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John Sinclair - Folge 1766

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Zurück aus der Zombie-Hölle
  4. Vorschau

Zurück aus der Zombie-Hölle

»Und? Alles bereit für die Taufe unserer Drillinge?«

Romana Torres nickte. »Ja, alles.«

»Und wann erfolgt die Taufe?«

»Morgen.«

»Um wie viel Uhr?«

Das Gesicht der Frau zeigte einen leicht ärgerlichen Ausdruck. »Um Mitternacht. Wie es sich für eine Teufelstaufe gehört …«

Es war eine Kirche. Oder ihre Kirche. Sie nannten sie einfach Kirche, weil es leichter für sie war, da mussten sie nicht umdenken. Außerdem machte es ihnen Spaß, gewisse Begriffe zu pervertieren, und da kam ihnen das Wort Kirche gerade recht.

Aber es war keine Kirche, sondern eine Tiefgarage. Sie war nicht mehr in Gebrauch. Man hatte sie aufgegeben, nachdem sie ein drittes Mal mit Wasser voll gelaufen war und zahlreiche Autos fahruntüchtig geworden waren. Verändert hatte man nichts bei ihr, und so war sie offiziell vergessen worden.

Bis eine bestimmte Gruppe sie entdeckt hatte, die auf so etwas nur gewartet hatte. Schon längere Zeit hatten die Teufelsfreunde nach einem Ort gesucht, an dem sie unter sich waren. Da die Garage sowieso nicht innerhalb einer verkehrsreichen Zone lag, fiel es kaum auf, wenn man sich traf und die Feste feierte.

Wie eine Taufe.

Zudem noch eine besondere.

Die Taufe der Drillinge!

Lange genug hatte die Mutter Romana sie getragen. Jetzt waren sie geboren, und nun konnten sie getauft werden. Natürlich in seinem Sinne, im Sinne des Teufels, den sie zu ihrem Gott gemacht hatten. Er war für die Gruppe das Maß aller Dinge, und er würde in dieser Nacht wieder Nachschub bekommen.

Die Gäste, die das Fest besuchten, trudelten nach und nach ein, denn man wollte Aufsehen vermeiden.

Die Garage war wieder geöffnet worden. Nicht alle Autos fuhren hinein. Einige mussten außerhalb geparkt werden, was kein Problem darstellte. Die Fahrzeuge schoben sich hintereinander in die Garage. Schwere Limousinen oder auch Geländewagen, von denen einer mit von innen verhängten Scheiben fuhr.

Niemand sollte hineinschauen, denn es war das Fahrzeug, das die Drillinge transportierte. Das Licht zahlreicher Scheinwerfer durchflutete den unterirdischen Bau. Es kam zu keinen Staus. Jeder wusste genau, wohin er zu fahren hatte. Das war zuvor alles genau eingeübt worden.

Der Wagen mit den Drillingen rollte an zwei Stützen vorbei, dann in eine Kurve und schließlich auf die Stelle an der Wand zu, die von den beiden Scheinwerfern erhellt wurde. Genau das war der Ort, wo der Wagen geparkt werden sollte.

Das Geräusch des Motors erstarb.

Der Fahrer blieb noch sitzen. Er lauschte nach hinten, wo die Kinder untergebracht waren. Von dort hörte er ein leises Krächzen oder so etwas Ähnliches. Die Kinder waren wach und befanden sich in guter Obhut, denn ihre Mutter war bei ihnen.

Immer mehr Autos rollten in die Garage und nahmen ihre Plätze ein. Es sah später so aus, als hätten sie einen Kreis gebildet. Allmählich erstarben auch die Geräusche, und es wurde still, als auch die letzten Nachzügler eingetroffen waren.

Erst dann geriet Leben in diese unterirdische Welt.

An verschiedenen Stellen züngelten Flammen in die Höhe und hinterließen ein tanzendes Muster unter der Decke. In der Garage verteilte sich das Spiel aus Licht und Schatten. Plötzlich war diese in ein Leben eingehüllt, das allerdings sehr unruhig war, die Menschen aber nicht störte.

Die Scheinwerfer der Autos verloschen nach und nach.

Autotüren wurden geöffnet, Menschen verließen ihre Wagen und bewegten sich von ihnen weg. Jeder Schritt und jede Bewegung waren einstudiert worden. Einige blieben bei den Autos stehen und glichen Wachtposten.

Unter der Decke verteilte sich das Feuer. Es entstanden immer wieder neue Bilder. Manchmal sahen sie fratzenhaft aus, als wäre dort das Gesicht des Teufels zu sehen, als wollte er als Zuschauer dabei sein, wenn in seinem Namen etwas geschah. Auch weitere Vorbereitungen wurden getroffen, die den Fahrer des wichtigsten Wagens nicht entgingen. Es lief alles so ab, wie man es geplant hatte.

Hinter sich hörte er die Frauenstimme. »Und?«

»Es läuft.«

»Wie?«

»Gut. Deine Brut kann bald getauft werden.«

»Es ist nicht meine Brut, verdammt! Diese Kinder gehören schon jetzt dem Teufel.«

»Dagegen sage ich auch nichts.«

»Dann sprich anders.«

Der Fahrer lachte. »Sei nicht so empfindlich.«

»Was soll das heißen? Ich bin die Mutter.«

»Na und? Der Vater ist doch auch wichtig – oder?«

»Klar.«

»Und wer ist der Vater?«

Auf diese Frage hatte Romana Torres gewartet, aus ihrem Mund drang ein scharfes Lachen, das schnell wieder verstummte. »Das würdest du wohl gern wissen, wie?«

»Klar.«

»Ich werde es dir nicht sagen, das weißt du. Du hast bis heute den Vater gespielt. Das war okay. Das hast du gut gemacht. Niemand will dir was.«

»Ich bin eben neugierig.«

»Lass es lieber sein. Gleich wirst du die Taufe erleben. Das sollte das Einzige sein, das dich interessiert.«

»Tut es auch.«

»Dann sei ruhig.«

Er lachte. »Ich will nicht ruhig sein. Ich will einfach nur wissen, wie es nach der Taufe weitergeht. Mit uns zwei, zum Beispiel. Was ist damit?«

»Keine Ahnung.«

»Hör auf. Du weißt doch bestimmt was. Hat dir der Teufel nichts eingeflüstert?«

»Wir sind nicht wichtig, nicht mehr. Du nicht, ich auch nicht. Wenn die Kinder erst mal die Bluttaufe erfahren haben, sind wir außen vor. Das sag ich dir.«

Der Fahrer nickte, aber er sagte nichts mehr. Er schaute durch die breite Scheibe nach vorn in die Garage und sah, dass dort die Vorbereitungen liefen. Die Feuer brannten. Es waren besondere Flammen, die so gut wie keinen Rauch absonderten. Sie waren auch sehr klar und nur wenig gefärbt. Sie glitten an verschiedenen Stellen in die Höhe und veränderten die Gesichter der Anwesenden. Sie machten sie blass und irgendwie künstlich.

Es war bald so weit. Jemand hatte schon den Altar aufgebaut. Ein Tisch war dort hingestellt worden, wo er am meisten Platz hatte. Es war ein recht großer Tisch und auf ihm lag eine schwarze Decke. In ihrer Mitte zeigte sie das, was die Anwesenden hier so liebten.

Eine dunkelrote Teufelsfratze mit knallgelben Augen. Hässlich und abstoßend, aber nicht für diejenigen, die sich hier versammelt hatten. Sie setzten und schworen darauf, und nicht wenige, die vorbeikamen, hielten an, beugten sich über die Decke und küssten die dreieckige Fratze.

Wenn sie dann wieder hoch kamen, zeigte ihr Gesicht einen nahezu entrückten Ausdruck, als hätten sie Kontakt mit der Hölle gehabt.

Im Wagen wurden die Drillinge unruhig. Sie fingen an zu quengeln und zu schreien, denn sie fühlten sich nicht mehr wohl in ihrem Gefängnis.

»Sie sollen endlich anfangen!«, sagte die Frau.

»Dann geh doch raus und sag es ihnen.«

»Ich werde mich hüten.«

Das Warten setzte sich fort, und der Fahrer fragte: »Sollen wir sie nach der Taufe wieder mitnehmen?«

»Was denkst du denn? Wo sollen sie denn sonst hin?«

»Vielleicht in der Hölle schmoren.«

»Hör auf mit solchen Bemerkungen, verdammt!«

»Schon gut.«

Sie mussten nicht mehr lange im Wagen bleiben, das sahen sie sofort. Eine Gruppe von vier Personen hatte sich zusammengetan und kam nun auf den Wagen zu.

»Es geht los!«, sagte Romana.

Sie warteten. Der Fahrer spürte in der Magengegend einen leichten Druck, das war alles. Die Frau schwieg ebenfalls. Die Drillinge waren auch ruhig, sogar als die Tür aufgerissen wurde.

»So, wir sind da.«

»Das sehe ich«, sagte Romana.

»Ist mit den Kindern alles klar?«

»Es gibt keine Probleme. Sie sind bereit, die Taufe zu empfangen.«

»Gut, dann gib sie her!«

Die Mutter tat es nicht gern, doch sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatte. Der Reihe nach gab sie die Kinder ab. Sie alle waren in dunkle Kleidung gewickelt und nur die kleinen und auch bleichen Gesichter schauten hervor. Es gab eine große Ähnlichkeit zwischen ihnen, auch die Augen sahen identisch aus, denn die Kinder hatten dunkle Pupillen, die sich nicht bewegten.

Sie wurden der Mutter abgenommen, die allerdings auch aus dem Wagen stieg und den drei Trägern ihrer Kinder folgte.

Neben ihr ging die Frau her, die ebenfalls mitgekommen war. »Bereust du es?«

»Nein.«

»Ehrlich nicht?«

Romanas Augen funkelten. »Ich habe mich dazu entschlossen. Und dabei bleibe ich.«

»Gut.«

Die drei Träger hatten jetzt ihr Ziel erreicht. Sie standen neben dem Altar. Die drei kleinen Kinder wurden auf den Rücken gelegt, und zwar dort, wo sich die Fratze des Teufels abmalte.

Es wurde ruhig.

Auch die Kinder meldeten sich nicht. Der entscheidende Punkt lag dicht vor ihnen. Noch wartete man ab. Um den Altar standen die Teufelsfreunde wie eine Mauer aus Leibern. Einige hatten sich kenntlich gemacht, wie es bei ihnen hieß. Sie hatten sich über die Köpfe die Masken gezogen. Hässliche Teufelsfratzen, die Böswilligkeit ausstrahlten.

Andere waren normal geblieben. Man überließ es jedem selbst, wie er sich verhielt.

Jemand lachte schrill. Es war eine Frauenstimme und eine Männerstimme antwortete barsch, sodass die Frau verstummte.

Wieder trat erwartungsvolle Stille ein, denn die Taufe würde folgen.

Die Feuer brannten. Fast gerade stiegen die Flammen in die Höhe. Wärme gaben sie kaum ab, Rauch auch nicht, und jetzt musste nur noch der Priester erscheinen, der berechtigt war, die Taufe durchzuführen.

In der Stille waren die Schritte deutlich zu hören. Sie näherten sich aus der Dunkelheit im Hintergrund den Wartenden.

Der Priester trug einen dunkelroten Mantel, dessen Stoff hell glänzte. Bemalt war er an der Vorderseite mit der dreieckigen Teufelsfratze. Das Gesicht des Mannes lag frei und wurde von keiner Maske verdeckt.

Der Mann hatte schwarzes dichtes Haar, das er nach hinten gekämmt hatte. Seine Augen funkelten in einem satten Grün, als hätte er sich gefärbte Kontaktlinsen eingesetzt.

Der Mann ging langsam. Er kannte seinen Weg. Er schaute weder nach rechts noch nach links, sein Augenmerk galt den drei Kindern auf dem Altar.

Davor blieb er stehen.

Er drehte den Kopf.

Er wollte alle sehen, die auch ihn sahen. Jeder wartete auf das Ritual, das so ungemein wichtig war.

Der Mann griff unter seine Jacke. Er holte etwas hervor, das metallisch schimmerte und eine lange Klinge hatte, die sogar leicht gebogen war.

Ein Messer …

Plötzlich war es mit der Ruhe vorbei. Es gab Zuschauer, die den Atem anhielten, andere aber stöhnten auf, wieder andere raunten, was dem Schwarzhaarigen nichts ausmachte.

Er wartete, bis sich die Menschen beruhigt hatten. Erst dann übernahm er das Wort.

»Ihr habt euch auf meine Seite gestellt. Ihr habt mich geholt, damit ich euch den richtigen Weg zeige. Ihr wolltet, dass ich sie taufe, die Abkömmlinge, die für uns die Allerhöchsten sind. Ja, ich werde es tun. Es wird nach unserem Ritual ablaufen. Sie werden hier die neue Bestimmung für ihr weiteres Leben erfahren, und man wird später von ihnen hören, das kann ich euch versprechen.« Er nickte und griff in die Tasche seines Gewands. Aus ihr holte er etwas hervor, das aussah wie ein kleines Tintenfass.

Jeder sah es. Auch der Fahrer des Wagens, in dem die Mutter gesessen hatte.

»Was soll das denn?«, flüsterte er ihr zu.

»Ich habe keine Ahnung.«

»Gefällt mir nicht.«

»Du bist doch einer von denen.«

»Weiß ich. Trotzdem …«

Der Teufelspriester hatte das Flüstern gehört. Er drehte den Kopf und schaute zu ihnen herüber.

»Ja, ja, schon gut«, murmelte Romana.

Der Priester machte weiter.

»Dann lasst uns mit der Taufe beginnen«, erklärte er, griff nach seinem Messer, hob es an, drückte die Hand nach vorn, sodass die Klinge über den Körpern der kleinen Menschen schwebte …

***

»Nein!«

Romana wollte noch etwas hinzufügen, aber ihr Partner war schneller und presste ihr eine Hand auf den Mund.

»Ruhe!«

Er konnte sie ja verstehen, denn es war ein schlimmes Bild, als das Messer über den kleinen Körpern schwebte. Es sah aus, als sollten sie zerhackt werden.

Der Mann bewegte seine Hand. Damit bewegte sich auch das Messer, das mit tänzerischen Bewegungen über den Körpern schwebte und nur noch unten sacken musste, um das Blut der kleinen Wesen spritzen zu lassen.

Es geschah nicht, aber das Messer schwebte trotzdem näher – und es berührte die Stirnen der Drillinge, wo es die Haut einritzte und kleine Wunden entstehen ließ, aus denen Blut quoll.

Der Priester schrie auf. Er riss seine Arme in die Höhe. Er sprach vom Blut des Teufels, das in den kleinen Menschen kochte, und er sprach davon, dass er das Blut des Tieres mitgebracht hatte, das er in einer Flasche verwahrte.

»Nur beiderlei Blut wird die Taufe perfekt machen!«, rief er mit lauter Stimme, die durch die Tiefgarage hallte.

Sein kleines Gefäß hatte er bereits geöffnet. Was es genau für ein Blut war, sagte er nicht. Er kippte das Gefäß, und die Zuschauer rücken noch näher an den Altar heran.

Niemand sprach mehr. Nur das Atmen der Menschen war zu hören. Blut und Blut vermischten sich. Da es sehr still in der Garage war, hörten die Menschen auch das leise Zischen, das entstand.

»Und so weihe ich euch im Namen des Teufels und der Hölle. Ihr habt heute eure Bestimmung erfahren. Die Saat wurde gelegt und irgendwann wird sie aufgehen. Das liegt nicht mehr in meiner Hand. Dafür wird ein anderer sorgen.«

Der Priester verneigte sich vor den Drillingen und zog sich dann zurück. Er ging. Er ließ sich durch nichts aufhalten, und es war auch niemand da, der ihn ansprach.

Es verging eine Weile, bis auch Romana und ihr Mann in die Normalität zurückfanden. Sie standen noch immer unter dem Eindruck des Erlebten. Sie wussten nicht, was sie sich gegenseitig sagen sollten, bis der Mann das tiefe Schweigen brach.

»Wir holen die Kinder.«

»Ja.«

Nebeneinander gingen sie die wenigen Schritte. Die anderen aus der Gruppe sahen sie. Man nickte ihnen zu, man sprach sie aber nicht an, sondern staunte nur.

Am Altar blieben sie stehen und nahmen ihre Kinder hoch. Romana Torres trug ein Kind, ihr Mann hatte die beiden anderen Kleinen auf den Arm genommen.

Eine Frau unterbrach das Schweigen. »Sie werden uns beschützen«, sagte sie.

»Darauf haben wir gewartet«, sagte ein Mann.

»Sie sind unsere kleinen Götter«, erklang es von der anderen Seite. »Gebt nur gut auf sie Acht, damit ihnen nichts passiert. Sie sind unsere Verbindung zu ihm.«

Die Eltern sagten nichts. Hin und wieder nickten sie.

Als sie den Wagen erreichten, fingen die drei Kinder an zu lachen. Aber es war nicht das Gelächter, das die Eltern kannten.

Aus dem normalen Kinderlachen war etwas anderes herauszuhören.

Das Gelächter des Teufels!

***

Jeff Bloom hielt den Atem an. Er hatte es geschafft, und das konnte er kaum fassen, und dabei sah er es mit eigenen Augen.

Es herrschte ein diffuses Licht. Trotzdem erkannten die Augen des Mannes Einzelheiten.

Es hatte sich gelohnt. Er war hier richtig. Vor ihm lagen der kleine See und das Haus. Er verglich es mit einem Foto, das allerdings an Schärfe verloren hatte. Der schwache Nebel hatte sich ausgebreitet und einen Schleier über das Gelände gelegt. Störend war er nicht. Der einsame Mann sah genug.

Jeff Bloom blieb in seinem Wagen sitzen und zwang sich zur Ruhe. Er wusste, was vor ihm lag und dass es keine einfache Aufgabe war. Das konnte er schon mit einem wahren Horrortrip vergleichen.

Alles kam auf ihn an. Auf ihn allein.

Er kannte seine Gegner und kannte sie trotzdem nicht. Er wusste, dass sie gefährlich waren. Gefährlicher jedenfalls als normale Menschen. Sie ließen sich nichts vormachen. Sie waren eiskalt. Die waren zu dritt und auch Drillinge.

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