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Jerry Cotton - Folge 2994

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Wenn es Tag wird in der Unterwelt
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Wenn es Tag wird in der Unterwelt

Dave Bricks’ Henkersmahlzeit war ein Hotdog.

Der bullige Kerl mit dem Feuermal im Gesicht ahnte allerdings nichts von seinem nahen Ende. Er stand breitbeinig am Dachrand des zehnstöckigen Gebäudes in Brooklyn. Das hier war sein Lieblingsplatz.

Dave Bricks genoss den Anblick der Manhattan-Skyline, während er seinen Hotdog kaute. Die Sonne war gerade untergegangen und er hatte noch viel vor.

Er dachte an die Frau, für die er sein Leben riskierte. Doch das machte Bricks nichts aus. Gefahr war sein ständiger Begleiter.

Plötzlich ertönte ein leises Geräusch hinter ihm. Bricks wollte herumwirbeln, aber da war es schon zu spät. Ein kräftiger Stoß von hinten ließ Bricks in die Tiefe stürzen.

Sein Körper wurde auf dem Straßenasphalt zerschmettert.

Es war ein kühler Oktobermorgen, als ich sofort nach meiner Ankunft im Field Office einen Anruf von Helen bekam.

»Du und Phil sollt sofort zum Chef kommen, Jerry«, sagte die Sekretärin des Assistant Director. Mein Freund und ich hatten noch am Vorabend einen Fall abgeschlossen, der uns nach Chinatown geführt hatte.

Als wir ins Vorzimmer von Mr High kamen, begrüßte uns Helen mit einem freundlichen Lächeln. »Ihr könnt direkt zu Mr High durchgehen. Der Kaffee ist auch sofort fertig.«

»Dann kann der Tag ja nur gut werden«, scherzte Phil. Wir betraten das Chefbüro. Mr High hatte bereits am Besprechungstisch Platz genommen. Unsere junge Profilerin Laura Darro war bei ihm.

Wir setzten uns zu ihnen, und gleich darauf erschien Helen bereits mit dem Kaffee. Nachdem sie den Raum wieder verlassen hatte, kam der Chef sofort zur Sache.

»Erinnern Sie sich noch an Dave Bricks?«

Ich nickte. »Das war einer der Verbrecher, die vor zwei Jahren den Geldtransporter der Federal Reserve Bank in Midtown Manhattan überfallen haben. Trotz intensiver Fahndung war er der einzige Täter, den wir fassen konnten. Es gab einen Unfall mit dem Fluchtwagen, aber die übrigen Täter konnten entkommen und ließen ihn zurück. Seine Komplizen sind leider immer noch auf freiem Fuß. Bricks hat im Verhör geschwiegen wie ein Grab, obwohl die anderen Kerle ihn im Stich gelassen haben. Er hat die Namen seiner Mittäter nicht preisgegeben.«

»Und jetzt ist er tot«, stellte der Chef fest. »Er wurde gestern Abend vom Dach des Hauses gestoßen, in dem er als Hausmeister arbeitete. Bricks bekam den Job sofort, nachdem er vor drei Monaten aus dem Gefängnis entlassen wurde. Sein Bewährungshelfer hat ihm die Arbeitsstelle besorgt.«

»Der Rest seiner dreijährigen Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, weil er sich gut geführt hat«, ergänzte Laura Darro.

»Ich kann mir vorstellen, dass Bricks hinter Gittern nicht allzu viel Ärger hatte«, meinte Phil. »Er war doch ein Bulle von Kerl, mit dem hat sich gewiss kein anderer Häftling gerne angelegt. Sein Spitzname war Satansfratze, weil er so ein dunkles rotes Feuermal im Gesicht hatte. Aber steht denn überhaupt fest, dass Bricks vom Dach gestoßen wurde? Kann es nicht auch ein Unfall oder Selbstmord gewesen sein?«

»Ein guter Einwand, Phil«, sagte der Chef. »Ich habe Laura hinzugezogen, weil ich an ihrer Meinung interessiert bin. Ich habe Laura gebeten, sich aufgrund der Aktenlage ein Bild von Bricks’ Seelenleben zu machen.«

