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John Sinclair - Folge 1884

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Horror auf dem Höllenthron
  4. Vorschau

Horror auf dem Höllenthron

»Und hier soll der Höllenthron stehen?«, fragte der Reporter Bill Conolly skeptisch.

Sam Holden nickte. »Ja, so ist es.«

»Wo kann ich ihn sehen?« Bill stand auf der Stelle und bewegte seinen Kopf.

»Ganz einfach. Wir müssen nur noch kurz durch den Wald. Aber stell dich darauf ein, dass der Weg ziemlich steil ist.«

»Okay. Dann will ich auch hoffen, dass er sich lohnt.«

»Das wirst du schon sehen, Bill.«

Die beiden Männer gingen los. Sam Holden übernahm die Führung. Die ersten Meter konnten sie noch normal laufen. Dann wurde es problematisch. Der Weg verschwand. Holden war auch nach rechts abgebogen, und Bill sah, dass er bald klettern musste. Es war nicht der Weg, der bergauf führte, jetzt ging es über Steine, die im Boden feststeckten und die wie Treppenstufen benutzt werden konnten. So ging es hoch, wobei rechts und links Büsche wuchsen, an deren Zweige man sich im letzten Moment festklammern konnte.

Sam Holden war so etwas wie ein Kollege von Bill Conolly. Er suchte geheimnisvolle Orte im Land auf, über die er dann Berichte schrieb, die er ins Internet setzte oder auch von entsprechenden Zeitungen abgedruckt wurden.

Auch Bill war in der Szene und bei bestimmten Leuten als Reporter bekannt, der sich außergewöhnlichen Themen annahm und oft über Orte schrieb, die eine bestimmte mystische Vergangenheit hatten. So war Bill einer breiten Leserschaft bekannt geworden. Über das Unheimliche zu schreiben, machte Bill noch immer Spaß. Und er war auch jemand, der Dinge erlebt hatte, über die man kaum reden konnte. So wusste er sehr gut, dass es eine schwarzmagische Seite gab. Hinzu kam, dass er einen Freund hatte, der bei Scotland Yard arbeitete und Spezialist für unheimliche Fälle war.

Das wusste Sam Holden nicht. Er sah in Bill nur den Schreiber und einen Menschen, der auch in seinem Sinne dachte.

Holden hatte es eilig, an den Thron zu gelangen. Er stieg mit kräftigen Bewegungen vor Bill die natürliche Steintreppe hoch, als könnte er es nicht erwarten, so schnell wie möglich an sein Ziel zu gelangen, um dort den Thron zu besichtigen.

Was es genau mit diesem Sitz auf sich hatte, das wusste Bill Conolly auch nicht. Er hatte nur erfahren, dass es die Menschen angeblich verändern sollte, wenn sie auf dem Steinthron saßen, den einst der Teufel an diesen Ort gestellt hatte.

Holden drehte sich um. Über sein verschwitztes Gesicht huschte ein Lächeln.

»Schaffst du es noch?«

»Ja, ja, geh schon weiter.«

»Okay. Ich habe ja nur gefragt.«

»Alles klar.«

Die Männer setzten ihren Weg fort. Das Gelände stieg noch mal an. So wurde das Gehen beschwerlicher. Hinzu kam, dass es nicht eben kühl war. Man konnte von einem warmen Maitag sprechen mit einem glatten blaugrauen Himmel über dem Land.

Bill sah, dass Holden nach einem Ast griff, der ihm im Weg hing. Er schwang sich darunter hinweg, was wenig später auch Bill Conolly tat, und dann hatten sie es so gut wie geschafft. Jetzt waren es noch wenige Schritte bis zum Ziel, das bereits zu sehen war.

Noch sah es aus wie in dunkles Stück Felsen. Das aber änderte sich, als die Männer einen Bogen nach links schlugen und näher an das Ziel herankamen.

Ja, jetzt sah Bill den Stein auch. Es war aber kein bloßer Stein. Wenn man hier von einem Stein sprechen konnte, dann war es einer, den jemand bearbeitet hatte, und so war aus ihm eine gewisse Form geschlagen worden. Tatsächlich ein Sitzmöbel.

Ein Thron eben!

Bill lief noch ein paar kleine Schritte, dann konnte er vor dem Thron anhalten und ihn sich anschauen. Sein Atem musste sich erst mal beruhigen.

Der Thron stand auf einer Art Plattform. Er war in den Maßen so gebaut, dass der Platz gerade ausreichte. Jemand hatte ihn geformt, denn die Natur bekam so etwas nicht hin. Es gab die Sitzfläche, dann die hohe Rückenlehne und sogar noch die beiden Armlehnen, so konnte ein Mensch darauf eine bequeme Haltung einnehmen.

Bill sah ihn sich genauer an. Er war zufrieden, denn er entdeckte nichts unnormales. Nichts wies darauf hin, dass der Thron durch irgendwelche Zeichen markiert worden war. Zeichen oder Hinweise, dass er zu einer anderen Welt gehörte, in der nicht die Menschen das Sagen hatten, sondern das Böse.

Von einer geschliffenen Glätte konnte nicht gesprochen werden. Der Steinthron stand zudem ein wenig schief, und die Oberfläche war aufgeraut. Alles okay, es gab nichts zu sehen, was hier hätte gefährlich sein können. Bill ging sogar um den Thron herum und traf dann wieder mit seinem Bekannten zusammen.

»Na, was sagst du, Bill?«

Der Reporter nickte. »Nicht schlecht. Wer hat ihn geschaffen?«

Holden bedachte Bill mit einem längeren Blick. »Das habe ich dir schon mal gesagt. Es ist der Teufel gewesen.«

»Bitte?«

»Du glaubst mir nicht.«

»Es ist zumindest nicht einfach.«

Holden schnaufte. »Aber ich sage dir, dass es stimmt. Dieser Sitzplatz ist vom Teufel geschaffen worden.«

»Heißt es.«

Sam Holden nickte. »Ja, das heißt es. Das ist so, und da beißt auch keine Maus den Faden ab. Ich glaube fest daran. Wäre das nicht der Fall, dann hätte ich dir auch keinen Bescheid gegeben.« Er deutete auf den Thron. »Das hier ist etwas Besonderes. Spürst du das nicht?«

»Was sollte ich denn spüren?«

»Das Andere.«

»Nein.«

»Den Hauch der Hölle.«

Bill schüttelte den Kopf. »Auch nicht. Da muss ich leider passen. Ich spüre weder das eine noch das andere.«

»Gut. Man kann es auch nicht herbeizwingen.« Holden lachte leicht kratzig. »Schade«, sagte er dann.

»Was ist schade?«

»Dass wir kein Experiment machen können.«

»Aha, und wie sähe das aus?«

Sam Holden ging einen Schritt auf Bill zu und senkte dann beim Sprechen seine Stimme. »Wie ich schon sagte, der Thron stammt der Legende nach aus der Hölle. Auch ich habe gelernt, dass Legenden oft viel Wahrheit enthalten. In diesem Fall ist das auch so.«

Er streckte seinen Arm aus und deutete auf die Sitzfläche. »Wer darauf seinen Platz gefunden hat, der kann verändert werden.«

»Wie das?«

Holden rieb über seine Wangen. »Je, ja, so ist das. Der verändert sich im Sinne der Hölle.«

»Wie?«

Holden winkte ab. »So genau kann ich das auch nicht sagen. Es ist aber so.«

»Und du glaubst daran?«

»Sicher.«

Bill richtete seinen Blick auf den Felsenthron, der schon etwas Besonderes war, das stand für ihn fest. Aber ob der Teufel oder die Hölle hier wirklich ihre Hände mit im Spiel gehabt hatten, das war schon fraglich. Aber er wollte auch mehr wissen und wandte sich wieder an Holden.

»Du kennst ihn ja. Du hast mir den Weg gezeigt, und jetzt möchte ich dich fragen, ob du schon mal auf dem Thron gesessen hast? Hast du das in der Praxis ausprobiert, was du mir da theoretisch erzählt hast?«

»Das habe ich.«

»Du hast dich also auf den Thron gesetzt?«

»Sicher«, erwiderte er schwach.

»Und?«

Da bekam Bill erst mal keine Antwort. Holden hielt den Mund geschlossen und schaute zur Seite. Irgendetwas musste er haben, aber Bill traute sich nicht ihn zu drängen. Er wartete ab.

Sam nickte. »Ja, ich habe auf dem Thron Platz genommen und auch gemerkt, dass etwas nicht stimmte.«

»Was denn?«

»Meine Umgebung. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Dinge im Unsichtbaren verdichteten und mich bedrängten. Da war etwas, Bill. Da war etwas ganz anderes, das immer näher kam. Dass ich aber nicht packen konnte. Ich trat immer ins Leere.« Er holte tief Luft.

»Aber du hattest schon eine Ahnung, dass sich da etwas verändert hat, als du auf dem Thron gesessen hast?«

»Das ohne Zweifel.«

»Aber du weißt nicht was?«

»Doch, es waren andere Mächte oder Kräfte. Nur kann ich nicht genauer werden.«

»Warum nicht?«

»Weil auch sie nicht genauer geworden sind. So einfach ist das. Ich fasse zusammen. Es war etwas da. Auch etwas anderes, aber ich bekam es nicht unter Kontrolle.«

»Und weiter?«

»Nichts weiter. Ich bin geflohen. Oder verschwunden. Aber ich habe dir Bescheid gesagt. Jetzt sind wir zu zweit.«

Bill nickte. »Und weiter?«

»Jetzt können wir den Thron untersuchen, denke ich mal. Oder siehst du das anders?«

Bill musste lachen. »Tut mir leid, Sam. Ich kann dir nicht so recht folgen. Ich sehe den Steinsitz vor mir, aber das ist auch alles.«

»Ja, so hat es den Anschein.«

Bill fragte: »Was hast du genau vor? Wir sind nicht hergekommen, um über das Ding da zu diskutieren.«

»Das stimmt.«

»Also, was ist los?«

Sam Holden rieb ein wenig seine Hände. Er tat es mehr aus Verlegenheit. Dann schluckte er und sagte: »Ich habe mir gedacht, dass ich noch mal auf den Thron steige. Oder du.«

»Aha. Und weiter?«

»Nichts weiter. Ich wollte eigentlich nur einen Beobachter zur Seite haben.«

»Okay, den hast du jetzt.«

Holden ließ nicht locker. »Oder willst du dich selbst auf den Thron setzen?«

»Nein, nein, fang du erst mal an.«

»Sehr gut.«

Bill hatte noch eine Frage. »Glaubst du denn, dass es jetzt besser werden wird?«

»Ich weiß es nicht. Habe keine Ahnung. Aber man kann ja mal einen Versuch starten.«

Holden überlegte noch. Sein Blick wechselte zwischen dem Thron und Bill hin und her.

»Ich werde es tun«, sagte er dann. »Man muss ja ein Ziel haben. Wir sollen ja nicht grundlos den Weg auf uns genommen haben. Oder sehe ich das alles falsch?«

»Nein, nein, das siehst du schon richtig.«

»Ich wollte auch nur Rückendeckung haben, Bill. Und diese, denke ich, kannst du mir geben.«

»Ja, das werde ich dann versuchen.« Sehr wohl war ihm nicht bei dieser Antwort. Obwohl nichts passiert war, hatte er doch so etwas wie eine dumpfe Vorahnung. Aber davon sagte er seinem Bekannten nichts.

Sam Holden war sich selbst noch nicht richtig im Klaren. Bevor er sich in Bewegung setzte, schaute er sich noch mal nach Bill um, der ihm zunickte.

»Ja, das ist dein Spiel.«

»Ich weiß.« Holden lächelte. Es sah nicht echt aus. Er traute sich wohl selbst nicht, aber er musste es durchziehen. Er hatte in den sauren Apfel gebissen, und da gab es kein Zurück mehr.

Er ging auf den Felsenthron zu. Um sich setzen zu können, musste er noch eine Stufe hinter sich lassen, die recht hoch lag. Auch das schaffte er beim ersten Anlauf.

Dann saß er.

Sekunden später ruckte er nach hinten in Richtung Rückenlehne. Dabei hatten seine Beine den Kontakt mit dem Boden verloren und schwebten in der Luft. Holden wollte seinen Rücken auch nicht gegen die Lehne pressen, dann wäre er sich noch kleiner vorgekommen. Er blieb hocken, wo er war.

Bill schaute ihn an. »Alles okay?«

»Wir werden sehen.«

»Gut, dann warten wir mal ab …«

***

Bill Conolly konnte nicht sagen, dass es ihm gut ging. Ein Klumpen lag schon in seinem Magen, und er spürte auch, dass sein Herz schneller schlug als gewöhnlich.

Er hatte schon zu viel erlebt, um das zu negieren, was ihm sein Bekannter gesagt hatte. Hier konnte die andere Seite tatsächlich einen Stützpunkt errichtet haben.

Bill tat nichts. Er wartete. Sein Blick war auf Sam Holden gerichtet. Der tat auch nichts. Er saß da, bewegte sich nicht und starrte nur nach vorn. Er hätte Bill eigentlich sehen müssen, doch der hatte das Gefühl, als wäre dies nicht der Fall. Holden starrte zwar in seine Richtung, aber zugleich auch ins Leere oder durch ihn hindurch. Das kam dem Reporter jedenfalls so vor.

Bill wartete noch ein paar Sekunden, ob sich der Blick nicht veränderte. Das war nicht der Fall. Sam Holden schien einen Angriff von innen zu erleben oder nur eine Beeinflussung. So genau konnte das niemand sagen.

Warten …

Bill wartete, aber der Mann auf dem Thron auch. Und wenn es hier etwas gab, dann würde, dann musste es sich einfach zeigen, sonst hätte alles keinen Sinn.

Bill hielt es nicht mehr aus. »Spürst du etwas? Ist etwas passiert?«

Holden zuckte leicht zusammen. »Das kann ich nicht sagen. Im Moment spüre ich nichts. Vielleicht ist was unterwegs. Es ist ja alles möglich, denke ich.«

»Aber noch fühlst du dich gut?«

Holden schüttelte den Kopf. »Das kann ich nicht sagen. Im Moment fühle ich mich so wie jemand, der darauf wartet, dass ihm der Arzt Bescheid gibt, ob die Untersuchung positiv oder negativ verlaufen war. Ich warte ab. Etwas muss geschehen.«

Und das passierte auch. Bill sah es mit leichter Verwunderung. Bisher hatte Sam Holden still gesessen, das aber änderte sich jetzt. Er blieb zwar auf der Steinplatte sitzen, aber er bewegte sich immer wieder unruhig hin und her, als würde er von einem dringenden Bedürfnis gequält.

Das wollte Bill Conolly genauer wissen. »He, was ist denn los mit dir?«

»Wieso?«

»Du wirkst so nervös.«

»Ja, das trifft schon zu. Es steckt in mir. Es ist einfach vorhanden.«

»Hat es eine Botschaft?«

»Das weiß ich nicht.«

»Okay, wir müssen warten.« Das gefiel Bill zwar nicht, aber es war nicht zu ändern.

Sam Holden hatte seine Haltung leicht verändert. Die Hände und Arme lagen jetzt auf den Lehnen, und Bill bekam mit, wie schwer der Mann atmete. Als läge eine große Last auf ihm, die immer weiter zudrückte. Er hatte den Mund aufgerissen, atmete schwer und gab zwischendurch auch ein Knurren ab.

Das konnte Bill nicht gefallen, und er sprach Sam Holden auch an. »He, Sam, wenn du willst, dann komm runter.«

»Nein, ich bleib hier«, lautete die spontane Antwort, die Bill erschreckte. Aber nicht wegen der Worte, sein Bekannter hatte tatsächlich mit einer fremden Stimme gesprochen. Das war keine Täuschung gewesen, das hatte er gehört.

»Sam?«, rief Bill.

Er erntete auch eine Reaktion, aber sie war nur mehr ein tiefes Stöhnen. Etwas anderes drang nicht mehr aus seinem Mund. Eine fremde Macht war dabei ihn zu übernehmen.

Bill gab nicht auf.

Er rief den Namen.

Keine Reaktion. Sam Holden war nur mit sich selbst beschäftigt. Er kämpfte gegen etwas an. Er ruckte vor und zurück, sein Gesichtsausdruck hatte sich ebenfalls stark verändert. Mund und Augen waren weit aufgerissen, das ganze Gesicht zeigte einen irgendwie hohlen Ausdruck, und dann war da noch die dunkelgraue, fast schwarze Wolke, die ihn plötzlich umspielte.

Obwohl Bill genau hingeschaut hatte, wusste er nicht, woher die Wolke gekommen war. Sie konnte sich aus dem Thron gelöst haben, war also aus dem Gestein in die Höhe gekrochen und sorgte jetzt dafür, dass Sam Holden nicht mehr so gut zu sehen war.

Das gefiel Bill nicht. Er sah seinen Bekannten wie durch einen Schleier. Da sah es aus, als würden sich seine Konturen auflösen, und Bill konnte nur eines tun, wenn er Holden retten wollte. Er musste ihn vom Thron holen.

Deshalb lief er vor – und er erlebte plötzlich die Wand, die ihn aufhielt. Sie war nicht zu sehen, aber sie war da, und Bill spürte etwas von der Kälte, die über ihn kam. Sie war so scharf, dass er zurückwich, und plötzlich war ihm klar, dass er nichts für Sam Holden tun konnte.

Flüchten wollte er auch nicht. Und so blieb er stehen, um zu erfahren, wie es dem Mann auf dem Thron weiterhin erging. Er saß da, aber er war nicht still. Er bewegte sich oder er wurde bewegt. Bill sah alles hinter dem grauen Schleier. Das war für ihn zu einer verzerrten Welt geworden, und er konnte auch nicht eingreifen.

Der Rauch oder was immer es sein mochte, verdichtete sich von Sekunde zu Sekunde. Es war ihm nicht mehr möglich, etwas genau zu erkennen.

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