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JULIA COLLECTION BAND 122

Widerstand ist zwecklos, Liebling

1. KAPITEL

„Da ist ja die Frau, die Wunder für mich vollbringen soll!“ Trent Tyler schlenderte mit einem Lächeln auf den Lippen durch das hohe Portal seines Hotels auf Julia Lowell zu. Seine erotische, sonore Stimme machte Julia schon jetzt zu schaffen, und es versetzte sie immer noch in Erstaunen, dass all dies ihm gehörte.

Als sie Trent im Eingangsbereich erblickte, stockte ihr der Atem, und sie lehnte sich haltsuchend gegen die Limousine, die sie nach Crimson Canyon gebracht hatte. Sie ermahnte sich, dass er von nun an ihr Chef war und sie in ihm nicht mehr länger den atemberaubenden Liebhaber sehen durfte, der er war.

Mit jenem selbstsicheren, lässigen Schritt, der Frauen stets so anzog, kam er näher. Er trug eng sitzende Jeans, ein schwarzes Westernhemd mit Nieten und eine Gürtelschnalle, in der sich die untergehende Sonne Arizonas spiegelten. Mit einem Finger tippte er höflich gegen die Krempe seines Stetson.

„Ein Wunder werden wir auch brauchen, Trent.“

„Ich habe volles Vertrauen in dich, Darling. Du machst das schon.“ Er wandte sich an den Chauffeur. „Bringen Sie Miss Lowells Sachen auf ihr Zimmer, Kirby.“

„Jawohl, Mr. Tyler.“

Nachdem der Fahrer sich abgewandt hatte, blickte Julia in Trents dunkle Augen und versuchte, sich darauf zu konzentrieren, dass sie fortan in geschäftlicher Beziehung zueinander standen. Sie hatte ihm ihren Lebenslauf ausgehändigt, der ihre beruflichen Leistungen bezeugte. Ein Abschluss in BWL sowie der Umstand, dass sie frisch von der Hochschule einen Job als Geschäftsführerin in Los Angeles’ größter Marketingfirma ergattert hatte, hatten Trent als Referenz genügt. Im Übrigen war sie Laneys beste Freundin und insofern vertrauenswürdig, hatte er ihr gesagt.

Ihre erste Begegnung lag Monate zurück. Auf der Hochzeit ihrer Freundin Laney mit Trents Bruder Evan war Julia der große, gut aussehende Texaner sofort ins Auge gestochen. Vom ersten Augenblick an hatte es zwischen ihnen geknistert. Sie hatten ein leidenschaftliches Wochenende miteinander verbracht, doch dann hatte Julia nichts mehr von Trent gehört.

Bis vor zwei Wochen. Da war er mit Blumen und Champagner vor ihrer Tür in Los Angeles aufgetaucht und hatte sich dafür entschuldigt, dass er sich nicht gemeldet hatte.

Trent lächelte Julia verführerisch an. „Du siehst umwerfend aus.“

Sie fühlte, wie ihre Wangen zu glühen anfingen, doch ihr olivenfarbener Teint verbarg die Röte. Wie hätte sie jene heißen, prickelnden Nächte in Trents Armen vergessen können? Sie waren von einer solchen Leidenschaft gepackt gewesen, dass sie alles um sich herum vergessen hatten. Konnte sie je vergessen, wie er ihren Namen flüsterte, kurz bevor die Wellen der Lust sie überrollten?

Julia hatte ihre spontane Entscheidung, die Marketingstelle anzunehmen, in den letzten Wochen x-mal überdacht. Wie es schien, war Trent ein überzeugter Single, dem seine Geschäfte über alles gingen. Von vornherein hatte er deutlich gemacht, dass er an einer festen Beziehung nicht interessiert war. Sein Hotel Tempest West hatte Vorrang und beanspruchte seine ganze Zeit und Energie.

Und doch … die beiden Male, da sie sich begegnet waren – auf der Hochzeit seines Bruders und an dem Wochenende –, hatte sie sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen gefühlt.

Julias Freundin Laney war felsenfest davon überzeugt, dass die richtige Frau jeden Mann zur Vernunft bringen konnte und dass sie selbst und Evan der lebende Beweis dafür waren. Doch Julia befürchtete, dass sie schon zu tief in die Sache mit Trent verwickelt war. Sie fühlte sich ihm in einer Weise verbunden, wie sie es zuvor nicht gekannt hatte, und wenn sie ihn ansah, stellte sie sich ein Leben, ja eine Familie mit ihm vor.

Trent zog sie an sich, schloss seine Arme um ihre Taille und neigte den Kopf, sodass seine Augen im Schatten der Hutkrempe lagen.

„Ich freue mich, dass du da bist.“

Sei stark, Julia!

Sie holte tief Luft und legte ihm die Hände auf die Brust. Als sie seine harten Muskeln durch das Hemd hindurch spürte, war es um ihren Widerstand geschehen.

Trent lächelte sie an und neigte den Kopf tiefer, um sie zu küssen.

Sie erwiderte seinen Kuss, und die Erregung durchströmte ihren Körper wie ein süßes Gift. Auch als er sich bereits wieder aufgerichtet hatte, spürte sie den Druck seiner sinnlichen Lippen noch auf den ihren. Außerstande, ihm in die Augen zu sehen, starrte sie auf seinen Hals.

„Vielleicht sollten wir ein paar Spielregeln aufstellen, Trent.“

„Sicher“, stimmte er sofort zu. Dann legte er einen Arm um ihre Taille und führte sie zum Hoteleingang. „Ich zeige dir jetzt dein Zimmer und lasse dich erst einmal ausspannen. In einer Stunde hole ich dich zum Dinner ab, und dann können wir alles bereden.“

Er willigte einfach so ein? Julia sah ihn von der Seite an. Er blieb völlig ungerührt. Vielleicht hatte er erkannt, dass sie nun, da sie seine Angestellte war und laut Vertrag auch im Hotel wohnen würde, manchen Dingen einen Riegel vorschieben musste.

„Okay.“ War sie nun enttäuscht oder erleichtert?

In Sekundenschnelle kam sie zu dem Schluss, dass es wohl beides war.

Trent verrichtete seine Arbeit mit derselben Hingabe wie alles andere in seinem Leben. Er gab stets hundert Prozent. Zuweilen war er rücksichtslos, manchmal hartnäckig und unnachgiebig wie ein Fels, wenn er von der Richtigkeit einer Sache überzeugt war.

Mit Tempest West lag er richtig. Tief in seinem Innern wusste er, dass er das Hotel zu einem Erfolg führen würde. Er war weder dafür geschaffen, in einer Großstadt zu leben wie sein Bruder Evan, noch dafür, in Kreisen der High Society seine Zeit mit Small Talk zu vergeuden wie Brock, der Salonlöwe unter den Brüdern. Deshalb war ihm auch die etwas großspurige Ankündigung leicht über die Lippen gegangen: Tempest West wird im ersten Jahr seines Bestehens mehr Gewinn erwirtschaften als jedes andere neue Hotel der Tempest-Kette.

Sein stets risikofreudiger Bruder Brock hatte die Herausforderung angenommen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er würde demnächst ein Hotel auf Maui eröffnen, und Evan wurde bei der Wette als Schiedsrichter hinzugezogen. Es war wie in ihrer Jugend, als die beiden eigensinnigen Brüder sich balgten und der Älteste darüber wachte, dass es auch fair zuging. Evan und Brock waren beide der Ansicht, dass Trent nicht die geringste Chance hatte, die Wette zu gewinnen.

Tempest West mit seinem rustikalen Wild-West-Ambiente sprach eine neue Klientel an und passte nicht zu dem glatten Chic der bereits etablierten Hotels der Tempest-Kette. Trent hatte sein eigenes Geld in sein Traumhotel gesteckt, und es gehörte ihm, ihm allein. Sein ganzes Herzblut steckte darin, und nun standen sein Renommee, sein Stolz und seine Selbstachtung auf dem Spiel.

Das Hotel war mit großem Schwung eröffnet worden, doch in den Monaten danach war die Zimmerauslastung gesunken, und es erzielte nur geringen Gewinn. Den letzten Marketingdirektor hatte Trent gefeuert, und nun brauchte er jemanden mit Visionen und einem frischen Konzept. Julia Lowell.

Und er hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sie nach Tempest West zu holen.

Er legte seinen Arm locker um ihre Hüfte und dirigierte sie zur Lobby. „Das hier ist mein Lieblingsplatz im ganzen Hotel.“

Mit großen Augen betrachtete Julia die Umgebung. „Das übertrifft die Fotos im Prospekt bei Weitem. Es ist überwältigend, Trent.“

„Überwältigend trifft es ganz gut.“ Zweifelsohne! Er hatte keine Kosten gescheut, um den Charme der zauberhaften Sonnenuntergänge von Crimson Canyon in die Lobby hereinzuholen. Warm fiel das Abendlicht durch eine hohe Fensterfront, die sich über die gesamte Westseite des Raums erstreckte. Hinter majestätischen Bergen aus rotem Felsen blitzte die untergehende Sonne hervor. Über Trents Landbesitz lag ein goldener Schimmer, und in der Ferne sah man vereinzelt das Grün von Pappeln hervorblitzen.