»Ich kannte Bricks zwar nicht persönlich«, begann die Profilerin, »aber ein Selbstmord erscheint mir bei diesem Mann sehr unwahrscheinlich. Nichts deutet in seinem Leben auf eine Depression hin. Es fehlen alle Hinweise auf Niedergeschlagenheit. Auch die Untersuchungen der Gefängnisärzte weisen nicht in diese Richtung. Bricks war eine Kämpfernatur, das zieht sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben. Dieser Mann stand meist auf der falschen Seite des Gesetzes. Aber er schien zumindest nach seiner letzten Haftstrafe entschlossen, ein normales Leben zu führen.«

»Außerdem wurde auf dem Dach ein nur halb verspeister Hotdog sichergestellt«, erklärte Mr High. »Wer lässt denn eine angefangene Mahlzeit liegen, um spontan in den Tod zu springen? Das kommt mir sehr unwahrscheinlich vor. Trotzdem sollten Sie die Möglichkeit eines Selbstmordes oder Unfalls berücksichtigen, Jerry und Phil. Jedenfalls so lange, bis sichere Beweise für ein Verbrechen vorliegen.«

»Gibt es schon einen konkreten Verdacht, wer Bricks auf dem Gewissen haben könnte, Sir?«

Mr High beantwortete meine Frage mit einem Kopfschütteln.

»Nein, das nicht. Aber wie Sie wissen, war Bricks damals bei dem Raubüberfall nur der Fahrer des Fluchtautos. Er hat niemanden verletzt, und bei seiner Verhaftung fand man noch nicht einmal eine Schusswaffe bei ihm. Außerdem leistete er trotz seiner gewaltigen Körperkraft keinen Widerstand. Deshalb kam er auch mit einer relativ milden Strafe davon. Es ist gut vorstellbar, dass Bricks nach seiner Entlassung aus Rikers seinen Anteil an der Beute einfordern wollte. Und das wurde ihm dann zum Verhängnis.«

***

Phil und ich verabschiedeten uns von Mr High und Laura Darro. Wir holten meinen Jaguar aus der Tiefgarage und machten uns Richtung Brooklyn auf. Während der Fahrt sprachen wir natürlich über den Fall.

»Gestern Abend hat es stark geregnet, Jerry. Da sehe ich schwarz, was Spuren auf dem Hausdach angeht. Aber vielleicht gibt es Zeugen im Haus, die gesehen haben, ob jemand Bricks auf das Dach gefolgt ist.«

»Ja, das wäre möglich. Wir sollten auch checken, ob man vom gegenüberliegenden oder benachbarten Gebäuden einen guten Blick auf das Dach hat. – Auf jeden Fall war Bricks für die meisten Leute ein furchteinflößender Mann. Und Angst kann sehr leicht in Hass umschlagen.«

»Du meinst also, es gibt außer seinen ehemaligen Komplizen noch mehr Leute, die Bricks an den Kragen wollten?«

»Er war jedenfalls ein Mann, der sich leicht Feinde gemacht hat. Bricks war kein Mensch, mit dem man gern ein Bier trinken gegangen wäre oder die Bowlingbahn besucht hätte. Du kennst doch seine Akte ebenfalls.«

»Das stimmt, Bricks war ein Einzelgänger. Seine Freunde konnte man mit der Lupe suchen. Er hat sich von anderen Ganoven nie etwas gefallen lassen und konnte seinen Mund nicht halten. Außer bei unseren Verhören, weißt du noch? Da hat er geschwiegen wie eine Auster, wenn es um seine Komplizen ging.«

Wir fuhren über die Brooklyn Bridge und erreichten wenig später ein schmuckloses zehnstöckiges Gebäude in der John Street, unweit des East River.

Es stand in dem Teil Brooklyns, der Vinegar Hill genannt wird. Die Wohngegend war ärmlich, doch es gab bereits einige Bars und Restaurants für die Gutbetuchten. Allzu weit war es nicht bis nach Brooklyn Heights, wo die Reicheren wohnten. Schon bald würden auch in Vinegar Hill die Mieten in die Höhe schnellen.

In dem Wohngebäude herrschte große Aufregung, Mieter und Schaulustige liefen durcheinander. Auch Vertreter der Presse hatten sich bereits eingefunden. Wir mussten uns unseren Weg zwischen ihnen hindurchbahnen.

Da nur das eigentliche Hausdach der Tatort war, hatte das NYPD lediglich den Zugang zum Dach abgesperrt. Man konnte die Mieter schließlich nicht am Verlassen ihrer Apartments hindern. Hinter dem gelben Trassierband wurden wir von zwei Zivilcops erwartet.

Wir kannten Detective Sergeant Neil Costello und Detective Bessy Logan von früheren Einsätzen. Wir gaben dem italienischstämmigen NYPD-Mann und seiner zierlichen rothaarigen Partnerin die Hand.

»Ich habe schon gehört, dass das FBI den Fall übernehmen soll«, sagte Costello. »Offenbar war Bricks in der Vergangenheit an einem Überfall auf einen Geldtransport der Federal Reserve Bank beteiligt? Und deshalb sind Sie zuständig?«

Ich nickte.

»Von Vorstrafen des Verstorbenen wusste ich nichts«, meinte der NYPD-Kollege. »Aber Bricks war hier im Viertel gefürchtet, das kann ich Ihnen versichern. Selbst die bösen Buben gingen Satansfratze möglichst aus dem Weg. Keiner wollte Ärger mit ihm.«

»Dann hat Bricks’ Knast-Spitzname ihn also bis hierhin verfolgt«, stellte Phil fest. »Und er wurde niemals wegen einer Straftat angezeigt?«

»Nein, obwohl es immer wieder Gerüchte über Schlägereien oder Einschüchterungsversuche gab. Ich habe auch mal mit Bricks von Mann zu Mann geredet. Ich machte ihm klar, dass er seine Bewährung nicht riskieren sollte. Aber mir gegenüber spielte er den Unschuldsengel und behauptete, nicht mehr kriminell werden zu wollen.«

»Aber Sie haben ihm nicht geglaubt?«

»Nein, Agent Cotton. Sicher, ich gebe eigentlich nichts auf Klatsch und Tratsch. Aber ich fand es schwer vorstellbar, dass ein Mann mit Bricks’ Vergangenheit einen Schlussstrich zieht. Sie wissen ja, wie hoch die Rückfallquote bei Straftätern ist. Und wo Rauch ist, da ist auch Feuer, wie man so schön sagt. In diesem Fall könnte diese Binsenweisheit stimmen.«

»Schauen wir uns das Dach an«, schlug ich vor. Bessy Logan ging voran, und wir folgten ihr hintereinander die schmale steile Treppe hinauf.

Auf dem Flachdach gab es außer einigen Schornsteinen keine Versteckmöglichkeiten. Die Fläche wurde von einer kleinen Mauer eingefasst, die nur ungefähr kniehoch war. Eine gelbe Farbmarkierung sowie kleine Fähnchen zeigten die Stelle an, von der aus Bricks in den Tod gestürzt war.

Ich stellte mich dorthin und schaute hinunter.

»Wenn jemand direkt hier vorn steht, dann muss er nur einen leichten Stoß in den Rücken bekommen, um nach vorne und somit hinunterzufallen«, sagte ich. »Dafür ist nicht viel Kraft nötig. Auch eine Frau oder ein schwacher Mann hätten also Bricks ins Jenseits befördern können.«

»Dadurch wird der Kreis der Verdächtigen nicht gerade kleiner«, stellte Phil trocken fest.

Ich drehte mich langsam um die eigene Achse und schaute mir die umliegenden Dächer an. Die Häuser links und rechts von uns waren niedriger als das Gebäude, auf dem wir standen. Von dort aus hätte kein Zeuge die Tat beobachten können. Und gegenüber befanden sich schäbige Bürogebäude, in denen zum Tatzeitpunkt keine Angestellten mehr gewesen sein konnten. Wir würden das natürlich checken. Aber allzu große Hoffnungen machte ich mir nicht.

Bessy Logan deutete auf eine kleinere Markierung und riss mich damit aus meinen Überlegungen.

»Dort hat der halb verspeiste Hotdog gelegen. Die Spurensicherung geht davon aus, dass er Bricks aus der Hand gefallen ist, als er in die Tiefe stürzte.«

»Das deckt sich auch mit der Aussage des Besitzers von Franky’s Diner unten an der Ecke«, ergänzte Neil Costello. »Bei ihm hat Bricks offenbar eine Viertelstunde vor seinem Tod den Hotdog gekauft. Bricks war ein Stammkunde bei Franky, daher konnte der Imbissmann ihn sofort identifizieren. Außerdem ist das rote Feuermal im Gesicht ja auch unverkennbar, selbst bei Zeugen mit schlechtem Personengedächtnis.«

Phil schüttelte den Kopf.

»Die Selbstmordtheorie wird immer unwahrscheinlicher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann, der den Freitod wählt, sich noch kurz vorher eine Henkersmahlzeit genehmigt. Und die dann noch nicht einmal beendet.«

»Es sei denn, Bricks stand unter Drogen und hat deshalb völlig irrational gehandelt«, gab ich zu bedenken. »Aber darüber wird die Obduktion uns Aufschluss geben.«

»Haben Sie schon mit den Hausbewohnern gesprochen?«, wollte Phil wissen.

Der Detective Sergeant schüttelte den Kopf.

»Nein. Wir wollten damit anfangen, als es hieß, das FBI übernimmt den Fall. Außerdem herrscht im Haus momentan ein großes Durcheinander, wegen der vielen Neugierigen. Früher oder später wird den Leuten hoffentlich langweilig, weil es hier nichts mehr zu sehen gibt. Bisher hatten wir nur den Imbissbesitzer gefragt, um die Herkunft des Hotdogs zu klären.«

»Und das war gute Arbeit«, hob ich hervor. »Ist diesem Franky etwas Ungewöhnliches an Bricks aufgefallen? Wirkte er verändert? Immerhin war er ja ein Stammkunde, da wird Franky ihn gut gekannt haben.«

»Der Zeuge hat nichts dergleichen gesagt«, meinte Bessy Logan. »Aber Sie können ja noch einmal selbst mit ihm reden.«

»Was hat Bricks überhaupt hier allein auf dem Dach zu schaffen gehabt?«, dachte ich laut nach. »Wollte er sich mit jemandem treffen? Oder gehörte es zu seinen Hausmeistertätigkeiten, hier oben nach dem Rechten zu sehen?«

»Wir müssen herausfinden, ob sich gestern im Leben des Opfers etwas Besonderes ereignet hat«, sagte Phil. »Vielleicht gab es ein Ereignis, das irgendwo Spuren hinterlassen hat. Das könnte uns den Weg zu Bricks’ Mörder weisen.«

***

Bricks war kurz nach 20 Uhr auf dem Gehweg vor dem Wohnhaus aufgeschlagen. Es war zu dieser Zeit bereits dunkel gewesen, doch die Straßenlampen in der John Street funktionierten größtenteils, nur zwei von ihnen waren defekt.

Es gab mehrere Augenzeugen, die das makabre Schauspiel miterleben mussten. Sie waren in der unmittelbaren Nähe gewesen, als der Körper auf dem Bürgersteig zerschmettert wurde. Zwei von ihnen hatten einen Schock erlitten und waren sofort notärztlich behandelt worden.

Jedenfalls hatten drei Personen unabhängig voneinander den Notruf 911 gewählt. Schon wenige Minuten später waren eine Ambulanz und ein Streifenwagen eingetroffen, wie wir von den Detectives erfuhren.

»Aber der Mediziner konnte nur noch den Tod von Bricks feststellen«, fuhr Neil Costello fort. »Unsere beiden uniformierten Kollegen sind ins Haus gerannt und bis zum Dach hochgestürmt. Dort haben sie allerdings niemanden mehr angetroffen.«

»Das ist auch kein Wunder«, ergänzte seine Kollegin. »Zwischen dem Sturz und dem Eintreffen der Rettungskräfte sind mehr als fünf Minuten vergangen. Falls der Täter, wenn es einen gibt, im Haus wohnt, konnte er in aller Ruhe in sein Apartment zurückkehren. Doch selbst wenn er ein Fremder war – es gibt keine Zeugenaussagen darüber, ob jemand das Haus verlassen hat, nachdem Bricks auf dem Bürgersteig aufgeschlagen ist.«

»Verständlich«, meinte Phil. »Alle Anwesenden werden nur noch Augen für die Leiche gehabt haben. Da hat vermutlich niemand den Hauseingang beobachtet. Der Täter könnte sich unauffällig hinausgeschlichen haben. Es sind nur wenige Yards bis zur nächsten Straßenecke. Er kann buchstäblich innerhalb von Sekunden spurlos verschwunden sein.«

»Bricks wurde vermutlich aufgrund seines auffälligen Feuermals schnell identifiziert?«, vergewisserte ich mich.

Neil Costello nickte.

»So ist es, Agent Cotton. Außerdem trug der Tote seinen Führerschein bei sich, der auf den Namen David Bricks ausgestellt ist. Allerdings besaß Bricks zurzeit kein Auto, soweit es uns bekannt ist. Vermutlich konnte er sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis einfach keins leisten.«

»Ein Grund mehr, bei seinen ehemaligen Komplizen seinen Beuteanteil einzufordern«, gab ich zurück. Das war auf jeden Fall eine Richtung, in der wir dringend ermitteln mussten. Ob es noch andere Motive für einen Mord an Bricks gab? Das wollten wir jetzt herausfinden.

Doch bevor Phil und ich die Zeugen befragten, stand ein Besuch im gerichtsmedizinischen Institut auf dem Programm. Wir verabschiedeten uns von den Detectives, nachdem sie den Fall offiziell an uns übergeben hatten.

***

In der Pathologie wurden Phil und ich von der jungen hübschen Gerichtsmedizinerin Jenny Bolder empfangen.

»Ihr habt wirklich Glück, Jerry und Phil. Normalerweise komme ich nicht so schnell dazu, einen Toten unters Messer zu nehmen. Aber momentan ist nicht viel los, und deshalb kann ich euch schon ein brauchbares Ergebnis liefern. Allerdings wird die ausführlichere Obduktion noch etwas dauern.«

»Schieß los, Jenny.«

»Gerne, Phil. Also, die Todesursache dürfte eindeutig sein: Bricks hat einen Schädelbasisbruch erlitten. Vermutlich schlug er mit dem Kopf voran auf dem Boden auf. Außerdem liegen multiple Knochenbrüche vor, von den inneren Verletzungen ganz zu schweigen. Kein lebenswichtiges Organ war mehr intakt. Ihr könnt euch vorstellen, wie jemand aussieht, der aus dem zehnten Stockwerk auf eine asphaltierte Fläche stürzt. Das überlebt kein Mensch, noch nicht einmal so ein Kraftpaket wie Bricks.«

»Wir wissen, dass er stark wie ein Bulle war.«

»Das kann ich nur bestätigen, Jerry. Er hat sich gut in Form gehalten. Er könnte gut als Türsteher oder Wrestler gearbeitet haben.«

»Aber Bricks war Hausmeister, jedenfalls offiziell. – Gab es Spuren, die auf einen Kampf vor dem Todessturz schließen lassen?«

»Nein, das nicht. Ein paar Abschürfungen an den Fingergelenken, aber die hat Bricks sich nicht erst gestern Abend zugezogen. Allerdings kann ich nicht sagen, ob sie von einer Schlägerei oder irgendwelchen Arbeiten stammen. Er kann ja auch an irgendwelchen Geräten geschraubt und sich dabei verletzt haben. Aber die Wunden waren verschorft, er hatte noch nicht einmal Pflaster draufgeklebt.«

»Und es lässt sich vermutlich nicht nachweisen, ob er vom Dach gestoßen wurde?«

»Richtig, Jerry. Es ist nämlich für diese Bewegung nur ein minimaler Kraftaufwand nötig. Daher gibt es auch keine Hämatome am Rücken, wie sie bei einem sehr starken Stoß nachgewiesen werden können – wenn beispielsweise ein Mensch von einem fahrenden Wagen gerammt wird.«

»Also lässt sich auch immer noch nicht ausschließen, dass es ein Freitod oder ein Unfall war?«, vergewisserte sich Phil.

»Aus medizinischer Sicht gibt es keinen Hinweis auf ein Fremdeinwirken«, sagte Jenny Bolder. »Die Wahrheit müsst ihr durch eure Ermittlungen herausfinden.«

»Du kannst uns aber trotzdem weiterhelfen, denke ich. Wie sieht es mit Alkohol oder Drogen aus?«

»Keine Hinweise auf Missbrauch, Jerry. Ich habe Bricks’ Blut analysiert. Falls er chemische Rauschmittel genommen hat, muss das schon mindestens ein paar Wochen zurückliegen. Und Alkohol? Vielleicht hat er dann und wann ein Bier getrunken, aber er war kein Trinker. Die Leberwerte sind absolut im grünen Bereich. Und zum Zeitpunkt seines Todes war er stocknüchtern. Null komma null Promille Alkohol.«

»Jetzt wissen wir wenigstens, dass Bricks nicht betrunken auf der Dachumrandung balancieren wollte«, bemerkte Phil trocken. »Aber viel schlauer sind wir immer noch nicht.«

Mein Partner und ich verließen das gerichtsmedizinische Institut.

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