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JULIA BESTSELLER – Penny Jordan 3

PENNY JORDAN

Ein Abschiedskuss?

Die schöne Computerspezialistin Samantha wollte Liam Connolly nie wiedersehen. Schließlich hatte er ihr unverschämterweise einen leidenschaftlichen Kuss aufgedrückt, kurz bevor sie nach England aufbrach, um ihr Glück zu suchen. Nun steht Liam wieder vor ihr. Und Samantha spürt, dass es mehr ist als die Empörung, die plötzlich in ihr prickelt …

Die Liebesnacht

Dieser Mann lässt sie nicht kalt! Das merkt die impulsive Katie Crighton sofort, als sie den arroganten Geschäftsmann Sebastian Cooke kennenlernt. Eigentlich ist sie nach Haslewich gekommen, um in der Kanzlei ihres Vaters Karriere zu machen. Doch Sebastian verursacht ihr so schlaflose Nächte, dass diese Pläne plötzlich gar nicht mehr so wichtig scheinen …

David ist zurück!

Mit klopfendem Herzen kehrt David nach Haslewich zurück, von wo er als schwarzes Schaf des Crighton-Clans vor Jahren geflohen ist. Nun ist er dankbar, als Handwerker wenigstens der charmanten Honor behilflich zu sein. Doch erst als die hübsche Frau in einer Gewitternacht bei ihm Schutz sucht, kann er ihr geben, wonach sie sich beide schon so lange sehnen …

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Ein Abschiedskuss?

1. KAPITEL

„Du hast am Wochenende wirklich toll gespielt, Sam. Ich hätte nie gedacht, dass die goldene Trophäe unserer Firma an eine Frau geht …“

„Sam ist keine Frau. Frauen sind klein, süß und kuschelig. Sie bleiben zu Hause und bringen Babys zur Welt … Sam … nicht einmal ihr Name ist fraulich …“

Samantha Miller richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. Mit einem Meter und achtzig überragte sie den Mann, der sie gerade so unverschämt kritisiert hatte, um fast zehn Zentimeter.

„Du weißt, was dein Problem ist, nicht wahr, Cliff“, sagte sie gelassen zu ihm. „Du bist kein richtiger Mann. Sonst hättest du nämlich keine Angst vor selbstbewussten Frauen. Und was das Kinderkriegen betrifft …“ Sie machte eine Pause, und sämtliche Kollegen im Großraumbüro sahen sie gespannt an. „Ich bin Frau genug, um ein Kind zu bekommen, wann immer ich es will.“

Erst jetzt war ihr anzusehen, wie sehr Cliffs Worte sie verletzt hatten. Ihre Augen funkelten, und ihre Stimme zitterte leicht.

„Du und ein Kind?“, bemerkte ihr Gegner spöttisch, noch bevor sie weitersprechen konnte. „Wer würde wohl mit einer Frau wie dir ein Kind haben wollen? Niemand. Wenn du eins bekommst, dann nur aus einer Samenbank …“

Die meisten der Umstehenden lachten.

Eine andere Frau wäre in dieser Situation vielleicht in Tränen ausgebrochen, aber nicht Sam. Sie setzte ein falsches Lächeln auf. „Es ist wirklich schade, dass du ein so schlechter Verlierer bist, Cliff. Na ja, wenn ich ein so miserabler Golfspieler wäre wie du, wäre ich vielleicht auch sauer. Und was das Kinderzeugen angeht … Wie oft hast du am achten Loch vergeblich versucht, den Ball zu versenken?“

Dieses Mal ging der Punkt an Samantha, als die anderen lachten. Ohne Cliff eine Gelegenheit zur Erwiderung zu geben, machte sie auf dem Absatz kehrt und ging erhobenen Hauptes davon.

Ihr war klar, was geschehen würde, sobald sie außer Hörweite war. Das ganze Büro würde sich über sie lustig machen, über die Amazone, die noch nie in männlicher Begleitung zu einer Betriebsfeier gekommen war. Über die einzige Frau in dieser von Männern dominierten Firma, die mit ihren wenigen Kolleginnen nie über ihr Privatleben sprach.

Samantha war dreißig, und sie war sich absolut bewusst, dass sie sich bald entscheiden musste, welche Richtung ihr zukünftiges Leben nehmen sollte. Beruflich und privat. In ihrem Alter sollte sie langsam daran denken, einen Mann kennenzulernen. Einen Mann, in den sie sich verlieben konnte, mit dem sie alt werden wollte und von dem sie die Kinder bekommen würde, die sie sich so sehr wünschte. Denn mit jedem Jahr wurde die Chance, diesen Mann zu finden, geringer.

Natürlich gab es genügend Männer. Männer, die sich nicht binden wollten … die keine Kinder wollten … die zwar Kinder, aber keine Frau wollten … die schon verheiratet waren … die … Oh ja, die Liste der Männer, die nicht infrage kamen, war lang genug und wurde noch länger, wenn man so wählerisch war wie Samantha.

„Warum gehst du nicht wenigstens mal mit ihm aus?“, hatte ihre Zwillingsschwester Roberta sie bei ihrem letzten Besuch in England gefragt. Ihre Mutter hatte sich bei Bobbie, wie die Familie Roberta nannte, darüber beschwert, dass Sam sich noch immer nicht mit einem besonders hartnäckigen Verehrer verabredet hatte.

„Wozu denn? Ich weiß bereits, dass er nicht der Richtige ist“, hatte Sam erwidert. „Du hast ihn für dich gefunden. Und wenn ich sehe, wie glücklich du mit Luke bist, wie könnte ich mich da mit weniger begnügen?“

„Oh, Sam.“ Bobbie umarmte sie. „Es tut mir leid. Du hast ja recht, das solltest du nicht. Aber ich hoffe, du findest auch bald den Richtigen. Oje …“ Sie lächelte entschuldigend. „Ich bin so müde.“

„Kein Wunder“, meinte Sam mit einem wehmütigen Blick auf den runden Bauch ihrer schwangeren Schwester.

Bobbie war der Blick nicht entgangen. „Hast du denn noch nie jemanden getroffen, in den du dich verlieben konntest, Sam? Hast du noch nie jemanden geliebt?“

Samantha schüttelte den Kopf. Anders als ihre Schwester trug sie das Haar kurz und lockig. Es umrahmte ihr anmutiges Gesicht und ließ ihre Augen noch größer als Bobbies wirken und deren Blau noch intensiver.

„Nein. Es sei denn, du zählst meine Schwärmerei für Liam dazu. Du weißt doch, damals, als er bei Dad anfing. Ich war vierzehn, und Liam hatte kein Interesse an einem Teenager mit Zahnspange und Zöpfen.“

Roberta lachte. Liam Connolly war der wichtigste Mitarbeiter ihres Vaters, und die ganze Familie wusste, dass Stephen Miller ihn als seinen Nachfolger für das Amt des Gouverneurs ausersehen hatte.

„Na ja, ein einundzwanzigjähriger Mann, noch dazu einer, der so gut aussieht wie Liam, findet es vermutlich nicht so toll, von einer Vierzehnjährigen angebetet zu werden.“

„Er fand es überhaupt nicht toll“, bestätigte Sam. „An Thanksgiving hat er allen Frauen einen Kuss auf die Wange gegeben, nur mir nicht. Und dabei war ich die Tochter seines Chefs …“

„Sehr vernünftig von ihm“, meinte Bobbie. „Was meinst du, was Dad gesagt hätte, wenn erfahren hätte, dass einer seiner Mitarbeiter mit seiner Tochter …“

„Hmm … Liam ist immer ehrgeizig gewesen. Sein Beruf geht ihm über alles.“

Bobbie zog die Stirn kraus, sagte aber nichts.

„Komm schon, Bo. Er hat eine Freundin nach der anderen, aber selbst Dad ist aufgefallen, dass es nie etwas Ernstes ist. Jedenfalls nicht ernst genug, um sie bei sich einziehen zu lassen.“

„Vielleicht sucht er noch nach der Richtigen?“

Samantha hatte mit der Zunge geschnalzt. „Kann sein, aber bis er sie gefunden hat, vergnügt er sich mit jeder Menge Falschen!“

Mit einem Kopfschütteln brachte sie sich in die Gegenwart zurück und eilte zum Fahrstuhl. Ihre Mittagspause begann zwar erst in über einer Stunde, aber sie brauchte frische Luft nach diesem unangenehmen Wortwechsel mit Cliff Marlin. Sie wusste, warum er so gemein zu ihr war. Sie spielte nicht nur besser Golf als er, vor sechs Wochen hatte sie genau die Beförderung bekommen, die er sich erhofft hatte.

Zum Glück würde sie bald einen vierwöchigen Urlaub machen, und sie hatte vor, den größten Teil davon bei ihrer Schwester in England zu verbringen. Die Amtszeit ihres Vaters war leider noch nicht ganz zu Ende, sonst hätten ihre Eltern sie begleitet.

Sam hatte sich an die ernste, förmliche Art ihres englischen Schwagers erst gewöhnen müssen. Schnell hatte sie allerdings erkannt, dass er im Grunde ein geistreicher, manchmal sogar recht humorvoller Mensch war. Sicher, er hatte ihre Schwester auf die andere Seite des Atlantiks entführt, aber Bobbie war glücklich und freute sich riesig auf ihr zweites Kind mit Luke Crighton. Außerdem gehörten sie und Sam nicht zu den Zwillingen, die nichts taten, ohne einander vorher um Rat zu fragen. Dennoch gab es Zeiten, in denen Sam ihre Schwester brauchte.

