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Jerry Cotton - Folge 3004

Der nackte Tod

Joan Bowers wurde von ihrer Todesangst vorwärts getrieben. Klar denken konnte sie nicht. Schmerzen strahlten von ihrem linken Bein aus. Eine Kugel hatte den Oberschenkel durchschlagen, aber noch konnte die junge Frau vorwärts humpeln. Sie durfte nicht stehen bleiben, sonst würde sie erfrieren oder von ihren Peinigern eingeholt werden.

Joan hatte keine Ahnung, wo sie sich befand. Diese Wälder mit den himmelhohen dunklen Nadelbäumen schienen sich unendlich auszubreiten.

Plötzlich erblickte Joan eine Gestalt vor sich. Sie gab schlagartig jede Hoffnung auf. Der Verfolger musste einen Bogen geschlagen haben, er kam nun von vorne auf sie zu.

Mündungsfeuer blitzte, und diesmal drang das Geschoss in Joans Kopf ein.

Der Winter hatte endgültig in Washington Einzug gehalten, und die morgendliche Fahrt zur Arbeit in meinem roten Jaguar-E-Hybriden war für Phil und mich zu einer Geduldsprobe geworden. Endlich erreichten wir das FBI-Hauptquartier. Kaum hatten wir unser Büro betreten, als uns auch schon ein Anruf erreichte.

»Kommen Sie bitte sofort zu Assistant Director High, Jerry. Und bringen Sie Phil auch gleich mit.«

Ich erkannte die Stimme von Dorothy, Mr Highs Sekretärin, sofort. Wir machten uns auf den Weg zum Leiter der Field Operation Section East.

»Der Chef hat bestimmt einen Auftrag für uns«, mutmaßte Phil. »Vielleicht auf Hawaii, unter Palmen und mit strahlendem Sonnenschein.«

»Hawaii gehört aber leider nicht zu unserem Zuständigkeitsbereich.«

»Das weiß ich auch, Jerry.« Phil seufzte. »Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.«

Dorothy Taylor trug an diesem Morgen ein malvenfarbenes Kostüm, das ihre schlanke Figur betonte. Die junge Schwarze nickte uns freundlich zu und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Tür zum Chefbüro, ohne die Finger von der Tastatur zu nehmen.

»Sie können sofort durchgehen, Mr High erwartet Sie bereits.«

Wenig später betraten wir das großzügig geschnittene Büro von Mr High. Der Leiter der Field Operation Section East forderte uns mit einer Handbewegung auf, am Konferenztisch Platz zu nehmen. Er kam sofort zur Sache.

»Das Field Office von Vermont hat uns um Unterstützung gebeten, Jerry und Phil. Die Kollegen beißen sich an einem verzwickten Fall buchstäblich die Zähne aus. Sie kommen nicht weiter und benötigen unsere Hilfe.«

»Worum geht es denn, Sir?«, hakte ich nach.

»Vorige Woche wurde die Leiche einer jungen Frau von einem Jäger in den unzugänglichen Grenzwäldern zwischen den Staaten und Kanada gefunden. Es war purer Zufall, dass der Mann auf die Tote gestoßen ist. Es hätte noch Monate oder Jahre dauern können, bis der Leichnam gefunden worden wäre.«

»Dieser Jäger ist unverdächtig, Sir?«

»Davon gehen die Vermonter Kollegen zumindest aus, Jerry. Er ist einundsechzig Jahre alt und hatte noch niemals Ärger mit den Strafverfolgungsbehörden. Außerdem konnte er glaubhaft machen, die Frau nicht zu kennen.«

»Konnte die Identität der Toten geklärt werden?«

»Ja, durch Überprüfung sämtlicher US-Vermissten-Dateien. Die Frau hieß Joan Bowers und stammte aus Kentucky. Sie war von ihren Eltern vor sechs Monaten als vermisst gemeldet worden. Allerdings gab es weder in Kentucky noch in Vermont oder einem anderen Staat bisher Hinweise auf ihren Verbleib. Solange sie lebendig war, blieb sie wie vom Erdboden verschluckt. Erst als Leiche tauchte sie wieder auf.«

