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John Sinclair - Folge 0012

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Lebendig begraben

Hast du schon einmal in einem Sarg gelegen? Ich glaube kaum, und ich möchte es dir auch nicht wünschen.
Ich hörte, wie der Sargdeckel verschlossen wurde. Dann gab es um mich herum nur noch Dunkelheit. Luft! Ich brauchte Luft. Wie lange kann ein Mensch in einem Sarg am Leben bleiben? Ich wusste keine Antwort, denn ich war zum ersten Mal lebendig begraben …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

Lebendig begraben

Haben Sie schon einmal in einem Sarg gelegen? Ich glaube kaum, und ich möchte es auch keinem von Ihnen wünschen. Es ist einfach unbeschreiblich.

Ich hörte noch, wie der Sargdeckel verschlossen wurde. Dann gab es um mich herum nur die alles verzehrende Dunkelheit.

Luft! Ich brauchte Luft. Wie lange konnte ich mit dem Sauer-stoff auskommen, der sich in meinem Gefängnis befand?

Eine halbe Stunde? Oder mehr?

Ich wusste es nicht, hatte mich mit diesen Dingen noch nie beschäftigt. Mir war nur eines klar. Ich durfte auf keinen Fall zu tief atmen und musste sparsam mit dem kostbaren Sauerstoff umgehen.

Leben! Hatte es überhaupt noch einen Sinn? War es nicht egal, ob ich zehn Minuten früher starb – einfach erstickte? Dieser Tod musste grausam sein. Ich stellte mir schon vor, wie die Luft knapper wurde, immer knapper …

Wie eine zweite Haut lag der Schweiß auf meiner Stirn. Längst war die Seide der Kissen nicht mehr trokken und kühl, sondern durchgeschwitzt. Ich atmete nur durch die Nase, bewegte die Arme etwas zur Seite und stieß schon an die seitliche Begrenzung des Sarges.

Wenn ich mich konzentrierte, konnte ich die Stimmen der Menschen hören. Die Einwohner von Orlington hatten es tatsächlich geschafft. Mit Zarcadis Hilfe hatten sie mich ausgeschaltet. Ohne es zu wollen, liefen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit vor meinem geistigen Auge ab. 1

Es begann mit einem schrecklichen Traum. Der Schwarze Tod erschien mir. Hohnlachend zeigte er mir einen Sarg, in dem ich jetzt lag und lebendig begraben werden sollte. Ich wachte nach dem Traum schweißgebadet auf und wurde von einer Bluteule angegriffen. Sie flog durch mein Küchenfenster. Es gelang mir, die Eule zu erschießen. Doch vor ihrem Auftauchen hörte ich ein Geigenspiel, das mich vollends in seinen Bann zog. Ich konnte mich gegen die Melodie nicht wehren. Sie war schrecklich und faszinierend zugleich.

In der Tiefgarage meines Apartmenthauses stand ich dann dem unheimlichen Geigenspieler gegenüber. Mit viel Glück konnte ich ihm entkommen. Ich suchte nach Motiven und konnte mir nur vorstellen, dass der Schwarze Tod mich nun endgültig vernichten wollte. Ich stellte mich zum Kampf. Die Spur führte nach Orlington, einem gottverlassenem Dorf, dessen Einwohner sich unter Zarcadis Knute beugten. Hier in Orlington war schon das Grab für mich ausgehoben worden. Ein Diener Zarcadis, ein gewisser Frank Scott, hatte mich unfreiwillig nach Orlington begleitet. Er wiegelte jedoch die Bewohner gegen mich auf, aber mir gelang es, zu flüchten.

Aber der Schwarze Tod – er und Zarcadi waren ein und dieselbe Person – hatte zwei Eisen im Feuer. Er entführte Jane Collins, die Privatdetektivin, und versteckte sich in einem Landhaus in der Nähe von Orlington. Dieses Landhaus war Zarcadis Hauptquartier und von einem Horror – Garten umgeben. Der Dämon war so stark, dass er sogar die Natur manipulieren und verändern konnte. Ich geriet prompt in die Falle, wurde in Zarcadis Horror – Garten überwältigt und in den schon vorbereiteten Sarg gelegt.

Hoffnung? Hatte ich überhaupt noch Hoffnung? Ja, da war noch Suko, der ebenfalls nach Orlington fahren sollte, um mir den Rücken zu decken. Bis jetzt hatte ich von ihm nicht einen Hemdzipfel gesehen.

Meine Gedanken wurden unterbrochen. Jemand hob den Sarg an. Die Totenkiste kam ins Schaukeln. Da die Träger nicht im Gleichschritt gingen, schwang der Sarg bei jedem ihrer Schritte hin und her.

Ich kam mir vor wie auf einem Schiff, fiel mal nach rechts, dann wieder nach links.

Ich ahnte, wo die Träger mich hinbrachten. Zum Friedhof von Orlington, den ich in verdammt schlechter Erinnerung hatte. Dort war das Grab für mich schon geschaufelt. Der alte Totengräber hatte es mir deutlich genug zu verstehen gegeben.

Ich versuchte, ruhig liegenzubleiben und wunderte mich, dass ich keine Angst hatte. Normalerweise hätte mich Panik ergreifen müssen.

Nichts. Ich war seltsamerweise ruhig.

Geschichten von Scheintoten fielen mir ein. Man sagt Scheintoten nach, dass sie in ihrer Panik das eigene Totenhemd aufessen, wenn sie kurz vor dem Ersticken sind.

Sollte es bei mir irgendwann auch soweit kommen?

Möglich war alles.

Das Schaukeln des Sarges wurde heftiger. Übelkeit befiel mich. Gepresst sog ich den Atem durch die Nase ein. Aber wurde die Luft nicht schon schlechter? Hatte ich schon zu viel Sauerstoff verbraucht?

Plötzlich stoppten die Träger.

Wie aus weiter Ferne vernahm ich das Wiehern eines Pferdes. Dann wurde der Sarg wieder angehoben, es gab einen Ruck, einen dumpfen Laut unter mir, und dann stand die Totenkiste.

Ich konnte eins und eins zusammenzählen und kam zu dem Ergebnis, dass der Sarg auf der Ladefläche eines Wagens stehen musste. Ich hatte mit meiner Vermutung recht. Sekunden später ruckte der Wagen an. Gedämpft hörte ich auch das Trampeln von Pferdehufen.

Draußen quietschte etwas. Wahrscheinlich die Räder, deren Lager schlecht geölt waren.

Ich lag jetzt unbeweglich. Auf meiner Stirn sammelte sich der Schweiß zu Tropfen, rann an den Seiten herab und benetzte das Seidenkissen. Ja, sie hatten sich Mühe gegeben und einen kostbaren Sarg besorgt. Aber der steht mir auch zu, dachte ich in einem Anflug von Galgenhumor. Schließlich hatte ich den Mächten der Finsternis schon manche Niederlage beigebracht. Ich wusste, wie sehr man mich im Reich der Dämonen hasste. Mein Name wirkte wie ein rotes Tuch. Aber bis jetzt hatte ich noch jeden Fall gelöst. Blessuren waren zurückgeblieben, zum Beispiel die Narbe an meiner rechten Wange. Sie war ein Andenken an Doktor Tod. Dieser Verbrecher hatte damals aus einem Stück Haut einen Doppelgänger von mir hergestellt.

Meine Gedanken wechselten und kehrten zu meinen Freunden zurück. Jane Collins hatte ich gar nicht zu Gesicht bekommen. Das heißt, ihre Geisterscheinung sah ich wohl, damit hatte man mich auch in die Falle gelockt. Aber wo sie gefangen gehalten wurde und wie es ihr jetzt ging, das wusste ich nicht.

Und Suko. War er überhaupt in Orlington eingetroffen? Ich hoffte es inständig, denn er war meine letzte Chance. Falls er wirklich im Ort war, musste ihm meine Beerdigung auffallen. Es bestand ebenso die Möglichkeit, dass Suko, genau wie ich, in eine Falle gelockt worden war,

Der Gedanke daran ließ mein Herz rascher schlagen. War das schon die Angst? Wahrscheinlich.

Ich hielt die Augen geschlossen und konzentrierte mich auf die Geräusche, die von draußen an meine Ohren drangen. Da war nur das Schlagen der Hufe, das Mahlen der Räder und hin und wieder das Schnauben eines Pferdes. Gespräche hörte ich keine.

Durch das steife Liegen schliefen mir Arme und Beine ein. Das wollte ich auf keinen Fall. So bewegte ich die Hände und die Zehen, um den Kreislauf in Ordnung zu halten.

Der Wagen fuhr in eine Kurve. Die Wegstrecke wurde noch schlechter. Der schwere Sarg bewegte sich auf der Ladefläche. Ich hoffte, dass er hinunterfiel und aufsprang.

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Weiter fuhr der Wagen seinen Weg. Dann bog er auf einmal scharf nach links ab.

Jetzt hatten wir den Friedhof erreicht, das war mir klar.

Und von Suko war noch immer nichts zu merken.

Langsam begann ich zu flattern. Meine Finger zitterten, vom Magen her drückte ein würgendes Gefühl in meiner Kehle hoch.

Der Tod kam näher. Sicher hielt er schon seine Knochenhand nach mir ausgestreckt.

Dann hielt der Wagen.

Stimmen. Befehle!

Der Sarg wurde von der Ladefläche gehievt. Wieder schaukelfe ich in meinem schmalen Gefängnis hin und her, bis die prächtige Totenkiste auf dem Boden stand.

JOHN SINCLAIR – In schimmernden Lettern stand mein Name auf dem Sargdeckel. Ja, sie wussten, was sie mir schuldig waren, dem berühmten Geisterjäger, dessen Ende unweigerlich näherrückte.

Der Sarg wurde angehoben und ein Stück weitergetragen. Unter mir hörte ich schabende Geräusche. Ich ahnte, was sie zu bedeuten hatten. Seile wurden unter dem Sargboden hergezogen.

Stimmen. »Hebt ihn hoch. Aber vorsichtig. Passt auf, wenn er in die Grube gelassen wird. Der Teufel soll ihn holen.« Lachen …

Der Kloß vom Magen saß jetzt in meinem Hals. Er erschwerte das Atmen. Wieder schaukelte der Sarg. Und mit jeder Bewegung lief meine Lebensuhr um eine Sekunde ab.

Das Ende kam. Unweigerlich …

»Gut so!« Gedämpft hörte ich den Rufer. »Lasst ihn jetzt hinunter!« Ruckweise ging es abwärts. Die Männer hatten keine Routine. Mein Körper spannte sich. Ohne es zu wollen, begann ich zu sprechen. »Raus!«, flüsterte ich. »Ich will raus. Mein Gott …«

Tiefer und tiefer sackte der Sarg.

Und Suko kam nicht. Niemand half mir. Ich war und blieb allein. Hilflos in meinem engen Gefängnis.

Das ruhmlose Ende eines Geisterjägers. Nicht einmal vierzig Jahre alt war ich geworden. Ich ertappte mich dabei, wie ich zurückdachte. Kindheit, Jugend, Universität …

Das Gesicht meiner Mutter tauchte auf. Beinahe spürte ich ihre streichelnden Hände an meinen Wangen. Sie schien mir beruhigend zuzusprechen. Warm fühlte ich es an meinem Gesicht herablaufen.

Tränen …

Der Sarg kam zur Ruhe. Er stand jetzt auf dem Boden des Grabes. Etwas fiel auf den Deckel. Kurz hintereinander.

Es waren die Seile. Die Träger hatten sie in das Grab geworfen.

Ich drehte mich in meinem Gefängnis herum. Dann begann ich zu schreien. Brüllte all meine Not und Angst hinaus. Himmel, ich war auch nur ein Mensch.

Niemand hörte mich, oder niemand wollte mich hören. Ich schrie bis zur Erschöpfung. Ein Hustenanfall schüttelte mich durch. Ich bekam kaum noch Luft. Der Sauerstoffvorrat neigte sich dem Ende entgegen.

Mein Tod durch Ersticken war nah …

Etwas polterte auf den Sargdeckel. Das Geräusch ließ mich zusammenzucken.

Sie warfen Lehm hinab, begruben mich endgültig.

Wieder prallte harte Erde auf den Sargdeckel. Zwei Sekunden später abermals eine Schaufel voller Dreck.

Dann rascher, immer rascher.

Ebenso rasch wuchs die Angst. Die Qual vor dem Tod. Vor dieser endlosen erschreckenden Dunkelheit, vor dem kalten Nichts …

Ohne es eigentlich zu wollen, faltete ich die Hände. Es war wohl das Letzte, was mir noch blieb …

*

Mit einem katzenhaften Sprung hechtete Suko zur Seite und landete in einem Gebüsch. Das schleimige Monster, das schon den Arm ausgestreckt hatte, verfehlte ihn.

Suko war sofort wieder auf den Beinen. Die beiden Ghuls, die ihn angegriffen hatten, standen nur wenige Schritte von ihm entfernt. Sie hatten selbst nicht damit gerechnet, dass dieser Mensch schneller war als sie, mussten erst mit ihrer Überraschung fertig werden.

Aber auch Frank Scott, der inzwischen aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht war, erfasste die Situation sofort. »Freßt ihn!«, brüllte er. »Er ist Zarcadis Feind!«

Die Ghuls gehorchten. Gleichzeitig setzten sie sich in Bewegung und kamen auf Suko zu. Aus den Augenwinkeln sah der Chinese, dass Scott auf allen vieren davonkroch, um in den Rücken seines Feindes zu gelangen.

Suko war kein Feigling und auch kein Mann, der schnell aufgab und flüchtete. Er stellte sich zum Kampf. Magische Waffen hatte er nicht. Er musste versuchen, die Monster mit anderen Mitteln zu besiegen.

Scotts Schrei hatte ihm gezeigt, mit welcher Art von Dämonen er es zu tun hatte.

Mit Ghuls – den Leichenfressern, den schrecklichsten und widerlichsten aller Dämonen. Und Suko wusste auch, dass man sie entweder mit Feuer oder mit einer silbernen Kugel vernichten konnte. Beides hatte er nicht zur Hand.

Kurzentschlossen brach der Chinese einen starken Ast von einem der Bäume ab. Das Holz knackte und splitterte. Suko hatte trotz seiner immensen Kraft Mühe, das Holzstück loszureißen.

Er schaffte es gerade noch rechtzeitig.

Aus der Drehung heraus drosch er zu. Er fegte dem von rechts kommenden Ghul das Astende gegen den unförmigen Schädel. Etwas Seltsames geschah. Der Ghul wurde nicht zurückgetrieben, sondern nahm den Ast in seinen Körper auf. Er verarbeitete ihn direkt, zog mit solch ungeheurer Kraft daran, dass Suko loslassen musste.

Augenblicklich wechselte er seinen Standort. Das war gut so, denn Ghul Nummer zwei rückte ihm schon dicht auf den Leib. Eine Berührung wollte Suko unbedingt vermeiden. Er war schließlich nicht lebensmüde.

Suko tauchte unter, rollte sich mit eingezogenem Kopf über den Boden und kam wieder hoch.

Genau vor Frank Scott!

Und der hielt ebenfalls einen Ast in der Hand.

Sie schlugen mit den Knüppeln aufeinander ein.

Der Chinese war um den Bruchteil einer Sekunde schneller. Scott wurde fast aus den Schuhen gehoben. Mit einem erstickten Schrei verschwand er im Gebüsch. Suko wusste nicht, ob Scott bewusstlos war. Sicherheitshalber hechtete er hinter Scott her, doch Scott »schlief« bereits. Suko war beruhigt.

Und dann hatte er Glück.

Seine Finger fühlten plötzlich etwas Kaltes. Metall.

Eine Pistole.

Eine Beretta.

Johns Beretta!

Und die war mit geweihten Silberkugeln geladen. Kugeln, die auch einen Ghul fällten.

Suko hatte das Gefühl, einen elektrischen Schlag bekommen zu haben. Einen Kraftstrom. Er konnte sein Glück kaum fassen. Jetzt würde es den Ghuls an die Wäsche gehen.

Suko riss die Beretta an sich, rollte zweimal um die eigene Achse und sah im nächsten Moment einen der Ghuls durch halbhohes Gebüsch brechen.

Das Monster hatte sich verändert. Trotz der miesen Lichtverhältnisse bemerkte Suko die Reißzähne in dem abstoßend hässlichen Gesicht. Von dem übrigen Körper konnte er nicht viel erkennen, aber es reichte ihm auch schon so.

Der Ghul stieß ein siegessicheres Gebrüll aus, sah Suko und stürzte auf ihn zu.

Er stolperte genau in die Schusslinie.

Während Suko auf dem Boden lag, feuerte er. Das geweihte Silbergeschoss stieß den Ghul zurück. Farnkraut und Gras bedeckten seinen Körper. Das Gebrüll, das im nächsten Augenblick durch den Horror – Wald schallte, hatte nichts Menschliches mehr an sich. Suko konnte den Ghul nicht sehen, doch die Geräusche, die dieser bei seinem Todeskampf ausstieß, reichten ihm.

Wie ein Rekrut robbte Suko über den Boden. Seinen Helm hatte er am Motorrad gelassen, so konnte er sich ohne diesen störenden Kopfaufsatz rasch und zügig fortbewegen.

Irgendwo lauerte der zweite Ghul.

Suko grinste hart, als er daran dachte. Er hatte sich schon einen Plan ausgeknobelt, und darin spielte der Ghul eine wichtige Rolle.

Schon allein bei dem Namen Ghul überkam einen normalen Menschen das Schütteln. Diese Aasgeier der Dämonenhierarchie konnten verschiedene Gestalten und Formen annehmen. Vielleicht als Ausgleich für ihre Widerwärtigkeit. Nur der Geruch von Moder und Verwesung, der haftete ihnen in jeder Gestalt an.

Der Chinese verhielt sich jetzt ruhig. Er wollte dieses verdammte Monster aus der Reserve locken. Das Brüllen des sterbenden Ghuls hatte aufgehört und einer nächtlichen Stille Platz gemacht.

Suko schien es, als halte selbst die Natur den Atem an, als würde sie darauf warten, wer nun als Sieger aus dem Kampf hervorging.

Die Zeit verrann. Minute reihte sich an Minute. Suko hatte das Naturell seiner Vorväter geerbt. Geduld gehörte zu seinen großen Tugenden.

Dann schreckte ihn ein Geräusch auf. Es kam von vorn, war gar nicht mal weit entfernt.

Der Chinese versuchte, mit seinen Augen die Dunkelheit zu durchdringen. Es war schwer. Bäume und Büsche schienen ein Eigenleben zu führen. Je länger Suko in die Dunkelheit starrte, umso größer wurde das Gefühl, von allen Seiten eingeschlossen zu sein.

Lauerten noch mehr Feinde?

Hier und da raschelte es. Wind bewegte das Gras und den Farn. In den Baumkronen schienen Schatten hin – und herzuhuschen und ein Eigenleben zu führen.

Waren es Gehilfen des Ghuls? Boten aus dem Dämonenreich?

Die Schatten waren nur Einbildung, aber ein anderer Gegner lauerte auf den Chinesen.

Die Bluteule!

Lautlos war sie zu dem Chinesen geflogen. Jetzt hockte sie auf einem Ast, schräg über ihm, drehte den Kopf und starrte den Chinesen aus ihren blutroten Augen an.

Sie machte sich flugbereit, spannte die Flügel und schnellte sich von dem Ast.

Wie ein Stein kam sie herunter. Suko hatte das Gehör eines Fuchses. Ein winziges Geräusch nur warnte ihn, er riss den Kopf nach rechts, sah die Glutaugen, den schweren Körper, und dann prallte die Eule schon auf ihn.

Instinktiv hatte Suko den linken Arm gekrümmt und ihn abwehrend hochgerissen. Die beiden mörderischen Zahnreihen hackten in die Ledermontur seiner Motorradkluft. Das Leder war stabil und reißfest. Normalerweise hätten die verdammten Zähne der Eule es nicht durchgebissen.

Suko hieb mit dem Pistolenlauf zu. Zweimal.

Er traf hart, und die Eule schrie krächzend auf. Wild und unkontrolliert flatterte sie mit den Flügeln, der zweite Schlag hatte sie auf den Boden befördert.

Suko schoss.

Die Silberkugel drang durch den breiten Schädel der Eule, traf genau zwischen die Augen.

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