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John Sinclair - Folge 1835

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Die Nacht der Killer-Sekte
  4. Vorschau

Die Nacht der Killer-Sekte

Ja, er würde den Mann töten müssen. Doch es würde kein Mord sein, sondern eine Erlösung.

Mit diesem Gedanken hatte sich Stephan Kowalski auf den Weg gemacht, der ihn in die Einsamkeit seiner polnischen Heimat führte. Er saß in einem alten Jeep, der noch immer seine Pflicht tat und auch schweres Gelände schaffte. Und in einem solch schwierigen Gelände hielt sich Dukla verborgen. Vielleicht auch versteckt, was gut war, denn wenn er sich unter Menschen wagte, konnte es furchtbar für sie werden …

Früher war Dukla so etwas wie ein halber Pfarrer gewesen. Er hatte als Küster gearbeitet. Das war heute nicht mehr der Fall. Einmal noch hatte er es versucht und war in seine alte Kirche zurückgekehrt. Danach hatte er einen Anfall bekommen und den Beichtstuhl zertrümmert. Dann war er geflohen. Und das mit dem Wissen, seinem Schicksal nicht mehr entgehen zu können.

Einen letzten Ausweg hatte er noch gesehen und einen gewissen Stephan Kowalski angerufen, der kommen sollte, um ihn zu erlösen. Und das wollte der Mönch auch tun, der allerdings ein besonderer Mönch war und für den Geheimdienst des Vatikans arbeitete, der Weißen Macht

Und jetzt wollte Stephan den Küster stellen und letztendlich auch vernichten, denn es gab keine andere Möglichkeit. Auch wenn er noch aussah wie ein Mensch, er war es nicht mehr. Dukla war ein Vampir, das hatte er dem Mönch gesagt.

Kowalski wusste auch, wo sich der Küster aufhielt. Er hatte sich in einer Höhle verkrochen und sich dort angekettet, wie er in seiner letzten Botschaft mitgeteilt hatte.

Noch fuhr er, und er hoffte auch, dass er nicht zu lange zu Fuß gehen musste.

Es war ein heißer Tag. Die Sonne stand wie ein Glutball am Himmel, und der nahe Wald schien unter Dampf zu stehen, denn die Schwaden stiegen in die Höhe.

Es gab einen Weg, der den Namen nicht verdiente. Man musste mehr von einer Piste sprechen, die sich wie ein Staubband durch die Landschaft zog. Zu beiden Seiten der Piste wuchsen Büsche und kleine Krüppelbäume. Der Himmel war eine blaue Fläche, und die Sommersonne nur ein gleißender Ball.

Noch war das Gelände flach, doch das änderte sich bald, denn es stieg an. Und darüber war der Mönch froh, denn bald würden die Felsen beginnen, und dort würde er den ehemaligen Küster finden. Dukla hatte gesagt, dass die Höhle nicht zu verfehlen war.

Er lenkte den Wagen jetzt über eine steinige Strecke, die plötzlich aufhörte. Sie hatte zuletzt praktisch ins Nichts geführt und endete vor einer Felswand.

Stephan wischte den Schweiß von seiner Stirn und stieg aus. Im Freien traf ihn die pralle Hitze, und er hätte sich einen Hut gewünscht, um seinen Kopf zu schützen. Aber auch die Haare gaben ihm Schutz, die recht lang wuchsen und weit über seine Ohren hinweg.

Wer ihn zum ersten Mal sah, der hätte ihn für alles gehalten, nur nicht für einen Mönch. Eher hätte man ihn für einen Rocker halten können oder für einen Menschen aus einem Fitnessstudio, so sah sein Körper mit den breiten Schultern aus. Sein Gesicht war sonnenbraun, und die hellen Augen fielen dort besonders auf. Er war ein Mann, auf den man sich verlassen konnte, aber er war auch konsequent, wenn es um seinen Job ging, den er jetzt wieder ausführen musste.

Er kannte Dukla von früher her. Als Junge war er ihm mal auf einer Pfadfinder-Fahrt begegnet. Später auf Kirchenfesten in Polen, und man hatte sich sympathisch gefunden. Der Küster war schon in Ordnung und hatte sich auch über den Weg gefreut, den Stephan gegangen war. Und jetzt zog sich ihre Bekanntschaft ins Absurde hinein. Das konnte Stephan schlecht nachvollziehen. Tief in seinem Innern hoffte er, dass Dukla sich geirrt hatte. Aber ob das wirklich zutraf, wusste er nicht.

Die Höhle war leicht zu finden, das hatte Dukla ihm gesagt. Dennoch musste er suchen, und er fand so etwas wie einen Weg, den er nehmen konnte. Es gab immer wieder Lücken zwischen den Steinen. Da ging er entlang, wobei er die Augen offen hielt, denn er wollte nicht an seinem Ziel vorbeilaufen.

Das war auch nicht der Fall. Er konnte sich auf die Schulter klopfen, als er seinen Blick nach rechts warf, wo ein recht hoher Felsen stand, der eine Öffnung aufwies.

Das musste es sein.

Dukla hatte sein Versteck gut gewählt. Es lag nicht zu einsam, sodass man von hier aus auch bewohnte Gebiete erreichen konnte, ohne stundenlang gehen zu müssen.

Bevor sich der Mönch der Höhle zuwandte, ließ er seinen Blick schweifen, um nach Menschen zu schauen, die ihm eventuell gefolgt waren.

Er sah niemanden.

Er war zufrieden und ließ auch noch den Rest der Strecke hinter sich. Vor dem Höhleneingang tauchte er auf. Um die Höhle zu betreten, musste er sich ducken, was er auch tat. Er wollte etwas sagen und sich damit anmelden, aber jemand kam ihm zuvor.

Es war eine brüchige Stimme, die sich bei ihm meldete. »Komm ruhig näher, Freund …«

Stephan Kowalski schloss für einen Moment die Augen. Ja, das war er. Das war seine Stimme gewesen. Er hatte sich nicht getäuscht. Dukla wartete auf ihn.

»Ja, ich bin es.«

»Das weiß ich doch.«

»Okay, dann komme ich jetzt.«

»Bitte.«

Kowalski musste sich ducken, um die Höhle betreten zu können. Danach konnte er sich nicht mehr normal aufrichten. Die Höhle war zu niedrig. Er ging mit eingezogenem Kopf vor. Es wurde immer dunkler, aber den Umriss des Wartenden sah er trotzdem. Dukla hockte nicht weit von der Wand entfernt.

»Du kannst ruhig Licht machen, solange es kein Sonnenlicht ist.«

Stephan Kowalski ging die wenigen Schritte und blieb stehen, als er Dukla frontal anschauen konnte. Das tat er im Licht einer kleinen Taschenlampe.

Stephan musste schlucken, als er die Gestalt sah. Er hatte Dukla als einen Mann mit vollem schwarzen Haar in Erinnerung. Davon war nicht mehr viel geblieben. Das meiste Haar war verschwunden. Nur ein paar Strähnen wuchsen noch auf dem Kopf. Die hatte er nach hinten gekämmt. Das runde Gesicht war eingefallen, die Augen lagen tiefer in den Höhlen als normal, und der Blick flackerte leicht. Die Haut im Gesicht war bleich und schmutzig zugleich. Hinzu kam, dass er sich angekettet hatte. Er konnte sich nur in bestimmten Grenzen bewegen, aber das hatte er so gewollt. Die Kette war an der Wand befestigt, und das andere Ende umklammerte das linke Handgelenk.

»Hast du einen Schlüssel?«, fragte Stephan.

»Ja.«

»Dann kannst du dich befreien?«

»Nicht mehr.«

»Ach? Und warum nicht?«

»Weil ich ihn außerhalb meiner Reichweite geworfen habe. Wenn du dich hier umschaust, wirst du ihn bestimmt finden. Nur ich komme nicht mehr an ihn heran.«

Kowalski nickte. »Dann ist es dir also ernst?«

»Und ob. Aber was ist mit dir?«

»Wieso? Was soll sein?«

»Du hast versprochen, mir etwas mitzubringen. Ja, das hast du. Wenn nicht, dann werde ich nichts sagen.«

Der Mönch lachte. »Was war das noch mal?«

»Blut«, flüsterte der ehemalige Küster. »Ich habe Blut haben wollen, und zwar Blut, das ich trinken kann.«

»Ja, das habe ich.«

»Wunderbar. Und wo ist es?«

»Moment.« Kowalski griff in die Tasche und holte ein Röhrchen hervor, das Ähnlichkeit mit dem einer Parfümprobe hatte, die man des Öfteren in Drogerien bekam.

Er hielt es zwischen zwei Fingern und gegen das Licht. »Hier ist es!«

»Was?«

»Ja, du siehst, dass es mit einer roten Flüssigkeit gefüllt ist. Das ist mein Blut.«

»Ja, das glaube ich dir sogar. Aber es ist verdammt wenig.«

»Es sollte für dich reichen. Aber wenn du es nicht haben willst, dann nehme ich es wieder mit.«

»Nein, das will ich nicht.« Der Mann streckte seine Hand aus. »Bitte, gib es her.« Danach zeigte er noch etwas von sich.

Er öffnete den Mund.

Und erst jetzt sah Kowalski das, was den Küster zu einem Vampir machte.

Es waren die beiden Blutzähne, die über die anderen hinweg ragten. Und sie warteten darauf, sich in den Hals eines Menschen bohren zu können …

***

Stephan Kowalski schaute fast ins Leere. Er stand in dieser dunklen Höhle und musste daran denken, dass er einen Blutsauger vor sich hatte. Eigentlich ein Mensch, aber er konnte ihn nicht befreien und laufen lassen.

Es gab bei ihm andere Möglichkeiten, und dazu war der Mönch auch bereit.

»Du kannst es trinken.«

»Ja, weiß ich.« Dukla schaute noch mal hin und zog mit spitzen Fingern den kleinen Stöpsel ab. »Ist ja besser als gar nichts.«

»Das meine ich auch. Und es ist mein Blut.«

Dukla kicherte. »Ja, das ist das Besondere daran. Es ist dein Blut. Ich werde die Tropfen jetzt zu mir nehmen, und sie werden mir bekommen, auch wenn es so wenig ist.«

»Ich habe mich nicht gern davon getrennt.«

»Das glaube ich dir.«

Dukla sagte nichts mehr. Er wollte nur noch genießen. Dazu legte er seinen Kopf nach hinten, öffnete den Mund und setzte die Öffnung des kleinen Gefäßes gegen seine Zungenspitze, um so das Optimale herauszuholen. Es sollte kein Tropfen zurückbleiben.

Er saugte, er schluckte, er ließ das Röhrchen dann in seinem Mund verschwinden, und Stephan hörte einen knirschenden Laut, da hatte der ehemalige Küster das kleine Gefäß zerbissen.

Danach stöhnte er auf. Er lachte auch. Er nickte und umleckte seine Lippen. Dann spie er einige Glassplitter aus und schluckte noch mal. »Ich hätte gern noch mehr, weißt du?«

»Das glaube ich dir. Aber ich habe nichts mehr mitgebracht.«

Dukla leckte seine Lippen. »Das Blut war gut. Es hat mir geschmeckt.«

»Das kann ich mir denken. Ich habe meinen Teil erfüllt. Jetzt bist du an der Reihe.«

»Wieso?«

»Du wolltest mir etwas sagen!«

Dukla verzog das Gesicht. »Ja, das stimmt. Ich tue es auch nur dir zum Gefallen.«

»Danke. Und worum geht es genau?«

»Um Vampire und eine Frau, die uns beherrscht.«

»Wieso eine Frau?«

»Wieso nicht, verdammt?«, schrie Dukla. »Ja, sie ist es. Die Blonde, auf die alle Männer geil sind. Und wenn sie mal in deren Falle gelaufen sind, gibt es kein Entrinnen mehr.«

»Hat sie auch einen Namen?«

»Ja, sie heißt Justine. Auch ich war ihr verfallen, auch ich …«

Stephan Kowalski hatte den Namen gehört. Er konnte nicht einfach zum nächsten Thema übergehen, denn dieser Name hatte tief in seinem Innern etwas zum Klingen gebracht.

Er kannte ihn.

Justine Cavallo.

Die blonde Bestie, die Blutsaugerin. Ein weiblicher Supervampir. Eine Unperson, hinter der auch der Geisterjäger John Sinclair her war.

Und sie war auf den Küster getroffen? Er konnte es kaum fassen, aber warum hätte Dukla die Unwahrheit sagen sollen? Es gab für ihn keinen Grund.

»Ich kenne sie.«

»Was?«

»Ja, ich kenne die Cavallo. Ich weiß genau, wie grausam diese verdammte Person ist.«

»Ja, Stephan, das ist gut. Dann muss ich dich ja nicht erst vor ihr warnen.«

»Das brauchst du nicht.«

»Aber wie bist du an sie gekommen? War es ein Zufall?«

Dukla lachte und sagte dann: »Das weiß ich nicht mehr. Ich glaube nicht. Sie hat Pläne. Sie will herrschen, doch nicht von einer Zentrale aus, wie ich es mir denke, sie hat etwas anderes vor. Sie legt Nester, sie ist darauf aus, Stützpunkte zu bauen. Dort hat sie dann ihre Vertrauten sitzen.«

Er bewegte seine gefesselte Hand. Die Kette klirrte. »Und einen dieser Stützpunkte kenne ich.«

»Oh, das ist interessant. Wo befindet er sich?«

»Nicht weit von hier.«

»Hört sich gut an. Kannst du das genauer sagen?«

»Ja, das will ich. Deshalb habe ich dich hergerufen. Ich halte meinen Mund nicht.«

»Schön.«

Der Vampir stöhnte auf. Er hatte wohl etwas sagen wollen, kam aber nicht dazu. Etwas geschah mit ihm. Er schüttelte den Kopf und versuchte, sich wieder zu konzentrieren. Im kalten Licht der Lampe war zu sehen, wie er seinen Mund öffnete, ihn wieder schloss und nach irgendeiner Blutbeute zu schnappen schien.

»Was hast du?«

»Hunger!«, fuhr Dukla seinen Besucher an. »Ich habe einen irren Hunger, auch Durst. Ich merke, dass es bald dunkel werden wird, und das ist dann meine Zeit.«

»Dann rede.«

Der Blutsauger wollte es, aber er musste erst noch einen Kampf ausfechten. Plötzlich wollte er frei sein. Er riss an seiner Kette. Er wollte sie aus der Wand zerren, was ihm nicht gelang. Dafür warf er sich auf den Boden und brüllte auf, während er den Körper von einer Seite zur anderen wuchtete.

Kowalski schaute zu. Er wollte den ehemaligen Küster nicht in seiner Wut stören. Der sollte mit sich selbst zurechtkommen.

Zu lange dauerte der Anfall nicht. Nach einigen letzten abgehackten Schreien hielt der Vampir wieder seinen Mund. Er klappte ihn zu.

Der Mönch wartete noch einige Sekunden. »Bist du wieder okay?«, fragte er.

»Warte noch.«

»Gut.«

Auch ein Blutsauger wie er brauchte seine Erholung. Man konnte ihn als schwach einstufen. Erst wenn er das Blut seiner Opfer trank, würde er wieder erstarken.

Er schüttelte sich und richtete danach den Blick wieder nach vorn.

»Und?«, fragte Stephan.

Er musste noch einige Sekunden warten, bis er eine Antwort erhielt. »Kennst du den Bunker?«

»Im Moment nicht.«

»Der Bunker ist das Hauptquartier oder der Treffpunkt der Killer-Sekte. Sie sind mehr als schlimm, das weiß ich, weil ich auch zu ihnen gehöre. Aber ich will es nicht mehr, verdammt noch mal. Ich brauche das nicht länger.«

»Und wo steht dieser Bunker?«

»Du kennst ihn. Es ist der alte Betonbau. Der Kasten, der nicht bezogen werden konnte. Damals ein Skandal. Jetzt steht er in der Landschaft wie ein Mahnmal.«

»Lass mich nachdenken.«

»Ja, tu das. Du musst ihn kennen. Er ist nicht weit von uns entfernt.«

»Zu welchem Ort gehört er denn?«

»Zu keinem. Er steht zwischen zwei Orten und auch nicht weit von Krakau entfernt.«

»Aha …«

»Du musst dort hinfahren und nachschauen. Das allein ist wichtig. Da wirst du die Lösung finden.«

»Du meinst Justine Cavallo?«

»Auch die.«

»Ist sie immer dort?«

»Das kann ich dir nicht sagen. Ich jedenfalls habe sie einmal da gesehen.«

»Gut, dann müsste ich also in der Nähe von Krakau suchen.«

»Ja, du kannst den Bau nicht übersehen.«

»Okay.«

Plötzlich gab es zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern nichts mehr zu sagen. Aber es gab noch etwas zu tun, und das war einzig und allein die Sache des Mönchs.

»Soll ich noch ein letztes Gebet für dich sprechen?«

»Nein.« Dukla lachte. »Das ist vorbei. Wenn du etwas für mich tun willst, dann besorge mir Blut, verstehst du? Ich will Blut haben …«

»Sorry.«

»Habe ich mir gedacht.«

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