»Wenn es jemand darauf anlegt, sich unsichtbar zu machen, dann ist das offenbar auch in der heutigen Zeit noch möglich«, stellte ich fest. »Zumindest in einem ländlich geprägten Staat wie Vermont, wo man nicht an jedem Telegrafenmast eine Überwachungskamera installieren kann. Aber weswegen genau benötigen die Kollegen denn nun Unterstützung, Sir?«

»Es ist nicht nur rätselhaft, weshalb diese Tote in Vermont gefunden wurde, obwohl Joan Bowers zu Lebzeiten nie etwas mit diesem Staat zu tun gehabt hatte. Es gab wohl vergleichbare Morde, daher gehen die Agents vor Ort von einem möglichen Serienmörder aus.«

»In welcher Hinsicht sind die Fälle ähnlich?«, wollte Phil wissen.

»Sämtliche Opfer weisen keinerlei Körperbehaarung auf. Details erfahren Sie im zuständigen Field Office. Ich möchte Sie bitten, gemeinsam mit Ihrem Team noch heute nach Vermont zu fliegen und diese Mordserie aufzuklären. Dorothy hat die Reiseabteilung schon angewiesen, sich um Ihre Tickets zu kümmern. Sie werden noch heute fliegen.«

***

Unser Scientific Research Team war genau wie Phil und ich darauf eingestellt, jederzeit zu einem auswärtigen Einsatz abberufen zu werden. Daher trafen wir uns schon wenige Stunden später am Ronald Reagan National Airport. Von dort aus sollte unser Flug nach Vermont abgehen.

Natürlich wurden Phil und ich vor allem von Dr. Willson und Concita Mendez mit Fragen zu unserem Auftrag bestürmt, aber wir konnten nur die spärlichen Informationen von Mr High weitergeben.

Aufgrund der Wetterlage waren schon einige Flüge ausgefallen, aber unsere Maschine nach Burlington war noch angekündigt.

»Soweit ich weiß, ist Vermont extrem dünn besiedelt«, sagte Phil, als wir in der Luft waren. »Es war wohl wirklich ein glücklicher Zufall, dass die Leiche entdeckt wurde.«

»Oder jemand hat sie bewusst so platziert, dass der Jäger über sie stolpern musste«, gab ich zurück. »Darüber können wir nur spekulieren. Auf jeden Fall ist das Field Office von Burlington eine der kleinsten FBI-Dienststellen. Wenn es sich um einen umfangreichen Fall handelt, können die Kollegen mit ihrer dünnen Personaldecke die Ermittlungen unmöglich stemmen.«

»Ja, dann werden wir eben die rettenden Engel spielen«, meinte Phil mit einem Grinsen. Aber auch ihm war natürlich klar, dass unsere Aufgabe nicht gerade einfach werden würde. In einer menschenleeren Gegend sucht man beispielsweise auch Tatzeugen meist vergebens. So gesehen war die einsame Grenzregion ideal dafür, eine ermordete Frau für immer verschwinden zu lassen.

Der Flug verlief trotz einiger Turbulenzen ohne Zwischenfälle, und wir landeten halbwegs pünktlich in Burlington. Eine aparte junge Frau mit dunkler Kurzhaarfrisur trat auf unsere Gruppe zu und präsentierte ihren Dienstausweis.

»Sie müssen die angeforderte Verstärkung aus dem Hauptquartier sein. Mein Name ist Agent Lilly Ledru.«

Wir gaben ihr die Hand, und ich stellte Phil sowie die übrigen Teammitglieder vor. Agent Ledru führte uns zum Parkplatz, wo sie Phil und mich in einen Ford Interceptor Stealth verfrachtete. Das SRD-Team wurde in einem Chevrolet Taheo LS transportiert, an dessen Lenkrad ein einheimischer Agent saß.

»Ich bin froh, dass wir endlich Unterstützung bekommen«, sagte Agent Ledru, nachdem sie den Motor angelassen hatte. »Wir haben hier genug zu tun, besonders illegaler Grenzübertritt ist ein großes Thema. Da arbeiten wir eng mit der Border Patrol zusammen. Aber dieser Serienmord ist eine Nummer zu groß für unser Field Office, fürchte ich.«

Noch stand für mich nicht fest, ob wir es überhaupt mit einem Serienkiller zu tun hatten. Aber ich wollte mir kein Urteil erlauben, bevor nicht alle Fakten auf dem Tisch lagen. Also wechselte ich einstweilen das Thema.

