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Jerry Cotton - Folge 2993

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Wetten auf den Tod
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Wetten auf den Tod

»Ist das ein Diamant in dem Champagnerglas?«, fragte Kendra und sah amüsiert auf den funkelnden Stein, an dem die Perlen aufstiegen.

»Trink und deine Schönheit wird von innen veredelt«, flüsterte er in ihr Ohr. Sie trank das Glas in einem Zug, spielte mit dem Stein auf ihrer Zunge und schluckte ihn herunter.

»Und um wie viel hat sich mein Wert veredelt?«, flirtete sie kokett. Er lächelte nur. Kendra drehte sich um und stellte das leere Glas auf den antiken Schreibtisch. »Du bist ein sehr extravaganter Mann.«

In dem Moment spürte sie den harten Griff seines Arms um ihren Hals. Sie schlug wild um sich, versuchte irgendwie nach Luft zu schnappen. »Du hast keine Ahnung, wie extravagant ich wirklich bin«, raunte er, und es war das Letzte, was Kendra in ihrem Leben hörte.

Der September in New York ist immer ein heißer Monat – nicht wegen der Temperaturen, sondern wegen der Fashion Week, die zweimal im Jahr hier stattfindet.

Als ich um fünf Uhr morgens am Lincoln Center stand und auf das australische Topmodel Kendra Bunder starrte, die tot in der Fontäne des Brunnens gefunden worden war, trat mir im wahrsten Sinne des Wortes der Schweiß auf die Stirn.

Wir hatten hier ein Mordopfer, eine Prominente, die man vor dem Tempel der Mode einfach in einen Brunnen geworfen hatte. Es war kaum zu glauben: Kendra Bunder, eine der schönsten Frauen der Welt, war erwürgt worden.

»Die SRD kann sie jetzt mitnehmen«, hörte ich meinen Partner sagen. Phil schien sich besser im Griff zu haben und war ganz Herr der Lage. »Sag mal, Chow«, wandte er sich an die Pathologin des SRD, die unser Opfer vor Ort kurz untersucht hatte. »Hast du schon was?«

Dr. Chow brummte wie gewöhnlich erst einmal vor sich hin, doch dann sagte sie: »Erwürgt, doch mit dem Arm, Nahkampftechnik, ich denke, das Zungenbein ist gebrochen. Wenigstens musste sie nicht lange leiden. Ihr bekommt den Autopsiebericht in ein paar Stunden. Also ruft mich ja nicht an, ich melde mich schon!«

»Danke, meine asiatische Lotusblüte«, meinte Phil und Chow holte aus und versetzte Phil einen linken Haken auf den Oberarm. Ich sah die beiden irritiert an. Irgendwie bewunderte ich die Art, wie sie mit dem Tod umgehen konnten.

»Bis dann, Jerry«, hörte ich Chow und sah ihr nach, wie sie mit dem schwarzen Leichensack auf der Bahre in Richtung des SRD-Transporters verschwand.

»Ein cooler Start in die Fashion Week, meinst du nicht auch?«, wandte sich Phil an mich.

»Bist du noch ganz bei Trost? Wir haben hier eine Tote«, giftete ich zurück, denn mir ging sein Geplänkel in der Situation auf die Nerven.

Phil hob beide Hände. »Sorry, war nicht so gemeint«, reagierte er schnell. »Normalerweise haben wir bei der Fashion Week ohne Ende Drogendelikte. Es hat noch nie mit einem Mord angefangen, und schon gar nicht mit einer Prominenten«, warf er entschuldigend ein.

»Schon gut«, erwiderte ich. »Lass uns ins Büro fahren und rausfinden, was Miss Bunder in den letzten Tagen gemacht hat.«

***

Kendra Bunder war eine Ikone am Himmel der Topmodels. Zwar war sie für den Beruf schon etwas in die Jahre gekommen, doch immer noch eine der begehrtesten Damen auf dem Catwalk. Wir saßen in unserem Büro, recherchierten über ihre Familie und versuchten herauszufinden, wo sie sich in den letzten Stunden ihres Lebens aufgehalten hatte.

Wir waren so gut wie allein, denn es war erst sechs Uhr. Weder Helen noch Mr High waren schon im Field Office. Dabei hatte mich unser Chef persönlich aus dem Bett geklingelt und an den Fundort geschickt.

