „Lassen Sie uns hineingehen und dort weiterreden.“

Als sie ihn zögernd ansah, glaubte er bereits, sie werde ihn nicht ins Haus lassen, doch dann streckte sie auffordernd den Arm aus und ließ ihn eintreten.

Sie warf ihre Handtasche auf das Sofa und sah Matt angriffslustig an. „Setzen Sie sich.“

„Wie lange wohnen Sie schon hier?“ Er blickte sich um, dann setzte er sich auf einen alten Sessel, dessen geblümter Bezug stark verblichen war. Auf dem Sofa lag eine Decke, und Matt vermutete, dass sich darunter Löcher verbargen.

„Fast ein Jahr.“

Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Knie, während er zusah, wie Olivia sich die Schuhe abstreifte. „Ich weiß, dass Sie studieren. Sie haben keine Angehörigen, jobben in einer Bar und riechen nach Zigarettenrauch. Diese Arbeit kann weder für Sie noch für das Baby gesund sein.“

„Ich versuche bereits, einen Job zu finden, in dem ich genauso gut verdiene wie in dem jetzigen. Das Two-Steppin’ Ribs zahlt gut, weil die Bar mitten im Nirgendwo liegt.“

„Wie viele Kurse haben Sie dieses Semester belegt?“

„Zwei. Das sind sechs Stunden. Ich studiere Jura.“

„Sie sind noch Studienanfängerin, stimmt’s?“

„Das wissen Sie doch sicher ganz genau. Sie denken wahrscheinlich, ich sei mit zweiundzwanzig für eine Studienanfängerin bereits zu alt, aber das geht Sie nichts an.“ Sie machte es sich auf dem Sofa bequem.

Matts Blick wanderte zu ihren Beinen. Er versuchte, sich darauf zu konzentrieren, was er ihr sagen wollte, aber mit seiner körperlichen Reaktion auf Olivia kam er nicht zurecht. „Also gut.“ Er atmete tief durch. „Folgender Vorschlag: Sie studieren weiter, kündigen den Job und ziehen zu mir auf die Ranch.“

„Niemals! Offensichtlich glauben Sie, nur weil ich in einer Bar arbeite, sei ich leicht rumzukriegen, aber ich steige bestimmt nicht mit Ihnen ins Bett, um mein Studium finanziert zu bekommen.“ Wutentbrannt sprang Olivia vom Sofa auf.

„Setzen Sie sich wieder“, erklärte Matt in einem so strengen, kühlen Ton, dass sie der Aufforderung sofort Folge leistete. „Ihr Körper interessiert mich nicht.“ Sobald er es aussprach, wusste er, dass es gelogen war. Doch er konnte sich beherrschen und sich einreden, Olivia nicht zu begehren. Er war fest entschlossen, sich niemals wieder gefühlsmäßig auf eine Frau einzulassen. „Ich bezahle Ihnen das Studium“, wiederholte er, „damit Sie diesen Job aufgeben können. Ich werde mich um Sie und das Baby kümmern. Ich bezahle die Arztbesuche, die Medikamente …“

„Kein Mensch ist so selbstlos. Was versprechen Sie sich davon?“

Er blickte ihr in die grünen Augen und kam zu der Überzeugung, dass alles an dieser Frau einen Mann an Sex denken ließ. „Ich möchte nur sicher sein, dass mein Neffe oder meine Nichte gut versorgt ist.“ Es gelang ihm zwar, nicht ihren Körper anzustarren, aber er schaffte es nicht, an etwas anderes als Sex mit ihr zu denken. „Sie sollen Zeit und Geld haben, damit Sie sich um sich und das Baby kümmern können. Ich bezahle Ihr Studium, und dafür wird Ihr Baby zu einem Teil unserer Familie. Mein Dad hatte bereits einen Herzinfarkt, und ich will, dass er sein einziges Enkelkind kennenlernt.“

„Wenn Ihnen so viel daran liegt, Ihren Vater zum Großvater zu machen, dann sollten Sie Ihre Haltung zur Ehe noch mal überdenken.“

„Ich war schon einmal verheiratet und weiß daher, dass das nichts für mich ist.“ Er weigerte sich, dieses Thema zu vertiefen.

„Was ist passiert? Hatte Ihre Frau genug davon, für Sie den Befehlsempfänger zu spielen?“

Matt unterdrückte seinen Ärger. „Ihr Baby wird der einzige Nachkomme der Ransomes sein. Mein Dad wird nicht jünger und sehnt sich nach einem Enkel. Ich schätze, er hatte die Hoffnung darauf bereits aufgegeben, aber nun ist sie neu geweckt worden.“

Olivia biss sich auf die Unterlippe.

Matt betrachtete ihren Mund, und hatte Mühe, sich auf ihr Gespräch zu konzentrieren. „Was lässt Sie zögern? Mal abgesehen von Ihrer Unabhängigkeit.“ Er sah sich um. „Das hier ist ja nicht gerade ein Palast. Ihr Job ist anstrengend und bringt wenig ein. Sie arbeiten in schlechter Luft und werden von Männern belästigt. Ich kann mir gut vorstellen, was Sie im Verlauf eines Abends alles zu hören bekommen.“

„Und Sie werden mich nicht belästigen?“ Es klang spöttisch.

„Nein, das werde ich nicht“, antwortete er nüchtern und versuchte vergeblich, die erotischen Bilder aus dem Kopf zu verscheuchen. „Sie wissen selbst, dass Sie eine attraktive Frau sind, aber für mich sind Sie wie eine Verwandte“, versicherte er, obwohl er da keineswegs sicher sein konnte, und wischte sich unauffällig den Schweiß von der Stirn. War es im Zimmer wirklich so heiß?

„Worauf wollen Sie hinaus?“ Olivia musterte ihn von Kopf bis Fuß. „Auf mich machen Sie den Eindruck eines Mannes, der immer bekommt, was er will.“

„Ich kümmere mich um meinen Dad und unsere drei Ranches, und mein Dad soll sein Enkelkind sehen. Mehr nicht. Das ist doch nicht so schwer zu begreifen.“ Leider war ihm sehr bewusst, dass er mit dem Feuer spielte, wenn er Olivia in seine Familie aufnahm.

„Da muss es noch um mehr gehen als nur um mein Baby.“

„Ich schwöre Ihnen, ich sage die Wahrheit.“

„Mir ist klar, dass mein Job nicht ideal ist, und ich sehe mich bereits nach einem anderen um.“ Sie winkte ab. „Meine Unabhängigkeit bedeutet mir so viel, weil sie das Einzige ist, was ich habe. Ich will nicht von Ihnen abhängig sein, und ich will auch nicht all das Geld zurückzahlen müssen, das Sie für mich ausgeben wollen.“

„Wenn Sie möchten, können wir einen Vertrag aufsetzen. Wenn Sie mögen, zahle ich Ihnen pauschal eine bestimmte Summe. Zurückzahlen müssen Sie mir nichts. Als Gegenleistung möchte ich Kontakt zum dem Kind meines Bruders. Das ist alles.“

Nachdenklich atmete sie tief durch, und sofort musste Matt auf ihre runden Brüste starren, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten. Als er Olivia wieder ins Gesicht sah, runzelte sie die Stirn.

„Mir fällt es schwer zu glauben, dass Sie und Ihr Vater sich so sehr Kontakt zu diesem Baby wünschen, nachdem Jeff mich schroff zurückgewiesen hat. Deutlicher als er kann man nicht sagen, dass man keinen Kontakt mehr wünscht.“

„Wir kannten Jeffs Haltung nicht. Anscheinend war ihm die Verantwortung zu viel. Das hätte ihm ähnlich gesehen.“

„Und was passiert später, wenn ich die Ranch wieder verlassen will?“

„Das können wir uns dann immer noch überlegen. Ich hoffe, Sie bleiben bei uns, bis Sie mit Ihrem Studium fertig sind. Vielleicht haben Sie dann Gefallen an uns gefunden und vertrauen uns genug, um auf Dauer bei uns zu wohnen. Was für Pläne haben Sie denn nach dem Studium?“

„Ich will mir eine Arbeit suchen. Allerdings kann ich mich nur wiederholen. Sie sollten heiraten und selbst eine Familie gründen, wenn Sie so verrückt nach Kindern sind.“

„Es gibt ja nun ein Baby, um die Linie der Ransomes fortzusetzen, und um dieses Kind werde ich mich kümmern.“ Matt blickte ihr in die Augen, und Olivia erwiderte den Blick ungerührt. Es war ein Machtkampf, aber unterschwellig empfand er Verlangen dabei. Er fragte sich, ob sie dieselbe starke Anziehung verspürte wie er.

Falls ja, dann wünschte sie sich diese verwirrenden Gefühle sicher genauso wenig wie er. Mühsam konzentrierte er sich auf die Zukunft und das Baby, um die Lust, die er für Olivia empfand, irgendwie zu bezwingen.

„Wenn Sie vorab eine bestimmte Summe bekommen und ich Ihre laufenden Kosten decke, dann werden Sie sich nicht von mir abhängig fühlen. Wie gesagt: Wenn Sie wünschen, können wir auch einen Vertrag aufsetzen.“

„Mit Jeffs Familie möchte ich nichts zu tun haben“, beharrte sie, und Matt fragte sich, ob sie ahnte, wie viel er zu geben bereit war, um ihr das Leben angenehmer zu machen.

„Mein Angebot wird Ihnen bei der Entscheidungsfindung sicher helfen. Ich werde einen Treuhandfonds für Ihr Kind einrichten. Sie bekommen Unterkunft und Verpflegung auf der Ranch, und ich übernehme Ihre laufenden Kosten. Und zusätzlich – sagen wir – hunderttausend Dollar. Die Hälfte jetzt, die andere Hälfte in sechs Monaten. Okay?“

2. KAPITEL

Ungläubig sah Olivia Matt Ransome an. „Für so viel Geld wollen Sie nicht nur mein Baby, sondern auch mich mit Leib und Seele“, erwiderte sie kühl und stand auf. „Raus.“

„Setzen Sie sich“, befahl Matt.

Sein ruhiger, bestimmter Ton, der keinen Widerspruch erlaubte, ließ Olivia erschauern. Wortlos setzte sie sich wieder.

„Wenn Sie wollen, können Sie mit meinem Anwalt sprechen oder mit meiner Familie.“

Sie nickte nachdenklich, während sie zu begreifen versuchte, wie viel Geld er ihr anbot. Sie könnte beliebig viele Kurse belegen und den entsetzlichen Job kündigen. Es war mehr Geld, als sie jemals in der Bar verdienen würde. Ihr Herz schlug heftig, und sie bekam feuchte Hände. Fast geriet sie in Versuchung, Matts Angebot auf der Stelle zu akzeptieren. Es dauerte eine Weile, bis ihr bewusst wurde, dass er noch auf ihre Antwort wartete.

„Sie sind tatsächlich ganz anders als Ihr Bruder.“

„Das hoffe ich auch stark.“

Olivia hatte Matt Ransome schon in der Bar bemerkt, bevor er sie angesprochen hatte. Er hatte nichts von Jeffs spielerischem Charme oder seiner Unbekümmertheit. Sie schätzte, er war ein paar Zentimeter kleiner als sein Bruder. Seine Schultern wirkten breiter, und mit seinen blauen Augen und den dunklen Wimpern sah er auf eine ganz eigene Art sehr gut aus. Jeff hatte braunes Haar gehabt, Matt dagegen war schwarzhaarig.

Es verunsicherte Olivia, dass sie auf seine Nähe so stark körperlich reagierte. Das hatte sie weder bei Jeff noch bei einem anderen Mann je erlebt. Den Grund dafür konnte sie sich nicht erklären, denn Matt Ransome war viel zu herrisch, um ihr zu gefallen. Er wirkte ernst und geschäftstüchtig. Dennoch hatte der erste Blick in seine strahlend blauen Augen ihren Puls in die Höhe getrieben und ihr den Atem geraubt. Ein paar Sekunden lang war sie fest überzeugt gewesen, dass Matt ebenso in dieser prickelnden Stimmung gefangen war wie sie. Sie gestand es sich nicht gern ein, aber sie fühlte sich sehr zu ihm hingezogen. Den Grund dafür konnte sie sich nicht erklären.

Matts Angebot war unglaublich verlockend, aber sie wollte sich zu nichts drängen lassen. Nachdenklich neigte sie den Kopf zur Seite. „Ihnen ist doch klar, dass Sie für so viel Geld auch ein Kind adoptieren könnten.“

„Dieses Baby ist ein Ransome, und ich werde mich darum kümmern. Wissen Sie schon, ob es ein Junge oder Mädchen wird?“

„Dazu ist es noch zu früh. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es vorher wissen will.“

„Hoffen wir, dass es ein Mädchen wird. Die männlichen Ransomes haben sich nicht sehr vorteilhaft entwickelt.“

„Ich werde über Ihr Angebot nachdenken“, erwiderte Olivia kühl und stand auf. „Jetzt ist es Zeit für Sie zu gehen.“

Auch Matt erhob sich. „Denken Sie in aller Ruhe nach, aber in der Zwischenzeit sollten Sie aus dieser Gegend wegziehen. Kommen Sie mit mir auf die Ranch. Am besten gleich heute Nacht.“

„Heute Nacht?“ Fassungslos sah sie ihn an. „Ich kann doch nicht …“

„Und ob. Ich wette, Sie können Ihre gesamte Habe in zwei Koffern verstauen. Gehören Ihnen diese Möbel, oder war das Apartment möbliert?“

„Die Möbel gehören mir nicht, aber anscheinend wollen Sie mein Leben kontrollieren, und das erleichtert mir die Entscheidung. Ich komme nicht mit.“ Olivia hoffte inständig, dass ihre Stimme beherrscht klang. Sie musste sich konzentrieren, um nicht auf Matts Brust oder auf seine kräftigen langen Beine zu starren.

„Ihnen muss klar sein, dass Sie hier nicht sicher sind. Das ist keine passende Umgebung für eine Schwangere. Stimmen Sie mir da zu?“

Entschlossen schüttelte sie den Kopf. „Sie wollen mir Ihren Willen aufzwängen. Lassen Sie mir etwas Freiraum. Ich muss das alles in Ruhe überdenken. Ich werde Ihnen morgen sagen, wie ich mich entschieden habe.“

Matt holte tief Luft und beherrschte sich mühsam. „Also gut, aber kündigen Sie wenigstens den Job, damit Sie aus dieser verräucherten Bar wegkommen. Denken Sie doch an das Baby.“

„Das tue ich ständig.“

„Wenn Sie mir Papier und Stift geben, kann ich Ihnen den Weg zur Ranch aufzeichnen.“

Wütend musterte Olivia Matt. Seine herrische Art gefiel ihr nicht. Vielleicht hatte Jeff aus diesem Grund so gegen seine Familie rebelliert. „Allmählich verstehe ich, wieso Ihr Bruder so war, wie er war.“

„Mein jüngster Bruder war nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen“, entgegnete Matt gereizt.

Offenbar hatte sie einen wunden Punkt getroffen. Olivia beschloss, nicht weiter auf Jeff einzugehen, und holte einen Stift und Papier. Während Matt die Wegbeschreibung zur Ranch notierte, betrachtete sie seine schön geformten Hände, seine dichten, leicht geschwungenen Wimpern und die gerade Nase. Auf seinen Wangen zeigte sich ein feiner dunkler Bartschatten.

„Auf Jeff war keinerlei Verlass. Da fällt es mir schwer, Ihnen jetzt zu vertrauen“, gestand sie.

„Ich kann nur wiederholen: Ich bin nicht Jeff.“ Matt stand dicht vor ihr und blickte ihr eindringlich in die Augen.

Olivia bekam weiche Knie. Ihr Blick heftete sich an seine Lippen, und sie fragte sich, wie es sein mochte, von ihm geküsst zu werden.

Plötzlich wurde ihr bewusst, dass auch er sie anstarrte, und ihr Herz setzte einen Schlag lang aus. Seufzend richtete sie sich auf. „Eines ist klar: Wenn ich zu Ihnen auf die Ranch ziehe, müssen Sie mir versprechen, dass Sie nicht versuchen, mich ständig zu bevormunden.“

„Das käme mir nicht in den Sinn, aber ich werde offen meine Meinung sagen, wenn Sie die Gesundheit des Kindes gefährden.“

„Bilden Sie sich bloß nicht ein, ich würde Ihnen jemals mein Baby überlassen.“

„Jedes Kind braucht seine Mutter. Dieser Beziehung möchte ich auf keinen Fall schaden –, solange Sie dem Kind eine liebevolle Mutter sind. In Ihrer Familie gab es viel Vernachlässigung und Misshandlung.“

„Ich bin nicht wie meine Eltern“, fauchte sie ihn an. „Meine Eltern haben getrunken und Drogen genommen. Sie haben mich wüst beschimpft und genauso vernachlässigt wie sich selbst. Ihnen fehlte jedes Verantwortungsgefühl, und das hat sie letztlich umgebracht. Ich konnte es nicht erwarten, von dort wegzukommen.“ Sie sah Matt herausfordernd an. „Für jemanden, der mich gerade erst kennengelernt hat, wissen Sie eine Menge über mich. Wie haben Sie das alles herausbekommen?“

„Ich habe einen Privatdetektiv engagiert.“

Er hat jemanden in meiner Vergangenheit herumschnüffeln lassen! Einen Moment war Olivia drauf und dran, Matt rauszuwerfen, doch dann wurde ihr bewusst, dass sie an seiner Stelle genauso gehandelt hätte. „Ich werde über Ihr Angebot nachdenken“, lenkte sie ein, obwohl ihr klar war, dass sie eigentlich überglücklich einwilligen sollte.

„Wir werden uns nicht im Weg sein. Es ist ein großes Haus. Zurzeit kann man sich an der Universität von Fort Worth fürs nächste Semester einschreiben.“ Matt zog einige Informationsbroschüren aus seiner Gesäßtasche. „Hier, sehen Sie sich das mal an.“ Er legte sie auf den Tisch. „Sie könnten sich voll auf das Studium konzentrieren und viel schneller Ihren Abschluss machen, als wenn Sie alles allein finanzieren müssten.“

„Sie haben wohl schon alles genau geplant, was? Wie weit liegt Ihre Ranch denn von Fort Worth entfernt?“

„Dreißig Meilen, das ist nicht viel. Sie könnten pendeln.“

Sie sahen sich in die Augen, und Olivia fragte sich, ob er das wirklich alles ernst meinte. Andererseits war sie schon einige Male von Männern enttäuscht worden, also würde sie es überleben, sollte Matt Ransome sich als weniger nobel entpuppen, als er sich jetzt präsentierte. Er begehrte sie. Das sah sie an seinen Blicken, aber sie spürte auch, dass er sich im Griff hatte. Er mag mich nicht, dachte sie. Wahrscheinlich hat er nie viel von Jeffs Freundinnen gehalten.

Abgesehen von den verlangenden heißen Blicken wirkte er eiskalt. Seltsam, dass sie so stark auf ihn reagierte. Seit Jeff hatte sie kein Interesse mehr an Männern gehabt, aber bei Matt war das anders. Ihr Puls beschleunigte sich, sobald sie ihn ansah, und sie hatte Schwierigkeiten, normal zu atmen. Sie wollte nicht so auf ihn reagieren, und ihr war klar, dass er genauso wenig für ihre Ausstrahlung empfänglich sein wollte.

„Sind wir fertig für heute?“, fragte sie. Er sollte möglichst bald aus ihrem Haus verschwinden.

„In dieses Haus kann jeder leicht einbrechen. Möchten Sie vielleicht, dass ich über Nacht bei Ihnen bleibe? Ich könnte auf einem Sessel schlafen oder auf dem Sofa.“

Belustigt lächelte Olivia. „Danke, nicht nötig. Ich sorge schon lange selbst für mich. Schon vor dem Tod meiner Eltern. Außerdem habe ich mich um die beiden kümmern müssen, seit ich zwölf war. Wir haben in viel schlimmeren Gegenden als dieser gelebt. Die Mieten hier sind günstig, und es ist ein halbwegs ruhiges Viertel, auch wenn es Ihnen nicht gefällt. Sie brauchen sich keine Gedanken zu machen.“

Er musterte sie eingehend, und Olivia konnte sich nicht gegen seine Wirkung auf sie wehren. Gegen ihren Willen war sie erregt. Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt, als sie bemerkte, dass es Matt offensichtlich wie ihr erging. Schließlich atmete er tief durch, dann ging er zur Tür.

Olivia folgte ihm.

„Sie haben meine Handynummer“, sagte er leise. „Rufen Sie an, falls Sie irgendetwas brauchen.“

„Danke.“

„Sie werden es nicht bereuen, wenn Sie auf meinen Vorschlag eingehen. Also machen Sie sich deshalb keine Sorgen.“

Olivia folgte ihm nach draußen und sah ihm nach, als er in sein Auto stieg und davonfuhr.

Langsam kehrte sie in ihr Haus zurück und sah sich in dem schäbigen Wohnzimmer um. Wenn sie auf Matts Angebot einginge, könnte sie sich um das Baby kümmern, ihr Studium beenden und in Sicherheit leben.

War er ehrlich zu ihr? Ging es ihm wirklich nur um das Kind?

Hoffentlich.

Während sie sich zum Schlafengehen fertig machte, dachte sie an Jeff Ransome. Er hatte sie interessiert, weil er anders als die Männer war, denen sie sonst begegnet war.

Jeff hatte an der Pokerrunde im Hinterzimmer der Bar teilgenommen, und als die Bar geschlossen wurde, hatte er sie gefragt, ob sie noch mit ihm ausgehen wolle.

Seit sie zwölf Jahre alt war, wusste Olivia, dass Männer sie attraktiv fanden. Sie hatte früh gelernt, sich deren Annäherungsversuchen zu entziehen, doch Jeff Ransome hatte es mit seinem Charme geschafft, sie aus der Reserve zu locken. Er war erst der zweite Mann in ihrem Leben gewesen, auch wenn er das nicht glauben wollte. Zusammen hatten sie eine wundervolle Zeit erlebt, bis sie entdeckt hatte, dass sie schwanger war. Obwohl sie immer verhütet hatten, war es passiert.

Von dem Zeitpunkt an hatte Jeff nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Kurz nachdem sie sich getrennt hatten, war er zu einer Klettertour im Himalaja aufgebrochen. Bei der riskanten Kletterei war er in den Tod gestürzt.

Nachdenklich starrte Olivia ins Leere. Ihre Gedanken kreisten um Matt Ransomes Angebot. Ich werde es annehmen, dachte sie, aber nur zu meinen Bedingungen.

Sie blätterte in den Studienunterlagen und wurde sich allmählich bewusst, welchen Geldregen Matt ihr anbot. Sie konnte nur hoffen, dass er keinerlei Hintergedanken hatte.

Nervös fuhr Olivia am nächsten Morgen durch das Eingangstor der Ransome-Ranch. Eine ganze Weile führte der Weg geradeaus, dann erstreckten sich nach einer Biegung Häuser, Scheunen, Koppeln und Lagergebäude vor ihr. Neben einer Wasserpumpe, die von einem Windrad betrieben wurde, stand ein großer Wassertank fürs Vieh.

Olivias Blick fiel auf das imposante Haupthaus. Makellos gepflegte Rasenflächen umgaben das Gebäude und zeugten ebenso vom Reichtum der Besitzer wie die gepflegten, üppig blühenden Blumenbeete. Noch nie hatte sie in einem solchen Haus gewohnt. Sie schluckte und konnte sich kaum vorstellen, jemals zur Familie Ransome zu gehören.

Ein Lattenzaun trennte den Gartenbereich vom Rest der Ranch, und zwei große Eichen spendeten Schatten, doch auch dieser idyllische Anblick konnte Olivias Nerven nicht beruhigen. Auf der Veranda hingen Töpfe mit Bougainvillen, scharlachroten Kokardenblumen und Fleißigen Lieschen. Alles wirkte wie in einem Traum.

Das hier könnte mein neues Zuhause sein, dachte sie.

Genau in diesem Moment trat Matt Ransome auf die Veranda. Er trug ein weißes T-Shirt, Jeans und Cowboystiefel. Sein muskulöser, kraftvoller Körper strahlte eine unbändige Energie aus, was Olivias Nervosität noch steigerte. Als sie ausstieg, fühlte sie sich unwohl in ihrer abgeschnittenen Jeans und ihrem knappen T-Shirt.

„Hallo.“ Matt trat an ihren Wagen, um ihr beim Ausladen zu helfen.

Ein Blick in seine Augen reichte Olivia, um festzustellen, dass die Anziehung zwischen ihnen genauso stark war wie am Abend zuvor. Aus dem Augenwinkel nahm sie wahr, dass er ihren Bauch musterte.

„Man sieht Ihnen die Schwangerschaft überhaupt nicht an.“

Bleib ruhig und sachlich, sagte sie sich. Bloß keine vertrauliche Stimmung entstehen lassen! „Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich relativ groß bin“, antwortete sie zu ihrem Ärger atemlos. Wie nahe er vor ihr stand! Olivia merkte kaum, was sie sagte. Entweder tritt er jetzt einen Schritt zur Seite, oder ich weiche ihm aus. Doch sie starrte ihn weiter an, während ihr Herz immer schneller schlug.

Die Stille zwischen ihnen wurde bedrückend. Bei seinem durchdringenden Blick wurde ihr heiß.

„Unsere Abmachung schließt keinerlei körperliche Beziehung ein“, stellte sie klar.

„Ganz sicher nicht“, erwiderte Matt gereizt. „Ich bin an so etwas absolut nicht interessiert. Wir können wohl beide nichts in der Art gebrauchen.“

„Dann sind wir uns ja einig. Könnten Sie jetzt einen Schritt zur Seite treten?“

Sein Blick bekam für einen Moment einen unergründlichen Ausdruck, bevor er ihn senkte und einen weiteren Karton aus dem Kofferraum nahm. „Ich bringe Ihre Sachen ins Haus, dann führe ich Sie herum. Haben Sie Ihren Job gekündigt?“

„Nein. Egal, was wir beide beschließen, ich werde heute Abend arbeiten.“

Unwillig richtete Matt sich auf. „Sie sind diesen Leuten überhaupt nichts schuldig, und jede weitere Stunde, die Sie dort verbringen, wäre verschwendet.“

„Hatten Sie nicht gesagt, Sie wollten sich nicht in mein Leben einmischen?“

„Wenn es um die Gesundheit des Babys geht, mische ich mich ein. Die Luft in dieser Bar ist ungesund. Man wird doch auch ohne Sie über die Runden kommen.“

„Hören Sie …“

„Nein, jetzt hören Sie mir zu“, unterbrach er sie ruhig. „Unsere Abmachung schließt auch ein, dass Sie auf sich und Ihr ungeborenes Kind aufpassen.“

Gerade eben noch hatte es zwischen ihnen geknistert, doch jetzt herrschte eine Stimmung mühsam unterdrückter Wut.