»Sie haben einen ganz leichten Akzent, Agent Ledru. Woher kommt er, wenn ich fragen darf?«

Die junge Kollegin lächelte.

»Hört man das immer noch, Inspektor Cotton? Ich wurde in der kanadischen Provinz Quebec geboren, meine Muttersprache war eigentlich Französisch. Aber meine Eltern siedelten später in die Staaten über, ich bin US-Bürgerin. Jedenfalls spreche ich immer noch fließend Französisch. Das ist ganz hilfreich, wenn wir mit Polizeikollegen aus Quebec zusammenarbeiten.«

»Wird das denn in diesem Fall nötig sein?«

»Möglicherweise, denn mindestens ein Opfer ist kanadischer Staatsbürger.«

Ich horchte auf.

»Mindestens ein Opfer, sagen Sie?«

Lilly Ledru zuckte die Schultern.

»Bisher wurden vier Leichname gefunden. Aber ich persönlich glaube, dass sich unter dem Schnee und Eis noch mehr Tote verbergen.«

Agent Ledru setzte den Blinker und fuhr auf den Parkplatz des Field Office Vermont. Burlington ist zwar die größte Stadt von Vermont, aber das hatte in diesem dünn besiedelten Staat nicht viel zu bedeuten. Für mich war der Ort mit Blick auf den Lake Champlain eine freundliche, aber verschlafen wirkende Provinzstadt. Der Schnee fiel hier heftiger als in Washington. Und als wir aus dem Auto stiegen, zerrte eine eiskalte Windbö an unseren gefütterten Winterjacken.

***

Im Field Office wurden wir von Special Agent in Charge Bradley Callahan bereits erwartet. Er war ein stämmiger Afroamerikaner mit Bürstenhaarschnitt und randloser Brille. Nachdem wir uns ihm vorgestellt und in seinem Büro Platz genommen hatten, kam er sofort zur Sache.

»Das Mordopfer Joan Bowers wurde ungefähr zehn Meilen nördlich von Westford entdeckt. Das ist ein Dorf mit nur wenigen tausend Einwohnern.«

»Und wir können definitiv von einem Mord ausgehen?«, hakte ich nach. »Ein Jagdunfall ist also auszuschließen? Mir ist bekannt, dass die Jagd in dieser Gegend eine große Rolle spielt.«

»Das stimmt, Inspektor Cotton. Aber die Kugel im Kopf von Joan Bowers stammt zweifelsfrei aus einer Handfeuerwaffe Kaliber .45. Das ist nicht unbedingt eine Waffe, mit der man auf die Jagd gehen würde. Der Leichnam weist außerdem einen Durchschuss am linken Oberschenkel auf. Der Schusskanal lässt darauf schließen, dass aus derselben Waffe noch einmal auf die Frau gefeuert wurde.«

Phil zog die Augenbrauen zusammen.

»Hat das Opfer versucht, dem Täter zu entkommen?«

SAC Callahan nickte.

»Das ist jedenfalls momentan unsere Theorie, Inspektor Decker. Leider konnten wir am Leichenfundort keine verwertbaren Spuren sichern.«

»Dann ist also der Fundort nicht identisch mit dem Tatort?«, fragte ich. Bradley Callahan schüttelte den Kopf.

»Nein. Die zweite Kugel, die das Bein durchschlug, muss ja noch irgendwo sein. Meine Leute haben das Gelände großflächig abgesucht, sie aber nicht gefunden. Der Boden ist hartgefroren und außerdem von Neuschnee bedeckt. Fußspuren waren nicht nachzuweisen. Auch Joan Bowers Körper war unter dem Schnee verborgen.«

»Wie konnte sie dann überhaupt von dem Jäger gefunden werden?«

»Genauer gesagt war es nicht der Jäger, sondern sein Hund, der die Witterung aufgenommen hat. Der Jäger, sein Name ist William Harris, dachte laut seiner Aussage zunächst an ein angeschossenes Tier. Doch dann befreite er den Leichnam vom Schnee und verständigte umgehend die State Troopers.«

»Habe ich es richtig verstanden, dass Sie den Jäger als Täter ausschließen?«

Der SAC nickte.

