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John Sinclair - Folge 1816

Der sanfte Henker

Jamila Londry trug nichts am Leib außer einer Feder!

Nackt stand sie vor dem Spiegel und bewunderte sich. Die blonden Haare, die ein sanftes Gesicht umspielten, die zarten Linien des Halses, der weiche Schwung der Schultern, die beiden perfekten Brüste, dann die Wespentaille, die leicht ausladenden Hüften, die wunderbar glatte und auch weiche Haut.

»Kommst du, Honey?«

Eine raue Männerstimme hatte die Stille durchbrochen. Sie war im Nebenzimmer aufgeklungen. Dort wartete er auf sie, der Grobe, das Ekelpaket, das sie gekauft hatte, weil er viel Geld besaß.

Jamila steckte sich die Feder ins Haar. Dann lächelte sie.

Der Kunde nebenan würde sich wundern. Und wie er sich wundern würde …

Es hatte mir gut getan zu sehen, wie die Wiege des Teufels verbrannte. Ich selbst hatte sie ins Feuer geworfen, aber ich dachte auch daran, dass jemand gestorben war, der meiner Ansicht nach noch hätte leben sollen.

Es war ein kleines Kind gewesen, das vom eigenen Höllenfeuer vernichtet worden war. Da hatte sich der Teufel zurückgezogen, und ich hatte darauf gehofft, dass sich noch der erste Diener des Teufels zeigen würde, aber von Matthias hatten wir nichts gesehen. Er hatte nur heimlich gewisse Vorbereitungen getroffen und dann seinen Diener Justus Blake ins Feld geschickt.

Er hatte Verbündete um sich versammelt und vor allen Dingen mit der Wiege noch viel vorgehabt.

Das war jetzt vorbei. Suko und ich waren froh darüber. Auch die Wiege gab es nun nicht mehr, und wir konnten aufatmen und uns neuen Fällen widmen.

So war es immer gewesen, so würde es auch in diesem Fall sein. Das dachte ich, aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Dabei hatte der Morgen entspannt begonnen. Wie immer waren Suko und ich ins Büro gefahren und dabei sogar halbwegs pünktlich gewesen. Da war auch noch alles in Ordnung. Wenn wir jetzt aus dem Fenster schauten, da sahen wir die Veränderung am Himmel. Er war grauer geworden, und aus einer glatten Wolkenbank rieselten die ersten Flocken.

»Jetzt erwischt es auch uns«, sagte ich.

»Was meinst du?«, fragte Glenda Perkins, unsere Sekretärin oder Assistentin.

»Die ersten Flocken.«

Glenda lachte. »Ja, das hat so kommen müssen. Ich habe es in den Nachrichten gehört und auch gesehen. Wir sollten uns auf etwas gefasst machen, sag ich dir. Auf dem Land hat es bereits die ersten kleinen Katastrophen gegeben.«

»Wieso?«

»Schneeverwehungen.«

Ich winkte ab. »Die wird es hoffentlich hier nicht geben.«

»Warte es ab.«

Ja, ich würde warten müssen. Auf einen neuen Fall, der vielleicht schon auf uns wartete, denn lange Phasen hatten wir zwischen den einzelnen Fällen eigentlich nicht.

Meinen ersten Kaffee hatte ich schon getrunken. Ich holte mir eine zweite Tasse. Suko ließ ich in unserem gemeinsamen Büro sitzen und ging zu Glenda.

»Langeweile?«, fragte sie.

»Fast.«

»Dann kannst du mir dabei helfen, bestimmte Meldungen zu lesen, die ich ausdrucken muss.«

»Lass mal. Darauf habe ich keinen Bock.«

»Das ist mal wieder typisch.«

Ich trank einige Schlucke und fragte: »Ist denn etwas Relevantes für uns dabei?«

»Nein, das ist nur ein Teil dessen, was in der letzten Nacht passiert ist. Über Vampire, Zombies oder Hexen habe ich nichts gelesen.«

»Da können wir uns schon jetzt gratulieren.«

»Faulpelz.«

»Na und? In meinem Alter kann ich mir das erlauben.«

»Oh, mir kommen gleich die Tränen.«

»Dann schenke ich dir ein Taschentuch.«

»Gut, und was hast du sonst noch an diesem Tag vor?«

»Im Büro bleiben.«

»Das ist alles?«

»Das gefällt dir nicht?«

Glenda schüttelte den Kopf. »Nicht die ganze Zeit. Wir könnten sie unterbrechen.«

Ich ahnte, was kam, und fragte trotzdem nach. »Wie denn?«

»Indem wir Freund Luigi einen Besuch abstatten.«

Luigi war unser Pizzabäcker. Ein guter Koch, der sein kleines Restaurant fest im Griff hatte.

»Einverstanden.«

Glenda grinste von Ohr zu Ohr. »Dann können wir uns schon hier aussuchen, was wir essen wollen.«

»Ja, fang schon mal an.«

»Danke für den Tipp. Aber ich denke, dass ich noch Zeit genug habe. Außerdem muss ich gleich noch mal weg.«

»Wohin denn?«

»In die Reinigung. Ein paar Klamotten abholen.«

»Aha, du bereitest dich auf den Frühling vor.«

»Das kann man so sagen.«

»Und wann kommt er?«

»Keine Ahnung.« Sie lächelte. »Jedenfalls will ich vorbereitet sein.«

»Tu das.«

»Du kannst Suko ja mal fragen, ob er am Mittag mitgehen will. Dann reserviere ich schon mal drei Plätze.«

»Alles klar.«

Ich nahm den Kaffee mit in unser gemeinsames Büro, in dem das Licht an der Decke einen kalten Schein verbreitete. Aber wir waren zumindest in der Lage, jede Staubfluse zu sehen.

»Aha«, sagte Suko nur. Er hatte Zeitungen gelesen und schob sie jetzt in Richtung meines Schreibtisches.

Ich ignorierte sie und wollte Suko auf unsere Mittagspause ansprechen.

Dazu kam es nicht mehr.

Das Telefon meldete sich.

Ich schnappte mir den Hörer, weil Suko mir zugenickt hatte. Eine Männerstimme meldete sich, und ich erfuhr, dass der Kollege einen Draht zum Untersuchungsknast hatte.

»Okay, und weshalb rufen Sie mich an?«

»Weil einer der Insassen keine Ruhe gibt.«

»Was heißt das genau?«

»Er will Sie sprechen.«

»Aha. Wie heißt der Mann?«

»Justus Blake.«

Er also. Das hätte ich mir eigentlich denken können. Ich kannte sonst keinen, der in der U-Haft saß.

»Was will er?«

»Sir, das hat er mir nicht gesagt. Er hat nur immer wieder Ihren Namen gesagt und davon gesprochen, dass dieses Treffen sehr wichtig wäre. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Wenn Sie ablehnen, vergessen wir die Sache, ansonsten kommen Sie nach unten in unsere Abteilung.«

Ich war mir noch nicht ganz sicher. Deshalb stellte ich noch eine Frage an den Kollegen.

»Was hatten Sie denn für einen Eindruck? Meint der Mann es ehrlich? Oder war es nur Show?«

»Keine Show, Sir. Ich hatte den Eindruck, dass er es ehrlich gemeint hat.«

»Gut. Dann komme ich.«

»Das freut mich.«

Ich hatte Suko nicht zuhören lassen, deshalb fragte er: »Was hast du für ein Problem?«

Er bekam einen Bericht.

»Oh, das ist ungewöhnlich.«

»Finde ich auch.«

»Eine Falle?«

Ich winkte ab. »Wie sollte er uns denn schon eine Falle stellen können? Da gibt es einige, aber kein Justus Blake. Der ist weg vom Fenster.«

»Ja, aber er will es nicht wahrhaben. Ich bin wirklich gespannt, was er will.«

»Willst du mit?«

»Nein, nein, das ist deine Sache.«

Ich stemmte mich vom Stuhl hoch. »Dann bis gleich.«

Im Vorzimmer hielt mich Glenda Perkins auf. »Wo willst du hin?«

»In den Keller.«

»Kartoffeln holen?«

»Nein, auch keine, die du schälen musst. Da will mich jemand sprechen. Justus Blake.«

»Das ist doch der vom letzten Fall.«

»Genau. Jetzt sitzt er, und ich bin gespannt, was er mir zu sagen hat.«

»Er wird dir bestimmt einen Bären aufbinden wollen.«

»Glaube ich nicht.«

»Was glaubst du denn?«

Manchmal konnte Glenda nerven. »Ich habe keine Ahnung, aber ich glaube auch nicht, dass er mich reinlegen will.«

»Dann wünsche ich viel Spaß, Mister Geisterjäger …«

***

Jamila Londry öffnete die Tür nur einen Spalt und das auch recht langsam. Sie wusste, was sie erwartete, aber er wusste nicht, was ihn erwartete. Er würde sich von ihrer Sanftheit einlullen lassen, und er würde gnadenlos die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Er saß auf dem Bett, den Rücken hatte er angelehnt. Die Decke reichte bis zu seinen Oberschenkeln, sodass der Oberkörper frei lag und jedes Detail zu sehen war.

Einige rote Flecken malten sich auf der hellen Haut ab. Der Bauch bestand aus einer Portion Schwabbelteig, der sich noch zu den Seiten hin ausbreitete. Die Arme hatte der Mann rechts und links seines Körpers auf die Matratze gestützt.

Er hatte die junge Frau zwar gekauft, aber er sah sie zum ersten Mal nackt, und genau diese Tatsache verschlug ihm den Atem. So hatte er sich sie nicht vorgestellt, nicht so perfekt. Bei ihr stimmte alles, und der Mann spürte, dass seine Hände feucht wurden. Sie war einmalig, sie war mehr als das, sie war einfach nur perfekt. Sie war ein lebendiges Wunder.

Das kleine Bad hatte sie verlassen. Der Mann im Bett wollte etwas rufen oder sagen, aber ihm blieb die Stimme weg. Nur ein Krächzen drang über seine Lippen.

Die Adern am fetten Hals des Mannes zuckten. Er hatte es endlich geschafft, sich zu finden.

»Himmel, bist du schön …«

Sie gab darauf keine Antwort und lächelte nur. Mit dem nächsten Schritt hatte sie das Ende des Betts erreicht, gab dem Körper einen leichten Schwung nach vorn und kniete sich.

Er saß, sie kniete. Sie war nicht zum Greifen nahe, aber auch nicht so weit entfernt. Er hätte sich nur auf sie zu bewegen müssen, was ihn aber Anstrengung kosten würde.

Deshalb sprach er sie an. »Komm her. Komm ganz dicht zu mir. Ich will dich fühlen, ich will alles von dir haben. Hast du verstanden?«

»Ja.«

»Dann komm.«

»Nein!«

Der Kerl zuckte zusammen. Mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet, und ihm fiel keine Antwort ein. Er fürchtete, dass diese Frau ihm überlegen war.

Aber sie war auch nackt. Und er hatte sie bezahlt. Deshalb gehörte sie ihm.

Das wollte er ihr auch klarmachen. »Hör mal zu, ich will dich. Ich bin geil auf dich. Ich habe viel Geld bezahlt. Ich darf dich mir gönnen. Du bist etwas Einmaliges, hat man mir gesagt. Und das genau wollte ich haben. Etwas Einmaliges, aber keine verdammte Zicke. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?«

»Ja.«

»Dann krieche endlich zu mir.«

»Dann werde ich auch.«

Der Mann schnappte nach Luft. »Na endlich. Endlich siehst du es ein. Vergiss nicht, dass du in der nächsten Stunde mir gehörst. Ich habe noch nie eine so große Summe für eine Nutte bezahlt.«

Es war eine böse, eine deklassierende Bemerkung des Kunden, auf dessen Gesicht sich jetzt ein sattes Grinsen zeigte. Für die junge Frau sah es widerlich aus.

Jamila kniete sich auf das Bett. Sie schaute sich den Kerl an, der sich unruhig bewegte. Er konnte es nicht erwarten, endlich die nackte Person in die Arme zu schließen.

Jamila hob den rechten Arm. Sie musste nicht lange suchen. Mit einem Griff fand sie das, was in ihrem Haar steckte. Es war eine Feder. Eine helle Feder, versehen mit einem starken Stiel oder Schaft.

Auch der Kunde hatte sie gesehen. »Was ist das?«, fragte er leicht lauernd.

»Eine Feder.« Jamila hielt sie hoch.

Er nickte. »Aha – und?«

»Ich liebe sie, und ich bin sicher, dass auch du sie lieben wirst. Sie ist ganz normal, aber sie kann auch einmalig sein und dir Wonnen bringen, von denen du bisher nicht mal geträumt hast.«

Der Mann schluckte. Er wusste nicht so recht, was er dazu sagen sollte. Plötzlich zuckte er zusammen. Gleichzeitig verließ ein Schrei seinen Mund, aber er spürte keinen Schmerz, sondern eine leichte Berührung in der rechten Kniekehle.

Das hatte die Feder erreicht.

»Na, gefällt es dir?«, hörte er die Frage.

Er lachte. »Weiß nicht, ist nicht schlecht. Aber du bist besser.«

»Das mag sein. Doch wer mich haben will, der muss sich auch mit meinen ungewöhnlichen Vorspielen beschäftigen.«

»Wieso?«

»Du willst doch happy sein.«

»Ja …«

»Wie heißt du eigentlich?« Spielerisch glitt die Feder über den rechten Fuß des Mannes.

»Greg ich – ich heiße Greg.«

»Wie schön, Greg.« Die Feder wanderte weiter und damit immer mehr seinem Oberkörper entgegen. Die Decke verbarg nichts mehr, und da kräuselten sich die Lippen der Frau zu einem spöttischen Lächeln.

Gregs Beine zuckten. Er ließ sie auch über das Betttuch gleiten, dabei winkelte er sie an. Etwas ändern konnte er nicht. Dieses herrliche Weib hatte er nicht mal berührt. Es machte mit ihm, was es wollte, und kitzelte ihn an bestimmten Stellen.

»Verdammt noch mal, hör auf.«

»Nein, ich fange gerade erst an, verstehst du?«

»Was willst du denn?«

»Dich.«

»Aber du hast mich schon.«

»Ich weiß …«

Er riss sich zusammen. »Okay, das gehört alles zu deinem Spiel. Es ist mir klar, aber ich habe bezahlt. Ich will auch etwas dazu beitragen. Verstehst du?«

»Klar.«

»Dann komm endlich her!«, schrie er, denn er konnte es nicht mehr aushalten. Er wollte endlich dazu kommen, was er sich vorgenommen hatte. Diese Frau war für ihn alles, was sich seine Fantasie bisher ausgemalt hatte. Und sie ließ ihn nicht heran. Sie spielte mit ihm. Er kam sich wie gefesselt vor. Er schaffte es nicht, sich ihr entgegen zu rollen, etwas bannte ihn, aber er sah auch, dass ihr Gesicht sich ihm näherte.

Dann kniete sie über ihn.

Er sah ihre Brüste, die dicht vor seinen Augen schaukelten, er wollte sie anfassen, doch die Arme und auch die Hände bekam er nicht hoch. Er sah sie nur, und er sah die Hand mit der Feder, die plötzlich vor ihren Brüsten auftauchte.

»Nein!«, flüsterte er. »Was soll das? Ich will das nicht mehr. Ich brauche die Feder nicht.«

»Aber ich.«

»Verdammt, wofür denn?«

...

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