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John Sinclair - Folge 1887

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Wenn dich die Hexe holt …
  4. Vorschau

Wenn dich die Hexe holt …

von Christian Schwarz

Wales, 1481

»Vater unser im Himmel …«, betete der Hexenjäger laut und umklammerte dabei sein Silberkreuz.

Die auf dem Rücken liegende Hexe schrie grässlich auf und wand sich verzweifelt unter dem bannenden Amulett auf ihrer Brust. »Ich verfluche dich, Dylan Powis!«, zischte sie. »Mitsamt der Brut derer von Coringham!«

»Fahr zur Hölle, Shyleen«, murmelte der hochgewachsene Mann. »Und nun zieht die Mauer hoch!«

Zwei Stunden später war das Werk getan, die Nische war vollkommen zugemauert. Dylan Powis lauschte den langsam schwächer werdenden Schreien und Flüchen der Hexe und betete.

Bei Einbruch der Dämmerung verstummten die Schreie schließlich völlig, und eine beängstigende Stille umgab den Hexenjäger …

Wales, Gegenwart

Routiniert betätigte der Mann die Hebel seines Baggers. Mit einem gekonnten Schaufelschlag zertrümmerte er die Mauer, die vor ihm aufragte.

Zehn Minuten noch, dann ist Schluss für heute, dachte Willie. Er freute sich bereits auf das Bier in seinem Lieblingspub Zum gebrechlichen Waliser. Schon seit einer Stunde bastelte er an der Geschichte, die er seinen Kumpels heute auftischen würde. Wie ihn eine unbekannte Fremde an der Bushaltestelle angesprochen und ihn einfach zu sich in die Wohnung eingeladen hatte, weil sie ihn so extrem scharf fand. Und wie es dann abgegangen war.

Dass nicht mal ein Körnchen Wahrheit in der Geschichte steckte, störte Willie nicht. Wenn in seinem Leben schon nichts Aufregendes passierte, musste er seinen Freunden eben wilde Geschichten verkaufen. Manche glaubten sie, manche nicht. Es war ihm egal. Hauptsache, er hatte etwas zu erzählen, das ihn interessant machte.

Plötzlich wurden seine Augen groß. Einen Moment lang starrte er entsetzt in die Trümmer vor sich. Dann beugte er sich aus dem Fenster.

»Joe, komm her, aber sofort!«, schrie er mit fast kreischender Stimme über den weiten Innenhof von Coringham Castle hinweg.

Joe, der Vorarbeiter, kam umgehend angelaufen. Der panische Unterton des Rufs machte ihm Beine. Andere Arbeiter schlossen sich an.

»Und?«, fragte Joe ein wenig außer Atem, als er neben dem Bagger stand.

Der Erfinder wilder Liebesgeschichten deutete stumm auf das neu entstandene Trümmerfeld.

»Ach du Sch …«, entfuhr es Joe, der nicht weniger entsetzt war als sein Baggerfahrer. »Rührt mir hier bloß nichts an, ich informiere sofort Sir Henry.« Eiligen Schritts ging er zum Hauptgebäude des Schlosses hinüber.

Währenddessen schlugen ein paar der Arbeiter verstohlen das Kreuz, Willie murmelte sogar ein kurzes Gebet. Dann freute er sich umso mehr auf den Pub. Vergessen war die erdichtete Fremde. Jetzt hatte er eine, die ganz real war. Und er hatte sie gefunden.

Mit dieser absoluten Hammergeschichte war er der King, das war völlig klar. Und das sicher auch noch nächste Woche. Na, wenn das kein Glück war!

Willie stieg vom Bagger und näherte sich dem Trümmerfeld.

»Bleib bloß weg, du hast gehört, was Joe gesagt hat«, versuchte ihn der Maurer Glen zurückzuhalten.

Willie grunzte und tat zwei weitere Schritte. Niemand würde ihn daran hindern, sich die Sensation aus der Nähe zu betrachten. Und zwar als Erster.

»Ich soll die nicht anrühren«, sagte er. »Das mache ich auch nicht. Dass ich nicht fotografieren darf, hat Joe nicht gesagt. Oder hast du da was gehört?«

»Nein.«

»Na also.« Willie kramte sein Mobiltelefon aus der Tasche und hielt ein paar Mal drauf.

