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Ärzte zum Verlieben, Band 17

JENNIFER TAYLOR

Nur mit dir an meiner Seite

Als Olivia ihren Besuch ankündigt, ahnt Sebastian Bridges, sie möchte die Scheidung. Doch der engagierte Arzt will seine Ehe nicht kampflos aufgeben – er muss Olivia unbedingt klarmachen, wie sehr er sie liebt. Aber kaum ist sie eingetroffen, verhindert eine Schiffskatastrophe ihre Aussprache. Wieder scheint Sebastians Beruf zwischen ihnen zu stehen ...

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Jennifer Taylor

Nur mit dir an meiner Seite

1. KAPITEL

Freitag, 15.00 Uhr

Der Himmel war bleigrau. Ein Sturm kündigte sich an. Dr. Olivia Bridges lenkte ihren Wagen in eine Haltebucht und griff nach der Straßenkarte. Wenn tatsächlich ein Sturm aufkommen würde, musste sie versuchen, so schnell wie möglich an ihr Ziel zu gelangen.

Sie fuhr mit dem Finger die Route entlang und seufzte. Es waren bestimmt noch fünfzig Meilen bis zu dem Krankenhaus. Vielleicht sollte sie Sebastian anrufen und ihm sagen, dass sie auf dem Weg zu ihm war. Dann würde er sie dort erwarten. Er hatte ihr zwar vor Monaten geschrieben, dass er umgezogen war, aber sie war noch nie dort gewesen und fürchtete, sie würde seine neue Adresse nicht finden.

Sie nahm ihr Handy aus der Tasche, die neben ihr auf dem Beifahrersitz lag, aber als sie gerade die Kurzwahltaste mit seiner Rufnummer drücken wollte, änderte sie ihre Meinung. Wenn sie ihm sagte, sie sei auf dem Weg zu ihm, würde er wissen wollen, warum. Und sie konnte ihm wohl schlecht am Telefon sagen, dass sie ihn bitten wollte, in die Scheidung einzuwilligen. Das erschien ihr allzu brutal. Ihre Ehe war vielleicht nicht besonders glücklich gewesen, aber Olivia wollte sie wenigstens mit Anstand und Würde beenden.

Sie steckte das Handy wieder in die Tasche und fuhr los. Das Gespräch mit Sebastian würde alles andere als angenehm sein, aber sie musste es hinter sich bringen.

Olivia hatte sehr häufig über alles nachgedacht, aber es gab wohl keine Chance, dass Sebastian und sie wieder zueinanderfanden. Sie kannten sich seit ihrer Schulzeit, hatten gemeinsam Medizin studiert und einen Tag nach dem Examen geheiratet. Aber sie waren nicht mehr die unkomplizierten, bis über beide Ohren verliebten jungen Leute von damals …

Die Erinnerung an die gemeinsamen Träume, an die Zukunftspläne, die sie voller Begeisterung geschmiedet hatten, war schmerzlich. Sie waren sich so sicher gewesen, dass ihre Liebe allen Belastungen standhalten würde, aber dann hatten die beruflichen Anforderungen, die endlosen Arbeitsstunden ihren Tribut gefordert.

Es gab Wochen, in denen sie sich kaum gesehen hatten, wenn sie und Sebastian zu unterschiedlichen Zeiten Nacht- oder Wochenenddienst hatten machen müssen. Sie hatten schließlich beide ihren Job in dem Krankenhaus aufgegeben und eine Tätigkeit in einer Praxis für Allgemeinmedizin angenommen.

Zuerst schien das auch besser zu funktionieren und ihrer Ehe gut zu bekommen – aber dann war Sebastian ein Traumjob im Nordosten des Landes angeboten worden, weit weg von ihrem bisherigen Wohnort im Süden Englands.

Olivia verzog bitter den Mund, als sie daran dachte, dass sie ihren ersten großen, handfesten Krach bekommen hatten, als er ihr davon erzählte. Gerade hatte sie begonnen, sich in der Praxis in Sussex wohlzufühlen. Sie hatte Sebastian vorgeworfen, er sei egoistisch, weil er erwartete, sie würde ihren Job aufgeben und mit ihm kommen. Er hatte sie daraufhin beschuldigt, engstirnig und bockig zu sein. Der Streit war eskaliert, keiner von beiden hatte nachgeben wollen. Schließlich war Sebastian wütend in das kleine Gästezimmer gezogen und hatte Olivia im Schlafzimmer allein gelassen.

Sie seufzte. Zum ersten Mal seit ihrer Heirat hatten sie getrennt geschlafen. Das war wahrscheinlich ihr größter Fehler gewesen. Denn von da an hatte sich immer einer von ihnen in das Gästezimmer zurückgezogen, wenn sie sich stritten. Und das kam damals ziemlich häufig vor. Heute wusste sie, dass es besser gewesen wäre, sie hätten sich den Problemen gestellt und sie ausdiskutiert.

Nachdem Sebastian dann eine Stelle als Oberarzt auf der Notfallstation des neuen Krankenhauses an der Nordostküste antrat, nahmen sie an den Wochenenden abwechselnd die lange Autofahrt auf sich, um zusammen sein zu können. Aber schon bald wurde ihnen klar, dass diese ständige Fahrerei keine Dauerlösung sein konnte. Immer häufiger fanden beide Gründe, auf die Wochenendfahrt zu verzichten. So war ihre Ehe schließlich auf der Strecke geblieben. Und jetzt ging es nur noch darum, auch offiziell einen Schlussstrich zu ziehen. Dann blieben ihnen wenigstens ein paar schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit.

„Fertig!“

Dr. Sebastian Bridges presste die Elektroden auf die Brust des Jungen und schickte einen neuen Stromstoß durch den Körper des Neunjährigen. Liam Baxter war auf dem Weg von der Schule nach Hause von einem Bus angefahren und schwer verletzt worden.

„Nun komm schon“, murmelte Sebastian beschwörend. Er hoffte, das Herz des Jungen würde wieder zu schlagen anfangen.

„Sinusrhythmus ist da!“, rief eine der Schwestern.

Alle atmeten erleichtert auf.

Sebastian nickte anerkennend in die Runde. „Gut gemacht, Leute. Wir haben es wieder einmal geschafft. Wenn wir so weitermachen, werden wir noch einen Preis gewinnen.“

Alle lachten. Im staatlichen Gesundheitssystem gab es keine Preise zu gewinnen, obwohl die Erwartungen immer höher geschraubt wurden.

„Im Süden hattet ihr wohl ein angenehmeres Leben“, meinte Cathy, die Oberschwester. „Das scheinst du zu vermissen, Sebastian.“

„Hältst du mich etwa für einen Träumer, Cathy?“, fragte er zurück, wobei er den nordenglischen Dialekt der Schwester perfekt imitierte.

„Wenn du dir den Hut aufsetzen willst …“

Er lachte. Was ihm an seinem Job hier ausnehmend gut gefiel, waren die Stimmung in seinem Team und die Loyalität und Zuverlässigkeit seiner Mitarbeiter. Jeder gab stets sein Bestes. Ja, der Wechsel hierher in den Norden hatte sich für ihn beruflich als Glücksfall erwiesen.

Ein plötzlicher Schmerz ließ ihn zusammenzucken. Schnell drehte er sich weg, damit seine Mitarbeiter nicht mitbekamen, wie sich seine Miene verdüsterte. Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Mehrere Patienten warteten auf ihn. Das war nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu grübeln, wodurch seine Ehe mit Olivia scheitern musste. Und außerdem war es jetzt längst zu spät, daran noch etwas ändern zu wollen.

Er ging aus dem Behandlungszimmer und sah auf den Bettenplan der Station. Jedes Zimmer war belegt. Selbst für seine Abteilung, in der es immer hektisch zuging, war das ein außergewöhnlich turbulenter Tag gewesen. Dafür hatten mehrere Verkehrsunfälle gesorgt. Die Notfallstation des Grace-Darling-Krankenhauses hatte einen ausgezeichneten Ruf und wurde deshalb von verschiedenen Rettungsdiensten bevorzugt angefahren. Es war längst zum Versorgungszentrum für eine Region mit mehreren Hunderttausend Einwohnern geworden.

Er blickte auf, als sein Assistenzarzt Gary Parr aufgeregt auf ihn zukam. „Das war mal wieder ein Tag wie im Irrenhaus“, sagte er zu dem jungen Mann.

„Und er ist noch nicht zu Ende“, stieß Gary hervor. „Es kommt vielleicht noch viel schlimmer. Wir hatten gerade die Küstenwache am Telefon. Offenbar treibt ein Tanker steuerlos in der schweren See und ist dabei, mit einer Bohrplattform zusammenzustoßen.“

„Verdammt! Was hat der Tanker geladen?“

„Irgendwelche Chemikalien. Genaues weiß man noch nicht. Die Küstenwache versucht, über die russische Reederei mehr zu erfahren, aber die geben sich sehr wortkarg.“

„Kann man den Tanker nicht wegschleppen?“, wollte Sebastian wissen. Wenn der Tanker mit der Bohrplattform zusammenstieß, leckschlug und die Chemikalien ausliefen, würden nicht nur die Tankerbesatzung und die Arbeiter auf der Plattform in Gefahr geraten, dann drohte eine Verseuchung vieler Kilometer Küste und die Vergiftung Tausender Menschen.

„Mehrere Hochseeschlepper sind auf dem Weg zu dem Tanker, aber es sieht wohl nicht gut aus.“ Gary zog eine Grimasse. „Die Küstenwache sagt, es käme ein Sturm auf. Dann können die Schlepper nicht eingesetzt werden. Und eine Kollision mit der Plattform wäre sehr wahrscheinlich.“

„Dann müssen wir vom schlimmsten Fall ausgehen und uns entsprechend vorbereiten.“ Sebastian drehte sich um und ging eilig zu seinem Büro.

Gary folgte ihm. „Heißt das, wir müssen die höchste Alarmstufe ausrufen?“ Der junge Mann war sehr blass geworden.

„Ja, wir sollten alle Mitarbeiter alarmieren, auch die, die eigentlich dienstfrei haben. Wir dürfen nicht riskieren, dass wir kalt erwischt werden.“

Sebastian rief in der Unfallzentrale der Polizei an und verlangte den Offizier vom Dienst zu sprechen. Er wurde sofort durchgestellt.

Man stellte ihm keine Fragen über den Grund seines Anrufes, denn die Küstenwache hatte bereits Alarm gegeben.

Sebastian nickte zustimmend, als man ihm erklärte, es würde gerade eine Rundfunknachricht zur Warnung der Bevölkerung vorbereitet und in der nächsten halben Stunde ausgestrahlt.

Er hängte auf, nahm die Personalliste für Notfälle aus seinem Schreibtisch und reichte sie Gary. „Finde heraus, wer schon hier ist, und versuch, die anderen zu erreichen. Ich werde mit denen sprechen, die hier sind. Wir müssen die Patienten, die schon hier sind, so schnell wie möglich verarzten. Sonst gibt es nachher das große Chaos.“

„Was ist mit dem Luftrettungsdienst? Soll ich die Hubschrauberstaffel informieren?“

„Ruf dort zur Sicherheit an, aber die wissen wahrscheinlich schon Bescheid.“

Sebastian blickte aus dem Fenster auf den bedrohlich schwarzen Himmel. „Es sieht so aus, als ob das eine lange, harte Nacht werden könnte.“
Freitag, 16.00 Uhr

Der Sturm brach mit aller Macht los, als Olivia auf den Parkplatz des Grace-Darling-Krankenhauses fuhr. Schwere Regentropfen klatschten auf die Windschutzscheibe und zwangen sie, ganz vorsichtig und langsam zu fahren. Die Scheibenwischer, selbst auf schnelle Gangart geschaltet, wurden mit den Wassermassen nicht fertig.

Die Frontscheibe war von innen beschlagen. Olivia versuchte, die Scheibe mit der Hand wenigstens so weit freizuwischen, dass sie die Hinweisschilder erkennen konnte. Bei dem prasselnden Regen schien der Parkplatz riesengroß. Sebastian hatte ihr vor Monaten mal gesagt, dass ein neuer Anbau kurz vor der Fertigstellung stand, aber sie hatte nicht geahnt, wie gewaltig der ganze Gebäudekomplex wirkte.

Irgendwie passte das zu ihm. Er liebte es, mitten im dicksten Getümmel zu stecken. Sie selbst bevorzugte mehr einen überschaubaren Rahmen und die Arbeit in einem kleinen Team. Verwundert stellte sie fest, dass ihr bisher nicht bewusst gewesen war, wie sehr sich ihre und Sebastians berufliche Vorstellungen unterschieden.

Sie fuhr in eine Parklücke und schaltete den Motor ab, griff nach ihrem Regenschirm und stieg aus. Sofort riss ihr der heftige Wind den Schirm aus der Hand und wirbelte ihn über den Parkplatz. Sie konnte noch sehen, wie er zerfetzt und weit weggetrieben wurde. Es hatte keinen Sinn, hinter dem Schirm herzulaufen.

Seufzend schloss sie die Wagentür. Die Vorstellung, Sebastian völlig durchnässt gegenüberzustehen, war zwar nicht berauschend, aber unter den gegebenen Umständen nicht zu vermeiden. Olivia hoffte nur, nicht von den Sturmböen zu Boden geschleudert zu werden. Es hätte ihr gerade noch gefehlt, schlammbedeckt bei Sebastian aufzutauchen.

Sie ging zum Eingang. Es war erst vier Uhr nachmittags, aber es wurde schon dunkel. Der Sturm wurde immer stärker. Olivia atmete erleichtert auf, als sie endlich in der trockenen Eingangshalle stand. Der Empfang war direkt vor ihr. Daneben gab es eine offene Wartehalle mit mehreren Reihen bequemer Sessel und einem Getränkeautomaten. Das alles sah genauso aus, wie Olivia es sich von einem modernen Krankenhaus vorgestellt hatte. Nur eines war ungewöhnlich – kein Mensch war zu sehen.

Eigentlich hätten um diese Zeit am Freitagnachmittag Dutzende von Patienten warten müssen. Verblüfft sah Olivia sich um. Sebastian hatte ihr doch immer erzählt, wie beschäftigt er war und dass er es kaum schaffte, mit dem Ansturm von Patienten fertig zu werden. Es gab nur eine Erklärung – etwas Ungewöhnliches musste geschehen sein …

„Tut mir leid, aber die Notfallstation ist zurzeit geschlossen.“

Olivia drehte sich um, als sie die Stimme hinter sich hörte. „Ich bin keine Patientin“, sagte sie zu der Schwester, die urplötzlich aufgetaucht war. „Ich suche Dr. Bridges.“

„Dr. Bridges hat heute leider keine Zeit“, sagte die Schwester. „Ich muss Sie bitten, morgen wiederzukommen.“

„Olivia!“

Die beiden Frauen drehten sich um, als sie Sebastians Stimme vernahmen.

Olivia versuchte zu lächeln, was ihr jedoch nicht besonders gut gelang. Sebastian schien ziemlich fassungslos über ihr unangemeldetes Erscheinen zu sein. „Hallo, Sebastian. Offenbar habe ich keinen guten Zeitpunkt für meinen Besuch gewählt.“

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Schließlich konntest du nicht wissen, dass wir gerade Katastrophenalarm haben.“

Er lächelte abwesend, und Olivia konnte erkennen, dass er unter enormer Anspannung stand. Fragte er sich wohl, warum sie plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht war? Es lag mehr als drei Monate zurück, seit Sebastian nach Sussex gekommen war und sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Aber das Wochenende war alles andere als angenehm verlaufen. Sie hatten kaum miteinander geredet. Offensichtlich hatten sie sich schon weiter voneinander entfernt, als sie wahrhaben wollten.

Olivia hatte erleichtert aufgeatmet, als er dann früher als geplant wieder zurückgefahren war. Aber an diesem Wochenende war ihr klar geworden, dass es so nicht weitergehen konnte. Ihre Ehe war nicht mehr zu retten.

Jetzt war sie hier, um einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Aber das konnte sie schlecht auf dem Krankenhausflur ansprechen. Da sie eine ganze Reihe von Fragen mit Sebastian zu klären hatte, musste sie sich in Ruhe mit ihm zusammensetzen. Aber das passte jetzt offenbar gar nicht.

„Entschuldige meine Unhöflichkeit. Darf ich euch miteinander bekannt machen? Cathy, das ist meine Frau Olivia, ebenfalls Ärztin.“

Olivia musste lächeln, doch als Sebastian sich ihr wieder zuwandte, bemerkte sie die Wachsamkeit in seinen Augen. Er schien zu ahnen, warum sie so überraschend gekommen war. Sie fragte sich, ob er erleichtert oder enttäuscht von ihrem Entschluss sein würde.

„Olivia … und das ist Cathy Watts, unsere Oberschwester. Ohne sie ginge hier alles drunter und drüber.“

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen“, sagte Olivia und reichte Cathy die Hand.

„Ganz meinerseits, Dr. Bridges.“

Die Schwester schüttelte ihr die Hand, aber Olivia blieb Cathys kühle Zurückhaltung nicht verborgen. Sie war offensichtlich nicht begeistert über den Besuch.

Olivia ahnte warum. Vielleicht hatte die Schwester mehr als nur ein berufliches Interesse an Sebastian … Sie hatte sich einige Male gefragt, ob Sebastian sich in den letzten Monaten mit anderen Frauen getröstet haben könnte. Er selbst hatte nicht die geringste Andeutung gemacht. Aber Olivia war nicht so naiv, davon auszugehen, dass ein so gut aussehender Mann lange allein bleiben würde.

Unauffällig musterte sie ihn. Sein schlanker, hochgewachsener und durchtrainierter Körper hatte immer eine erregende Wirkung auf sie ausgeübt. Und zwar vom ersten Tag an. Für sie war Sebastian der erste und einzige Mann gewesen.

Konnte sie erwarten, dass ein so vitaler und attraktiver Mann wie ein Mönch lebte? Obwohl es sie eigentlich nichts mehr anging, hätte sie liebend gern gewusst, ob er mit Cathy oder einer anderen Frau eine Affäre hatte.

Sebastian war verwirrt und beunruhigt. Dass Olivia plötzlich vor ihm stand, hatte ihn stärker berührt, als er vermutet hätte. In einem ersten Reflex hatte er sie in die Arme nehmen und ihr einen Kuss geben wollen. Nur die Vermutung, warum sie sich auf den Weg zu ihm gemacht hatte, hielt ihn zurück. Wollte sie die Scheidung von ihm verlangen? Er konnte es nicht glauben, er wollte es nicht glauben – aber er wusste, dass sein Verdacht begründet war.

Er fühlte einen Schmerz, der immer schlimmer wurde. Aber bevor er etwas sagen konnte, wurde die Eingangstür aufgestoßen, und ein Mann stürmte herein.

„Mein Frau … sie ist draußen im Wagen … bitte, helfen Sie uns.“

„Ich bin sofort da“, versicherte ihm Sebastian. „Such Marilyn und sag ihr, ich brauche sie im Behandlungsraum“, sagte er zu Cathy. „Jayne soll alles vorbereiten. Ich bringe die Patientin sofort dorthin.“

Er eilte nach draußen. Direkt vor dem Eingang parkte ein Wagen mit geöffneten Türen. Auf der Rückbank lag eine junge Frau. „Was ist mit ihr passiert?“, fragte er den Ehemann.

„Keine Ahnung.“ Der junge Mann versuchte hektisch, seine Frau aus dem Wagen herauszuziehen.

Sie schrie vor Schmerz auf.

Sebastian fasste nach dem Arm des Mannes und zog ihn zurück. „Lassen Sie mich zuerst nach ihr sehen“, sagte er. Er beugte sich zu der Frau. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, und sie hielt die Arme über dem Bauch verkrampft. „Ich heiße Sebastian Bridges und bin der Oberarzt. Seit wann haben Sie diese Schmerzen?“

„Ich weiß nicht … seit ungefähr einer Stunde … vielleicht etwas länger.“ Sie stöhnte auf. „Oh, es tut so weh!“

Sebastian blickte sich um und wollte ihrem Mann sagen, er solle hineingehen und einen Rollstuhl anfordern.

Olivia stand hinter ihm. „Brauchst du eine fahrbare Liege?“

Er nickte. „Ja. Und ein Pfleger soll mitkommen. Ich brauche jemanden, der mir hilft, die Frau auf die Trage zu legen.“

Olivia eilte in die Empfangshalle zurück.

Sebastian hockte sich neben die Patientin und versuchte ganz sanft, ihre Hände von ihrem Bauch zu lösen. Er hielt sofort inne, denn sie schrie wieder vor Schmerz auf. „Ich weiß, es tut weh, aber ich muss Sie untersuchen, um festzustellen, was Ihnen fehlt. Schreien Sie, wenn es Ihnen hilft, Sie brauchen auf mich keine Rücksicht zu nehmen.“

Sein Tonfall schien sie zu beruhigen. Sie ließ ihn weitermachen und stöhnte nur leise vor sich hin. Der Bauch war unten auf der rechten Seite bretthart, die Muskeln zuckten spastisch. Wenn er auf eine bestimmte Stelle drückte, schrie die Patientin auf.

Er drehte sich um, als Olivia mit einem Krankenpfleger zurückkam, der eine fahrbare Liege vor sich her schob.

„Wir müssen Ihre Frau leider auf die Liege heben, auch wenn sie starke Schmerzen hat“, sagte er zu dem jungen Ehemann, der kreidebleich danebenstand.

Der Mann wurde noch bleicher. „So habe ich Alison noch nie schreien hören. Sie ist immer so tapfer und klagt nie.“

„Das beweist nur, dass es ihr jetzt wirklich sehr schlecht geht.“ Olivia legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm.

Es gab Sebastian einen Stich, als er sah, dass sie den jungen Mann anlächelte. Wann hatte sie ihn das letzte Mal so angelächelt?

„Zeigen Sie ihr, dass Sie ihr helfen wollen“, fuhr Olivia fort. „Halten Sie ihre Hand, und reden Sie mit ihr, während wir sie hochheben. Sie hat schlimme Schmerzen, und sie braucht jemanden, der ihr Kraft gibt.“

„Ich … ich versuche es.“

Der junge Mann hockte sich neben sie und sprach leise auf sie ein.

Sie schien sich wirklich zu beruhigen.

Sebastian bat den Krankenpfleger, auf die andere Seite zu gehen, sodass sie die Patientin anheben konnten. Bewundernd dachte er, wie schnell Olivia das junge Paar beruhigt hatte.

Das war schon immer eine ihrer Stärken gewesen. Er selbst neigte zur Ungeduld und wollte in kürzester Zeit zum Ziel kommen. Häufig hatte er gedacht, dass sie sich in idealer Weise ergänzten. Und dann war es ihm wieder so vorgekommen, als ob sie so gegensätzliche Charaktere waren, dass sie die Dinge nur von zwei ganz unterschiedlichen Standpunkten sehen konnten.

Er seufzte innerlich. Die zweite Erklärung war wohl wahrscheinlicher. Sie ergänzten sich nicht, sie waren wie Feuer und Wasser. Deshalb war ihre Ehe auch gescheitert.

2. KAPITEL

Freitag, 17.00 Uhr

„Danke, Dr. Bridges. Ich übernehme die Patientin jetzt.“

Olivia trat zur Seite, als Cathy Watts herbeieilte. Die Oberschwester erwartete offensichtlich, dass Olivia die Station wieder verlassen würde. Aber aus einem unerfindlichen Grund hatte sie das keineswegs vor. Fragend sah sie zu Sebastian, der neben dem Bett stand, in das die Patientin gelegt werden sollte. Sie empfand keine Eifersucht, dass die Schwester ihm von jetzt an assistierte.

„Auf mein Kommando …“, sagte Sebastian. „Eins … zwei … drei!“

Ohne Schwierigkeiten schafften sie es, die junge Frau auf das Bett zu heben. Dann wurde das Team aktiv. Während Sebastian noch einmal vorsichtig den Unterbauch abtastete, schloss Cathy die Patientin an die notwendigen Überwachungsgeräte an. Eine zweite Schwester – ihr Name war Marilyn Maddox, nach dem Namensschild an ihrem Kittel – begann, die Patientin auszuziehen. Und eine Assistenzärztin nahm Blutproben für die Laboruntersuchungen.

Olivia war beeindruckt, wie professionell und effizient das gesamte Team arbeitete. Dennoch überraschte es sie nicht, denn Sebastian hatte an seine Mitarbeitern immer die höchsten Anforderungen gestellt, weil er auch von sich selbst Höchstleistungen verlangte.

„Haben Sie nur Schmerzen im Bauch, Alison, oder auch noch woanders?“

Der Klang von Sebastians tiefer, sonorer Stimme ließ Olivia leicht erschauern. Sie hatte seine Stimme immer geliebt. Es war auch diese unverwechselbare Stimme gewesen, die sie bei ihrem ersten Zusammentreffen am meisten fasziniert hatte.

Auf einem Studentenfest an der Universität waren sie sich zum ersten Mal begegnet. Olivia hatte vergeblich versucht, ein Glas Wein am Tresen zu bestellen, aber mit ihrer Stimme drang sie nicht gegen den hohen Lärmpegel des überfüllten Saales durch. Dann tauchte Sebastian auf, zwinkerte ihr zu und fragte, was sie trinken wolle. Wie durch ein Wunder hielt er Sekunden später ein Glas in der Hand.

Er zog sie ein Stück weiter zu einem Tisch. Typisch, dass er bei dem allgemeinen Gedränge sofort einen freien Tisch fand. Dann unterhielten sie sich lange und angeregt. Noch vor Mitternacht war ihr klar, dass sie sich gerade verliebt hatte. Und am Ende des Monats war sie zu ihm in seine kleine Wohnung gezogen. Sie hatten die ganze Studienzeit zusammengelebt, und obwohl sie das Medizinstudium manchmal sehr hart fand, war Sebastian, dem das Studium leichtfiel, immer da gewesen, um ihr zu helfen und sie zu ermutigen.

Sie seufzte. Damals hatte sie geglaubt, so würde es immer zwischen ihnen sein. Aber es war anders gekommen. Jetzt hatte sie innerlich akzeptiert, dass die Scheidung unausweichlich war. Sie wusste, dass auch nach der Scheidung die Erinnerung an Sebastian schmerzlich sein würde. Ihre Beziehung war einfach etwas ganz Besonderes gewesen. Aber sie konnte auch nicht so weiterleben wie seit einem Jahr. Nein, lieber jetzt ein Ende machen, auch wenn es wehtat.

Sebastian runzelte die Stirn und sah die Patientin fragend an. „Wo, sagten Sie, spüren Sie noch Schmerzen?“

„In der Schulter … genau hier.“ Alison zeigte mit der Hand auf die Stelle.

„Aha“, sagte er wie beiläufig, aber er warf einen Blick auf Olivia und fragte sich, ob sie zu derselben Schlussfolgerung wie er gekommen war.

Er war betroffen, weil sie so traurig aussah. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen und getröstet.

„Hatten Sie schon einmal Probleme mit den Monatsblutungen?“

„Nein … ich habe jetzt gerade meine Periode“, murmelte sie, offensichtlich erstaunt wegen der intimen Frage des Arztes.

„Also halten Sie es nicht für möglich, dass Sie schwanger sind? Ist Ihre Periode kürzlich mal ausgeblieben?“

„Ja, im letzten Monat. Das war, als ich die Pille abgesetzt habe. Mein Gynäkologe hat mir gesagt, dass es danach zuerst zu Unregelmäßigkeiten kommen kann“, antwortete Alison und wurde knallrot.

