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Jerry Cotton - Folge 2984

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Spanner und die Hure
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Der Spanner und die Hure

»Du bist der letzte Dreck!«

Der Mann schickte diesen Satz als SMS los und legte sein Handy auf den Tisch. Dann goss er sich Whisky ins Glas. Geld, schöne Frauen, Macht und Einfluss, das alles hatte er im Übermaß.

Er bemerkte nicht, dass hinter seinem Rücken die Tür geöffnet wurde. Doch dann hörte er ein Geräusch. Er war nicht mehr allein im Raum. Ärgerlich drehte er sich um.

»Verschwinde, du …«

Der Mann konnte den Satz nicht mehr beenden, denn ein Revolver schnitt ihm das Wort ab. Die Waffe wurde dreimal hintereinander abgefeuert. Der Mann kippte um, als ob ihn ein Blitz getroffen hätte. Auf seiner Brust breitete sich im Handumdrehen eine große Blutlache aus.

Die Nachricht von Harold Frasers Ermordung kam für mich völlig überraschend.

Ich war morgens gerade in meinen roten Jaguar-E-Hybriden gestiegen, als mich die Zentrale anfunkte. Ich griff zum Mikrofon, bevor ich den 510-PS-Motor startete.

»Agent Cotton hier.«

Ich vernahm die Stimme unserer Telefonistin Myrna.

»Jerry, du und Phil sollt sofort nach Queens fahren, zum Sunrise Motel in der Northern Avenue. Dort wurde die Leiche von Harold Fraser gefunden.«

»Aber wie ist das möglich, Myrna? Fraser sollte doch von Joe Brandenburg und Les Bedell observiert werden. Konnte er die Kollegen abhängen?«

»Mehr Informationen habe ich auch nicht, Jerry. Aber das NYPD erwartet euch vor Ort. Nachdem die Identität des Toten geklärt wurde, wird der Fall von den Cops an uns übergeben.«

Ich bedankte mich und beendete den Funkkontakt. Dann fuhr ich los, um Phil an der üblichen Ecke abzuholen. Mein Partner und ich gehörten zu dem FBI-Team, das gegen den Banker Harold Fraser ermittelte. Er war Mitglied im Aufsichtsrat der East Manhattan Bank und stand in dringendem Verdacht, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben.

Mr High hatte angeordnet, dass Joe und Les den Verdächtigen nicht aus den Augen lassen sollten. Beweisen konnten wir ihm nämlich leider bisher nichts. Er war clever und verstand es meisterhaft, seine Einkünfte zu verschleiern. Dabei spielten illegale Konten und Briefkastenfirmen eine große Rolle. Und nun sollte Fraser ermordet worden sein. Ob es einen Zusammenhang mit der Steuerhinterziehung gab? Das würden wir ermitteln müssen.

Wenig später lenkte ich mein Auto an die Bordsteinkante, um Phil einsteigen zu lassen. Mein Freund ließ sich grüßend auf den Beifahrersitz fallen.

»Wir fahren heute gleich nach Queens, dort hat es einen Mord gegeben«, sagte ich und teilte Phil mit, was ich soeben von Myrna erfahren hatte.

»Harold Fraser soll tot sein, Jerry? Aber Joe Brandenburg und Les Bedell waren doch heute für die Nachtschicht eingeteilt, um ihn nicht aus den Augen zu lassen. Die Kollegen sind erfahren und kennen alle schmutzigen Tricks der Kriminellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie geschlampt haben.«

»Ich auch nicht. Deshalb will ich mir unbedingt sofort die Leiche ansehen und erfahren, was die NYPD-Detectives schon herausgefunden haben.«

»Ja, aber ich nehme jetzt trotzdem sofort mit Les Kontakt auf. Vielleicht wissen er und Joe noch gar nicht, dass ihnen Fraser durch die Lappen gegangen ist.«

Das konnte ich mir zwar nicht vorstellen, aber wir mussten uns Gewissheit verschaffen. Phil griff zum Funkgerät, während ich meinen roten Flitzer Richtung Queensboro Bridge steuerte. Der Lautsprecher war eingeschaltet, daher konnte ich das Gespräch zwischen meinem Partner und Les mithören.