Höchstwahrscheinlich war er momentan beim Bürgermeister und entwickelte eine Pressestrategie, denn bei einer Berühmtheit wie Miss Bunder, die auf der ganzen Welt bekannt war, musste mit den Presseinformationen sensibel umgegangen werden.

Ich hoffte nur, dass vor dem Eintreffen der Polizei nicht bereits Schaulustige diverse Fotos mit ihren Handys gemacht hatten und diese jetzt meistbietend den Klatschblättern New Yorks offerierten.

Was ich in den allgemeinen Presseveröffentlichungen über die Tote im Internet finden konnte, war, dass sie für das Label Jeanna Seers gearbeitet hatte. Sie sollte diese Woche als Starmodel die Frühjahrs- und Sommerkollektion von Seers auf der Fashion Week vorstellen.

Also rief ich als Erstes Kendra Bunders Agentur an, um sie über den Tod ihres Topmodels zu informieren und vor allem, um die Telefonnummer ihrer Familie und auch von Jeanna Seers zu bekommen. Zu meinem Erstaunen bekam ich trotz der frühen Zeit den Inhaber der Agentur, Dominique Andres, an den Apparat, der erst einmal völlig verstört war.

Dementsprechend dauerte es auch einige Zeit, bis er mir die Informationen geben konnte. Ich vereinbarte am Vormittag ein Treffen mit ihm in der Agentur, denn es hatte den Anschein, dass Andres’ und Kendra Bunders Beziehung zueinander über ein kollegiales Verhältnis hinausging.

Zusätzlich hatte mir seine Reaktion gezeigt, dass die Presse noch nicht wusste, wer die Leiche im Brunnen war. Danach stand mir der schwerste Anruf bevor: Die Familie in Australien musste informiert werden.

***

Als wir zwei Stunden später gerade aufbrechen wollten, um zur Agentur zu fahren, fing uns Helen ab: Der Assistant Director wollte Phil und mich sprechen.

»Jerry, Phil, bitte setzen Sie sich«, begrüßte uns Mr High und im gleichen Augenblick kam auch Zeery ins Büro des Assistant Director. Wie immer wurde er seinem Ruf, der bestangezogenste Agent zu sein, gerecht.

»Agent Zeerookah wird Sie beide unterstützen. Warum, muss ich nicht lange erklären, das ist wohl augenscheinlich«, meinte Mr High und ich musste ein Schmunzeln unterdrücken, denn es war offensichtlich, dass unser Chef nicht im Geringsten zu irgendwelchen Späßen aufgelegt war.

Er wirkte sehr angespannt, als er den Bildschirm am Ende des Besprechungstisches anschaltete und sagte: »Ich komme gerade von einer Pressekonferenz, die der Bürgermeister und ich abgehalten haben, und möchte, dass Sie sich das erst einmal ansehen, damit Sie wissen, wie viel wir an die Öffentlichkeit weitergegeben haben.«

Die Aufnahme flackerte auf und wir sahen Mr High, der vor einem Podium in einem Hotelkonferenzraum stand und die Reporter darüber informierte, dass es sich bei der Toten vor dem Lincoln Center um Kendra Bunder handelte.

Sofort brach die Hölle los, jeder Reporter im Saal bombardierte den Assistant Director mit Fragen und es dauerte eine Ewigkeit, bis wieder Ruhe herrschte und er weitersprechen konnte.

Er bestätigte ein Verbrechen, doch er gab keinerlei Information heraus über die Todesart noch darüber, wie die Leiche gefunden wurde. Wie ich bereits angenommen hatte, herrschte bei dem Fall höchste Pressesperre. Er gab die Nummer einer FBI-Hotline bekannt und bat Zeugen, sich umgehend zu melden.

Dann sprach der Bürgermeister und im Gegensatz zu der effizienten, knappen Ansprache unseres Chefs fielen eine ganze Menge warmer Worte des Bedauerns. Am Ende wandte er sich noch einmal ganz explizit an die Verleger der Zeitungen und Magazine und bat darum, keine potenziellen Amateurfotos, die Passanten von der Leiche gemacht haben könnten, zu veröffentlichen.

»Das kann nur bedeuten, dass einer Zeitung bereits solche Fotos angeboten wurden«, meinte ich, als Mr High den Bildschirm ausschaltete. »Ist für uns auf den Bildern etwas Verwertbares?«

Mr High schüttelte den Kopf. »Leider nicht, doch wir sind schon froh, dass New Yorks größtes Boulevardmagazin einen anständigen Chefredakteur hat, der sich an uns wandte, anstatt die Bilder zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass auch die anderen Redakteure der diversen Klatschspalten mitziehen.«

Er seufzte, was mir sagte, dass er an seinen eigenen Worten zweifelte. »Bevor Sie mit den Befragungen anfangen, möchte ich Sie bitten, in diesem Fall sehr sensibel vorzugehen. Wir alle wissen, dass es sich bei der Fashion Week um einen Jahrmarkt der Eitelkeiten handelt. Sie werden es mit mehr Prominenz zu tun haben, als Ihnen lieb ist, und damit meine ich nicht nur die Models und Stardesigner. Bei solchen Shows und auf den Partys wird vom Filmstar über den Profisportler bis hin zum New Yorker Geldadel jeder vertreten sein. Daher erwarte ich von Ihnen absolute Zurückhaltung.«

Mr High sah uns drei eindringlich an und ich ahnte schon, dass mein Partner sich nicht beherrschen konnte.

»Aber wenn wir den Mörder haben, dürfen wir ihn verhaften, auch wenn er ein Star ist«, entwich es Phil und es war ihm anzusehen, dass er seine Worte sofort bereute, denn Mr High nagelte ihn mit einem Blick fest, der Bände sprach.

»Das ist genau die Art von Zynismus, den ich bei Zeugenbefragungen nicht hören möchte, Phil. Der Bürgermeister blickt mir bei all unseren Schritten über die Schulter und ich habe keine Lust, in Beschwerden zu ersticken. Haben wir uns verstanden?«

Phil schluckte und meinte kleinlaut: »Natürlich, Sir, das war kein besonders qualifizierter Kommentar von mir. Tut mir leid.«

***

Die vier Männer saßen im Rauchsalon des Trader Club in New York City, eines der exklusivsten Gentlemen-Clubs der Ostküste. Wer hier Mitglied werden wollte, brauchte nicht nur eine persönliche Einladung, sondern auch das entsprechende Geld und die richtige Familie. Der Club konnte sich in seiner Historie mit Namen wie Vanderbilt, Rockefeller, aber auch Mitgliedern der Kennedy-Familie rühmen.

»Nun, meine Herren, das Startzeichen wurde gegeben. Sind Sie jetzt bereit, auf die Wette einzugehen?«, fragte der attraktive junge Mann und sah seine drei Freunde an.

»Du bist ein Fuchs, ich hätte nicht geglaubt, dass du es schaffst. Das muss man dir lassen, auch wenn du manchmal ziemlich geschwollen daherredest.«

Er lächelte, betrachtete das bauchige Glas in seiner Hand, in dem der uralte Talisker-Whiskey fast ölig kreiste, und richtete es dann auf den schweren Kristallkronleuchter an der Decke über ihnen.

»Ich passe mich nur meiner Umgebung an! Was ist jetzt, steigt ihr ein? Es ist eine einmalige Gelegenheit, oder besser noch, bezeichnen wir es als eine sehr lukrative Herausforderung.« Wieder betrachtete er seine Freunde, dann hob er eine Hand auffordernd in ihre Richtung. »Wenn ihr bereit seid, dann möchte ich um die Schecks bitten.«

Alle vier griffen in die Innentasche ihres Sakkos, zogen die bereits unterschriebenen Schecks heraus und legten sie auf den mit Intarsien verzierten Rauchtisch. Er griff danach, sah sich alles in Ruhe an und steckte die Schecks in einen Briefumschlag.

»Gentlemen, dann lassen Sie uns beginnen. Die Spielregeln sind einfach, der Einsatz fünf Millionen Dollar pro Spieler, der Gewinner erhält die Gesamtsumme von zwanzig Millionen. Die Aufgabe muss innerhalb der nächsten drei Tage erledigt sein. An Kreativität darf es nicht fehlen. Wie die Aufgabe gelöst wird, ist jedem selbst überlassen. Wir werden aber geheim über das Resultat abstimmen. Ich dachte mir, wir geben A-Noten für die technische Perfektion, B-Noten für Kreativität und Eleganz der Ausführung.« Dann hob er seine Hand und winkte den Butler heran, der für die Herren im Salon an der Tür bereitstand.