„Haben Sie selbst schon mal einen Schwangerschaftstest gemacht?“ Sebastian warf einen prüfenden Blick auf die Monitore. Alisons Puls, ihr Blutdruck und ihr Herzschlag lagen im normalen Bereich. Trotzdem entschloss er sich, kein Risiko einzugehen.

„Sagt Ben, ich möchte eine Ultraschalluntersuchung der Vagina durchführen“, sagte er zu Cathy. Dann wandte er sich wieder der Patientin zu.

„Nein, ich habe keinen Test gemacht“, erklärte Alison. „Ich hielt das nach der Bemerkung meines Gynäkologen nicht für notwendig.“ Aber jetzt schien die junge Frau wirklich beunruhigt. „Glauben Sie, ich könnte eine Fehlgeburt haben, Doktor?“

„Möglicherweise ist es noch etwas komplizierter. Es könnte sein, dass Sie eine sogenannte ektope Schwangerschaft haben. Das bedeutet, dass sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter festgesetzt hat, sondern irgendwo anders, zum Beispiel im Eileiter oder in der Bauchhöhle. Nach der Ultraschalluntersuchung wissen wir Bescheid.“

„Und was ist mit dem Baby?“ Die junge Frau brach in lautes Schluchzen aus.

Sie tat Sebastian entsetzlich leid. Er drückte ihre Hand. „Ich kann Ihnen nicht viel Hoffnung machen, dass der Embryo überlebt.“

„Und kann ich später wieder ein Kind bekommen?“

„Grundsätzlich spricht nichts dagegen“, versuchte Sebastian, sie zu beruhigen. Wenn der Embryo einen der Eileiter beschädigt hatte, bestand nur eine geringe Chance, dass der Chirurg das wieder in Ordnung bringen konnte. Leider war es jedoch sehr häufig in solchen Fällen notwendig, den Eileiter ganz zu entfernen.

„Lass mich mit ihr sprechen“, bat Olivia leise.

Sebastian trat zur Seite.

Olivia beugte sich zu der jungen Frau hinunter und begann, leise auf sie einzureden. Sebastian verstand nicht, was sie sagte, aber er merkte, dass Alison sich beruhigte.

Olivia sah Alison nach, die in ihrem Bett zur Ultraschalluntersuchung geschoben wurde. Die junge Frau tat ihr leid. Wenn die ektope Schwangerschaft sich bestätigte, würde sie in die gynäkologische Abteilung verlegt und so bald wie möglich operiert werden. Es musste schrecklich für die junge Frau sein zu wissen, dass sie schwanger war, aber kaum Hoffnung bestand, dass ihr Baby überlebte.

„Danke, Olivia, dass du die Patientin beruhigt hast. Du hast dafür ein ganz besonderes Talent.“

Sie errötete und lächelte ihn an. „Übrigens: Du hast vorhin erwähnt, dass ihr euch auf einen größeren Unglücksfall vorbereitet? Was ist passiert?“

Sebastian schlug sich mit der Hand auf die Stirn. „Richtig. Der Tanker. Ich muss mit meinem Team sprechen. Wenn er wirklich im Sturm leckschlägt, kann es zu einer Katastrophe kommen.“

„Um Himmels willen. Das ist ja fürchterlich.“

„Das wird garantiert die schwierigste Sache seit Bestehen des Krankenhauses.“ Er schaute auf die Uhr. „Sorry, aber ich muss jetzt wirklich zu meinen Leuten.“

„Natürlich. Ich wollte dich nicht aufhalten.“

Er blieb stehen und sah sie nachdenklich an. „Warum kommst du nicht mit mir? Dann kannst du den Rest des Teams auch kennenlernen.“

„Hältst du das für richtig? Ich möchte dir nicht im Weg stehen.“

„Das tust du nie.“ Er öffnete die Tür seines Büros.

Olivia hielt das für keine gute Idee, aber das wollte sie jetzt nicht mit ihm ausdiskutieren. Sie schloss sich ihm schweigend an. Es war nicht der richtige Zeitpunkt für einen unangemeldeten Besuch gewesen. Jetzt musste sie sehen, wie sie das Beste daraus machte.
Freitag, 18.00 Uhr

„Tut mir leid, dass ich euch alle habe warten lassen“, entschuldigte Sebastian sich bei seinem Team. „Aber wir hatten einen Notfall zu versorgen.“

Der Raum war ziemlich voll. Sebastian schob Olivia bis nach vorn zu seinem Schreibtisch und drehte sich herum. „Darf ich es kurz machen … das ist Olivia, meine Frau. In Anbetracht der besonderen Situation verschieben wir alle weiteren Informationen auf später.“

Sebastian ignorierte die erstaunten Blicke seiner Mitarbeiter. Obwohl alle wussten, dass er verheiratet war, hatten sie angenommen, er und Olivia lebten getrennt. Ihr Erscheinen hatte alle verblüfft. Aber jetzt war bestimmt nicht der richtige Zeitpunkt, über den Grund ihres Besuches zu reden, vor allem dann nicht, wenn er den Anlass ihres Kommens richtig einschätzte.

„Ich habe mit der Küstenwache gesprochen. Es gibt keine guten Neuigkeiten“, sagte er ernst. „Die Schlepper konnten bei dem Sturm keine Leinen befestigen. Der Tanker wird von dem starken Wind und der Strömung immer noch direkt in die Richtung der Bohrplattform getrieben. Ein Zusammenstoß ist sehr wahrscheinlich. Deshalb wurde angeordnet, so viele Menschen wie möglich von der Plattform und dem Tanker zu evakuieren.“

„Mit Hubschraubern?“, erkundigte sich Marilyn.

„Solange das möglich ist, ja. Wenn der Sturm zu stark wird, können die Hubschrauber nicht mehr eingesetzt werden. Deshalb wurden alle Schiffe in der Gegend alarmiert und aufgefordert, sich nach Möglichkeit an der Rettungsaktion zu beteiligen. Vielleicht schaffen es Fischerboote, die Mitglieder der Tankerbesatzung an Bord zu nehmen. Wir können nur hoffen, dass keiner der Hubschrauber in Schwierigkeiten kommt oder ins Meer stürzt.“

„Wie groß ist die Besatzung des Tankers?“, wollte Ben Robertson, der Radiologe des Teams, wissen.

„Das versucht die Küstenwache gerade herauszufinden“, erklärte Sebastian. „Die genaue Ladung des Tankers ist ebenfalls noch nicht bekannt. Die Eigentümer des Tankers sind mit ihren Angaben sehr zurückhaltend.“

„Dann können wir also kaum einschätzen, wie viele Notfälle eventuell auf uns zukommen“, stellte Cathy erbost fest.

„Du sagst es.“ Sebastian sah jedes Mitglied seines Teams an, auf Olivia verweilte sein Blick etwas länger. Fasziniert betrachtete er ihr Kostüm. Er hatte immer gemocht, wie sie sich anzog.

Dann räusperte er sich. „Es kann sein, dass wir nur sechs Notfälle zu behandeln haben, vielleicht aber auch sechzig. Wir müssen auf das Schlimmste vorbereitet sein. Mit den Besatzungen der Rettungswagen wurde vereinbart, dass sie als Erstes nur die Schwerverletzten hier einliefern. Aber das können auch so viele sein, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Ich weiß, ihr werdet alle euer Bestes geben. Dafür danke ich euch schon jetzt.“

Zustimmendes Gemurmel wurde laut. Dann verließen die Mitglieder des Notfallteams den Raum.

Sebastian blieb zurück. Jeder wusste, was er zu tun hatte. Und er wusste, dass er jedem Einzelnen vertrauen konnte.

„Ich sollte dann auch wohl besser gehen.“ Olivia ging zur Tür. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, um mit Sebastian ein längeres, ernsthaftes Gespräch zu führen. Aber möglicherweise ging die Sache mit dem Tanker ja auch glimpflich aus. Vielleicht sollte sie sich ein Hotel im Ort suchen und ein paar Tage bleiben. Dann würde sich schon eine Gelegenheit ergeben, mit Sebastian zu sprechen, und sie hätte den langen Weg nicht vergeblich gemacht.

„Unsinn. Du kannst doch nicht gleich wieder gehen – du bist doch gerade erst angekommen.“ Sein Tonfall war barsch.

Olivia resignierte. Sie wollte nicht schon wieder Streit mit ihm haben, deshalb war es besser, wenn sie jetzt ging. Sie machte den Mund auf, um Sebastian zu sagen, dass sie in ein Hotel gehen würde, als das Telefon auf seinem Schreibtisch läutete.

„Sebastian Bridges.“

Sie konnte nicht verstehen, was der Anrufer sagte, aber sie sah ihm an, dass es nichts Gutes war. Höchst alarmiert legte er auf.

„Die Küstenwache. Sie wissen jetzt, was der Tanker geladen hat. Irgendeine Chemikalie, die zur Herstellung von Pestiziden verwendet wird. Hochgiftig. Und schon in geringer Konzentration krebserregend.“

„Ist der Stoff wasserlöslich?“

„Sie sind sich nicht sicher. Aber solange wir das nicht wissen, müssen wir den schlimmsten Fall annehmen. Wenn der Tanker leckschlägt, wird das Zeug an die Küste gespült.“

„Das kann ja ein Albtraum werden“, meinte Olivia entsetzt. „Das Wochenende steht bevor. Und auch wenn es schon Herbst ist, gehen Tausende von Menschen gern am Strand spazieren.“

„Und jeder von ihnen ist extrem gefährdet, wenn er mit der Chemikalie in Kontakt kommt“, fügte Sebastian grimmig hinzu.

