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John Sinclair - Folge 0063

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Sandra und ihr zweites Ich

Nebelfetzen zogen durch die kahlen Äste, die wie erstarrte Leichenfinger in den grauen Himmel ragten. Regen prasselte gegen die Fenster des alten Hauses. Die dunklen Backsteinmauern schimmerten feucht. Ein loser Fensterladen schwang im Sturm hin und her und schlug monoton gegen die Wand. Dumpf hallten die Schläge durch das Haus.
In einem abgedunkelten Zimmer kniete eine betörend schöne Frau vor einem schwarzen Altar. Ihre funkelnden Augen waren auf ein Satansbild gerichtet, ihre Lippen bebten.
„Erscheine!“, flüsterte sie heiser. »Deine Dienerin Sandra fleht dich an, erscheine!“
Ihr Wunsch ging auf schauerliche Weise in Erfüllung …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

Sandra und ihr zweites Ich

Nebelfetren zogen durch die kahlen Äste, die wie erstarrte Leichenfinger in den grauen Himmel ragten. Regen prasselte gegen die Fenster des alten Hauses. Die dunklen Backsteinmauern schimmerten feucht. Ein loser Fensterladen schwang im Sturm hin und her und schlug monoton gegen die Wand. Dumpf hallten die Schläge durch das Haus.

In einem abgedunkelten Zimmer kniete eine betörend schöne Frau vor einem schwarzen Altar. Ihre funkelnden Augen waren auf ein Satansstandbild gerichtet, ihre Lippen bebten.

»Erscheine!«, flüsterte sie heiser. »Deine Dienerin Sandra fleht dich an, erscheine!«

Ihr Wunsch ging auf schauerliche Weise in Erfüllung …

Sandra Stanwick zitterte vor Erregung. Ihre Brust hob und senkte sich unter heftigen Atemzügen. Sie hatte kaum noch die Kraft, weiter die finsteren Beschwörungen des Bösen zu flüstern.

Seit Jahren hauste sie unter unsäglichen Entbehrungen in diesem alten Steinkasten, um endlich Kontakt zum Jenseits, zum Teich der Geister und Dämonen zu bekommen.

Nun endlich wurden ihre Anstrengungen belohnt! Über der Satansgestalt aus schwarzem Marmor entstand ein rötliches Leuchten, verstärkte sich und strahlte so grell, dass Sandra Stanwick geblendet die Augen schließen musste.

»Dämonen der Finsternis, nehmt mich in euren Kreis auf!«, rief sie mit singender Stimme. »Lasst mich eine der Euren sein, damit ich Tod und Verderben über die Menschen bringen kann!«

Sie riss die Augen auf und prallte zurück. Das Leuchten war verschwunden. Statt dessen schwebte über dem schwarzen Altar mit den flackernden Kerzen ein Wesen von unvorstellbarer Scheußlichkeit.

Es veränderte ständig seine Gestalt, sah einmal wie ein riesiger Frosch, dann wie ein Ziegenbock, danach wie ein Fabelwesen aus, das aus mehreren Tieren zusammengesetzt war. Zuletzt war es eine zottelige, entfernt menschliche Gestalt mit Hufen und krallenbewehrten Pranken.

Nur das Gesicht hatte sich die ganze Zeit über nicht verändert. In einem hässlichen Männergesicht funkelten tückische, flackernde Augen. Aus dem offenstehenden Mund hing eine blau verfärbte Zunge. Das schwarze Fell wuchs in die Stirn bis an die Augenbrauen herein. Aus den nach Pech und Schwefel stinkenden Haaren ragten gebogene Hörner.

Du willst dem Bösen dienen? donnerte eine mächtige Stimme durch den Raum.

Sandra Stanwick zuckte zusammen. In jedem Wort lag Hass, schwang unbändige Verachtung für alles Gute mit. Trotzdem nickte sie. Jetzt konnte sie nicht mehr zurück.

»Ja, ich will dem Bösen dienen!«, erklärte sie. Ihre Stimme schwankte, doch sie meinte es ehrlich. Endlich war sie am Ziel ihrer Träume. Die Entbehrungen hatten sich gelohnt.

Dann nehme ich dich in unser Reich auf! Von jetzt an gehörst du zu den mächtigen Dämonen, die bald schon die ganze Welt beherrschen werden! Doch vorher müssen unsere ärgsten Feinde sterben! Du wirst uns dabei helfen!

Ehe Sandra Stanwick begriff, stürzte sich der Dämon auf sie. Er umschlang sie mit seinen dicht behaarten Armen. Seine Augen glühten schaurig auf. Sandra schrie gellend um Hilfe, doch niemand hörte sie.

Die tödlich langen und spitzen Zähne der Bestie schimmerten direkt vor ihrem Gesicht.

Im nächsten Moment breitete sich die eisige Kälte des Todes in Sandras Körper aus. Ihre Schreie erstarben.

Der Dämon ließ die Tote auf den Boden sinken. Er zog sich zu dem schwarzen Altar zurück und verschmolz mit der Satansstatue. Das geisterhafte Leuchten schwand. Mit einem letzten Flackern erloschen die schwarzen Kerzen. Wachsgeruch breitete sich in dem Raum aus.

Draußen zog Nebel durch die kahlen Äste, prasselte Regen gegen die Fenster. Und der lose Fensterladen schlug gegen die Mauer.

Bumm … bumm … bumm …

Wie eine dumpfe, unheilverkündende Totenglocke.

*

Jane Collins lachte, dass ihr Tränen aus den Augen flossen. Auch ich unterhielt mich köstlich. Nur Suko, mein chinesischer Freund, saß mit steinernem Gesicht neben uns und blickte starr zur Bühne. Er dachte an Suho, seine Freundin. Lebte sie noch? Er wusste keine Antwort auf diese Frage. 1

Seit Wochen sprach ganz London über die neue Show, die im Westend lief. Sie war ein Feuerwerk witziger Einfälle, garniert mit Shownummern im Nostalgie-Stil und gekonnt vorgetragen von einer internationalen Truppe. Im Moment waren Hochseilartisten an der Reihe, die ständig vom Seil fielen, sich im letzten Moment mit einer Hand festhielten, beim Balancieren schwankten und allen möglichen Unfug anstellten.

Ich beugte mich an Jane vorbei zu Suko. »Gefällt es dir nicht?«, fragte ich gedämpft.

Er sah mich an, ohne die Miene zu verziehen. »Ich könnte das besser«, antwortete er todernst und stürzte damit Jane in den nächsten Lachanfall.

Jane Collins, die hübscheste Privatdetektivin der Welt! Und die humorvollste, wie ich an diesem Abend feststellte. Aber auch ich hatte bei Scotland Yard das Lachen nicht verlernt, auch wenn ich in meinem Job oft nichts zu lachen hatte.

Jagd auf Geister und Dämonen war selten unterhaltend. Aber heute Abend wollten wir uns zerstreuen, Geister und Dämonen vergessen und nichts von dem völlig verregneten November in London wissen.

Die Hochseilartisten gingen ab, ein Zauberer trat auf, der als ersten Trick aus einem winzigen Zylinder ein riesiges Schild rollte.

Mir verging augenblicklich das Lachen. Auf dem Schild stand JOHN SINCLAIR SOFORT IN DIE HALLE KOMMEN! Das Publikum tobte vor Begeisterung, als ich aufstand. Jane Collins warf mir einen fragenden Blick zu. Ich zuckte nur die Schultern.

Dafür grinste jetzt Suko über sein ganzes breites Gesicht. Wenigstens unterhielt er sich. Das lenkte von den traurigen Gedanken ab.

Ich beugte mich zu meinen Freunden hinunter. »Lasst euch nicht stören«, sagte ich hastig.

»Soll ich mitkommen?«, fragte Jane, aber ich schüttelte den Kopf.

»Ich bin sicher gleich wieder da«, erwiderte ich und warf Suko einen vernichtenden Blick zu. »Hauptsache, es macht dir Spaß!«

»Tut mir leid, John.« Er prustete los. »Ich finde nur den Trick mit dem kleinen Zylinder so köstlich!«

»Schadenfreude ist die schönste Freude«, knurrte ich und schob mich durch die Zuschauerreihe.

In der Vorhalle des Theaters wartete ein Platzanweiser auf mich und führte mich in ein Büro ans Telefon. Ich hatte im Yard hinterlassen, wo ich an diesem Abend in dringenden Fällen zu erreichen war.

»Hallo, John«, sagte mein Kollege Featherton, als ich mich meldete. »Tut mir leid, dass ich dich störe, aber ich habe hier im Yard eine merkwürdige Sache. Ein Mann ist völlig verstört zu mir gekommen und hat gemeldet, dass er seine Freundin ermordet in ihrem Haus aufgefunden hat.«

Ich holte tief Luft. »Und warum holst du mich mitten aus der Vorstellung?« , fragte ich meinen Kollegen. »Ihr werdet die Ermittlungen doch allein aufnehmen können.«

»Das schon«, meinte Featherton zögernd. »Aber da ist noch etwas. Der Mann – ein gewisser Larry Flint – behauptet, in dem Mordzimmer wäre ein schwarzer Altar aufgebaut. Du weißt schon, mit schwarzen Kerzen und einer Satansstatue und allem, was dazugehört. Ich wollte warten, ehe ich etwas unternehme.«

Aus dem Zuschauerraum hörte ich das donnernde Gelächter des Publikums und tosenden Beifall. Ich seufzte. »In Ordnung, ich komme«, antwortete ich.

»Das ist in Wimbledon.« Featherton annte die Adresse.

Der Abend war für mich gestorben. Aber so ist das nun einmal, wenn man Oberinspektor bei Scotland Yard und noch dazu Geisterjäger ist. Ich hatte keine Zeit mehr, Jane und Suko Bescheid zu sagen, sondern hinterließ an der Garderobe eine Nachricht für sie. Dann zog ich mir meinen Mantel über den Kopf und rannte durch den strömenden Regen zu meinem Bentley.

Während ich durch die menschenleere Stadt fuhr, dachte ich nicht mehr an Hochseilclowns und Illusionen. Ich konzentrierte mich auf den bevorstehenden Kampf gegen die höllischen Mächte. Automatisch tastete ich nach dem silbernen Kreuz, das um meinen Hals hing. Außer diesem Kreuz hatte ich keine Waffe gegen das Böse bei mir. Ich hatte nicht mit einem Einsatz gerechnet.

Das Kreuz musste genügen. Ich würde hoffentlich nicht gleich auf einen Dämon treffen.

Doch dann kam es ganz anders. Die Nacht hielt noch grausige Überraschungen für mich bereit.

*

Mein Kollege Featherton parkte bereits vor einem verwilderten Garten in dem Londoner Stadtteil Wimbledon. Er und ein Mann Anfang dreißig stiegen aus, als ich den Bentley hinter dem Yardwagen an den Straßenrand fuhr und die Lichter löschte.

»Ich dachte, wir sehen uns die Tote erst einmal an«, sagte mein Kollege und deutete auf ein düster wirkendes Haus zwischen den ungepflegten Bäumen und Sträuchern. »Dann überlasse ich es dir, was wir unternehmen!«

Ich nickte und musterte Larry Flint. Er starrte ängstlich zu dem Haus hinüber, ging aber mit uns mit, als wir uns dem Eingang näherten.

»Wie heißt Ihre Freundin?«, erkundigte ich mich.

»Sandra, Sandra Stanwick.« Er wischte sich die Regentropfen aus dem bleichen Gesicht. Trotz der schlechten Lichtverhältnisse konnte ich seine unnatürlich geweiteten Augen sehen. »Wir haben uns vor ein paar Monaten kennengelernt. So richtig befreundet waren wir eigentlich nicht … sie war manchmal komisch, wissen Sie … ich …«

Er brach ab, als wir die Halle betraten, schluckte schwer und deutete nach oben. Wir stiegen eine knarrende Holztreppe hinauf. Im ersten Stock brannte eine trübe Lampe. In ihrem Schein gingen wir auf eine nur angelehnte Tür zu.

Ich streckte die Hand auf und versetzte der Tür einen Stoß. Quietschend schwang sie nach innen auf.

Mitten im Raum stand eine schwarzhaarige Frau. Sie wandte mir den Rücken zu. Jetzt fuhr sie mit einem schrillen Aufschrei herum.

Sie schlug die Hände vor den Mund und starrte mich aus großen, schwarzen Augen an. Dann sah sie Larry Flint und atmete erleichtert auf.

»Du liebe Zeit, Larry!«, rief sie kopfschüttelnd. »Hast du mich erschreckt! Warum klingelst du nicht? Ich wusste doch nicht einmal, dass du Freunde mitbringst!«

Sie runzelte die Stirn, als ihr niemand antwortete. Ich musterte Mr. Flint. Er war leichenblass und sah sich verstört im Zimmer um Ich sah nichts Auffälliges. Alte Möbel, ein zerschlissener Teppich, vergilbte Tapeten, aber nirgendwo die Spur eines Altars für eine Schwarze Messe oder ein anderer Gegenstand, der auf Magie hindeutete.

»Sandra …«, rief Larry Flint stammelnd. »Du … bist doch … tot!«

Im nächsten Moment verdrehte er die Augen. Die Beine knickten ihm unter dem Körper weg. Ich konnte ihn gerade noch auffangen und ließ ihn auf den Teppich gleiten. Featherton lief aus dem Raum.

»Wie schrecklich«, flüsterte Sandra Stanwick erschüttert und ließ sich neben Flint auf die Knie nieder. »Er hat schon ein paar Mal so wirres Zeug geredet. Ich habe es nicht ernst genommen. Aber nun …«

Featherton kam mit einem nassen Handtuch zurück. Gemeinsam brachten wir Larry Flint wieder auf die Beine. Kaum konnte er stehen, als er mich am Arm packte und zur Tür zog.

»Bringen Sie mich weg von hier, Oberinspektor!«, schrie er schrill. »Um Himmels willen, bringen Sie mich weg!«

»Oberinspektor?«, fragte Sandra Stanwick überrascht und betrachtete mich genauer. »Sie sind von der Polizei?«

Erst jetzt kam ich dazu, mich vorzustellen. »Oberinspektor Sinclair von Scotland Yard.«

Täuschte ich mich, oder flackerten ihre Augen für einen Moment? Ich konnte mich nicht weiter um Sandra Stanwick kümmern, weil Larry Flint wie von Sinnen aus dem Zimmer floh.

Ich brachte ihn auf die Straße. Zwei Minuten später kam Featherton nach und warf Flint einen schiefen Blick zu.

»Tut mir leid, John«, meinte er. »Ich hätte dir den Abend nicht verderben sollen.«

»Macht nichts, schon gut«, antwortete ich und nickte ihm zu, als er zu seinem Dienstwagen ging, einstieg und abfuhr.

Ich aber wandte mich an den zitternden Larry Flint. »So«, sagte ich leise. »Und jetzt noch einmal!« Ich war sehr gespannt, ob er bei seiner Version blieb.

*

Er schwor, dass seine Freundin in einem grauenhaften Zustand vor dem schwarzen Altar gelegen hatte.

»Sie war tot!«, rief er zuletzt so verzweifelt, dass ich ihm sogar glaubte. »Ich bin nicht verrückt, und ich habe mir nichts eingebildet! Sie war tot! Sie hätten das Blut sehen müssen, Mr. Sinclair!«

Ich beruhigte ihn, so gut ich konnte, und bestellte über Funk ein Taxi. »Fahren Sie nach Hause«, sagte ich zu Flint, als er schon im Wagen saß. »Ich melde mich bei Ihnen, wenn ich etwas herausfinde. Sprechen Sie mit niemandem über die Sache. Und meiden Sie in der nächsten Zeit Ihre Freundin!«

Er sah mich starr an. »Ich will nichts mehr von ihr wissen«, flüsterte er so leise, dass ihn der Fahrer nicht verstehen konnte. »Sie … sie ist kein Mensch!«

Ich nickte ihm zu und wartete, bis das Taxi abgefahren war, dann wandte ich mich wieder dem Haus zu.

Wenn Larry Flint nicht fantasiert hatte, stand jetzt hinter einem der Fenster diese rätselhafte Frau und beobachtete mich. Ich ging zu meinem Bentley und fuhr los.

Nach einer Meile kehrte ich um und stellte den Wagen diesmal zwei Querstraßen vor dem verwilderten Grundstück ab. Der silbermetallicfarbene Bentley war in dem dichten Nebel kaum zu sehen.

Auf einem Umweg schlich ich zurück. Der Zaun war an zahlreichen Stellen gebrochen. Ich schob mich durch eine solche Lücke und blieb in einer dichten Buschgruppe stehen.

Von meinem Versteck aus konnte ich recht gut beide Eingänge der alten Villa beobachten. Es hatte wieder stärker zu regnen begonnen. Ich schlug den Mantelkragen hoch. Schon nach wenigen Minuten hatte ich keinen trockenen Faden mehr am Leib. Trotzdem wartete ich. Hinter keinem Fenster brannte mehr Licht.

Vielleicht schlug ich mir die Nacht vergeblich um die Ohren. Ich dachte an Jane Collins und an Suko. Wahrscheinlich machten sich die beiden schon Sorgen um mich. Trotzdem blieb ich reglos stehen.

Von Ferne schlug es Mitternacht. Im selben Moment öffnete sich die Hintertür des alten Hauses. Krachend schlug sie gegen die Mauer.

Ich spannte mich. Es blieb eine Weile totenstill. Endlich schob sich eine vermummte Gestalt ins Freie. Ein Kopftuch und ein weiter Umhang machten die Frau fast unkenntlich, bis ein Windstoß durch den Garten fauchte. Er riss ihr das Tuch aus dem Gesicht.

Sandra Stanwick. So hatte ich sie in ihrem Haus gesehen, doch jetzt war ihr Gesicht in wildem Triumph verzerrt. Sie warf den Kopf in den Nacken und stieß ein gellendes Gelächter aus, das mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte.

Ich rührte mich nicht von der Stelle, sondern wartete ab. Bis jetzt verstand ich noch nicht, was sich in diesem Haus abgespielt hatte. Doch schlagartig wusste ich, dass Larry Flint nicht fantasiert hatte.

Sandra Stanwick kehrte in das Haus zurück. Sekunden später erschien sie wieder und zerrte einen großen Sack hinter sich die Stufen hinunter. Keuchend richtete sie sich auf. Wieder sah ich ihr Gesicht. Kein Zweifel, es war die Frau, die ich als Sandra Stanwick kennengelernt hatte.

Aus einem Schuppen holte sie eine Schaufel und begann, weiter hinten im Garten zu graben.

Ein Grab hob sie aus.

Ich überlegte fieberhaft. Natürlich hätte ich jetzt aus meinem Versteck kommen und nachsehen können, was sich in dem Sack befand. Aber ich hatte das Gefühl, dass das ein gefährlicher Fehler gewesen wäre. Ich kannte Sandra Stanwick noch zu wenig und wusste nicht, über welche Fähigkeiten sie verfügte.

Ich ließ sie graben. Eine halbe Stunde lang. Offenbar mit letzter Kraft schob sie das schwere Bündel in die Grube und häufte Erde darauf. Sie machte sich nicht mehr die Mühe, die Oberfläche glattzustreichen oder die abgestochenen Rasenstücke daraufzulegen.

Zum Umfallen müde wankte sie ins Haus zurück und schloss hinter sich ab.

Ich wartete noch eine halbe Stunde und wollte mich dem Grab nähern.

In diesem Moment tauchte neben mir eine massige Gestalt aus den Büschen auf und versperrte mir den Weg.

*

Schon wollte ich mich auf den Mann stürzen, als ich ihn erkannte.

»Suko!«, rief ich unterdrückt. »Was tust du hier?«

Der Hüne grinste. »Es hat Jane und mir zu lange gedauert, John«, gab er flüsternd zurück.

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