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John Sinclair - Folge 0001

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Im Nachtklub der Vampire

Wo Soho am dunkelsten ist, dort liegt der SHOCKING PALACE.
Wer ihn besucht, den packt das Entsetzen schon am Eingang:
Skelette stehen zur Begrüßung bereit. Die Gäste sitzen auf Särgen - bequem und originell. Angeblich sind die Särge leer, doch niemand würde seine Hand dafür ins Feuer legen …
Die drei Barmädchen Lara, Mona und Ginny sind wie Filmstars. Tagsüber sind sie völlig normal, doch um Mitternacht, zeigen sie ihr wahres Gesicht und werden zu Blutsaugerinnen.
Sie sind die wahren Herrinnen im Nachtklub der Vampire.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

Im Nachtklub der Vampire

Wo Soho am finstersten ist, da liegt der SHOCKING PALACE. Wer ihn besucht, den packt das Entsetzen schon am Eingang. Skelette stehen zur Begrüßung bereit. Die Gäste sitzen auf Särgen – zwar bequem, aber originell. Angeblich sind die Särge leer, doch niemand kann seine Hand dafür ins Feuer legen …

Die drei Barmädchen heißen Lara, Mona und Ginny. Girls wie Filmstars. Schön und fantastisch gewachsen. Tagsüber sind sie völlig normal. Doch um Mitternacht, da zeigen sie ihr wahres Gesicht. Da werden sie zu Blutsaugerinnen. Denn sie sind die wahren Herrinnen im Nachtklub der Vampire.

»Kinder, hier gefällt es mir«, sagte der Mann lachend, »komm, Süße, gib mir noch einen Schluck. Meine Kehle ist so trocken wie die Wüste.« Der Mann kicherte über seinen angeblichen Witz.

Die blondhaarige Mona griff hinter sich ins Regal. Aus der bauchigen Scotch-Flasche schenkte sie das Glas halb voll. Dann ließ sie es auf den einsamen Gast zurutschen.

Der Mann hieß Ted Willard. Teddy-Boy hatten ihn die drei Barmiezen gerufen.

Er fand es irre. Das hatte noch niemand zu ihm gesagt. Und seine Frau in Birmingham erst recht nicht. Die mekkerte immer nur an ihm herum. Sie war selbst schuld, dass Ted in London hin und wieder einen kleinen Streifzug durch Soho machte.

Die Bar, die er durch Zufall gefunden hatte, lag in einem Hinterhof. »Shocking Palace«, nannte sie sich. Ein normaler Sterblicher konnte tatsächlich einen Schock bekommen, wenn er das Lokal betrat.

Die Gäste saßen nicht auf Stühlen, sondern auf Särgen!

Schwarze Totenkisten, deren Deckel mit weißen Schädeln bemalt waren. Die Tische glänzten ebenfalls schwarz, und auf der Getränkekarte hatten die Drinks besondere Namen.

Da stand zum Bleispiel Bloody Dracula – oder Frankenstein-Mix – oder Werwolf-Wasser …

Auf jeden Fall hatte sich der Besitzer des Schuppens etwas einfallen lassen. Ted Willard wunderte sich allerdings, dass er der einzige Gast war. Diese Bar war eine Schau. Normalerweise hätte sie zum Bersten voll sein müssen.

Und jetzt hockte er allein vor dem Tresen.

Egal, die drei Miezen würden ihm die Zeit schon versüßen.

Willard war Vertreter für Geschenkartikel. Er hatte die Londoner Filiale besucht und hier neue Instruktionen bekommen. Am nächsten Tag wollte er wieder nach Birmingham fahren.

Willard war kein schöner Mann. Das rote Licht der Bar übergoss seinen fast kahlen Schädel und ließ ihn aussehen wie in Blut getaucht. Die Haare begannen bei Ted Willard im Nacken, dort, wo sie bei den meisten schon aufhörten. Sein Gesicht war rund. Es wirkte wie ein Pfannkuchen, in den man drei Löcher für Augen und Mund gebohrt hatte. Die Nase war klein und kaum zu sehen, die Haut über und über mit dicken Sommersprossen bedeckt. Willard wusste, dass er für seine Vergnügungen zahlen musste. Aber das machte ihm nichts aus.