Olivia erschauderte, als sie sich die möglichen Konsequenzen vorstellte. „Sagst du es deinem Team?“

„Natürlich. Sie müssen voll informiert sein. Eine der Schwestern hat gerade erfahren, dass sie schwanger ist. Sie darf auf keinen Fall mit dem giftigen Stoff in Kontakt kommen.“ Er eilte zur Tür.

„Kann ich mich irgendwie nützlich machen?“

Er blieb überrascht stehen. „Das würde uns sehr helfen. Wenn es hier richtig rundgeht, sind wir einfach zu wenige Leute. Da ist eine erfahrene Ärztin Gold wert.“

„Glaubst du das tatsächlich? Wäre das den anderen nicht … irgendwie peinlich? Schließlich bin ich für sie eine Fremde.“

„Peinlich?“ Er schüttelte lächelnd den Kopf. „Du bist eine erstklassige Ärztin. Und von deinem damaligen Job im Krankenhaus kennst du dich mit Notfallmedizin bestens aus. Du würdest mir einen großen Gefallen tun, wenn du freiwillig bei uns mitmachst.“

„Danke.“ Olivia lächelte. Seine lobenden Bemerkungen über ihre Qualifikation als Ärztin hatten sie tief berührt. „Ich bin gern dabei, wenn du das möchtest.“

„Wundervoll.“ Er öffnete die Tür. „Ich führe dich eben schnell herum, damit du einen Überblick bekommst und weißt, wo du alles findest. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich nicht auskennt.“

„Wie wir beide damals an unserem ersten Tag im Royal Hospital, erinnerst du dich noch?“

„Unser erster Tag im Royal …“ Er lächelte. Seine haselnussbraunen Augen waren voller warmer Erinnerung auf sie gerichtet. „Weißt du noch, wie wir die ältere Patientin zum Röntgen bringen sollten? Wir haben zwanzig Minuten gebraucht, um die Röntgenabteilung zu finden.“

„Und als wir ankamen, war kein Radiologe da, weil alle zum Mittagessen gegangen waren. Also mussten wir mit der alten Dame zurück in die Notfallabteilung.“ Olivia schüttelte den Kopf.

Er lachte sie an. „Ein Glück, dass wir zusammen waren und uns gegenseitig helfen konnten – sonst wären wir in den ersten Monaten verrückt geworden.“

„Wahrscheinlich.“

Olivia fühlte, wie sie sich innerlich verkrampfte. Die Erinnerung, wie nah sie sich einmal gewesen waren und was aus ihnen mittlerweile geworden war, ließ ihre Brust eng werden.

Vor acht Jahren hatte sie ihm ihr Jawort gegeben – felsenfest davon überzeugt, dass es für immer sein würde. Sie hatte versprochen, ihn zu lieben, bis der Tod sie trennte. Und jetzt war sie hier, um dieses Versprechen zurückzunehmen.

Sebastian stellte Olivia die verschiedenen medizinischen Einrichtungen seiner Abteilung vor. Dazu zählte auch eine eigene Röntgenabteilung. Sie wusste, dass er Wert darauf legte, nicht von anderen Abteilungen abhängig zu sein.

„Und hier ist unser eigener Operationssaal“, erklärte er.

Olivia stellte sich auf die Zehenspitzen, um durch das Fenster in der Tür zu sehen.

Wehmütig betrachtete Sebastian sie. Er hatte fast vergessen, wie klein sie war. Sein Blick fiel auf ihre weiblichen Rundungen. Und plötzlich verspürte er eine körperliche Reaktion, die er nicht erwartet hatte. Ihr Aussehen und ihre sexuelle Ausstrahlung hatten ihn immer fasziniert. Offensichtlich hatte sich bis heute nichts daran geändert.

„Das sieht ja wirklich beeindruckend aus“, sagte Olivia anerkennend.

Er lächelte sie an und gab sich Mühe, seine Reaktion auf sie zu verbergen. Wenn sie gekommen war, um von ihm die Scheidung zu verlangen, würde das alles noch mehr komplizieren. Obwohl ihm die Idee gar nicht gefiel, würde er sich nicht gegen die Scheidung sperren, wenn Olivia unbedingt darauf bestand.

Er drehte sich abrupt um. „Jetzt kennst du die ganze Abteilung. Genügt dir das für den Augenblick, um dich einigermaßen zurechtzufinden?“

„Danke, ja. Du hast hier Beachtliches auf die Beine gestellt. Es ist eine der am besten eingerichteten und organisierten Notfallabteilungen, die ich je gesehen habe. Jetzt verstehe ich, was dich an diesem Job so fasziniert hat.“

„Stimmt, das alles von Anfang an nach meinen Vorstellungen mit aufzubauen, war sehr reizvoll. Aber die beste Ausstattung ist ohne ein qualifiziertes Team nichts wert. Zum Glück habe ich ein hervorragendes Team gefunden.“

„Das freut mich zu hören.“

Sebastian runzelte die Stirn. Ihre letzte Bemerkung hatte sehr kühl und wenig begeistert geklungen. Offenbar war seine enthusiastische Erwähnung des Teams bei ihr nicht so gut angekommen.

Er atmete erleichtert auf, als Marilyn kam und ihm sagte, dass jemand von der Rettungswagenzentrale am Telefon sei und ihn sprechen wollte. Er nickte Olivia entschuldigend zu und ging in sein Büro.

Was er erfuhr, ließ ihn vor Schreck tief durchatmen. Als der Tanker die Bohrplattform gerammt hatte, war es zu einer schweren Explosion gekommen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hatte es eine Reihe von Verletzten gegeben, die umgehend ausgeflogen und direkt zum Krankenhaus gebracht werden sollten.

Sebastian legte auf und sah auf die Uhr. Es blieben schätzungsweise noch gut zehn Minuten, um alles für die Ankunft der Hubschrauber und der ersten Verletzten vorzubereiten. Energisch schüttelte er die trüben Gedanken an Olivia ab und konzentrierte sich auf seine Aufgabe.

Er ging zum Aufenthaltsraum. Dort würde sein gesamtes Team warten. Zuerst bemerkten sie ihn gar nicht, aber dann sah Gary ihn und winkte den anderen zu. Die lebhafte Unterhaltung verstummte, und alle schauten gespannt zu Sebastian.

„Der erste Hubschrauber ist auf dem Weg“, sagte er. „Drei Verletzte mit schweren Brandwunden sind an Bord. Ankunft wahrscheinlich in knapp zehn Minuten. Marilyn führt das erste Team, Gary das zweite und ich das dritte.“

„Ist schon abzuschätzen, wie viele Verletzte wir insgesamt zu erwarten haben?“, wollte Gary wissen.

„Nein. Wir müssen davon ausgehen, dass es sehr viele sein könnten. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Er wandte sich an Jayne. Wegen ihrer Schwangerschaft wollte er kein Risiko eingehen. „Wenn es auch nur ein Anzeichen für eine Chemikalienvergiftung gibt, verlässt du sofort die Station. Verstanden?“

Die Schwester nickte sichtlich erleichtert.

Sebastian war froh, dass er daran gedacht hatte.

Als die Tür geöffnet wurde, drehte er sich um und erwartete, die ersten Rettungssanitäter zu sehen. Aber es war Olivia, die eintrat.

„Hast du dir schon überlegt, wie ich euch helfen kann?“, fragte sie und blieb direkt vor ihm stehen.

„Was würdest du denn machen wollen?“, fragte er mit heiserer Stimme zurück.

„Das ist mir egal. Hauptsache, ich kann mich wirklich nützlich machen.“

Er nickte. „Gut, ich werde es dir sagen, wenn es so weit ist.“

Wieder wurde die Tür aufgestoßen. Dieses Mal waren es wirklich die Sanitäter mit dem ersten Verletzten. Sebastian winkte ihnen zu, sie sollten den Mann zu ihm bringen. Sekunden später hatten sie den Verletzten von der fahrbaren Liege auf ein Bett gehoben, und Sebastian konzentrierte sich voll und ganz auf das, was er als Mediziner gelernt hatte.

Noch einmal verspürte er kurz einen scharfen Schmerz. Nichts und niemand hatte ihm beigebracht, wie er mit dem Verlust von Olivia fertig werden sollte.

3. KAPITEL

Freitag, 19.00 Uhr

„Ich brauche noch einen Schlauch, Olivia …“

„Sofort.“

Sie riss die Verpackung einer frischen Kanüle auf. Geschickt und sicher führte sie die Nadel in die Armvene des Verletzten ein. Seine Körperfunktionen drohten auf ganzer Linie zu versagen, wohl eine Folge des Schocks durch die schweren Brandwunden.

„Danke. Und jetzt lass die Salzlösung so schnell wie möglich durchlaufen. Er braucht dringend viel Flüssigkeit, sonst verlieren wir ihn.“

Olivia sah kaum hin, als Sebastian vorsichtig Metallsplitter aus den Wunden des Mannes entfernte. Sie war ihm dankbar, dass er sie nicht nur für kleinere Handreichungen eingesetzt, sondern von Anfang an voll in die Behandlung einbezogen hatte. Das tat ihr gut. Sie war froh, ihre vor vielen Jahren auf der Notfallstation eines Krankenhauses erworbenen Fähigkeiten wieder einmal einsetzen zu können. Sie drückte rhythmisch auf den Plastikbeutel mit der Salzlösung, um den Durchlauf zu beschleunigen.