***

Zehn Minuten später waren die Bewohner von Coringham Castle um die Fundstelle versammelt.

Patricia, einzige Tochter von Sir Henry und Lady Mabel Coringham, war am nächsten dran. »Weiß jemand, wer das ist?«, fragte sie ratlos.

Die vierundzwanzigjährige Schlosserbin, die so hübsch war, dass sie auf die Titelblätter diverser Modezeitschriften gepasst hätte, spürte Schauder am ganzen Körper, obwohl es Hochsommer war und die Sonne heiß vom Himmel brannte.

Direkt hinter ihr stand Peter Bale, ihr Verlobter. Er hatte die Arme um sie gelegt und drückte sie fest an sich. Das machte die Sache wenigstens ein bisschen besser, weil Peter stark war und sie sich bei ihm behütet fühlte.

»Keine Ahnung«, erwiderte Sir Henry, der neben seiner Frau stand. »Man kann ja auch kaum was erkennen.«

»Deswegen werden wir das jetzt mal ändern«, sagte Peter und ließ Patricia los. Entschlossen trat er in den Trümmerhaufen.

Momentan waren von der mumifizierten Leiche nur der Kopf, ein Teil der Brust und das linke Bein zu sehen. Peter bückte sich und warf die Steinbrocken beiseite, die die Leiche bedeckten. Stumm, in fast ehrfürchtiger Andacht, sahen die anderen zu.

Nur Patricia und der Baggerfahrer, der die Leiche ausgebuddelt hatte, wechselten den Standort, um besser sehen zu können.

Die junge Lady konnte normalerweise nichts so leicht schockieren. Jetzt schlug sie unwillkürlich die Hand vor den Mund. »Gott sei uns gnädig«, entfuhr es ihr, als die Leiche vollständig frei lag.

Auch Peter Bale atmete scharf ein. Und Lady Mabel tat es den Bauarbeitern gleich. Sie schlug unablässig das Kreuz.

»Lass das!«, fuhr Sir Henry sie schließlich entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten an. Auch er war sichtbar geschockt.

Die Leiche bot einen grauenhaften Anblick. Sie lag auf dem Rücken. Der Körper, der in altertümlichen Frauenkleidern steckte, war grotesk verrenkt. Arme und Beine standen in Winkeln ab, die normalerweise unmöglich waren.

Dass die Tote unter fürchterlichsten Qualen gestorben sein musste, zeigte auch der weit aufgerissene Mund in einem eingefallenen Gesicht, das wie schrumpeliges, graues Pergament wirkte und deswegen keine Gesichtszüge mehr erahnen ließ. Das Schrecklichste aber waren die noch erhaltenen, riesengroß wirkenden Augen, die derart nach innen verdreht waren, dass von den Pupillen nichts mehr zu sehen war.

»Was ist das da auf der Brust?«, fragte Peter Bale plötzlich und ging in die Knie.

Patricia überraschte das nicht, sie kannte doch ihren Verlobten. Seit fünf Jahren. Nach Abklingen des ersten Schreckens erwachte nun seine journalistische Neugier. Er war nicht umsonst eine der besten Spürnasen des Newport Chronicle.

»Ja, was ist das?«, fragte nun auch sie. Ihr war das auch schon aufgefallen.

»Hm, scheint sich um eine Art Amulett zu handeln«, erwiderte Sir Henry mit Blick auf das annähernd runde Stück, das doppelt handgroß war und wie pergamentenes Leder aussah. »Nicht berühren«, wies er seinen zukünftigen Schwiegersohn zurecht, der nach dem Lederstück tasten wollte.

Peter Bales Hände zuckten wieder zurück. »Schon gut«, murmelte er und beschränkte sich aufs Schauen. »Du hast recht, Henry, auch wenn man sagen könnte, dass ich hier schon so viel berührt habe, dass es darauf jetzt auch nicht mehr ankommt.« Er grinste. »Das ist ein Amulett mit seltsamen Zeichen drauf. So eine Art Glyphen. Ich würde sagen, das sind magische Zeichen.«

»Vielleicht sind es Bannzeichen«, spekulierte Patricia und genoss zunächst das gruselige Gefühl, das sich in ihr ausbreitete. »Vielleicht ist das ja die Hexe, von der der ›Hexenflügel‹ seinen Namen hat?«

»Papperlapapp«, widersprach ihr Vater wenig charmant. »Wir werden schon herausfinden, wer dieses arme Wesen da einst war. Na ja, vielleicht ist es ja tatsächlich als Hexe verfolgt und getötet worden, ohne natürlich wirklich eine zu sein. Jetzt lassen wir aber erst mal alles so, wie es ist. Ich werde die Polizei rufen. Dass mir ja keiner die Tote anrührt.«

»Ja, ja«, murrte Patricia. Ein Gedanke faszinierte sie und ließ sie nicht mehr los: Was, wenn die Tote tatsächlich eine richtige Hexe war?

Sie ging ein gutes Stück zurück, bis sie den Seitentrakt von Coringham Castle ganz überblicken konnte. Dieses Nebengebäude, in das man die Tote eingemauert hatte, hieß seit Menschengedenken nur der Hexenflügel. Heute wusste niemand mehr, warum.

Es entsprach aber den Tatsachen, dass der Hexenflügel seit Jahrhunderten nicht mehr bewohnt war. Warum hatte man dieses wunderhübsche Gebäude nicht genutzt? Das war eigentlich nicht nachzuvollziehen. War es etwa verflucht?

Patricias Fantasie begann, Kapriolen zu schlagen. Bisher hatte sie sich nie tiefer gehende Gedanken über den Namen des Gebäudes gemacht. Es hieß eben so, fertig. Jetzt aber war ihr ein wenig mulmig zumute. Die Bauarbeiter waren nämlich dabei, eben diesen Hexenflügel umzubauen und wieder bewohnbar zu machen. Denn Patricia hatte es sich romantisch vorgestellt, nach ihrer Hochzeit mit Peter in diesem Gebäudeteil zu leben. Sie hatte den Hexenflügel immer gemocht und oft darin gespielt. Angst hatte sie nie davor gehabt – jetzt allerdings schon ein bisschen, wenn sie ehrlich war. Ein heiliges Grauen überkam sie.

»Ach Quatsch«, murmelte sie unwillig, schüttelte den Kopf, als könne sie dadurch die seltsamen Gedanken loswerden.

»Feierabend für heute, Leute!«, rief der Vorarbeiter, der noch kurz mit ihrem Dad geredet hatte, und klatschte in die Hände. »Solange die Polizei hier nicht alles umgedreht hat, können wir sowieso nichts mehr tun.«

Die Versammlung um den grausigen Fundort löste sich auf, auch wenn Patricia den Eindruck hatte, dass manche der Bauarbeiter nur widerwillig gingen. Ihr Dad begab sich etwas abseits, wählte auf seinem Mobiltelefon den Notruf und drückte es dann ans Ohr.

Peter machte einige Fotos. Dann stieg er aus den Trümmern und kam zu ihr herüber. Er nahm sie bei der Hand. »An was denkst du gerade?«

»Ach, an nichts Besonderes«, wich Patricia aus.

»Immer noch an deine Hexentheorie?«

»Nein, das war nur so ein spontaner Gedanke.«

»Dann ist es ja gut, Darling. Es gibt keine Hexen, Dämonen und Gespenster. Nicht mal in walisischen Burgen und Schlössern.«

»Ja, ich weiß.« Sie lächelte ihn an. »Ich wohne hier jetzt seit achthundert Jahren und bin noch keinem Gespenst begegnet.«

Er kicherte. »Das schätze ich so an dir. Du bist um Längen witziger als dein Vater. Manchmal kann ich es kaum glauben, dass du seine Tochter sein sollst, so verschieden seid ihr in Sachen Humor. Na ja, auf jeden Fall ist das eine top Story für den Chronicle. Ich werde sie umgehend schreiben und mitsamt den Fotos in die Redaktion schicken. Das wird morgen die Sensation sein.«

»Ja.« Patricia schaute hinüber. Nur ihre Mutter stand jetzt noch ganz in der Nähe der Mumie. Zusammen mit der alten Cynthia Rush, die wohl durch den Menschenauflauf angelockt worden war.

Cynthia sah selbst ein bisschen wie eine Hexe aus. Sie war als wundersames Kräuterweiblein verschrien und lebte ansonsten total zurückgezogen in dem kleinen gelben Haus im Park. Als Kind war Patricia noch öfter bei Cynthia gewesen. Sie hatte die Kräuterfrau immer sehr gemocht, weil sie so geheimnisvolle Geschichten erzählen konnte.

Mit zunehmendem Alter hatte sich die Freundschaft aber verflüchtigt. Leider, wie Patricia meinte. »Komm, wir sagen Cynthia Guten Tag. So oft sehe ich sie ja nicht mehr.«

In diesem Moment fing Lady Mabel plötzlich aufgeregt zu gestikulieren an und zeigte auf die Tote.

»Was hat Mum denn auf einmal?«, fragte Patricia erstaunt.

»Gehen wir hin, dann wissen wir’s.«

Sie gingen raschen Schrittes hinüber. Gleichzeitig mit Sir Henry trafen sie bei ihr ein.

»Da schaut, das Amulett ist plötzlich weg«, sagte Lady Mabel und sah sich dabei um, als würde es irgendwo in den Bäumen hängen.

»Tatsächlich«, entfuhr es Patricia. Ungläubig bückte sie sich zu der Toten hinunter und sah links und rechts nach, ob es vielleicht hinuntergerutscht war, doch sie fand nichts.

Patricia fing an zu frösteln. Sie kreuzte die Arme vor der Brust und presste sie an ihre Schultern. »Es wird plötzlich so kühl, findet ihr nicht auch?«, fragte sie und blickte erstaunt zur Sonne hoch, die zwar schon tiefer stand, aber immer noch weite Teile des Schlosshofes beschien.

»Ja, tatsächlich«, murmelte Peter. Er rieb seine nackten Arme, die plötzlich von Gänsehaut überzogen waren. »Das ist ja seltsam.«

Patricia pflichtete ihm gedanklich bei. Zumal sie plötzlich auch noch von einer nicht zu beschreibenden Furcht gepackt wurde. Diese Kälte, sie hatte nichts mit dem Wetter zu tun, das spürte sie tief in ihrer Seele. Es war, als ob sie direkt aus der Hölle käme. Ein grauenhafteres Gefühl hatte sie nie zuvor erlebt.

Patricia keuchte, sie wollte schreien, um sich schlagen, wegrennen. Schlagartig ebbte die Panik aber wieder ab, die Sonne bestimmte wieder die Temperatur.

Patricia sah sich vorsichtig um. Auch die Umstehenden hatten bleiche Gesichter. »Habt ihr das eben auch gespürt?«, murmelte sie.

»Was meinst du?«, fragte ihre Mutter zurück.

»Ach, nichts.«

»Dann ist es ja gut. Komm, Henry, wir gehen ins Haus zurück. Keiner hält mich hier mehr.« Sie zog ihren Mann mit sich.

Patricia hatte in diesem Moment das ungute Gefühl, von Cynthia besonders intensiv angestarrt zu werden. Als sie deren Blick erwiderte, schlug die alte Kräuterfrau ihren nieder, murmelte etwas Unverständliches und ging weg.

»Cynthia, warte!«

Die ließ sich nicht aufhalten und tat, als höre sie nichts.

Patricia zuckte mit den Schultern. Sie war sicher, dass alle Anwesenden das Seltsame, Unerklärliche auf ähnliche Weise wie sie selbst gespürt hatten. Aber keiner wollte darüber reden. Auch Peter nicht, denn er zog ihre erneute Nachfrage ins Lächerliche. Verstört gingen sie alle ihrer Wege.

Das verschwundene Amulett tauchte nicht wieder auf.

***

Es war früher Nachmittag, als Peter Bale den Hengst Offa’s Dyke von der Wiese holte und sattelte. Er wollte einen langen Ritt mit ihm unternehmen. Bale war ein begeisterter Reiter, seit er vier Jahre alt war und nutzte auch heute noch jede Gelegenheit dazu. Seit er Patricia kennengelernt hatte und auf Coringham Castle ein- und ausging, konnte er quasi vierundzwanzig Stunden am Tag über die Reitpferde verfügen.

Bale musste seinen Frust loswerden, der ihn noch immer plagte. Die Kamera war doch in Ordnung. Wie also hatte das passieren können? Er lenkte den Hengst über die grünen Hügel zum Strand hinunter.

Die Sonne schien warm und veranstaltete wunderbare Lichtspiele auf der Carmarthen Bay, die sich breit und tief blau vor ihm erstreckte. Weit draußen zog ein großes Schiff seine einsame Bahn. Ein leichter, nach Meersalz riechender Wind wehte. Schreiende Möwen nutzten ihn als Spielplatz zum Segeln. Alles war so hell, ruhig und friedlich.

Und doch … Seit dem Skelettfund war irgendetwas anders auf Coringham Castle, das spürte Bale genau. Es war, als ob sich das Böse dort schleichend ausbreitete und immer mehr Besitz von den alten Gemäuern ergriff.

Der Journalist atmete tief durch. »Hey hey!«, rief Bale und drückte dem Hengst die Stiefelabsätze in die Flanken.

Offa’s Dyke schnaubte und galoppierte an. Bale beugte sich tief über den Pferdehals, während der Hengst langsam auf Touren kam.

Er wurde immer schneller, der feine Sand unter seinen Hufen spritzte nach allen Seiten weg. Gut einen Kilometer ging es so im gestreckten Galopp. Bale war längst abgelenkt. Er genoss das Trommeln der Hufe, das im Sand seltsam dumpf klang, und das rhythmische Schnauben des Hengstes. Das machte Spaß!

Oben, auf den grünen Hügeln, die hier sanft zum Strand abfielen, nahm er plötzlich eine Person wahr, die zu ihm herunterblickte. Ein Mann.

Sir Henry.

Sein künftiger Schwiegervater war öfters hier in den Hügeln unterwegs, um Fossilien zu suchen. Das war sein liebstes Hobby, er hatte auch schon Einiges gefunden, sogar auf zwei verzweigte Felshöhlen war er gestoßen. Sir Henry winkte ihm zu, er winkte zurück.

Von einem Moment zum anderen signalisierte Bales siebter Sinn, dass etwas nicht stimmte. Sein Nacken zog sich schmerzhaft zusammen.

Gefahr!

Sie kam aus dem Nichts. Ein krächzender Laut löste sich aus Bales Kehle. Er spürte übergangslos den Druck eines zweiten Körpers an Rücken und Gesäß. Zwei Arme in altertümlichen Lederkleidern fuhren an seinen Hüften vorbei und legten sich auf seine Brust. Sofort entstand ein Druck, der ihm fast die Luft abschnürte. Eisige Kälte umwehte ihn, und es stank auf einmal fürchterlich.

Mit einem hohen, schrillen Schrei fuhr Bale herum. Instinktiv versuchte er sich zu befreien, wand sich, versuchte die fremden Hände von seiner Brust zu reißen. Vergeblich.

Vor ihm begann die Luft zu flimmern und verdichtete sich zu einer Art Spiegel, denn Bale sah sich und Offa’s Dyke plötzlich auf sich selbst zu galoppieren! In nur zwei Metern Entfernung! Es wirkte, als würde die Gruppe im nächsten Augenblick aufeinanderprallen.

Adrenalin schoss durch Bales Körper, während er unwillkürlich den Aufprall erwartete.

Jetzt!

Nichts passierte. Er riss die Augen wieder auf.

Hinter ihm saß eine fremde, dämonisch schöne Frau. Ihr Kopf schob sich soeben über seine Schulter, ihre Wange presste sich fest an seine. Die rote Lockenpracht und die ebenfalls tiefschwarzen Augen in dem grausam verzerrten Gesicht machten ihm aber nicht annähernd solche Angst wie die fürchterliche Kälte, die von der rauen Wange ausging, sich nun blitzschnell in seinen Körper fraß und ihn fast vollkommen erstarren ließ. Nur zu genau spürte er, dass es keine Kälte von dieser Welt war, sondern eine, die seine Seele berührte.

***

Obwohl die Gruppe und ihr Spiegelbild nach wie vor in vollem Tempo aufeinander zu galoppierte, blieb der Abstand doch immer gleich. So konnte Bale alles genau beobachten – musste alles beobachten!

Denn die Fremde, bei der es sich um eine Hexe oder etwas Ähnliches handeln musste, schien genau das zu wollen: dass er jedes ...

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