»Portman«, sprach er den Hausdiener an, der mit einer schwarzen Livree mit dem Wappen des Clubs bekleidet war. »Seien Sie so nett, nehmen Sie den Briefumschlag und hinterlegen ihn für mich im Clubtresor. Aber bringen Sie uns vorher noch den Champagnerkühler, den ich vorbereitet habe.«

»Champagner? Ich bleibe lieber bei meinem Whiskey«, erwiderte einer seiner Freunde und rekelte sich tiefer in seinen Ledersessel.

»Abwarten, wer redet denn vom Trinken.« In dem Moment war der Butler wieder bei ihnen, stellte einen leeren Champagnerkühler auf den Tisch und verschwand diskret.

»In dem Kühler befinden sich vier Briefumschläge. Ihr findet darin das Ziel und noch eine kleine Überraschung. Diese Überraschung hat aber einen wichtigen Sinn: Sie gilt als Beweis und muss beim Ziel hinterlegt werden. Bei Verstößen gegen die Regeln oder wenn die Aufgabe nicht innerhalb von drei Tagen gelöst ist, verliert der Spieler seinen Einsatz.« Alle sahen ihn an und einer nach dem anderen verzog seinen Mund zu einem Grinsen.

»Ich merke, ihr werdet bereits ungeduldig. Bitte, jeder zieht jetzt einen Umschlag, aber öffnet ihn erst, wenn ihr alleine seid. Wir treffen uns bald wieder, um eine Art Zwischenbilanz zu ziehen. Ich werde euch zu gegebener Zeit informieren, wo das Treffen stattfindet.« Sie nahmen die Umschläge aus dem Kühler und steckten sie in ihre Jacketttaschen.

Dann erhob er sein Glas und sagte feierlich: »Möge der Beste gewinnen!«

***

Zeery hatte einen Wagen von der Fahrbereitschaft besorgt und wir waren nach unserem Gespräch mit Mr High auf dem Weg zu Kendras Agentur in der Fifth Avenue. Phil saß hinten im Explorer und erklärte uns, was er in der kurzen Zeit über Dominique Andres’ Agentur, élite mondiale, herausbekommen hatte. Die Modelvermittlung war in den letzten Jahren zu einer der besten Adressen in den Vereinigten Staaten aufgestiegen, dabei kam Andres ursprünglich gar nicht aus der Modebranche.

»Andres hat eine schillernde Karriere gemacht, ein richtiger Selfmademan«, bemerkte Phil gerade, als mein Telefon klingelte. Es war Dr. Chow von der SRD und ich stellte auf den Autolautsprecher.

»Hi, Jerry«, begrüßte sie mich und ich war wie immer, wenn es um Dr. Chow ging, erstaunt, denn eigentlich hielt sie sich nie mit Höflichkeitsfloskeln auf, und wie es schien, hatte sie gute Laune – ebenfalls etwas, das selten bei ihr vorkam.

»Hallo, Chow, wenn du die Autopsieergebnisse schon hast, dann hast du gezaubert«, bemerkte Phil und ich sah automatisch auf meine Uhr. Es war neun und gerade mal drei Stunden her, seit sie mit der Leiche von Kendra Bunder in die SRD gefahren war. »Leg los, Zeery ist auch bei uns.«

»Ja, ich habe gezaubert, denn Assistant Director High bat mich persönlich, dem Fall höchste Priorität zu geben, und da Mister High im Gegensatz zu euch Manieren hat und höflich fragen kann, habe ich mein Bestes getan.« Ich rollte die Augen, das war schon eher die Pathologin, die ich kannte. »Also, außer den toxikologischen Befunden, die meiner Meinung nach keine Rolle spielen, da sie nicht vergiftet wurde, habe ich ein paar höchst interessante Sachen entdeckt.« Sie legte eine dramatische Pause ein.

Zeery fuhr gerade auf die Avenue of the Americas, um an der West 20th Street rechts in die Fifth Avenue einzubiegen. Dann standen wir auf der Fifth Avenue prompt mal wieder in einer Blechlawine der Rushhour, als Dr. Chow endlich mit ihren Ausführungen fortfuhr.

»Wie angenommen, wurde das Opfer erwürgt, auch hatte ich recht, was die Technik anging. Ihr wurde der Arm um den Hals gelegt und man hat sie erstickt. Typische Nahkampftechnik, daher kann ich auch nicht bestimmen, wie groß die Hände des Täters waren. Aber von den Quetschungen her kann ich euch mit Sicherheit sagen, dass der Mann eine Größe von mindestens sechs Fuß fünf hat. Denn Miss Bunder war selbst fast sechs Fuß groß.«

»Sind Sie so sicher, dass es ein Mann war?«, fragte Zeery. Scheinbar arbeitete er nicht so regelmäßig mit Dr. Chow zusammen wie wir. Denn dann hätte er gewusst, dass solch eine Frage bei ihr fehl am Platz war.

»Ziemlich, außer Miss Bunder ist von einer äußerst muskulösen Basketballspielerin ermordet worden. Man braucht viel Kraft, um diesen Griff anzuwenden, und der Täter hatte Kraft, denn das Zungenbein brach, als sie noch lebte. Es gibt Einblutungen, die nicht zu finden wären, wenn der Tod schon durch Ersticken eingetreten wäre, Agent Zeerookah!«, belehrte Chow Zeery wie erwartet und er zog die Augenbrauen hoch.

»Hast du sonst noch etwas für uns?«, fragte ich schnell, damit Zeery keine Chance hatte etwas zu erwidern.

»Oh ja, ich habe ein Objekt in ihrem Magen gefunden: einen zweikarätigen Diamanten, ein Brillant, die beliebteste Form, rund und stark facettiert. Lupenrein, hochfeines Weiß und ein EX-Schliffgrad – der beste, den man haben kann.«

»Meine Güte, Chow, woher hast du die Informationen? Bist du mit einem Diamantenhändler liiert?«, warf Phil erstaunt ein.

»Phil Decker, ich bin eine Frau, und wenn du jemals unter die Haube kommen möchtest, dann solltest du dich für so was interessieren. Jedenfalls ist der Stein zwischen achtzig- und hunderttausend Dollar wert.«

Phil ließ einen kurzen Pfiff los. »Na, damit hat sich die zukünftige Mistress Decker gerade verabschiedet, von dem Geld kauf ich mir lieber einen Sportwagen«, meinte er.

»Sonst noch was?«, unterbrach ich entschieden das Geplänkel.

»Nicht viel. Sie hatte Champagner im Magen und, wie es sich für ein Model gehört, Salat im Darmtrakt, sonst nichts. Wenn ihr wissen wollt, wie der Diamant in den Magen gekommen ist: Sie hat ihn definitiv geschluckt, wahrscheinlich mit dem Champagner. Mit zwei Karat wiegt der Stein etwa 0,4 Gramm, und post mortem kann man so einen Stein nicht einflößen. Todeszeitpunkt zwischen zwei und drei Uhr letzte Nacht«, beendete sie ihren Bericht.

Ich bedankte mich und legte auf. Wir hatten mittlerweile die Fifth Avenue erreicht. Zeery parkte auf einem Lieferantenplatz gegenüber von Victoria’s Secret und legte das Dokument, das uns als Polizisten im Einsatz auswies, gut ersichtlich aufs Armaturenbrett.

***

Dominique Andres stand von seinem Platz hinter dem Glasschreibtisch auf, kam auf uns zu und schüttelte uns mit einem kräftigen Druck die Hände. Er war ein sehr großer, gut gebauter Mann. Sein Designeranzug musste ein Vermögen gekostet haben, und er trug ihn mit einer Art eleganter Lässigkeit, ohne dass der Reichtum aufdringlich wirkte.

Er war so komplett anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Natürlich dachte ich bei seiner Größe sofort an unseren Mörder, doch als ich in seine braunen Augen sah, den traurigen Zug um seinen Mund registrierte, spürte ich sofort, dass er als unser Mörder kaum in Frage kam. Denn der Mann hatte geweint, und auch wenn er das zu überspielen versuchte, entging es keinem von uns.

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