„Verdammt!“ Sebastian fluchte leise, als ihm ein scharfer Metallsplitter aus der schmalen Zange rutschte. „Da ist so viel Blut, dass ich kaum etwas sehen kann“, murmelte er.

Er holte tief Luft und setzte erneut an.

Olivia musste lächeln. So kannte sie Sebastian, er gab nie auf, auch wenn etwas unmöglich erschien. Wenn jemand diesen Mann retten konnte, dann Sebastian.

„Ah, jetzt habe ich es …“

Er stieß einen leisen Pfiff aus, als er den Metallsplitter aus dem Hals des Patienten zog und in eine Schale fallen ließ.

Cathy tupfte das Blut weg, damit Sebastian weitermachen konnte.

Mit einer Sicherheit und Präzision, um die ihn mancher erfahrene Chirurg beneidet hätte, vernähte er den Riss in der Halsschlagader des Mannes und brachte die Blutung zum Stoppen.

Olivia war beeindruckt. Sebastian hatte immer die riskanten Herausforderungen gesucht, während sie selbst die Routinefälle bevorzugt hatte. Auch in dieser Beziehung waren sie total verschieden. Sie zwang sich, diese Gedanken zu verdrängen. Im Augenblick gab es Wichtigeres. Da der erste Beutel mit Salzlösung fast leer war, bereitete sie einen weiteren Beutel zum Austausch vor.

Aber in diesem Moment kam die Hämatologin Sarah, die in aller Eile die Blutgruppe des Patienten bestimmt hatte, mit einer Blutkonserve ins Zimmer. Eine Bluttransfusion würde in jedem Fall für den Verletzten, der viel Blut verloren hatte, besser sein als nur die Zufuhr von Flüssigkeit.

Olivia staunte, wie schnell und präzise das ganze Team arbeitete. Bestimmung der Blutgruppe, Röntgenaufnahmen – das alles dauerte nur wenige Minuten. Verglichen mit der Notfallstation des Krankenhauses, in der sie früher gearbeitet hatte, war das hier eine andere Welt. Jetzt verstand sie besser, warum Sebastian so enthusiastisch gewesen war, als man ihm diesen Job anbot.

„So. Wir haben getan, was wir konnten“, sagte Sebastian. „Jetzt sind die Chirurgen dran. Ruft in der Chirurgie an, und sagt ihnen, dass wir jemanden hinaufschicken.“ Er zog die Gummihandschuhe aus und warf sie in den Abfallkorb. „Wie viele Verletzte hatten wir bisher? Ich hoffe, irgendjemand zählt mit.“

„Wir versuchen es“, antwortete Marilyn. „Gary und ich haben gerade gewettet, wie viele es heute Nacht insgesamt sein werden. Ich habe fünfzig geschätzt, Gary meint, es würden eher über hundert werden.“ Marilyn seufzte. „Diese jungen Leute müssen immer übertreiben.“

Alle lachten. Auch Gary. Olivia stellte bewundernd fest, wie gut sich alle in dem Team verstanden.

Sebastian meldete sich wieder zu Wort. „Ich glaube, wir haben alle eine kurze Pause verdient, bevor die Hubschrauber wiederkommen.“

Olivia sah überrascht auf. „Ich bleibe gern hier und passe auf, während ihr im Pausenraum seid.“

„Danke, aber so arbeiten wir hier nicht.“ Er wandte sich an die beiden Krankenschwestern. „Cathy und Jayne, ihr beide geht auch in die Kantine. Esst etwas und ruht euch aus.“

Olivia runzelte die Stirn und warf einen Blick auf die anderen Teams, die noch voll mit ihren Patienten beschäftigt waren. „Wollt ihr ihnen nicht helfen, damit sie schneller fertig werden?“

„Das ist nicht nötig. Sie wissen, was sie zu tun haben, und werden sehr gut allein fertig.“

Sebastian schob Olivia, die sich noch sträubte, in Richtung Tür. „Vertrau mir, Olivia. Ich weiß, was ich tue. Ein Ereignis wie heute Abend übt auf jeden Mitarbeiter hier einen enormen Druck aus. Da ist es wichtig, in Abständen die Batterien wieder aufzuladen. Das kann so die ganze Nacht weitergehen, und es wäre unverantwortlich, wenn unsere Konzentration nachließe und wir dadurch die Patienten benachteiligten, die später ankommen.“

„Glaubst du wirklich, das geht die ganze Nacht so weiter?“

„Ja, und deshalb sollten wir uns auf eine sehr lange Nacht einstellen.“ Er ging mit ihr zum Aufzug. „Ich weiß nicht, was mit dir ist, aber ich sterbe vor Hunger …“

„Eine Tasse Kaffee wäre tatsächlich nicht schlecht“, gab sie zu.

„Das dachte ich mir. Wann bist du in Sussex losgefahren? Kurz vor Mittag, nehme ich an.“

„Richtig, gleich nach Ende der Vormittagssprechstunde. Ich hatte den Nachmittag frei und habe mich spontan entschieden herzufahren.“

Olivia trat in den Aufzug. Plötzlich fühlte sie sich nervös. Bisher war zu viel los gewesen, als dass sie hätten miteinander sprechen können. Aber jetzt wäre eine Gelegenheit …

„Dann bist du aber schnell durchgekommen. Am Freitag sind die Straßen ja oft sehr voll wegen des beginnenden Wochenendverkehrs.“

Sebastian drückte auf den Knopf für den sechsten Stock und lehnte sich gegen die Wand. Da er den Kopf gesenkt hielt, konnte Olivia seine Augen nicht sehen und hatte keine Vorstellung davon, was er gerade dachte. Wartete er darauf, dass sie ihm den wahren Grund für ihren Besuch sagte? Oder wollte er weiter nur ganz unverbindlich mit ihr plaudern?

Sie beschloss, jetzt lieber nichts zu sagen. Das war feige, gestand sie sich ein. Sie hätte es jetzt schnell hinter sich bringen sollen, wer weiß, wann sich wieder eine Gelegenheit ergab, mit ihm allein zu sprechen. Aber irgendwie brachte sie es nicht fertig.

„Der Verkehr auf der Autobahn war dicht, aber es gab keine Staus.“ Sie hoffte, dass er sie nicht direkt fragen würde, warum sie hier war. „Zum Glück kam ich an, bevor der Sturm richtig losbrach.“

„Ja, so ein Unwetter hatten wir lange nicht mehr. Hier entlang geht es zur Cafeteria.“

Olivia folgte ihm schweigend. Sie spürte immer noch seine Hand auf ihrem Rücken, mit der er sie nach dem Aussteigen aus dem Fahrstuhl sanft in die richtige Richtung geschoben hatte. Ein Kribbeln war über ihren Körper gelaufen – und sie hatte sich daran erinnert, wie diese Hände ihren Körper gestreichelt hatten …

„Wir sind da.“

Sebastian öffnete die Tür und ließ Olivia eintreten. Schnell löste sie sich von ihm. Ihr Puls hatte sich beschleunigt, und sie fühlte das Blut in ihren Adern pochen. Es war lange her, dass sie solche Gefühle verspürt hatte – und noch länger, seit sie zuletzt miteinander geschlafen hatten. Sie empfand es als Ironie des Schicksals, dass ihr ausgerechnet hier und jetzt bewusst wurde, wie wundervoll und aufregend der Sex mit ihm immer gewesen war.

„Was möchtest du essen und trinken?“, fragte Sebastian, nachdem er sie zu einem Tisch in einer Ecke geführt hatte. Das gab ihnen die Möglichkeit, sich ungestört zu unterhalten.

„Nur einen Kaffee, bitte.“

„Ist das dein Ernst?“ Er lächelte sie an. Hoffentlich merkte sie nicht, wie sehr ihn die ganze Situation mitnahm. Er wollte auf keinen Fall mit ihr über die Scheidung reden. Obwohl er sich bewusst war, wie weit sie sich in den vergangenen sechs Monaten voneinander entfernt hatten, hatte er immer gehofft, es würde noch möglich sein, alle Probleme zu lösen. Eine Möglichkeit wäre aus seiner Sicht gewesen, dass Olivia sich doch noch entschließen könnte, in den Norden zu kommen.

Das war eine Fehleinschätzung gewesen. Er hätte nicht zulassen dürfen, dass sie sich immer mehr entfremdeten. Aber unglücklicherweise hatte er seinen Stolz nicht überwinden können.

„Wie wäre es mit einem Sandwich zum Kaffee?“ Sein Lächeln erschien ihm selbst etwas aufgesetzt. „Es wird noch eine lange Nacht. Und wenn du wirklich bei uns bleiben und uns helfen willst, solltest du dich stärken.“

„Natürlich will ich euch helfen“, sagte Olivia scharf. „Oder spricht irgendetwas dagegen?“

„Gar nichts.“ Sebastian streckte entschuldigend die Hände aus.

Sie seufzte. „Tut mir leid, ich war wohl etwas schnippisch. Aber ich wollte eigentlich …“ Sie unterbrach sich. Das war wohl nicht der richtige Moment, um auf die Scheidung zu sprechen zu kommen.

Sebastian drehte sich um und ging zum Tresen. „Ich bringe dir ein Sandwich mit. Dann kannst du dir ja immer noch überlegen, ob du es essen willst oder nicht.“

Er seufzte tief, als er sich an das Ende der Schlange stellte, und kam sich wie ein Feigling vor, der alles daransetzte, der unangenehmen Wahrheit aus dem Weg zu gehen. Olivia wollte die Scheidung – und er hatte kaum ein Argument dagegen.

Er wählte ein Schinkensandwich für Olivia und für sich selbst ein Stück Fleischpastete. Außerdem bestellte er zwei große Tassen Kaffee. Es war gerade Schichtwechsel, und die Cafeteria war brechend voll. Die meisten Mitarbeiter im Grace-Darling-Krankenhaus waren ihm zumindest vom Sehen bekannt. Und die meisten von ihnen hatten gerüchteweise mitbekommen, was mit seiner Ehe los war.

Als er zum Tisch zurückkam und das Tablett abstellte, fragte er sich, ob die Sympathien seiner Kollegen mehr bei ihm oder bei Olivia lagen, wenn sie wüssten, wie es zwischen ihnen wirklich stand.

Er war sich nicht sicher, wessen Partei die Leute ergreifen würden. Und er fragte sich inzwischen selbst, ob seine Entscheidung damals richtig gewesen war.
Freitag, 20.00 Uhr

Olivia öffnete die Tür zum Behandlungszimmer. „Bereitet euch vor, es wird ein neuer Patient hereingebracht.“

Sie trat zur Seite, um die Sanitäter mit der Liege vorbeizulassen. Dann ging sie nach draußen zu dem zweiten Rettungswagen, der gerade angekommen war, und warf einen Blick hinein. Bis jetzt waren mehr als dreißig Verletzte eingeliefert worden. Und ein Ende war nicht abzusehen.

Das Feuer auf dem Tanker und der Bohrplattform hatte zahlreiche Verletzte gefordert. Sie waren mit Rettungshubschraubern oder mit Fischerbooten an Land gebracht worden. Nach der Pause in der Cafeteria hatte Olivia die Aufgabe übernommen, die eingelieferten Verletzten am Eingang zu empfangen und in die schweren Fälle, die umgehende Behandlung erforderten, und die etwas leichteren Fälle einzuteilen.

Nach einem Blick auf den Verletzten in dem zuletzt angekommen Wagen nickte sie den Sanitätern zu und gab ihnen einen Wink, sich zu beeilen. „Bringen Sie ihn sofort hinein. Sagen Sie bei der Aufnahme, es handle sich um Dringlichkeitsstufe drei.“

„Heißt das, Frau Doktor, dass ich warten muss?“, fragte der Patient unruhig. Trotz seiner verbrannten Hände brachte er es fertig zu grinsen. „Die Tragik meines Lebens: Ich komme immer als Letzter dran.“

Olivia musste lachen. „Das gilt dieses Mal nicht. Sie werden nicht lange warten müssen, bis die Ärzte sich um Sie kümmern.“

„Dann kann ich mich nicht beschweren“, sagte der Verletzte. „Ich habe einen Blick auf mehrere meiner verletzten Kameraden geworfen. Die müssen dringender versorgt werden als ich.“

„Sie haben viel Verständnis, alle Achtung.“ Olivia legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ich verspreche Ihnen, wir tun alles, was wir nur können.“

„Das weiß ich.“ Der Mann lächelte die Sanitäter aufmunternd an. „Okay, Jungs. Es kann losgehen.“

Olivia kletterte nachdenklich aus dem Rettungswagen. Der Mut und die Tapferkeit, die viele Patienten bewiesen hatten, hatte sie sehr bewegt. Immer wieder hatten Verletzte berichtet, sie hätten nur überlebt, weil ein Arbeitskollege ihnen selbstlos geholfen hätte.

„Nun, wie läuft es hier draußen?“

Sie fuhr herum, als sie Sebastians Stimme hinter sich hörte. Seit sie aus der Cafeteria zurück war, hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Sie war aber auch so beschäftigt gewesen, dass sie kaum an ihn gedacht hatte.

„Ganz gut bisher.“ Sie ging zu ihm und schlug die Kapuze des gelben Regenumhangs zurück.

„Du siehst aus, als ob du frierst“, sagte Sebastian besorgt. „Soll dich mal jemand hier draußen ablösen? Ich könnte Jayne schicken, dann kannst du dich drinnen etwas aufwärmen.“

„Nein, nein, das ist nicht nötig. Der Regenumhang ist ein prima Schutz.“

„Ich erinnere mich, dass du Regen nie besonders gemocht hast. Weißt du noch, wie wir dieses Ferienhaus in Wales gemietet hatten und es eine ganze Woche ununterbrochen regnete?“ Er streckte die Hand aus und fuhr mit dem Finger über ihre nasse Wange.

„Oh ja. Das war wirklich ein abscheuliches Wetter.“ Olivia hoffte, er würde nicht bemerken, dass ihre Stimme leicht zitterte. Seinen Finger auf ihrer Haut zu fühlen, beunruhigte sie. Sie fühlte, wie ein erwartungsvoller Schauer über ihren ganzen Körper lief.

„Ich hätte nie gedacht, dass es so intensiv regnen könnte, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte“, lachte er. „Aber wir hatten auch unseren Spaß in dem verregneten Urlaub.“

„Ich erinnere mich nur an den Dauerregen.“

Olivia trat einen Schritt zurück und wischte sich die letzten Tropfen vom Gesicht, denn sie wollte vermeiden, dass Sebastian sie noch einmal berührte – sie hatte zu heftig auf seine Berührung reagiert.

Sie räusperte sich, um ihre Kehle freizubekommen, aber sie schaffte es nicht, ihre körperliche Reaktion auf ihn und die Erinnerung an vergangene Zeiten ganz zu verdrängen.

Er hatte recht – die verregneten Urlaubstage waren in Wirklichkeit sehr erträglich gewesen. Endlich hatten sie nach langen, harten, arbeitsreichen Wochen Zeit für sich selbst gehabt – und sie hatten sie genossen.

Tränen traten ihr in die Augen, als sie daran dachte, wie Sebastian und sie vor dem lodernden Kaminfeuer gesessen und sich Kekse und Tee hatten schmecken lassen. Sie hatten damals weder teure Mahlzeiten noch exotische Urlaubserlebnisse gebraucht, um glücklich zu sein. Sie waren schon glücklich, solange sie nur zusammen waren. Was für eine Schande, dass sie das anscheinend beide vergessen hatten.

„Willst du weiter hier draußen bleiben? Oder soll ich Jayne herschicken?“

„Ich bleibe noch hier draußen.“

Olivia drehte sich um, bevor er noch etwas sagen konnte. Es hatte keinen Zweck, an die alten Zeiten zu denken, das würde alles für sie beide noch schlimmer machen. Das war Vergangenheit.

Trotzdem beunruhigte es sie, dass sie gegen Sebastians Nähe alles andere als immun war. Eine leichte Berührung von ihm hatte ausgereicht, um sie zu erregen.

Ihr Gesicht war rot, als sie zu dem Rettungswagen eilte, der gerade angekommen war.

Die Sanitäter begrüßten sie freundlich und mit einem aufmunternden Lächeln. Sie schienen nichts dabei zu finden, dass sie eine Fremde war. In dieser Notsituation machte sich keiner darüber Gedanken. Ihnen war es egal, dass sie Sebastian Bridges Frau war und hergekommen war, um von ihrem Mann die Scheidung zu verlangen. Sie hatten nur ein Interesse: die Verletzten so schnell wie möglich in der Obhut der Ärzte zu wissen.

Olivia holte tief Atem und straffte die Schultern. Sie würde es genauso machen – und diese Nacht ganz professionell hinter sich bringen. Und dann würde sie Klarheit schaffen und ihr Leben endgültig in die eigenen Hände nehmen.

Sebastian ging zurück zum Behandlungsraum. Er warf einen Blick auf die Röntgenaufnahmen der zuletzt eingelieferten Verletzten. Der Patient, der auf ihn wartete, hieß Brian Johnston und hatte eine ganze Reihe von Brüchen – beide Oberschenkel, eine Hüfte und mehrere Rippen waren gebrochen.

Sebastian begann, den Verletzten zu versorgen, und versuchte, nicht mehr daran zu denken, wie Olivia auf seine Berührung reagiert hatte. Er verdrängte auch die Erinnerung an den verregneten, aber wunderbaren Urlaub in Wales. Sein Patient brauchte jetzt seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

„Wie ist sein Blutdruck?“

„Nicht sehr gut“, sagte Cathy nach einem Blick auf den Monitor.

Sebastian schaute selbst auf die Anzeige. Der Blutdruck des Mannes war im freien Fall. „Sieht so aus, als ob er innere Blutungen hat. Hast du schon mit den Chirurgen gesprochen?“

„Ja. Aber alle Operationssäle sind zurzeit belegt. Sie hoffen, dass sie unseren Patienten in ungefähr zwanzig Minuten übernehmen können.“

„Er hält keine zwanzig Minuten mehr durch. Gib ihm eine weitere Konserve Blutplasma. Ich sehe mir noch einmal die Röntgenaufnahmen an. Vielleicht kann ich feststellen, wo die Blutung ihren Ursprung hat.“

Sebastian ging zu dem Monitor, auf dem die Röntgenbilder abgebildet wurden. Aufmerksam betrachtete er den Unterleib des Patienten. War da in der Gegend des Schambeins nicht ein dunklerer Schatten zu sehen?

„Sieh dir das auch mal an, Ben“, forderte er den Röntgenarzt auf. „Was hältst du von dem Schatten hier?“

„Könnte eine Blutung anzeigen. Muss ich mir näher ansehen.“

„Tu das.“ Sebastian schlug ihm aufmunternd auf die Schulter und ging wieder zu dem Patienten. Marilyn hatte gerade ihren letzten Patienten den Krankenpflegern übergeben. „Warte mal, ich brauche wahrscheinlich deine Hilfe.“

„Dein Wunsch ist mir Befehl, Häuptling“, sagte sie und verdrehte die Augen.

„Nur nicht übertreiben“, meinte Sebastian. „Ich weiß doch, dass du es keinem Mann so leicht machen würdest.“

„Schade, nicht?“, grinste sie frech. Zu seiner Überraschung entdeckte er leichte Enttäuschung in ihren Augen. „Ich dachte nur, es würde dich ein bisschen aufmuntern.“

„Und warum wolltest du mich aufmuntern?“

„Weil du schon den ganzen Tag ziemlich niedergeschlagen wirkst.“ Marilyn zog sich eine frische Schutzhaube über die Haare. Dann sah sie Sebastian neugierig an. „Hast du gewusst, dass deine Frau dich besuchen würde?“, fragte sie ganz unschuldig.

Sebastian verstand sofort, worauf sie hinauswollte. Er wusste, dass Olivias unerwartete Ankunft zu Verwunderung und Diskussionen in seinem Team geführt hatte. Aber obwohl er ein sehr enges Verhältnis zu seinen Mitarbeitern hatte, würde er nicht sein Privatleben mit ihnen diskutieren. Erst wenn alles zu Ende war, die Scheidung in die Wege geleitet und das Ende ihrer Ehe unausweichlich, würde er bereit sein, darüber zu sprechen, um mit allen Gerüchten Schluss zu machen.

„Nein, es war eine absolute Überraschung“, sagte er kurz angebunden.

„Ich nehme an, eine angenehme.“ So leicht gab Marilyn nicht auf. Sie öffnete eine sterile Packung mit OP-Instrumenten und breitete sie auf einem Rollwagen aus.

„Ich freue mich immer, Olivia zu sehen. Leider geschieht das viel zu selten.“ Er wollte nicht weiter mit Marilyn darüber reden. Sie war viel zu clever, als dass sie irgendwelche Ausflüchte nicht sofort durchschaut hätte.

Der Zeitpunkt würde kommen, an dem er den Mitarbeitern reinen Wein einschenken musste. Später. Noch konnte er vorgeben, alles sei in Ordnung, und er stünde nicht vor der schwersten Situation seines Lebens.

Er konnte sich immer noch eine gemeinsame Zukunft mit Olivia vorstellen. Am liebsten hätte er sich eingeredet, seine Frau sei zu ihm gekommen, weil sie bei ihm sein wollte und es vor Einsamkeit nicht aushielt.

Resigniert atmete er durch. Wenn diese Nacht erst einmal überstanden war, musste er den Tatsachen ins Auge sehen und zu einem Entschluss kommen.

4. KAPITEL

Freitag, 21.00 Uhr

„Dr. Bridges ist im Behandlungsraum. Kann er Sie zurückrufen?“

Olivia war gerade an seinem Büro vorbeigekommen, als das Telefon läutete. Sie hob ab. Der Strom der eingelieferten Verletzten hatte in den letzten Stunden nicht enden wollen. In der Notfallstation sah es aus, als ob Krieg herrschte. Verletzte lagen auf Liegen oder hockten in Rollstühlen. Seit sie von draußen hereingekommen war, hatte sie im Behandlungsraum geholfen, so gut sie konnte. Sie hatte Wunden vernäht, Brandverletzungen verbunden und sich in jeder Beziehung nützlich gemacht.

Als der Anrufer weitersprach, war Olivia höchst alarmiert. „Können Sie einen Moment warten? Ich versuche, Dr. Bridges ans Telefon zu rufen.“

Sie eilte aus dem Büro in den Behandlungsraum. Es tat ihr weh zu sehen, wie erschöpft und müde Sebastian aussah. Er hatte dunkle Schatten unter den Augen, und um seine Mundwinkel hatten sich tiefe Linien eingegraben. Lag das an der vielen Arbeit – oder daran, dass er wusste, warum sie hergekommen war?

„Probleme?“, fragte er, als er Olivia auf sich zukommen sah.

„Sieht so aus. Die Küstenwache ist am Telefon. Sie sagen, dass der Kapitän des Tankers seine Frau und seinen Sohn mit an Bord hatte. Eines der Fischerboote hat die beiden an Bord genommen, aber dann machte ein Motorschaden das Boot manövrierunfähig. Es liegt jetzt vor Anker, und der Fischer versucht, den Motor wieder in Gang zu bringen. Er hat über Funk durchgegeben, dass der Junge krank ist. Der Fischer meint, es sei der Blinddarm.“

„Kann denn kein anderes Boot den Jungen an Land bringen?“

„Nein, alle Boote sind unterwegs, um die Verletzten von der Plattform zu holen. Die Küstenwache befürchtet, dass die Hubschrauber nicht mehr lange fliegen können, weil das zu gefährlich wird. Der Sturm ist noch stärker geworden, und die Wellen gehen sehr hoch.“

„Zum Teufel auch, was können wir tun?“ Sebastian rieb sich nachdenklich das Gesicht.

Olivia wusste, dass er verzweifelt nach einem Ausweg suchte. Sie war nicht überrascht, als er plötzlich zur Tür eilte. Wenn jemand aus dieser verfahrenen Situation einen Ausweg findet, dann Sebastian, dachte sie stolz.

„Ich rede mit dem Mann am Telefon. Mal sehen, ob uns nicht etwas einfällt!“

Olivia lief hinter ihm her. Sie wusste, es war nicht gut für sie, so stolz auf ihn zu sein und ihn zu bewundern. Aber sie war gegen das Gefühl machtlos. So war es immer gewesen. Wenn es darum ging, jemandem zu helfen, scheute Sebastian keine Anstrengung und kein Risiko. Wenn sie sich am Anfang körperlich stark von ihm angezogen gefühlt hatte, so war bald die Hochachtung vor seinem Charakter dazugekommen. Sie hatte beide Seiten an ihm geliebt – und tat es immer noch.

„Glaubst du, es ist irgendwie möglich, eine direkte Verbindung mit dem Fischkutter herzustellen? Ich muss mir dringend selbst ein Bild machen, wie es dem Jungen geht.“ Sebastian schob Olivia in sein Büro, als sie vor der Tür zögerte. Er schaltete das Telefon auf Lautsprecher, damit Olivia mithören konnte.

Sie setzte sich in den Stuhl vor seinem Schreibtisch und verschränkte die Hände in ihrem Schoß. Sebastian musste ja nicht unbedingt mitbekommen, dass sie zitterte. Sie zwang sich, ihre eigenen Probleme zu verdrängen, denn sie musste sich auf die Aufgaben konzentrieren, die in dieser Nacht auf sie warteten – und auf die Nöte anderer Menschen.

„Ich heiße Sebastian Bridges und bin der leitende Arzt der Notfallabteilung des Grace-Darling-Hospitals. Spreche ich mit dem Kapitän der Küstenwache?“ Als der Mann am anderen Ende der Leitung das bestätigt hatte, kam Sebastian gleich zur Sache. „Guten Abend, Captain. Können Sie mich auf den neuesten Stand bringen? Wie geht es dem Jungen?“

Olivia beugte sich vor, um besser zu verstehen, was der Chef der Küstenwache sagte. Die Verbindung war sehr schlecht, und die Stimme des Mannes wurde manchmal ganz leise. Aber sie bekam so viel mit, dass es dem Jungen nicht gut ging. Sie betrachtete Sebastian und merkte, dass er sehr besorgt war.

„Wie lange ist es her, dass der Junge nicht mehr über akute Schmerzen geklagt hat?“

Er schüttelte grimmig den Kopf, als er erfuhr, dass es jetzt ungefähr eine Stunde her war. „Das gefällt mir überhaupt nicht. Es hört sich nach einem Blinddarmdurchbruch an. Der Junge muss sehr dringend operiert werden. Haben Sie eine Vorstellung, Captain, wann der Motor des Fischkutters wieder funktioniert?“

Olivia hielt den Atem an. Die Antwort des Leiters der Küstenwache konnte für den Jungen Leben oder Tod bedeuten. Bei Blinddarmdurchbruch bestand für den Jungen unmittelbare Lebensgefahr. Wenn sich der Eiter aus dem Blinddarm erst einmal in die Bauchhöhle ergossen hatte, würde es sehr bald zu einer Bauchfellentzündung kommen, die meist tödlich endete. Sie erschrak, als der Captain sagte, es würde wahrscheinlich noch mehrere Stunden dauern, bevor der Kutter seine Fahrt fortsetzen konnte.

„So lange kann der Junge nicht warten“, sagte Sebastian.

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