Und sie war auch ein bisschen neidisch. Natürlich gönnte sie Bobbie ihr Familienglück, aber sie wünschte sich nun einmal ein eigenes Kind. So sehr, dass es fast schmerzte. Sam fühlte sich unvollkommen und litt darunter, dass ihre von Natur aus starke mütterliche Seite so unerfüllt war. Aber wie konnte sie ein Kind bekommen, wenn es keinen Mann in ihrem Leben gab?

Oben im Büro hätte sie fast den Fehdehandschuh ergriffen, den Cliff ihr hingeworfen hatte. Schlagfertigkeit und Trotz hatten ihr schon als kleines Mädchen oft Ärger eingebracht. Am liebsten hätte sie ihm gesagt, dass sie ihm beweisen würde, wie schnell und mühelos sie einen Partner finden und ein Baby von ihm bekommen konnte. Die Versuchung war gewaltig gewesen, aber zum Glück hatte sie ihr widerstanden. Für eine Frau, die in der knallharten Computerbranche Karriere machen wollte, war es gefährlich, sich von Gefühlen leiten zu lassen.

Und auch als Tochter des Gouverneurs musste sie ihre Hitzköpfigkeit zügeln. Selbst ihre Abstammung hatte Cliff ihr vorgeworfen. Sie hatte zufällig mitbekommen, was er zu einem Kollegen gesagt hatte, als man ihr die Stelle anbot, auf die er gehofft hatte.

„Wenn ihr Vater nicht Gouverneur wäre, hätte sie keine Chance gehabt“, hatte er behauptet. „Man weiß doch, wie das läuft. Die Firma braucht Staatsaufträge und will sich mit dem Gouverneur gut stellen. Also befördert sie einfach seine Tochter …“

Sam wusste, dass das nicht stimmte. Sie hatte sich die Beförderung ehrlich verdient. Sie war ganz einfach die Bessere für die Stelle und hatte Cliff das auch in aller Deutlichkeit gesagt. Und dass sie ihn beim alljährlichen Golfturnier der Belegschaft besiegt hatte, hatte ihm dann den Rest gegeben.

Dass sie gewonnen hatte, war Liam zu verdanken. Er war ein ausgezeichneter Spieler und hatte sie nicht einmal als Teenager gegen ihn gewinnen lassen, sondern ihr geduldig gezeigt, was sie falsch machte. Und ebenso gut spielte er Schach. Und Poker, was ihn in den Augen ihres Vaters zu einem erstklassigen Gouverneur machen würde.

Genau darüber hatten ihre Eltern gesprochen, als sie Anfang der Woche zusammen zu Abend gegessen hatten.

„Wenn er zu deinem Nachfolger gewählt wird, ist er der jüngste Gouverneur, den es in diesem Staat je gegeben hat“, hatte ihre Mutter bemerkt.

„Hmm … Zugegeben, mit siebenunddreißig ist er wirklich noch ziemlich jung.“

„Siebenunddreißig und unverheiratet“, murmelte Sarah Jane. „Mit einer Frau an seiner Seite hätte er bessere Chancen. Sieh mich nicht so an“, sagte sie, als Stephen Miller die Augenbrauen hochzog. „Du weißt genau, dass es so ist. Die Wähler wollen einen glücklich verheirateten Gouverneur. Es gibt ihnen ein sicheres Gefühl.“

„Nun, an geeigneten Kandidatinnen fehlt es Liam ja nicht“, hatte Samanthas Vater erwidert und verlegen gelächelt, als seine Frau ihn erstaunt ansah.

„Stephen Miller, du beneidest ihn doch nicht etwa?“

„Natürlich nicht, Liebes“, beteuerte er sofort. „Ich habe die beste Frau, die ich mir wünschen kann“, fügte er so zärtlich hinzu, dass Samanthas Augen feucht wurden.

Wie konnte sie sich je mit weniger zufriedengeben, wenn sie in ihrer eigenen Familie miterleben konnte, wie glücklich nicht nur Bobbie und Luke, sondern auch ihre Eltern verheiratet waren?

Warum war es nur so schwer, den Mann zu finden, der ihr die Kinder schenken konnte, die sie sich so sehr wünschte?

Wie gern würde sie eines Tages ins Büro schlendern und allen Kollegen nicht nur einen Mann an ihrem Arm, sondern auch ihren wohlgerundeten Bauch präsentieren.

Sam schloss die Augen und versuchte sich vorstellen, wie sie die Zwillinge bekam, die bei den Crightons Tradition waren. Trotz der zahlreichen Hochzeiten in den letzten Jahren hatte von ihren vielen Cousins und Cousinen ersten, zweiten sowie dritten Grades noch niemand für die nächste Zwillingsgeneration gesorgt.

Sam malte sich aus, wie sie sich auf den starken Arm ihres geliebten Mannes stützen musste, weil in ihr gleich zwei Babys ungeduldig darauf warteten, auf die Welt zu kommen.

„Sam!“

Der warnende Unterton in Bobbies Stimme war so deutlich zu hören, so wirklich, dass sie fast glaubte, neben ihrer Schwester zu stehen.

Verwirrt öffnete sie die Augen und stellte fest, dass tatsächlich jemand mit ihr gesprochen hatte. Aber dieser Jemand war nicht Bobbie.

Verlegen blickte sie auf und sah direkt in die silbergrauen Augen von Liam Connolly. Sie musste regelrecht nach oben sehen, denn Liam war gute zehn Zentimeter größer als sie.

„Hallo … Liam.“ Warum, um alles in der Welt, stammelte sie wie ein Kind, das mit der Hand in der Keksdose erwischt worden war?

Liam zeigte auf die viel befahrene Straße vor ihnen. „Ich weiß, du bist eine Powerfrau, aber du solltest es nicht beweisen, indem du mit geschlossenen Augen eine Hauptverkehrsstraße überquerst. Außerdem ist das in diesem Staat verboten.“

Sam seufzte. Sie verstand beim besten Willen nicht, warum Liam ihr immer das Gefühl gab, eine anstrengende Vierzehnjährige zu sein.

„Dad hat erzählt, dass du dich zu seinem Nachfolger als Gouverneur aufstellen lässt“, versuchte sie das Thema zu wechseln.

„Hmm …“ Liam warf ihr einen forschenden Blick zu, und sie fragte sich, wie seine Augen manchmal so unglaublich sexy und verführerisch und dann wieder kühl und streng blicken konnten.

„Findest du das nicht gut?“

„Du bist siebenunddreißig. New Wiltshire County regiert sich praktisch von allein. Ich hätte gedacht, du würdest dir eine größere Herausforderung suchen“, entgegnete sie.

„Was zum Beispiel? Die Präsidentschaft?“, erwiderte er trocken. „New Wiltshire County mag dir nicht sonderlich viel bedeuten, aber glaub mir, für unseren Staat spricht eine ganze Menge. Ist dir klar, dass wir mit einem neuen Gesetz dafür sorgen werden, dass unsere Bürger ihre Schusswaffen freiwillig abgeben? Wusstest du, dass wir eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im ganzen Land haben? Und dass bei uns mehr Kinder einen Highschool-Abschluss machen als in den meisten anderen Staaten? Und dass unser Sozialsystem als eins der fortschrittlichsten …“

„Ja, das weiß ich alles“, unterbrach sie ihn. „Ich lebe hier, und mein Vater ist der Gouverneur. Ich dachte nur, du findest es hier vielleicht ein wenig zu … provinziell. Schließlich verbringst du eine ganze Menge Zeit in Washington.“

„Mit deinem Vater“, entgegnete Liam. „Aber wenn ich geahnt hätte, dass du mich vermisst …“

„Fang nicht wieder davon an.“ Sie warf ihm einen wütenden Blick zu. „Das ist lange her, und ich bin keine vierzehn mehr. Mir ist unbegreiflich, was all diese Frauen, mit denen du ausgehst, an dir finden.“

„Ja?“ Er lächelte belustigt. „Soll ich es dir zeigen?“

Sam spürte, wie sie errötete, und ärgerte sich darüber. Sie wusste genau, dass Liam sich nur über sie lustig machen wollte. Das tat er schon lange.

„Nein, danke“, erwiderte sie. „Ich möchte meine Männer exklusiv für mich. Exklusiv und mit braunen Augen. Ja, ein Mann mit braunen Augen … das hat was.“

„Braune Augen … Hmm … Ich könnte meine geschlossen halten … oder Kontaktlinsen tragen. Woran hast du gedacht, als ich dich gerade noch rechtzeitig aufgehalten habe?“

„Woran ich gedacht habe?“, wiederholte Sam, um Zeit zu gewinnen. Sie wusste nur zu gut, was er von ihr halten würde, wenn sie ihm die Wahrheit gestand.

„An … nichts eigentlich …“, wich sie aus und sah, wie er die Stirn runzelte. Bevor er nachfragen konnte, verbesserte sie sich. „Ich habe an meinen Besuch bei Bobbie gedacht.“

„Du fliegst nach England?“

Seine plötzliche Schärfe verwirrte sie. „Ja, für vier Wochen. Bobbie freut sich schon, weil sie endlich einmal genug Zeit haben wird, den richtigen Mann für mich zu finden.“

„Bobbie sucht dir einen Partner?“

„Du kennst sie doch.“ Sam zuckte mit den Schultern. „Sie ist so glücklich mit Luke, dass sie mich unbedingt auch unter die Haube bringen will. Nimm dich in Acht, Liam“, scherzte sie. „Du bist sogar noch älter als ich. Wer weiß, vielleicht bist du ihr nächstes Opfer! Aber im Grunde hat sie recht. England ist ideal für die Partnersuche.“ Sie setzte eine schwärmerische Miene auf. „Engländer haben etwas ausgesprochen Attraktives.“

„Vor allem wenn sie braune Augen haben?“, fragte Liam und schien es überhaupt nicht lustig zu finden.

