Logo weiterlesen.de
Jerry Cotton - Folge 2990

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Rache ist ein hartes Brot
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Rache ist ein hartes Brot

Juri Semjow stieg aus der Stretch-Limousine und starrte plötzlich in eine Pistolenmündung.

Der russische Oligarch verlor nicht die Nerven. Er blieb wie erstarrt stehen. Aus dem Augenwinkel bemerkte Semjow eine schnelle Bewegung. Ein dumpfes Schlaggeräusch ertönte. Neben ihm ging sein Leibwächter Sergej Patkin zu Boden. Der zweite Bodyguard war noch im Wagen.

Semjow wurde von dem Mann am Revers seines Maßanzugs gepackt. Eine Frau kreischte erschrocken. Auf dem breiten Bürgersteig der Fifth Avenue waren viele Passanten unterwegs.

Doch der Angreifer hatte mehrere Helfer. Gemeinsam zerrten sie den reichen Geschäftsmann zum Bordstein und warfen ihn in einen Van, der nun hinter der Limousine hielt.

Mit radierenden Reifen schoss der Lieferwagen vorwärts. Die Entführung des Oligarchen hatte keine drei Minuten gedauert.

Phil und ich saßen in unserem Büro im 23. Stockwerk des Federal Building. Wir checkten widersprüchliche Zeugenaussagen in einem Chinatown-Schutzgeldfall. Da klingelte mein Telefon. Ich griff zum Hörer.

»Agent Cotton hier.«

»Könnten Sie und Phil bitte sofort zu mir kommen, Jerry?«

»Selbstverständlich, Sir.«

Ich beendete das Telefonat und stand auf. Mein Freund warf mir einen fragenden Blick zu.

»Der Chef will uns sehen?«

Ich nickte. »Hoffentlich hat Mister High etwas Spannenderes für uns als diese Zeugen, die plötzlich alle unter Gedächtnisverlust leiden«, seufzte Phil. Dieser Schutzgeld-Fall war sehr zermürbend, weil die Zeugen ständig ihre Aussagen widerriefen und sich gegenseitig beschuldigten. Aber ich war natürlich auch gespannt, was der Assistant Director nun für uns hatte.

Helen begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln, als Phil und ich wenig später das Vorzimmer des Chefs betraten.

»Der Kaffee ist schon fertig. Ihr könnt gleich zu Mister High durchgehen.«

»Du bist die Beste, Helen«, sagte mein Freund augenzwinkernd. Der Leiter des FBI District New York erwartete uns bereits am Besprechungstisch. Nachdem Helen uns alle mit Kaffee versorgt hatte, kam der Chef sofort zur Sache.

»Sagt Ihnen der Name Juri Semjow etwas, Jerry und Phil?«

»Allerdings, Sir«, gab ich zurück. »Semjow ist einer der mächtigsten und reichsten Männer Russlands, ein echter Oligarch. Dieser Mann gilt als ein Duzfreund des russischen Präsidenten. Er hat sein Geld als Bauunternehmer gemacht. Semjow ließ Fußballstadien in Südamerika und Wolkenkratzer in Ostasien errichten. Die Presse verpasste ihm deshalb den Spitznamen Betonmann

»Und Semjows Ehefrau Olga soll eine außerordentliche Schönheit sein«, ergänzte Phil. »Sie war vor ihrer Heirat Tänzerin beim weltbekannten Bolschoi-Ballett in Moskau, wenn man unseren Klatschreportern glauben darf.«

»In den Nachrichten war zu hören, dass sich Semjow momentan auf Geschäftsreise in den Staaten aufhält«, sagte ich. »Tatsächlich wurde der Betonmann in Washington mit großen Ehren empfangen. Ich fühlte mich fast an einen Staatsbesuch erinnert.«

John D. High nickte. Seine Miene war düster.

»Der Vergleich mit einem Staatsbesuch ist nicht verkehrt, Jerry. Man kann Semjows Einfluss auf die russische Regierung gar nicht hoch genug einschätzen. Umso dramatischer ist es, dass Semjow vor knapp einer Stunde mitten auf der Fifth Avenue gekidnappt wurde.«

Obwohl der Chef leise und ruhig gesprochen hatte, wirkten seine Worte wie Hammerschläge auf uns. Mir war sofort klar, dass eine solche Entführung üble Auswirkungen haben konnte. Phil ging es genauso, wie mir ein Blick auf sein besorgtes Gesicht zeigte.

