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Jerry Cotton - Folge 3009

Intrigen unter Freunden

Red Moore lebte unauffällig, doch sein Tod war spektakulär. Der attraktive Mittdreißiger bewohnte allein einen Bungalow, der sich in einer ruhigen Ecke von Miami Beach befand. Die Häuser in der Straße unterschieden sich kaum voneinander. Jedes verfügte über eine Garage und einen mehr oder weniger gepflegten Rasen.

Red Moore verließ an einem Dienstag sein Haus und ging zur Garage. Dabei nickte er seinem Nachbarn Mr Bradley zu. Der alte Herr erwiderte den Gruß und widmete sich dann wieder seinen Rosen.

Gleich darauf brach die Hölle los.

Red Moores Auto explodierte, nachdem er den Motor gestartet hatte. Und der Mann, der in den Trümmern starb, existierte eigentlich überhaupt nicht.

Denn Red Moore hieß in Wirklichkeit Bruce Nolan und war FBI Special Agent im Undercover-Einsatz.

Die Nachricht von Bruce Nolans Tod traf mich wie ein Hammerschlag. Mr Highs Sekretärin rief mich zu Hause an, als ich gerade zum Hauptquartier fahren wollte.

»Jerry Cotton.«

»Hier spricht Dorothy Taylor, Jerry. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ein junger Agent ermordet wurde.«

Mein Pulsschlag beschleunigte sich. Der Tag war für mich jetzt schon im Eimer, bevor er richtig begonnen hatte.

»Können Sie mir den Namen nennen, Dorothy?«

»Der Kollege hieß Bruce Nolan, er arbeitete beim Field Office Miami. Mehr weiß ich auch noch nicht. Der Chef möchte Phil und Sie sprechen, sobald Sie hier angekommen sind.«

»Ich wollte ohnehin gleich losfahren und Phil unterwegs abholen. Bis später, Dorothy.«

Ich beendete das Gespräch und holte meinen roten Jaguar-E-Hybriden aus der Tiefgarage. Doch die Freude an der Fahrt durch das morgendliche Washington war mir gründlich verleidet. Auch Phil bemerkte meine Anspannung sofort, als ich wenig später anhielt, um ihn einsteigen zu lassen.

»Was ist denn los, Jerry?«, fragte er, ohne sich mit einer Begrüßung aufzuhalten.

Ich berichtete ihm, was ich soeben von Dorothy erfahren hatte. Mein Freund presste die Lippen aufeinander. Bruce Nolans Tod ließ uns nicht kalt, obwohl keiner von uns ihn persönlich gekannt hatte. Wenn es einen Kollegen erwischt, ist es für uns immer besonders hart. Vielleicht, weil es ebenso gut Phil oder mich hätte treffen können. Umso größer war die Motivation, den oder die Täter vor Gericht zu bringen.

Den Rest der Strecke zum Edgar Hoover Building legten wir schweigend zurück. Und auch Dorothy Taylor nickte uns nur wortlos zu, als wir das Vorzimmer durchquerten. Dies war kein Morgen für einen lockeren Scherz, danach war niemandem von uns zumute.

Der Assistant Director erhob sich hinter seinem Schreibtisch und forderte uns mit einer Handbewegung auf, in der Besprechungsecke seines Büros Platz zu nehmen. Der Leiter der Field Operation Section East schilderte uns zunächst die Fakten.

»Wie ich Ihren Mienen ansehe, haben Sie bereits vom Tod unseres jungen Kollegen erfahren, Jerry und Phil. Bruce Nolan war ein talentierter junger Agent, der sich seit einem Jahr auf einer riskanten Undercover-Mission befand.«

»Worin genau bestand seine Aufgabe, Sir?«

»Wie Sie wissen, ist Miami zu einem Finanzzentrum und einer Drehscheibe für den Handel mit Mittel- und Südamerika geworden, Phil. Dort haben sich zahlreiche Investmentfirmen angesiedelt, von denen nicht alle eine weiße Weste haben. Sie werden gewiss auch schon von GG Florida gehört haben.«