„Ja, besonders dann“, bestätigte Samantha amüsiert. Aber Liam schien das Thema viel ernster zu nehmen als sie, denn das Grau seiner Augen wirkte plötzlich dunkler als sonst.

„Wir reden nicht zufällig über einen bestimmten braunäugigen Engländer?“

„Einen bestimmten …“ Sie hatte keine Ahnung, was er meinte. „Na ja, ich glaube, einer würde reichen“, sagte sie mit Unschuldsmiene. „Jedenfalls für den Anfang …“ Sie wurde wieder ernst. „Worauf willst du hinaus, Liam?“

„Ich erinnere mich, wie Lukes Bruder dich auf Lukes und Bobbies Hochzeit angesehen hat“, erklärte er kühl. „Wenn ich mich nicht irre, waren seine Augen braun.“

„James …“ Samantha zog die Stirn kraus. Sie wusste nicht mehr, ob er braune Augen hatte. Aber James war sehr nett zu ihr gewesen. Er hatte gut ausgesehen und offen darüber gesprochen, wie gern er heiraten und eine Familie gründen würde. Der Mann hatte offensichtlich weder Bindungsängste noch Vorurteile gegenüber großen und im Beruf erfolgreichen Frauen.

„Hmm … stimmt, das waren sie.“ Sie lächelte abwesend. „Wir würden auch braunäugige Babys bekommen.“

„Was?“

Sam sah Liam an. Ihr war gerade eine großartige Idee gekommen. „Wenn ein Elternteil braune und das andere blaue Augen hat, dann bekommt das Baby braune, stimmt’s?“

„Sam, was redest du da für einen Quatsch?“ Liam packte ihren Arm.

Seufzend sah sie ihn an. „Liam, findest du, dass ich eine Frau bin, die niemals … die kein Mann jemals …“ Sie brach ab, da ihr fast die Tränen kamen. „Heute hat jemand zu mir gesagt, dass ich nicht Frau genug bin, um einen Mann zu finden, der mit mir … mich zur Mutter macht. Ich werde ihm beweisen, dass er sich irrt, Liam. Ich werde nach England fliegen und mir einen Mann suchen. Einen, der die wahre Frau in mir erkennt. Er wird mich lieben, und ich werde ihn so sehr lieben, dass …“

Sie versuchte seine Hand abzuschütteln. „Lass mich los, Liam. Meine Mittagspause ist gleich vorbei, und ich muss noch unendlich viele Dinge erledigen.“

„Samantha“, begann er, aber sie hatte sich bereits losgerissen und eilte davon.

Ohne es zu wollen, hatte ausgerechnet Liam sie in ihrem bislang nur vagen Entschluss bestätigt. In England würde sie die Liebe finden, genau wie ihre Schwester. Warum war sie erst jetzt darauf gekommen? Englische Männer waren anders, nicht wie Cliff. Engländer … Einer von ihnen würde sie so lieben, wie sie es sich ersehnte, und sie würde seine Liebe erwidern.

Sie bereute, Liam so viel erzählt zu haben. Wann würde sie endlich lernen, ihre Zunge im Zaum zu halten? Außer Liam würde niemand von ihrem Plan erfahren, nicht einmal Bobbie. Die Suche nach dem Traummann, der ihr die lang ersehnten Kinder schenken sollte, würde ihr Geheimnis bleiben.

Ihre Augen leuchteten, als sie sich auf den Rückweg ins Büro machte.

2. KAPITEL

„Stell dir vor, nächste Woche bin ich schon bei Bobbie in Haslewich.“ Samantha schloss die Augen und lächelte voller Vorfreude. In diesem Moment glich sie eher dem jungen Mädchen, das für Liam geschwärmt hatte, als der weltgewandten Karrierefrau, die sie geworden war.

„Ich beneide dich, Liebling“, sagte ihre Mutter, die ihr an dem alten Mahagonitisch gegenübersaß, den die Familie mit in die Residenz des Gouverneurs gebracht hatte. Sarah Jane Miller lächelte. „Ich wünschte, dein Vater und ich könnten dich begleiten, aber das ist leider unmöglich.“

„Ich weiß. Aber dafür werdet ihr Weihnachten bei Bobbie verbringen. Bis dahin ist Dads Amtszeit zu Ende.“

„Hmm … Ich muss zugeben, dass es mir nicht leidtut“, antwortete ihre Mutter und warf Liam Connolly einen entschuldigenden Blick zu.

In den all den Jahren, in denen Liam für ihren Mann gearbeitet hatte, waren die beiden Männer gute Freunde geworden. Liam wusste, dass Sarah Jane sich schon lange darauf freute, die Residenz, in der auch Büros untergebracht waren, wieder gegen das elegante Landhaus der Familie in Neuengland einzutauschen.

Lachend schüttelte sie den Kopf. „Ich hoffe, du wirst eines Tages deine zukünftige Frau auf das vorbereiten, was sie hier erwartet.“

„Es steht keineswegs fest, dass ich zum Gouverneur gewählt werde“, wandte er ein.

„Oh, das will ich doch hoffen“, beharrte Sarah Jane. „Du bist eindeutig der beste Mann für das Amt.“

„Meine Frau hat recht“, mischte Sams Vater sich jetzt ein. „Und ich kann dir verraten, Liam, dass einige Damen der Gesellschaft hier in New Wiltshire und sogar in Washington schon die Siegesbankette planen.

Höflich stimmte Samantha in das belustigte Lachen ihrer Mutter ein, obwohl ihr gar nicht danach war. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund fand sie die Vorstellung, dass die eleganten Ladys von Washington Liam hofierten, nicht so amüsant wie ihre Eltern.

„Aber es gibt etwas, worüber du dir Gedanken machen solltest“, fuhr der Gouverneur ernster fort. „Ich will nicht behaupten, dass deine Wahl davon abhängt, aber es ist eine Tatsache, dass du als verheirateter Mann bei den Wählern besser ankommen würdest.“

„Bis zur Wahl sind es nur noch ein paar Monate“, gab Liam zu bedenken. „Ich bezweifle, dass eine hastig und ganz offensichtlich aus PR-Gründen arrangierte Hochzeit die Wähler beeindrucken würde.“

„Bis du dein Amt antrittst, ist noch genug Zeit“, sagte ihr Vater. „Ich wusste schon nach wenigen Tagen, dass ich Sarah Jane heiraten wollte.“

Sams Eltern wechselten einen zärtlichen Blick, und Samantha schaute hastig fort. Manchmal ertrug sie es nicht, andere so glücklich zu sehen.

„Ich persönlich glaube nicht, dass eine Heirat mich zu einem besseren Gouverneur machen würde“, meinte Liam. „Wahrscheinlich hätte sie eher den gegenteiligen Effekt. Angeblich haben verliebte Männer nur ihre Angebetete im Kopf.“

„Dann ist es ja gut, dass du in deine Arbeit verliebt bist“, stichelte Sam. „Du musst zugeben, dass sie dir immer wichtiger war als jede Frau.“

„Sam …“, rügte ihre Mutter sie, aber Liam schüttelte nur den Kopf.

„Kein Wunder, dass du beim Schach nicht so gut bist“, konterte er. „Bevor man einen Zug macht, muss man auf die eigene Deckung achten und den nächsten Zug schon im Kopf haben. Ich könnte dich darauf hinweisen, dass du ebenfalls ohne Partner bist. Offenbar hast auch du dein Liebesleben deiner Karriere geopfert.“

„Aber ganz bestimmt nicht so wie du“, entgegnete Sam aufgebracht. „Du suchst dir absichtlich Frauen aus, die dich schnell langweilen, weil du gar keine ernsthafte Beziehung willst. Du hast eine krankhafte Scheu vor Bindung, Liam. Insgeheim hast du Angst davor, tiefe Gefühle für eine Frau zu entwickeln.“

„Na, dann haben wir ja etwas gemeinsam.“

„Und was sollte das sein?“, fragte Sam herausfordernd.

„Es ist klar, dass du einen Mann brauchst, der dir einen ruhenden Pol bietet und deine spontane, ungestüme Art ausgleicht. Aber du suchst dir immer wieder emotional instabile Typen ohne Rückgrat, die du manipulieren kannst. Vermutlich reizt dich das an ihnen mehr als alles andere. Du hast mir vorgeworfen, dass ich Angst habe, meine Gefühle einzubringen. Ich würde sagen, du hast Angst, dich und deine Sexualität einzubringen. Und jetzt entschuldige mich.“

Ohne ihr Gelegenheit zu einer Antwort zu geben, stand er auf und verabschiedete sich höflich von ihren Eltern. „Ich muss noch arbeiten. Wir sehen uns morgen früh, Stephen, dann müsste ich die Zahlen haben, um die du mich gebeten hast.“

Während er um den Tisch ging und Sarah Jane einen Kuss auf die Wange gab, fragte Sam sich, ob ihr Gesicht tatsächlich so rot war, wie sie aufgrund der Hitzewallung befürchtet hatte. Wie konnte er so etwas zu ihr sagen? Noch dazu vor ihren Eltern. Außerdem stimmte es nicht.