»Wieso hielt sich Semjow denn überhaupt in unserer Stadt auf, Sir? In der Presse war nur von einem Besuch in Washington die Rede.«

»Das stimmt im Prinzip auch, Jerry. Semjow ist mit seiner Frau Olga und seinem Sohn Dimitri für einen Tagesausflug von der Hauptstadt aus nach New York geflogen. Nach ersten Erkenntnissen wollten sie hier nur ganz privat shoppen und auf Sightseeing-Tour gehen, abends aber wieder nach Washington zurückkehren.«

»Wenn Semjow so eine wichtige Persönlichkeit ist, warum hat man ihn dann nicht besser bewacht?«, wollte Phil wissen. »Der Schutz ausländischer Diplomaten und Staatsgäste fällt doch in die FBI-Zuständigkeit. Da hätte man doch uns auch mit Semjows Abschirmung beauftragen können.«

»Das war vom Hauptquartier in Washington auch beabsichtigt, Phil. Aber Semjow wollte keine FBI-Agents in seiner Nähe haben. Semjow versteht es, seinen Willen durchzusetzen. Außerdem ist er eben kein Mitglied einer Regierungsdelegation. Er hatte zwei eigene Leibwächter aus Russland mitgebracht und war wohl der Meinung, dass diese Männer zu seinem Schutz ausreichen würden.«

»Da hat sich der Oligarch getäuscht«, knurrte ich. »Und wir sollen Semjow jetzt wiederfinden?«

Der Chef nickte.

»Ja, Jerry. Die Kollegen vom NYPD haben eine Sofortfahndung ausgelöst, die bisher aber zu keinem Ergebnis geführt hat. Sämtliche Highways, Airports, Fähren und Häfen in New York und New Jersey werden verstärkt überwacht. Ich muss wohl nicht betonen, dass die Politik uns mächtig unter Druck setzt. Auch die Medien stürzen sich natürlich auf dieses Thema. Man wird uns wieder einmal Unfähigkeit vorwerfen. Aber ich weiß, dass Sie Ihre Arbeit erstklassig erledigen werden. Geben Sie mir nur Bescheid, falls Sie weitere Unterstützung brauchen.«

Das Gespräch war beendet. Phil und ich wollten zunächst zum Tatort fahren, um uns ein Bild von den Umständen des Kidnappings zu machen.

***

Wir holten meinen roten Jaguar-E-Hybriden aus der Tiefgarage und machten uns auf den Weg. Ich hatte den Chef gar nicht gefragt, wo genau die Entführung stattgefunden hatte. Die Fifth Avenue ist schließlich lang. Aber wir erblickten schon aus der Entfernung die rotierenden roten Lichter auf den Dächern zahlreicher Streifenwagen, die den Abschnitt sicherten.

Hinter der Polizeiabsperrung hatten sich auch schon einige Übertragungswagen von TV-Stationen postiert. Natürlich war ein solches Verbrechen ein gefundenes Fressen für die Medien. Und dass Semjow auch noch mit einer attraktiven Frau verheiratet war, würde die Einschaltquoten zusätzlich in die Höhe treiben.

Ich parkte neben einem Streifenwagen des NYPD. Phil und ich hatten unsere FBI-Marken bereits an den Revers befestigt. Wir drängten uns zwischen den Schaulustigen und den Paparazzi hindurch. Die Reporter wurden unruhig, als einige von ihnen uns erkannten.

»Hey, da sind Cotton und Decker vom FBI!«, rief einer. Im Handumdrehen wurde es noch schwieriger, bis zum gelben Trassierband vorzudringen, das die Cops gespannt hatten. Sämtliche Journalisten versperrten uns nun den Weg, Mikrofone wurden wie Waffen auf uns gerichtet. Es war fast kein Durchkommen mehr.

Schließlich gelang es Phil und mir doch, bis zur Absperrung durchzukommen. Ein baumlanger schwarzer Cop hob das Trassierband für uns. Gemeinsam mit seinen Kollegen drängte er die Presseleute zurück.

Wir wurden von Detective Eva Lombardi und Detective Sergeant Sean O’Brien begrüßt. Eva war eine zierliche italienischstämmige Brünette, ihr rothaariger athletischer Dienstpartner hatte eindeutig familiäre Wurzeln in Irland.