»Allerdings«, warf ich ein. »GG Florida steht seit Jahren im Verdacht, als Geldwaschanlage des organisierten Verbrechens zu dienen. Dort verschwinden Millionen von illegal erworbenen Dollars in dunklen Kanälen, und die Anleger bekommen eine dicke Dividende auf ihre Bankkonten in Steuerparadiesen überwiesen. Es ist größtenteils Geld, das durch Drogenhandel und die Ausbeutung von Prostituierten verdient wurde. Leider haben wir diesem Unternehmen nie etwas nachweisen können.«

»Bisher nicht«, betonte Mr High. »Aber Bruce Nolan war ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte. Wir haben ihm eine Tarnexistenz als Red Moore verschafft. Red Moore konnte einen Job in der Buchhaltung von GG Florida bekommen. Dort arbeitete er seit fast einem Jahr, und er verhielt sich so unauffällig wie ein Schatten. Doch Nolan alias Moore hatte seinem Vorgesetzten vorige Woche mitgeteilt, dass er bald entscheidende Beweise in die Finger bekommen würde. Und am gestrigen Morgen wurde er dann in die Luft gesprengt.«

»Das stinkt doch zum Himmel«, polterte Phil. »Es ist doch eindeutig, wer Bruce Nolan auf dem Gewissen hat. Gibt es keine Beweise gegen die Bosse von GG Florida und deren Handlanger?«

»Das kann ich Ihnen noch nicht sagen, Phil. Aber die für uns wichtigere Frage lautet, ob der Agent aufgrund eines Verrats aus den eigenen Reihen sterben musste.«

Mr High hatte diese Sätze ruhig ausgesprochen, weil es seiner unaufgeregten Art entsprach. Aber wir kannten den Chef lange genug, um zu wissen, dass dieser Verdacht innerlich an ihm nagte. An die Mitarbeiter des FBI wird ein sehr hoher Maßstab angelegt, was Loyalität und Gesetzestreue angeht.

Als Inspektoren mussten wir uns auch mit solchen Fällen befassen. Zum Glück blieben sie innerhalb der Gesamtzahl von Verbrechen die absolute Ausnahme.

»Gibt es denn Hinweise, die in diese Richtung weisen? Oder hat Agent Nolan vor seinem Tod Andeutungen gemacht?«

Mr High beantwortete Phils erstaunte Frage mit einem Kopfschütteln.

»Bisher ist mir nichts bekannt, aber das muss nichts bedeuten. Wir haben es mit einem raffinierten Gegner zu tun, für den Geld keine Rolle spielt. Sie wissen, was für eine Finanzmacht hinter GG Florida steht. Ich möchte Sie bitten, nach Florida zu fliegen und die Umstände von Agent Nolans Tod aufzuklären. Die dortigen Kollegen sind bereits über Ihre bevorstehende Ankunft informiert.«

Wir nickten dem Chef zu. Es war wirklich besser, sich direkt vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Mr High sicherte uns jede nötige Unterstützung zu.

Als wir wieder ins Vorzimmer hinausgingen, legte Dorothy Taylor gerade den Telefonhörer auf.

»Ich habe gerade mit Up and Away gesprochen«, sagte die aparte schwarze Sekretärin. »Die Reiseabteilung konnte mal wieder das Unmögliche möglich machen: Sie fliegen heute noch nach Florida.«

***

Am späten Nachmittag trafen wir in Miami ein und wurden von einem blonden Agent abgeholt. Er sah so jung aus, als ob er noch zur Highschool gehen würde. Aber da er die FBI-Marke trug, musste er die Ausbildung in Quantico bereits erfolgreich hinter sich gebracht haben. Sein Name war Dan Burns. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, fragte ich ihn: »Haben Sie Agent Nolan persönlich gekannt?«

»Nein, Inspektor Cotton. Er war bereits undercover tätig, als ich meinen Dienst im Field Office angetreten habe. Ich arbeite erst seit drei Monaten hier, Miami ist mein erster Einsatzort nach der Akademie.«

Agent Burns führte uns zu einem Ford Interceptor Stealth, den wir während unseres Aufenthalts in Florida als Dienstwagen benutzen sollten.

»Gibt es schon Gerüchte, was den Tod von Agent Nolan angeht?«, fragte Phil beim Einsteigen. Agent Burns drehte sich zu ihm um. Seine Stimme klang nun schroffer als bei der Begrüßung.

»Ich gebe nichts auf Tratsch, Inspektor Decker.«

»Das tun wir auch nicht«, versicherte Phil. »Aber sogar Gerüchte können dabei helfen, einen Fall aufzuklären. Wir müssen jeden Hinweis auswerten, so abwegig er auch sein mag.«

Der junge Kollege senkte den Kopf, er wirkte verlegen.

»Man soll nichts Schlechtes über Tote sagen«, murmelte er. »Bruce Nolan war angeblich sehr ehrgeizig. Es kann sein, dass sich Kollegen von ihm ausgebremst fühlten.«

»Haben diese Kollegen auch Namen?«, hakte ich nach. Aber Agent Nolan schüttelte nur den Kopf.

»Ich kenne keinen Agent im FBI-Distrikt Florida, der Bruce Nolan den Tod gewünscht hätte. So weit geht keine berufliche Rivalität. Da bin ich mir sicher, obwohl ich noch nicht so viel Erfahrung habe.«

Ich fand es gut, dass der junge Kollege niemanden ans Messer liefern wollte. Trotzdem notierte ich mir im Hinterkopf, ihm später noch einmal auf den Zahn zu fühlen.

Wir fuhren direkt zum Field Office, das sich in der 2nd Avenue von North Miami befindet. Agent Burns führte uns sofort zu seinem Chef.

Special Agent in Charge Richard Connors war ein stämmiger Schwarzer mit einem dünnen Schnurrbart. Nachdem er uns seinem Vorgesetzten vorgestellt hatte, ließ uns der junge Agent mit SAC Connors allein. Phil und ich hatten in den Besucherstühlen Platz genommen, die vor dem Schreibtisch des Field-Office-Leiters standen.

»Obwohl Miami ein heißes Pflaster ist, kommt es nicht jeden Tag vor, dass ein Agent ermordet wird«, sagte Connors grimmig. Und er fügte schnell hinzu: »Ich bin sehr froh darüber, dass Washington uns so schnell zwei Inspektoren schicken konnte. Nehmen Sie bitte keine Rücksicht, auch nicht auf mich. Sie können hier alles durchleuchten, ich werde Ihnen uneingeschränkten Zugriff auf alle Informationen gewähren. Drehen Sie jeden Stein um, bis wir gemeinsam den Mörder von Agent Nolan entlarven können.«

Ich nickte dem SAC dankbar zu. Nicht alle Verantwortlichen in den Field Offices sind begeistert, wenn sie es mit der Zentrale zu tun bekommen. Phil und ich standen in der FBI-Hierarchie über SAC Connors, er war uns gegenüber weisungsgebunden. Aber ich hatte nicht vor, ihn das spüren zu lassen.

»Wir ziehen alle an einem Strang«, betonte ich deshalb. »Schildern Sie uns bitte zunächst die bisher feststehenden Fakten.«

»Selbstverständlich, Inspektor Cotton.« Connors setzte seine Lesebrille auf und blickte in seine Unterlagen. »Am vergangenen Dienstag gingen kurz nach halb neun Uhr morgens mehrere Anrufe in der Notrufzentrale ein. Es wurde übereinstimmend eine Explosion in der 1155 West Avenue gemeldet. Das Miami Police Department schickte sofort einen Streifenwagen zu der Adresse, außerdem rückten eine Ambulanz sowie ein Löschzug des Fire Department aus. Der Notruf wurde auch an uns weitergeleitet.«

»Weil diese Adresse zu der Tarnexistenz eines Undercover-Agents gehört?«, vergewisserte ich mich.

»Genau, Inspektor Cotton. Es gibt eine Dauervereinbarung zwischen der Polizei und uns. Jedes Mal, wenn bei einem Notruf diese Anschrift erwähnt wird, bekommen wir eine Information. Zum Glück war das bisher noch niemals der Fall, bis zu diesem verflixten 10. August.«

»Welche Lage fanden Sie vor?«

»Jemand muss einen Sprengsatz in Agent Nolans Auto platziert haben. Zu welchem Zeitpunkt das geschah, wissen wir noch nicht. Jedenfalls explodierte die Bombe, unmittelbar nachdem unser Kollege in seinen Wagen stieg. Wir haben eine Zeugenaussage des direkten Nachbarn. Sein Name ist William Bradley. Er stand noch unter Schock, deshalb sind seine Angaben noch mit Vorsicht zu genießen. Aber ich hoffe, dass von ihm noch brauchbare Informationen kommen, nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt hat.«

»Wir werden morgen mit ihm sprechen, wenn uns die Ärzte grünes Licht geben«, kündigte ich an. »Für Agent Nolan kam also jede Hilfe zu spät?«

»Leider ja, Inspektor Cotton. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der Leichnam wird natürlich obduziert. Und unsere Scientific Research Division arbeitet bereits mit Hochdruck an der Auswertung der Sprengsatz-Überreste. Die Kollegen haben mir zugesichert, so schnell wie möglich Einzelheiten über die Beschaffenheit der Bombe zu liefern.«

»Gab es auch ein Feuer?«, wollte Phil wissen.

»Ja, aber die Männer des Löschzugs bekamen es schnell unter Kontrolle. Die Garage war ein Anbau aus Holz, sie fiel größtenteils den Flammen zum Opfer. Aber das Haus selbst ist so gut wie unbeschädigt, weil die Flammen rechtzeitig gelöscht werden konnten. Es ist wegen der Brandnachwirkungen allerdings unbewohnbar, aber Agent Nolan hat dort sowieso allein gelebt.«

»Da Agent Nolan seinen Undercover-Job bei GG Florida hatte, wird er seinen Wagen tagsüber auf dem dortigen Firmenparkplatz abgestellt haben«, dachte Phil laut nach. »Wenn ihn wirklich diese Geldwäsche-Gangster auf dem Gewissen haben, dann konnten sie dort problemlos eine Höllenmaschine in das Fahrzeug einbauen.«

»Was ist mit den Medien?«, wollte ich wissen. »Ist bereits durchgesickert, dass Red Moore in Wirklichkeit Bruce Nolan hieß und FBI-Agent war?«

»Zum Glück nicht«, erwiderte SAC Connors. »Natürlich hat die Presse mitbekommen, dass das FBI die Ermittlungen an sich gezogen hat. Aber das ist nicht verwunderlich, denn bei einem Sprengstoffanschlag kann ja ein terroristischer Hintergrund vermutet werden.«

»Und wir sollten diesen Verdacht auch nicht entkräften«, betonte ich. »Erstens müssen wir ohnehin in alle Richtungen ermitteln und dürfen uns nicht vorschnell auf GG Florida einschießen. Und zweitens ist es ja wirklich möglich, dass ein anderer Täter für Agent Nolans Tod verantwortlich ist. Wir alle haben schon Morddrohungen von verurteilten Verbrechern oder deren Angehörigen bekommen. Deshalb werden wir auch Agent Nolans alte Fälle prüfen. Womöglich stoßen wir dabei auf einen Kriminellen, der blutige Rache nehmen wollte.«

»Und wenn die Schurken von GG Florida glauben, wir würden uns auf internationale Terroristen einschießen, kann das nur gut für unsere Ermittlungen sein«, ergänzte Phil.

***

Es gab also genug zu tun. Nach der Besprechung mit SAC Connors fuhren Phil und ich zu dem Motel, in dem unsere Reiseabteilung‚ spöttisch Up and Away genannt, Zimmer für uns reserviert hatte. Es war zu spät, um an dem Tag in dem Fall weiterzukommen. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf, denn der Tod des jungen Kollegen ließ mich nicht kalt. Außerdem war der Temperaturunterschied zwischen Washington und Miami immens.

Am nächsten Morgen fuhren wir sofort vom Motel aus zum Mount Sinai Medical Center. Wir hatten am Vorabend von SAC Connors erfahren, dass der Nachbar William Bradley dort zur Beobachtung aufgenommen worden war. Er war auf jeden Fall ein wichtiger Zeuge.

Wir hatten Glück. Als wir in dem Krankenhaus eintrafen, wollte sich der alte Mann gerade auf eigene Verantwortung selbst entlassen. Er war ein drahtiger Graukopf mit sonnengebräuntem Teint und sehr wachen Augen. Phil und ich konnten ihn gerade noch erreichen. Wir stellten uns ihm vor und erklärten, dass wir seine Zeugenaussage brauchten.

»Hospitäler machen mich nervös«, brummte William Bradley, nachdem er einen Blick auf unsere FBI-Ausweise geworfen hatte. »In meinem Alter hält man sich dort sowieso öfter auf, als einem lieb ist. Gestern hat mein Kreislauf verrückt gespielt, nachdem ich die Explosion miterleben musste. Darum wurde ich hier eingeliefert. Aber jetzt fühle ich mich wieder wie ein junger Gott. Lassen Sie uns einen Kaffee trinken gehen, dann erzähle ich Ihnen alles, was ich weiß.«

Das war ein guter Vorschlag, dem wir sofort zustimmten. Ich ließ den Senior in unseren Ford Interceptor Stealth einsteigen. Dann lotste der Zeuge Phil und mich zu einer Coffee Bar unter Palmen, die einen Panoramablick auf die offene See bot. Der alte Mann nahm einen Schluck Kaffee und begann dann sofort zu reden.

»Es tut mir leid um Red Moore, er war so ein netter höflicher Mensch. Ich will Ihnen gerne dabei helfen, seinen Mörder zu finden. Dieser Mistkerl muss einfach bestraft werden. Aber ich weiß leider wenig über das Leben meines jungen Nachbarn. Er hat mir nur mal erzählt, dass er für so eine Investmentfirma arbeitete. Moore fuhr morgens zu seinem Job und kehrte abends zurück. Außerdem ging er dann und wann aus. Aber ich könnte Ihnen noch nicht einmal sagen, ob er eine Freundin hatte. Red Moore ist immer sehr unauffällig geblieben.«

Natürlich waren wir am Vorabend noch kurz die Personalakte des ermordeten Kollegen durchgegangen. Daher wussten wir, dass Bruce Nolan ledig gewesen war. Wenn ein Agent undercover geht, muss er sein eigenes Privatleben für eine oft sehr lange Zeit ruhen lassen und völlig in seiner Rolle aufgehen. Daher eignen sich ledige Kolleginnen und Kollegen besonders gut für eine solche aufreibende Mission.

Ich schaute den Zeugen an, den ich auf ungefähr siebzig Jahre schätzte.

»Ist Ihnen denn in der Nachbarschaft in letzter Zeit jemand aufgefallen, der sich verdächtig verhalten hat? Speziell in den letzten Tagen vor der Explosion?«

William Bradley runzelte die Stirn.

»Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen, Inspektor Cotton. Nein, eigentlich nicht. Oder? Doch, jetzt fällt mir wieder etwas ein. Ich war vorige Woche bei der Gartenarbeit, als ein Pizzabote zu Moore wollte. Er klopfte an die Tür, aber natürlich machte niemand auf. Es war ja mittags, und mein Nachbar kommt immer erst abends von der Arbeit. Das sagte ich dem Boten auch. Daraufhin schaute er auf seinen Bestellzettel und meinte, es wäre wohl telefonisch eine falsche Hausnummer angegeben worden. Er setzte sich wieder in sein Auto und fuhr davon.«

»Und weshalb kam der Mann Ihnen verdächtig vor?«

»Wegen seiner zahlreichen Tätowierungen, Inspektor Cotton. Ich habe ja keine Vorurteile, schließlich habe ich selbst ein Tattoo. Ich war ja mal bei der Army. Aber dieser junge Kerl hat sich ja sogar im Gesicht ein paar finstere Motive stechen lassen. Und das fand ich dann doch übertrieben. Er sah mir also stark nach Knast aus, ehrlich gesagt.«

Ich machte mir Notizen.

»Können Sie sich noch an die Tätowierungen erinnern, Mr Bradley?«

Der Zeuge legte nachdenklich die Stirn in Falten.

»Dieser Pizzabote hatte eine Art Spinnennetz quer über den Hals tätowiert, außerdem ein umgedrehtes Kreuz hier links über dem Wangenknochen.«

William Bradley deutete auf die Stelle in seinem eigenen Gesicht, und ich schrieb die Angaben mit. Das FBI verfügt über ein Register mit allen gängigen Banden- und Gefängnis-Tattoos. Möglicherweise hatten wir den ersten wichtigen Hinweis auf den Mord an unserem jungen Kollegen erhalten. Wenn ich ein Verbrecher wäre, würde ich mir niemals solche auffälligen unveränderlichen Kennzeichen zulegen. Aber für unsere Arbeit war die Tattoo-Sucht der Gangs ein wahrer Segen.

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