Zornig sah Olivia ihn an. Selbst wenn sie den ganzen Tag lang miteinander stritten, würden sie einer Einigung nicht näher kommen.

„Warum sind Sie so versessen aufs Kellnern?“

„Das bin ich nicht.“ Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Sie und ich, wir sind uns noch in keiner Weise einig geworden und müssen uns erst noch ausführlich unterhalten. Also hören Sie auf, mir Vorschriften zu machen.“

„Suchen Sie sich erst mal ein Zimmer aus. Dann können wir uns zusammensetzen und überlegen, ob wir nicht doch noch eine gemeinsame Basis finden.“ Matt klemmte sich den letzten Karton unter den Arm. „Morgen mache ich Sie mit allen bekannt, die auf der Ranch arbeiten. Mrs Marley kommt zweimal die Woche. Sie kümmert sich um das Haus und kocht für mich. Ende der Woche werden Sie sie kennenlernen. Am Freitag kocht sie, und am Samstag macht sie das Haus sauber. Mein Dad lebt ganz in der Nähe, und bei ihm ist sie von Montag bis Donnerstag.“

Olivia nickte nur. Auf dem Weg zum Haus spürte sie deutlich Matts Nähe, der hinter ihr ging. Wenn ich jedes Mal so stark auf seine Nähe reagiere, dachte sie, worauf lasse ich mich da bloß ein?

Matt nahm ihren Arm. Obwohl sie ihn noch keine vierundzwanzig Stunden kannte, machte der harmloseste Körperkontakt sie schon verrückt. So etwas hatte sie noch nicht erlebt.

Ihr waren schon andere gut aussehende und selbstbewusste Männer begegnet, aber nicht einmal Jeff mit all seinem Charme hatte eine solche Wirkung auf sie gehabt wie Matt.

Welche Folgen mochte es für sie haben, wenn sie sein Angebot akzeptierteund in dieses verlockende Paradies einzog? Der Gedanke, nicht wieder in die Bar zu den lüsternen Männern zurückkehren zu müssen, erleichterte sie zutiefst. Gleichzeitig wollte sie bei diesem Handel nicht völlig ihre Unabhängigkeit aufgeben. Sie musste der Abmachung ihren eigenen Stempel aufdrücken. Wenn sie an ihren Plan und ihre Forderungen dachte, wurde ihr jedoch fast schwindlig. Was würde Matt dazu sagen? Sie ging ein großes Risiko ein, indem sie Bedingungen stellte, die er vielleicht ablehnen würde. Wenn sie hingegen sein Angebot einfach annahm und er sich an die Abmachungen hielte, würde ihr Leben schöner werden, als sie es sich je erträumt hatte.

Matt hielt Olivia die Tür auf und folgte ihr in eine riesige Küche mit großen Fenstern. Der von Sonnenlicht durchflutete Raum war mit glänzenden Arbeitsflächen aus Granit und Möbeln aus Walnussholz eingerichtet. Die Fenster reichten vom Boden bis zur Decke und boten einen Blick über den Innenhof und den Pool, in dem das Wasser glitzerte.

„Es ist schön hier“, stellte sie bewundernd fest. „Ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe.“

Matt nahm sie sanft beim Arm und führte sie ins Wohnzimmer.

Beim Anblick der hohen Decke, des massiven Kamins, der teuren Ledermöbel und erlesenen Gemälde bekam sie kaum einen Ton heraus. „Das ist ein Traum!“, stieß sie schließlich aus. „Ihnen ist sicher klar, dass ich noch nie in einem Haus wie diesem gelebt habe.“

„Ja, es bietet sehr viele Annehmlichkeiten. Auf der anderen Seite des Flurs gibt es noch ein Wohn- und ein Esszimmer.“ Er führte sie wieder in den Flur. „Am Ende dieses Gangs finden Sie einen Wirtschaftsraum, einen Fitnessraum und mein Arbeitszimmer. Die Schlafzimmer liegen alle im anderen Flügel. Abgesehen von meinem können Sie sich jedes Zimmer aussuchen.“

Während er mit ihr durch die verschiedenen Räume ging, staunte Olivia über die luxuriöse Einrichtung. In diesem Palast sollte sie leben? In jedem Zimmer konnte man den Reichtum und die Macht dieser Familie spüren. Würde sie sich dagegen behaupten können, wenn es um die Zukunft ihres Kindes ging?

„Ein Innenarchitekt wird Ihnen beim Einrichten des Kinderzimmers helfen.“

Matts Worte holten sie zurück in die Gegenwart.

„Aber ich werde nicht für immer hier leben.“ Fragend blickte sie ihn an.

„Das macht nichts. Sie werden uns besuchen und das Kind mitbringen.“

„Sie sind sich Ihrer Sache ja sehr sicher!“ Olivia begriff nicht, woher Matt diese Zuversicht nahm. Vielleicht lag es an dieser Umgebung, dass er glaubte, er konnte alles erreichen, was er sich in den Kopf setzte. Würde ihr Kind ebenso werden wie er, wenn es hier aufwuchs?

Sie grübelte weiter über ihre Zukunft nach, während sie voller Staunen von Zimmer zu Zimmer ging.

„Wie wär’s mit diesem?“, schlug Matt vor, als er sie in ein Schlafzimmer führte, dessen Anblick Olivias Pulsschlag in die Höhe trieb. Der Raum war größer als das gesamte Haus, das sie gemietet hatte. Hier gab es mehr Luxus als in ihren Träumen. Das Bett war riesig und hatte ein Kopfteil aus Bronze, der Schrank war aus Mahagoni, es gab Regale, einen großen Fernsehapparat, ein burgunderfarbenes Sofa, einen Schaukelstuhl und kleine Beistelltische. Dunkelrot mit weißen und beigefarbenen Akzenten herrschte bei der gesamten Einrichtung vor. Der glänzende Holzfußboden wurde zum Großteil von einem Orientteppich bedeckt.

Olivia machte sich nicht die Mühe, ihr Staunen zu verbergen. Allerdings wollte sie sich nicht allzu große Hoffnungen machen. Es war Zeit, ihre Bedingungen zu stellen. „Dies hier übertrifft bei Weitem alle meine Erwartungen“, sagte sie leise und drehte sich zu Matt um. Jetzt würde sie erfahren, wie ernst ihm dieses Vorhaben war. „Sprechen wir über unsere Zukunft und die Bedingungen unserer Abmachung.“ Als sie den Ausdruck „unsere Zukunft“ gebrauchte, wurde ihr plötzlich heiß.

„Einverstanden.“ Prüfend blickte er sie an, bis es Olivia vorkam, als kenne er all ihre Gedanken. „Holen wir uns etwas zu trinken und setzen wir uns ins Wohnzimmer.“

Schweigend kehrten sie zurück. Olivia bekam kaum mit, was Matt tat, weil ihre Nervosität beständig zunahm. Dann saßen sie mit hohen gekühlten Gläsern Limonade an dem polierten Eichentisch. Olivia war nicht in der Lage, in diesem Moment etwas zu essen oder zu trinken. In den nächsten Minuten würde sich ihre Zukunft entscheiden. Sie fühlte sich von Matts Blicken geradezu durchbohrt. Er war ein sehr entschlossener Mensch, doch sie klammerte sich an ihren Plan. Sie wollte herausfinden, wie wichtig ihm die Sache war. Also atmete sie tief durch.

„Sie sind sehr großzügig.“ Es fiel ihr unsagbar schwer, zusätzlich noch Forderungen vorzubringen. „Aber ich habe ein Gegenangebot für Sie.“

Schlagartig blickte Matt sie hellwach an.

