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John Sinclair - Folge 1842

Amandas Feuerfalle

(2. Teil)

Was Neuigkeiten aus aller Welt anging, saß Glenda Perkins immer an der Quelle. Die Quelle war in diesem Fall der Bildschirm und besonders die Internet-Nachrichten, die sie immer wieder durchging und das stündlich.

So auch an diesem Tag.

Glenda saß allein im Büro. John Sinclair und Suko waren unterwegs. Allerdings nicht hier in London, sie saßen in einem Flieger, der sie nach Rom bringen sollte, weil sie sich dort mit Father Ignatius, dem Chef der Weißen Macht treffen wollten.

Die dunkelhaarige Frau machte sich nicht zu viele Gedanken. Sie schaute auf den Text, las – und stutzte plötzlich. Was sie da gelesen hatte, das konnte nicht stimmen. Das war verrückt, aber sie las es ein zweites Mal …

Da war ein Flugzeug aus der Radarüberwachung verschwunden. Einfach so, aber es war nicht abgestürzt. Das alles hätte Glenda nicht weiter gestört, wenn sie nicht herausgefunden hätte, um welche Maschine es sich handelte.

Es war diejenige, die nonstop von London nach Rom flog. Und in ihr saßen zwei Passagiere, die Glenda Perkins gut kannte.

John Sinclair und Suko.

Plötzlich hatte sie das Gefühl, nicht mehr ganz in der Welt zu sein. Irgendein Laut drang über ihre Lippen, und sie spürte, wie sie blass wurde, und kalter Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn.

Das war schlimm. Das war sogar grauenhaft, wenn sie an John und Suko dachte. Sie schüttelte den Kopf und presste ihre Hände gegen die Wangen. Viel schneller als gewöhnlich schlug ihr Herz, und sie hatte Mühe, ein Stöhnen zu unterdrücken.

Was war passiert?

Sie konnte davon ausgehen, dass die Maschine nicht abgestürzt war. Das stand auch in dem Text. Abgestürzt war sie also nicht, sondern nur verschwunden.

Aber wie war das möglich?

So oft sich Glenda die Frage auch stellte, sie konnte keine Antwort darauf finden. Da musste etwas geschehen sein, was nicht zu erklären war. Sie bekam es jedenfalls nicht in die Reihe, und immer wenn sie daran dachte, schüttelte sie den Kopf. Das war einfach verrückt.

Glenda atmete schwer. Ihr Gesicht zeigte eine Totenblässe. Sie saß vor ihrem Schreibtisch, ohne etwas zu unternehmen, denn sie war einfach nur ausgebrannt. Ja, so sah es aus. Sie war leer und konnte zunächst mal über nichts nachdenken.

Es war auch kein Irrtum. Sie hatte sich nicht verlesen. Sie starrte den Bildschirm an wie jemand, der darauf wartet, dass sich etwas tut. Aber das war nicht der Fall.

Was tue ich denn jetzt?, schoss es ihr durch den Kopf. Ich kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Glenda ging davon aus, dass auch andere Personen gesehen hatten, was mit dem Flieger passiert war, dass die Hektik groß war, denn so leicht konnte ein großes Flugzeug nicht verschwinden.

Anscheinend doch …

Glenda Perkins fuhr mit dem Stuhl zurück. Sie stand auf und bewegte sich unruhig durch das Büro. Den Blick hielt sie gesenkt, die Hände hatte sie zu Fäusten geballt, und sie bewegte ihre Lippen, ohne allerdings etwas zu sagen.

Sie wollte was tun, aber sie wusste nicht, was es sein könnte. Sie wollte auf keinen Fall nur so herumsitzen und sich selbst leid tun. Sie musste etwas unternehmen, das war ihr klar.

Plötzlich blieb sie stehen und schlug ihre Handflächen gegen die Stirn.

Die Idee war ihr schlagartig gekommen, und sie würde sie auch sofort in die Tat umsetzen.

Glenda setzte sich erst gar nicht mehr auf ihren Schreibtischstuhl, sie nahm den Hörer des Telefons in die Hand und wählte eine bestimmte Nummer.

Ihr Chef Sir James Powell gehörte zu den Personen, die immer am längsten im Büro waren. Das war auch heute so, und sie glaubte nicht, dass er bereits vom Verschwinden der Maschine nach Rom erfahren hatte, aber es war wichtig, dass er Bescheid wusste.

Die Hand mit dem Hörer zitterte schon leicht, als Glenda darauf wartete, dass abgehoben wurde. Es verging eine Weile, bis sie die Stimme ihres Chefs hörte.

Jetzt riss Glenda sich zusammen. Das Herzklopfen konnte sie nicht unterdrücken, aber sie sorgte dafür, dass ihre Stimme relativ fest klang.

»Was gibt es denn, Glenda?«

Sie räusperte sich. Dann sagte sie: »Sir, darf ich Sie bitten, in mein Büro zu kommen?«

»Ja, aber warum soll ich zu Ihnen kommen? Können Sie mir das sagen?«

»Ich muss Ihnen etwas zeigen.«

»Und was?«

»Bitte, kommen Sie. Es ist besser, wenn Sie sich das anschauen.«

»Das hört sich nicht gut an.«

»Es ist auch nicht gut.«

»Sie haben mich überzeugt, Glenda. Ich bin in ein paar Sekunden bei Ihnen.«

»Danke, Sir.«

Wenn sich der Superintendent so beeilte, dann hatte sie es wirklich geschafft, ihn zu überzeugen. Sie setzte sich erst gar nicht wieder hin, blieb vor dem Schreibtisch stehen und schaute auf die Uhr, während sie noch immer die Hände geballt hatte und heftig atmete.

Dann war es so weit.

Sir James klopfte nicht an, er öffnete die Tür hart, ging über die Schwelle und wollte etwas sagen, aber das Wort blieb ihm im Hals stecken. Er musste sich erst auf die neue Lage einstellen, blieb stehen und schüttelte den Kopf.

»Wie sehen Sie denn aus, Glenda? Was ist mit Ihnen geschehen?«

»Ich will Ihnen etwas zeigen.«

»Gut, und was?«

»Bitte setzen Sie sich auf meinen Platz und lesen Sie auf dem Bildschirm die Nachricht. Besonders die untere Hälfte.«

Sir James warf Glenda einen knappen Blick zu, hob dann die Schultern an und tat, wie ihm geheißen. Er ließ sich auf den Stuhl sinken und konzentrierte sich auf den Bildschirm.

Er sagte nichts.

Aber seine Augen weiteten sich nach wenigen Sekunden, denn da hatte er herausgefunden, was geschehen war. Er sagte erst mal nichts und drehte nur langsam den Kopf.

»Ist das wahr?«

Glenda nickte. Sie konnte nichts sagen und hatte die Lippen zusammengepresst.

Auch Sir James gab keinen Kommentar ab. Er schaute wieder hin, dann noch mal und atmete scharf. Danach drehte er sich zur Seite und schaute Glenda an.

»In der Maschine saßen John und Suko«, flüsterte sie.

Sir James nickte. »Ich weiß.«

»Sie ist weg. Einfach verschwunden. Nicht abgestürzt, sondern nur weg. Oder?«

Sir James wiegte den Kopf. »Das weiß ich nicht, Glenda, das kann man nicht so sagen. Wahrscheinlich weiß man noch nichts Genaues. Möglicherweise gibt es noch eine andere Erklärung.«

»Sie meinen doch den Absturz?«

Darauf gab der Superintendent keine Antwort. Er wollte nicht den Teufel an die Wand malen. Er tat etwas anderes und griff zum Telefon, um sich zu informieren …

***

Glenda Perkins wusste, dass sie erst mal an die Seite gedrängt worden war. Das war auch nicht tragisch. Sie überließ Sie James gern die Initiative, denn er war jemand, der weit reichende Beziehungen hatte, sodass er in der Lage war, mehr herauszufinden.

Sir James wusste, wo er anzurufen hatte, und Glenda hörte ihn reden. Wenn es nicht klappte, war er nicht eben nett, und nur so schaffte er es, immer wieder weiter verbunden zu werden, bis er den richtigen Gesprächspartner erreicht hatte.

Er war zufrieden. Glenda erkannte es daran, dass er sich zurücklehnte und seine Stimme ruhiger klang. Sie hörte, dass der Mann am anderen Ende der Leitung Hillary hieß.

Und er tat Glenda den Gefallen und sorgte dafür, dass sie mithören konnte.

»Also, Mister Hillary, damit wir uns richtig verstehen. Der Flieger ist nicht abgestürzt.«

»Das weiß ich eben nicht.«

»Wieso wissen Sie das nicht?«

»Weil wir keine Meldung über einen Absturz haben. Das Flugzeug verschwand plötzlich von den Radarschirmen, und jetzt müssen wir davon ausgehen, dass es ganz verschwunden ist.«

»Sie meinen abgestürzt?«

»Ja. Was aber nicht heißt, dass dies wirklich so gewesen ist. Wir haben Beweise. Der Flieger hätte gefunden werden müssen, was aber nicht der Fall ist. Und wir haben auf der Strecke auch keinen Regenwald, in dem er hätte verschwinden können.«

»Das ist wohl wahr.«

»Gut, Sir James. Wir stehen jedenfalls vor einem Rätsel. Und in der Luft explodiert ist das Flugzeug auch nicht. Da hätte man Tote finden müssen. Ich kann Ihnen im Moment leider nicht weiterhelfen. Wir gehen natürlich alle Möglichkeiten durch und schließen auch einen Terroranschlag nicht aus. Aber es ist wohl etwas passiert, was einmalig ist. Mehr kann ich nicht sagen.«

»Es ist schon gut, Mister Hillary. Ich möchte nur, dass wir in Verbindung bleiben.«

»Das versteht sich, Sir.«

Das Gespräch war beendet. Glenda Perkins, die nur zugehört hatte. sah, dass ihr Chef sich mit dem Stuhl umdrehte, um sie anschauen zu können.

»Sie haben mitgehört?«

Glenda nickte.

»Und wie lautet Ihr Kommentar?«

Glenda antwortete mit einer Frage. »Sind wir denn schlauer geworden?«

»Ich weiß es nicht.«

»Ja, das sehe ich auch so. Ich glaube nicht, dass wir schlauer geworden sind. Ich kann nur sagen, dass das Flugzeug nicht auf dem normalen Weg verschwunden ist.«

»Richtig.« Sir James legte seine Stirn in Falten. »Aber was ist der unnormale Weg?«

»Der magische.«

»Ja, Glenda, ja. Daran denke ich auch. Es ist der magische, und das ist keine Ausrede. Ich denke, dass es zu John Sinclair und Suko passt. Das Flugzeug ist auf magische Art und Weise entführt worden. Davon müssen wir wohl ausgehen.«

»Aber wie, Sir? Wie kann das passiert sein?«

»Sorry, da muss ich passen.« Er rückte seine Brille zurecht. »Da werden Sie ja mehr Erfahrung haben.«

»Ein wenig schon.«

»Und wie kann es passiert sein? Was denken Sie?«

Glenda musste schon etwas länger nachdenken, um die Frage zu beantworten. »Es kann sein, dass die Maschine in eine magische Zone geraten ist.«

»Das heißt?«

»Sie befindet sich jetzt in einer anderen Dimension. Das ist für mich die einzige Erklärung.«

»Kann sein. Und welche Dimension könnte das sein?«

»Das weiß ich nicht, Sir.«

»Was wissen wir überhaupt?«

»Zu wenig.« Glenda stöhnte leise auf. »John und Suko ging es um Julian, diesem geheimnisvollen jungen Mann. Er ist ja ein Produkt zwischen einer normalen Frau und einem Grigori, einem Engel. Diese Wesen nennt man Nephilim. Und hinter ihm ist man her.«

»Wer und warum?«

»Das weiß ich nicht, Sir. John und Suko wollten ihn im Vatikan abliefern. Bei Father Ignatius. Und ich denke, dass dies gar nicht schlecht gewesen wäre. Aber es gab einige Personen, die etwas dagegen hatten. Da bin ich ratlos.«

»Das heißt, Sie kennen keine Namen?«

»So ist es, Sir.«

Der Superintendent schwieg. Er dachte nach, das war ihm anzusehen, und er schaute hoch, um Glenda ins Gesicht zu starren. »Sie können auch nichts machen?«

»Was meinen Sie, Sir?«

Er wiegte den Kopf. »Dass Sie Ihre außergewöhnliche Eigenschaft einsetzen und versuchen, an John und Suko heranzukommen.«

»Sie meinen hinbeamen?«

»So sehe ich das.«

Glenda holte tief Luft und pustete sie dann aus. »Sir, das ist nicht leicht. Ich kann mich nicht einfach hinstellen und die Augen schließen, um mich an eine andere Stelle in der Welt zu katapultieren. Dazu gehört mehr. Zudem weiß ich nicht, wo sich John Sinclair aufhält. Es ist schwer für mich, mit ihm Verbindung aufzunehmen.«

»Das sehe ich ein. Aber würden Sie die Möglichkeit denn überhaupt ausschließen?«

»Nein, Sir, ich schließe nichts aus.«

»Genau das habe ich hören wollen, und ich gehe jetzt davon aus, dass für uns eine harte, aber auch spannende Zeit beginnt. Oder glauben Sie, dass John und Suko nicht mehr leben?«

Glenda spürte den kalten Schauer auf ihrem Körper.

»Das will ich nicht hoffen, Sir«, flüsterte sie …

***

Wir waren gelandet. Wir standen. Es war nichts passiert, aber weder Suko noch ich wussten, wo wir gelandet waren. Bestimmt nicht in Rom, sondern möglicherweise in einer anderen Dimension.

Suko und ich schauten uns an. Julian, unser Schützling, saß wie erstarrt auf seinem Sitz, war blass geworden und seine Unterlippe zitterte leicht.

Ich saß nicht, sondern stand. Meine Blicke ließ ich durch den Passagierraum gleiten. Der Flieger war nicht ausgebucht, aber gut besetzt. Die Menschen hätten eigentlich etwas tun müssen, sich anders verhalten, rufen, fragen, aufstehen oder auch durch den Mittelgang laufen.

Nichts dergleichen geschah. Eine ungewöhnliche Ruhe herrschte im Flieger. Die Passagiere blieben still, sie sprachen nicht, sie schauten sich nur hin und wieder an, das war alles.

Ich fand meine Sprache wieder und wollte von Suko wissen, ob alles okay war.

»Bei mir schon.«

»Gut.«

»Und ich bin auch nicht verletzt«, meldete sich Julian.

»Aber was ist mit den anderen Passagieren hier?« Suko schaute sich um.

»Sie sehen aus wie tot, sind es aber nicht, hoffe ich«, sagte Julian.

»Da hast du recht«, sagte ich. »Sie sind nicht tot.« Ich lächelte kantig. »Sie sind auch nur Beiwerk. Tatsächlich geht es der anderen Seite um …«

»Mich?«, fragte Julian schrill.

»Auch. Aber auch um mich, denn wir sind alles andere, nur eben keine Freunde.«

»Ja, das denke ich mir.«

Suko stellte eine Frage. »Was sollen wir tun? Hast du dir schon was ausgedacht, John?«

»Nein, das habe ich nicht.« Ich zuckte mit den Schultern. »Warum sollte ich es? Die andere Seite will doch was von mir. Soll sie sich zeigen. Ist das ein Vorschlag?«

Suko lächelte. »Das musst du die anderen Typen fragen, nicht mich. Jedenfalls weiß ich nicht, wo wir uns befinden.«

»In Sariels Welt.« Sariel war der böse Engel, der auf Julian angesetzt worden war.

»Sicher?«

»Ganz sicher sogar.« Ich gab die Erklärung. »Kurz vor der Landung habe ich ihn gesehen.«

»Und weiter?«

»Er stand auf einer Plattform oder Mauer. Und er hatte diesmal zwei seiner Tiere bei sich.«

»Auch das noch.«

»Du sagst es.«

Julian hielt es auch nicht mehr sitzend aus. Er erhob sich und bewegte seinen Kopf.

»Müssen wir nicht raus?«, fragte er.

»Klar.«

»Aber wie? Springen?«

»Da könnten wir uns den Hals brechen«, sagte Suko. »Es ist recht hoch. Wir sollten die Rutschen ausfahren und über sie das Flugzeug verlassen, das ist ungefährlicher.«

»Dann tun wir das doch.«

»Ja«, sagte Suko, »

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