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John Sinclair - Folge 0031

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Teufelstrank um Mitternacht

Schweiß perlte auf meiner Stirn, als ich mich in meinem Gefängnis umsah.
Die Eiserne Jungfrau stand inmitten weiterer Folterinstrumente. Alle Geräte waren intakt.
Ich musste auf dem schnellsten Wege raus, wenn ich mein Ende nicht am lebendigen Leibe erfahren wollte. Aber wie? Ich setzte mich auf die Streckbank und dachte nach.
Da ertönte eine grausige Stimme neben mir. „Nimm mit mir den Teufelstrank um Mitternacht.“ Vielleicht war das mein einziger Ausweg …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

Teufelstrank um Mitternacht

Schweiß stand mir auf der Stirn, als ich mich in meinem Gefängnis umsah.

Die Eiserne Jungfrau stand inmitten weiterer Folter-Instrumente. Alle Geräte waren intakt.

Ich musste auf dem schnellsten Wege raus, wollte ich mein Ende nicht bei lebendigem Leibe erleben. Aber wie? Ich setzte mich auf die Streckbank und dachte nach.

»Komm, Sinclair«, sprach mich ein Skelett an, »nimm mit mir den Teufelstrank um Mitternacht!«

Plötzlich splitterte das dicke Holz der Bohlentür. Späne flogen durch das Zimmer.

Der Graf von Besancon sprang auf. Automatisch legte sich seine Hand um den Degengriff, dann schüttelte der Mann den Kopf. Es hatte keinen Sinn, sich jetzt noch zu verteidigen. Die anderen waren stärker.

Seine Leute hatten ihn schmählich im Stich gelassen und seinen Untergang eingeleitet.

Trotzdem war Besancon zuversichtlich, er hatte noch einen Trumpf in der Hinterhand, einen alles entscheidenden. Und das wussten die Häscher nicht.

»Verfluchter Schänder! gellte von draußen eine Stimme. »Gleich haben wir dich, gleich wirst du für das büßen, was du unseren Frauen und Mädchen angetan hast. Du Teufel, du!«

Das dünne Lächeln auf dem Gesicht des Grafen verstärkte sich. Mit zwei, drei gleitenden Schritten glitt er auf die Schiebetür zu, zog die beiden Hälften auseinander und verschwand in dem dahinterliegenden blauen Salon.

Die blicklosen Augen eines Toten starrten ihn an. Jean, sein Diener, war für ihn in den Tod gegangen. Er starb durch einen Lanzenstich. Jean hatte es gerade noch geschafft, den Grafen zu warnen, dann war er gestorben.

Der Graf von Besancon sprang über die Leiche hinweg. Im Nebenzimmer ging die Tür endgültig zu Bruch. Sie splitterte aus dem Rahmen, und der Pöbel stürmte in den Raum.

Die Männer schrien und drohten. Waffen klirrten. Jemand brüllte: »Wirstecken das verdammte Schloss an. Und dann rösten wir den Schinder!«

Der ›Schinder‹ aber war schneller. Schließlich kannte er sich in seinem Schloss aus. Durch eine Geheimtür erreichte er eine kleine Kammer, bückte sich und zog die Klappe einer Falltür hoch.

Muffige Luft schlug ihm entgegen. Der Gang, durch den er seinen Häschern entkommen konnte, war nur ihm bekannt. Er endete in der Folterkammer, wo Hunderte von unschuldigen Menschen ihr Leben ausgehaucht hatten.

Wendelartig führte die Treppe in die Tiefe. Licht brauchte der Graf nicht. Er hielt sich an einem eisernen Handlauf fest und fand seinen Weg.

Es war ihm klar, dass sie ihn irgendwann einmal finden würden. Dann war es für ihn und seine Häscher zu spät.

Der Graf erreichte die Folterkammer. Hier zündete er eine Pechfackel an.

Er war sich seiner Sache sicher!

Der Graf zog die Fackel aus der Halterung und schwenkte sie im Kreis. Geisterhaft strich der Schein über die Folterinstrumente. Über eine Streckbank, über Zangen und Daumenschrauben, riss eine Eiserne Jungfrau aus der Dunkelheit und ein rechteckiges Kohlebecken. Ferner schwere Ketten, rostige Eisenhaken und ein Rad.

Doch all die Instrumente interessierten den Grafen nicht. Er suchte etwas anderes.

Unter einer Ansammlung von Tauen versteckt stand die alte Holzkiste. Der Graf zog sie mit einer Hand hervor, stellte dann die Fackel ab und öffnete die Kiste.

Staub wallte auf, als der Deckel auf der anderen Seite zu Boden knallte.

In der Kiste lag eine Flasche. Das Glas schimmerte dunkelgrün, und als der Graf die Flasche anhob, sah er, dass sie zur Hälfte mit einer dunklen Flüssigkeit gefüllt war.

Der Graf drehte die Flasche. Zäh wie Sirup rann die Flüssigkeit an der Glaswand entlang. Der Korken in der Öffnung schaute so weit hervor, dass der Graf ihn mit einem Ruck herausziehen konnte.

Seine Gedanken eilten dabei weit zurück, bis zu dem Tag, als man ihm die Flasche geschenkt hatte.

Auf einem Jagdausflug hatte er sich damals verirrt und war einem einsamen Reiter begegnet. Mit Schaudern dachte der Graf an diese Begegnung.

Der Reiter war kein Mensch gewesen, sondern ein Skelett. Mit schwarzem Schädel und einem dunklen Umhang. Er saß auf einem Rappen, aus dessen Nüstern Feuerlanzen fauchten.

Der Graf von Besancon fürchtete sich, doch der unheimliche Reiter stellte nur die Frage, ob der Graf reich und mächtig werden wollte.

Besancon nickte.

Da stellte sich der Unheimliche vor. Er nannte sich der Schwarze Tod und war die rechte Hand des Teufels.

»Der Satan sucht Diener. Er will sie fürstlich belohnen, wenn sie das tun, was er von ihnen verlangt«, erklärte der Reiter.

Besancon erklärte sich einverstanden. Zum Schluss bekam er die Flasche überreicht. Die Worte brannten noch in seinem Gedächtnis, als wäre es erst gestern gewesen.

»Wenn du das Elixier der Hölle mit deinem Blut vermischst, wird dir dieser Trank das ewige Leben geben. Nutze es in der Stunde der Gefahr, und dir wird nichts passieren.«

Mit zitternden Händen nahm der Graf die Flasche entgegen, während der Schwarze Tod davonritt, im Bewusstsein, wieder etwas Teuflisches geleistet zu haben.

Besancon fand den Weg zum Schloss zurück. Plötzlich war alles ganz einfach.

Von diesem Tag an begann sein Aufstieg. Er gewann Kriege und vergrößerte sein Territorium. Die Schatzkisten quollen fast über. Aber gleichzeitig begann sein menschlicher Untergang. Gefühle wurden ihm fremd. Er konnte nur noch hassen, verlor die innere Zufriedenheit und frönte dem Laster und dem Bösen.

Es gab einen Aufstand in seinem Reich, den er jedoch blutig erstickte. Zwei Jahre später fanden sich abermals mutige Männer, die ihn stürzen wollten. Während sein Heer in einen Grenzkrieg verwickelt war, stürmten die Männer aus den Dörfern und Städten das Schloss, überwältigten die Wachen und wollten nun den Grafen töten.

Wenn er ihnen in die Finger fiel, würde ihre Rache grausam sein. Soweit wollte Besancon es nicht kommen lassen.

Jetzt musste sich zeigen, ob der Unheimliche damals gelogen hatte oder nicht.

Die Stunde der Entscheidung war da.

Besancon ging nach dem bekannten Ritual vor. Siebenmal schüttelte er die Flüssigkeit in der Flasche. Da wurde der Sirup dünnflüssiger. Woraus das Elixier bestand, wusste Besancon nicht. Es war ihm auch egal.

Die Zeit verrann.

Sicherlich durchsuchten die Häscher bereits das Schloss. Bestimmt würden sie auch die versteckte Tür finden und dann in dieses Verlies eindringen. Bis dahin musste Besancon es geschafft haben.

Er griff an seinen Gürtel und zog sein Messer. Es besaß eine breite Klinge. Sie war höllisch scharf und wurde von ihm eigentlich nur dazu verwendet, um Tiere abzuhäuten. Diesmal jedoch sollte sie einen anderen Zweck erfüllen.

Er schaute die Klinge noch einmal an, bog den linken Arm durch und führte dann einen Kreuzschnitt an der Innenseite des Arms in Höhe des Ellbogens durch.

Das Blut rann aus der Wunde. Er hatte eine Ader getroffen, verzog schmerzhaft das Gesicht und presste die Flaschenöffnung dort gegen den Arm, wo das Blut aus der Wunde rann.

Sein Lebenssaft rann in die Flasche, vermischte sich mit dem geheimnisvollen Elixier. Neue, magische Verbindungen wurden eingegangen. Die Flüssigkeit warf Blasen, schäumte hoch bis zur Flaschenöffnung.

Der Graf ließ nicht locker. Es rann so lange Blut in die Flasche, bis diese gefüllt war. Dann erst war Besancon beruhigt. Er nahm den Korken und presste ihn auf die Öffnung. Mit der linken Hand hielt er die Weinflasche hoch.

Sie sah wie jede andere aus. Sogar das Etikett stimmte. Aber nur er wusste, wie brisant der Inhalt war. Der Graf stellte die Flasche zur Seite. Er fühlte sich nicht sehr wohl. Der Blutverlust hatte ihn doch geschwächt. Ihm wurde schwindlig. Mühsam stemmte er sich hoch.

Dann hörte er die Stimmen.

Der Pöbel hatte ihn.

Besancon verzog das Gesicht. Es wurde eine böse Grimasse daraus. Mit einer heftigen Bewegung riss er den Degen hervor. Doch er kam nicht mehr dazu, einige Männer mit auf die lange Reise zu nehmen.

Mit einem Baumstamm brachen sie die Tür aus dem Rahmen, und dann stürmte der Mob in das Verlies.

Waffen blitzten. Lanzen, Dolche und Schwerter wurden geschwungen. Der Graf blickte in die verzerrten Gesichter. Ihn sprang das nackte Entsetzen an. Einer seiner Todfeinde stand plötzlich dicht vor ihm. Er hielt ein altes Schwert in der Hand.

Dann schlug er zu.

Der Graf brach zusammen. Er war schon tot, als er den Boden berührte, und hörte das Siegesgebrüll der Meute nicht mehr.

Die Männer waren im Taumel. Ihren Peiniger hatten sie erledigt. Sie schleiften die Leiche aus der Folterkammer, doch die Flasche in der Ecke übersahen sie.

Die Folgen sollten schrecklich sein …

*

Über Aufträge konnte sich Jane Collins eigentlich nicht beklagen. Durch ihre im Beruf erzielten Erfolge war sie zu einer der begehrtesten Privatdetektivinnen Londons geworden. Inzwischen musste sie viele Aufträge aus Zeitmangel ablehnen.

Zahlreiche reiche Klienten wollten nicht nur, dass Jane für sie den Auftrag erledigte. Sie glaubten, mit ihrem Geld die Detektivin gleich mitkaufen zu können. Doch da hatten sie sich geschnitten. Jane Collins trennte Beruf von Privatleben strikt.

Sie hatte schon viel erlebt, doch der Auftrag, der ihr nun angeboten worden war, ließ sich in seiner Originalität kaum übertreffen. Jane Collins sollte einen reichen Industriellen zu einer Auktion begleiten.

Und zwar nach Christie’s, in das berühmteste Auktionshaus der Welt. Jane hatte die Räume noch nie von innen gesehen, und deshalb reizte sie der Ausflug besonders.

Es wurden keine alten Möbel versteigert, sondern Wein. Kostbare, uralte Weinflaschen aus den besten europäischen Lagern. Kenner zahlten dafür ein Vermögen. Auch Janes Klient, Sir Randolph Norfolk, wollte sich seine Sammlerleidenschaft etwas kosten lassen.

Sein Geld verdiente er mit Schnell-Imbissen und Snackbars. Als Schaschlik-König von England hatte ihn bereits die Presse tituliert. Dabei verkaufte er auch Hamburgers, Pommes frites, kleine Steaks, Hähnchenschenkel und vieles mehr. Alles zu vernünftigen Preisen, die auch ein Normalverbraucher zahlen konnte. Dass bei diesem Geschäft etwas hängenblieb, verriet Norfolks Schloss in der Grafschaft Essex. Dort lebte und residierte er wie ein französischer Monarch aus dem achtzehnten Jahrhundert. Seine Diener liefen noch in der entsprechenden Kleidung herum, trugen Perücken und hatten ein altertümliches Gehabe an sich.

Doch das störte Jane nicht. Sie wusste von Norfolks Leben nur aus Presseberichten.

Für neunzehn Uhr hatte sich ihr Klient angesagt. Dreißig Minuten zuvor stand Jane noch vor dem Spiegel und legte letzte Hand an ihr Make-up.

Sie hatte es eigentlich nicht nötig, sich zu schminken. Jane Collins war nicht nur die erfolgreichste, sondern auch die hübscheste Privatdetektivin Londons. Das ährenblonde Haar berührte die Schultern. Über den blaugrauen Augen besaßen die Wimpern genau den richtigen Schwung. Der Mund unter der schmalen Nase war voll und lud zum Küssen ein. Nur mit ihrer Figur war Jane Collins persönlich in den letzten zwei Tagen nicht mehr zufrieden.

Sie hatte ein wenig zugenommen. Es stand ihr zwar ausgezeichnet, aber Jane nahm sich doch vor, die kleinen Pfunde wieder abzuhungern. Das war eine Sache von drei, vier Tagen.

Für die Auktion schlüpfte sie in ein schlichtes schwarzes Kleid mit modischem Überwurf. Das Kleid war raffiniert geschnitten und der Ausschnitt so angefertigt, dass Männer wohl etwas ahnen, aber nichts sehen konnten.

Da die Oktoberabende bereits ziemlich kühl waren, wählte Jane als wärmende Kleidung ein kleines Nerzcape, das sie sich erst vor Kurzem gekauft hatte. Auch dieser Abend sollte ihr zweihundert Pfund bringen, nebst Spesen natürlich.

Und irgendwie freute sich Jane auf den Job. Christie’s war eine andere Welt. Wer dort verkehrte, gehörte zur High Society.

Jane sollte ihren Klienten nur bewachen. Ein Leibwächter war Sir Randolph zu auffällig. Vielleicht wollte er sich auch nur einmal mit einer schönen Frau zeigen. Das wusste wahrscheinlich nur er selbst.

Längst war es draußen dunkel geworden. Jane betrat den Living-room und schaute aus dem Apartmentfenster. Die Fahrzeuge unten auf der Straße fuhren Stoßstange an Stoßstange. Ihre Lichter wirkten wie große, helle Augen. Die Reklamen der Geschäfte spiegelten sich auf dem Autolack wider.

Jane nahm in einem bequemen Sessel Platz, streckte die Beine aus und trank einen Wermut. Dabei rauchte sie eine Zigarette.

Pünktlich um neunzehn Uhr schellte es. Durch die Sprechanlage erfuhr Jane Collins, dass ihr Klient unten stand.

»Ich komme sofort, Sir«, sagte die Detektivin.

Vor dem Haus erwartete sie der Chauffeur. Der Mann war in eine rote Livree gekleidet, hielt die Mütze in der linken Hand und öffnete mit der rechten die Fondtür eines dunkelblauen Rolls-Roye.

Jane nahm in der Luxuskarosse Platz.

Sir Randolph Norfolk schaute sie zwei Sekunden an und beugte dann den Kopf zu einem Handkuss.

»Wenn ich Ihnen sage, dass ich noch nie in so zauberhafter Begleitung gefahren bin, halten Sie das sicherlich für übertrieben, meine Gnädigste.«

Jane Collins lächelte nur.

Er war Junggeselle, das heißt, zwei Ehen hatte er hinter sich. Und mit zweiundfünfzig Jahren überlegt es sich ein Mann, ob er zum drittenmal heiraten soll.

Sir Randolph Norfolk trug einen perfekt sitzenden dunkelblauen Nadelstreifenanzug, eine silbern schimmernde Krawatte dazu, an die eine kostbare Perle geheftet war. Sein schmales Gesicht war sonnenbraun, das schlohweiße Haar hatte er nach hinten gekämmt.

Der Rolls fuhr an. Jane merkte es kaum. Die Klimaanlage arbeitete hervorragend, und auch die Bar im Wagen war gut bestückt, wie Jane sehen konnte.

»Möchten Sie etwas trinken, Miss Collins?«

»Nein, danke.«

Sir Randolph lachte. »Bei Christie’s ist die Luft sehr trocken, Miss Collins.«

»Dann ein Tonic water.«

»Bitte sehr.«

Jane bekam das Glas. Das bittersüße Getränk perlte auf ihren Lippen. Während sie trank, schaute Sir Randolph sie unentwegt an.

»Wir werden hinterher noch speisen gehen«, sagte er.

»Wenn es nicht zu lange dauert.«

»Aber nein. Es werden nur wenige Flaschen Wein versteigert. Das geht meistens sehr schnell über die Bühne.«

»Wollen Sie alle Flaschen ersteigern?«, fragte die Detektivin.

»Wo denken Sie hin. Nein, ich bin an nur einer Flasche interessiert. Der Wein ist über zweihundert Jahre alt und stammt von dem Gut Besancon. Vor wenigen Jahren erst hat man die Flasche entdeckt. Die Franzosen wollten aus dem Schloss im Elsaß eine Jugendherberge machen. Bei Aufräumungsarbeiten ist der Wein dann gefunden worden. Zum Glück hatte der Mann, der die Flasche entdeckte, Ahnung. Er gab sie sofort weiter. Christie’s hat sie dann irgendwie erworben und will sie nun versteigern.«

»Was ist denn so Besonderes an der Flasche?«, erkundigte sich Jane.

Jetzt lächelte der Millionär. »Wie ich hörte, ist auf der Rückseite der Flasche ein Spruch in das Glas geritzt worden, der den Wein als Elixier des Teufels bezeichnet. Der Satan selbst soll ihn erfunden haben. Das ist natürlich Unsinn, aber da ich originelle Sachen sammle, möchte ich auch diese Flasche besitzen.«

Jane wurde hellhörig. »Der Satan, sagten Sie?«

»Ja. Aber den Unsinn dürfen Sie nicht glauben, Miss Collins.«

Da war er bei Jane an der falschen Adresse. Für die meisten Menschen existierten die Mächte des Bösen nicht, aber Jane hatte bereits genug Schreckliches aus der Dämonenwelt erlebt, um solche Sprüche nicht einfach abzutun. Sie würde sich zumindest mit den Hintergründen beschäftigen.

»Mehr wissen Sie nicht darüber?«

»Nein.«

»Kann man diesen Wein denn noch trinken? Ich meine, er ist sehr alt. Vielleicht hat die Chemie Ihnen einen Streich gespielt und die Flüssigkeit schon längst umgewandelt.«

»Das ist möglich.« Sir Randolph schaute Jane wieder an. »Aber ich werde den Wein probieren.«

»Ja. Dann können Sie mir hinterher verraten, ob er wirklich noch schmeckt.«

Sir Randolph schüttelte den Kopf. »Nein, Jane, ich werde es Ihnen nicht verraten. Sie sollen mit mir zusammen den Wein kosten. Ist das ein Vorschlag?« Die Detektivin überlegte. Einerseits hatte sie es sich zum Prinzip gemacht, nie auf private Wünsche ihrer Klienten einzugehen, andererseits würde sie wohl nie mehr die Möglichkeit bekommen, einen Schluck von einem zweihundert Jahre alten Wein zu probieren.

»Ich bin einverstanden, Sir«, sagte sie.

»Na wunderbar.« Randolph Norfolk lächelte. Er strich über sein Kinn, und Jane sah den Brillant an seinem kleinen Finger der rechten Hand blitzen.

Allein der Ring musste ein Vermögen gekostet haben. Eigentlich hätte ich das Honorar verdoppeln sollen, dachte Jane. Dann schalt sie sich eine Närrin. Sie war auf dem besten Wege, neidisch zu werden.

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