Logo weiterlesen.de
John Sinclair - Folge 1824

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Wenn Satan seinen Henker schickt
  4. Vorschau

Wenn Satan seinen Henker schickt

(2. Teil)

Karina Grischin war nicht aufzuhalten und ihre Schüsse auch nicht. Sie hielt beim Laufen die Waffe mit beiden Händen fest, um so viele Ziele wie möglich zu treffen. Diese hielten sich unten an der Gangway auf, die mehr eine Leiter war.

Sie sahen aus wie Menschen, aber es waren keine. Es waren Zombies. Lebende Leichen aus dem in der Nähe liegenden Sumpf. Acht Gestalten, die in ein Flugzeug steigen sollten, um wegzufliegen …

Das wollte Karina Grischin verhindern. Deshalb rannte sie schießend auf die Gruppe zu. Es war der blanke Hass, der sie vorantrieb. Sie schrie auch bei ihrer Aktion und schaute zu, wie die Kugeln in die seelenlosen Körper einschlugen.

Karina schoss nicht mit normalen Kugeln, sondern mit welchen, die ich ihr besorgt hatte. Davon ging ich zumindest aus, dass sie ihre Waffe mit geweihten Silberkugeln geladen hatte. Und ich wusste nicht, ob es richtig gewesen war, sie auf die Maschine zurennen zu lassen, aber sie war ein eigenständiger Mensch, und ich hatte ihre Aktion nicht verhindern können. Ich griff in diesem Fall nicht ein, denn ich befand mich zu weit entfernt. Da hatte mich Karina Grischin mit ihrer Aktion wirklich überrascht.

Und es hörte nicht auf. Die Zombies mussten die Geschosse nehmen. Sie reagierten unterschiedlich, wenn es sie erwischte. Einige warfen die Arme hoch und brachen zusammen. Andere wiederum taumelten zur Seite. Sie sahen aus, als wollten sie fliehen, es dann aber nicht schafften und auf der Stelle zusammenbrachen.

Acht Zombies waren es.

Vier von ihnen erwischte die Agentin im ersten Anlauf. Man konnte zusehen, wie sich der Pulk lichtete, und das blieb auch Karina nicht verborgen.

Sie blieb mitten im Lauf stehen, lachte und schüttelte den Kopf. Dann drehte sie ihn, um einen Blick in meine Richtung zu werfen. Sie sah mich und nickte mir zu.

Ich war auf dem Weg zu ihr. Auch ich hatte meine Waffe gezogen und hörte ihre Worte.

»Es war gar nicht so schwer, John. Einfach draufhalten, dann kannst du sie vernichten.«

In der Tat sah es so aus. Vier lebende Leichen lagen verstreut auf dem Boden. Sie waren jetzt endgültig tot, und das war schon ein großer Pluspunkt, aber es gab noch die vier anderen Wesen, und es gab nicht nur sie, sondern es gab auch noch das auf der Wiese gelandete Flugzeug, mit dem jemand gekommen war, der die Zombies aus dem Sumpf hatte abholen wollen.

Eine Frau, die für Karina Grischin so etwas wie ein Hassobjekt war. Sie hieß Chandra und war etwas Besonderes. Man konnte sie als kugelfest bezeichnen, das hatte Karina schon bewiesen bekommen. Nicht bei dieser Szene, aber es gab frühere Zusammentreffen, und auch jetzt zog sie wieder die Fäden.

Und sie zeigte sich.

Als kugelfeste Person brauchte sie keine Angst zu haben, ins Freie zu treten. Das hatte sie getan. Sie stand am Ende der Leiter und schaute sich alles an. Dabei blitzten ihre Augen, und sie konnte ein hartes Lachen nicht unterdrücken.

»Na, Karina, was willst du?«

»Erst deine Verbündeten, dann hole ich dich.«

»Meinst du?«

»Das verspreche ich dir.« Karina lachte auf und schoss erneut.

Diesmal fehlte sie. Sie hatte die Kugel auf den Kopf einer Untoten gezielt, aber vorbeigeschossen.

Die Wesen reagierten. Ob aus eigener Initiative oder ob sie einen Befehl erhalten hatten, niemand wusste es von uns. Jedenfalls änderten sie ihr Verhalten. Sie waren keine Zielscheiben mehr, denn sie duckten sich, dann drehten sie sich um und zeigten, wie schnell sie reagieren konnten.

Sie huschten die Treppe hoch.

Und sie boten so keine großen Ziele mehr, denn sie bewegten sich auf Händen und Füßen die schmalen Stufen in die Höhe. So war der Schusswinkel für uns schlechter geworden.

Und es passiert noch etwas. Die Zombies huschten in die Höhe, doch es gab eine Person, die genau das Gegenteil von dem tat. Sie kam die Stufen herunter, und das konnte sie sich erlauben, denn unsere Kugeln konnten ihr nichts anhaben. Chandra schützte ihre Diener und breitete spektakulär die Arme aus. Dabei lachte sie.

Chandra fühlte sich als Siegerin, das fühlte sie sich immer, und das konnte sie sich erlauben.

Aber daran dachte Karina Grischin in diesem Augenblick nicht. Sie sah nur, dass Chandra ihr immer näher kam, und das wollte sie ausnutzen.

Ich sah, wie sie sich startbereit machte. Sie holte tief Luft, dann fegte ein Schrei aus ihrem Mund.

Sie rannte jetzt auf die Treppe zu. Sie sah keine andere Gegnerin mehr als Chandra, und auch ich hielt es auf meinem Beobachterposten nicht länger aus.

Ich kannte beide Frauen. Ich wusste, welch tolle und einzigartige Kämpferin Karina Grischin war, aber ich hatte auch Chandra erlebt. Durch ihre Kugelfestigkeit war sie eigentlich unbesiegbar, das wusste auch Karina, aber sie steckte voller Zorn und Hass. Und sie sah die Chance, an die Feindin heranzukommen, und die wollte sie sich nicht entgehen lassen.

Sie rannte mit Riesenschritten, und es vergingen nur Sekunden, da hatte sie die primitive Gangway erreicht. Um sie herum lagen vier Leichen, was sie nicht kümmerte. Ihr Blick galt allein Chandra, die noch auf der Treppe stand, sich dann aber abstieß und der Agentin regelrecht entgegen flog.

Karina wollte ausweichen, was sie nicht schaffte. Dafür duckte sie sich und konnte den Aufprall etwas abmildern.

Beide Frauen fielen zu Boden. Sie umkrallten sich und es war ihr scharfes Lachen zu hören.

Das klang auch an meine Ohren, denn ich befand mich auf dem Weg zu den beiden.

Die Frauen rollten über den Boden. Keine wollte nachgeben. Mal lag Chandra oben, mal Karina. Es war ein ständiges Wechselspiel. Ich hatte eigentlich eingreifen wollen, was gar nicht so einfach war, wie ich jetzt feststellen musste. Die beiden bewegten sich zu schnell. Sie schrien, sie schlugen, sie hielten sich dann wieder fest, sie stießen mit ihren Köpfen zusammen und versuchten auch, ihre Beine einzusetzen, was ihnen wegen der Enge kaum gelang.

Ich stand hilflos daneben und schüttelte den Kopf. Ich wollte vor allen Dingen Chandra fassen, aber sie war einfach zu schnell, ebenso wie Karina.

Ich wusste nicht mal, ob sie mich bemerkt hatten. Sie kämpften weiter. Ich hörte ihr Fauchen, ihr Fluchen, und dann gelang es einer von ihnen, die andere wegzustoßen.

Es war Karina, die ihre Beine hatte anziehen können, um sie dann nach vorn zu rammen. Und Chandra wurde auch getroffen. Entweder in Bauch oder in Brusthöhe. Jedenfalls ließ sie ihre Gegnerin los und rutschte auf dem Grasboden weiter zurück.

Das sah auch Karina. Sie stieß so etwas wie einen Jubelruf aus und schnellte mit einer Bewegung auf die Beine.

Chandra tat das Gleiche, nur war sie langsamer, und den Vorteil nutzte die Agentin aus.

Sie trat zu. Als perfekte Kickboxerin war das für sie keine große Leistung. Sie wusste auch, wohin sie treten musste, aber da reagierte Chandra noch rechtzeitig. Sie drehte ab, und der Tritt erwischte sie nur an der Schulter und nicht im Gesicht.

Dennoch war sie angeschlagen. Die Wucht drehte sie zur Seite und genau in meine Richtung. Ich schlug zu. Meine Faust bohrte sich in ihre Magengrube. Es war ein Hieb, der sie zu Boden hätte schicken müssen. Sie taumelte auch zur Seite und ich setzte diesmal sofort nach. Der nächste Hieb erwischte sie an der Schulter. Ein Tritt folgte, der sie an den Beinen treffen sollte, was mir aber nicht gelang, denn ich hatte ihre Schnelligkeit unterschätzt. Urplötzlich befand sich mein rechtes Bein in einer Klammer.

Und dann wurde es gedreht. Ich verlor den Kontakt mit dem Boden. Für einen Moment lag ich in der Luft, dann schlug ich hart auf. Ich fluchte innerlich, weil ich mich so dämlich verhalten hatte. Zum Glück hatte ich mich ein wenig abstützen können, und nur mit großer Mühe schaffte ich es, mich herumzuwälzen, denn ich war gegen ein Hindernis gestoßen.

Es war kein unbedingt hartes oder festes, sondern ein recht weicher Körper, der einem Zombie gehörte. Das irritierte mich für einige Sekunden, dann war ich wieder voll da und sprang auf die Füße.

In diesem Moment hörte ich das Lachen. Es konnte nur von Chandra stammen. Ja, so war es auch. Und sie hatte nicht grundlos gelacht, denn in den letzten Sekunden hatte sich etwas verändert.

Es war dort passiert, wo sich der Einstieg in den Flieger befand. Dort standen die vier Zombies. Sie waren nicht mehr allein, denn sie hatten jemanden mitgebracht, den sie nun festhielten.

Es war jemand, mit dem wir nicht gerechnet hatten – Wladimir Golenkow …

***

Und genau deshalb hatte Chandra gelacht und ihren so irren Spaß gehabt. Sie hatte es geschafft und war die Treppe hoch gelaufen. Bis fast zu ihrem Ende. Dort hatte sie angehalten und schaute nun die Treppe hinab.

Karina und ich standen unten. Weiter entfernt hielt sich Oleg Turew mit seinem Auto auf, aber er spielte in diesem Konzert keine Rolle. Für uns gab es nur noch ihn, Wladimir Golenkow.

Golenkow war mit seinem Rollstuhl entführt worden. Das hatte bei Karina und mir eingeschlagen wie eine Bombe. Das hatte vor allen Dingen sie in die zweite Linie gedrängt und gezeigt, dass auch sie nicht gegen Niederlagen gefeit war.

Ja, man hatte ihn aus der Klinik entführt, denn Golenkow verbrachte Teile seines Lebens in einer Reha. Wenn er nicht dort war, hielt er sich in seinem Büro am Schreibtisch auf, denn ganz vom Weltlichen ab sein wollte er auch nicht.

Und jetzt war er auf einmal hier. Nicht weit entfernt. Damit hatten wir beide nicht gerechnet, und das brachte vor allen Dingen Karina ziemlich durcheinander.

Und er saß nicht mehr in seinem Rollstuhl. Er stand, ja er stand wie jeder normale Mensch auch.

Das war für Karina Grischin schwer zu begreifen. Sie wollte etwas sagen, doch es blieb beim Versuch. Ich hörte einen fast schluchzenden Laut ihren Mund verlassen.

Wir standen nicht weit voneinander entfernt. Karina brauchte nicht laut zu sprechen, um Kontakt mit mir zu bekommen.

»John …«

»Ich höre.«

»Ist das tatsächlich Wladimir? Oder bilde ich mir das Bild nur ein?«

»Nein, er ist es. Sie haben ihn mitgebracht.«

»Und er ist ohne Rollstuhl.«

»Bitte, Karina, das solltest du nicht so hoch bewerten. Es sind vier Zombies dicht um ihn herum. Auch wenn man es nicht sieht, so glaube ich doch, dass er gestützt wird. Es ist unmöglich, dass er wieder normal geworden ist.«

»Unmöglich, sagst du?«

»Ja.«

»Aber ich nicht. Wir beide wissen, dass in unserem Leben nichts unmöglich ist.«

»Das schon, aber in diesem Fall gibt es einen medizinischen Hintergrund und keinen magischen.«

Sie stöhnte auf. Dann fragte sie: »Weißt du eigentlich, wie ich mich fühle?«

»Das kann ich mir denken.«

»Gut, John«, flüsterte sie, »gut. Dann wirst du auch nichts dagegen haben, dass ich losgehe und mir Wladi hole. Er lebt, und das ist jetzt meine große Chance.«

»Sie wird es uns nicht leicht machen.«

»Das weiß ich.«

»Es kann eine Falle sein.«

»Damit rechne ich. Trotzdem, ich will ihn haben. Ich will ihn zurückhaben.«

»Okay, dann versuch es.«

Sie warf mir einen scharfen Blick zu. »Und was machst du?«

»Ich stehe an deiner Seite.«

»Versprochen?«

»Ja, wie immer.«

»Okay.«

Es war der Zeitpunkt gekommen, um etwas zu unternehmen, das spürten wir beide, aber so einfach war das nicht. Die andere Seite hatte auch etwas vor. Bisher hatte sie sich ruhig verhalten, was sich nun änderte. Auf der Treppe stand die Kugelfeste und rief uns entgegen: »Na, seht ihr euren Freund?«

»Er ist nicht zu übersehen!«, rief ich zurück.

»Sehr schön.« Chandra lachte. »Es steht also fest, dass er noch am Leben ist. Dabei hattet ihr schon große Angst, dass dem nicht so sein würde. Aber er lebt. Wenn ihr wollt, kann ich euch auch den Beweis antreten.« Sie wartete unsere Antwort gar nicht erst ab, sondern stellte Golenkow eine Frage.

»Lebst du noch?«

Er nickte.

»Gesehen?«, rief sie uns zu.

Karina schnaufte, bevor sie mich frage. »Was will die, verdammt noch mal?«

»Uns fertigmachen. Sie will uns zeigen, welche Macht sie besitzt. Das ist doch ganz klar.«

»Da täuscht sie sich.«

»Noch hält sie die Trümpfe in der Hand.«

Karina nickte. »Ich weiß. Ja, ich weiß es genau. Aber ich werde sie mir zurückholen.«

Das konnte ich mir denken. Karina stand unter Dampf. Sie war in der Lage, alles zu tun. Auch die Realitäten ignorieren, und dann hörten wir die höhnische Frage der Kugelfesten.

»Wollt ihr nicht mit ihm reden? Ich gebe euch die Chance. Was ist mit dir, Karina?«

Die Agentin antwortete nicht. Sie war emotional aufgeladen, das sah ich ihr an. Obwohl sie auf dem Fleck stand, zitterte sie. Es war auch zum Teil ihre Hilflosigkeit, die sie so reagieren ließ.

»Aber ich kann dir ein Kompliment machen, Karina Grischin. Einer wie er ist perfekt. Oder fast. Man kann verdammt viel mit ihm anfangen. Er kennt sich aus, und ob du es glaubst oder nicht, er versteht sich bestens mit Rasputin. Ich habe den Eindruck, dass die beiden Freunde werden können.«

Karina hätte beinahe aufgeheult. Sie riss sich im letzten Moment zusammen. Dafür schüttelte sie den Kopf. »Die will mich fertigmachen, verflucht.«

»Kann sein.«

»Oder glaubst du an das, was sie sagt?«

»Es ist alles möglich. Du weißt nicht, welche Mittel ihr und Rasputin zur Verfügung stehen. Ich will es auch nicht hoffen, aber ich kann es nicht ganz ausschließen.«

»Das wäre schlimmer als der Tod. Er – in ihren Händen. Er – umgedreht. Er – einer, der gegen mich ist.« Sie stöhnte laut auf. »Das kann doch nicht wahr sein.«

»Wir haben auch keinen Beweis.«

»Okay, John, den hole ich mir.«

»Und wie?«

»Das wirst du schon sehen.« Sie ging vor, aber sie lief nicht bis zum Beginn der Treppe, sondern stoppte schon nach zwei Schritten, um Wladimir anzusprechen.

»Okay, Wladi, wenn du wieder gesund bist, dann komm zu mir, damit wir unseren gemeinsamen Weg weiter gehen können.« Sie hatte so laut gesprochen, dass sie auch am Ende der Leiter gehört werden musste.

Auch ich war gespannt auf die Antwort. In meinem Innern spürte ich einen gewissen Druck, der sich auf meine Brust gelegt hatte, denn von dieser Antwort hing viel ab.

Und wir bekamen sie. Er sprach sie laut und deutlich aus.

»Mir geht es gut. Ich habe Freunde gefunden. Es ist so wunderbar. Ich bin in einer neuen Welt. Ich trauere keiner anderen mehr nach …«

Karina Grischin mussten die Worte wie Hammerschläge getroffen haben. Sofort wandte sie sich an mich. »Hast du das gehört, John? Hast du das wirklich gehört?«

»Ja.«

»Verdammt, das kann ich nicht fassen. Auch nicht glauben. Das ist einfach zu abgefahren.«

»Ist es auch.«

»A

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "John Sinclair - Folge 1824" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen