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Jerry Cotton - Folge 3015

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Beim Sterben ist jeder der Erste
  4. Vorschau

Beim Sterben ist jeder der Erste

»Hey, Mann, was glotzt du so?«

Barry Nolan ließ das Päckchen mit dem schneeweißen Pulver in der linken Tasche seines Mantels verschwinden. Die Rechte griff nach der Waffe, die er am Gürtel trug, einem kurzläufigen Revolver Kaliber 22. Nolan riss die Waffe heraus. Seine Augen waren weit aufgerissen, die Pupillen unnatürlich geweitet. »Ja, dich meine ich!«, rief er heiser.

Er richtete den Revolver auf den schwarzbärtigen Mann mit der Baseballkappe, der wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein schien. »Warum verfolgst du mich?«

»Ich verfolge Sie nicht. Ehrlich!«

Barry Nolan kam näher. Der Bärtige wagte es nicht, sich zu rühren.

Barry Nolan spannte den Hahn seines Revolvers.

Die Gedanken rasten nur so durch Barry Nolans Kopf. Er wandte sich kurz um. Der Dealer, von dem er den Stoff hatte, war längst auf und davon. Aber dieser schwarzbärtige Kerl dort hatte alles gesehen, die ganze Transaktion, da war sich Nolan sicher.

»Hören Sie, ich werde jetzt einfach weitergehen«, sagte der Bärtige. »Und Sie gehen auch weiter. Ich weiß nicht, wer oder was Ihnen heute so auf die Nerven gegangen ist, dass Sie mit einer Waffe herumfuchteln. Aber ich will nichts von Ihnen, und da wir uns vollkommen zufällig begegnet sind, wüsste ich auch nicht, was Sie von mir wollen.«

Nolans Revolverhand zitterte.

Ein Cop, das war sein erster Gedanke gewesen. Ein Cop, der mir eine Falle gestellt hat, in die ich hineingetappt bin!

Aber an dieser Theorie hatte Nolan inzwischen erhebliche Zweifel. Es musste irgendetwas anderes dahinterstecken.

Der Bärtige drehte sich um.

Offenbar wollte er seine Ankündigung in die Tat umsetzen und tatsächlich einfach gehen. Aber so leicht wollte Nolan ihn nicht davonkommen lassen.

»Keine Bewegung«, sagte er.

Sie befanden sich in einem Hinterhof. Die Müllcontainer quollen über. Ein paar parkende Fahrzeuge wirkten wie ausgeschlachtet. Es war nicht gerade die beste Gegend von Philadelphia.

Der Bärtige blieb stehen.

»Nicht umdrehen«, sagte Nolan. Er ging von hinten an den Bärtigen heran und setzte ihm den kurzen Lauf des Revolvers an den Kopf. Mit der anderen Hand begann er, den Mann zu durchsuchen. Er war auf jeden Fall unbewaffnet. In den Taschen des ausgeleierten Parkas, den der Bärtige trug, fand Nolan eine Brieftasche. Die nahm er heraus, trat dann ein paar Schritte zurück.

In der Brieftasche befanden sich ein gültiger Führerschein, eine Kreditkarte, die Karte einer Krankenversicherung – alle ausgestellt auf den Namen Gordon O’Meany.

»Ich habe Sie schon einmal gesehen, Gordon O’Meany«, stellte Nolan fest.

»Das glaube ich nicht.«

»Gestern, als ich in dem Coffee Shop war. Da saßen Sie in einem parkenden Wagen auf der anderen Straßenseite!«

»Hören Sie, ich sagte es schon einmal, ich will nichts von Ihnen.«

»Und ich stelle Ihnen jetzt noch einmal die Frage: Warum spionieren Sie mir hinterher?«

»Sie reden Unsinn.«

»Ich glaube einfach nicht an Zufälle, Mr O’Meany. Dass Sie mir an zwei Tagen an zwei verschiedenen Orten begegnet sind, muss einen Grund haben.«

»Ihre rote Nase auch.«

»Was soll das denn heißen?«

»Falls Sie Allergiker sind oder sich total erkältet haben, gar nichts. Aber falls Sie andere Probleme haben, nehmen Sie sich eine der Karten aus meiner Brieftasche und rufen Sie mich gelegentlich an.«

Nolan steckte die Waffe ein, um beide Hände frei zu haben. Falls der Kerl ihn angreifen sollte, konnte er sie schnell genug aus der Manteltasche ziehen. Er lockerte die Krawatte. Dann sah er genauer in der Brieftasche nach und fand die Visitenkarten, die der bärtige O’Meany offenbar meinte.

»Fight the Drugs Foundation«, las Nolan stirnrunzelnd. Er steckte die Karte ein. Seine Hand glitt dabei in die Manteltasche und umfasste wieder den Revolvergriff.

»Da arbeite ich mit«, sagte der Bärtige. »Genauer gesagt, ich leite das Philadelphia-Büro der Organisation.«

Nolans Gesicht lief dunkelrot an. Er riss die Waffe erneut heraus und richtete sie auf O’Meany.

»Verpiss dich!«, stieß er hervor.

»Ihr Mantel ist aus Kamelhaar, Ihr Anzug sieht aus, als hätte er mehr als 1000 Dollar gekostet. Ich glaube nicht, dass Sie auf den Inhalt meiner Brieftasche wirklich angewiesen sind, Mr!«

O’Meany streckte die Hand aus.

»Na los, verpiss dich, du Scheiß-Gutmensch!«, rief Nolan dann und warf ihm die Brieftasche hin. O’Meany hob sie auf und steckte sie ein.

»Was ich gesagt habe, meine ich ernst«, sagte O’Meany. Dann drehte er sich um und ging.

Nolan sah ihm einen Moment nach. Er steckte die Waffe ein und ging weiter.

Als er um die Ecke ging, bekam O’Meany gerade noch mit, wie Nolan sich etwas von dem Stoff, den er gerade gekauft hatte, auf den Handrücken häufte, um ihn zu schnupfen.

***

»Mike LaRea, Philadelphia Police Department, Abteilung für organisierte Kriminalität«, sagte der großgewachsene Mann mit dem spitzen Kinn. LaRea war Mitte vierzig und hatte, abgesehen von einem kurzgeschorenen Kranz um die Kopfmitte, kein Haar mehr auf dem Kopf. Seine Augen waren grau und wirkten falkenhaft und durchdringend.

Der uniformierte Cop sah stirnrunzelnd auf LaReas Dienstausweis.

»Ich dachte, das ist ein Fall für die Homicide Squad«, meinte der Officer.

»Überlassen Sie das Denken am besten den Rängen, die dafür auch eine Zulage bekommen, Officer«, sagte Mike LaRea.

Dem Uniformierten schien diese Bemerkung überhaupt nicht zu gefallen. Sein Gesicht wurde finster. »Ich habe schon von Ihnen gehört, LaRea.«

»Nur Gutes, hoffe ich.«

»Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Sie von Lieutenant Finch dringend erwartet werden.«

»Was Sie nicht sagen.«

LaRea ließ den Officer stehen und ging weiter. Lieutenant Finch stand neben dem Toten, über den sich gerade der Gerichtsmediziner beugte.

»Was wollen Sie denn hier, LaRea?«, fragte Finch, der korpulente Chef der Homicide Squad. LaRea und Finch hatten in derselben Abteilung angefangen, später hatten sich ihre Wege getrennt.

»Ich bin hier, um Ihnen den Fall aus der Hand zu nehmen, Finch.«

»Ich habe gehört, Sie machen das immer noch.«

»Was?«

»Alles an sich ziehen und nichts richtig beenden. Aber dafür ab und zu mal in der Zeitung stehen. Damit macht man sich nicht unbedingt bei den Kollegen beliebt.«

Mike LaRea achtete nicht auf die bissigen Worte seines Kollegen Finch. Seine Konzentration galt voll und ganz dem Toten, der auf dem Pflaster ausgestreckt dalag. Die Nase war so rot wie bei einem Zirkusclown. Das kam bei Leuten, die Kokain schnupften, häufig vor. Nach einer gewissen Zeit wurden die Nasenschleimhäute stark in Mitleidenschaft gezogen. Ständige Entzündungen waren dann die Folge.

»Kann man schon irgendetwas sagen?«, fragte LaRea den Gerichtsmediziner.

»Sieht nach einer Überdosis aus. Er hatte sich wohl gerade eine ziemlich große Portion bei einem Dealer gekauft. Das meiste ist noch in seiner Manteltasche. Allerdings …«

»Ja?«

»Ich werde ihn erst untersuchen müssen.«

»Ich will, dass zuerst das Rauschgift analysiert wird«, sagte LaRea. »Doc, sichern Sie jedes einzelne Pulverkörnchen, das Sie an der Nase finden. Ich brauche die Analyse vorgestern.«

Captain Finch wandte sich an den Gerichtsmediziner. »Das ist Mike LaRea, der Kerl mit der schlechtesten Laune im ganzen Philadelphia Police Department. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er hier auftaucht, sonst hätte ich Sie vorgewarnt.«

Der Gerichtsmediziner runzelte die Stirn. Er war ziemlich jung. Gerade mit dem Examen fertig, schätzte LaRea. Und darüber hinaus wirkte er aufgrund seiner weichen Gesichtszüge, die noch von seinen Naturlocken betont wurden, ohnehin sehr jungenhaft.

Er sah LaRea offen an.

»Ich bin übrigens Dr. James Kellray«, sagte der Gerichtsmediziner ruhig. »Ich gebe zu, dass ich neu hier bin, aber können Sie mir mal sagen, weshalb dieser Aspekt für Sie so wichtig ist?«

»Machen Sie einfach Ihren Job und berichten Sie mir. Dann kann nichts schiefgehen«, sagte LaRea.

»Aber wenn jemand Rauschgift schnupft, ist das in der Regel immer Kokain – mal mit mehr und mal mit weniger Zusätzen.«

»Ja, aber in diesem Fall ist es das vielleicht nicht«, gab LaRea zurück. »Dieser Fall könnte zu unserer Serie gehören. Jemand verkauft Heroin-Pulver als Kokain. Kein Junkie kann das so ohne Weiteres auseinanderhalten, aber …«

»… wer Heroin schnupft, ist kurz danach tot«, stellte Kellray fest.

»Na, wenigstens das wissen Sie«, knurrte LaRea.

Kellray sah auf den Toten. »Ich dachte, das wäre eine normale Überdosis gewesen oder Tod infolge starker Vorschädigungen des gesamten Organsystems durch andauernden Drogenkonsum.«

»Na, gut, dass Sie den Totenschein noch nicht unterschrieben haben«, gab LaRea gallig zurück. »Wahrscheinlich hätten Sie sich auch eine Obduktion erspart.«

»Wir sind gehalten, auf die Kosten zu achten«, sagte Kellray.

»Klugscheißer«, murmelte LaRea.

»Wie wär’s mal mit der Teilnahme an einem dieser Anti-Aggressionskurse, die unser Department anbietet, LaRea?«, mischte sich Lieutenant Finch ein. »Vielleicht noch mit dem Zusatzangebot ›Wie mache ich meine Kollegen froh? Tipps und Tricks für gute Zusammenarbeit‹?«

LaRea wandte das regungslose Gesicht in Finchs Richtung. Er sagte kein Wort, aber sein Blick zeigte die Geringschätzung, die er in diesem Moment empfand.

»Sehen Sie, Dr. Kellray, das meinte ich: LaRea versteht absolut keinen Spaß.«

»Wer war der Tote?«, fragt Mike LaRea ungerührt, als hätte er nichts von dem mitbekommen, was Finch gesagt hatte.

»Er heißt Barry Nolan und arbeitet als Creative Director in einer Werbeagentur am anderen Ende der Stadt«, gab Finch Auskunft.

»Hat er Familie?«, fragte LaRea.

»Frau und zwei Kinder.«

»Wissen sie schon Bescheid?«

»Ein Kollege ist unterwegs. Und die Agentur weiß auch Bescheid. Man hat ihn da schon vermisst.«

Mike LaRea nickte langsam. »Da fährt dieser feine Mr Nolan durch die halbe Stadt, um in dieser miesen Gegend ein paar Gramm Kokain zu kaufen, und ist wenig später tot«, stellte Mike LaRea fest.

»Wie wollen Sie vorgehen, LaRea?«, fragte Lieutenant Finch.

»Ich will, dass alle bekannten Dealer hier in der Gegend einkassiert und verhört werden.«

»Sie wollen herausfinden, wer Mr Nolan den Stoff verkauft hat?«

»Ja. Oder ob einer von denen was beobachtet hat. Ich halte es für ausgeschlossen, dass das ein Fremder war. Schließlich achten die Dealer peinlich genau darauf, dass keine Konkurrenz in ihrem Gebiet Kasse zu machen versucht.«

***

»Ich bin FBI Inspektor Jerry Cotton – und dies ist mein Kollege Inspektor Phil Decker«, stellte ich uns vor. »Und Sie müssen Mike LaRea von der Abteilung gegen organisiertes Verbrechen vom Philadelphia Police Department sein.«

»Bin ich«, sagte der Mann, der uns vom Flughafen abholte.

Wir hatten anderthalb Stunden vorher in Washington eingecheckt, und spätestens jetzt begann die Arbeit an dem Fall, den wir in Philadelphia zu bearbeiten hatten.

Unser Gegenüber ließ keinen Zweifel daran, dass er keine Zeit verlieren wollte. Und ich hatte dafür volles Verständnis.

»Das Hotel, in dem Sie beide untergebracht wurden, ist nicht unbedingt Luxusklasse oder dergleichen«, eröffnete Mike LaRea uns. »Aber es hat den Vorteil, dass es direkt neben dem Hauptquartier des Philadelphia Police Department liegt. So verlieren Sie nicht unnötig Zeit.«

»Wir wissen kurze Wege zu schätzen«, sagte Phil.

»Sie sind ja auch nicht hier, um einen Erholungsurlaub zu machen«, sagte LaRea.

»Auf diesen Gedanken wäre ich auch nie gekommen«, bekannte ich.

»Die Initiative dafür, dass Sie eingeschaltet wurden, ging übrigens von mir aus, auch wenn Ihr Chef nur mit meinem Chef gesprochen hat und ich erst eine Menge Wind machen musste, damit es dazu gekommen ist.«

»Wir sind hier, um Ihnen zu helfen«, sagte ich.

Mike LaRea musterte uns kurz und abschätzig. »Ehrlich gesagt bin ich etwas enttäuscht. Sie kommen mit einem ultra-sparsamen Aufgebot, scheint mir. Eigentlich dachte ich, Sie bringen ein paar Experten mit und nicht nur zwei …«

Ich hob die Augenbrauen. »Ja?«

Mike LaRea machte eine wegwerfende Handbewegung. »Lassen wir das. Ich habe heute nicht meinen freundlichen Tag.«

»Ich kann Sie beruhigen«, sagte ich.

»Ach, ja?«

»Wir sind keineswegs auf uns allein gestellt, sondern können uns auf ein Team von Fachleuten stützen, das aber nicht unbedingt am Ort der Ermittlungen anwesend sein muss, um unserer Arbeit trotzdem wesentliche Impulse zu geben.«

»Ja, das ist wohl die blumige Umschreibung für die Tatsache, dass man uns in Washington offenbar mit unserem Mist alleine lässt. Nichts für ungut, und Ihre Unterstützung weiß ich auch sehr zu schätzen, aber … »

»Aber was?«

Mike LaRea stemmte die Arme in die Hüften und blieb stehen. »Etwas mehr Engagement der FBI-Zentrale hätte ich mir schon gewünscht, muss ich sagen. Hier bricht schließlich sehr wahrscheinlich in Kürze ein Gangsterkrieg los, wie er nur alle paar Jahrzehnte mal vorkommt.«

»Sie können sicher sein, dass man sich in Washington der Brisanz der Lage voll und ganz bewusst ist«, erklärte ich.

»Na, da bin ich ja beruhigt … Denn wenn es hier losgeht, kann es gut sein, dass die Sache auf Miami überspringt. Schließlich hat unser Fall mit einer anderen Sache zu tun, die sich vor einigen Jahren ereignet hat.«

Phil und ich waren erst am Morgen von Mr High, dem Leiter der Field Operation Section East, mit den groben Einzelheiten des Falles vertraut gemacht worden. Im Großen und Ganzen ging es darum, dass Kokainsüchtigen pulverförmiges Heroin verkauft worden war. Pulverisiertes Heroin anstelle von Kokain zu schnupfen war ein ziemlich sicheres Todesurteil. Das Problem war nur, dass die Konsumenten das nicht ohne Weiteres unterscheiden konnten.

Captain LaReas Theorie war, dass ortsfremde Drogenkartelle sich in Philadelphia breitmachen und durch solche Maßnahmen den Markt verunsichern und neu aufmischen wollten.

Vor ein paar Jahren hatte es in Miami ebenfalls eine Reihe von Todesfällen durch Heroin-Pulver gegeben und es gab den Verdacht, dass beide Fälle zusammenhingen.

»Ausgerechnet hier in Philadelphia musste sich Jack Campanella niederlassen, nachdem er seine Zeit abgesessen und sich obendrein in der Drogenszene von Miami unmöglich gemacht hat«, kam Mike LaRea ziemlich schnell zum Kern seiner Theorie. »Glauben Sie mir, Campanella will hier was Großes aufziehen, und dafür geht er über Leichen.«

»Mag ja sein«, gab ich zurück.

»Das würde jedenfalls erklären, wieso jemand Heroin als Kokain verkauft, obwohl Ersteres dreimal so teuer ist. Das macht nämlich nur dann Sinn, wenn man annimmt, dass es dem Urheber dieses Wahnsinns auf diesen Verlust nicht ankommt. Jemand, der einfach nur den Markt in Angst und Schrecken versetzen will, sodass die Junkies ihren angestammten Dealern nicht mehr vertrauen. Verstehen Sie, was ich meine, Inspektor Cotton?«

»Nennen Sie mich ruhig Jerry«, sagte ich. »Wir werden in der nächsten Zeit viel miteinander zu tun haben, nehme ich an.«

Normalerweise bin ich nicht unbedingt dafür, sofort ein allzu vertrautes Verhältnis zu suchen. Seit Phil und ich nicht mehr Special Agents in den Straßen von New York City waren, sondern man uns zu FBI-Inspektoren mit dem Zuständigkeitsbereich für den gesamten Osten der Vereinigten Staaten befördert hatte, hatte sich auch das Verhältnis zu den Kollegen geändert.

In New York waren wir größtenteils von vertrauten Personen umgeben gewesen, mit denen wir jahrelang zusammengearbeitet hatten und bei denen man wusste, dass man sich auf sie verlassen konnte. In unserer neuen Zuständigkeit mussten wir immer wieder mit anderen Kollegen zusammenarbeiten – und manchmal waren die sogar Teil des Problems, um das wir uns kümmern mussten.

Aber in diesem Fall hatte ich das Gefühl, irgendwie das Eis brechen zu müssen. Auch wenn es Mike LaReas Initiative zu verdanken gewesen war, die FBI-Zentrale in Washington einzuschalten, weil er offenbar frühzeitig die übergeordnete Dimension des Falles erkannt hatte, schien LaRea Vorbehalte gegen uns zu haben.

Allerdings sollten wir schon sehr bald merken, dass wir da keineswegs Ausnahmen darstellten. Mike LaRea hatte offenbar Vorbehalte gegenüber fast jedermann, und seine schlechte Laune schien chronisch zu sein. Mit ihm zusammenzuarbeiten stellte für Kollegen sicherlich erhöhte Anforderungen an die eigene psychische Stabilität. Aber das hieß nicht, dass er ein schlechter Polizist war, ganz im Gegenteil.

Er schien einen sehr sicheren Blick für die Lage zu haben, die sich in Philadelphia zusammenbraute. Und wenn jemand dafür sorgte, dass frühzeitig geeignete Maßnahmen ergriffen werden konnten, um eine Eskalation zu verhindern, dann war das auf jeden Fall begrüßenswert.

»Ich denke, ich bleibe für Sie vorerst lieber Lieutenant LaRea«, wies mein Gegenüber das Verbrüderungsangebot allerdings schroff zurück.

»Ganz wie Sie wünschen, Lieutenant«, gab ich zurück.

Wir gingen zu LaReas Wagen. Er fuhr einen Geländewagen, der auf den Straßen von Philadelphia irgendwie etwas deplatziert wirkte.

Mehrere Beulen und Kratzer sprachen für einen eher rustikalen Fahrstil. Wir verstauten unser Gepäck. Ich setzte mich neben LaRea auf den Beifahrersitz. Phil zögerte noch, ehe er einstieg. Sein Blick war auf das Display seines Smartphones gerichtet und er wirkte ziemlich konzentriert dabei.

»Wir könnten auf dem Weg zum Hauptquartier bei den Angehörigen des letzten Opfers vorbeifahren, diesem Barry ...

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