»Ja, Inspektor Cotton. Wir konnten bei ihm weder ein Tatmotiv noch eine Verbindung zu dem Opfer feststellen. Er besitzt mehrere registrierte Schusswaffen, von denen aber keine das Kaliber der Tatwaffe aufweist.«

Das musste nichts heißen, aber wir waren ja mit unseren Ermittlungen noch ganz am Anfang. Ich machte mir Notizen und kam auf das Opfer zu sprechen.

»Was konnten Sie bisher über Joan Bowers in Erfahrung bringen?«

»Nicht viel, fürchte ich. Sie stammt aus Louisville in Kentucky, wo sie vor 26 Jahren geboren wurde. Miss Bowers arbeitete in einer Schnellreinigung. Sie ist niemals straffällig geworden. Wir haben das zuständige Field Office gebeten, in ihrem Umfeld nachzuforschen. Ihre Kollegen und die Familie beschreiben sie als unauffällig, vom Typ Graue Maus. Niemand hatte eine Erklärung dafür, dass sie plötzlich nach Vermont gereist ist. Joan Bowers fuhr normalerweise nie in den Urlaub, dafür fehlte ihr einfach das Geld.«

»Auf welchem Weg gelangte sie hierher?«, warf Phil ein.

»Mit Trailways- und Greyhound-Bussen, Inspektor Decker. Sie stieg zweimal um und erreichte schließlich den Busbahnhof von Burlington. Aber dort verliert sich ihre Spur.«

»Wann war das?«

»Im August, also vor fast sechs Monaten. Als vermisst gemeldet wurde Joan Bowers von ihrer Mutter, und zwar schon 48 Stunden nach ihrer Abreise. Es ist uns allerdings erst vor wenigen Tagen gelungen, ihre Reiseroute zu rekonstruieren. Es deutete ja nichts darauf hin, dass Joan Bowers nach Vermont wollte.«

»Aber nun fand man ihre Leiche«, stellte Phil bitter fest. »Wie konnte die Tote überhaupt identifiziert werden? Hatte sie Ausweispapiere bei sich?«

»Nein, das nicht. Aber das Gesicht der Leiche ist gut erhalten, obwohl sie durch einen Kopfschuss starb. Doch die Kugel drang in das rechte Auge ein, daher blieb das Antlitz größtenteils unzerstört. Wir glichen es mit der nationalen Vermissten-Datenbank ab. Außerdem baten wir die Mutter zur Identifizierung, nachdem wir uns ziemlich sicher waren. Die arme Frau konnte in der Toten eindeutig ihre Tochter erkennen.«

»Und auch die Mutter wusste nicht, weshalb Joan Bowers so unerwartet Richtung Vermont aufgebrochen ist?«

»Negativ, Inspektor Cotton. Die Tochter hatte ihre Abreise auch nicht angekündigt. Sie ging ohne Abschied, kündigte noch nicht einmal ihren Job. Laut Aussage der Mutter nahm sie nur eine Reisetasche mit, die etwas Kleidung enthielt.«

»Gibt es Tagebuchaufzeichnungen? Oder ein Profil in einem sozialen Netzwerk?«

Der SAC beantwortete meine Frage mit einem Kopfschütteln.

»Die Kollegen in Kentucky haben nichts dergleichen gefunden.«

»Ich würde unsere Informatikerin Dr. Mai-Lin Cha trotzdem gerne noch einmal mit der Datensuche beauftragen. Sie kann Dateien wiederherstellen, die als völlig zerstört gelten.«

Bradley Callahan nickte.

»Wir sind für jede Unterstützung dankbar, deshalb haben wir ja Hilfe aus dem Hauptquartier angefordert. Es ist, als wären wir in einer Sackgasse und könnten nicht mehr den Rückwärtsgang einlegen.«

***

Für mich stand fest, dass Joan Bowers’ unerwartete Reise nach Vermont der Schlüssel zu ihrem gewaltsamen Tod sein konnte.

»Wir hörten, dass es noch weitere Opfer gab, SAC Callahan. Könnten Sie uns darüber mehr erzählen?«

»Selbstverständlich, Inspektor Cotton. Das erste komplett enthaarte Opfer war Cliff Wilder, der aus Santa Monica in Kalifornien stammt. Seine Leiche wurde vor fast einem Jahr in der Nähe der kanadischen Grenze gefunden. Wir gingen damals noch von einer Bluttat im Drogenmilieu aus.«

»Warum?«

»Wilder war früher heroinabhängig, hatte allerdings einen Entzug hinter sich. Aber Sie wissen ja, wie hoch die Rückfallquote ist. Wilder wurde ebenfalls erschossen, und auch bei ihm war die absolute Haarlosigkeit sofort auffallend.«

»Haben Sie dafür schon eine plausible Erklärung gefunden?«, wollte ich wissen.

»Leider nicht. Bei der Obduktion der Leichen konnten wir nicht feststellen, worauf die Haarlosigkeit zurückzuführen war. Daher gehen wir zunächst davon aus, dass sich die Opfer aufgrund einer Mode oder eines Kultes mit Hilfe von Enthaarungscreme in diesen Zustand versetzt haben.«

»Stellen wir diesen Punkt zunächst zurück. Und wer waren die übrigen Opfer?«

»Robert Riley war der bisher einzige kanadische Tote. Er arbeitete als Trucker und erschien eines Tages nicht mehr zur Arbeit, als er eine Tour nach Florida übernehmen sollte. Stattdessen wurde seine Leiche drei Monate nach seinem Verschwinden in den Wäldern östlich von Newport gefunden. Riley trug seinen Führerschein bei sich, daher war die Identifizierung kein Problem.«

»Aber es ist bei ihm genau wie bei Wilder unklar, weshalb sie nach Vermont kamen?«

»Genau, Inspektor Cotton. Gleiches gilt auch für Dennis Dobson aus Illinois, dessen Leiche nur einen Monat nach dem Fund von Riley entdeckt wurde. Aber aufgrund der Verwesungsspuren gehen wir davon aus, dass er schon länger im Freien gelegen hat. Riley konnte aufgrund seiner DNA identifiziert werden. Er hatte sich mal einem freiwilligen Test unterzogen, als in seiner Heimatstadt nach einem Sexgangster gefahndet wurde.«

»War denn Dobson vorbestraft?«

»Nein, er hatte einen Job in einem Hamburgerladen und galt als sehr zuverlässig, wenn auch nicht besonders clever.«

»Die Opfer sind also eine Frau und drei Männer, alle aus unterschiedlichen Bundesstaaten und aus Kanada. Außer der fehlenden Körperbehaarung und den Leichenfundorten in Vermont lassen sich keine Gemeinsamkeiten feststellen«, fasste ich zusammen. »Haben Sie denn schon einen konkreten Verdacht?«

»Ich würde es eher einen Strohhalm nennen, an den wir uns klammern«, bemerkte Callahan. »Joan Bowers wurde auf dem Gelände von Rocco Santini gefunden.«

Für einen Moment war es totenstill im Büro des SAC. Phil und ich schauten uns wie auf ein lautloses Kommando hin gegenseitig an.

»Dieser Name sagt Ihnen offenbar etwas«, stellte Callahan fest. Er beugte sich neugierig vor. Ich atmete tief durch, bevor ich antwortete.

»Das kann man wohl sagen. Inspektor Decker und ich haben früher im Field Office New York gearbeitet, bevor wir nach Washington berufen wurden. Damals lernten wir Rocco Santini kennen, wir haben ihn sogar einmal verhaftet.«

»Laut seiner elektronischen Akte war Santini öfter in Mafia-Verbrechen verstrickt. Aber ihm konnte seit Jahrzehnten nichts mehr nachgewiesen werden.«

»Dieser Eintrag ist korrekt, SAC Callahan«, bestätigte ich. »Wir haben Santini als einen ausgekochten Schurken kennengelernt, der meisterhaft die Schuld von sich selbst abwälzt und seine Untergebenen den Kopf hinhalten lässt. Manche von ihnen waren so loyal, dass sie für von Santini begangene Verbrechen ins Gefängnis gingen.«

»Das war jedenfalls unsere Meinung«, ergänzte Phil. »Nur beweisen konnten wir Santini diese Machenschaften nicht. Er ist zum letzten Mal vor 32 Jahren hinter Gittern gewesen. Er müsste doch inzwischen schon fast siebzig Jahre alt sein, oder?«

Callahan blickte in seine Unterlagen.

»Rocco Santini ist sogar schon 71 Jahre alt. Und natürlich haben ihn meine Agents schon als Zeugen befragt, nachdem Joan Bowers’ Leichnam auf seinem Grund und Boden ...

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