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Jerry Cotton - Folge 2991

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Zahltag für Zeugen
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Zahltag für Zeugen

Wir waren mit einem SUV aus den Beständen unserer Fahrbereitschaft auf halbem Weg zwischen New York City und Albany. Der Auftrag, den Phil und ich bekommen hatten, war klar: Wir sollten den Mafia-Kronzeugen Gary Scarlatti an einen Ort bringen, wo er vor seinen ehemaligen Gangsterfreunden sicher war.

Für die ging es um alles oder nichts, und deswegen mussten wir damit rechnen, dass uns eine Meute von Auftragskillern auf den Fersen war.

Gary Scarlatti saß auf dem Rücksitz und wirkte nervös.

Er hatte allen Grund dazu. Wahrscheinlich gab es derzeit niemanden an der gesamten Ostküste, auf den ein höheres Kopfgeld ausgesetzt war …

Und unser Job war es, um jeden Preis zu verhindern, dass es sich jemand verdiente.

Neben Scarlatti hatte Agent Melody Adams auf der Rückbank Platz genommen. Agent Adams war eine Kollegin, die erst vor kurzem vom Field Office Seattle zu uns nach New York versetzt worden war.

Über die Freisprechanlage meldete sich unser Kollege Fred Nagara, der uns mit einem zweiten Fahrzeug folgte.

»Kein verdächtiges Fahrzeug in Sicht. Es folgt euch niemand.«

»Dann ist ja alles in Ordnung«, meinte Phil, der auf dem Beifahrersitz saß.

Wir trugen alle Kevlar-Westen unter den Jacken. Gary Scarlatti hatte zwar herumgeflucht, aber sich schließlich doch überzeugen lassen, so eine unbequeme Weste anzuziehen. Sein Jackett spannte jetzt natürlich. Er war ohnehin nicht besonders schlank, aber jetzt sah er aus, als hätte er fünfzehn Kilo zugenommen.

Bei Agent Adams hingegen fiel die Kevlar-Weste kaum auf, was einfach daran lag, dass sie sehr zierlich war.

»Ich kenne die Strecke. Ein paar Meilen noch, dann müsste eine Tankstelle kommen«, meinte Scarlatti.

»Der Tank ist noch fast voll«, sagte ich.

»Aber ich brauche eine Toilette.«

»Können Sie sich das nicht bis Albany verkneifen, Mister Scarlatti?«, fragte Phil.

»Hey, Mann, wo sind wir hier denn? Glauben Sie vielleicht, da wartet jemand darauf, dass wir zufällig vorbeikommen, um mich dann umzunieten?«, brach es aus Scarlatti hervor. Er war ziemlich gereizt, und dafür hatte ich durchaus Verständnis.

Er war schließlich in einer schwierigen Situation. Und auch wenn er selbst jemand war, der mit den schwersten Verbrechen in Verbindung gebracht wurde, würden seine Aussagen und sein Wissen dazu führen, dass einige der größten Haie der New Yorker Unterwelt für lange Jahre nach Rikers Island gehen würden – große Bosse des organisierten Verbrechens, an die wir sonst wohl niemals herangekommen wären.

»Wir versuchen jedes Sicherheitsrisiko zu vermeiden«, sagte ich. »Und dazu gehört natürlich auch jeder nicht unbedingt notwendige Stopp unterwegs.«

»Dieser Stopp ist aber nicht überflüssig«, sagte Scarlatti. »Verdammt, wenn man meine Leiche findet, dann lieber mit einer Kugel im Kopf als mit bepisster Hose!«

»Mister Scarlatti …«

»Das ist sowieso alles eine verdammte Scheiße … Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen!«

»Wenn ich Psychologin wäre, würde ich vielleicht auf die Idee kommen, es könnte irgendetwas zu bedeuten haben, dass bei Ihnen jeder zweite Satz etwas mit menschlichen Ausscheidungen zu tun hat«, meinte Agent Adams.

Scarlatti verdrehte die Augen. Er war schon die ganze Zeit über so. Und dabei war seine Familie bereits in Sicherheit. Die war nämlich getrennt von Gary Scarlatti weggebracht worden.