Sie hatte ihre Jungfräulichkeit im zweiten Jahr auf dem College verloren, an ihren damaligen Freund, mit dem sie schon mehrere Monate zusammen gewesen war. Sicher, anders als Liam hatte sie keine ellenlange Liste sexueller Eroberungen vorzuweisen. Sex war ihr einfach nicht so wichtig wie emotionale Intimität oder die Liebe, die sie ihren Kindern geben würde. Aber war das so falsch?

Sam fand das nicht und dachte auch nicht daran, sich eine Vergangenheit auszudenken, die sie nicht hatte. Oder ein Interesse an Sex zu heucheln, das sie nun einmal nicht empfand.

„Weißt du, manchmal frage ich mich, ob du noch ein Teenager oder wirklich schon dreißig bist“, sagte Sams Vater und erhob sich.

Samantha sah ihre Mutter an. „Das ist nicht fair, Mom. Liam hat damit angefangen, und ich …“

„Dein Vater hat nicht ganz unrecht, Liebling“, unterbrach Sarah Jane sie sanft. „Du liebst es offenbar, Liam in Fahrt zu bringen.“

„Ich ihn?“, fragte Sam empört und spürte erneut, wie ihr Gesicht glutrot wurde. Nicht etwa, weil sie bereute, was sie getan hatte. Nein, plötzlich war ihr bewusst geworden, wie doppeldeutig die Worte ihrer Mutter waren.

Liam und sie? Beim Sex? Niemals!

„Er hat es verdient“, entgegnete sie trotzig. „Er kann so verdammt arrogant sein. Als Gouverneur wird er sich einen freundlicheren Umgang mit anderen Menschen angewöhnen müssen.“

„Sam, jetzt bist du unfair“, tadelte ihre Mutter sie. „Du hättest ihn in der letzten Woche im Kinderzentrum erleben sollen. Ich hätte schwören können, dass er Tränen in den Augen hatte, als er den kleinen Jungen auf den Arm nahm“, sagte sie zu ihrem Mann, der sich in der Tür noch einmal umgedreht hatte. „Erinnerst dich? Der autistische Junge, der zur Untersuchung dort war.“

„Ja. Liam hat mir gesagt, wenn er gewählt wird, will er dafür sorgen, dass das Zentrum die bestmögliche Unterstützung bekommt.“

Von all den wohltätigen Einrichtungen, für die ihre Mutter die Schirmherrschaft übernommen hatte, war das Therapiezentrum für behinderte Kinder Sam die liebste. So oft sie konnte, half sie dort aus oder warb um Spenden.

„Ich wusste nicht, dass Liam es besucht hat“, sagte sie.

„Er hat gefragt, ob er mich dorthin begleiten darf“, erklärte Sarah Jane. „Und ich muss sagen, ich war beeindruckt, wie gut er mit unseren Schützlingen umging. Für einen Mann ohne jüngere Geschwister und ohne eigene Kinder ist er erstaunlich einfühlsam.“

„Wahrscheinlich übt er schon für den Wahlkampf. Als Kandidat muss er viele Babys küssen!“

„Samantha!“, rief ihre Mutter schockiert.

„Was denn?“ Ruckartig stand Sam auf. Sie wusste, dass sie überreagierte, aber im Moment war sie es, die den Zuspruch und das Verständnis ihrer Eltern brauchte. Cliffs grausame Bemerkung am Morgen hatte sie erschüttert und ihr bewusst gemacht, wie unzufrieden sie mit ihrem Leben war.

„Dauernd haltet ihr zu Liam“, warf sie ihren verwirrten Eltern vor und rannte aus dem Zimmer.

„Was ist denn mit unserer Tochter los?“, fragte Stephen entgeistert.

„Ich mache mir Sorgen um Samantha“, gestand seine Frau. „Ich weiß, sie neigt zu starken Stimmungsschwankungen. Sie nimmt alles so ernst und kann sich fürchterlich aufregen, aber gerade das macht sie so besonders. Doch im letzten Jahr …“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin froh, dass sie Bobbie besucht. Sie spricht nie darüber, aber ich weiß, wie sehr sie ihre Schwester vermisst.“

Sie lächelte. „Weißt du noch, wie Sam als kleines Mädchen immer die große Schwester für alle Kinder im Viertel gespielt hat? Und wie sie ihren Bruder Tom bemuttert hat? Wir beide waren uns immer sicher, dass Sam als Erste heiraten und Kinder bekommen würde.“

„Was willst du damit sagen?“, fragte Stephen.

„Ich bin nicht sicher“, gab sie zu. „Ich weiß nur, dass irgendetwas Samantha sehr belastet.“

„Na ja, sie und Liam waren schon immer wie Hund und Katze.“

„Nein, es ist nicht Liam“, widersprach Sarah Jane. „Der arme Kerl tat mir eben richtig leid.“ Sie schmunzelte. „Ich wette, wenn wir beide nicht dabei gewesen wären, hätte Sam von ihm einiges zu hören bekommen. Glaubst du, er wird heiraten, um seine Chancen bei der Gouverneurswahl zu erhöhen?“

„Bestimmt nicht nur deswegen“, erklärte Stephen voller Überzeugung. „Er ist viel zu ehrlich – und zu stolz –, um aus taktischen Gründen eine Ehe einzugehen. Aber wie ich schon sagte, er ist siebenunddreißig. Auch wenn Sam es anders sieht, macht er auf mich nicht den Eindruck, als würde er zu seiner Selbstbestätigung eine endlose Reihe sexueller Eroberungen brauchen.“

„Da könntest du recht haben“, pflichtete seine Frau ihm bei. „Vielleicht verbirgt sich hinter seiner kühlen und sachlichen Fassade ein sehr gefühlsbetonter und romantischer Mensch. Ich glaube, Liam sucht durchaus nach Liebe und einer festen Beziehung. Er hat nur noch nicht die Richtige gefunden, das ist alles.“

Sie stand auf und küsste ihren Mann auf die Wange. „Ich sehe mal nach, wie es Sam geht.“

Eine Woche später seufzte Samantha zufrieden, als der große Koffer unter ihrem Gewicht nachgab und die Schlösser zuschnappten.

„Endlich“, murmelte sie.

Ihr war klar, dass das Übergepäck sie einiges kosten würde. Und wenn schon. Bobbie hatte ihr am Telefon gesagt, dass in Ehester und Haslewich jede Menge Einladungen auf sie warteten.

„Da ist zum Beispiel der Ball des Lords Lieutenant kurz vor deiner Abreise. Der wird dieses Mal besonders prächtig, weil es sein letzter Ball ist. Der Lord hat seinen Rücktritt angekündigt. Ich habe uns schon Karten besorgt. Dafür brauchst du ein richtiges Abendkleid. Leider stehen bei Luke drei wichtige Fälle zur Verhandlung an, und es kann sein, dass er kurzfristig wegmuss. Und so kurz vor der Geburt kann ich natürlich nicht überall hingehen. Aber sobald er oder sie da ist, werden wir beide einen ausgedehnten Einkaufsbummel unternehmen. Ich bin diese Umstandsmode richtig leid.“

„Ich kann es kaum erwarten“, hatte Sam begeistert erwidert.

„Wo wir gerade von Mode reden … Vergiss nicht, mir ein Paar Jeans mitzubringen. Und eine Latzhose für Francesca … und ein paar Hemden für Luke und James.“

„Wie geht es James?“

„Gut. Er freut sich schon darauf, dich wiederzusehen.“

Samantha lachte. Auf Bobbies Hochzeit hatte sie ihn einfach nur nett gefunden und ihm insgeheim gewünscht, dass er mit einer ihrer zahlreichen Cousinen glücklich werden würde.

Jetzt sah sie das natürlich ein wenig anders.

Sie hatte reichlich Übergepäck, und das lag in erster Linie daran, dass sie einigen Bostoner Designer-Boutiquen einen kurzen, aber kostspieligen Besuch abgestattet hatte. Lächelnd stellte sie sich vor, wie ihre Neuerwerbungen wohl auf James wirken würden. Der Instinkt sagte ihr, dass er ein Mann war, dem es gefiel, wenn eine Frau sich auch wie eine Frau anzog.

Als sie den Koffer betrachtete, verging ihr das Lächeln jedoch plötzlich. Er war jetzt zwar geschlossen, aber damit war er noch lange nicht unten.

Es gab Gelegenheiten, da war es ganz praktisch, wenn man groß und kräftig war. Und diese hier war eine.

Sie schleppte den Koffer zur Treppe und legte dort eine kurze Verschnaufpause ein. Ihr Gesicht war gerötet, und die Locken klebten ihr am Nacken und an den Wangen.

„Das sind nicht nur meine Sachen“, sagte sie zu dem störrischen Gepäckstück, als könnte es sie verstehen. „Sondern auch die für meine Schwester und …“

„Was, zum …“

Als sie hinter sich auf der Treppe Liams Stimme hörte, zuckte Sam zusammen und drehte sich zu ihm um. Leider vergaß sie dabei, dass der Koffer am Rand der obersten Stufe stand und sie sich dagegen gelehnt hatte, um ihn zu stützen.

Das Ergebnis war unausweichlich.

Der Koffer kippte um, glitt immer schneller auf der Treppe nach unten, vorbei an Liam, und prallte auf dem Absatz gegen eine Truhe. Die Verschlüsse schnappten auf, und ein Teil des Inhalts lag augenblicklich verstreut auf dem Boden.

„Da siehst du, was du angerichtet hast“, fuhr Sam Liam an. „Wenn du dich nicht so angeschlichen hättest …“

„Ich glaube eher, du hättest das Ding nicht so vollstopfen dürfen“, erwiderte Liam trocken, bevor er nach unten ging, sich neben den aufgeklappten Koffer hockte und die verstreuten Kleidungsstücke wieder einsammelte. Zu Sams Entsetzen waren es nicht die Jeans für Bobbie, nicht die Latzhose für ihre Nichte und natürlich auch nicht die Hemden für Luke und seinen Bruder, die herausgefallen waren, sondern die äußerst gewagten Dessous, zu deren Kauf sie sich in Boston hatte hinreißen lassen.

Seidene BHs mit Spitzenbesatz, welche die Blicke der Männer auf ihre Trägerin lenken sollten. Und als ob das noch nicht genug wäre, lagen direkt daneben auf dem Teppich die sündhaft teuren Strumpfhalter, Tangas und Seidenstrümpfe. Liam sah mit peinlich berührtem Gesichtsausdruck von ihrem geröteten Gesicht zu der erotischen Kollektion in seinen Händen.

„Ich vermute, du hast nicht vor, in England viel Sport zu treiben“, bemerkte er und zog die Augenbrauen hoch. „Oder vielleicht doch? Du willst auf die Jagd gehen, nicht wahr, Sam? Wenn das so ist …“

„Die gehören nicht mir“, log Sam und eilte die Treppe hinunter, um ihm die delikaten Stücke abzunehmen. „Die sind ein Geschenk für Bobbie.“

„Hmm … Wenn ich dir einen Tipp geben darf … als Mann, meine ich … Etwas Schlichteres wäre viel wirksamer, glaub mir. Mit denen hier …“, sagte er mit einem abfälligen Blick auf die BHs, „kannst du vielleicht einen Teenager verführen, aber Männer … richtige Männer … ziehen etwas Feineres vor. Etwas mit Spaghetti-Trägern, das die Kurven einer Frau umschmeichelt und nur andeutet, anstatt sie …“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Nichts ist so sexy wie ein Träger, der langsam von der Schulter gleitet …“

„Vielen Dank für deinen Rat“, fauchte Samantha. „Aber wenn ich von dir wissen wollte, was ein Mann deiner Meinung nach sexy findet, würde ich dich schon fragen. Und überhaupt …“ Sie sprach es nicht aus.

„Und überhaupt was?“, fragte Liam sanft, während er ein Negligé unter dem Koffer hervorzog.

„Vergiss es!“

„Das hier ist bestimmt nicht für Bobbie“, vermutete er und reichte es ihr.

„Wie kommst du darauf?“

„Es ist nicht ihre Farbe“, erklärte er kennerhaft. „Sie hat eine blassere Haut und hellere Augen als du. Das hier ist deine Farbe, obwohl Karamell dir noch besser stehen würde.“

„Ich werde es mir merken“, fauchte sie und riss ihm das zarte Teil aus der Hand.

Als sie sich bückte, um die Sachen wieder in den Koffer zu stopfen, beugte er sich mit ihr hinab. „Du brauchst einen zweiten Koffer. Der hier wird das Förderband auf dem Flughafen stilllegen. Vorausgesetzt, du kriegst ihn überhaupt heil dorthin.“

Sam ignorierte seine Bemerkung.

„Übrigens irrst du dich“, fügte er hinzu.

Sie hatte keine Ahnung, was er meinte, und wollte es auch nicht wissen.

„Nicht nur Frauen mit winzigen Brüsten können es sich erlauben, auf einen BH zu verzichten“, fuhr er fort. „Du siehst deine Figur viel zu kritisch, weißt du das?“

„Ich wäre dir dankbar, wenn du deine Ansicht über meine Brüste für dich behalten würdest“, entgegnete sie spitz. Woher wusste er überhaupt, dass sie ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zu ihrem eher üppigen Busen hatte?

„Okay, auf dem Tennisplatz braucht fast jede Frau einen guten Sport-BH“, sprach er weiter, als hätte sie gar nichts gesagt.

Sam warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Sie spielte beinahe jeden Morgen auf dem Tennisplatz, der zur Residenz gehörte, und trug immer einen Sport-BH. Warum hatte er das gesagt?

„Was hältst du davon, wenn ich den hier zurück in dein Zimmer bringe, damit du die Sachen auf zwei Koffer verteilen kannst?“, schlug er vor.

Bevor sie ablehnen konnte, hob er den Koffer, mit dem sie sich so abgeschleppt hatte, mühelos auf und trug ihn in ihr Zimmer.

Sie folgte ihm. „Ich war auf dem Weg nach unten, nicht nach oben“, protestierte sie, verstummte jedoch, als er die Hände in die Seiten stemmte und auf den alten Sessel am Fenster starrte.

Es war ein antikes Stück, ein Geschenk ihrer Großmutter, und sie hatte ihn aufarbeiten lassen und mit Kissen dekoriert, die sie selbst bestickt hatte. Es war allerdings gar nicht der Sessel, der ihn so zu faszinieren schien. Sam ahnte, was seinen Blick auf sich gezogen hatte.

„Mom hat mich überredet, ihn zu behalten“, erklärte sie hastig und eilte an Liam vorbei zum Sessel, um den alten Teddybär, der zwischen den Kissen saß, an sich zu drücken. „Er erinnert sie an unsere Kindheit, sagt sie. Sie hatte ihn vor uns, und dann hat Tom ihn bekommen, und danach … ach, das verstehst du ja doch nicht. Du bist zu gefühllos. Zu kalt.“

„Vielleicht solltest du dich ebenfalls für die Wahlen aufstellen lassen“, spottete Liam. „Jemand, der Gedanken lesen kann, wäre unschlagbar.“

„Oh, du …“

„Zu deiner Information, ich bin weder gefühllos noch kalt, und was den hier betrifft …“ Er ging zu ihr und nahm ihr den Teddybär ab. „Als ich jung war, hatte ich auch so einen. Mein Großvater hatte ihn aus Irland mitgebracht. Er war noch ein Junge, als er mit seinen Eltern auswanderte.“

Erstaunt sah Samantha ihn an. Liam sprach nur selten über seine Familie. Sie wusste, dass er keine Geschwister hatte und dass seine Großeltern ein florierendes Transportunternehmen aufgebaut hatten. Nach dem frühen Tod seines Vaters hatte Liam das Geschäft mit der Einwilligung seiner Mutter verkauft. All das hatte sie jedoch nicht von Liam selbst, sondern von ihren Eltern erfahren.

„Warum erzählt er mir eigentlich nie etwas über sich“, hatte sie sich einmal bitter bei ihrer Mutter beschwert, nachdem Liam ihre Fragen nach seiner Herkunft beharrlich ignoriert hatte. Sie war damals auf dem College gewesen und hatte an einem Referat über Einwanderer und deren Probleme gearbeitet.

„Er ist sehr stolz“, hatte ihr Vater an Stelle seiner Frau geantwortet. „Ich glaube, er will nicht, dass man auf seine Großeltern herabsieht.“

„Warum sollte ich auf sie herabsehen?“, fragte Samantha verständnislos.

„Na ja, Liam ist sich bewusst, dass seine Großeltern arm waren und nur mit dem, was sie tragen konnten, in die USA gekommen sind. Wir dagegen …“

„Er glaubt, dass ich auf ihn herabsehen würde, weil seine Familie anders als unsere nicht auf der ‚Mayflower‘ aus England kam und zu den Pilgervätern gehörte? Zu denen, die es zu Reichtum, Macht und gesellschaftlichem Ansehen gebracht haben“, hatte Samantha aufgebracht erwidert. „Traut er mir das wirklich zu?“

Sie konnte sich noch genau an diese Szene erinnern.

„Hast du ihn noch?“, fragte sie Liam jetzt mit sanfter Stimme. „Den Teddy, meine ich?“

Ein fast jungenhaftes Lächeln huschte über sein eben noch grimmiges Gesicht, und Sam spürte, wie ihr warm ums Herz wurde.

„Ja“, antwortete er schlicht.

„Du solltest ihn für deine Kinder aufheben und ihnen die Geschichten erzählen, die deine Großeltern dir erzählt haben“, schlug sie spontan vor.

Sofort verhärtete sein Gesicht sich wieder.

„Jetzt fang du nicht auch noch an“, sagte er verärgert. „Wieso wollen alle mich unbedingt verheiraten? Selbst Lee Calder behauptet in Interviews, dass ein alleinstehender, kinderloser Gouverneur kein Verständnis für die Bedürfnisse von Eltern haben wird. Himmel, wenn ich daran denke, wie sehr seine Partei die Ausgaben für Bildung zusammenstreichen wollte.“

Lee Calder war Liams schärfster Konkurrent im Kampf um das Amt des Gouverneurs, ein übergewichtiger, glatzköpfiger Mann von Mitte vierzig, der es in zwei Ehen zu insgesamt fünf Kindern gebracht hatte. Sam schauderte es noch heute, wenn sie daran dachte, wie er sie bei einem offiziellen Empfang an sich gedrückt und zu küssen versucht hatte.

Ich will dich nicht verheiraten“, entgegnete sie.

„Nein. So, wie es in deinem Koffer aussieht, willst du eher dein eigenes Singledasein beenden.“

„Ich habe dir doch gesagt, die Sachen sind für Bobbie“, protestierte sie.

„Und ich habe dir gesagt, wenn du dir wirklich einen Ehemann angeln willst, solltest du …“ Als sie die Stirn kraus zog, unterbrach er sich. „Du weißt hoffentlich, dass ich dich morgen früh zum Flughafen fahren werde.“

„Ja“, seufzte Sam. Sie hatte ein Taxi bestellen wollen, aber ihr Vater war manchmal sehr altmodisch.

„Hast du vergessen, wie unpünktlich du sein kannst?“, hatte er gefragt.

„Dad, das ist Jahre her. Und nur weil ich ein einziges Mal ein Flugzeug verpasst habe, muss ich doch nicht …“

„Liam wird dich fahren“, hatte ihr Vater entschieden verkündet. „Zufällig muss er morgen früh nämlich jemanden vom Flughafen abholen.“

„Wen denn?“

„Jemanden aus Washington. Ich möchte, dass sie ihm bei seinem Wahlkampf hilft. Sie ist sehr gut.“

„Sie? Versuchst du etwa auch, ihm eine Ehefrau zu verschaffen, Dad?“

„Vergiss nicht, deine Schwester von uns zu grüßen. Und sag ihr, dass wir uns schon darauf freuen, sie bald wiederzusehen.“

3. KAPITEL

Sam unterdrückte ein Gähnen, während sie sich mit den Fingern durch die noch feuchten Locken fuhr. Trotz der erfrischenden Dusche war ihr nur zu deutlich bewusst, dass es erst drei Uhr morgens war.

Sie nahm sich fest vor, im Flugzeug zu schlafen, legte vor dem Spiegel ein wenig pinkfarbenen Lippenstift auf und zog eine Grimasse.

Nicht schlecht für eine Frau über dreißig, dachte sie. Ihre Haut war noch glatt und leuchtend. Schon, ihre Augen wirkten reifer und nachdenklicher als mit zwanzig, aber um das zu erkennen, musste man schon sehr dicht vor ihr stehen.

James war Mitte dreißig, hatte aber noch diese jugendliche Ausstrahlung, wie man sie bei Engländern seines Alters hin und wieder fand. Obwohl er so groß und athletisch wie sein älterer Bruder Luke war und ebenso gut aussah, hatte er etwas Sanftes, ja Zärtliches an sich. Er würde einen wunderbaren Ehemann und Vater abgeben. Aber auch einen so einfühlsamen Liebhaber wie Liam?

Sam legte den Lippenstift hin und runzelte die Stirn. Wieso, um alles in der Welt, fragte sie sich denn so etwas?

Liam als Liebhaber! Ihr Liebhaber? Niemals!

Sie sah auf die Uhr. In fünf Minuten würde er sie abholen. Und Liam war die Pünktlichkeit in Person.

Obwohl Samantha sich schon am Abend zuvor von ihnen verabschiedet hatte, eilten ihre Eltern nach unten, um sie in die Arme zu nehmen.

„Du solltest Liam nicht warten lassen“, riet ihr Vater, als es an der Haustür klopfte.

Sie öffnete ihm, und er gab ihrem Vater die Hand und umarmte ihre Mutter. Eins musste sie Liam lassen. An seinem Verhalten ihren Eltern gegenüber war nichts auszusetzen. Mit ihr stritt er sich andauernd, aber sein Verhältnis zu den beiden war harmonisch und voller Zuneigung.

Wortlos lud er ihre zwei Koffer ein. „Wie ich sehe, hast du meinen Rat befolgt“, stellte er fest, als er zu ihr in den Wagen stieg.

Samantha funkelte ihn an. „Dass ich neu gepackt habe, hat nichts mit dir zu tun“, log sie. „Mom hat mich gebeten, noch ein paar zusätzliche Geschenke für die Familie mitzunehmen.“

Liam lächelte nur.

„Dad hat erzählt, dass du am Flughafen jemanden aus Washington abholst“, wechselte sie das Thema.

„Hmm …“

„Du verblüffst mich, Liam. Ich dachte, du bist so selbstsicher, dass du keine PR-Berater brauchst, um dein Image aufzupolieren.“

„Ich brauche keine“, versicherte er. „Aber einige einflussreiche Anhänger deines Vaters befürchten, dass Lee Calder sich als großer Freund der Familien verkaufen wird, und darauf wollen wir vorbereitet sein.“

„Wie denn? Indem sie dich mit dieser PR-Frau verheiraten?“, fragte Samantha schnippisch. „Wäre es nicht einfacher, wenn du deine aktuelle Freundin heiratest? Wer immer das ist.“

„Es gibt keine aktuelle Freundin. Und um ehrlich zu sein, Samantha, langsam bin es leid, von dir als notorischer Frauenheld hingestellt zu werden. Zu deiner Information …“ Fluchend brach er ab, als ein Truck direkt vor ihnen aus einer Querstraße geschossen kam.

Sam war dankbar für die Ablenkung. Es war außerdem vernünftiger, den Rückzug anzutreten.

Liam sah sie an. „Und wenn du deinen Kollegen unbedingt beweisen willst, dass du Frau genug bist, um Mutter zu werden, gäbe es nicht einen besseren Weg, als dir in England einen Erzeuger für dein Kind zu suchen?“

„Was schlägst du denn vor? Etwa eine künstliche Befruchtung? Ganz bestimmt nicht!“ Wütend wandte sie sich ab und starrte schweigend aus dem Fenster.

Liam war ein guter Fahrer, und schon bald war Sam eingeschlafen, halb zu ihm gedreht, eine Hand an der Wange.

Nachdem er einen LKW überholt hatte, betrachtete er sie. Sam war eine der atemberaubendsten Frauen, die ihm je begegnet waren. Ihre Schwester Bobbie war wunderschön, strahlte jedoch immer eine gelassene Selbstbeherrschung aus. Sam dagegen war impulsiv, spontan, ungestüm, manchmal ungeduldig, stolz, sehr empfindsam und …

Liam fluchte im Stillen. Er hatte oft genug erleben müssen, wozu Samantha fähig war, wenn man ihren Stolz verletzte. Er hatte beide Schwestern aufwachsen sehen und wusste vielleicht besser als alle anderen, dass sie insgeheim Probleme mit ihrer Größe hatten.

Er erinnerte sich daran, wie Sam als Teenager einmal schluchzend zu ihrer Mutter gerannt war. „Mom, die anderen Mädchen in der Schule sagen, ich hätte lieber ein Junge werden sollen, weil ich so groß bin. Aber ich bin kein Junge, sondern ein Mädchen, und …“

„Die sind nur neidisch, Liebling“, hatte Sarah Jane ihre Tochter getröstet. „Und natürlich bist du ein Mädchen. Ein sehr hübsches, kluges und liebenswertes Mädchen sogar.“

Die beiden waren wirklich ungewöhnlich groß, und als Teenager hatte vor allem Sam eine Phase durchgemacht, in der sie schlank, schlaksig, ja fast etwas jungenhaft gewesen war. Aber jetzt war sie eine Frau – und was für eine!

Als Sam erwachte, bemerkte sie, dass Liams sonst so dunkle Augen plötzlich zu leuchten schienen. Ob das mit dieser PR-Frau aus Washington zu tun hatte?

Allerdings konnte ihr das ja egal sein. Schließlich hatte sie selbst jemanden, auf den sie sich freute.

James.

Die Crighton-Männer waren wundervolle Väter. Bobbies Mann Luke war das beste Beispiel dafür. Und er war James’ Bruder …

Manchmal beneidete sie ihre Schwester um das idyllische Leben, das sie in England führte. Sie selbst hatte zwar aus der Schulzeit und vom College her viele Freundinnen, aber die lebten inzwischen im ganzen Land verstreut, und sie sahen sich nur selten. Bobbie dagegen wohnte in einer kleinen, überschaubaren Stadt, in der sie viele Freundschaften geschlossen hatte. Außerdem gehörte sie zu einer großen Familie, in der sich alle sehr nahestanden.

Sam war selbst in einem kleinen Ort in Neuengland aufgewachsen und wusste, dass eine solche Umgebung auch Probleme mit sich brachte. Jeder kannte jeden, und man konnte sich leicht eingeengt und kontrolliert fühlen. Aber in Sams Augen überwogen die Vorteile die Nachteile bei Weitem. Sie war ziemlich sicher, dass sie sich in Ehester oder Haslewich, wo der weit verzweigte Clan der Crightons lebte, wohler fühlen würde als in der anonymen Großstadt.

Je näher sie dem Flughafen kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Wie mochte sie sein, Liams neue PR-Beraterin? Intelligent? Geistreich? Attraktiv? Wahrscheinlich alles zusammen und noch viel mehr, befürchtete Sam. Ihr Vater hatte jedenfalls äußerst beeindruckt geklungen.

Sam fragte sich, warum sie ihr unsympathisch war, obwohl sie die Frau noch gar nicht gesehen, geschweige denn mit ihr gesprochen hatte.

Liam hatte schon geparkt und öffnete die Fahrertür.

„Ich hole dir einen Gepäckwagen“, erklärte er.

„Hör auf, mich zu bemuttern“, bat sie scharf. „Ich bin durchaus in der Lage, mir selbst einen Gepäckwagen zu holen. Ich bin ein großes Mädchen …“

„Und ich bin ein altmodischer Mann“, unterbrach er sie. „Warte hier …“

„Warte hier!“, wiederholte Sam entrüstet, doch noch bevor sie etwas hinzufügen konnte, war Liam schon verschwunden.

Dass er mit einem Gepäckwagen zurückkehrte, der nicht nur nicht quietschte, sondern auch leicht zu lenken war, erstaunte sie nicht. Wenn Liam etwas anpackte, machte er es richtig.

Stumm beobachtete sie, wie er ihre schweren Koffer auflud.

Erst als er darauf bestand, den Wagen für sie zu schieben, protestierte sie erneut. „Liam!“

„Was ist los mit dir?“, fragte er gereizt. „Du weißt, wo dein Problem liegt, nicht wahr?“ Er wartete ihre Antwort jedoch gar nicht ab. „Du hast Angst, eine Frau zu sein. Du hast Angst!“

„Unsinn“, widersprach sie wütend. „Ich …“

„Doch“, fuhr er fort. „Du bestehst sogar darauf, Sam und nicht Samantha genannt zu werden.“

„Weil es einfacher und schneller ist.“

Liam zog die Augenbrauen hoch. „Aber nicht annähernd so sexy.“

„Sexy!“ Sie funkelte ihn an.

„Hmm … Samantha …“ Er schien sich jede einzelne Silbe auf der Zunge zergehen zu lassen. „Samantha ist ein Frauenname, und wie bei einer Frau sollte ein Mann sich bei ihm Zeit lassen, ihn genießen und …“

„Danke für deine tiefenpsychologische Analyse“, fauchte Sam. „Aber ich habe ein Flugzeug zu bekommen. Also, wenn du dir Zeit lassen willst, schlage ich vor, du verbringst sie damit, auf deine neue PR-Beraterin zu warten. Vielleicht kannst du ihr mit deinem Gerede …“

„Siehst du, du tust es schon wieder. Wovor hast du wirklich Angst, Samantha? Ich glaube, du fürchtest dich gar nicht davor, zu wenig Frau zu sein, sondern davor, zu sehr Frau zu sein.“

Sam starrte ihn an. Ihr fehlten die Worte, was bei ihr selten vorkam. Sein sanfter Kommentar kam der Wahrheit gefährlich nahe. Dass jemand sie durchschaute und hinter ihr intimstes Geheimnis kam, war schlimm genug. Aber dass dieser Jemand ausgerechnet Liam sein musste, ein Mann, der in ihren Augen viel zu sachlich und gefühllos war!

„Ich muss einchecken“, erklärte sie abrupt.

„Hmm …“

Anstatt den Griff des Gepäckwagens loszulassen, hielt er ihn fest, sodass ihre Hände dicht neben seinen ruhten und sie seine Wärme spürte. Und als wäre das nicht genug, legte er seine Hände auf ihre, damit sie nicht zurückweichen konnte.

Überrascht sah sie ihn an. „Li…“

Sie bekam nur die erste Silbe seines Namens heraus, denn er senkte den Kopf und küsste sie völlig überraschend.

Es traf sie vollkommen unvorbereitet, und der Druck seiner drängenden Lippen auf ihrem Mund löste absolut ungeahnte Gefühle in ihr aus.

Eine Mischung aus Schreck und Erregung ließ ihr Herz schneller schlagen. Woran lag es, dass sie sich atemlos und schwindlig fühlte? Daran, wie seine Lippen sich an ihren rieben? Lag es daran, dass sie sich an ihn schmiegte, als würde sie Halt suchen? Dass ihre Lippen sich zu einem leisen Seufzen öffneten, das nicht nach Protest klang, sondern sich so anhörte, als würde sie das, was geschah, genießen?

Es konnte nur an den grellen Lichtern des Flughafens liegen, dass sie die Augen schloss und wieder öffnete, um sich wie benommen im plötzlich so warmen Grau von Liams Augen zu verlieren. Nein, einen anderen Grund konnte es nicht geben. Erstaunt fühlte Sam, wie ihre Lippen weich und geschmeidig wurden … Hmm … Es war ein herrlicher Kuss, so sinnlich … so sexy, dass keine Frau seiner Wirkung hätte widerstehen können.

Aber …

Sam erstarrte, als ihr bewusst wurde, welche Richtung ihre Gedanken einschlugen. Entschlossen schob sie ihn von sich.

„Danke, Liam“, sagte sie mit zuckersüßer Stimme. „Das war sehr nett von dir, aber solltest du es nicht für jemanden aufsparen, der es mehr zu schätzen weiß?“

Er ließ sie los. „Hättest du es noch mehr zu schätzen gewusst, wären wir aufgrund von Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen worden.“

„So ein …“, begann Sam kämpferisch, aber sie brach ab, als sie den Blick bemerkte, den er kurz, aber unmissverständlich über ihren Körper wandern ließ.

Sie brauchte nicht an sich hinabzusehen, um zu wissen, dass sich unter ihrem T-Shirt abzeichnete, wie erregt sie war. Die Knospen ihrer Brüste waren fest geworden, und ihre Wangen glühten.

„Das liegt nur daran, dass …“

„Honey, du brauchst mir nicht zu erklären, woran es liegt“, unterbrach er sie lächelnd.

„Ich muss los“, erwiderte sie verzweifelt. „Mein Flug wird gleich aufgerufen.“

Zahllose Fragen schössen ihr durch den Kopf, und weil Sam sie nicht beantworten konnte, suchte sie instinktiv die Lösung in der Flucht. Sie wollte keinen Streit. Nein, es war nicht Liam, dem sie sich nicht stellen wollte. Sie selbst war es, deren Reaktion sie sich nicht gewachsen fühlte. Also packte sie den Gepäckwagen wie einen Rettungsring und eilte davon, ohne sich noch einmal nach Liam umzusehen.

Stolz und Leidenschaft, dachte Liam, während er beobachtete, wie Samantha ihren Flug nach England antrat. Das war in jeder Frau eine gefährliche Kombination. Vor allem jedoch in einer Frau wie Samantha, die unbedingt Mutter werden wollte.

Er hatte ihren Blick gesehen, wenn sie Babys auf dem Arm hielt oder mit der kleinen Tochter ihrer Schwester spielte. Ohne ihren Stolz wäre sie vermutlich längst verheiratet. Mit einem Mann, der sich ihr unterordnete und es ertrug, dass sie ihre Liebe fast ausschließlich ihren Kindern schenkte. Aber das wäre ihr zu wenig. Samantha würde sich nie mit dem Zweitbesten abfinden. Sie wollte Kinder, aber sie wollte sie entweder mit einem Mann, der ihren hohen Ansprüchen genügte, oder … allein.

Liam runzelte die Stirn. Es war höchste Zeit, zu dem Flugsteig zu gehen, an dem die Maschine aus Washington ankam. Samanthas spitze Bemerkungen über Toni Davis waren der Wahrheit näher gekommen, als sie ahnte. Offiziell sollte Toni nur seine PR-Beraterin werden, aber Liam war nicht so naiv, das zu glauben. Ihm war klar, dass man sie auch deshalb engagiert hatte, weil sie die ideale Ehefrau für einen Politiker war. Eine Frau, die es verstand, im Hintergrund zu bleiben und gleichzeitig ihren eigenen Ehrgeiz durch ihren Ehemann zu befriedigen. Toni Davis war das genaue Gegenteil von Samantha, die es nie gelernt hatte, ihre Gefühle im Zaum zu halten und ihre Ziele auch auf Umwegen zu erreichen.

Er hörte, dass die Landung der Maschine aus Washington angekündigt wurde. Als er den Arm hob, um auf die Uhr zu sehen, wehte ihm vom Ärmel seines Jacketts ein bekannter Geruch entgegen. Es war Samanthas Duft.

4. KAPITEL

„Sam … hierher!“

Samantha sah sich suchend um und winkte strahlend, als sie Bobbies Schwager entdeckte. James Crighton wartete in der Ankunftshalle des Flughafens von Manchester auf sie.

„James, was für eine schöne Überraschung“, rief sie und umarmte ihn freudig. Sie spürte die neugierigen Blicke der Umstehenden und wusste, dass sie ein attraktives Paar abgaben.

„Hmm …“, murmelte James mit blitzenden Augen, als Samantha sich wieder von ihm löste. „Das war wirklich schön!“

„Sehr schön sogar“, bestätigte sie lachend. „Möchtest du noch einmal …“

James’ Blick ließ ihr Herz ein wenig schneller schlagen. Er und sie hatten sich immer gut verstanden. Seine zurückhaltende, ruhige Art war der perfekte Ausgleich für ihre Emotionalität und Spontaneität.

„Die Leute schauen schon her“, warnte James.

„Na und?“, entgegnete sie, aber er ließ sie trotzdem los. Liam wäre es völlig egal gewesen, was die Leute von ihm hielten, und er hätte sie bestimmt nicht so schnell losgelassen.

Liam! Warum, um alles in der Welt, dachte sie jetzt an ihn, anstatt sich auf James zu konzentrieren? Unauffällig musterte sie den Mann, der gekommen war, um sie abzuholen. Natürlich war er nicht so attraktiv wie sein Bruder Luke oder einige andere Männer der Crighton-Familie, aber das war ihr ganz recht. Er hatte etwas Beruhigendes an sich. Mit ihm musste sie sich nicht dauernd messen. Er forderte sie nicht ständig heraus, so wie Liam es tat. James würde ein wunderbarer Vater sein …

„Bobbie tut es sehr leid, dass sie nicht mit zum Flughafen kommen konnte. Aber Francesca hat Husten, und sie wollte die Kleine nicht allein lassen.“

„Das arme Kind“, sagte Samantha mitfühlend. „Wie geht es ihr? Es ist doch nichts …“

„Nein, es ist nichts Schlimmes“, versicherte James.

„Wie nett, dass du dir die Zeit genommen hast, zum Flugplatz zu kommen“, dankte sie ihm. „Bobbie hat mir erzählt, wie beschäftigt du und Luke seid.“

„Na ja, seit Max in unsere Kanzlei eingetreten ist, hat der Druck etwas nachgelassen. Aber ich will mich nicht beklagen. Wir sollten froh sein, dass wir so viel zu tun haben. Aarlston-Becker ist ein wichtiger Mandant geworden, und ich muss immer häufiger nach Den Haag, um die Firma vor dem Internationalen Gerichtshof zu vertreten.“

Aarlston-Becker war ein multinationaler Pharmakonzern, der seinen Hauptsitz in Haslewich hatte. Saul, der zum dortigen Zweig der Crightons gehörte, leitete die Rechtsabteilung, und wenn er fachkundigen Rat brauchte, wandte er sich natürlich an die Anwälte in seiner Familie.

