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John Sinclair - Folge 0104

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Portaguerra

Eine Seilschaft von drei Bergsteigern kehrt nach einer Tour in den französischen Alpen nicht zurück.
Die Suchaktionen bleiben erfolglos.
Tage später berichten Spaziergänger, die Vermissten lebend in der Steilwand am Col du Lauterset gesehen zu haben.
Die Nachricht schlägt wie eine Bombe ein. Stundenlang diskutieren die Einwohner des Bergdorfes die Legenden, die sich um die Felswand ranken, und sie kennen nur einen, der ihnen helfen kann: John Sinclair.
Der Geisterjäger nimmt den Auftrag an und beginnt die Suche nach dem Geist des Magiers, dem die Legende den Namen Portaguerra gab.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

Portaguerra

Das Berghotel auf dem Col du Lauterset in den französischen Alpen war voll belegt. Am Mittag waren neue Gäste mit der Seilbahn gekommen, eine Gruppe englischer Touristen. Das Pächterehepaar Lerois hatte alle Hand voll zu tun, um das Personal zu unterstützen. Bei dem Berghotel handelte es sich schließlich nicht um eine Schutzhütte, sondern um ein erstklassiges Hotel.

»Das darf doch nicht wahr sein!«, donnerte Pierre Lerois. Sein Blick fiel auf die Terrasse, auf der drei junge Männer in Bergausrüstung standen, mit zwei hübschen Touristinnen flirteten und unbeschwert lachten. »Mon dieu! Wir schuften hier drinnen, und unsere Herren Söhne vergnügen sich!« Er riss das Fenster der Küche auf und lehnte seinen massigen Oberkörper hinaus. »Jean! Jacques! Jerome!«, brüllte er. Beim Klang seiner Stimme zuckten die Touristinnen zusammen. Es hörte sich an, als habe sich am Col du Lauterset eine Lawine gelöst und donnere jetzt ins Tal.

Die drei jungen Männer kannten das. Ungerührt drehte sich Jerome, mit dreiundzwanzig Jahren der älteste der Brüder, zu seinem Vater um. »Adieu, Papa! Bis heute Abend!«

»Ihr könnt uns jetzt nicht im Stich lassen!«, tobte Pierre Lerois und wurde krebsrot im Gesicht. »Wohin, zum Teufel, wollt ihr? Das Haus ist voll! Wir …«

»Nur ein kleiner Spaziergang in die Nordwand«, rief Jean, der Jüngste, zurück. »Zum Abendessen sind wir rechtzeitig zurück, Papa!«

Die Wut des Hotelbesitzers schmolz. Wenn sein Jüngster, mit einundzwanzig Jahren immerhin auch schon ein erwachsener Mann, etwas sagte, war Pierre Lerois hilflos. Er war auf alle seine Söhne stolz, aber der Jüngste war sein Liebling.

Brummend zog er den Kopf wieder zurück. Hätte er nur dieses eine Mal nicht nachgegeben! Und hätte er daran gedacht, dass die Nordwand des Col du Lauterset auch Todeswand hieß!

»Diese verdammten Kerle!«, schimpfte er, und in seiner Stimme schwang unüberhörbar Anerkennung mit. »Sind die besten Bergsteiger der ganzen Gegend! Aber um die Arbeit drücken sie sich!«

»Du warst früher auch nicht anders, Pierre«, sagte seine algerische Frau Anouk. »Es gab keinen Berg, auf den du nicht geklettert bist!«

»Schon richtig!« Pierre Lerois lächelte wohlgefällig über seine eigenen Leistungen.

»Heute geht es bei dir nicht mehr«, fügte sie hinzu, und ihre schwarzen Glutaugen blitzten spöttisch auf. »Zu viel Wein und zu gutes Essen! Mit deinem Bauch würdest du wie ein Stein abstürzen!«

Pierres Lächeln erlosch. »Hexe«, murmelte er und sah seinen Söhnen nach, die noch einmal fröhlich winkten und bald darauf hinter den wild aufgetürmten Felsen des Gipfelplateaus verschwanden.

Pierre Lerois sah seine drei Söhne nicht zum letzten Mal, jedoch zum letzten Mal lebend …

Jean, Jacques und Jerome steuerten mit kräftesparenden, elastischen Schritten der Nordwand zu. Sie hätten Drillinge sein können. Alle drei hatten die dunkle Haut der algerischen Mutter, die schwarzen Augen und die geschmeidigen Bewegungen geerbt. Vom Vater hatten sie die kraftstrotzenden Gestalten.

Sie waren in drei aufeinanderfolgenden Jahren geboren worden, Jean mit den schwarzen Haaren der Mutter und Jerome mit den blonden des Vaters. Nur über Jacques, den Mittleren, zerrissen sich die Leute den Mund, woher wohl seine roten Haare stammten. Sogar seinem Vater kamen auch heute, zweiundzwanzig Jahre nach Jacques Geburt, noch manchmal Zweifel. Nur Mutter Anouk wusste, dass auch dieser Junge von ihrem Pierre war. Irgendein rothaariger Vorfahre hatte durchgeschlagen.

Die drei Lerois-Brüder, alle unverheiratet, waren die begehrtesten Junggesellen in weitem Umkreis. Überall drehten sich die Mädchen nach ihnen um, auch im nahen Grenoble, wenn sie in eine Bar oder eine Diskothek einfielen, um eine Nacht durchzufeiern. Sie waren jung, sahen blendend aus, waren wild und noch ungezügelt. Richtige Kerle, von denen Mädchen träumen.

Und sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Daran dachte noch heute ein paar Rabauken aus dem Tal, die wegen einer Mädchengeschichte vor einigen Jahren Jean aufgelauert und übel zugerichtet hatten. Jacques und Jerome hatten erst ihren jüngeren Bruder ins Krankenhaus gebracht. Anschließend bekamen die Schläger Zahn- und Kopfschmerzen. Es hatte sich in diesem Teil der französischen Alpen herumgesprochen. Seither ließ man die Lerois-Brüder lieber in Ruhe.

Jerome ging voran. Der Älteste war immer der Anführer der verschworenen Gemeinschaft gewesen.

»He, lauf nicht so!«, rief Jean, der das Schlusslicht bildete. »Oder willst du möglichst schnell wieder zu den Engländerinnen zurück?«

Jerome wandte für einen Moment den Kopf. »Pass auf deinen losen Mund auf!«, warnte er lachend. »Das sind zwei ganz tolle Käfer, aber eben nur zwei. Nicht wahr, Jacques, die teilen wir beide unter uns auf. Der Kleine soll seinen Teddybären aus der Spielkiste holen.«

»Gute Idee«, stimmte Jacques zu. »Mutter kann ihm Grießbrei kochen. Danach schläft es sich gut!«

»Ich werde euch beiden gleich …«, rief Jean aufgebracht, aber das schallende Gelächter seiner Brüder ließ erkennen, dass er ihnen auf den Leim gegangen war. Er war nicht nachtragend und lachte mit.

Ihre derben Schuhe mahlten sich durch lockeres Geröll. Am Wegrand standen große Warntafeln. In flammend roter Schrift und in mehreren Sprachen wurde vor der Nordwand gewarnt. Der Einstieg war nämlich so einfach, dass sich immer wieder Halbschuhtouristen verleiten ließen. Aber einmal in der Wand, fanden die meisten keinen Weg mehr zurück. Etliche waren schon abgestürzt. Den Lerois-Brüdern konnte so etwas nicht passieren. Jeder von ihnen war trotz der sommerlichen Hitze warm angezogen. In der Nordwand war es empfindlich kalt. Jeder trug einen Rucksack, Jerome über der Schulter das Seil.

»Wie weit steigen wir denn hinunter?« , fragte Jean, als sie die letzte Warntafel passierten.

»Mal sehen«, gab Jerome zurück und deutete nach vorne. »Da ist doch einer in der Wand!«

Jacques beugte sich zur Seite. Sie gingen bereits auf dem schmalen Weg, der in die Todeswand hineinführte. »Ich sehe nichts!«

»Jetzt ist er wieder verschwunden.«

Jerome blieb stehen und schüttelte den Kopf. »Hat gar nicht wie ein Bergsteiger ausgesehen. Eher wie eine Frau in einem langen Nachthemd.«

»Du spinnst«, erklärte Jean grinsend. »Frauen, Frauen, Frauen! Überall siehst du Frauen! Du bekommst eines Tages noch einen Koller.«

Jacques lachte mit dem Jüngsten, aber Jerome blieb ernst. Langsamer ging er weiter, bis der gebahnte Weg zu Ende war. Tief unter sich sahen sie das Tal, durch das sich die Eisenbahn wie ein dunkler Wurm schlängelte. Direkt zu ihren Füßen lag Modane, Bahnstation und letzte Stadt vor der italienischen Grenze. Der Col du Lauterset schien die aus dieser Höhe wie Spielzeug wirkenden Häuser zu erdrücken.

Wenn sie den Blick hoben, hatten sie ein herrliches Panorama vor sich. Die Sicht war klar und reichte bis nach Italien hinein. Hätte es nicht die aus Staub und Abgasen gebildete Schicht über der Großstadt gegeben, hätten sie sogar Turin erkennen können. So aber genügte ihnen das Panorama der Gipfel, von denen sie jeden einzelnen kannten, weil sie ihn schon bestiegen hatten. Die Augustsonne tauchte die Berge in goldenes Licht.

»Dann wollen wir!«, rief Jacques aufmunternd. »Oder schläfst du, Jerome?«

Zögernd ging Jerome Lerois drei Schritte vor und kniete nieder. Er deutete auf eine Stelle des Untergrundes, der hier aus sandiger Erde bestand. Als Jerome den Kopf wandte, blickten seine Brüder in ein bleiches Gesicht.

»Das ist ein Abdruck«, murmelte Jerome betroffen. »Seht ihn euch an!«

Er stand auf und stieg vorsichtig darüber hinweg. Dabei rutschte er von einem glatten Stein ab. Sein Schuh rammte in den Abdruck. Jerome murmelte eine Verwünschung.

"Na und, was ist damit?«, erkundigte sich Jean achselzuckend. »War der Abdruck so wichtig?«

»Es war … es war …«, stotterte Jerome. Er sah seine Brüder aus großen Augen an. »Es war der Abdruck eines Skeletts!«

Sekundenlang starrten ihn Jean und Jacques sprachlos an, dann warfen sie gleichzeitig die Köpfe in den Nacken und lachten schallend los.

»Vorwärts, geh weiter!«, rief Jacques mit Tränen in den Augen. »Du willst uns verkohlen!«

»Nein, wirklich, es ist …«

»Ach, sei still!« Jean wurde ärgerlich. Er drängte sich an die Spitze und schritt rasch auf der Route voran, die sie schon ein paar Mal benutzt hatten, um in die Wand einzusteigen. Jacques folgte ihm kopfschüttelnd, und Jerome blieb nichts anderes übrig, als sich anzuschließen.

Er war jedoch unter der braunen Haut leichenblass geworden und biss die Zähne zusammen, dass sich seine Wangenmuskeln scharf abzeichneten.

Fünf Minuten später begann die eigentliche Wand. Hier kamen sie nur mehr voran, indem sie sich von einem Vorsprung zum anderen gleiten ließen, sich seitlich auf kaum handbreiten Felsenbändern entlang schoben, stellenweise in engen Kaminen nach unten rutschten und mit Fingerspitzen und den harten Rändern ihrer Bergschuhe an Stellen Halt fanden, die ein anderer nicht einmal mehr entdeckt hätte.

Die drei jungen Männer kletterten schweigend und konzentriert. Sie genossen es, ihre Kräfte mit dem Berg zu messen. Jeden Muskel angespannt, kämpften sie sich Meter für Meter tiefer, bis sie die »Nase« erreichten, einen Felsvorsprung, auf dem bis zu sieben Mann Platz fanden.

»Pause«, bestimmte Jean. Seine Augen leuchteten, als er seinen Brüdern entgegensah. »Wir …«

Er brach mit einem erstickten Röcheln ab. Von der »Nase« lief ein Felssims weiter, bog scharf um eine Felskante und verschwand aus ihrem Blickfeld.

Hinter dieser Felskante tauchte eine bleiche Hand auf, schnellte wie eine zustoßende Schlange vor und traf Jean an der Schulter.

Der junge Mann stand fest auf beiden Beinen, doch der fürchterliche Schlag riss ihn nach hinten. Jacques und Jerome sahen seine entsetzt geweiteten Augen, in denen das Weiße gespenstisch schimmerte, seinen aufgerissenen Mund, hörten seinen grauenhaften Schrei und mussten hilflos mit ansehen, wie ihr Bruder rücklings über die Kante hinauskippte.

Sein Todesschrei verhallte in der Tiefe …

Jacques taumelte zwei Schritte vor. Verzweifelt und fassungslos hob er die Hände, als wolle er nach dem Bruder greifen, dem niemand mehr helfen konnte.

Jerome ließ sich fallen und schob sich vor, bis sein Kopf über dem Abgrund hing. Sein Verstand fasste das Grauen noch nicht. Tief unter ihm wirbelte Jeans Körper durch die Wand, prallte gegen einen Vorsprung und wurde weggeschleudert, fiel und fiel, streifte erneut die Felsen und drehte sich wie ein Rad.

Die Dunkelheit am Fuß der Todeswand schluckte Jean …

Neben Jerome erklang ein trockenes Schluchzen. Er hob den Kopf. Jacques stand wie zu Stein erstarrt auf der »Nase«, das Gesicht zu einer Maske gefroren.

»Pass auf!«, brüllte Jerome. Er kam nicht schnell genug auf die Beine, als hinter der Felskante wieder der tückische Arm hervorschnellte. Aber Jacques stand nicht so nahe wie Jean. Die bleiche Hand fuhr ins Leere. Ein wütender Schrei erscholl. Jacques wirbelte herum und wich zurück, als im nächsten Moment Jeans Mörder auftauchte.

Die Augen der beiden Männer weiteten sich ungläubig, als sie den Knochenschädel unter der schwarzen Kapuze, den vorne aufklaffenden bodenlangen Mantel und darunter den mumifizierten Körper sahen.

Das war Wahnsinn, durchfuhr es Jerome. Wahnsinn! Der reinste Horror! Eine Mumie, die sich bewegte und auf dem schmalen Grat ausschritt, als wäre es ein breiter Weg!

Die Schrecksekunde wurde den beiden zum Verhängnis. Jacques war so geschockt, dass er sich nicht von der Stelle rührte.

Jerome dachte schneller als sein Bruder. Er erkannte, dass sie gegen dieses Wesen hilflos waren, was immer das auch sein mochte.

»Weg hier!«, schrie Jerome und packte Jacques am Arm. Mit einem kraftvollen Ruck riss er seinen Bruder zu sich.

Doch in diesem Moment schnellten die Hände der Mumie vor. Die hageren Finger, an denen sich welke, pergamentene Haut über die Knochen spannte, krallten sich in Jacques anderen Arm.

Ein ungleicher Kampf entbrannte. Jacques brüllte vor Grauen und Schmerz. Seine Füße scharrten über den Felsen. Er konnte das Gleichgewicht nicht mehr halten. Je nachdem, wer kräftiger zog, schwankte er nach links oder nach rechts.

Sein Kopf pendelte hin und her. Mal stierte er in die gelbliche Fratze der Mumie mit dem kleinen, tückischen Augen tief in den knöchernen Höhlen und den gefletschten, langen Zähnen, dann sah er das vor Anstrengung und Entsetzen verzerrte Gesicht seines Bruders.

Es war ein lautloser Kampf, was Jerome und die Mumie betraf. Und Jacques Schmerzens- und Verzweiflungsschreie erstarben Sekunden später, als er ohnmächtig zusammenbrach.

Das war das Ende! Kaum knickten Jacques Beine in den Knien ein, als Jeromes Hände von seinem Arm abglitten. Jerome konnte die zusätzliche Last nicht mehr halten.

Aus dem Maul der Mumie schlug Jerome gellendes, höhnisches Gelächter entgegen.

Der schlaffe Körper flog wie eine Gliederpuppe mit schlenkernden Armen und Beinen hoch und über den Rand der »Nase« hinaus. Es traf Jerome wie ein Schlag. Auch sein zweiter Bruder war dem Tode geweiht, rettungslos verloren, musste in wenigen Sekunden am Fuß der Wand zerschmettern!

Jerome handelte instinktiv. Diesem Scheusal konnte er nicht standhalten. Ohne klar zu denken, begriff er, dass er es mit einem Wesen aus einer anderen Welt zu tun hatte und nicht mit einem lebenden Menschen.

Noch ehe ihn die Mumie packen konnte, warf er sich herum und hastete zurück. Er musste aus dieser Wand heraus und im Hotel Hilfe holen! Mein Gott, dachte er, wie weit doch die Menschen entfernt sind! Niemand ahnt, welches Grauen sich hier in der Wand abspielt! Niemand hat auch nur die leiseste Idee, dass ein Scheusal in der Nordwand auf Opfer lauert!

Die ersten Meter ging es ganz gut. Jerome hastete auf dem Felssims entlang, die Arme über den Kopf erhoben und gegen die Felswand gepresst. Seine Fingerkuppen schrammten über den Stein, krallten sich für Bruchteile von Sekunden fest, rutschten ab, wanderten weiter. So schnell wie noch nie in seinem jungen Leben setzte er den linken Fuß seitlich, zog den rechten nach, schob wieder den linken Fuß voran. Er klebte förmlich an der Felswand, dachte nicht mehr an den Abgrund unter sich, an die fünfhundert oder sechshundert Meter, die er stürzen würde, wenn er den Halt verlor.

Er wollte nur noch weg, möglichst weit von dieser mordenden Bestie, die seine beiden Brüder umgebracht hatte!

Dann war das Sims zu Ende. Von hier an musste Jerome senkrecht nach oben klettern.

Bevor er sich an den Aufstieg machte, drehte er kurz den Kopf nach rechts. Und stieß ein heiseres Stöhnen aus.

Die Mumie folgte ihm mit einer Schnelligkeit, die er nicht einmal dem geübtesten Bergsteiger zugetraut hätte. Ihn peitschte die Todesangst voran, aber dieses Monster wurde von Mordgier getrieben.

Er schnellte sich hoch, griff nach einem fingerbreiten Vorsprung, spürte den brennenden Schmerz in den aufgeschundenen Fingerspitzen und biss die Zähne zusammen. Seine Arme spannten sich an. Mit einem Klimmzug brachte er sich außer Reichweite der Mumie, quetschte die Füße in eine waagrecht verlaufende Spalte, schob sich höher und griff nach.

Weiter!

Jetzt befand er sich schon drei Körperlängen über dem Sims.

Geschafft!

Für einen Moment atmete er tief durch. Dann blickte er unter sich.

Er sah eben noch, wie die Mumie einem Schatten gleich die Felswand heraufglitt, sah die Hand, die nach ihm griff.

Im nächsten Augenblick spürte er den eisernen Druck der eiskalten Finger an seinem Knöchel, schrie gellend auf und legte seine ganze Kraft in die Hände. Er krallte sich fest und stieß mit dem rechten Fuß nach der Mumie.

Er konnte sie nicht abschütteln. Die Hand löste sich nicht von seinem Knöchel.

Mit einem mörderischen Ruck riss ihn die Mumie aus der Wand, Jerome kippte nach hinten. Sein Schrei verhallte ungehört.

Er fühlte sich schwerelos, fiel mit ausgebreiteten Armen, riss die Augen auf und sah Berge und Himmel in einem rasenden Wirbel vorbeiziehen.

In den Sekunden des Sturzes schössen ihm Bilder durch den Kopf, die Gesichter seiner Brüder und seiner Eltern. Jetzt verloren sie auch den dritten Sohn, dachte er noch.

Dann prallte er gegen den ersten Felsvorsprung. Der Aufschlag löschte sein Bewusstsein aus.

Jerome Lerois spürte nicht mehr, dass er noch dreimal gegen die Wand stieß, ehe er dicht neben den Leichen seiner Brüder am Fuß der Wand aufschlug …

Das schaurige Gelächter der Mumie war der Totengesang für die drei Lerois-Brüder.

*

Bill Conolly hielt einladend die Whiskyflasche hoch und sah mich fragend an.

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