Eine Sicherheitsmaßnahme. Wir hatten inzwischen die Bestätigung, dass seine Angehörigen ihren geheimen Bestimmungsort sicher erreicht hatten und es ihnen gut ging. Und eigentlich hatten wir alle gehofft, dass Gary Scarlattis Stimmung sich von da an etwas aufhellen würde.

Ich wechselte einen kurzen Blick mit Phil.

Mein Partner nickte. Ein Zwischenstopp war unter Sicherheitsgesichtspunkten durchaus vertretbar. Phil stellte eine Verbindung zu den Kollegen im nachfolgenden Wagen her.

»Was gibt’s?«, fragte unser Kollege Fred Nagara.

»Wir machen einen unplanmäßigen Zwischenstopp an der nächsten Tankstelle in ein paar Meilen. Unsere Schutzperson muss auf die Toilette.«

»Ich kenne die Tankstelle«, sagte Fred. »Da gibt’s auch einen guten Drugstore und handgemachte Hamburger. Nur der Kaffee ist so dünn, dass man durchgucken kann.«

»Diesmal gibt’s weder Kaffee noch Hamburger, Fred«, sagte Phil. »Wir fahren gleich weiter, wenn Mister Scarlatti sein dringendes Geschäft erledigt hat.«

***

Wir erreichten die Tankstelle. Die Abfahrt vom Highway beschrieb eine starke Kurve und machte es notwendig, die Geschwindigkeit stark zu drosseln.

Das zweite Einsatzfahrzeug mit Agent Fred Nagara und unserer Kollegin Ruby O’Hara folgte uns in einigem Abstand.

Ich stellte den SUV auf einen der unmittelbar an das Hauptgebäude anschließenden Parkplätze. Fred steuerte das zweite Fahrzeug, einen Chevy, in einigem Abstand so, dass die Kollegen jederzeit unseren SUV und dessen komplettes Umfeld im Auge hatten.

Phil und ich stiegen aus, nicht ohne vorher Headsets anzulegen, über die wir mit den Kollegen in ständiger Verbindung bleiben würden.

Falls sich irgendwo etwas Verdächtiges tun würde, konnten uns die Kollegen sofort warnen.

Agent Adams stieg ebenfalls aus. Sie öffnete Scarlatti die Tür. Der Kronzeuge stieg aus und Phil und ich nahmen ihn in die Mitte.

»Sie bleiben beim Wagen«, sagte ich zu Agent Adams.

Wir gingen mit unserem Schützling zum Hauptgebäude, wo sich ein Schnellrestaurant und der Drugstore befanden.

Aus den Augenwinkeln heraus bekam ich noch mit, dass ein offenbar betrunkener Kerl auf den SUV zutorkelte. Er trug einen Parka. Die Kapuze war über den Kopf gezogen. Vom Gesicht war so gut wie nichts zu erkennen.

Agent Adams hatte das Problem aber offensichtlich erkannt und ging auf den Mann zu. Er schien zu einer Gruppe von Personen zu gehören, die aus einem Greyhound-Bus gestiegen waren.

Eine Gruppe von Rentnern kam uns entgegen und mir wurde die Sicht verdeckt.

Kurz nachdem wir in das Innere des Gebäudes getreten waren, fiel mir ein Mittdreißiger mit schütteren roten Haaren und ziemlich großen, etwas blutunterlaufenen Augen auf. Er starrte Scarlatti sehr intensiv an.

In solchen Situationen neigt man dazu, einzelnen Beobachtungen entweder eine zu große oder eine zu geringe Bedeutung beizumessen. Letztlich muss man sich immer auf den Instinkt verlassen, den man dafür nach ein paar Dienstjahren entwickelt, und darauf hoffen, dass dieser Instinkt einen nicht trügt.

Letzteres kommt bei einem guten G-man nicht oft vor. Wenn doch, kann es Menschenleben kosten.

In diesem Fall sagte mir mein Instinkt, dass ich eingreifen musste. Und zwar gerade noch rechtzeitig.

Der Rothaarige drängte plötzlich auf Scarlatti zu und wäre ihm wenige Augenblicke später gefährlich nahe gekommen. Ich stellte mich dazwischen und drängte ihn ab.

Der Rothaarige sah mich an, als wollte er mich mit seinem Blick töten.

»Hey, was soll das?«, rief er. »Blöder Wi …«

Er verstummte, als er den Lauf meiner Dienstwaffe und die ID-Card des FBI sah.

»Treten Sie einen Schritt zurück!«, sagte ich.

»Kommst du allein, klar, Jerry?«, fragte Phil.

»Kein Problem.«

Ich durchsuchte den Mann nach Waffen. Er hatte keine bei sich. Nur Smartphone und Brieftasche. Und einen Führerschein, ausgestellt auf den Namen John Smith.

»Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt Leute, die heißen wirklich so«, sagte er.

Er roch nach Marihuana. Und die schleppende Art und Weise, in der er redete, war wohl auch ein Zeichen dafür, dass er häufiger mal Substanzen nahm, mit denen man sich besser nicht im Straßenverkehr erwischen ließ.

Substanzen, die vielleicht aber auch dazu führten, dass man sich unkontrolliert bewegte und Leute anrempelte. Es schien so, als hätte ich überreagiert.

»Das ist doch ein freies Land, oder?«, geiferte er jetzt. »Was Sie machen, ist Polizeigewalt!«

Ich gab ihm seine Sachen zurück. »Wo fahren Sie jetzt hin, Mister Smith? »

»Nach Albany. Wohin denn auch sonst?«

»Was machen Sie in Albany?«

»Freunde besuchen.«

»Gute Fahrt, Mister Smith.«

»Hey, Mann, das ist alles? Erst einen mit der Waffe bedrohen und dann einfach nur gute Fahrt sagen?«

»Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Ich habe Sie offenbar verwechselt.«

»Na, wenigstens versuchen Sie mir jetzt nichts anzuhängen. Aber wahrscheinlich auch nur deshalb, weil hier so viele Zeugen sind.«

Mein Vorgehen gegen den rothaarigen John Smith hatte tatsächlich einiges an Aufmerksamkeit erregt.

Smith packte seine Sachen wieder in die Taschen seiner Jacke und suchte das Weite. An der Tür drehte er sich noch mal um. Den Blick, der mich jetzt traf, sollte ich lange nicht vergessen.

»Fred? Ruby?«, murmelte ich in das Mikro meines Headsets hinein. »Da ist gerade ein rothaariger Mann, Mitte dreißig, in Jeans und Lederjacke ins Freie gegangen. Haltet den mal etwas im Auge und seht, wo der hingeht.«

»Machen wir«, bestätigte Agent Fred Nagara.

***

Wenig später verließen Phil und ich das Gebäude wieder.

Mir fiel der Rothaarige auf. Er tauchte hinter einem Ford auf und hielt eine Kamera in der Hand, die mit einem Teleobjektiv ausgestattet war. Er hatte uns im Visier.

Ein Reporter vielleicht, der ein paar Schnappschüsse von dem untergetauchten Boss machen wollte. Oder er arbeitete für jemanden, der ganz andere Absichten hatte, als ein paar Fotos an den meistbietenden zu verkaufen.

Mein Instinkt hatte mich also nicht getrogen. Mit dem Kerl stimmte was nicht. Die Kamera musste er aus dem Wagen geholt haben. Bei der Durchsuchung hatte er nichts dergleichen bei sich gehabt.

»Ihr solltet den Rothaarigen doch im Auge behalten!«, sagte ich über Headset an die Kollegen gerichtet.

»Der ist gerade erst wieder aufgetaucht«, meldete sich Fred Nagara. »Ich dachte, der wäre längst weg!«

»Ist er aber nicht. Phil und ich nehmen ihn uns noch mal vor. Agent Adams …«

»Ja?«, meldete sich ihre helle Stimme in meinem Ohrhörer.

»Kommen Sie uns entgegen und nehmen Sie Scarlatti in Empfang!«

»Okay.«

Agent Adams kam uns entgegen.

»Scheiße, ich dachte, es wüsste niemand, wo unsere Reise hingeht«, maulte Scarlatti. Und ich konnte seinen Ärger sogar verstehen. Schließlich ging es ja um seinen Kopf. Und jeder, der wusste, wo er sich befand, stellte ein potenzielles Risiko dar.

Wie es dazu kommen konnte, dass der rothaarige Mann mit dem überaus seltenen Namen John Smith es offenbar geschafft hatte, Scarlatti an den Fersen zu kleben, war mir schleierhaft. Eigentlich hatten wir sämtliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die man bei so einer Operation beachten muss.

Der kritische Punkt war dabei meistens die zu schützende Person selbst oder die Angehörigen. Vielleicht hatte Scarlatti irgendjemandem gegenüber, dem er vertrauen zu können glaubte, zu viel offenbart.

Aber das würden wir noch herausbekommen.

Agent Adams ging mit dem Kronzeugen zum Wagen. Sie stiegen ein. Phil und ich näherten uns unterdessen Smith.

Der hielt seine Kamera völlig ungeniert in Scarlattis Richtung.

Und dann brach plötzlich die Hölle los.

Eine ohrenbetäubende Explosion ließ mich für einen Augenblick denken, ich wäre taub. Ich drehte mich halb herum. Aus den Augenwinkeln heraus sah ich, wie sich der SUV in eine Feuerhölle verwandelte. Ich wurde zu Boden gerissen.

Ich spürte unter mir den harten, kalten Asphalt, während eine Hitzewelle über mich hinwegfegte. Trümmerteile flogen durch die Luft. Ich schützte das Gesicht mit den Armen.

In diesem Moment konnte ich nichts tun, außer dafür beten, dass keines der emporgeschleuderten Trümmerteile sich ausgerechnet die zwei Quadratmeter Asphalt zur Landung aussuchte, auf denen ich lag.

Dann hörte ich Stimmen. Schreie. Manche vor Schmerz, andere vor purem Entsetzen. Ein Wagen fuhr mit quietschenden Reifen davon. Ich rappelte mich auf und sah nach Phil. Aber der war okay.

Ich hatte offenbar ebenfalls nichts abbekommen.

Von dem SUV allerdings war nur ein rauchendes, von lodernden Flammen verzehrtes Wrack übrig geblieben.

Zwei Männer, die ihren Overalls nach zum Personal der Tankstelle gehörten, versuchten mit Feuerlöschern die Flammen zu ersticken. Das war natürlich vollkommen aussichtslos.

»Scarlatti«, murmelte ich.

Von dem Kronzeugen, der sich in unserer Obhut befunden hatte, würde man nichts mehr finden, außer ein paar verkohlten Knochen. Und dasselbe galt für unsere Kollegin Agent Melody Adams.

Ich schluckte.

Für einige Augenblicke war ich wie gelähmt. Ich konnte noch immer nicht wirklich fassen, was da gerade passiert war. Fred Nagara und Ruby O’Hara waren kurze Zeit später bei uns. Ruby telefonierte bereits mit unserem Field Office.

Ich drehte mich um. Von dem rothaarigen Mann namens John Smith war nichts mehr zu sehen.

***

Einsatzfahrzeuge der State Police und der Highway Patrol trafen ein. Und außerdem natürlich Fahrzeuge des Fire Service. Aus New York würde die SRD anrücken, aber das konnte noch eine ganze Weile dauern, bis die hier eintraf. Ich fühlte mich so leer und elend, dass ich kaum Worte dafür hätte finden können.

Nicht, dass mir Gary Scarlatti in irgendeiner Weise sympathisch gewesen wäre. Ganz im Gegenteil: Er war ein Bastard, wenn auch einer, der uns half, andere Bastarde hinter Gitter zu bringen.

Aber unsere Kollegin war vor unseren Augen mit ihm getötet worden …

Ich zermarterte mir noch immer das Hirn darüber, wie es dazu hatte kommen können. Schließlich war die ganze Operation, die mit Scarlattis sicherer Unterbringung in Zusammenhang stand, unter allerhöchster Geheimhaltung vonstatten gegangen. Wie hatte es trotzdem jemand schaffen können, dafür zu sorgen, dass unser Kronzeuge von einer Explosion zerrissen wurde?

»Wir müssen diesen Rothaarigen kriegen«, sagte ich.

»Jerry, du redest Unsinn.«

»Nein. Denn dieser John Smith hatte mit Sicherheit mit alldem hier zu tun!« Während ich das sagte, machte ich eine ausholende Geste. »Der war nicht zufällig hier! Der hatte es auf Scarlatti abgesehen!«

»Aber nur mit der Kamera, Jerry!«

»Und wie kommt es, dass er uns hier quasi erwartet hat? Wenn er uns gefolgt wäre, hätten Fred und Ruby das bemerkt.«

»Vielleicht war er einfach nur geschickt und unauffällig. Oder er hat Scarlatti wiedererkannt, hatte vorher davon gehört, dass der große Boss abgetaucht ist, und sich gedacht, dass die Fotos ein paar Dollar wert sein könnten.«

»Phil!«

»Du hast ihn selbst durchsucht, seinen Führerschein gesehen und festgestellt, dass er unbewaffnet war. Er hatte noch nicht einmal eine Kamera dabei. Also, wenn er auf uns gewartet hätte, dann hätte er die doch wohl auch bei sich gehabt.«

»Auf die kurze Distanz hätte sein Handy vollkommen ausgereicht, um gute Bilder zu machen. Ich hätte überprüfen sollen, ob etwas drauf ist!«

»Er hatte es doch in seiner Tasche! Außer uns unverschämt anzuglotzen, hat der Kerl nichts verbrochen!«

Genau das war das Problem gewesen. Mein Verhalten John Smith gegenüber war ohnehin schon an der Grenze dessen gewesen, was rechtlich zulässig war. Insofern gab es eigentlich auch nichts, was ich mir da vorwerfen konnte.

»Überprüfen werde ich ihn auf jeden Fall«, meinte ich.

Ich nahm mein Smartphone ans Ohr und telefonierte mit dem Kollegen Walter Stone aus der Fahndungsabteilung des FBI Field Office New York.

»Weißt du, wie viele Personen mit dem Namen John Smith es allein in New York State gibt?«, fragte Walt.

»Ich habe nicht gesagt, dass es leicht ist. Er hatte einen Führerschein, ausgestellt in New York. Und das Kennzeichen seines Wagens habe ich mir gemerkt.«

»Dann müssten wir ihn ja kriegen.«

»Und rote Haare sind ja auch nicht so häufig.«

Als ich das Gespräch beendete, fiel mir auf, dass ich eine SMS bekommen hatte. Der Absender nannte sich einfach nur ›Unknown‹ – unbekannt.

Ich öffnete die Kurznachricht.

Ihr könnt niemanden schützen, stand dort.

***

»Woher hast du das?«, fragte Harry Lamione. Sein Bauch wölbte sich unter dem Gefängnisoverall hervor. Seine Gesichtsfarbe wurde dunkelrot und die Ader an seinem Hals schwoll auf eine ungesund wirkende Art und Weise an.

»Aus sicherer Quelle«, sagte sein Gegenüber leise, ein Mann im dunklen Dreiteiler, der Uniform New Yorker Anwälte. »Es kam im Radio. An einer Tankstelle am Highway zwischen New York City und Albany hat es eine Explosion gegeben. Und in dem Wagen, der da in die Luft geflogen ist, saß unser Freund Gary Scarlatti. Angeblich soll auch eine FBI-Agentin ums Leben gekommen sein, aber das ist noch nicht bestätigt.«

»Dieser verfluchte Verräter«, knurrte Lamione. »Wäre dieser Hund nicht gewesen, wäre ich nie in Schwierigkeiten gekommen. Es wäre geheuchelt, wenn ich jetzt sagen würde, dass mir Garys Tod besonders leid tut.«

»Kann ich gut verstehen.«

»Nicht, dass ich jetzt gefühllos erscheine …«

»Harry …«

»Sorgst du dafür, dass Garys Familie mein Beileid in angemessener Form übermittelt wird?«

»Garys Familie ist im Moment schwer erreichbar, um es mal vorsichtig auszudrücken.«

Harry Lamione nickte langsam. »Ja, ich verstehe. Gary ist immer schon ein cleveres Kerlchen gewesen. Hat wohl seine Lieben frühzeitig in Sicherheit bringen lassen.«

»Das dürfte Teil des Deals gewesen sein, den er eingegangen ist.«

»Ein Deal, mit dem er uns alle hineingeritten hat! Dieser verfluchte Hund!

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