Trent legte eine Hand auf Julias Schulter, mit der anderen deutete er auf etwas in weiter Ferne. „Siehst du dieses blaue Schimmern dort hinten? Das ist Destiny Lake, der Schicksalssee. Es gibt eine alte Sage darüber, ich werde sie dir einmal erzählen.“

Julia nickte. „Trent, es ist wunderschön hier. Mit den Möbeln und dem steinernen Kamin hast du ein typisches Wild-West-Flair ins Haus geholt. Der Ort wirkt so warm und freundlich, dass er so gar nichts von einer Hotellobby hat. Es ist ein Platz, an dem man sich willkommen fühlt.“

Trent drückte ihre Schulter. „Ich freue mich darauf, dir alles zu zeigen. Das Land, den See und die Stallungen. Es gibt auch ein modernes Schlafquartier für die Cowboys. Morgen werde ich dich ein wenig herumführen.“

Als er Julias zufriedenes Lächeln bemerkte, spürte er, wie sich Lust in ihm regte. Dieses Lächeln hatte er schon einmal auf ihr Gesicht gezaubert, als sie sich in jener fantastischen Liebesnacht befriedigt in seine Arme geschmiegt hatte. Er hatte sie gehalten, bis sie vom Schlaf übermannt wurden.

Julia war schlank, hatte umwerfende Beine, hübsche hellgrüne Augen und kastanienbraunes Haar. Und nicht nur das – der Sex mit ihr war das Aufregendste, was ihm je passiert war. Wenn sie zusammen waren, entlud sich ihre gemeinsame Lust in einem Feuerwerk der Sinne.

In seinem Bestreben, sie nach Tempest West zu holen, war er skrupellos vorgegangen und hatte nur leichte Gewissensbisse gehabt. Doch er war nicht so leichtsinnig, dass er ihr die Wahrheit gesagt und damit den Erfolg des Projekts gefährdet hätte. Solange sie nicht herausfand, dass er ihre Arbeit als Finanzmanagerin im Bridges Restaurant in New York hintertrieben hatte, war er auf der sicheren Seite. Und er würde alles daran setzen, dass sie nichts von seinen Machenschaften erfuhr.

Er wollte Julia fürs Büro und fürs Bett. Sie würde für eine gute Auslastung des Hotels sorgen, mit ihrer Hilfe würde er seinen Brüdern beweisen, dass es das Tempest West durchaus mit den anderen Hotels aufnehmen konnte. Und in den Nächten würden sie sich der Lust hingeben und ihr unermessliches Verlangen nacheinander stillen.

Sie beide konnten dabei nur gewinnen.

„Ich hole dich in einer Stunde zum Dinner ab“, sagte er und führte sie von der Lobby zu einem kleinen Fahrstuhl, der sie auf die dritte Etage zu ihrem Zimmer bringen würde. Aus seiner Hosentasche holte er eine Chipkarte und legte sie ihr in die Hand. Als er mit dem Daumen über ihre Finger strich, stieg die Erinnerung an atemloses Geflüster und entfesselte Lust in ihm auf. „Ich würde ja mit reinkommen, aber ich bezweifle, dass du dann die nötige Ruhe findest.“

Julia schüttelte wortlos den Kopf.

Er nahm seine Hand fort und ließ den Blick über ihre langen Beine hinabgleiten, bis zu ihren Füßen, die in roten Sandalen steckten. Er würde niemals vergessen, wie er sie beim Sex gebeten hatte, alles bis auf diese roten Sandalen auszuziehen. „Die hattest du damals an.“

Ihre Augen funkelten. „Sie passen zu meiner Kleidung.“ Sie versuchte nicht zu leugnen, dass sie die Anspielung verstand.

Ihre Selbstsicherheit imponierte ihm. Er lächelte sie an. „Ich mag Frauen mit gutem Geschmack.“

Kaum war Julia im Zimmer, streifte sie die Sandalen ab und holte tief Luft. Die Erinnerung, die die Sandalen wachgerufen hatten, verdrängte sie sogleich. Sie ging zu einem üppigen Blumenstrauß, der auf dem Couchtisch stand, und las den Willkommensgruß.

Als sie kurz darauf ihre Umgebung näher inspizierte, schaltete sie unverzüglich in den Geschäftsmodus. Die Suite wurde sämtlichen Erwartungen, die sie an Tempest West gehabt hatte, gerecht.

Rustikal, doch mit Klasse und Stil. Luxuriös und in einer unaufdringlichen Art komfortabel. Schlichtes, elegantes Design. Trent hatte wahrlich keine Kosten gescheut, und er konnte stolz sein auf die liebevolle Ausstattung, den Ausblick und den großzügigen Schnitt der Räume. Sie durchquerte die Suite, um aus dem rechteckigen Panoramafenster einen Blick nach unten zu werfen.

Das Hotel selbst hatte drei Etagen; das Herzstück der Anlage aber waren die Suiten, die in niedrigen Häuschen hufeisenförmig zu beiden Seiten des Haupthauses angeordnet waren. Sie gewährten einen Ausblick auf die Stallungen, den See und den dahinter befindlichen Canyon.

„Hiermit hast du dich selbst übertroffen, Trent“, murmelte sie und lächelte unwillkürlich. Stets war er mit Zuversicht und voller Enthusiasmus am Werk. Ihre erotischen Erinnerungen bezeugten dies nur zu gut.

Sie ging in das geräumige Schlafzimmer, packte ihre Koffer aus und räumte ihre Sachen ein – die Freizeitkleidung in die Schubladen einer Kommode, die Businesskostüme in den begehbaren Kleiderschrank. Danach schlenderte sie durch eine Flügeltür aus Eichenholz auf einen großen Balkon, klappte ihr Handy auf, wählte und wartete. Nach dem zweiten Klingeln nahm ihr Vater ab. „Hallo, Daddy. Ich bin gut angekommen.“

„Das ist gut, Schatz. Schön, dass du anrufst.“

Obwohl sie schon fast dreißig war, machte es ihr nichts aus, sich immer wieder bei ihrem Vater zu melden. Ihre Mutter war vor zwei Jahren gestorben, und Julia wusste, dass ihr Vater seitdem einsam war. Sie hatten sich immer nahegestanden. Während sie selbst fürchterlich enttäuscht gewesen war, den Arbeitsvertrag bei der Restaurantkette nicht bekommen zu haben, war ihrem Vater die Erleichterung darüber, dass sie doch nicht nach New York gehen würde, anzusehen gewesen.

Einige Tage darauf war Trent vor ihrer Haustür erschienen und hatte sich dafür entschuldigt, dass er sich nach ihrem gemeinsamen Wochenende nicht mehr gemeldet hatte. Ihr Selbstbewusstsein hatte nach der Jobabsage einen Dämpfer erlitten, doch Blumen, Champagner und eine Nacht in Trents Armen hatten sie schließlich getröstet. Bald darauf hatte sie ihrem Vater mitteilen müssen, dass sie nach Arizona ziehen und für Trent Tyler arbeiten würde. Er hatte ihr ein Angebot gemacht, das sie nicht ausschlagen konnte.

„Und? Wie ist es in Tempest West?“

„Dad, es ist einfach unbeschreiblich hier. Der Ort hat so viel zu bieten. Ich glaube, ich kann Trent dabei helfen, das Hotel zu einer ersten Adresse für die High Society zu machen.“

„Ich weiß, dass du das kannst. Du hast ja meine Gene!“

Die Erinnerung an den Erfolg ihres Vaters im Bankengeschäft ließ sie auflachen. Er hatte einen guten Geschäftssinn, und sie kam offenkundig nach ihm. „Das stimmt wohl. Den scharfen Verstand habe ich von dir, und ich werde ihn zu nutzen wissen.“

„So ist’s gut“, erwiderte er schmunzelnd, und als ihr Gespräch beendet war, schlüpfte Julia aus den Klamotten und stellte in der geräumigen Dusche das heiße Wasser an. Im Nu hatte sie sich eingeseift und wieder abgeduscht.

Wenig später zog sie einen flauschigen weißen Bademantel an, schloss ihre Arme um die Taille und genoss das frische Gefühl auf ihrer Haut. Dann ließ sie sich auf das riesige Himmelbett fallen, um sich vor dem Essen noch etwas auszuruhen. Prompt schlief sie ein.

„Julia! Ich bin’s, Trent. Bist du da drin?“

Julia erwachte, als sie Trents Stimme aus Richtung der doppelten Zimmertür vernahm, und war für einen Moment verwirrt. Die Stunde war wie im Flug vergangen, und sie hatte verschlafen.

„Ja. Ich bin hier, Trent“, rief sie und zog den Gürtel des Bademantels fest. Schlaftrunken tappte sie zur Tür, öffnete sie eine Handbreit und blickte in Trents Augen. „Entschuldige, Trent. Ich habe ein Nickerchen gemacht und nicht gemerkt, wie die Zeit verging.“

„Lässt du mich nicht herein?“

„Ich bin nicht angezogen. Wir sehen uns gleich …“

„Julia“, stöhnte er auf, „lass mich rein!“

„Ist das ein Befehl vom Chef?“

„Wenn es sein muss, Darling.“

Die sanften Worte in Verbindung mit seinem gedehnten Südstaatenakzent waren Verlockung genug. Julia trat beiseite und ließ ihn ein.

Die Tatsache, dass sie unter dem weiten Bademantel, aus dem nur oben ihr Kopf und unten die rotlackierten Zehennägel hervorlugten, nackt war, machte sie plötzlich verlegen.

Trent sah einfach blendend aus. Er trug schwarze Jeans, ein weißes Westernhemd, glänzende Stiefel, und um seine Lippen spielte ein charmantes Lächeln. Er warf einen Blick auf den Strauß aus dunkelroten Lilien, der auf dem Couchtisch stand, und nickte beifällig.

Als Julia die Worte „Wir werden eine tolle Zeit haben“ gelesen hatte, die von Trent unterzeichnet auf der Karte standen, war ein warmes Prickeln durch ihren Körper gegangen. „Schöne Blumen hast du ausgesucht“, sagte sie etwas verlegen.

Trent warf ihr einen amüsierten Blick zu. „Ach, das ist noch gar nichts. Ich kann auch meine Schuhe schon selbst zubinden und mein Steak auf dem Teller zurechtschneiden.“

„Du bist wirklich ein Mann mit vielen Talenten.“

Er zog eine Braue hoch und fixierte sie mit seinem glühenden Blick. „Das weißt du doch.“

Das Blut in ihren Adern fing allmählich an zu brodeln. So war es mit Trent jedes Mal gewesen. Eine harmlose Plauderei war plötzlich gespickt mit prickelnden Andeutungen, und ehe sie sich’s versah, landeten sie miteinander im Bett.

„Ich ziehe mich wohl mal besser an“, sagte sie und wandte sich ab.

Trent griff nach ihrem Gürtel, und der lockere Knoten löste sich. Er legte seine Arme von hinten um sie und schob die beiden Hälften ihres Morgenmantels vorsichtig auseinander. Dann begann er, ihren nackten Bauch zu streicheln. Ihr Puls fing an zu rasen. „Hm, das dachte ich mir schon.“

Julia schloss die Augen. „Trent!“

„Unter diesem Mantel bist du nackt, Julia. Und ich halte dich in meinen Armen.“

Er presste seine Lippen an ihren Hals, und es durchlief sie ein Schauer. Sie lehnte sich mit dem Rücken an ihn und gab sich für einen Augenblick seinen Zärtlichkeiten hin. Trent ließ seine Händen höher wandern und berührte ihre Brüste.

„Ich arbeite für dich“, konstatierte Julia das Offenkundige.

„Die Arbeitszeit ist schon vorbei.“

„Es fühlt sich nicht richtig an.“

Ein leises Lachen perlte aus seiner Kehle. „Erzähl mir nichts!“

Natürlich hatte er recht. Oh Gott, wie groß ihr Verlangen nach ihm war! In dem Versuch, professionelle Distanz zu ihm aufzubauen, obwohl sie sich insgeheim mehr erhoffte, hatte sie sich selbst belogen. Sie wollte, was Laney und Evan hatten: wirkliche Liebe. Und sie sehnte sich nach einer Familie.

Sie wusste, dass mit neunundzwanzig Jahren ihre biologische Uhr tickte und sich die Zeit nicht anhalten ließ. Julia hatte zwar Karriere gemacht, aber sie war viel zu romantisch, um sich nicht nach einem liebenden Mann an ihrer Seite zu sehnen.

Mit einem machthungrigen Arbeitskollegen bei Powers International, der sie letztlich nur als Steigbügelhalter für seine eigene Karriere benutzte, hatte sie bereits einen Fehlgriff hinter sich. Es hätte sie um ein Haar ihren Job und ihren Ruf gekostet.

Über diesen Jerry Baker war sie längst hinweg, doch die Verletztheit saß tief. Und schließlich hatte sie auch auf das Renommee ihrer eigenen Firma, Lowell Strategies, zu achten. Und auf ihr Herz.

Trent schob die beiden Hälften ihres Mantels noch weiter auseinander und fuhr fort, sie zu streicheln. Er glitt dabei mit seinen Fingern über ihre Brüste und ihre Hüfte, wie ein guter Gitarrist, der einen erotischen Takt anschlägt.

„Entweder du lässt mich jetzt stehen und gehst dich anziehen“, flüsterte er ihr ins Ohr, „oder ich ziehe dir diesen Bademantel aus.“

Langsam gingen ihr die Ausflüchte aus. „Wir müssen über das Hotel sprechen.“ Er war stur darauf aus gewesen, mit dem Hotel möglichst schnell einen neuen Kurs einzuschlagen, und hatte keinen Hehl daraus gemacht, wie wichtig das Projekt für ihn war. Umgehend hatte er Julia nach Tempest West zitiert, damit sie eine neue Werbekampagne für das Hotel erstellte.

„Werden wir. Danach.“

Er presste seinen Mund auf ihren Hals, und Julia spürte ein wohliges Prickeln auf ihrer Haut. Trent verstand es einfach so verteufelt gut, eine Frau zu verführen. Julia war völlig klar, was er mit „danach“ meinte, aber nicht, ob sie ihm widerstehen könnte.

Sein Handy klingelte, und er fluchte. Er ließ sie los und machte einen Schritt zur Seite. „Verflixt. Ich muss rangehen.“

Julia seufzte erleichtert auf und beeilte sich, in ihr Schlafzimmer zu kommen. Als sie drinnen war, drehte sie den Schlüssel zweimal im Schloss, lehnte sich gegen die schwere Tür und holte mehrmals tief Luft. Sie vernahm, wie Trent jemandem telefonisch Anweisungen erteilte.

Dann schlüpfte sie aus dem Bademantel und zog sich hastig an.

Sie würde sich ganz bestimmt keinen Gefallen tun, wenn sie sich in ihren Chef verliebte. Vor allem, da sie schon auf dem besten Wege dahin war.

2. KAPITEL

„Du bist mir entwischt. Zu schade.“ Sichtlich amüsiert beugte Trent sich vor und schenkte Julia ein Glas Champagner ein.

Nachdenklich betrachtete sie die Bläschen, die in ihrem Glas aufstiegen. „Das musste sein … meinem seelischen Gleichgewicht zuliebe.“

Julia trug nun ein einfaches schwarzes Kostüm. Als sie aus ihrem Schlafzimmer zurückgekommen war, hatte sie nach ihrem Aktenkoffer gegriffen und behauptet, dass sie halb verhungert sei. Trent bedrängte sie nicht weiter, sondern führte sie in den Canyon Room, einen für private Zwecke reservierten Nebenraum des Restaurants.

„Dann sollten wir uns jetzt um dein körperliches Gleichgewicht kümmern.“ Sie sahen sich für ein paar Sekunden in die Augen. Trent hob sein Glas und sagte: „Auf dich, Julia. Danke, dass du hier bist. Du bist meine Rettung.“

Julia musste lächeln, als sie anstießen. „Noch habe ich gar nichts gerettet.“ Sie trank einen Schluck und ließ sich den köstlichen Champagner durch die Kehle laufen.

„Du wirst mich retten, das weiß ich“, versicherte Trent. „Ich habe mich über deinen Werdegang informiert. Zum Beispiel hast du so einer Fitnessclubkette wieder auf die Beine geholfen. Dabei war der Laden schon so gut wie tot. Sehr clever, die Idee mit den Kindergruppen. Dadurch hast du eine komplett neue Zielgruppe aufgetan. Statt der Handvoll durchgeknallter Möchtegern-Bodybuilder marschieren jetzt ganze Familien in die Clubs. Es gibt jetzt Ernährungsberatung, Selbstverteidigung für Mädchen und so weiter. Brillant.“

Julia hörte das Lob gern. Auf den Erfolg von damals konnte sie wirklich stolz sein. „Danke. Ich war selbst überrascht, wie gut das angenommen wurde. ‚Fit for Kids‘ hat die kühnsten Erwartungen übertroffen.“ Sie wunderte sich, wie gut er unterrichtet war. „Sag mal, hast du mich ausgekundschaftet?“

„Oh ja, mehr als einmal. Und ich muss sagen, es hat mir jedes Mal viel Spaß gemacht.“

Julia wurde es etwas flau in der Magengegend, als sie die Doppeldeutigkeit seiner Worte begriff. Sie wusste, dass er darauf anspielte, wie er ihren Körper erforscht und wie er sie gerade vorhin gestreichelt hatte. Sie spürte noch seine Hände auf ihren Brüsten. Um ihre Verlegenheit zu verbergen, trank Julia hastig einen Schluck Champagner. „Du weißt ganz genau, dass ich das nicht meinte.“

Er lächelte vergnügt vor sich hin. „Natürlich. Trotzdem musst du zugeben, dass wir beide in dem, was ich meinte, unschlagbar sind. Ich habe das nicht vergessen. Seit wir uns das letzte Mal getroffen haben, habe ich keine andere Frau mehr angesehen.“

Um ein Haar hätte sie sich verschluckt. Sie hatten nur eine Affäre gehabt. Selbst nachdem sie es zugelassen hatte, diesen heißen Flirt noch einmal aufleben zu lassen, blieb es ein Abenteuer, und nicht mehr. Von einer festen Beziehung war nie die Rede gewesen, schon gar nicht von ihm. Sie traute seinen Worten nicht, auch wenn sie zugeben musste, dass sie sie angenehm berührten.

„Mir ging es genauso“, gab sie zögernd zu.

Das kleine Geständnis schien ihm zu gefallen. Auch wenn es erst zwei Wochen zurücklag, dass er bei ihr in Los Angeles mit Blumen und Geschenken reumütig vor der Tür gestanden hatte. Seit Evans und Laneys Hochzeit, auf der sie sich kennengelernt hatten, waren damals schon einige Monate vergangen. Dieses wilde, zügellose Wochenende würde Julia niemals vergessen.

Unruhig rutschte sie auf ihrem Stuhl hin und her. Es war Zeit, das Thema zu wechseln. „Hast du mal wieder etwas von Evan gehört?“

„Nein. Ich nehme an, dass er viel zu beschäftigt damit ist, bald Vater zu werden.“

Julia nickte. Sie konnte es sich gut vorstellen. Evan schien ihr für die Rolle eines Familienvaters wie geschaffen. Wie hatte sie das Paar um ihr Glück beneidet! „Ich plane nämlich zu Ehren der werdenden Mutter eine zünftige Baby Shower zu geben, um sie auf ihre zukünftige Rolle als Mutter angemessen einzustimmen. Laney ahnt bestimmt schon so etwas. Aber sie rechnet frühestens in ein paar Monaten mit einer Party. Es wäre schön, wenn ich ein paar Tage zwischendurch Zeit hätte, um etwas für sie vorzubereiten.“

Trent überlegte einen Augenblick, dann sagte er: „Warum machst du die Party nicht hier?“

„Was? Hier in Tempest West, im Hotel?“ Sein Vorschlag kam für sie vollkommen überraschend. Sie konnte gar nicht glauben, dass er ihn ernst meinte.