„Wir denken sogar daran, noch einen Kollegen in die Kanzlei aufzunehmen, der sich um die medizinischen Schadensersatzfälle kümmert“, fuhr James fort.

„Schade, dass das nicht mein Fachgebiet ist“, meinte Samantha.

„Du willst dich verändern?“, fragte er interessiert.

„In gewisser Weise“, erwiderte sie und überlegte, wie er wohl reagieren würde, wenn sie ihm erzählte, wie sehr sie ihr Leben verändern wollte.

„Würde es dir etwas ausmachen, wenn wir auf der Rückfahrt kurz bei meinen Eltern vorbeischauen?“, erkundigte er sich, als er sie zum Wagen führte.

„Natürlich nicht.“

Sie hatte seine Eltern und den Rest der Familie schon häufiger getroffen und mochte sie ausgesprochen gern. Von Bobbie wusste sie, dass seine Eltern gerade eine Wohnung in einem renovierten Herrenhaus am Ufer des Dee bezogen hatten.

Samantha genoss die Fahrt durch das ländliche Cheshire. Die Sonne schien, und in der Ferne ragten die Berge von Wales auf. Ihr entging nicht, dass James ihr immer wieder mehr als freundschaftliche Blicke zuwarf … Und ihr wurde warm ums Herz. Nach England zu kommen war die richtige Entscheidung gewesen. Sie wünschte, Cliff könnte sie und James jetzt sehen.

Samantha seufzte zufrieden.

„Schade, dass Bobbie im Moment alle Hände voll zu tun hat“, sagte sie nach einer Weile. „Ich habe mich so darauf gefreut, mir die Gegend anzuschauen und Familienbesuche zu machen.“

„Also, wenn du einen Begleiter brauchst, stelle ich mich gern zur Verfügung“, bot James höflich an.

Samantha tat verlegen. „Oh, James, wirklich? Das wäre wirklich nett von dir, aber ich wollte dich nicht …“

„Es wäre mir ein Vergnügen“, versicherte er ihr.

Sie fühlte sich nicht ganz wohl in ihrer Haut, aber ihr blieb nichts anderes übrig, und schließlich mochte James sie. Das war offensichtlich.

Sie waren jetzt kurz vor Ehester, und Sam spürte, wie sie immer aufgeregter wurde. Sie freute sich riesig darauf, ihre Schwester wiederzusehen. Seufzend schloss sie die Augen und überlegte, was Liam wohl von Ehester halten würde. Zweifellos würde er sich genauestens mit der Geschichte dieses Landstrichs auskennen. Aber während sie die ereignisreiche Vergangenheit romantisch fand, würde er sie bestimmt daran erinnern, welche blutigen Schlachten hier stattgefunden hatten.

Wütend öffnete sie wieder die Augen. Liam! Warum dachte sie immerzu an ihn? Nur weil er sie geküsst hatte? Nur weil sie …

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte James sich besorgt. Offenbar hatte er ihre plötzliche Anspannung wahrgenommen.

„Es geht mir gut“, beteuerte sie, obwohl es ihr vorkam, als wäre an ihrem eben noch strahlend blauen Himmel eine düstere Wolke aufgezogen. Es war einfach dumm, James’ behutsamen, fast brüderlichen Kuss mit Liams stürmischer, fordernder Art zu vergleichen. Aber warum tat sie es dann? Liams Kuss hatte ihr doch nichts bedeutet. Und dass ihr Körper so heftig darauf reagiert hatte, änderte nichts daran.

„Du bist so still. Bist du müde?“, fragte James.

„Der lange Flug war anstrengend“, seufzte sie und benutzte die Ausrede, die er ihr praktisch geliefert hatte. James war wirklich sehr fürsorglich und rücksichtsvoll.

„Da sind wir“, verkündete er, als er vor einem schmiedeeisernen Tor hielt, das sich automatisch öffnete.

Bei der Modernisierung des viktorianischen Landhauses war die alte Fassade originalgetreu erhalten worden. Der saubere Kies knirschte unter den Reifen, als James vor dem Gebäude parkte.

„Das ist ja ein wunderschönes Haus“, rief Sam begeistert aus und tastete nach dem Griff. Bevor sie aussteigen konnte, war James schon um den Wagen geeilt und hielt ihr die Beifahrertür auf.

Das Haus lag auf einer kleinen Anhöhe und überblickte nicht nur den Fluss, sondern auch das umliegende Land. Sam konnte gut verstehen, warum James’ Eltern sich darin eine Wohnung gekauft hatten.

„Nachdem wir Kinder ausgezogen waren, fand Mom ihr Haus einfach zu groß“, erklärte James, während er sie zum Eingang führte.

Mit einer Chipkarte verschaffte er ihnen Zutritt zur Halle. Der cremefarbene Marmorboden sowie ein riesiger Kronleuchter verliehen ihr eine kühle, jedoch äußerst elegante Ausstrahlung.

„Hier entlang.“ Er zeigte nach links auf eine mit Schnitzereien verzierte Doppeltür und drückte auf den Messingknopf daneben.

James’ Mutter öffnete ihnen.

„Samantha, meine Liebe, komm herein“, begrüßte Patricia Crighton sie und küsste sie auf die Wange.

Das Wohnzimmer, in das ihre Gastgeberin sie führte, war voller edler Antiquitäten, und auf einem Queen Anne-Tisch bemerkte Samantha zwischen den gerahmten Fotos auch eines von Bobbie und Luke mit ihrer kleinen Tochter.

„Ist Dad da?“, erkundigte James sich. „Ich habe die Papiere mit, um die er mich gebeten hat.“

„Er ist in seinem Arbeitszimmer“, gab seine Mutter Auskunft. „Übrigens, wir haben Besuch.“ Sie warf James einen warnenden Blick zu, als sich eine Tür öffnete und ihr Mann eintrat, gefolgt von einer jungen Frau, die Sam nicht kannte.

„Rosemary, was, zum Teufel, machst du denn hier?“, fragte James so scharf und feindselig, dass Sam ihn erstaunt ansah. Plötzlich ähnelte er seinem viel energischeren älteren Bruder, und seine finstere Miene machte allen klar, dass er die Besucherin nicht mochte. Was, um alles in der Welt, mochte sie getan haben, um einen so sanftmütigen Menschen wie James gegen sich aufzubringen?

Die Frau war klein und rothaarig. Ihr anmutiges Gesicht wirkte mit den hohen Wangenknochen sowie den großen braunen Augen sehr apart. Sie trug Jeans und ein T-Shirt, und ihre üppigen Formen waren nicht zu übersehen. Ihre Taille war so schmal, dass ein Mann sie mühelos mit zwei Händen umfassen konnte.

„Rosemary, meine Liebe“, begann James’ Mutter, doch die junge Frau achtete nicht auf sie, sondern starrte James an.

„Schon gut, Tante Pat“, wehrte sie mit einer wütenden Kopfbewegung ab. „Dies ist nicht dein Haus, James, also hast du kein Recht, über meine Anwesenheit zu bestimmen. Deine Mutter hat mich eingeladen, eine Weile hier zu wohnen“, erklärte sie und lächelte auf eine Weise, die Sam an eine fauchende Katze erinnerte.

„Rosemary braucht ein wenig Erholung“, mischte Patricia sich besänftigend ein. „Sie hat so hart für ihre Prüfung gearbeitet, und jetzt, da sie den Abschluss …“

„Abschluss?“, unterbrach James sie. „Mir tut jeder leid, der verzweifelt genug ist, deine Hilfe zu brauchen, Rosemary. Ich jedenfalls würde eher …“

„James“, fiel seine Mutter ihm streng ins Wort.

Die Wangen des Mädchens glühten, und ihre Augen blitzten. Unwillkürlich hielt Samantha den Atem an.

„Rosemary hat ihr Praktikum im Krankenhaus beendet und ist jetzt als Ärztin zugelassen“, erklärte Patricia Sam. „Und als ihre Taufpatin finde ich, dass sie sich eine kleine Belohnung verdient hat, zumal Tim – das ist ihr Verlobter – den Sommer über im Ausland arbeitet.“

Rosemary hob die Hand, sodass der Brillantring an ihrem Finger funkelte, und sah James mit einer Mischung aus Trotz und Triumph an.

„Wie du siehst, James, teilen nicht alle Männer deine Meinung über mich.“

„Du bist verlobt?“, rief er geradezu entsetzt aus, „Was für ein Masochist!“

„James!“, ermahnte Patricia ihren Sohn scharf.

Grimmig drehte er sich zu seinem Vater um.

„Eine kleine Belohnung“, wiederholte er die Worte seiner Mutter kopfschüttelnd. „Also hast du sie eingeladen, ein paar Wochen bei euch zu verbringen … Hier, Dad, sind die Unterlagen, um die du mich gebeten hast.“ Er kehrte seiner Mutter und Rosemary den Rücken zu. „Wir müssen gehen, Bobbie erwartet uns, und Samantha ist von dem langen Flug ein wenig erschöpft.“

„Das liegt bestimmt am Sauerstoffmangel“, warf Rosemary mit falschem Mitgefühl ein.

Samantha verstand nicht, was die junge Frau gegen sie hatte.

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