»Du trinkst ja gar nichts, Teddy-Boy«, sagte die Blondine mit dem schönen Namen Mona und beugte sich vor.

Der Ausschnitt des dunklen Kleides klaffte auseinander. Die üppigen Brüste wurden von keinem BH gehalten.

Ted Willard schluckte. Fahrig wischte er sich über die Stirn. Der Anblick heizte ihm ganz schön ein. Verdammt, er konnte sich nicht entscheiden, wen von den dreien …

Da war Mona, die Blonde mit dem Traumkörper und dem Puppengesicht.

Lara hieß die Schwarzhaarige. Ein Girl wie ein Pulverfass. Sechzig Kilo heißes Fleisch, hatte Ted vor wenigen Minuten zu ihr gesagt. Lara hatte nur sinnlich gelacht und sich dabei in den Hüften gewiegt, dass die enge Hose fast aus den Nähten platzte.

Und dann gab es noch Ginny. Das knabenhafte Girl mit den roten Haaren, die zu einer Pagenfrisur zurechtgelegt waren. Ginny hatte die eindrucksvollsten Augen, doch in Bezug auf Sex traute ihr Willard nicht allzu viel zu.

Ted nahm einen kräftigen Schluck. Er stellte das Glas weg und grinste. »Ihr könnt einem ganz schön zusetzen«, sagte er zu der blonden Mona. »Mein lieber Mann.«

Mona spitzte die Lippen. »Du bist doch ein starker Mann, Teddy-Boy.«

Willard lachte glucksend. »Aber drei sind auch für mich zu viel.«

Mona hob die Schultern. »Wer weiß. Lass dich mal überraschen …«

Willard fasste nach ihrem Arm. »Wieso? Habt ihr noch eine Überraschung auf Lager? Komm, erzähl schon.«

Entschieden schüttelte die Barmieze den Kopf. »Nein, mein Bester, ich sage nichts. Um Mitternacht wirst du es selbst erleben.«

Ted Willard trank das Glas leer. »Du machst mich neugierig. Etwa ein gemeinsamer Strip?«

»Vielleicht.«

Willard leckte sich über die Lippen. »Oder mit mir zusammen. Wie man es im Film manchmal sieht?«

Mona lächelte verbindlich. »Kann sein …«

Willard tätschelte ihren Arm. »Spielverderberin«, sagte er und trank sein Glas leer.

Es war warm in der Bar. London stöhnte unter der Sommerhitze. Das Jackett hatte der Vertreter längst ausgezogen. Jetzt lockerte er auch noch seinen Krawattenknoten. »Gib mir noch einen Schluck.«

Mona ließ Whisky aus der Flasche gluckern. Sie war jetzt mit Ted Willard allein in der Bar, denn ihre beiden Kolleginnen hatten sich unauffällig zurückgezogen. Sie würden aber früh genug erscheinen …

Ted Willard drehte sich auf seinem Hocker um. Seine Augen versuchten das Halbdunkel in der Bar zu durchdringen. Was er zu sehen bekam, war nicht gerade berauschend. Zwar originell, aber doch etwas primitiv. Da gab es die Nischen mit den kleinen Tischen und gepolsterten Sesseln. Die Mädchen verschwanden mit ihren Gästen in den Separees. Hier saß man auch nicht auf Särgen. Diese Art von Sitzmöbel war den beiden mittleren Tischen vorbehalten. Über der Eingangstür hing eine angegraute Leinwand. Auf ihr wurden wahrscheinlich harte Pornofilme abgespult. Der Projektor stand neben einem der beiden Stützbalken, ziemlich weit im Hintergrund des Lokals.

Die rote Beleuchtung stammte von nachgemachten künstlichen Kerzen, die an den Wänden hingen. Rechts und links der Leinwand leuchteten zwei Skelette, und wenn man an einem Bändchen zog, bewegten sich die zahnlosen Unterkiefer hin und her.

»Nimm doch einen Schluck«, ermunterte Mona ihren Gast.

Ted Willard trank. Dann schüttelte er den Kopf. »Ich verstehe wirklich nicht, was das alles bedeuten soll«, meinte er. »Diese Bar ist doch irre. Und so etwas versteckt ihr in einem Hinterhof? Kaum zu glauben. Also, ich für meinen Teil hätte mehr aus dem Schuppen gemacht. Ihr müsst das so aufziehen wie eine Geisterbahn auf dem Rummelplatz. Mit schreiend bunten Horrorplakaten. Dann kämen die Gäste in Strömen, und der Whisky würde gallonenweise fließen.«

»Vielleicht wollen wir das gar nicht«, sagte Mona geheimnisvoll.

»Das ist doch nicht dein Ernst?«

Mona nickte. »Es ist mein voller Ernst.«

Ted Willard hob die Schultern. »Verstehe ich nicht. Ist ja auch nicht mein Bier. Außerdem«, er begann plötzlich zu grinsen, »finde ich es Klasse, wenn sich jemand um mich allein kümmert. Und wenn es drei Puppen sind, umso besser.« Ted Willard kicherte. Er rutschte vom Hocker. »Ich werde erst mal irgendwohin gehen«, sagte er.

»Tu das«, erwiderte Mona, »aber bleib nicht zu lange!«

Es war genau sieben Minuten vor Mitternacht, als der Vertreter Ted Willard die Tür der Toilette ansteuerte. Sein Gang war schon leicht schwankend. Ein paarmal musste er sich an der Mauer abstützen. Dann zog er die Toilettentür auf.

Ted Willard blieb sechs Minuten.

Eine Minute vor Mitternacht kam er wieder in die Bar. »Hallo, Girls«, rief er mit Stentorstimme. »Hier bin ich. Bereit zu neuen Schandtaten und heißen Spielchen!«

Nichts. Keine Reaktion.

Ted ging einige Schritte in den Barraum hinein. »He«, rief er, »wo seid ihr? Habt ihr euch versteckt, ihr Zuckerbienen?«

Er bekam keine Antwort.

Ted stellte sich mitten in das Lokal. Er stützte beide Arme in die Hüften. »Also, das ist ein Ding«, sagte er, »die scheinen ja ein besonderes Spielchen mit mir vorzuhaben. Hoffentlich gibt’s auch was zu gewinnen. Vielleicht ’ne Baggerfahrt durch London.« Ted kicherte. Er war nicht mehr ganz nüchtern.

Mitternacht!

Irgendwo in der Nähe schlug eine Kirchturmuhr. Deutlich hörte Ted die Glockenschläge.

»Geisterstunde«, murmelte er, »uuuaaaahhh …«

Ein rasselndes Geräusch ließ ihn herumfahren. Wie von Geisterhand bewegt, war ein Rollo vor die Eingangstür geknallt.

Wieder das Geräusch.

Teds Kopf zuckte nach links.

Auch das Fenster war jetzt abgesichert.

Und noch einmal fiel ein Rollo nach unten. Diesmal vor dem rechten Fenster.

Die Ausgänge waren versperrt. Ted Willard war eingeschlossen.

Sein leicht umnebeltes Gehirn begriff nicht so ganz, was eigentlich vorgefallen war. Noch glaubte er an einen Scherz.

Noch …

Da vernahm er das dämonische Kichern. Ted fühlte eine Gänsehaut über seinen Rücken rieseln. Plötzlich begann sein Herz rasend schnell zu schlagen. Das Atmen fiel ihm schwer.

Benommen drehte sich Ted Willard um.

Und erlebte den Schock seines Lebens!

*

Die Lufthansa-Maschine aus Düsseldorf nach London war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Deutsche, die darauf hofften, in London billiger einkaufen zu können, stauten sich in der Touristenklasse. Die Gespräche drehten sich um Kleidung und Möbel. Die Passagiere hatten sagenhafte Vorstellungen, und der junge blondhaarige Engländer, der die Diskussionen mit anhörte, konnte immer nur den Kopf schütteln.

Er wusste es besser. Vieles, was man deutschen Touristen andrehte, war Mist. Ware, die aus Hongkong billig importiert und wieder teuer an den Mann oder die Frau gebracht wurde. Dem jungen Mann war das egal. Er hatte andere Sorgen.

Der blondhaarige Passagier mit den blauen Augen war kein anderer als Oberinspektor John Sinclair, von seinen Freunden auch Geisterjäger genannt.

Geisterjäger deshalb, weil er einen besonderen Job hatte. John war zwar Beamter bei Scotland Yard, doch in einer ganz bestimmten Funktion. Er beschäftigte sich mit Fällen, die ins Übersinnliche, Dämonische hineinspielten. Mit anderen Worten: John Sinclair hatte Monstern, Vampiren, Werwölfen und Dämonen den Kampf angesagt.

Und wie.

Bisher hatte er noch jeden Fall aufgeklärt. Bei den Mächten der Finsternis war er Todfeind Nummer eins. Er hatte ihnen am laufenden Band Niederlagen zugefügt und manchen Erzdämon vernichtet. Wie erst vor einigen Tagen im Elsaß, als er einen mörderischen Kreuzritter zur Hölle geschickt hatte. 1

Jetzt befand sich John auf dem Rückflug. Er freute sich auf London. John liebte die Stadt, von der gesagt wird, sie sei die größte der Welt. Er war ein Londoner Kind und wäre um kein Geld in eine andere Großstadt gezogen. Außerdem ist London und überhaupt die englische Insel das Ursprungsland der Geister und Nachtwesen. Es gab unzählige Burgen und Schlösser, die ihr eigenes Hausgespenst hatten, und hoch oben im Norden, dem schottischen Bergland, hielt sich zum Teil noch alter Keltenglaube. Heidnische Bräuche waren bis in die heutige Zeit überliefert worden. John hatte diese Erfahrung mehr als einmal gemacht.

Was in London auf ihn wartete, wusste er noch nicht. Aber arbeitslos würde er bestimmt nicht werden.

Er freute sich auch auf die Rückkehr seiner beiden Freunde Bill Conolly und Suko.

Bill, der ehemalige Reporter, und Suko, Johns chinesischer Freund und Leibwächter, machten das Hochland von Pamir unsicher. Bill wollte einen Bericht über Nepal und das höchste Gebirge der Welt schreiben, und die sechs Wochen, die sie für diese Expedition eingeplant hatten, waren in fünf Tagen vorbei.

Dass der Flug für John nicht langweilig geworden war, lag an Marina Held, einem hübschen, frischen Mädchen aus Berlin, das soeben sein Abitur gebaut hatte und in London zwei Jahre bei einer großen Firma als Fremdsprachenkorrespondentin arbeiten wollte.

»Ich kann es immer noch nicht fassen, bald nach London zu kommen«, sagte Marina. »Das kommt mir alles noch wie ein Traum vor.«

»Wenn Sie erst einmal im Londoner Verkehr stecken, wird der Traum sehr schnell zu einem Albtraum«, erwiderte John lachend.

Marina schlug sich gegen den Mund. Ihre blauen Augen wurden noch größer. »Himmel, in England herrscht ja Linksverkehr! Das schaffe ich nie. Niemals.« Sie schüttelte den Kopf, und ihre dunkelblonden Haare, die sie in der unteren Hälfte zu einer Lockenfrisur gedreht hatte, flogen.

Marina lachte gern und konnte sich schnell für eine Sache begeistern. Um die Nasenflügel gruppierten sich lustige Sommersprossen.

John bot Zigaretten an.

»Danke.« Marina nickte. »Auch eines von meinen Lastern.«

Der Geisterjäger ließ sein Feuerzeug aufschnappen. »Wenn es nicht mehr sind …«

Marina blickte ihn über die Flamme hinweg an. Ihre Augen wirkten plötzlich verschleiert. »Sie kennen mich nicht, John!«

Der Oberinspektor lächelte.

Marina nahm einen Zug aus der Zigarette und blies den Rauch der Luftdüse entgegen. »An englische Zigaretten muss ich mich erst noch gewöhnen«, sagte sie. Dann wechselte sie sprunghaft das Thema. »Sagen Sie mal, John, wie sind eigentlich die englischen Männer?«

Der Geisterjäger lachte. »Wie in Berlin, nehme ich an.«

Marina lachte. »Oh, da habe ich mir aber mehr vorgestellt.« Sie zog einen Schmollmund.

»Ich will Sie nicht entmutigen«, sagte John rasch. »Ich würde an Ihrer Stelle einmal selbst ausprobieren, was es mit den englischen Männern auf sich hat.«

Marina nickte. »Das ist klar. Nur weiß ich nicht, wo ich da anfangen soll. Ich kenne keinen in London.

John legte eine Hand auf ihre Schulter. »Ihnen wird schon etwas einfallen. So wie Sie aussehen, Marina. »Briten lieben blaue Augen.«

Marina Held schaute aus dem Fenster. Sie sah einen strahlend blauen Himmel, wie sie ihn sonst nur von Postkarten her kannte. Die Sonne stand als gleißender Ball am Firmament, und die Boeing schien haarscharf an ihr vorbeizuschweben.

John Sinclair hatte den Blick des Mädchens bemerkt und fragte: »Fliegen Sie zum ersten Mal?«

»Nein, nein.« Marina drehte sich wieder um. »Es ist nur … fliegen ist für mich immer ein besonderes Erlebnis. Ich habe keine Angst mehr davor.«

»Brauchen Sie auch nicht. Runter kommen wir immer.«

Marina lachte. »Sie sind gut. Fragt sich nur wie.«

»Eben.«

Eine Stewardess kam durch den Mittelgang und bot Getränke an.

»Möchten Sie irgendetwas trinken?«, fragte John das Mädchen.

Marina schürzte die Lippen. »Vielleicht einen Orangensaft?« Der Geisterjäger nickte. »Okay, zwei Orangensaft.«

Marina und John prosteten sich zu. »Cheers, sagt man wohl in England«, meinte Marina.

»Stimmt genau, Sie wissen schon einiges.«

Sie tranken. »Aber noch nicht genug«, sagte Marina Held neckisch.

»Wieso?«

»Zum Beispiel weiß ich nicht, was Sie von Beruf sind, John?«

Der Oberinspektor hob die Schultern. »Ach, das ist eine komplizierte Geschichte …«

»Warten Sie. Lassen Sie mich raten, John. Sie sind Manager. Oder Schriftsteller. Ja, das wäre was. Bestsellerautor. Ich kann mir Sie so richtig vorstellen. Agentenromane, da sind Sie genau der Typ.«

John lachte und schlug die Hände gegeneinander. »Falsch«, sagte er. »Alles falsch.

Marinas Gesicht zeigte Ratlosigkeit. »Jetzt sagen Sie nur noch, Sie sind Vertreter für Damenunterwäsche oder so …«, spöttelte sie.

»Nein. Ich bin Beamter.«

»Ach, du mein lieber Himmel.«

»Wieso?«, fragte John, »ist das was Schlimmes?«

»Nein, nein, ganz und gar nicht. Nur – einen Beamten stellt man sich immer ganz anders vor. Viel strenger und korrekter. Nicht so leger. Mein Onkel war Beamter. Himmel, und auch noch beim Finanzamt. Wenn der zu uns gekommen ist, haben wir alle gezittert. Jetzt ist er pensioniert, und da zittert nur noch seine Frau.«

John Sinclair amüsierte sich köstlich über die erfrischende Art des Mädchens. Die Zeit verging buchstäblich wie im Fluge. Und als das Signal zum Anschnallen aufflammte, zog Marina ein enttäuschtes Gesicht.

»Schade«, sagte sie. »Jetzt lernt man mal einen netten Mann kennen, und schon ist es vorbei.«

»Nehmen Sie es nicht tragisch«, erwiderte John. »Vielleicht treffen wir uns irgendwann einmal. London ist gar nicht so groß.«

Die Maschine setzte zur Landung an. Sanft ließ der Pilot den Riesenvogel auf die Rollbahn gleiten. Noch einmal heulten die Triebwerke im Gegenschub auf, dann stand die Maschine.

Die Passagiere lösten ihre Gurte. Marina Held blieb auch noch bei John Sinclair, als sie das Flugzeug verließen. Sie war auf einmal gar nicht mehr redselig.

In der großen Abfertigungshalle nahmen sie das Gepäck entgegen. Marina hatte zwei Koffer, John Sinclair nur eine Reisetasche.

»W

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