„Warum nicht? Es spricht doch vieles dafür. Erstens wäre es kein Problem, die Gäste mit unserem Firmenjet herzubringen. Zweitens wollte ich die Familie sowieso demnächst einladen, damit sie die fertige Anlage sieht. Und drittens wäre es einfacher für dich, das Ganze zu organisieren.“

„Du arbeitest wirklich hart daran, deinen Angestellten das Leben schön zu machen.“

Trent lächelte, und wieder entdeckte Julia das Grübchen in seiner Wange, das sie so hinreißend fand. „Ich habe nun einmal gern zufriedene Menschen um mich. Außerdem kann ich dich nicht so lange entbehren. Also: Das Hotel steht zu deiner Verfügung. Bedien dich. Ich lasse dir vollkommen freie Hand.“

„Dann bezahle ich auch dafür.“

Er sah sie mit einem schiefen Lächeln an. „Darüber können wir immer noch reden.“

Julia lachte. „Du bist vollkommen unmöglich, weißt du das?“

Trent zuckte die Achseln. „An wie viele Gäste hattest du denn gedacht?“

Sie rechnete einen Augenblick nach. „Ungefähr vierzig.“

„Dürfte kein Problem sein.“

„Wirklich, Trent, die Idee ist großartig.“ Verträumt blickte sie aus dem großen Fenster. Unzählige Sterne funkelten am Himmel und warfen ein schwaches, mildes Licht auf die Erde. Das unbewegte Wasser des Sees schimmerte in ihrem Widerschein. Aus der Dunkelheit drangen leise, geheimnisvolle Laute der Nacht. „Laney wird diesen Flecken Erde lieben.“

Trent lehnte sich entspannt zurück. „Dann wäre dieses Problem ja schon gelöst.“

„Gut“, meinte Julia, „kommen wir zum nächsten.“ Sie hob ihren Aktenkoffer auf den Schoß, ließ die Schlösser aufschnappen und holte einen braunen Ordner heraus. „Ich habe schon ein paar Ideen zusammengetragen. Wir können sie beim Essen einmal durchgehen.“

„Einverstanden. Es liegt mir viel daran, die Geschäfte zum Laufen zu bringen. Das ist dein Job, meine Zauberfee.“

Schön wär’s, dachte Julia. Wenn sie eine Fee wäre, könnte sie Trent dazu bringen, in ihr noch etwas anderes zu sehen als die Frau, die seine Bilanzen in Ordnung brachte und gelegentlich sein Bett teilte.

Nach dem Abendessen führte Trent Julia durchs Hotel, machte sie mit dem Personal bekannt und informierte sie über die organisatorischen Abläufe des Hauses. Geduldig beantwortete er all ihre Fragen. Als sie den Rundgang beendet hatten, führte er sie nach draußen.

„Ich bin froh, dass du da bist, Julia. Was wir brauchen, ist so etwas wie ein Neustart. Ich glaube, wir müssen uns von Grund auf neu aufstellen.“ Als sie die Terrasse und die Lichter des Hauses hinter sich gelassen hatten, nahm er ihre Hand.

„Hättest du nicht wie aus heiterem Himmel in Los Angeles vor meiner Tür gestanden, wäre ich nicht hier.“

„Wie der Zufall es manchmal will: zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagte Trent leichthin. Er wollte diese Angelegenheit lieber nicht vertiefen.

„Ich war ziemlich am Boden, als ich die Stelle bei Bridges, der Restaurantkette, doch nicht bekommen habe. Ich hatte alles auf diese Karte gesetzt und war mir so sicher, dass es klappt.“

Trent blieb plötzlich stehen. Dann fasste er sie um die Taille und zog sie an sich. Er wollte sie um jeden Preis von diesem heiklen Thema abbringen. „Vergiss es“, meinte er. „Wenn sie so dumm waren, dich gehen zu lassen, umso besser für mich.“

Als Julia noch im weit entfernten Los Angeles lebte, hatte Trent alles versucht, um sie aus seinem Kopf zu verbannen. Er hatte sich in seine Arbeit gestürzt und ganz auf das Hotel konzentriert. Doch nun, da sie in seiner Nähe war, bemerkte er wieder, mit welcher Heftigkeit er sich zu ihr hingezogen fühlte. Wie ein Blitz hatte es bei ihm eingeschlagen.

Julia sträubte sich gegen seine Umarmung. „Lass das. Ich finde das nicht gut. Wir müssen klare Grenzen ziehen. Wenn uns jemand von den Angestellten sieht …“

Trent sah sich um. „Da ist doch niemand.“

„Aber jeden Augenblick kann jemand auftauchen. Ich will mit deinen Angestellten zusammenarbeiten, und dafür brauche ich ihren Respekt. Den verliere ich, wenn sich herumspricht, dass wir hier herumknutschen.“

„Herumknutschen?“, fragte Trent belustigt nach.

Julia hob die Arme zu einer hilflosen Geste. „Ja, was weiß ich – nenne es, wie du willst. Jedenfalls geht das so nicht.“ Er ließ sie los, trat einen Schritt zurück. „Danke“, meinte sie, während sie sich im Stillen wunderte, dass er so ohne Weiteres nachgab. „Es ist besser so. Wenn du und ich …“ Ihr Blick fiel auf seinen sinnlichen Mund, und sie kam ins Stocken. „Also, wir bringen nie etwas zustande, wenn wir …“ Wieder falsch. Julia redete sich allmählich um Kopf und Kragen. „Ich meine, es ist professioneller, einen gewissen Abstand zu wahren.“

Sie konnte sagen, was sie wollte, Trent durchschaute sie. Er konnte ihr ansehen, dass sie sich nach ihm sehnte, und ihm selbst ging es nicht anders. Kurz entschlossen nahm er sie bei der Hand und zog sie mit sich. „Du hast völlig recht. Ziehen wir uns in die Privatsphäre zurück.“

Julia versuchte, ihn zurückzuhalten. „Du hast mich nicht verstanden. Darum allein geht es gar nicht.“

Trent blieb stehen und sah sie ernst an. „Doch, Julia. Darum geht es. Wir wollen doch beide dasselbe, Liebes. Und das werden wir uns jetzt nehmen.“ Damit setzte er mit energischem Schritt seinen Weg fort, und Julia musste ihm notgedrungen folgen, da er auf dem ganzen Weg ihre Hand nicht losließ.

So gelangten sie zu einem abseits gelegenen, einzeln stehenden Cottage. Er schloss die Tür auf, und sie traten ein. Dort drinnen war es noch finsterer als draußen unter den Sternen, und ihre Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Julia bemerkte den süßen Blütenduft von Gardenien. Trent war dicht vor ihr stehen geblieben. Sie konnte seinen Atem spüren.

„Du machst mich wahnsinnig mit deiner ‚professionellen Distanz‘, wie du sie nennst“, erklärte er. „Ist ja ganz gut und schön, aber wir arbeiten den jeden Tag zusammen. Und nachts verzehrt sich jeder von uns heimlich vor Sehnsucht in seinem Bett, oder wie stellst du dir das vor? Sag mir nicht, dass das nicht stimmt. Wie lange, meinst du, halten wir das durch?“

„Hast du mich deshalb eingestellt?“

„Ich habe dich engagiert, weil du die Beste in deinem Fach bist. Du weißt selbst, dass es für mich nichts Wichtigeres gibt als Tempest West. Wenn es mir bloß um Sex ginge, brauchte ich dafür nicht …“ Er hielt es für klüger, den Satz nicht zu beenden.

„… brauchte ich dafür nicht Honorar zu bezahlen, wolltest du doch sagen, oder?“

Trent seufzte, dann breitete er die Arme aus. „Komm her.“

Widerstrebend trat Julia auf ihn zu. Er hielt sie fest, hob ihr Kinn ein wenig an und küsste sie. „Du hast mir gefehlt.“

Sie musste lächeln. „Schön, dass du das sagst.“ Ihr Widerstand war nach wenigen Augenblicken schon gebrochen, und sie legte ihm die Arme um den Nacken.

Er zog sie fester an sich, und ihr nächster Kuss war noch leidenschaftlicher. Ungestüm drängten sie sich aneinander. Trent ließ die Hände über ihren Rücken gleiten. Ihr leises Aufstöhnen, während sie sich küssten, jagte eine Welle der Lust durch seinen Körper.

Hart spürte Julia seine Männlichkeit an ihrem Bauch.

Sie öffnete die Lippen und lud ihn zum Zungenspiel ein. Die ungestüme Art, mit der Trent in ihren Mund vordrang, nahm ihr den Atem. Sie genoss das Gefühl des mächtigen Brustkorbs an ihren Brüsten, den Druck seiner Lenden, der etwas versprach, dem sie entgegenfieberte. Trent schob ihr den Rock bis zur Taille hoch und umfasste mit seinen kräftigen Händen die Rundungen ihres Pos. Julia stöhnte laut auf.

Nun gab es kein Halten mehr. Gegenseitig rissen sie sich förmlich die Kleider vom Leib. Trent hob sie hoch. Sie schlang ihm die Beine um die Hüften, drängte ungeduldig zu ihm, und endlich, mit einem einzigen tiefen Stoß, war er bei ihr. Das war sein Willkommen für sie in Tempest West, wie er es sich vorgestellt hatte, seitdem er sie an diesem Morgen aus dem Wagen steigen gesehen hatte.

Julia fuhr leicht mit den Fingerspitzen über Trents Wange. Sein Versuch, sich schlafend zu stellen, war vergebens, denn er konnte ein Zucken um seine Mundwinkel nicht unterdrücken. Aneinandergeschmiegt lagen sie in dem großen Bett.

„Bin ich wirklich die Beste?“, neckte sie ihn.

Sie bekam nur ein unartikuliertes Brummen zur Antwort.

Julia beugte sich über sein Gesicht und küsste ihn auf den Mund. „Los, sag schon.“

Er öffnete blinzelnd ein Auge. „Vor Tau und Tag willst du schon Komplimente hören. Versprichst du dir davon Pluspunkte?“

„Brauch ich denn noch Pluspunkte?“, fragte sie mit gespielter Unschuld.

Trent drehte sich auf die Seite und stupste ihr mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze. „Nur mal nicht übertreiben … noch mehr solche Pluspunkte, und du kannst mich für den Rest des Tages vergessen.“

Julia ließ den Kopf in ihr Kissen sinken und blickte zur Zimmerdecke auf. Die vergangene Nacht war ein einziger Rausch gewesen. Drei Mal waren sie gemeinsam zum Höhepunkt gekommen, und einer war schöner gewesen als der andere. „Sag mal, warum ist das so intensiv zwischen uns beiden?“, fragte sie.

Trent schwieg, und als Julia schon glaubte, dass sie keine Antwort bekommen würde, sagte er endlich: „Wenn ich das wüsste … es ist eben so. Ich glaube, wir sollten nicht so viel darüber nachdenken und es einfach genießen.“

Julia fragte sich, ob das nicht zu simpel war. Sie hielt nichts von flüchtigen Abenteuern und erst recht nichts von Beziehungen am Arbeitsplatz. Was die anging, war sie gebranntes Kind und hatte sich geschworen, sich nie wieder darauf einzulassen. Und jetzt? Jetzt lag sie mit ihrem Auftraggeber im Bett.

„Hast du keine Angst, dass es zu Komplikationen führen könnte?“, fragte sie vorsichtig.

Er wandte sich zu ihr um und küsste sie. „Nicht, wenn wir sie nicht zulassen.“

Julia wunderte sich, dass er das Problem so leichtnahm. Beruf und Bett nicht voneinander zu trennen war immer eine riskante Angelegenheit, die leicht schiefgehen konnte, wie sie nur zu genau wusste.

Und das war nicht alles. Wenn ihre Affäre endete, konnten sie das schon deshalb nicht einfach so abschütteln und jeder seiner Wege gehen, weil Evan, Trents älterer Bruder, mit Laney, ihrer besten Freundin verheiratet war. Ihr Instinkt riet ihr, die Finger von Trent zu lassen. Doch diesen gut aussehenden, charmanten, hochintelligenten Mann einfach stehen zu lassen, war leichter gesagt als getan.

„Trent, ich meine das ernst. Ich möchte nicht, dass jemand im Hotel erfährt, was zwischen uns läuft.“

„Hab schon verstanden.“ Seine Antwort klang ehrlich. Aber dann saß ihm schon wieder der Schalk im Nacken. „War sonst noch was?“

Julia kapitulierte und ließ den Kopf aufs Kissen sinken. „Nein, ich glaube nicht.“

„Sehr schön.“ Trent streckte die Hand aus und begann, ihre Brüste zu streicheln. Spielerisch beschrieb er mit dem Daumen kleine Kreise um die kleinen, rosigen Knospen, die sich sofort zusammenzogen. Dann setzte er dasselbe Spiel mit Lippen und Zunge fort.

Julia stöhnte auf und wand sich auf dem Laken. In heißen Wellen durchströmte sie die Lust, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte. Trent wusste genau, was ihr gefiel. „Hör auf“, wimmerte sie. „Wir haben letzte Nacht sämtliche Kondome verbraucht.“

„Entspann dich, Julia. Für das, was ich vorhabe, brauchen wir keine Kondome.“

Zwei Stunden später ließ Trent eine heitere, vollkommen befriedigte Julia zurück. Wie verabredet verließ sie das Cottage erst eine Dreiviertelstunde nach ihm und begab sich zu ihrer Suite im dritten Stock des Hotels, wo sie sich gleich unter die Dusche stellte und sich für die Arbeit umzog.

In einem hellen Hosenanzug und halbhohen Stiefel machte sie sich auf zu den Büros, die im Nordflügel des Hauses lagen. Sie war mit der Managerin des Hotels verabredet.

„Haben Sie sich schon auf dem Gelände umgesehen, Miss Lowell“, fragte Kimberly Warren, eine junge blonde Frau von angenehmem Äußeren, deren Collegeabschluss bestimmt noch nicht länger als zwei Jahre zurücklag.

„Nein, noch nicht. Mr. Tyler will mich später noch herumführen.“

„Mr. Tyler liegt das Haus sehr am Herzen. Wir alle setzen große Hoffnungen in Sie, dass Sie es schaffen, unsere Auslastung zu verbessern. Wir haben uns eine Marke von neunzig Prozent zum Ziel gesetzt.“

Julia wunderte sich nicht darüber. Eine so ehrgeizige Vorgabe war typisch für Trent. „Das ist ein hoher Anspruch. Ich weiß nicht einmal, ob die anderen Tempest-Hotels eine solche Auslastung erzielen.“

„Mr. Tyler scheint Ihnen so ziemlich alles zuzutrauen, Miss Lowell“, meinte die junge Managerin.

Julia musste lächeln. „Wollen wir nicht Du sagen? Ich bin Julia.“

„Gern, Julia. Dann zeige ich dir jetzt dein Büro. Mr. Tyler hat es direkt neben seinem einrichten lassen. Ihr werdet ja sehr eng zusammenarbeiten.“

Julia warf ihr einen skeptischen Seitenblick zu. Was weiß diese kecke junge Dame noch alles, fragte sie sich. Sie räusperte sich aber nur und meinte: „Ja, das denke ich auch.“

Kimberly führte Julia zu ihrem Büro und ließ sie allein, damit sie sich einrichten konnte. Julia blickte sich um. An den Wänden hingen Bilder von Tempest West, die den Bau des Hauses vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung dokumentierten. Ihr neuer Schreibtisch war aus nussbraun gebeizter Weißeiche. Die Wände waren in einem cremefarbenen Pastellton gehalten und schlossen oben mit einem weißen Stuckstreifen ab. Zwei hohe Bücherregale gehörten zur Einrichtung. Das Ganze machte einen sehr geschmackvollen Eindruck und hatte dabei, wie Julia auffiel, eine deutlich feminine Note, die sie stark an ihr eigenes Appartement in Los Angeles erinnerte.

Nachdem Julia sich mit dem Computer, dem Faxgerät und der Haussprechanlage vertraut gemacht hatte, packte sie ihren Aktenkoffer aus und begann, dessen Inhalt auf die Schubladen ihres Schreibtisches zu verteilen.

Es klopfte, und einen Moment später kam Trent herein. „Schönen guten Morgen. Oder hatten wir uns heute schon gesehen?“, fügte er mit einem frechen Augenzwinkern hinzu.

Julia bekam einen gelinden Schrecken, stellte aber erleichtert fest, dass er die Tür hinter sich geschlossen hatte. Trent sah aus wie aus dem Ei gepellt. Er trug ein schwarzes Jackett zu einem weißen Hemd mit einer Westernschleife, auf seinem Kopf saß ein Cowboyhut. Dafür, dass er eine nahezu schlaflose Nacht hinter sich hatte, sah er erstaunlich frisch aus.

„Hast du dich schon eingerichtet?“, erkundigte er sich.

Viel war es ja nicht gewesen, das Julia mitgebracht hatte. Das Wichtigste war ihr Laptop und das, was sie im Kopf hatte. Sie sah sich um und meinte: „Ich denke, ja.“

„Lass Kimberly wissen, wenn du noch etwas brauchst.“

„Vielen Dank, aber wie es aussieht, ist alles vorhanden. Das Büro gefällt mir.“

Er nickte. „Ich wollte nur sichergehen, dass alles in Ordnung ist. Aber eigentlich bin ich gekommen, um dich für unsere kleine Rundreise abzuholen. Du sollst Tempest West von seiner besten Seite kennenlernen.“

Julia war erleichtert, dass Trent anscheinend tatsächlich bereit war, wenigstens im Büro die von ihr geforderte professionelle Distanz zu wahren. „Okay, lass uns gehen“, sagte sie. „Ich bin schon sehr gespannt.“ Doch bei sich überlegte sie, ob sie das Beste von Tempest West nicht schon kennengelernt hatte.

3. KAPITEL

„Stilvoller ist es ja, man unternimmt diese Tour zu Pferde“, erklärte Trent, als er ihr die Tür auf der Beifahrerseite seines Jeeps aufhielt. „Aber das würde heute zu lange dauern.“

Julia war insgeheim für die etwas weniger stilvolle Art der Fortbewegung dankbar. Sie war von der Nacht zuvor noch reichlich mitgenommen.

Als Erstes fuhren sie zu den Ställen. Schon von Weitem sah Julia die Pferde auf der Koppel. Es war alles dabei: Füchse, Apfelschimmel, Falben. Bald konnte sie erkennen, dass sie außerordentlich gut gepflegt aussahen.

„Wir haben vierzig Tiere. Acht als Pferdepfleger ausgebildete Cowboys kümmern sich um sie. Bei den Ausritten am Morgen und nachmittags sind meist zehn oder zwanzig Pferde unterwegs. Pete Wyatt, der die Stallungen leitet, vergibt Termine für die Ausritte. Sein Büro befindet sich in der Sattelkammer.“

Er parkte den Jeep, und sie stiegen aus. Der Eingang zu den Ställen war eine verkleinerte Wiedergabe des eindrucksvollen Hotelportals mit seinem kühn geschwungenen Bogen. Ein Mann in Trents Alter kam ihnen entgegen. Lächelnd begrüßte er sie und schüttelte Julia die Hand. „Sie sind bestimmt Miss Lowell. Ich bin Pete, der Stallmeister hier. Dann sind Sie also die Lady, die dafür sorgen soll, dass wir die Tiere alle behalten können?“

Julia sah ein wenig verwundert zu Trent. „Und was kann ich dafür tun?“

„Ist doch klar“, meinte Pete, als handelte es sich um das Selbstverständlichste der Welt. „Es müssen mehr Gäste kommen. Augenblicklich schaffen wir es kaum, die Pferde genügend zu bewegen. Die kommen alle aus guter Zucht und müssen regelmäßig geritten werden. Sie können nicht den ganzen Tag auf der Koppel stehen. Die Jungs und ich versuchen schon das Beste, um mit ihnen zu arbeiten.“ Er machte eine einladende Geste. „Kommen Sie. Ich zeig Ihnen, wie das bei uns läuft.“

Eine halbe Stunde später kehrten Trent und Julia zum Jeep zurück. Julia hielt ein paar Notizen in ihrem PDA fest, bevor sie einstieg. „Du scheinst allen erzählt zu haben, ich könnte wer weiß was für Wunder vollbringen“, meinte sie, als sie wieder im Wagen saßen.

Trent sah sie an. „Du bist doch meine Zauberfee. Ist dir der Druck zu hoch?“

„Unter Druck arbeite ich am besten“, gab sie selbstbewusst zurück.

Er nickte zufrieden. Nichts anderes hatte er erwartet. Julia fand die Erwartungen, die er in sie setzte, sehr schmeichelhaft, auch wenn sie ihr von Zeit zu Zeit ein bisschen Angst machten.

Ihre nächste Station führte sie an das äußerste Ende von Crimson Canyon. Als Trent den Jeep parkte, hatten sie einen Blick in die schier unermesslichen Tiefen der Schlucht. Über dem scharlachroten Land wölbte sich wolkenlos ein tiefblauer Himmel. Es war ein überwältigender Anblick.

„Das ist Shadow Ridge. Diesen Platz auf meinem Land liebe ich am meisten“, erklärte Trent.

„Das kann ich mir vorstellen. Es ist unglaublich“, meinte Julia. Angesichts dieser Landschaft aus bizarren Gesteinsformationen und unwirklichen Farben konnte man sich nur klein und unbedeutend vorkommen. „Es sieht so ursprünglich aus, als hätte noch nie ein Mensch seinen Fuß hierhin gesetzt“, fügte sie ehrfurchtsvoll hinzu.

Versunken in den Anblick schwiegen sie eine Weile. Dann sagte Trent: „Die wenigsten der Gäste kommen bis hierher. Selbst mit einem guten Pferd ist das Gelände nicht ganz ungefährlich. Mit dem Jeep kommen wir sowieso nicht nahe genug heran. Dabei sind die Felsen und die Farben hier einfach unvergleichlich.“

Julia holte wieder ihren PDA heraus. Etliche Ideen schwirrten ihr im Kopf herum. „Okay“, sagte sie, „was kommt als Nächstes?“

Während der anschließenden Fahrt bekam Julia einen Eindruck von der landschaftlichen Schönheit der Umgebung. Etwa nach zwanzig Minuten bogen sie zu Destiny Lake ab. „Unsere Gäste können mit dem Boot hinausrudern, zum Baden oder Angeln. Motorboote gibt es hier nicht“, erläuterte Trent, als der See in Sichtweite kam. „Es ist der einzige natürliche See im Umkreis. Als ich das Land gekauft habe, war ich sehr darauf bedacht, dass der See dazugehörte.“

„Erwähntest du nicht einmal eine Legende, die sich um den See rankt?“

„Die gibt es. Komm, wir machen einen kleinen Spaziergang.“ Seite an Seite gingen sie zum Ufer hinunter. Eine leichte Brise kam vom Wasser herüber, doch obwohl es schon Anfang Oktober war, war die Luft noch sommerlich warm. Von weit weg hörte man das Planschen und Lachen einiger Gäste, die sich beim Baden vergnügten.

Trent nahm Julias Hand. Sie kamen zu einem Anlegesteg, der ein Stück in den See hinausragte. Drei Ruderboote, die hier vertäut lagen, schaukelten leicht im Wasser. Er führte sie bis zur Mitte auf den Steg hinaus, und sie betrachteten das Ufer ringsum.

„Vor über hundertfünfzig Jahren“, begann Trent, „war das Land von Menschen besiedelt, die aus Kalifornien zurückgekehrt waren, wo sie vergebens nach Gold gesucht hatten, und von anderen, die es gar nicht erst bis nach Kalifornien geschafft hatten. Die Legende berichtet von der tragischen Geschichte eines jungen Mädchens namens Ella und ihres heimlichen Verlobten Samuel. Hier am See war der Ort, wo sie sich trafen, ohne dass jemand davon wissen durfte.“

Er schwieg einen Augenblick und sah bedeutungsvoll auf den See hinaus. „Eines Tages nun eröffnete Ella ihrem Samuel, dass ihre Eltern sie einem anderen versprochen hatten, einem Mann aus reicher Familie, der eine gute Partie zu werden versprach. Samuel geriet außer sich und stellte Ella vor eine Entscheidung. Sie sollte ihm ihre Treue beweisen und ihn bei Sonnenuntergang am Ufer treffen, damit sie zusammen von zu Hause weglaufen konnten. Käme sie nicht, würde sie ihn nie wiedersehen, kündigte Samuel an.“

„Und?“, fragte Julia ungeduldig, als Trent sich abermals unterbrach.

Er räusperte sich. „Ella fiel die Entscheidung schwer, denn sie liebte ihre Familie, doch schließlich kam sie zu dem Schluss, dass sie ohne ihren Samuel nicht leben konnte. Bis sie sich entschieden hatte, war es jedoch spät geworden. Auch weil es ihr nicht gleich gelang, sich aus dem Haus zu schleichen, war es schon Mitternacht, als sie endlich am See eintraf. Samuel war nicht da. Sie suchte ihn überall, und schließlich entdeckte sie ihn am Rand des Canyon und sah ihn gerade noch in die Tiefe springen.“

„Wie furchtbar. Aber irgendwie habe ich geahnt, dass es so ausgeht“, meinte Julia traurig. Warum mussten alle Sagen nur so grausam enden? „Bedeutet das, dass der See verhext ist?“

Trent lachte. „Keine Spur. Die Legende geht ja noch weiter. Ella setzte sich also ans Seeufer und weinte in ihrer Verzweiflung die ganze Nacht. Doch als der Morgen anbrach und sie den Kopf hob, tauchte mit einem Mal ihr Geliebter aus den Fluten auf. Er war über den See zu ihr geschwommen. So schlossen sie sich wieder in die Arme – genau an der Stelle, wo wir jetzt stehen.“

„Er ist also gar nicht gesprungen?“

„Nein. Er hatte zwar vorgehabt hinabzuspringen, ist dann aber im Dunkeln über einen Stein gestolpert, hat sich den Kopf aufgeschlagen und war eine Weile bewusstlos. So bekamen die beiden ihre zweite Chance. Und deshalb haben sie sich auch besonnen, nicht wegzulaufen, sondern sind nach Hause gegangen und haben sich tapfer zu ihrer Liebe bekannt. Schließlich hatten die Eltern ein Einsehen, und das junge Liebespaar konnte heiraten. Es hieß, dass die beiden später fünf Kinder hatten und zusammen sehr alt geworden sind.“

„Deshalb heißt er wohl auch der Schicksalssee?“

„Den Namen Destiny Lake haben die Kinder der beiden dem See gegeben, als sie von der Geschichte erfuhren.“

„Die zweite Chance“, murmelte Julia nachdenklich, während sie aufs Wasser hinausblickte. Dieses Mal machte sie sich keine Notizen, sondern konzentrierte sich darauf, die Geschichte so im Kopf zu behalten, wie Trent sie erzählt hatte, um sie später niederzuschreiben. Sie wandte sich zu ihm um und meinte: „Wenn wir wieder ins Büro kommen, habe ich eine Menge zu tun.“

„Gut, gehen wir“, antwortete er sofort.

Allmählich nahmen die Gedanken, welche Wunder Tempest West und der bezaubernde Crimson Canyon brauchten, in Julias Kopf Gestalt an.

Drei Stunden später saß Julia an ihrem Schreibtisch und förderte aus dem, was sie an diesem Tag gesehen und gehört hatte, die ersten konkreten Visionen für die Zukunft dieses einzigartigen Hotels zutage. Ihr war klar, dass Tempest West etwas ganz Besonderes darstellte. Die Anlage mit all ihren Einrichtungen und Möglichkeiten brauchte ein durchgehendes Konzept und einen komplett neuen Auftritt, am besten auch eine Neueröffnung, um eine zweite Chance zu bekommen.

Nur mit der Schönheit der Landschaft zu werben und dem Haus einen Westerntouch zu geben, das war nicht genug. Dieses war ein Ort, an dem ein elitäres, finanzkräftiges Publikum sich wohlfühlen konnte – und das nicht bloß auf der Durchreise. Voraussetzung war, dass die Gäste hier etwas fanden, das sie nirgendwo anders bekamen. Julia überlegte. Es war ein gewagter Schritt, aber Trent war kein Mann, der Risiken scheute.

Später am Nachmittag rief Julia Kimberly an, um sie zu sich zu bitten. „Hast du die Unterlagen von der Buchhaltung schon zusammen, um die ich dich gebeten hatte?“, fragte sie.

„Ich habe sie gerade abgeholt. Ich kann sie dir sofort bringen.“

Julia lehnte sich in ihrem Schreibtischsessel zurück und betrachtete auf dem Monitor ihres Computers die Homepage der Young Dreams Foundation. Ihr Vater hatte sie mit der Stiftung zusammengebracht, die ein Freund von ihm gegründet hatte, als sein Sohn schwer erkrankte. Das Kind hatte den Traum, einmal in Cape Kennedy richtige Astronauten zu treffen, und der Vater hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Daraus hatte sich nach und nach die Stiftung entwickelt, und schon nachdem Julia zum ersten Mal für die wohltätige Einrichtung arbeitete, hatte sie die Begeisterung gepackt.

In Julias Kopf formierte sich gerade eine vage Idee, als Kimberly mit einem Armvoll Ordner ins Büro marschiert kam. „Es ist mehr zusammengekommen, als ich dachte. Ich weiß nicht, ob du die Unterlagen alle brauchst.“

„Das ist in Ordnung. Ich sehe sie rasch durch und gebe dir zurück, was ich nicht benötige. Hast du einen Augenblick Zeit?“

Kimberly ließ sich in den Sessel vor dem Schreibtisch fallen. „Hab ich. Sag mir, wonach du suchst, und ich helfe dir beim Aussortieren.“ Sie schob die oberste Lage des Aktenstapels über den Schreibtisch und behielt den anderen Teil bei sich auf dem Schoß.

„Ich möchte so viel wie möglich über die Gäste erfahren, die bisher hier gewohnt haben. Wo kommen sie her? Wie lange sind sie geblieben? Wofür haben sie wie viel Geld ausgegeben? Bei der Gelegenheit wollte ich mir auch gleich die vergangenen Monatsabschlüsse ansehen“, erklärte Julia, während sie die ersten Ordner durchblätterte.

„Gut, dann weiß ich Bescheid.“

So gingen sie gemeinsam daran, sämtliche Ordner durchzusehen und die nicht benötigten beiseitezulegen.

„Nanu? Wie ist das denn hier hineingeraten?“, fragte Julia nach einer Weile erstaunt. „Das ist ein Entwurf meines Beratervertrags mit einer Aktennotiz eurer Rechtsabteilung vom … Merkwürdig, die müssen sich im Datum geirrt haben.“

„Unsere Rechtsabteilung irrt sich nie“, behauptete Kimberly rundheraus.

Julia sah noch einmal auf das Datum, das dort stand, und rechnete nach. Es konnte nicht stimmen. Sie erinnerte sich genau, dass Trent erst eine Woche später bei ihr in Los Angeles aufgetaucht war. Da erst hatte er davon erfahren, dass ihr Engagement bei Bridges im letzten Augenblick geplatzt war. Und daraufhin erst war Trent auf die Idee gekommen, sie bei sich als Unternehmensberaterin unter Vertrag zu nehmen. Hatte er jedenfalls gesagt.

An einen Fehler der Tyler-Rechtsabteilung glaubte sie auch nicht. Die hatte sie anders kennengelernt. Das ergibt alles keinen Sinn, dachte sie, es sei denn …

„Er hat es von Anfang an geplant“, murmelte sie vor sich hin. Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken.

„Bitte?“ Kimberly hob den Kopf. „Hast du etwas gesagt?“

„Nein, nein.“ Julia legte den Ordner auf den Schreibtisch. Nach einer Pause meinte sie: „Weißt du was? Lass mich die Sachen durchsehen, und verschwende deine Zeit nicht damit. Ich gebe dir die Unterlagen zurück, sobald ich fertig damit bin.“

Die junge Managerin nickte zögernd. „Okay, wenn du meinst.“

Sie legte die Papiere auf Julias Schreibtisch, stand auf und wandte sich zur Tür.

„Kim, eine Frage noch“, rief Julia sie zurück. „Arbeitest du schon länger in diesem Haus?“

„Von Anfang an. Ich habe vorher im Tempest-Hotel in Dallas gearbeitet und gewechselt, als hier eröffnet wurde.“

„Dann weißt du bestimmt auch, wie dieses Büro früher ausgesehen hat?“

Kimberly wunderte sich über die Frage, nickte aber brav. „Bei Mr. Alonzo, unserem früheren Marketingdirektor, war es ziemlich düster hier drinnen, voll mit schweren, dunklen Eichenmöbeln. Jetzt gefällt es mir viel besser. Alles ist heller und freundlicher und hat ein, ich würde sagen, eher weibliches Flair. Es passt gut zu dir.“

Julia schnürte es die Kehle zu. Ihr Argwohn schien sich zu bestätigen. „Hat Mr. Tyler die Renovierung angeordnet? Weißt du noch, wann das war?“

„Ganz genau sogar. Es war vor einem Monat. Ich hatte nämlich Geburtstag an dem Wochenende, an dem die Maler kamen, und Mr. Tyler hatte mir einen Tag freigegeben.“

„Vor einem Monat“, wiederholte Julia nachdenklich. Es gab keinen Zweifel mehr. Trent musste damit gerechnet haben, dass sie für ihn arbeiten würde, und zwar bevor er sie in Los Angeles besucht hatte. Wenn er nicht sogar … Julia wagte nicht, den Gedanken zu Ende zu denken. Mit Mühe brachte sie ein gequältes Lächeln zustande. „Ich wollte es nur mal wissen. Aber ich möchte dich auch nicht länger von deiner Arbeit abhalten.“

„Ist alles okay?“, fragte Kimberly unsicher.

„Alles okay.“

Als Kimberly gegangen war, stand Julia auf, stützte die Hände auf den Schreibtisch und schüttelte den Kopf. Ich habe mich über dich schlau gemacht, fielen ihr Trents Worte wieder ein. Er hatte seinen Marketingdirektor gefeuert, sie hatte ihren Auftrag bei Bridges verloren, und Trent Tyler tauchte plötzlich wie aus dem Nichts und mit Blumen in der Hand in Los Angeles auf und spannte sie mit seinem Charme ein. Vorher schon wurde dieses Büro hergerichtet und ein Vertragsentwurf für sie ausgearbeitet.

Das konnte alles unmöglich bloß eine Verkettung von Zufällen sein. Es roch penetrant nach einer haarklein geplanten Inszenierung. Dass ihm sein Hotel wichtiger war als alles andere, daraus hatte Trent nie einen Hehl gemacht. Dass er so weit gehen würde, in ihr Leben einzugreifen, um sie für seine Zwecke einzuspannen, damit hatte sie nicht gerechnet. Aber das alles wollte sie nun aus seinem eigenen Mund hören.

Bebend vor Zorn griff sie nach dem Aktendeckel mit dem Vertragsentwurf und der Aktennotiz und verließ damit den Raum. Auf dem Korridor holte sie noch einmal tief Luft, dann stieß sie die Tür zu Trents Büro auf, ohne vorher anzuklopfen.

Trent telefonierte. „Warte mal eben, Brock“, hörte sie ihn sagen. Er legte die Hand über den Hörer und meinte zu Julia. „Nur eine Sekunde, Darling. Ich bin gleich fertig.“

„Ich bin auch gleich fertig – und zwar mit dir“, fauchte sie zurück. „Leg auf!“

Trent hob erstaunt die Brauen. „Was ist los?“ Dann sagte er ins Telefon: „Ich muss Schluss machen. Ich rufe dich nachher noch mal an.“ Er legte auf, erhob sich aus seinem Schreibtischsessel und sah sie befremdet an. „Kannst du mir erklären …“

„Beantworte mir nur eine Frage“, fiel sie ihm ins Wort. „Hast du daran gedreht, dass ich den Bridges-Auftrag verliere, damit ich dir zur Verfügung stehe?“

„Wie kommst du denn darauf?“

Sie warf ihm den Aktenordner auf den Schreibtisch. „Deshalb. Hast du oder hast du nicht? Und sag mir die Wahrheit, wenn du überhaupt weißt, was das ist.“

Er öffnete den Aktendeckel, blickte auf das Dokument und die Notiz, und Julia konnte sehen, wie ein Muskel an seiner Schläfe zuckte. „Ja, es stimmt“, antwortete er mit fester Stimme. „Ich habe einen Deal mit Bridges gemacht.“

„Und ich war Teil dieses Deals?“

Trent kam hinter seinem Schreibtisch hervor und sah Julia fest in die Augen, während er sich mit beiden Händen auf der Tischkante abstützte. „Sei bitte so freundlich, und mach zuerst die Tür zu.“

Julia drehte sich um und knallte die Tür zu. Dann baute sie sich mit verschränkten Armen wieder vor ihm auf. Seine lässige Haltung brachte ihr Blut erst richtig zum Kochen. „Nun?“

„Ob du Teil dieses Deals warst?“, wiederholte er die Frage langsam. Er kniff die Lippen zusammen und sah sie kalt an. „Wenn du es so nennen willst, ja. Ich wollte, dass du für mich arbeitest.“

„Du hast mir also Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Julia hob ihre Stimme und ließ ihrer Wut freien Lauf. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wie ich mich abgerackert habe, um diesen Auftrag zu bekommen?“

„Was willst du? So schlecht bezahle ich dich nun auch nicht. Außerdem habe ich nichts Verwerfliches getan. Die Leute bei Bridges sind auf mein Angebot gerne eingegangen. Sie wollten schon lange mit uns ins Geschäft kommen.“

Julia konnte es nicht fassen, dass sich Trent nicht einmal die Mühe machte, etwas zu leugnen. „Und was für ein Deal ist das genau, wenn man fragen darf?“

„Bridges wollte immer schon in den wichtigsten Zentren die Restaurants unserer Hotels übernehmen. Wir standen seit einiger Zeit in Verhandlung. Ich habe die Sache nur etwas beschleunigt. So hat jeder etwas davon.“

„Jeder – außer mir.“

„Ansichtssache.“

„Ansichtssache? Spinnst du? Was meinst du, was es in meiner Branche dem Image schadet, einen solchen Kunden zu verlieren? Den Auftrag hier habe ich als Notnagel angenommen. Es geht ja nur um ein einziges Hotel. Das andere wäre der für eine Unternehmenskette gewesen, die überall in den Staaten vertreten ist. Was hätte ich bei dir wohl zu gewinnen?“

Trent stieß sich vom Schreibtisch ab und richtete sich auf. „Fest steht, dass du mit mir einen bindenden Vertrag hast.“

„Ja, weil du mich ganz übel hereingelegt hast. Du trickst andere aus, und dann pochst du darauf, dass sie brav ihre Verträge erfüllen.“

Trent wurde allmählich ungeduldig. „Nun mach doch nicht so ein Drama daraus. Ich habe eine günstige Gelegenheit gesehen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, und sie wahrgenommen. So ist nun einmal das Geschäft.“

„Rede dich nicht heraus. Du hast mich auf ganz miese Art benutzt. Wir hatten ein paar wunderschöne Stunden miteinander nach der Hochzeit von Evan und Laney. Danach meldest du dich überhaupt nicht mehr. Aber in dem Augenblick, in dem du dir einen Vorteil davon versprichst, stehst du plötzlich wieder vor der Tür. Das ist allerunterste Schublade, Trent Tyler.“

Seine Nasenflügel zuckten. „Nun reg dich langsam wieder ab, Julia.“

„Ich denke nicht daran. Du hast mich tief verletzt.“ Ich hätte es besser wissen müssen, dachte Julia. Business und Beziehung, und wenn sie noch so flüchtig ist – das kann einfach nicht gut gehen. „Also verstehe ich recht? Du leugnest nicht einmal, was ich dir vorwerfe?“

Trent stieß heftig die Luft durch die Nase aus. „Nein. Weil es mit uns nichts zu tun hat. Das ist, wie ich schon sagte, ganz einfach das Geschäft.“

Julia lachte bitter auf. „Ich habe mal gedacht, du wärst anders, eine Art Wyatt Earp, der coole, unbestechliche Held des Westens. Und was sehe ich vor mir? Genauso einen skrupellosen Egoisten wie die ganzen anderen geleckten Geschäftemacher.“

Er hatte sie viel tiefer getroffen, als er ahnen konnte. Aber lieber hätte Julia sich die Zunge abgebissen, als ihm zu gestehen, dass sie kurz davor gewesen war, sich in ihn zu verlieben. Ihre letzte Bemerkung jedoch hatte gesessen. Trent war regelrecht zusammengezuckt. Er wollte einen Schritt auf sie zugehen, aber sie hielt die Hand hoch und stoppte ihn.

„Halt, mein Lieber! Glaub nicht, du kommst damit durch, dass du jetzt deinen Charme spielen lässt.“

Trent stand da, die Lippen nur ein dünner Strich, das energische Kinn vorgestreckt. „Du hast den Bedingungen zugestimmt und den Vertrag unterschrieben“, beharrte er stur. „Ich habe dich nicht dazu gezwungen. Das ist ein vollkommen fairer Kontrakt zwischen uns, zu ganz klaren Bedingungen auf beiden Seiten. Du bringst Tempest West im Laufe eines halben Jahres in die schwarzen Zahlen und wirst dafür bezahlt. Sehr gut bezahlt.“

„Und wenn ich dazu nun einfach keine Lust mehr habe?“, erwiderte Julia trotzig.

Trent setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch und lehnte sich darin bequem zurück. „Das würde ich mir gut überlegen. Du hast doch selbst vom Imageschaden gesprochen. Was glaubst du, wie groß der erst wäre, wenn sich herumspricht, dass du deine Verträge nicht einhältst?“

4. KAPITEL

Von vorn bis hinten belogen und betrogen.

Julia saß in ihrer Suite auf der Couch und nippte an einem Glas Merlot. Sie betrachtete einen traumhaften Sonnenuntergang, war aber nicht dazu in der Stimmung, das Schauspiel zu genießen. Noch immer zitterte sie am ganzen Körper. Sie war mit den Nerven am Ende. Was Trent getan hatte, war unverzeihlich.

Es war ein elendes Gefühl. Nicht nur, dass sie sich vorkam wie eine Idiotin, weil sie sich von ihm hatte übertölpeln lassen. Viel schlimmer war das Gefühl, ihm ausgeliefert zu sein. Sie war Wachs in Trents Händen. Er brauchte nur aufzutauchen wie damals in Los Angeles, und sie vergaß ihre ganze Klugheit, ihre Cleverness, ihre Erfahrung, all jene Tugenden, mit denen sie sich sonst im Beruf tapfer behauptete.

Vielleicht hätte sie sich nicht so leicht einwickeln lassen, wenn ihr nicht noch der Schock, den Bridges-Auftrag verloren zu haben, in den Knochen gesteckt hätte. Aber nicht einmal dessen war sie sich sicher.

Dieser große, gut aussehende, anscheinend so aufrichtige Cowboy hatte sie zum Narren gehalten. In einem Punkt allerdings hatte er recht. Auch wenn sie es gern wollte, kam sie aus diesem Vertrag nicht heraus. Abgesehen davon, dass sie so schnell keinen weiteren Auftrag in Aussicht hatte, konnte sie ihren Ruf in der Branche nicht aufs Spiel setzen und einfach aussteigen.

Aber die Flinte ins Korn zu werfen war sowieso nicht ihre Art. Dazu kam die Rücksicht, die sie auf Evan und Laney nehmen musste. Allein das war schon Grund genug, in Tempest West keinen Streit vom Zaun zu brechen, der in der Familie leicht zu einem Misston führen konnte.

Und wenn sie Trents Ziel, Tempest West in die Gewinnzone zu bringen, sabotierte? Julia verwarf diese Idee gleich wieder. Auch wenn sie noch so wütend auf Trent war, schlechte Arbeit abzuliefern, kam für einen Profi wie sie nicht infrage. Es blieb nur eine einzige Möglichkeit: Sie erledigte ihren Job, gab dabei ihr Bestes, wie sie es nicht anders gewohnt war, und hielt sich in jeder Hinsicht von Trent fern.

Nachdem sie eine Stunde lang so vor sich hin gebrütet hatte, nahm Julia ihr Handy und wählte Laneys Nummer. Die beiden Frauen kannten sich seit ihren ersten Schuljahren in Los Angeles. Die Stimme ihrer besten Freundin zu hören, würde sie aufmuntern, hoffte Julia.

Als Laney sich meldete, verstellte Julia ihre Stimme und sagte: „Hallo, spreche ich mit Mrs. Tyler? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Hauptgewinn gezogen, ein nagelneues, rosiges Baby. Der Preis wird Ihnen in genau drei Monaten ausgehändigt.“

Laney wollte sich ausschütten vor Lachen, und Julia war gleich leichter ums Herz. „Hi, Julia! Kann ich den Gewinn nicht jetzt schon haben? Bitte, versuch doch, ob sich da nicht etwas machen lässt.“

„Ich wollte, ich könnte es. War es ein schwerer Tag für dich?“

„Nein, nicht so schlimm. Eben das Übliche. Ich fühle mich ein wenig schlapp heute, und Evan wacht über mich wie eine Glucke.“

„Wie nett von ihm.“ Schade, dass dieser sympathische Zug sich nicht auf alle Familienmitglieder übertragen hat, dachte Julia.

„Nett, ja“, meinte Laney. „Aber schließlich bin ich nicht sterbenskrank, bloß weil ich schwanger bin. Evan schwirrt die ganze Zeit um mich herum und flippt fast aus, wenn er fühlt, dass sich das Baby in meinem Bauch bewegt. Ich habe gelesen, dass solche Symptome häufiger bei Männern zu beobachten sind, die zum ersten Mal Vater werden.“

„Ach, ich wünschte, ich könnte bei euch sein und das alles miterleben. Ich vermisse euch. Und dich, Laney, besonders. Und L. A.“

„Julia! Ich habe gedacht, du wärst begeistert von Tempest West. Und nach dem, was du mir von Trent erzählt hast, hättet ihr vielleicht …“

„Wir haben eine rein geschäftliche Beziehung, Laney“, unterbrach Julia freundlich, aber bestimmt, die Spekulationen ihrer Freundin. Wenn sie Laney überhaupt einmal erzählte, wie Trent sie hinters Licht geführt hatte, war dafür jetzt gewiss nicht der richtige Zeitpunkt. Laney konnte Kummer und Sorgen in ihrem Zustand nicht gebrauchen.

Außerdem war Julia fest entschlossen, allein mit ihrer Situation fertig zu werden. Wenn sie ihren Vertrag hier erfüllt hatte, würde sie Tempest West und Trent Tyler den Rücken kehren, und das wär’s.

„Der Job ist toll, eine sehr reizvolle Aufgabe. Und … die Landschaft ist einfach überwältigend.“ Das war wenigstens nicht gelogen, auch wenn ihr Trent die Freude daran beinahe schon verdorben hatte.

Einen Augenblick herrschte Schweigen am anderen Ende der Leitung. Julia hatte zwar nichts von der Affäre mit Trent unmittelbar nach der Hochzeit erzählt, wohl aber von seinem unvermuteten Auftritt bei ihr in Los Angeles vor zwei Wochen. Sie war richtig ins Schwärmen geraten, als sie Laney von Trent, seinem Angebot und der „wundersamen Rettung“ nach dem Rückschlag bei Bridges berichtet hatte.

„Irgendetwas stimmt doch nicht mit dir“, sagte Laney. Sie kannte Julia einfach zu gut, und gerade in Herzensangelegenheiten war Laney schon immer sehr scharfsichtig gewesen.

„Doch, doch. Mit mir ist alles okay, und es ist alles wunderschön hier“, entgegnete Julia ausweichend. „Es gibt halt sehr viel zu tun. Aber zu etwas anderem“, versuchte sie, das Thema zu wechseln. „Kannst du mir bitte eine E-Mail mit der Gästeliste schicken? Du weißt ja, dass in sechs Wochen deine große Baby Shower stattfinden soll? Was hältst du von einer Feier bei Maggiano? Ich nehme mir dafür das ganze Wochenende frei.“

„Klingt verlockend.

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