»Die Zentrale hat uns auch schon informiert, Phil«, sagte Les mit Anspannung in der Stimme. »Die Sache ist Joe und mir ein Rätsel. Wir haben Harold Fraser gestern Abend bis zu seinem Haus in Brooklyn Heights verfolgt. Er ist in die Garage gefahren und hat das Gelände seitdem nicht mehr verlassen. Es handelt sich um eine einzeln stehende Stadtvilla mit Garten, wie ihr wisst. Wir haben so geparkt, dass wir auch den Hintereingang im Blickfeld behalten konnten. Joe und ich sind bestimmt nicht eingepennt. Das Grundstück ist beleuchtet, um Einbrecher abzuschrecken. Das Licht hat die ganze Zeit lang gebrannt. Kein Mensch hat während der Nacht das Haus verlassen, weder Fraser noch seine Frau oder das Dienstmädchen.«

»Jerry und ich fahren jetzt zum Tatort, Les. Habt ihr Anweisungen vom Chef?«

»Ja, Joe und ich sollen hier auf euch warten. Falls der Ermordete wirklich Harold Fraser ist, müssen wir der Witwe die Todesnachricht überbringen.«

»Okay, wir kommen dann später zu euch und bringen euch auf den neuesten Stand der Ermittlungen.«

Phil beendete den Funkkontakt und steckte das Mikrofon in die Halterung.

»Sagtest du nicht, die Leiche wäre im Sunrise Motel gefunden worden, Jerry? Das ist doch eine miese Absteige für New-York-Touristen mit kleinem Geldbeutel und für untreue Ehemänner. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer wie Harold Fraser sich dorthin verirrt hat.«

»Es sei denn, er hatte einen sehr triftigen Grund dafür«, gab ich zurück.

***

An diesem sonnigen Septembertag kamen wir auf der Brücke, die Manhattan mit Queens verbindet, nur langsam voran. Doch als wir später in die Northern Avenue einbogen, konnte ich die rotierenden Rot-Blau-Lichter der geparkten Streifenwagen schon von weitem erkennen.

Die Cops hatten das Motel komplett abgesperrt und befragten vermutlich schon die Gäste, das Personal sowie weitere mögliche Zeugen. Beim Näherkommen sah ich auch den grauen Van des Coroners, der bald seine leblose Fracht aufnehmen würde.

Ich parkte direkt hinter einem der Ford Crown Victoria vom NYPD. Phil und ich stiegen aus, unsere FBI-Marken hatten wir bereits an den Revers befestigt. Ein junger uniformierter Cop nickte uns zu und hob das gelbe Trassierband, vor dem sich zahlreiche Schaulustige und auch die Pressemeute versammelt hatten. Ob schon durchgesickert war, dass es sich bei der Leiche vermutlich um Harold Fraser handelte?

Falls ja, dann hatten die New Yorker Medien wieder einen quotenträchtigen Skandal. Fraser war als Vorstandsmitglied einer der größten Investmentbanken nämlich keine graue Maus, sondern stand im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Dass das FBI gegen ihn ermittelte, war jedenfalls kein Geheimnis. Unsere Pressestelle wurde tagtäglich mit Anfragen wegen Fraser bombardiert, was unsere Ermittlungsarbeit nicht gerade erleichterte.

Das Sunrise Motel war ungefähr dreißig Jahre alt und machte einen schäbigen Eindruck. Es befand sich in der Nachbarschaft von Supermärkten und einem Gewerbegebiet. Außerdem war der Freeway in nächster Nähe, wodurch der Täter womöglich sehr schnell fliehen konnte.

Ich schaute mich suchend um, doch da kamen bereits zwei Cops in Zivil auf uns zu. Phil und ich hatten mit Detective Sergeant Keith Growan und seiner Partnerin Alissa Morelli schon öfter zusammengearbeitet. Sie gehörten zur Homicide Squad des zuständigen Reviers.

Keith Growan war ein athletischer Schwarzer mit einem bleistiftdünnen Schnurrbart. Die zierliche italienischstämmige Alissa Morelli wirkte neben ihm beinahe winzig. Aber beide waren hervorragende Polizisten.

Nach der Begrüßung sagte Growan: »Der Tote wurde ohne Papiere und Wertgegenstände aufgefunden, daher sprach zunächst alles für einen Raubmord. Eingecheckt hat er als John Miller, und er hat bar bezahlt. Ich wette, dieser Name wird von 50 Prozent aller untreuen Ehemänner benutzt, die sich im Sunrise Motel vergnügen.«

»Und die andere Hälfte nennt sich wahrscheinlich Harry Smith«, ergänzte Alissa Morelli trocken. »Aber als die Kollegen von der Scientific Research Division seine Fingerabdrücke gescannt haben, wurde sofort klar, dass es sich bei dem Leichnam um Harold Fraser handelt.«

Ich nickte. Aus Frasers Akte wusste ich, dass er als Student vor Jahren bei einer Trunkenheitsfahrt erwischt worden war. Die Geldstrafe hatte er damals sofort bezahlt, aber die Cops hatten ihn erkennungsdienstlich behandelt. Und daher waren seine Prints im System. Seit damals hatte er sich keine Straftaten mehr zuschulden kommen lassen.

Oder besser gesagt: Er war nicht mehr erwischt worden. Denn mit der Steuerhinterziehung war er bisher ungeschoren davongekommen.

»Wir würden uns gern den Tatort ansehen.«

»Natürlich, Agent Cotton. Folgen Sie mir bitte.«

Detective Sergeant Growan ging voran, Alissa Morelli, Phil und ich folgten. Der Zivil-Cop führte uns durch die offenstehende Tür in das Motelzimmer mit der Nummer elf. Es ähnelte Tausenden ähnlicher Räume überall in Amerika: Es gab zwei Betten, deren Matratzen vermutlich durchgelegen waren, außerdem einen großen Kleiderschrank, Tisch, Stühle, einen alten Fernseher und eine schmuddelig wirkende Kochecke mit Kühlschrank und Kaffeemaschine. Nach meiner Einschätzung musste die Einrichtung mindestens zwanzig Jahre alt sein.

Die SRD-Kollegen in ihren weißen Overalls waren damit beschäftigt, die Bettlaken abzuziehen.

»Nur eines der Betten wurde benutzt, das Bettzeug weist Flecken von Körperflüssigkeiten auf«, sagte einer der Männer zu uns. »Wir analysieren die Rückstände im Labor.«

Ich nickte und konzentrierte mich dann auf die Leiche, die noch von dem Pathologen Doc Adams untersucht wurde. Er blickte auf, als er uns erkannte.

»Guten Morgen, Agents. Wie Sie sehen, wurde Fraser drei Mal aus nächster Nähe in die Brust geschossen. Meiner Meinung nach kann der Schütze nicht weiter als eine Armeslänge von ihm entfernt gestanden haben.«

»Der Tod trat sofort ein?«

»Genau, Agent Cotton. Ein Geschoss traf direkt das Herz, die beiden anderen schlugen nur zwei Fingerbreit rechts davon in das Brustbein. Das Opfer hatte keine Chance.«

Ich bedankte mich und wandte mich an Keith Growan.

»Wann wurde der Mord entdeckt?«

Der Detective Sergeant schaute auf seinen Notizblock.

»Um 1.13 Uhr morgens ging ein Notruf in der Zentrale ein. Es wurden Schüsse im Sunrise Motel gemeldet. Das zuständige Revier schickte einen Streifenwagen, der um 1.32 Uhr eintraf. Das Einsatzfahrzeug wurde vom Nachtportier erwartet, der auch die Notrufnummer angerufen hatte. Er führte die uniformierten Kollegen zum Zimmer elf. Die Tür stand weit offen, als sie kamen. Der Täter ist flüchtig, es liegt keine Beschreibung vor.«

Ich deutete nach draußen.

»Mir ist aufgefallen, dass auf dem zum Motelzimmer gehörenden Parkplatz ein alter Chevrolet Nova steht. Ist Fraser mit diesem Auto eingetroffen?«

»Ja, das hat der Nachtportier bestätigt.«

»Wann traf Fraser im Motel ein?«

»Kurz nach 20 Uhr gestern Abend«, beantwortete Alissa Morelli meine Frage. »Und er war allein, jedenfalls hat der Nachtportier keine weiteren Personen gesehen.«

»Das muss nichts bedeuten«, meinte Phil. »Ich wette, Fraser war mit einer Frau hier. Sie kann im Auto gewartet haben, während er eingecheckt hat. Die Außenbeleuchtung des Motels ist miserabel, der Portier muss sie also nicht unbedingt bemerkt haben.«

»Es ist auffällig, dass das Opfer vollständig bekleidet war«, sagte ich. »Würde er nicht wenigstens die Krawatte abgelegt und das Jackett ausgezogen haben, wenn er eine Frau bei sich hatte?«

»Möglicherweise ist seine Gespielin schon wieder verschwunden gewesen, und er wollte sich auch aus dem Staub machen«, meinte Phil. »Vielleicht wollte er noch eine andere Person treffen – die dann zu seinem Mörder wurde.«

Ich nickte. Wir mussten unbedingt in Erfahrung bringen, wer in der Todesnacht bei Fraser gewesen war.

»Wir konnten schon die Bewohner der angrenzenden Zimmer zehn und zwölf vernehmen«, erklärte Growan. »Sie wollen angeblich keine Geräusche aus dem Tatort-Zimmer vernommen haben – bis zu dem Zeitpunkt, als die Schüsse fielen.«

»Aber es handelt sich um zwei Liebespaare«, ergänzte Alissa Morelli. »Die waren wahrscheinlich so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Welt um sich herum vergessen haben.«

Wir grinsten, wurden aber sofort wieder ernst.

»Der Täter oder die Täterin kann auch zu Fuß geflüchtet sein«, stellte ich fest. »Außerdem wissen wir nicht, ob Fraser wirklich von seiner Begleiterin erschossen wurde. Angenommen, der Täter war ein Fremder. Er kann sein Auto auf dem großen Supermarkt-Parkplatz südlich von hier abgestellt haben. Auch der Besucherparkplatz des Motels selbst kommt infrage. Oder er ist zur U-Bahn-Station gelaufen, die sich keine halbe Meile von hier entfernt befindet.«

Phil nickte.

»Noch ist nicht klar, ob Fraser hier wirklich nur ein Liebesabenteuer gesucht hat. Es ist auch vorstellbar, dass sein Tod etwas mit seiner Steuerhinterziehung zu tun hatte. Da ging es um Millionen. Und Geld ist immer ein überzeugendes Motiv.«

***

Das NYPD übergab den Fall nun offiziell an das FBI. Phil und ich nahmen uns noch einmal die Zeugen vor, doch ohne greifbares Ergebnis. Keiner wollte eine verdächtige Person in der Nähe des Motelzimmers gesehen haben. Es gab auch ein Überwachungssystem, aber die Kamera deckte nur den unmittelbaren Bereich der Rezeption ab.

Wir ließen uns die Videoaufnahme von Frasers Ankunft vorspielen. Der Bankier bezahlte wirklich bar. Er trug dieselbe Kleidung wie bei seinem Tod, nämlich einen dunklen Anzug, weißes Hemd und Krawatte. Von seinem Auto konnte man auf den Bildern nur das Heck sehen. Es war unmöglich zu erkennen, ob noch jemand in dem Chevrolet saß.

»Haben Sie sich denn noch nicht einmal den Führerschein des Gastes zeigen lassen?«, fragte Phil den Nachtportier. Der Mann wand sich wie ein Aal.

»Mein Boss sagt, wir sollen nicht zu viele Fragen stellen. Solange jemand im Voraus bezahlt, sind wir zufrieden.«

Das war eigentlich nicht korrekt, aber in einem so heruntergekommenen Motel konnte man nichts anderes erwarten.

»Kannten Sie den Gast, der erschossen wurde?«, hakte ich nach. »Kam er öfter her?«

Der Nachtportier glaubte, Fraser schon einmal gesehen zu haben. Aber er räumte ein, nur dann und wann als Aushilfe einzuspringen. Es war also möglich, dass Fraser auch in anderen Nächten eingecheckt hatte. Und wenn er dabei immer einen falschen Namen benutzt hatte, würden wir das nur schwer nachprüfen können.

Die Überwachungskamera war dabei auch keine Hilfe, weil sie immer nur das Material für 24 Stunden speicherte und danach automatisch wieder überspielte.

Immerhin untersuchte die Scientific Research Division inzwischen den Wagen, mit dem Fraser gekommen war. Dadurch erhoffte ich mir weitere Indizien.

»Der Ermordete fährt doch eigentlich einen Lamborghini«, meinte Phil. »Ob die italienische Sportkarre noch in seiner Garage in Brooklyn Heights steht? Und wir wissen auch immer noch nicht, wie Fraser den wachsamen Augen von Joe Brandenburg und Les Bedell entkommen konnte.«

Diese Fragen mussten wir wirklich als Nächstes klären. Momentan konnten wir am Tatort nichts mehr ausrichten. Doch bevor wir nach Brooklyn fuhren, wandte ich mich noch einmal an Keith Growan.

»Könnten Sie mich bitte anrufen, wenn in den nächsten Tagen noch irgendetwas Ungewöhnliches im Umfeld des Motels geschieht? Vielleicht gibt es ja doch noch weitere Zeugen. Jeder Hinweis kann wichtig sein.«

»Selbstverständlich, Agent Cotton.«

Phil und ich stiegen wieder in meinen Jaguar-E-Hybriden und machten uns auf den Weg nach Brooklyn Heights. An der Identität des Toten konnte es aufgrund der Fingerabdrücke keinen Zweifel geben. Außerdem hatten wir in sein leichenstarres Gesicht geblickt. Harold Fraser war uns persönlich bekannt, weil wir ihn schon einmal vernommen hatten. Doch dann hatten wir ihn in Begleitung seines Staranwalts aufgrund mangelnder Beweise wieder gehen lassen müssen.

»Fraser hat alles getan, um seine Spuren zu verwischen«, stellte Phil fest. »Er hat mit Bargeld bezahlt, damit wir ihn nicht über die Kreditkartenabrechnung mit dem Sunrise Motel in Verbindung bringen können. Und ich bin sehr gespannt, woher er den Chevy Nova hat. Das war doch keine standesgemäße Karre für diesen Großverdiener.«

»Jedenfalls konnte er sich unbeobachtet absetzen, obwohl er unter FBI-Beobachtung stand«, sagte ich. »Das ist schon eine beachtliche Leistung und setzt viel kriminelle Energie voraus. Den Wagen wird er sich privat oder bei einem windigen Gebrauchtwagenhändler besorgt haben. Es würde mich nicht wundern, wenn er auch einen falschen Führerschein hatte.«

»Ja, das ist denkbar. Immerhin können wir davon ausgehen, dass Fraser nicht außer Landes gehen wollte. Er traf um 20 Uhr im Motel ein und wurde nach ein Uhr morgens erschossen. In diesem Zeitraum hätte er stattdessen genauso gut an Bord eines Frachters gehen können, dessen Kapitän nichts gegen zahlende illegale Passagiere hat.«

***

Es gab viele Möglichkeiten, aber wir mussten zunächst weitere Fakten sammeln. Während unseres Wortwechsels hatten wir die Brooklyn Bridge erreicht und bogen wenig später in die ruhigen grünen Wohnstraßen von Brooklyn Heights ein. Wer sich eines der umzäunten Anwesen in dieser Gegend leisten konnte, hatte einen Panoramablick auf Downtown Manhattan – und in der Regel ein gut gefülltes Bankkonto.

Ich parkte direkt hinter dem Wagen von Joe und Les. Wir stiegen aus, begrüßten die Kollegen und berichteten von unserem Besuch am Tatort.

Der ehemalige NYPD-Captain kniff nachdenklich die Augen zusammen.

»Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Fraser gestern Abend nach Hause gefahren ist. Les und ich haben ihn am Steuer seines Lamborghini genau erkannt. Es ist mir ein Rätsel, wie er während der Nacht verschwinden konnte.«

»Außerdem sagte Jerry gerade, dass Fraser gegen 20 Uhr in diesem verflixten Motel eingecheckt hat«, ergänzte Les Bedell. »Er müsste also fast eine Stunde vorher hier losgefahren sein, denn im Feierabendverkehr dauert es lange von Brooklyn nach Queens. Und zu dem Zeitpunkt war es noch hell. Wir hätten ihn auf jeden Fall bemerken müssen!«

»Seid ihr eigentlich die Einzigen gewesen, die Fraser überwacht haben?«, fragte Phil. »Der Kerl stand doch im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, seit wir gegen ihn ermitteln. Musstet ihr euch nicht mit Paparazzi herumärgern?«

»In der Vergangenheit schon, aber vorige Nacht ausnahmsweise nicht«, meinte Les. »Das liegt wohl daran, dass gestern Abend dieser Teenager-Schwarm Billy Cos auf dem JFK eingetroffen ist. Die New Yorker Pressemeute wird ihm geschlossen aufgelauert haben.

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