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Jerry Cotton - Folge 3011

Der falsche Plan

Randy McPherson bremste seinen Truck. Er schluckte. Überall lagen Häuser in Trümmern. Bäume und Strommasten waren von der Gewalt des gerade vorübergezogenen Hurrikans abgeknickt worden wie Streichhölzer. Randy McPherson hörte routinemäßig den Funk der örtlichen Polizei ab. Er lauschte einige Augenblicke den leicht verzerrten Stimmen.

Die sind weit genug weg, dachte er.

Schließlich wollte er den Cops im Moment um keinen Preis der Welt begegnen. Und das hatte mit der Leiche zu tun, die sich im Laderaum seines Trucks befand.

Der Sturm hatte sich gelegt und eine Schneise der Verwüstung durch einige Vororte von Wilmington, North Carolina, gezogen. Häuser waren dem Erdboden gleichgemacht worden, Fahrzeuge hatte die Kraft des Sturms einfach emporgehoben und durch die Luft geschleudert. In den Nachrichten war von einem Dutzend Todesopfern und ungefähr zwanzig Vermissten die Rede gewesen.

Randy stieg aus. Er öffnete mit ein paar geübten Handgriffen die Ladefläche seines Trucks, stieg auf und blickte dann auf die Leiche hinab. Ein Mann, so viel war noch erkennbar. Aber das Gesicht war so schrecklich entstellt, dass ihn wohl selbst engste Angehörige nicht wiedererkannt hätten.

Mit seinen Händen war auch irgendetwas geschehen. Sie wirkten rot. Das rohe Fleisch kam zum Vorschein. Es sah aus, als hätte er sich verbrannt. Ein scharfer Geruch hing in der Luft.

Randy stand der Schweiß auf der Stirn.

An einem Haken hingen ein Paar Arbeitshandschuhe. Die zog Randy über. Dann fasste er den Toten an den Füßen und zog ihn zum Rand der Ladefläche. Mit einem dumpfen Geräusch fiel die Leiche wie ein nasser Sack auf den Boden.

Nichts für ungut, dachte Randy und sprang hinterher. Er orientierte sich kurz. Dann hatte er seine Wahl getroffen. Ein Trümmerhaufen, der noch vor wenigen Stunden ein schmucker Vorstadtbungalow gewesen war, schien ihm der perfekte Ort zu sein, um eine Leiche loszuwerden. Er schleifte den Toten hinter sich her.

Es konnte ja nicht allzu schwer sein, ihn so zu drapieren, dass man ihn für ein Opfer des Sturms hielt …

Nach ein paar Minuten war er fertig. Er hetzte zur Fahrerkabine des Trucks, stieg ein und startete. Randy McPherson trat das Gaspedal voll durch. Der Motor heulte auf wie ein getretenes Ungetüm. Nur weg!, dachte Randy. So schnell und so weit wie möglich weg von hier!

***

Ungefähr eine Stunde fährt man von Washington nach Quantico zur FBI Academy. Phil und ich hatten uns nicht ohne Grund dort hinbemüht. Wir trafen uns mit einigen Mitgliedern des Scientific Research Team. Und das Ganze hatte natürlich mit einem neuen Fall zu tun, der uns übertragen worden war. Ein Fall, bei dem es um einen Toten ging, der vor kurzem in einer völlig vom Hurrikan zerstörten Siedlung in der Nähe von Wilmington, North Carolina, gefunden worden war.

»Sie sind spät dran«, stellte Frederik G. Fortesque fest. Unser Naturwissenschaftler sprach mit einem Akzent, der so britisch klang, dass er damit wohl selbst in London als eingebildet gegolten hätte.

»Wir wurden aufgehalten«, sagte ich.

»Unsere Kollegin Mai-Lin würde das wohl eher als ein Zeichen für schlechte Berechnung verschiedener in Betracht zu ziehender Parameter interpretieren, wie zum Beispiel Länge des Anfahrtsweges, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Staumeldungen, Verkehrsverhältnisse und so weiter.«

»Was soll’s, FGF«, mischte sich der Forensiker und Gerichtsmediziner Gerold Willson ein. Der Texaner zuckte die Schultern. »Fangen wir an.«

»Dieser Meinung bin ich auch«, ergänzte Mai-Lin Cha, die Mathematikerin und IT-Spezialistin des Teams. »Soll ich für unsere Inspektoren die Pointe vorwegnehmen, dass wir zwar die Identität des Opfers noch nicht kennen, aber dafür wissen, wer der Täter ist – oder wäre das jetzt ein allzu forscher Vorgriff?«

»Wie bitte?«, mischte ich mich ein.

»Es scheint mir, dass unsere Kollegin in ihrem Bemühen, sich mathematisch kurz zu fassen, etwas über ihr Ziel hinausgeschossen ist und damit vermutlich mehr Verwirrung verursacht, als für Klarheit gesorgt hat, wie ich befürchte, wenn ich mir die Gesichter von Jerry und Phil so ansehe«, sagte Fortesque.

»Ich schlage vor, wir fangen einfach von vorne an und kommen endlich zur Sache«, lautete die nüchterne Ansicht von Concita Mendez, unserer Wirtschaftswissenschaftlerin, die immer dann zur Stelle war, wenn es darum ging, die betriebswirtschaftlichen Implikationen eines Falles zu beurteilen.

Insbesondere wenn es im Zuge von Ermittlungen im Bereich des organisierten Verbrechens darum ging, verborgene Geldströme und wirtschaftliche Verflechtungen zu erfassen, waren wir auf die Hilfe von Mitarbeitern angewiesen, die sich in diesem Bereich auskannten. Und nicht selten führten gerade diese Erkenntnisse erst dazu, dass man überhaupt an die Hintermänner herankam.

Dass Concita bei diesem Meeting anwesend war, zeigte allerdings schon, dass es auch in diesem Fall um eine Verwicklung in Machenschaften einer kriminellen Organisation ging.

»Man kennt also den Täter, aber nicht das Opfer«, sagte Phil an Willson gewandt. »Das klingt auf jeden Fall schon mal so, als würde es etwas vom üblichen Schema abweichen – vorsichtig ausgedrückt.«

»In diesem Fall ist einiges nicht, wie es sein sollte«, stellte der Texaner fest. Er warf einen Blick auf den Laptop, der vor ihm auf dem Tisch stand. »Wie auch immer. Fangen wir vorne an. Ein Hurrikan hat einen Vorort von Wilmington, North Carolina, nahezu restlos zerstört. Da steht kaum noch ein Haus. Es gibt ein paar Dutzend Todesopfer. Unter den Trümmern von einem der zerstörten Häuser wurden drei Leichen entdeckt, die von den Kollegen des Wilmington Police Department einfach durchnummeriert wurden. Bei Leiche 1 und 2 handelt es sich um ein älteres Ehepaar, das in diesem Haus gewohnt hat. Leiche Nummer 3 wurde ebenfalls in den Trümmern dieses Hauses gefunden, ist aber nach wie vor nicht identifiziert.«

Willson aktivierte einen Großbildschirm, der die Ansicht seines Laptops in vergrößerter Form zeigte. Ein schrecklich entstelltes Gesicht war darauf zu sehen – oder das, was davon übrig geblieben war. »Hier sehen Sie den Grund dafür, weshalb es den Kollegen bisher nicht gelungen ist, den Toten zu identifizieren.«

»Was das Geschlecht angeht, sind Sie sich aber sicher?«, fragte ich.

»Es ist ein Mann, das steht fest«, erklärte Willson. »Allerdings wurde sein Gesicht höchstwahrscheinlich mit einer sehr starken Säure so verätzt, dass kein Gesichtserkennungsprogramm der ganzen Welt ihn noch wiedererkennen könnte.«

»Ich habe einen Abgleich anhand einer telemetrischen Gesichtsanalyse mit unseren Daten durchgeführt«, warf Mai-Lin ein. »Leider mit negativem Ergebnis.«

»Man muss dazu sagen, dass die Säurebehandlung, der dieser Mann ausgesetzt gewesen ist, so starke Entstellungen hinterlassen hat, dass teilweise selbst die Knochen angegriffen wurden und es damit wohl einer aufwendigeren Rekonstruktion bedarf, um überhaupt die ursprünglichen Abstände zwischen den Augen oder Kinn und Nase und so weiter feststellen zu können, die ja für eine Identifizierung mit Hilfe von telemetrischen Daten notwendig sind. Aber Sie sehen hier sehr schön, wie zum Beispiel unterhalb des linken Auges nicht nur das Gewebe durch die chemische Reaktion …«

»Ich glaube, das reicht, Gerold«, mischte sich Concita Mendez ein. »Wir können uns das alle lebhaft vorstellen.«

»Nun, wenn Sie an diesen wichtigen Details kein Interesse haben, dann ist das geradezu fahrlässig. Schließlich werden wir versuchen müssen, anhand der sterblichen Überreste dieses Unbekannten irgendwie herauszufinden, wer er ist.« Willson ließ ein weiteres Bild auf dem Großbildschirm erscheinen. Es zeigte die Hände des Unbekannten. »Die Fingerkuppen wurden auf ähnliche Weise behandelt, wie Sie sehen. Das bedeutet, dass wir ihn auch nicht über die Fingerabdrücke identifizieren können.«

»Vielleicht sollten wir jetzt über den Täter sprechen«, schlug nun Fortesque vor. »Über den wissen wir schließlich sehr viel mehr.«

»Nur keine Ungeduld«, gab Willson zurück. »Zunächst mal möchte ich feststellen, dass die Kollegen in Wilmington richtigerweise festgestellt haben, dass diese Säurebehandlung nur das Gesicht und die Finger betrifft und mit Sicherheit post mortem durchgeführt wurde. Das heißt, mit dem Ziel, die Identität des Toten zu verschleiern. Der Unbekannte wurde also keineswegs gefoltert oder dergleichen. Die Todesursache sehen wir hier …« Ein neues Bild erschien jetzt. »Sie erkennen hier eine Hautpartie am Rücken in starker Vergrößerung. Die markierte Stelle haben die Kollegen in Wilmington zutreffend als Einstichstelle identifiziert. Dem Opfer wurde eine Substanz injiziert, die die Eigenschaft hat, mit einer Verzögerung von zehn bis fünfzehn Minuten zu wirken – und absolut tödlich zu sein.«

»Den bisherigen Analysen nach ist diese Substanz sehr speziell zusammengesetzt«, ergriff jetzt Fortesque das Wort. »Eine sehr individuelle Mischung, die in ihrer Zusammensetzung typisch für einen bekannten Auftragskiller ist, der unter der Bezeichnung ›die Kobra‹ bekannt ist.«

»Die ›Kobra‹ arbeitet als Auftragsmörder für die Syndikate«, stellte Mai-Lin fest. »Seine Methode läuft darauf hinaus, dass er seinem Opfer quasi im Vorbeigehen eine Injektion verpasst. Ein Stich mit einer feinen Nadel durch die Kleidung hindurch, zum Beispiel in einem dichten Gedränge, wo er die Gelegenheit hat, dem Opfer nahe zu kommen.«

»Das Opfer bemerkt diesen Stich normalerweise nicht gleich«, stellte Willson fest. »Die Wirkung des Giftes setzt ja erst mit Verzögerung ein – und dann kommt sowieso jede Hilfe zu spät, während der Killer bereits auf und davon ist.«

»Wie sicher ist es, dass tatsächlich diese sogenannte ›Kobra‹ hinter dem Mord steckt?«, fragte ich.

»Nun, das verwendete Gift ist quasi seine Visitenkarte«, meinte Fortesque. »Die Methode selbst kommt häufiger vor und wird ansonsten auch gerne von Angehörigen verschiedener fremder Geheimdienste verwendet. Früher erfreute sie sich insbesondere bei Angehörigen verschiedener Ostblock-Geheimdienste großer Beliebtheit, wobei keine konventionellen Gifte verwendet wurden, sondern beispielsweise Tollwut-Erreger, bei denen sie getrost davon ausgehen konnten, dass in den westlichen Ländern kaum noch ein Arzt in der Lage ist, die Symptome rechtzeitig und zutreffend zu diagnostizieren.«

»Dann könnte der Killer möglicherweise auch aus diesem Umfeld kommen?«, fragte Phil.

Aber Fortesque schien das nahezu auszuschließen. Jedenfalls schüttelte er energisch den Kopf – bemerkenswerterweise annähernd synchron zu Dr. Willson. »Nach allem, was man über NYSIIS über die ›Kobra‹ abrufen kann, ist er hier mit Morden in Zusammenhang gebracht worden, die im Dunstkreis der Syndikate an der Ostküste geschehen sind«, sagte Willson. »Ihm werden einige Dutzend Auftragsmorde zur Last gelegt.«

»Eins verstehe ich allerdings nicht«, bekannte ich. »Die Sache mit der Säure. Wie passt das mit der Vorgehensweise der ›Kobra‹ zusammen?«

»Überhaupt nicht«, mischte sich Mai-Lin ein. »Ich hatte bisher nur für eine Kurzanalyse der Fälle Zeit, die der ›Kobra‹ angelastet werden.«

»Und wie ist hier das Ergebnis?«, fragte ich. Wenn Cha von einer Kurzanalyse sprach, dann war die oft profunder als das, was andere nach einer langen Beschäftigung mit dem jeweiligen Problem zuwege brachten. Sie hob die Augenbrauen. »Ich meine, der Tatablauf, der sich aus den bisherigen Erkenntnissen ergibt, macht meines Erachtens überhaupt keinen Sinn. Da wird jemand mit einer Giftnadel angerempelt, stirbt in angemessenem zeitlichem Abstand, sodass der Täter von Zeugen gar nicht mehr in einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Tod des Betreffenden gebracht werden kann. Aber anschließend sucht derselbe Killer sein Opfer noch mal auf und sorgt dafür, dass es nicht mehr identifizierbar ist.«

»Das könnten ein oder mehrere Komplizen getan haben«, erklärte Phil.

»Dem Täter ist es offenbar nicht unwichtig, dass man ihn als die ›Kobra‹ identifiziert«, sagte Cha. »Sonst hätte er ein Gift verwenden können, das schon nach kurzer Zeit nicht mehr nachweisbar wäre, und vor allem hätte er dann nicht eine so speziell designte Substanz verwendet, die direkt auf ihn hinweist.«

»Er ist ein Profi und will seine Handschrift hinterlassen, damit man ihn wieder engagiert«, glaubte Phil und lag damit vermutlich richtig.

Cha stimmte dem zu. »Sie haben recht, Phil. Allerdings widerspricht die anschließende Säurebehandlung des Opfers tatsächlich vollkommen der bisherigen Vorgehensweise der ›Kobra‹.«

»Möglicherweise war es bei diesem Mord für den Auftraggeber von besonderer Bedeutung, dass die Identität des Opfers so lange wie möglich unbekannt ist«, vermutete Phil.

»Die andere Möglichkeit wäre, dass es sich bei dem Täter nicht um die ›Kobra‹ handelt, sondern um jemanden, der nur sein Gift benutzt – was aber äußerst unwahrscheinlich ist«, meinte Fortesque. »Die Herstellung ist sehr speziell. Es wäre allenfalls denkbar, dass er es aus derselben Quelle bezieht, was ich nicht glaube, da diese Quelle ein zu großes Risiko wäre.«

»Dann denken Sie, die ›Kobra‹ hat es selbst hergestellt?«, fragte ich.

Fortesque nickte. »Davon bin ich überzeugt. Wir suchen jemanden mit profunden chemischen Kenntnissen. Er hat vielleicht ein Studium in diesem Bereich absolviert oder mal für eine gewisse Zeit in der chemischen Branche gearbeitet.«

»Jedenfalls ist das der erste Mord der ›Kobra‹ seit fünf Jahren«, sagte Cha.

»Der erste, von dem wir wissen«, schränkte Fortesque ein.

»Jedenfalls scheint in diesem Fall einiges anders gelaufen zu sein als bei den bisherigen Morden, die mit dem Killer in Verbindung gebracht werden«, ergriff Cha wieder das Wort. »Das mit der Säure ist noch nachvollziehbar, wenn auch quasi die Brachialmethode. Es wäre sicherlich leichter gewesen, das Opfer an einem Ort zu entsorgen, wo die Leiche mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten nicht gefunden wird. Aber den Kerl in den Trümmern eines vom Sturm zerstörten Hauses zu platzieren, in der Hoffnung, dass man ihn den Hurrikan-Opfern zuordnet und nicht genauer nachschaut, erscheint mir schon reichlich naiv.«

»Sagen Sie das nicht!«, widersprach Willson. »Was glauben Sie, was ich schon alles für Mordopfer auf dem Seziertisch liegen hatte, bei denen irgendein Wald- und Wiesenarzt ein Herzversagen diagnostiziert hat, obwohl der Betreffende eindeutige Einstichstellen am Körper aufweist, die auf eine Messerattacke hinweisen. In diesem Fall war es ja nur ein sehr kleiner Einstich einer Injektionsnadel, und den haben die Kollegen in Wilmington auch sofort entdeckt.«

»Ich denke, Gerold und ich werden kaum umhinkommen, selbst nach Wilmington zu fahren, um uns die Original-Leiche genauer anzusehen und außerdem noch einmal sämtliche anderen Spuren, die gesichert werden konnten«, sagte Fortesque.

»Ich habe eine Analyse verdächtiger Transaktionen eingeleitet, die möglicherweise Hinweise auf besondere Entwicklungen innerhalb der Syndikate hier an der Ostküste geben könnten«, meldete sich nun Concita Mendez zu Wort. Sie wandte sich dabei an Mai-Lin Cha. »Dabei werde ich sicherlich noch des Öfteren Ihre Unterstützung benötigen, Mai-Lin.«

»Auf die können Sie sich verlassen, Concita«, versprach Mai-Lin, ohne dass sich dabei in ihrem Gesicht irgendeine Regung zeigte.

»Es gab in der Vergangenheit Transaktionen über eine gewisse Bank auf den Cayman-Islands, die von damals ermittelnden Kollegen mit der Bezahlung der ›Kobra‹ in Verbindung gebracht wurden, ohne dass dies jemals wirklich bewiesen werden konnte«, fuhr Concita Mendez fort. »Wenn wir nach Transaktionen suchen, die nach einem ähnlichen Muster erfolgen, bringt uns das vielleicht weiter.«

»Was dies betrifft, bin ich mir nicht sicher, ob die Definition der Muster tatsächlich schon optimal ist. Da stehen wir noch ganz am Anfang und werden mit Sicherheit noch nachjustieren müssen.«

»Was Sie ja wohl nicht vor unüberwindbare Hindernisse stellen dürfte«, meinte Fortesque.

»Sicher nicht«, sagte Concita Mendez.

»Ich denke, wir müssen die Sache etwas systematischer angehen«, erklärte Mai-Lin.

»Ach, das heißt, dass alles, was bisher geschehen ist, in Ihren Augen mehr oder minder unsystematisch war?«, fragte Fortesque etwas pikiert.

»So hart würde ich das nicht ausdrücken«, antwortete Mai-Lin höflich und kühl, wie es ihrer Art entsprach. »Nur fürchte ich, wir werden die Identität des Opfers nicht schnell genug ermitteln, wenn wir nicht einen besseren Ansatzpunkt finden.«

»Auf den Röntgenbildern, die mir geliefert worden sind, ist zu sehen, dass die Zähne offenbar von der Säurebehandlung nicht allzu stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind«, stellte Willson fest.

»Na, das ist doch etwas, worauf sich aufbauen lässt«, meinte Mai-Lin. »Gibt es da irgendwelche Auffälligkeiten?«

»Der Tote hatte eine Reihe aufwendiger Implantate. Ich würde sagen, er war gut versichert und zumindest nicht arm.«

»Es müsste sich herausfinden lassen, wer diese Behandlung durchgeführt hat.«

»Wollen Sie sämtliche Zahnärzte und Zahnkliniken in den Vereinigten Staaten durchchecken?«, fragte Phil.

Cha schüttelte den Kopf. »Nicht sämtliche. Ich werde mich zunächst auf Fälle von vermissten Personen beschränken, die in irgendeiner Form im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen an der Ostküste stehen. Möglicherweise ergeben sich auch Querverbindungen zu den Transaktionen, von denen gerade die Rede war. Dann dürfte man den Kreis der Personen sehr schnell eingrenzen können, die mit dem Toten aus dem Sturmgebiet identisch sein könnten.«

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