„Nennen Sie Ihre Bedingungen und Ihren Preis.“ Es klang, als würde es ihm schwerfallen, die Worte herauszubringen. „Wie viel des Ransome-Vermögens wollen Sie?“

„Wenn Ihnen tatsächlich so viel daran liegt, dieses Kind als einen Ransome aufzuziehen, dann möchte ich, dass mein Baby auch den Namen Ransome trägt. Ich will eine Ehe auf dem Papier, die später wieder geschieden werden kann.“ Ihr Herz schlug so heftig, dass sie ihre eigenen Worte kaum hörte. „Mit anderen Worten: Wollen Sie mich heiraten?“

3. KAPITEL

Fassungslos blickte Matt Olivia an. „Sie wollen mich heiraten?“

„Ja. Wenn mein Kind tatsächlich ein Familienmitglied werden soll, dann sind Sie sicher damit einverstanden. An Ihren sonstigen Bedingungen würde sich nichts ändern, wir wären lediglich offiziell verheiratet. Auf diese Weise gehen Sie eine größere Verpflichtung ein. Mein Kind wird vor dem Gesetz ein Ransome. Biologisch gesehen ist es das ja ohnehin schon. Sie würden den ehrenhaften Schritt tun, zu dem Ihr Bruder nicht bereit war.“

Matt konnte den Blick nicht von Olivia abwenden. Er durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. Wie konnte sie noch mehr verlangen, wo er ihr ohnehin mehr bot, als sie jemals in ihrem Leben erreichen konnte? Dann bemerkte er die weiß hervortretenden Fingerknöchel ihrer verkrampften Hände, die winzigen Schweißperlen auf ihrer Stirn und ihren besorgten Blick.

Schlagartig sah er die Dinge aus ihrer Sicht. Sie wollte ebenfalls rechtlich abgesichert sein. Durch diese Ehe wäre ihr Kind ein Mitglied von Jeffs Familie.

Andererseits wäre er dadurch enger an Olivia gebunden, als er es beabsichtigt hatte. Einen Moment lang erregte ihn die Vorstellung, mit ihr verheiratet zu sein. Er malte sich aus, ihren nackten, sinnlichen Körper in den Armen zu halten. Dieses Bild versetzte seine Hormone in Aufruhr.

Matt musste sich zwingen, wieder ans Geschäftliche zu denken. Eine Vernunftehe, überlegte er. Eine Ehe, die nur auf dem Papier besteht.

„Wir können uns scheiden lassen, sobald ich meinen Abschluss in Jura habe“, erklärte Olivia.

Würde er es schaffen, mit ihr unter einem Dach zu leben und die Hände von ihr zu lassen, wenn sie verheiratet wären? „Sie wollen alles“, stellte er leise fest und sah, wie sie errötete.

„Nein. Ich will zum Beispiel keinen Sex mit Ihnen. Es soll ja keine richtige Ehe sein. Aber wenn es Ihnen wirklich ernst ist mit dem, was Sie mir vorgeschlagen haben, dann würde eine Heirat mein Kind absichern und mich in eine sehr viel bessere Lage versetzen.“

„Allerdings.“ Matt klang gereizt. „Bei einer Scheidung könnten Sie die Hälfte meines Vermögens verlangen.“

„Wir werden einen Ehevertrag schließen.“

Nachdenklich rieb Matt sich den Nacken. Er steckte in der Klemme, und das wusste sie sehr genau. Er wollte sie nicht heiraten, doch wenn er jetzt ablehnte, würde sie auch nicht in seinen Vorschlag einwilligen, und damit wäre ihr Kind als Nachkomme der Ransomes verloren. „Und alles Übrige, was ich Ihnen angeboten habe, wollen Sie ebenfalls: die Ausbildung, das Bargeld und den Treuhänderfonds für Ihr Baby?“

„Die Ausbildung und den Treuhänderfonds ja. Etwas Geld hätte ich auch gern, damit ich mich ganz auf mein Studium konzentrieren kann, ohne nebenbei zu jobben. Aber wenn ich hier auf der Ranch lebe, würde ich höchstens die Hälfte der Summe brauchen, die Sie mir angeboten haben. Nach dem Abschluss meines Studiums lassen wir uns gleich scheiden. Ich möchte nicht für immer mit Ihnen verheiratet sein.“

„Darüber muss ich erst mal nachdenken. Eine Heirat hatte ich bislang nicht in Betracht gezogen.“

Olivia straffte die Schultern. Dann reckte sie das Kinn vor. „Ich dachte mir schon, dass Sie nicht darauf eingehen werden.“ Sie stand auf. „Sie sind besser als Ihr Bruder, aber das reicht mir nicht. Da Ihnen die Sache offensichtlich doch nicht so wichtig ist, dass Sie bereit sind, dafür ein paar Unannehmlichkeiten hinzunehmen, werde ich mir meine Unabhängigkeit bewahren und weiterziehen.“

„Sie lehnen ein Leben ab, das Ihnen weit mehr bietet, als Sie im Moment haben? Damit verbauen Sie Ihrem Kind eine vielversprechende Zukunft.“

„Wenn Sie wirklich bereit sind, diesem Kind gegenüber eine Verpflichtung einzugehen, dann verlange ich nur, was eigentlich Ihr Bruder hätte tun sollen.“ Sie hob die Schultern. „Ich bin an harte Zeiten gewöhnt. Sie entscheiden, ob Sie auf mein Angebot eingehen oder nicht.“

Er blickte ihr in die Augen. Er glaubte ihr jedes Wort, und es ärgerte ihn, dass sie so uneinsichtig war. Andererseits wuchs sein Respekt vor ihr, weil sie versuchte, für ihr Kind das Bestmögliche herauszuholen. „Setzen Sie sich.“ Er unterdrückte seinen Ärger und sprach leise. „Ich sagte nicht, dass ich es nicht tue. Ich will lediglich etwas nachdenken, genau wie Sie es gestern Abend auch bei meinem Angebot gemacht haben.“

Olivia setzte sich und erwiderte seinen durchdringenden Blick.

„Ich werde darüber mit meinem Anwalt sprechen“, erklärte Matt. „Und Sie können in der Bar anrufen und kündigen. Dann richten Sie sich Ihr Zimmer ein, und anschließend stelle ich Ihnen die Leute vor, die hier auf der Ranch wohnen und arbeiten.“

„Solange Sie keine Entscheidung gefällt haben, werde ich meinen Job nicht kündigen. Jetzt gehe ich in mein Zimmer und ziehe mich für die Arbeit um.“

Matt stand auf und sah ihr nach. Am liebsten hätte er sie geschüttelt, um sie zur Vernunft zu bringen. So weit hatte ihn bisher noch keine Frau gebracht. Nicht einmal Margo, kurz bevor sie ihn verlassen hatte.

Schlimmer noch war die ständige erotische Spannung zwischen ihnen. Matt fühlte sich in Olivias Nähe wie unter Strom gesetzt.

„Verdammt!“ Er schob den Stuhl zurück, nahm sein Handy heraus und rief den Anwalt der Familie an.

Rasch schilderte er das Problem und ließ sich über einen Ehevertrag informieren, wobei er ständig die Uhr im Auge behielt. Er hörte dem Anwalt zu, doch er wartete auch auf Olivias Rückkehr.

Schließlich beendete er das Gespräch. Selbst eine Scheinehe war wesentlich verbindlicher als das Abkommen, das er mit Olivia hatte schließen wollen. Aber die Ehe konnte wieder aufgelöst werden, und er hatte die Möglichkeit, sich durch Vertragsklauseln vor zukünftigen Ansprüchen ihrerseits zu schützen.

Matt rieb sich den Nacken und fluchte leise. Als er Olivias Schritte hörte, eilte er in die Küche und fing sie dort ab.

„Warten Sie einen Moment!“

Fragend hob sie die Augenbrauen, blieb jedoch stehen.

Matt trat dicht vor sie. „Ich habe mit unserem Anwalt gesprochen und muss über Ihren Vorschlag nachdenken. Bitte melden Sie sich heute krank. Sie werden doch nicht gleich den Job verlieren, wenn Sie einen Abend nicht arbeiten.“

Einen Moment blickte sie ihn an, und Matt glaubte schon, sie würde sich weigern. Doch dann hängte sie ihre rote Handtasche an einen Haken neben der Tür und griff zum Telefon.

Olivia sprach kurz mit einer Kollegin und zog die Handtasche wieder vom Haken. „Dann werde ich jetzt auspacken, duschen und mich umziehen. Anschließend können Sie mich herumführen. In diesem Aufzug möchte ich hier niemandem begegnen.“

Matt nickte und blickte ihr nach. „Ich bin in meinem Arbeitszimmer!“, rief er ihr hinterher und telefonierte gleich noch einmal mit seinem Anwalt.

Olivia schloss die Tür hinter sich und ging in dem riesigen Schlafzimmer herum, in dem sie vielleicht bald schlafen würde. Sachte strich sie über die Möbel. Sie stand unter so großer Anspannung, dass ihre Hände leicht zitterten. Wie konnte sie so dreist sein, von dem Mann, dem dieses riesige Anwesen gehörte, zu verlangen, sie zu heiraten? Andererseits bekam ihr Baby dadurch alle Chancen für die Zukunft.

Es bestand allerdings die Gefahr, dass Matt das Leben ihres Kindes kontrollieren würde. Wenn er sie heiratete, bekam er auch Rechte. Sie war sich sicher, dass er sehr genaue Vorstellungen davon hatte, wie Jeffs Kind aufwachsen und auf welche Schulen es gehen sollte. Sich irgendwann wieder zu trennen, alles zu packen und von der Ranch zu verschwinden wäre viel leichter, wenn sie auf sein Angebot einginge, anstatt ihn zu heiraten.

Beim Gedanken daran, zukünftig jede Entscheidung bezüglich des Babys gemeinsam mit ihm treffen zu müssen, zog sich ihr der Magen zusammen. Andererseits würde ihr Baby dadurch zum Erbe der Ransomes, und soweit sie es bis jetzt beurteilen konnte, lag Matt wirklich etwas am Wohl ihres Kindes.

Olivia hatte weder ein normales Familienleben kennengelernt, noch hatte sie als Kind ein gutes Zuhause gehabt. Sie blickte sich in dem großen Schlafzimmer um. Ihr Kind würde es einmal besser haben als sie.

Aber wie lange würde sie Matts männlichem Charme widerstehen können? Selbst jetzt wurde ihr heiß, wenn sie an ihn dachte. Konnte sie stark sein und sich dauerhaft gegen diese Faszination wehren?

Sie trat ans Fenster und blickte über den gepflegten Garten und die Felder, die sich dahinter bis zum Horizont erstreckten. Dieser Reichtum kam ihr unfassbar vor.

Hastig verfasste Matt einen Entwurf für einen Ehevertrag. Er versuchte, alle Punkte aufzulisten, die er mit seinem Anwalt besprechen wollte.

Immer wieder musste er an Olivia denken. Stöhnend rieb er sich den Nacken. Er kannte sie noch keine vierundzwanzig Stunden, doch schon jetzt bekam er sie nicht mehr aus dem Kopf.

Entnervt ging er zum Schreibtisch in seinem Schlafzimmer und suchte nach dem Ehevertrag, den er damals mit Margo abgeschlossen hatte. Sie hatten jung geheiratet und hatten diesen Vertrag aufgesetzt, weil sie beide aus reichen Familien stammten. Als sie sich dann wieder trennten, hatte es keinen Streit ums Geld gegeben. Margo verdiente so gut und besaß so viel, dass ihr nichts an seinem Vermögen lag. Sie wollte nur noch raus aus der Ehe mit ihm, um ihre Karriere zu verfolgen.

Als Matt an Olivias Zimmer vorbeikam, stellte er sich vor, wie sie unter der Dusche stand. Er malte sich aus, wie das Wasser über ihren verführerischen Körper rann. Stöhnend beschleunigte er seine Schritte.

Ich muss arbeiten und ein paar Kalorien verbrennen, beschloss er. Ein gemeinsamer Abend mit Olivia würde für ihn zur Qual werden, wenn er ständig diese Anziehung verspürte.

„Matt …“

Er wandte sich zu Olivia um, die im Flur stand. Das T-Shirt hing ihr aus der abgeschnittenen Jeans. Im tiefen Ausschnitt konnte er den Ansatz ihrer Brüste sehen.

„Ich bekomme das heiße Wasser nicht an“, sagte sie atemlos. „Gibt es da einen Trick? Ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Palast irgendetwas kaputt ist.“

„Verdammt, tut mir leid, das habe ich vergessen. Eigentlich wollte ich das längst reparieren lassen. Leider geht auch in diesem Haus hin und wieder etwas schief“, fügte er belustigt hinzu. „Ich hole schnell die Rohrzange. Es dauert bestimmt nicht lange. Sie können auch in einem der anderen Bäder duschen.“

„Wenn’s Ihnen nichts ausmacht, würde ich lieber warten, bis Sie es in Ordnung gebracht haben.“

Matt holte rasch das nötige Werkzeug. Vor Olivias Tür atmete er noch einmal tief durch.

Sie stand am Fenster, und er hoffte, sie würde nicht zu ihm ins Bad kommen. Der Duft ihres Parfüms hing in der Luft. Matt versuchte, ihn zu ignorieren, während er sich über die Wanne beugte und an den Armaturen herumschraubte.

Nach wenigen Minuten funktionierte das Warmwasser wieder, und er packte sein Werkzeug zusammen. Gerade als er gehen wollte, betrat Olivia das Bad, und sie wären fast zusammengeprallt.

Matt umfasste ihren Arm, um sie zu stützen. „Entschuldigen Sie, Olivia.“

Sie blickte ihm in die Augen, und wieder fühlte er sich benommen. Als sie die dichten dunklen Wimpern senkte, durchzuckte ihn das Verlangen wie ein Blitzschlag. Olivia holte tief Luft, was wiederum seinen Blick auf ihre Lippen lenkte. Er spürte die Wärme ihres aufregenden Körpers und nahm den verführerischen Duft ihrer Haut wahr.

„Lass es uns hinter uns bringen“, sagte er leise und beugte sich noch dichter zu ihr.

In ihrem Blick lag tiefe Sinnlichkeit. Matts Pulsschlag erhöhte sich augenblicklich. Er legte einen Arm um ihre Taille und hörte Olivia aufseufzen. Wie warm sie war! Er ließ ihr Zeit, damit sie sich von ihm lösen oder in irgendeiner Form protestieren konnte.

Stattdessen strich sie ihm über den Oberarm und blickte ihn sehnsüchtig an, sodass Matt erschauerte. Nichts konnte ihn jetzt noch davon abhalten, Olivia zu küssen.

Ihm war klar, dass er eine Grenze überschritt und eine Richtung einschlug, die er um jeden Preis hatte vermeiden wollen. Aber der verführerischen Anziehung dieser Frau konnte er nicht widerstehen, trotz aller Schwierigkeiten, in die er sich dadurch brachte.

Er beugte sich vor, und unwillkürlich legte Olivia den Kopf in den Nacken. Ihr Atem streifte seine Wange, ihr warmer Körper schmiegte sich an ihn. Verlangend senkte Matt die Lippen auf ihren Mund. Alles in ihm sehnte sich danach, mit Olivia zu schlafen. Der glutvolle Kuss war nur ein Vorgeschmack darauf.

Olivia schlang ihm die Arme um den Nacken und lehnte sich an ihn. Matt fühlte ihre aufreizenden Brüste, während sie den Kuss hingebungsvoll erwiderte. Sie umspielte seine Zunge mit ihrer, strich aufreizend über seinen Rücken und fachte sein Verlangen weiter an.

Sobald sie sich an ihn presste, vergaß er jeden klaren Gedanken. Er zog sie an sich und ließ den Gefühlen, die er jetzt schon so lange unterdrückt hatte, freien Lauf.

Sein Pulsschlag dröhnte ihm in den Ohren. Olivias Küsse waren heiß und sinnlich, und er fragte sich, was sie anders machte als andere Frauen, um eine solche Wirkung auf ihn zu haben. Verlangend presste er sie an sich, strich ihr über den Rücken und den festen runden Po.

Ihr aufreizender Körper weckte eine Begierde in ihm, die er nicht beherrschen konnte. Matt sehnte sich danach, seiner Lust zu folgen und Olivia auf der Stelle zu nehmen.

Er strich ihr durch das seidige Haar, und als sie aufreizend die Hüften bewegte, stöhnte er hilflos auf.

Ihr Kuss geriet immer mehr außer Kontrolle. Matt hätte nicht sagen können, ob sie sich erst wenige Sekunden oder schon minutenlang küssten. Olivia war einfach zu verführerisch. Du gerätst in Gefahr, schoss es ihm durch den Kopf, doch er hörte nicht auf diese warnende Stimme. Er wollte niemals wieder aufhören, Olivia zu küssen. Diese Küsse würde er nie im Leben vergessen.

Es dauerte eine Weile, bis ihm bewusst wurde, dass Olivia ihn sanft, aber nachdrücklich mit beiden Händen von sich schob, und es kostete ihn Überwindung, die Augen zu öffnen. Als er Olivias Blick begegnete, ließ er sie sofort los.

Sie trat einen Schritt zurück. „Das war nichts als Lust“, brachte sie leise heraus.

„Es war mehr, als uns beiden lieb sein kann.“ Matt war genauso atemlos wie sie.

„Ich wollte das nicht.“ Entschieden presste Olivia die Lippen aufeinander.

Eigentlich hatte Matt sie überhaupt nicht küssen wollen, doch er bekam die Vorstellung nicht aus dem Kopf, nackt mit ihr im Bett zu liegen. „Zwischen uns gibt es eine Anziehung, der wir beide nachgegeben haben. Das wird nicht wieder vorkommen.“

Matt stürmte davon in sein Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu. Dann holte er aus der Schreibtischschublade den alten Ehevertrag hervor. Margo war es nicht ums Geld, sondern nur um ihre Freiheit gegangen. Das einzige Problem hatte darin bestanden, dass er sie geliebt hatte, sie allerdings nur anfangs flüchtig in ihn verliebt gewesen war.

Jetzt ging er die einzelnen Vertragspunkte durch und machte sich Notizen, während er sich fragte, wie viele dieser Klauseln Oliva akzeptieren würde.

Beim Gedanken an sie hielt er mitten in der Bewegung inne. Sie war ehrlich, intelligent und clever. Hatte Jeff überhaupt erkannt, was für eine tolle Frau sie war? Oder hatte er bei ihr nur die aufregende Erotik gesehen?

Matt ließ den Stift fallen. Er wollte Olivia nicht heiraten. Eine Frau, die in solcher Armut aufgewachsen war, würde doch niemals den Luxus aufgeben, den er ihr bot.

Während er aus dem Fenster sah, formte sich ein Plan in seinem Kopf. Zwei Tage lang würde er Olivia in jedem möglichen Luxus schwelgen lassen. Er würde mit ihr nach Houston fliegen, sie neu einkleiden und ihr Schmuck schenken, den sie sich nie im Leben leisten könnte. Sie würden in den besten Restaurants essen, und dann würde er sehen, ob sie sein Angebot immer noch ausschlug, wenn er ihren Heiratsantrag ablehnte.

Er rief seinen Anwalt an und verschob den Termin. Anschließend ließ er den Firmenjet der Ransomes startklar machen.

Matt ging zu Olivias Zimmer und klopfte an ihre Tür.

„Einen Moment!“, rief sie, dann schwang die Tür auf.

Sie hatte sich in ein Badetuch gehüllt und sah einfach umwerfend aus. Ihre Schultern waren nackt, und das Badetuch reichte nur halb über ihre Schenkel.

Matt war zu keinem anderen Gedanken fähig, als dass Olivia unter diesem Tuch splitternackt war.

Sein Herz hämmerte, und ihm wurde heiß. Er musste an ihre glühenden Küsse denken, und einen Moment lang brachte er kein Wort heraus.

Das Haar fiel ihr bis auf den Rücken. Auf einer Schulter perlten ein paar Wassertropfen. Schon in T-Shirt und Jeansshorts hatte sie umwerfend ausgesehen, jetzt war sie einfach überwältigend. Am liebsten hätte er ihr das Badelaken vom Körper gezogen.

Erst als sie ungeduldig von einem Bein aufs andere trat, wurde ihm bewusst, dass er sie anstarrte.

„Ja, bitte?“

„Zieh dich an!“, stieß er mit rauer Stimme aus. „Ich habe einen Flug arrangiert. Wir fliegen nach Houston, um dich neu einzukleiden. Wir werden heute Abend dort essen, und dann können wir entscheiden, ob wir direkt zurückfliegen oder über Nacht bleiben.“

„Tust du das, um die Entscheidung über meinen Antrag aufzuschieben?“

„Zum Teil“, gab er zu. „Es sind wichtige Entscheidungen über unsere Zukunft, da kann ein Aufschub um vierundzwanzig Stunden nicht schaden.“

„Ich könnte meinen Job verlieren, wenn ich zwei Abende in Folge nicht erscheine.“

„Morgen Abend können wir wieder hier sein“, wandte er ein.

Einen Moment sah sie ihn nachdenklich an, dann nickte sie. „In zehn Minuten bin ich fertig.“ Damit schloss sie die Tür.

Matt fuhr sich über die Stirn. Wieder fragte er sich, wie er die nächsten Jahre damit klarkommen sollte, mit ihr unter einem Dach zu leben. Er wollte das Kind in seiner Nähe wissen, aber wenn jede Begegnung mit Olivia so verlief wie diese eben, dann würde es nicht lange dauern, bis er sich selbst in eine geschlossene Abteilung einweisen könnte.

Er ging zurück in sein Zimmer, beeilte sich mit dem Duschen, Rasieren und Umziehen und reservierte telefonisch zwei angrenzende Hotelsuiten sowie einen Tisch zum Dinner.

Zehn Minuten später betrat er das große Wohnzimmer, in dem Olivia bereits auf ihn wartete. Sie trug einen Jeansrock, eine schlichte ärmellose Bluse und Sandalen.

Matt vermutete, dass sie ausschließlich praktische Kleidung besaß. Dennoch beschleunigte ihr Anblick seinen Puls, und er musste sich sehr beherrschen, um Olivia nicht zu berühren. Wie mochte sie ohne diesen Jeansrock aussehen? Oder ohne die Bluse?

„Ich bin noch nie geflogen.“

„Prima! Du wirst es mögen.“ Matt nahm ihren Arm und führte sie zu seinem Auto. Mit diesem Kurztrip würde er sie so sehr beeindrucken, dass sie blieb, ohne auf einer Heirat zu bestehen.

Schweigend fuhren sie zum Flughafen von Fort Worth. Als sie auf den wartenden Jet zugingen, konnte Olivia nur noch staunen.

Kurz darauf saßen sie angeschnallt in bequemen Flugsesseln. Olivia hatte den Fensterplatz. Sie wirkte überwältigt, und Matt hoffte inständig, dass ihr Leben sich ab dem heutigen Tag änderte und sie niemals mehr in die Armut und das harte Leben, das sie bislang geführt hatte, zurückkehrte.

Als sie abhoben, lächelte Olivia ihn strahlend an. „Das ist fantastisch!“, stieß sie aus, und Matt konnte ein selbstzufriedenes Lächeln nicht unterdrücken.

Ihre Bewunderung und ihre Freude über die Reise waren nur der Anfang. Er konnte sich vorstellen, wie sie sich fühlen würde, wenn er sie erst zwei Tage lang mit Geschenken und Aufmerksamkeiten überhäuft hatte. Er musste lächeln.

Vier Stunden später war er noch zufriedener. Er schwamm seine Runden im Hotelpool, während Olivia sich frisieren und stylen ließ. Vorher war er gemeinsam mit ihr shoppen gegangen, dann hatte er sie den Einkaufsbummel allein fortsetzen lassen.

Jetzt sah er auf seine Armbanduhr und stieg aus dem Pool, um sich fürs Dinner umzuziehen. Das Hotel hatte Olivia bei Weitem nicht so beeindruckt wie der Flug. Dennoch war Matt davon überzeugt, dass sie nach zwei Tagen in diesem Luxus nicht in ihren anstrengenden Job in der schäbigen Bar zurückkehren würde.

Als er auf seinem Zimmer das dunkelblaue Jackett anzog, dachte er an das schlichte schwarze Kleid, das er zusammen mit Olivia für diesen Abend ausgesucht hatte. Sie hatte es erst nur ehrfürchtig angesehen und kaum zu berühren gewagt.

Erwartungsvoll klopfte er an die Tür ihrer Suite und wartete. Endlich öffnete sich die Tür, und Matt bekam den Mund nicht wieder zu.

4. KAPITEL

„Guten Abend.“ Olivia gab sich selbstbewusster, als sie sich fühlte. Matt sah so gut aus und so sexy in seinem makellos weißen Hemd und dem dunkelblauen Anzug. Einen Moment lang vergaß sie ihre Sorgen und empfand nur noch Lust.

„Du siehst atemberaubend aus“, stellte Matt leise fest.

„Vielen Dank.“ Olivia war klar, dass sie sich auf dünnem Eis bewegte. Er war ein Ransome. Jeffs Bruder. Ihr Lächeln erstarb, und sie holte tief Luft, um gegen den Drang anzukämpfen, sich in Matts Arme zu schmiegen.

Trotz allem schmeichelte ihr seine Bewunderung. Sie war überzeugt, dass er sein Kompliment ernst meinte. Als der Friseur sie in den Spiegel hatte schauen lassen, hatte sie sich selbst kaum wiedererkannt. Die Spitzen waren geschnitten, und ihr Haar war kunstvoll hochgesteckt.

Statt des schwarzen Kleides trug sie ein ärmelloses dunkelblaues mit einem tiefen Rückenausschnitt und einem Rock, der ihre Knie unbedeckt ließ. Olivia liebte das Gefühl der kühlen Seide auf ihrer Haut.

„Bereit?“, fragte Matt nach, und Olivia nickte.

Sie griff nach ihrer Handtasche. „Ist das jetzt eine Art Waffenstillstand?“

Matt führte sie zum Fahrstuhl. „Es sollte mehr sein als ein Waffenstillstand. Du bist in mein Haus eingezogen, und wir werden von nun an oft zusammen sein. Also wäre es besser, wenn wir uns vertragen.“

Olivia schenkte ihm ein entwaffnendes Lächeln, doch insgeheim vermutete sie Hintergedanken bei ihm. Das änderte jedoch nichts an ihrem Entschluss, diesen Abend zu genießen. Ein gut aussehender Mann führte sie in ein elegantes Restaurant aus, und sie trug das teuerste und edelste Kleid, das sie jemals besessen hatte. In dieser Nacht fühlte sie sich wie Cinderella, und sie würde es genießen, bis die Turmuhr zwölf schlug, oder sie sonst wie aus ihrem Traum gerissen wurde.

Matts Küsse hatten sie überwältigt. Allein bei der Erinnerung daran kribbelten ihre Lippen. Er hatte all die Leidenschaft, die sie zuvor in seinem Blick erkannt hatte, in diese Küsse gelegt und sie damit völlig überrumpelt. Und an diesem Abend könnte sein Charme ihr noch gefährlicher werden.

Als sie vor dem Hotel in die Limousine stiegen, wurde Olivia klar, was Matt versuchte: Er wollte ihr einen Vorgeschmack auf das Leben geben, das sie erwartete, wenn sie sein Angebot annahm.

Mit einem Blick in seine Augen erkannte sie den lauernden Ausdruck wie bei einem Tiger vor dem Sprung auf die Beute. Matt kämpfte für seine Ziele. Sie konnte ihm das nicht verübeln, schließlich tat sie genau dasselbe, indem sie ihm androhte, wieder zu verschwinden, wenn er ihre Bedingungen nicht akzeptierte.

Langsam erwiderte sie sein Lächeln.

Sofort flackerte Verlangen in seinem Blick auf, und von einer Sekunde zur anderen trat der wortlose Kampf zwischen ihnen in den Hintergrund.

„Ich habe dir etwas gekauft.“ Matt reichte Olivia eine blaue Schachtel.

Überrascht sah sie erst auf die Schachtel und dann in Matts Augen. Am liebsten hätte sie ihm auf den Kopf zugesagt, was er hier versuchte, doch dann öffnete sie schweigend die Schachtel und betrachtete den goldenen, mit Diamanten besetzten Armreif darin. Die Diamanten funkelten. „Das ist wunderschön!“ Einen Moment lang war Olivia atemlos. Sie dachte nicht mehr daran, was Matt möglicherweise mit diesem Geschenk bezweckte, sondern betrachtete nur noch das Schmuckstück. Etwas so Wertvolles hatte sie noch nie besessen.

Behutsam ergriff Matt ihre Hand und legte ihr den Armreif an.

„Vielen Dank, Matt! Er ist unglaublich schön!“ Ihre Gefühle überschlugen sich, denn zu der überschwänglichen Freude kam die bedrückende Erkenntnis, dass Matt sie mit diesem Armreif nur bestechen wollte.

„Es gehört noch etwas dazu“, gestand er lächelnd, und sofort schlug Olivias Herz schneller. Sein Lächeln war so unwiderstehlich, dass es ihr schwerfiel, sich ihr Misstrauen zu bewahren. Sie musste sich eingestehen, dass Matt sie möglicherweise noch viel leichter und tiefer verletzen konnte, als sein Bruder Jeff es getan hatte.

Er reichte ihr eine zweite Schmuckschachtel. Wenn er nicht so leicht zu durchschauen gewesen wäre, hätte Olivia sich zutiefst geschmeichelt gefühlt. Ich bin nur einen Tag lang Cinderella, sagte sie sich. Danach konnte sie das alles einfach beenden. Sie öffnete die zweite Schachtel und rang erneut nach Luft. Ihr war klar gewesen, dass auch in dieser Box ein kostbares Schmuckstück liegen würde. Dennoch starrte sie die Goldkette mit dem Diamantenanhänger fassungslos an.

Matt rückte näher an sie heran. „Dreh dich zur Seite“, sagte er und nahm ihr die Kette ab.

Als sie ihm den Rücken zuwandte, spürte sie seine warmen Finger auf ihrem Nacken. Sie ließ ihn ihr die Kette anlegen und wandte sich ihm dann wieder zu. Er saß so dicht bei ihr, dass ihre Schenkel sich berührten. Durchdringend musterte er sie, und ihr wurde fast schwindlig.

„Danke, Matt. Diese Schmuckstücke sind wirklich sehr schön.“

„Du bist noch viel schöner, Olivia“, entgegnete er leise und strich ihr das Haar hinters Ohr.

Er beugte sich zu ihr, und einen Moment lang fühlte Olivia sich wie durch einen Zauber mit ihm verbunden. Matt starrte auf ihren Mund, und sie glaubte, seinen Herzschlag zu hören. Am liebsten hätte sie ihm die Arme um den Nacken gelegt und ihn an sich gezogen, um sich in seinen glutvollen Küssen zu verlieren. Doch sie beherrschte sich eisern.

„Ich dachte, wir seien uns einig, dass es nicht dazu kommen soll“, sagte sie mehr zu sich als zu ihm. Dann schloss sie die Augen und wandte sich ab.

Matt setzte sich wieder auf den Platz ihr gegenüber. „Du hast recht. Lass uns essen und zur Ranch zurückkehren“, schlug er vor und sah aus dem Fenster.

„Bereust du es schon, mich hierhergebracht zu haben?“

Matt wandte sich ihr zu, und Olivia dachte, dass sie auf gar keinen Fall schwach werden durfte, wenn er sie wieder so bewundernd ansah wie vorhin. Nachdrücklich schüttelte er den Kopf. „Überhaupt nicht. Dieser Schmuck ist für dich. Früher oder später steht dir ohnehin eine Summe Geld zur Verfügung, mit der du dir Kleider oder einen Wagen oder was auch immer kaufen kannst. Da kann ich dir einige der Dinge auch jetzt schon schenken.“

Olivia verkniff sich eine Antwort, weil die Limousine in dem Moment vor dem Restaurant hielt.

Die Sonne war noch nicht untergegangen, doch die Außenbeleuchtung war bereits eingeschaltet. Winzige Lichter funkelten in den Büschen, und an den hohen Pinien seitlich des Eingangs waren größere Scheinwerfer angebracht.

Als Olivia aus dem Wagen stieg, ergriff Matt ihren Arm.

Sie wurden an einer Tanzfläche, auf der Pärchen zur Musik eines Pianospielers tanzten, vorbei zu ihrem Tisch im Innenhof in der Nähe eines plätschernden Springbrunnens geführt. Der Hof wurde von verspielten bunten Laternen erhellt, und auf jedem Tisch stand eine Kristallvase mit roten Rosen.

Das alles sah so festlich aus, und dazu noch Matts Gesellschaft … Olivia hätte vor Freude fast laut aufgelacht.

Der Kellner kam und reichte ihnen die in schwarzes Leder gebundenen Speisekarten. Olivia schlug ihre auf und warf Matt einen Blick zu, als sie die Preise sah.

„Ich kann nicht glauben, dass wir uns etwas so Teures bestellen wollen.“

„Das Essen hier schmeckt ausgezeichnet“, erwiderte er. „Magst du Hummer?“

Sie hob die Schultern. „Kann ich nicht sagen, ich habe noch nie welchen gegessen.“

„Dann würde ich vorschlagen, dass du es probierst.“

„Typisch“, sagte sie leise. „Die Ransomes plädieren immer dafür, etwas Neues auszuprobieren.“ Sie musste an Matt und Jeff denken.

„Das Leben ist aufregend.“

„Für dich vielleicht. Für mich ist es nur ein ständiger Überlebenskampf.“

„Das kann sich von jetzt an ändern. Durch mein Angebot öffnen sich dir eine Menge Türen.“

„Die Ehe wäre auch nicht von Dauer und würde ohnehin nur auf dem Papier bestehen“, entgegnete sie, und sie schwiegen beide, bis der Kellner kam.

Nachdem sie bestellt hatten, sagte Olivia: „Schöne Kleidung, atemberaubender Schmuck und mein erster Flug – was für ein aufregender Tag! Auch die Fahrt in der Limousine werde ich nie vergessen. Aber du wirst mich nicht halten können, indem du mir das schöne Leben der Reichen vorführst.“ Abgesehen von einem kurzen Aufflackern in seinem Blick konnte sie keine Reaktion bei ihm erkennen.

„Bedenke, worauf du alles verzichtest, indem du mein Angebot ablehnst. Dein Kind hätte alle Chancen, es würde behütet aufwachsen und würde nur die besten Schulen besuchen. Vergiss nicht, dass du jetzt auch an die Interessen deines Kindes denken musst.“

„Das ist mir sehr wohl bewusst“, entgegnete sie erbost, „und ich will bestimmt nicht, dass mein Kind zu kurz kommt.“ Am meisten ärgerte sie, dass Matt recht hatte. Einen Moment kämpfte sie mit den Tränen, dann riss sie sich zusammen. „Allerdings kann ich auch meinem Kind zuliebe nur bis zu einem bestimmten Punkt nachgeben.“

„Ich finde, ich habe dir ein sehr großzügiges Angebot gemacht.“

„Ich werde versuchen, mir ein Apartment in einem halbwegs sicheren Viertel zu suchen“, versprach sie. „Es gibt auch andere Jobs, die ich als werdende Mutter ausüben kann. Sicher finde ich so einen.“

„Mag sein, doch dein Kind sollte nicht verzichten müssen, nur weil du auf einer Heirat beharrst.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Julia Collection Band 66" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen