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John Sinclair - Folge 1885

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Schrei, wenn die Bestie kommt
  4. Vorschau

Schrei, wenn die Bestie kommt

Tot oder lebendig!

Eine andere Alternative gab es für das Tier nicht. Das wusste der Fuchs, und deshalb rannte er um sein Leben.

Der Verfolger ließ sich nicht abschütteln. Er lief nicht, er flog, und er war viel schneller, auch wenn sein Flug behäbig aussah, allein schon wegen seiner Größe, die nicht normal war. Aber nichts konnte ihn stoppen. Wenn er einmal etwas ins Auge gefasst hatte, dann gab es für das Opfer kein Pardon.

Und plötzlich wurde er noch schneller. Der Riese mit den Flügeln sackte nach unten, dabei fuhr er die Krallen aus, duckte sich noch ein wenig tiefer und schlug fast lässig zu.

Plötzlich wirbelte der Fuchskörper durch die Luft. Er überschlug sich, fiel aber nicht mehr zu Boden, sondern wurde von der anderen Kralle aufgefangen. Sekundenlang zappelte er noch, dann war es mit ihm vorbei. Man sah nichts mehr von ihm.

Der Killer aber flog weiter, als wäre nichts geschehenي…

Lex Wilde hockte auf der Kühlerhaube seines Range Rovers, der auf einem Hügel stand. Der Mann in der Uniform eines Rangers oder eines Försters hielt das Fernglas vor seine Augen und beobachtete dabei eine bestimmte Gegend.

Er war davon überzeugt, heute Glück zu haben. In den vorherigen Tagen hatte er vergebens auf die Bestie gewartet, aber heute, ja, genau heute könnte es klappen. Das hatte er einfach im Gefühl.

Es ging um etwas, was es eigentlich gar nicht geben durfte. Um eine fliegende Bestie. Um etwas wie aus einem Albtraum, das aber leider kein Albtraum war, denn es gab genügend Opfer.

Dabei war es egal, ob es sich um Tiere oder Menschen handelte, wer in die Klauen dieses Killers geriet, der war verloren.

Der fliegende Killer war gesehen worden, aber niemand hatte ihn so recht beschreiben können. Alles war stets zu schnell gegangen, aber jetzt wollte Wilde ihn sehen. Es gab einige Aussagen, die ihn über dem Wasser gesehen hatten. Da war er auf eine Halbinsel zugeflogen, und dort hatte Lex Wilde seinen Beobachtungsposten bezogen. Und zwar an einer der höchsten Stellen, das war ihm wichtig.

Er kannte den Zeitpunkt nicht, wann sich die Bestie zeigen würde. Aber sie war schon zu allen Tageszeiten erschienen und wartete nicht ab, bis es dunkel wurde. So hoffte der Mann, dass er auch im Hellen Glück hatte.

Er musste sich vorkommen wie der einzige Mensch auf der Welt, denn er hatte in den letzten beiden Stunden niemanden gesehen. Und Bewegung gab es nur auf dem Wasser. Da war hin und wieder ein Boot zu sehen, das über die Wellen hüpfte.

Das Wetter konnte sich auch sehen lassen. Am Himmel zeigte sich eine nur schwache Bewölkung, die selbst einer blassen Sonne Paroli bot, sodass es nicht besonders warm war. Ganz im Gegensatz zum Süden des Landes. Da waren die ersten richtig heißen Sommertage gezählt worden.

Der Mann wartete. Er war es gewohnt, sich in Geduld zu üben. Bei seinem Job war das unerlässlich. Warten und abwarten. Manchmal hatte er Erfolg, manchmal nicht. An diesem Tag würde er Erfolg haben, das musste einfach so sein.

Und wieder hob er das Glas an, um erst mal in eine bestimmte Richtung zu schauen. Dort sah er nichts. Nur Wasser und Wolken, aber keinen fliegenden Killer. Er gab dennoch nicht auf und rutschte von der Kühlerhaube. Auf dem Boden konnte sich der große und auch hagere Mann besser bewegen.

Er ging einige Schritte zur Seite und stemmte seine Schuhe in das hohe Gras. Danach drehte er sich sehr langsam um seine eigene Achse und suchte den Himmel ab.

Er hatte die Drehung noch nicht ganz vollendet, als er zusammenzuckte und anhielt.

Da war etwas!

Weit vor sich und auch in der Luft hatte er eine Bewegung gesehen. Etwas Dunkles war dort hergeflogen. Weit entfernt, aber trotzdem sichtbar, sogar mit bloßem Auge, und Lex Wilde holte sich den Gegenstand durch die optische Hilfe näher heran.

Ohne Zweifel, es handelte sich um einen Vogel. Schon jetzt war zu erkennen, dass er nicht eben klein war. Er bewegte sich recht langsam durch die Luft, zumindest hatte Lex Wilde den Eindruck. Aber das konnte auch täuschen. Nun schlug sein Herz etwas schneller, denn jetzt war er sicher, dass seine Suche Erfolg gehabt hatte.

Er lächelte. Dann nickte er. Über seine Lippen drang ein Satz, der zu dieser Situation passte.

»Endlich habe ich dich …«

In seinen Augen lag plötzlich ein besonderer Glanz. Es war der Glanz des Jägers. Die Freude darüber, es geschafft zu haben. Auch wenn das Tier noch recht weit entfernt war, es würde bestimmt näher an ihn herankommen und dann konnte er sicher sein.

Der Vogel fand seinen Weg. Und wieder fragte sich der Mann, ob er es überhaupt mit einem Vogel zu tun hatte oder ob nicht ein anderes Untier sich hier breit gemacht hatte.

Er kam.

Er wurde größer.

Wilde hielt den Atem an. Er sah das Tier jetzt deutlich besser und stöhnte auf. Einen solchen Kopf hatte er bei einem Vogel noch nie gesehen. So groß und zugleich in zwei verschiedenen Farben. Die eine Seite schimmerte hell, die andere sah aus, als wäre sie von einem dunklen Fell oder Gefieder bedeckt.

War das noch ein normaler Vogel?

Nein, auf keinen Fall. Das war er nicht. Das war ein fliegendes Monster, eine Bestie, die durch die Luft segelte und nach irgendwelcher Nahrung Ausschau hielt.

Es hatte Tote gegeben. Der Gedanke kam ihm wieder in den Sinn. Menschen, als auch Tiere. Zeugen hatten diesen Killer gesehen, ohne ihn recht beschreiben zu können. Es war nur immer klar gewesen, dass der Tod aus der Luft gekommen war.

So wie jetzt?

Noch war davon nichts zu sehen. Zudem interessierte den Ranger, in welche Richtung die Bestie flog. Er wollte nicht hoffen, dass er das Ziel dieses Killers war.

So sah es auch nicht aus. Die Bestie flog ihre Kreise. Sehr genau sah Lex Wilde das, und er bekam auch mit, dass der Vogel an Höhe verlor und sich immer mehr dem Boden näherte.

Warum?

Die Lösung war einfach. Er musste dort etwas entdeckt haben, was ihn interessierte. Lange musste der Ranger nicht mehr schauen, denn der Vogel kippte plötzlich nach unten. Was dann geschah, bekam Wilde nicht mehr mit, denn das hohe Gras und auch manche Büsche verdeckten seine Sicht.

Wilde war jedoch sicher, dass die Bestie eine Beute gefunden hatte. Sicherlich ein Tier, denn Menschen gab es nicht. Sie kam wieder hoch, und der Ranger glaubte zu sehen, dass sich das Maul und auch der Schnabel noch bewegten. Wenn das stimmte, dann hatte der Vogel auch was gefressen.

Tiere gab es genug, die er jagen konnte. Hasen, Füchse, mal war es ein Fasan, aber auch andere Vögel konnten sehr leicht zu seinen Opfern werden. Wenn man einen Seeadler als Größenvergleich anlegte, dann war er klein im Gegensatz zu dieser fliegenden Bestie, von der niemand wusste, wer sie erschaffen hatte.

Dem Ranger waren die Arme lahm geworden, aber er behielt seinen Posten bei und beobachtete weiter durch sein Fernglas. Er wollte wissen, ob der Vogel weiterhin auf Raubzug aus war.

Am Himmel bewegte sich nur er. Deshalb war er auch leichter unter Kontrolle zu halten. Was tat er? War er mit der einen Beute zufrieden, oder war sein Hunger noch nicht gestillt?

Wilde hoffte nicht, dass man ihn entdeckt hatte. Sicher sein konnte er sich auch nicht.

Für ihn lief die Zeit der Beobachtung langsam ab. Er holte noch seine Kamera hervor und hätte sich in diesem Fall gern ein Super-Teleobjektiv gewünscht, aber das war nicht vorhanden. So musste er sich mit dem begnügen, was die Kamera hergab.

Nachdem er ein halbes Dutzend Aufnahmen geschossen hatte, dachte er an eine Rückfahrt. Und er dachte noch einen Schritt weiter. Wenn diese Bestie über die Halbinsel in Richtung Norden flog, dann erreichte sie sehr bald das Land mit verschieden großen Orten, und hier konnte sich die Bestie die Opfer aussuchen. Dabei würde es dann nicht nur bei Tieren bleiben.

Das machte ihm Angst. Man durfte das Erscheinen dieses Wesens auf keinen Fall leicht nehmen. Man musste ihm mit allem Ernst begegnen, auch wenn es Menschen gab, die darüber lachten.

Er stöhnte auf, bevor er seinen Wagen startete. Noch einen letzten Blick warf er in eine bestimmte Richtung und sah dort nur den blanken Himmel.

Das hätte ihn eigentlich beruhigen müssen. Komischerweise passierte das nicht bei ihm. Der riesige Vogel hatte schon einen großen Eindruck bei ihm hinterlassen. Er hatte ihn gesehen, und jetzt mussten die Konsequenzen daraus gezogen werden. Welche das waren, stand für ihn noch nicht fest. Zudem stand er allein auf weiter Flur, und so dachte er darüber nach, sich Hilfe zu holen.

»Aber wer sollte mir da zur Seite stehen?«, murmelte er vor sich hin.

Er kannte die Antwort nicht, und das machte ihn schon ein wenig nervös. Es würde etwas dauern, bis er den Beginn der Straße erreicht hatte. Der nächste größere Ort hieß Millom, aber es gab auch einige kleine Ansiedlungen in der Nähe, die den Namen Dorf nicht verdienten, weil sie eben so klein waren. Aber auch in diesen Gehöften lebten Menschen, und die konnten eine leichte Beute sein. Einheimische als auch Touristen, die allmählich eintrudelten.

Dieser Vogel war nicht normal. Das war ein Monster, das bekämpft werden musste. Das hatte sich der Ranger fest vorgenommen, nur wollte er das nicht allein durchziehen. Er brauchte Hilfe. Aber wer konnte ihm helfen? Und wer glaubte ihm?

Er kannte keinen aus Millom. Der Gedanke, sich an eine höhere Stelle bei der Polizei zu wenden, der kam ihm auch. Es musste einfach etwas getan werden, schließlich hatte es Opfer gegeben. Da waren auch Menschen in Mitleidenschaft gezogen worden, aber die Wahrheit hatte kein Polizist hören wollen. Sie war einfach zu fantastisch.

Lex Wilde wusste nun, dass dies nicht der Fall war. Und darauf stellte er sich ein.

Die Halbinsel hatte er verlassen. Jetzt tauchte der Beginn einer normalen Piste auf. Sie wurde dann zu einer schmalen Straße, die bis Millom führte.

In seinem Büro wollte er weiter nachdenken. Vielleicht brachte ihm das die Lösung.

Er fuhr.

Er achtete auf die Straße, aber er warf keinen Blick mehr in die Höhe, um den Himmel zu beobachten. Das war sein Fehler. Als er plötzlich einen übergroßen Schatten sah, der auch seinen Wagen erfasste, da wusste er, dass man ihn gefunden hatte …

***

Klar, es war für ihn ein Schock. Beinahe hätte er gebremst, doch das ließ er bleiben. Er ging nur ein wenig mit dem Tempo herunter, und der Schatten verschwand.

Für einen Moment keimte Hoffnung in ihm auf. Er dachte daran, dass er sich geirrt hatte, aber der Gedanke verging ihm sehr schnell, denn plötzlich war der Schatten wieder da, der sich auf die Kühlerhaube legte, als wollte er sie anmalen.

Lex Wilde fluchte. Er wusste auch nicht warum, er musste seinen Frust loswerden. Er ärgerte sich, dass die andere Seite ihn gefunden hatte. Obwohl er die Bestie in diesem Fall nicht zu Gesicht bekommen hatte, wusste er, wer über dem Fahrzeug schwebte.

Was kann ich tun?

Lex Wilde hatte keine Zeit, um sich viele Fragen zu stellen. Er musste etwas unternehmen. Entweder weiterfahren oder anhalten und sich der Bestie stellen. Waffenlos brauchte er das nicht zu tun, im Rückraum des Wagens lag ein Gewehr. Es musste ihm nur noch gelingen, daran zu kommen, was nicht möglich war, wenn er fuhr.

Deshalb anhalten.

Der Gedanke war kaum in seinem Kopf aufgekommen, da setzte er ihn schon in die Tat um und trat auf die Bremse.

Der Wagen stand sofort.

Lex Wilde hielt den Atem an. Er lauschte in die Stille hinein und wartete darauf, dass sie unterbrochen wurde. Etwas musste einfach passieren. Aber es tat sich nichts.

Nach ungefähr fünf Sekunden bewegte er sich. Er hatte sich losgeschnallt und drückte seinen Körper am Sitz vorbei, um an seine Waffe zu gelangen.

Es klappte. Als er das Gewehr berührte, fühlte er sich wohler. Ob es wirklich eine gute Waffe gegen das Monstrum war, stand in den Sternen. Das musste er noch herausfinden.

Aussteigen oder nicht?

Das war die große Frage. Das Aussteigen hätte gefährlich werden können, und deshalb blieb er erst mal sitzen. Er wollte abwarten, ob sich etwas tat.

Ein weiteres Auto sah er nicht. Wilde war allein, und er fühlte sich auch allein. Er wartete auf irgendwelche Geräusche, die ihm verdächtig erschienen, aber da gab es nichts. Und er sah auch keinen Schatten, sei er nun starr oder beweglich.

Es gab noch eine weitere Möglichkeit. Er konnte starten und weiterfahren. Nicht schlecht, die Idee. Dann sollte der Angreifer mal sehen, was ihm einfiel.

Wilde sah den Vogel tatsächlich als einen Angreifer an, und das merkte er in der nächsten Sekunde.

Es erwischte sein Dach. Etwas landete darauf und das mit einer solchen Wucht, dass der Wagen durchgeschüttelt wurde.

Da war ihm klar, dass er den Kampf noch nicht gewonnen hatte und das Spiel erst begann. Er dachte nicht darüber nach, ob er verlieren konnte, er blieb in seinem Wagen hocken und wartete darauf, dass etwas passierte. Er dachte daran, dass dieser Vogel in der Lage war, weiterhin mit seinem Schnabel zuzuhacken. Den hatte er zwar nur aus der Ferne gesehen, aber dieser Schnabel stellte doch alles in den Schatten, was er an Schnäbeln gesehen hatte.

Der Wagen schaukelte nicht mehr. Er war zur Ruhe gekommen, und sein Fahrer lauerte gespannt auf den nächsten Angriff. Irgendwas würde sich die Bestie einfallen lassen, das stand für ihn fest.

Er fing an zu schwitzen. Im Wagen war es warm geworden. Er hätte jetzt ein Fenster öffnen können, doch das traute er sich nicht. Dann bewegte sich wieder etwas. Diesmal war es nicht der Wagen, der blieb ruhig, aber auf der Kühlerhaube tat sich etwas. Über sie huschte ein Schatten hinweg, und der sah aus wie der Teil einer Schwinge.

Er war noch da.

Und das bekam Wilde im nächsten Moment zu sehen. Etwas fiel von oben herab, und auf der linken Seite verdunkelte sich das Auto. Dort hockte er.

Der Ranger sah die Bestie zum ersten Mal aus der Nähe. Er hielt den Atem an, und sein Herz klopfte wie verrückt. Dabei schüttelte er den Kopf. Er sagte etwas, was er selbst nicht verstand, und er sah, wie riesig dieser Körper war.

Den Kopf sah er nicht, der befand sich in der Höhe des Dachs oder darüber. Jedenfalls hatte er noch nie einen so großen Vogel gesehen. Möglicherweise war das kein Vogel, sondern ein Geschöpf aus der Urzeit, das übrig geblieben war.

Der Wagen stand still. Das Tier hatte wohl keine Lust, ihn anzugreifen, und deshalb war Lex Wilde gespannt, was er weiterhin vorhatte.

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