»Wir dachten uns schon, dass das FBI den Fall übernehmen würde«, sagte Eva Lombardi, nachdem die Kollegen uns zu der Stretch-Limousine geführt hatten. »Aber die erste Alarmmeldung lautete nur ›Schusswaffengebrauch auf der Fifth Avenue‹. Erst nach und nach wurde den uniformierten Kollegen klar, was sich hier abgespielt hat.«

Ich nickte und schaute durch die offenstehende Tür in den luxuriösen Innenraum des repräsentativen Gefährts.

»Geben Sie uns bitte die Kurzfassung.«

»Gern, Agent Cotton.« Eva Lombardi schlug ihr Notizbuch auf. »Zwischen 11.15 und 11.21 Uhr gingen mehrere Notrufe in der Alarmzentrale ein. Unterschiedliche Personen gaben an, dass hier geschossen worden sei. Außerdem war von einer Entführung die Rede.«

»Gab es Tote oder Verletzte?«, hakte ich nach.

»Keinen Toten und nur einen Verletzten. Offenbar hatte einer der Kidnapper nur einen Warnschuss abgegeben, als ein kanadischer Tourist den Helden spielen wollte. Daraufhin hat sich der Kanadier zu Boden geworfen, so wie die meisten anderen Passanten, die sich in der Nähe befanden. Es war das Beste, was sie tun konnten.«

»Wie muss ich mir den Tathergang vorstellen?«

Diesmal beantwortete O’Brien meine Frage.

»Dieser russische Millionär Semjow hatte offenbar für sich und seine Familie eine Stretch-Limousine gemietet. Damit fuhren sie vom JFK direkt zur Fifth Avenue. In dem Fahrzeug befanden sich neben Semjow noch seine Frau und sein Sohn sowie die beiden Bodyguards Sergej Patkin und Victor Karan. Die Limousine hielt an der Bordsteinkante vor dem Juweliergeschäft. Dort stieg Semjow aus, gefolgt von Sergej Patkin. In diesem Moment schlugen die Entführer zu.«

»Es waren also mehrere Täter?«, vergewisserte ich mich.

»Ja, Agent Cotton. Laut den Zeugenaussagen waren vier Männer an der Entführung beteiligt. Einer von ihnen bedrohte Semjow mit einer Pistole. Sein Komplize schlug währenddessen den Leibwächter Patkin nieder.«

»Patkin ist die verletzte Person? Und was tat der zweite Bodyguard?«

»Nichts«, erwiderte der Detective Sergeant trocken. »Offenbar blieb der Mann namens Victor Karan in der Limousine, obwohl die hintere Tür die ganze Zeit offenstand. Jedenfalls schoss der zweite Täter in die Luft, als der kanadische Tourist eingreifen wollte. Gleich darauf stießen noch zwei weitere Komplizen dazu. Mit vereinten Kräften schafften sie Semjow in einen Van, der in der Zwischenzeit hinter der Stretch-Limousine gehalten hatte.«

»Wir können also noch von einem fünften Täter ausgehen, nämlich dem Fahrer«, meldete sich Phil zu Wort. »Gibt es schon genauere Personenbeschreibungen der Täter?«

Eva Lombardi schüttelte den Kopf.

»Wir haben Zeugenaussagen, aber besonders hilfreich sind sie nicht. Angeblich handelt es sich bei allen vier Kidnappern um weiße männliche Personen. Die Kerle waren von normaler Statur, also weder besonders groß oder klein, dick oder dünn. Sie trugen schwarze oder graue Kapuzenpullover sowie Jeans. Die Männer hatten die Kapuzen über die Köpfe gezogen, deshalb haben wir auch keine Angaben zu Haarfarben.«

»Und keiner der Zeugen ist ein ausgesprochener Waffenkenner«, meinte Sean O’Brien. »Deshalb wissen wir noch nicht einmal, ob Pistolen oder Revolver für die Tatausführung verwendet wurden, von den Herstellermarken ganz zu schweigen. Und da nur ein Schuss in die Luft abgegeben wurde, werden wir wohl das Projektil niemals finden.«

»Das sind wirklich dürftige Angaben«, sagte ich. »Aber eines steht für mich jetzt schon fest.«

Eva Lombardi, Sean O’Brien und Phil schauten mich fragend an.

»Die Kidnapper müssen ganz genau gewusst haben, wann und wo Semjow seine Shopping-Tour beginnen wollte. Sie werden nicht zufällig genau hier auf ihn gewartet haben.«

Wenigstens zu dem Fluchtfahrzeug gab es genauere Informationen. Es sollte sich um einen dunkelblauen Mitsubishi Van mit New Yorker Kennzeichen handeln. Natürlich hatten die NYPD-Kollegen dieses Auto schon zur Großfahndung ausschreiben lassen. Jede Streifenwagenbesatzung würde die Augen nach dem verdächtigen Van aufhalten.

»Wir wollen mit den Angehörigen und den Bodyguards sprechen«, sagte Phil zu den Zivil-Cops. Eva Lombardi nickte.

»Natürlich, Agent Decker. Die Frau und der Sohn des Entführten werden sich im Maxwell Hotel einquartieren, bis es Neuigkeiten von Juri Semjow gibt. Sie hatten ja ursprünglich vor, heute noch nach Washington zurückzukehren. Aber sie wollen jetzt hier vor Ort bleiben.«

»Das ist verständlich«, sagte ich. »Aber warum steigen sie ausgerechnet im Maxwell ab und nicht im Ritz-Carlton, im Sheraton oder einem der anderen Luxushotels?«

Diese Frage konnten Eva Lombardi und Sean O’Brien nicht beantworten. Auf jeden Fall hatte der unverletzt gebliebene Leibwächter Victor Karan die Angehörigen begleitet. Sein Kollege Sergej Patkin wurde hingegen im Bellevue Hospital behandelt. Ihn würden wir uns später vornehmen.

Zunächst bedankten wir uns bei den beiden NYPD-Ermittlern. Sie hatten in der kurzen Zeit viel herausgefunden. Trotzdem war der Fall noch völlig rätselhaft.

Phil und ich kämpften uns durch die Menschentrauben zu meinem roten Flitzer zurück. Ich setzte den Blinker und fädelte mein Auto in den nordwärts fließenden Verkehr ein, denn das Maxwell Hotel befindet sich auf der Upper West Side.

»Das war Profi-Arbeit, Jerry. Für mich klingt es so, als ob ein eingespieltes Team am Werk war. Die Entführer haben effizient gehandelt und unnötiges Blutvergießen vermieden. Ich schätze, das organisierte Verbrechen hat die Tat eingefädelt.«

»Oder ein Geheimdienst. Vergiss nicht, dass Semjow in seiner Heimat enge Verbindungen zur Politik hat. Es ist auch möglich, dass ein Konkurrenzunternehmen hinter der Entführung steckt. Soweit ich weiß, ist Semjow in gewissen Kreisen Russlands verhasst.«

»Okay, aber mit einem Mordanschlag haben wir es nicht zu tun. Wer immer Semjow in die Hände bekommen wollte, brauchte ihn lebend. Außerdem ist der Betonmann steinreich. Früher oder später können wir gewiss mit einer Lösegeldforderung rechnen.«

»Team-Arbeit ist ein gutes Stichwort. Wir sollten im Field Office checken, ob in den letzten Monaten noch andere Kidnappings nach demselben Muster begangen wurden. Es könnte eine Bande sein, die US-weit operiert und fest aufeinander eingespielt ist.«

***

Wenig später hatten wir das Maxwell erreicht. Das Hotel war ein mittelgroßes unauffälliges Gebäude, das fast einen ganzen Häuserblock einnahm. Wir zeigten an der Rezeption unsere FBI-Ausweise. Dort lungerten bereits einige Paparazzi herum, die allerdings von der hauseigenen Security in Schach gehalten wurden.

Wahrscheinlich hatte sich ein Page ein Extra-Taschengeld verdient, indem er den Medien den Aufenthaltsort der Semjows verraten hatte. Der Fall hatte innerhalb kürzester Zeit viel Staub aufgewirbelt. Semjows Entführung war eine Sensation, sogar für eine so aufregende Stadt wie New York City.

»Mistress Semjow hat zwei Suiten gemietet, für sich selbst und für ihren Sohn«, teilte mir der Rezeptionschef mit. »Darf ich Sie anmelden?«

Ich nickte. Phil und ich fuhren mit dem Lift in das zweite Stockwerk hoch. Dort stand ein Anzugträger mit militärischem Haarschnitt vor einer Eichenholztür.

»Verschwindet, Presseschnüffler«, sagte er mit starkem russischem Akzent. Phil schüttelte den Kopf. Wir präsentierten abermals unsere Ausweise. Der Bodyguard zeigte kein nennenswertes Mienenspiel. Seine Gesichtszüge waren undurchdringlich.

»Sie sind Victor Karan?«, vergewisserte ich mich.

»Ja, der bin ich.«

»Zu Ihnen kommen wir später. Jetzt müssen wir mit Olga und Dimitri Semjow sprechen.«

Der Leibwächter nickte unwirsch und ließ uns herein. Er machte einen abweisenden und aggressiven Eindruck. Vielleicht schämte er sich auch nur, weil er bei der Entführung so kläglich versagt hatte. Es wäre sein Job gewesen, eine solche Tat zu verhindern. An seiner Stelle hätte ich mich als Versager gefühlt.

Olga Semjow saß auf einem Sofa im Salon der Suite, die langen Beine übereinandergeschlagen. Sie trug ein enges modisches Seidenkleid, das ihre schlanke Figur betonte. Meiner Einschätzung nach war sie mindestens zwanzig Jahre jünger als ihr Ehemann. Man konnte sich gut vorstellen, dass sie einmal eine erfolgreiche Balletttänzerin gewesen war.

Ihr Sohn Dimitri war ein semmelblonder Bursche von Mitte zwanzig. Er trug einen protzigen Siegelring. Dimitri beachtete uns gar nicht, sondern lief nervös hin und her, wobei er in rasendem Tempo ständig etwas in sein Smartphone tippte.

Ich stellte Phil und mich noch einmal vor. Olga Semjow blickte auf und tupfte mit einem Taschentuch die Gesichtshaut unter ihren sorgfältig geschminkten Augen ab. Aber es sah für mich nicht so aus, als ob sie geweint hätte. Wem wollte sie mit dieser Show etwas beweisen?

»Ist das nicht schrecklich, Agents?«, fragte die Ehefrau des Entführungsopfers, nachdem sie uns Platz angeboten hatte. Ihr Englisch war fließend. »Ich habe immer schon gehört, dass New York City eine sehr gefährliche Stadt ist. Aber mit so einer Untat hätten wir niemals gerechnet. Wer kann meinen armen Mann nur entführt haben?«

»Wir ermitteln in alle Richtungen«, sagte ich. »Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass es sich um eine Zufallstat handelt. Juri Semjow wurde gezielt entführt, Mistress Semjow. Hat er irgendwelche Feinde?«

Noch bevor die elegante Lady antworten konnte, mischte ihr Sohn sich ein. Er ließ sich in einen Sessel fallen und begann wild zu gestikulieren.

»Feinde, Agent Cotton? Soll das ein Witz sein? Mein Vater ist ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann mit Verbindungen in die höchsten politischen Kreise unserer Heimat. Selbstverständlich hat Juri Semjow Feinde, und das nicht zu knapp. Mir fallen auf Anhieb mindestens ein Dutzend einflussreicher Männer ein.«

Dimitri Semjow nannte uns zahlreiche russische Namen, die ich mir alle notierte. Offenbar waren es andere Oligarchen, die mit Semjow daheim konkurrierten. Ob einer dieser Männer gute Verbindungen in die Staaten hatte, würden wir checken müssen.

Ich vergegenwärtigte mir, dass die Entführer bei dem Kidnapping kein Wort gesprochen hatten. Es gab keinen Beweis dafür, dass die Verbrecher Amerikaner waren. Es konnten also ebenso gut auch Russen sein.

Ich wandte mich wieder an Olga Semjow und schaute sie prüfend an.

»Ihr Sohn hat uns gerade zahlreiche Verdächtige genannt. Wie steht es mit Ihnen, Mistress Semjow? Wer könnte Ihrer Meinung nach hinter diesem Verbrechen stecken?«

»Ich weiß es wirklich nicht, Agent Cotton. Ich würde Ihnen gerne helfen, aber mir fällt keine Person ein. Ich habe mich aus den Geschäften meines Mannes immer herausgehalten.«

»Wessen Idee war eigentlich dieser Shopping-Trip nach New York?«, warf Phil ein.

»D

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Jerry Cotton - Folge 2990" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen