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Jerry Cotton - Folge 2981

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Gebrandmarkt!
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Gebrandmarkt!

Ben Wrethman beugte sich herunter zu seiner Frau und küsste sie zum Abschied, dann strich er zärtlich über ihren Babybauch. »Hey Junior, pass gut auf deine Mama auf«, sagte er mit einem Lächeln, öffnete die Tür und ging zu seinem Wagen.

Darleen winkte. »Bis heute Abend, fahr vorsichtig, Liebling«, rief sie ihm nach, dann schloss sie die Tür und wollte gerade in die Küche gehen, als es wieder klopfte. Sie musste schmunzeln. Ben hatte etwas vergessen – seit er Vater wurde, passierte ihm das immer öfter.

»Sind es diesmal die Schlüssel?«, rief sie und öffnete wieder die Tür. In dem Moment wurde sie ins Haus gestoßen, die Tür fiel mit einem Knall hinter dem Mann zu.

Oh Gott, bitte nicht, schoss es ihr durch den Kopf.

Darleen sah auf die blitzende Klinge in seiner Hand und legte schützend ihre Hände auf den Bauch.

»Mai-Lin«, raunte er. »Du hast vergessen, wem du gehörst.«

»Was ein Glück, dass du endlich wieder da bist, ich dachte schon, ich werde zum Papiertiger«, begrüßte mich Phil mit einem Lächeln. Ich wusste, er war bereits letzte Woche aus seinem Urlaub zurückgekommen und hatte sich wahrscheinlich, in Ermanglung eines Partners, nur im Büro aufgehalten und ausstehende Berichte geschrieben.

Es war mein erster Tag im Field Office nach zehn Tagen Strand, Sonne und Spaß. Ich sah mich um: Es hatte sich nichts verändert, und so ließ ich mich auf meinem Stuhl nieder in dem festen Glauben, erst einmal Zeit für einen Kaffee und einen ruhigen Start zu haben, als Phil enthusiastisch sagte: »Wir haben gerade einen Fall reinbekommen!«

»Lass hören!«, erwiderte ich, auch wenn ich gedanklich noch nicht ganz wieder im Büro des New Yorker FBI angekommen war.

»Eine weibliche Leiche, stranguliert, sie trieb im Hudson und wurde am Pier 84 gefunden«, referierte Phil und drückte mir eine Mappe mit Fotos in die Hand.

»Himmel«, murmelte ich und schlug die Fallakte auf. »Ist das nicht in der Nähe der Intrepid? Dort tummeln sich Hunderte von Besuchern täglich, und gleich daneben fahren doch die Touristenboote der Circle Line ab.«

Phil setzte sich ebenfalls wieder und nickte. »Genau dort. Jemand wollte, dass sie ganz schnell gefunden wird. Gott sei Dank war es ein Angestellter der Circle Line, der sie am Steg treiben sah, und kein Tourist. Man fand sie heute Morgen um fünf Uhr.«

»Sie war eine sehr hübsche Frau«, bemerkte ich und blätterte weiter durch die Fotos. »Was trägt sie da? Hat sie in einem Hotel gearbeitet?« Die zierliche Tote war mit einem schicken, schwarzen Kostüm bekleidet, weißer Bluse und hatte auf der rechten Brust ein Messingschild, das sie als Mandy Baker auswies.

»Nein, Miss Baker war eine Messehostess.«

Ich wartete auf weitere Erklärungen, doch Phil schwieg.

»Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen. Also, warum landet das bei uns und wie ist es möglich, dass man sie heute Morgen um fünf Uhr fand und bereits eine Obduktion durchgeführt wurde, obwohl es gerade mal zehn ist?«, fragte ich und sah demonstrativ auf meine Uhr.

Phil grinste mich breit an. »Genau das hat mir die letzten zwei Wochen gefehlt!«, meinte er. Dann wurde sein Gesichtsausdruck ernst und er sagte: »Also gut, Spaß beiseite! Die ganze Geschichte, jedenfalls das, was ich bisher herausbekommen habe, ist folgende: Mandy Baker war eine Messehostess, verschwand vor zwei Tagen, bei einem Kongress. VoCon Pharmaceutical, eines der Top-Pharmaunternehmen, hält jedes Jahr im Waldorf Astoria ein Management-Meeting ab. Läuft immer über eine Woche, Besprechungen, aber auch eine Menge Unterhaltung für die gestressten Top-Manager. Daher buchen sie auch immer den teuersten Personalservice. Die Kongresshostessen von ICfS, In Charge for your Service, sind alle ausgebildete Sekretärinnen, die den Kongressteilnehmern so ziemlich alles abnehmen, von der Terminplanung bis hin zum Bademantel in der gewünschten Farbe. Außerdem zeichnen sich die Damen von ICfS dadurch aus, dass sie allesamt ausgesprochen attraktiv sind.«

Ich unterbrach Phil. »Das Waldorf Astoria? Dann muss VoCon gut im Geschäft sein.«

»Sind sie, Stammsitz hier in New York, sieben Produktionsbetriebe allein in den USA, insgesamt fünfzehntausend Mitarbeiter und eine Gewinnmarge von zwölf Prozent. VoCon hat Betriebsstätten in Europa und erobert gerade Drittländer wie Südafrika, Russland und China für Produktionsstandorte.«

Jetzt war ich doch beeindruckt. »Und das hast du alles heute Morgen bereits recherchiert?«, fragte ich ungläubig. Phil zuckte nur die Schultern und fuhr fort:

»Mandy Baker und eine Kollegin waren verantwortlich für die Planung und den Ablauf des Kongresses. Am Samstagabend sah ihre Kollegin Miss Baker das letzte Mal im Waldorf. Sie kam gestern nicht zur Arbeit und die Polizei wurde eingeschaltet, da Mandy als ausgesprochen zuverlässig galt. Als man sie heute Morgen fand, war sie bereits in der Vermisstenliste des NYPD. Die Leiche wurde sofort in die SRD überstellt und ein eifriger Assistent von Dr. Chow nahm Fingerabdrücke. Das ist eigentlich keine Routine, da Miss Bakers Identität bekannt war. Chow hatte ihn jedoch angewiesen, das zu tun, da er neu ist in der SRD, und das gehört scheinbar zu ihrem persönlichen Ausbildungsprogramm. Auf jeden Fall schickte er die Abdrücke durch den Computer und war überrascht, einen Treffer zu erhalten.«

»Dann war Miss Baker also vorbestraft«, warf ich ein.

Phil schüttelte den Kopf. »Nein, aber Mandy Baker ist nicht Mandy Baker!« Er reichte mir die Fotokopie eines Visumantrags. »Ihr richtiger Name ist Irina Kudrick, eine Studentin aus der Ukraine. Sie reiste mit einem Touristenvisum vor acht Monaten hier in New York ein und verschwand. Seither wird sie von der Homeland Security gesucht, wegen illegaler Einwanderung, und das ist der Grund, weshalb der Fall auf unserem Schreibtisch liegt.«

»Ukraine?«, fragte ich eher rhetorisch. »Dann muss sie ein verdammt gutes Englisch gesprochen haben, um als Messehostess angestellt zu werden.«

»Und gute Papiere gehabt haben. Die Spurensicherung ist bereits in ihrer Wohnung und sie warten auf uns, damit wir alles in Augenschein nehmen können, bevor eventuelles Beweismaterial in die SRD gebracht wird. Was Dr. Chows Obduktion ergeben hat, erzähl ich dir unterwegs.« Phil stand auf und griff sein Jackett. »Auf geht’s, dein Urlaub ist vorbei, Partner!«

***

Während wir auf den Aufzug in die Tiefgarage warteten, erzählte mir Phil, dass Irina Kudrik alias Mandy Baker in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit einem Tuch oder einer Krawatte erwürgt wurde. Obwohl Dr. Chow keine Flüssigkeiten bei der Toten gefunden hatte, da sie ein paar Stunden im Hudson River trieb, war sie sich doch sicher, dass die Frau kurz vor ihrem Tod Sex hatte, und zwar von der rauen Sorte. Mir ging durch den Kopf, ob die Strangulation eventuell der sexuellen Stimulation gedient hatte. Sie wäre nicht der erste Fall gewesen, bei dem zu lange und zu fest zugedrückt wurde, und was als Vergnügen geplant war, endete mit einem tragischen Unfalltod.

»Chow hat noch etwas Merkwürdiges gefunden«, riss mich Phil aus meinen Gedanken. »Eine frische Verbrennung auf der Hüfte, in der Größe einer Streichholzschachtel«, fügte er hinzu, als wir hörten, wie jemand unsere Namen rief. Mr High kam in Begleitung einer jungen Frau auf uns zu.

»Das sind die Agents Cotton und Decker«, stellte er uns vor. Die junge Frau war klein und drahtig, trug eine unvorteilhafte Brille auf der viel zu spitzen Nase und sah uns interessiert aus ihrem blassen Gesicht an. Ich schätzte sie nicht viel älter als neunzehn, womit ich gründlich danebenlag, wie sich sehr schnell herausstellte.

»Das hier ist Anwärterin Dr. Daisy Spring«, fuhr der Chef fort. Phil grunzte kurz, was ein unterdrückter Lacher war, auch ich musste mich bei dem Namen zusammenreißen, um nicht zu grinsen. Mr High sah Phil streng an, doch die FBI-Anwärterin Spring hatte scheinbar kein Problem mit seiner Reaktion und schüttelte unsere Hände.

»Tut mir leid«, entschuldigte sich Phil.

»Muss es nicht, Agent Decker, sie sind nicht der Erste, der bei meinem Namen so reagiert. Es stört mich nicht, denn ich finde es gibt Schlimmeres, als Gänseblümchen zu heißen.«

Nicht allzu amüsiert meinte Mr High: »Dr. Spring ist eine der großen Hoffnungen in Quantico und spezialisiert auf Informationstechnik. Bevor sie in zwei Monaten ihre Prüfung zum FBI-Agent macht, wird sie ein paar Tage Field-Erfahrung sammeln. Jerry, Phil, ich darf Ihnen Ihre neue temporäre Partnerin vorstellen.« In dem Moment fielen Phil und mir simultan die Kinnladen herunter, doch Mr High ignorierte uns, verabschiedete sich von Spring und ging zurück in sein Büro.

»Freut mich, mit Ihnen zu arbeiten«, sagte sie keck. »Wohin sind wir unterwegs?«

»Äh«, war alles, was Phil rausbrachte, und ich musste schnell eingreifen, bevor er etwas Dummes sagte.

»Wir sind unterwegs zu der Wohnung eines Opfers. Wenden Sie sich an Helen, sie wird Ihnen alles zeigen und Ihnen auch die erforderlichen Zugangscodierungen für die Computer geben«, sagte ich so professionell wie möglich.

»Gut, was soll ich in der Zwischenzeit tun?«, erwiderte sie.

Ich dachte nach, mit irgendetwas mussten wir unsere neue Praktikantin beschäftigen. »In unserem Büro liegt eine Fallakte. Bis wir wieder hier sind, versuchen Sie mehr über eine gewisse Irina Kudrik herauszubekommen. Sie finden alles in den Papieren.«

Zu meinem Erstaunen nickte sie, ohne weiteren Protest. »Dann bis später, ich werde über diese Frau alles herausbekommen, was man herausbekommen kann«, sagte sie in einem für meinen Geschmack zu bissigen Unterton, drehte sich um und ging in Richtung Helens Büro. In dem Moment kam der Aufzug und ich schob Phil schnell hinein, damit er seinen Mund hielt, und wir fuhren nach unten.

»Himmel, das hat uns gerade noch gefehlt, jetzt sollen wir die Babysitter für FBI-Anwärter Miss Gänseblümchen spielen«, knurrte er, als wir in den Jaguar stiegen. »Was denkt sich der Chef dabei?«

»Der Boss denkt sich gar nichts dabei«, erwiderte ich. »Das sind die neuen Vorschriften in Quantico: Die Stars des Ausbildungsjahrgangs sollen vor ihrer Abschlussprüfung im Field Office Erfahrung sammeln, und dieses Mal hat es eben uns erwischt. Vielleicht kann sie ganz nützlich sein«, versuchte ich ihn zu beruhigen. Phil brummte nur skeptisch.

»Und hör mit diesem Gänseblümchen-Quatsch auf, sonst rutscht dir das noch vor ihr oder Mister High raus. Wir nennen sie Spring, genau wie die Ausbilder das in Quantico tun«, ermahnte ich meinen Partner und startete den Jaguar.

***

Dr. Chow war auf dem Weg in ihr Büro. Das strangulierte Mädchen ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Ihr neuer Assistent in der Pathologie, Roger, war manchmal zwar etwas tollpatschig, doch mit der Überprüfung der Fingerabdrücke heute Morgen hatte er ein verdammt gutes Werk getan. Wahrscheinlich hätte man die junge Frau als Mandy Baker begraben und nie herausgefunden, dass sie aus der Ukraine stammte, dachte Dr. Chow gerade und wäre fast in den Detective hineingerannt, der in ihrem Büro wartete.

»Guten Tag, Dr. Chow«, sagte er und hielt ihr seine Dienstmarke hin. »Ich bin Detective Woodburg, NYPD-Mordermittlung erster Bezirk. Wir haben Ihnen vor ein paar Stunden die Leiche einer jungen Frau gebracht, Darleen Wrethman. Ich möchte Sie bitten, die Autopsie noch heute durchzuführen, so schnell wie möglich, und würde gerne daran teilnehmen.«

Chows Augen wurden zu schmalen Schlitzen und sie verschränkte die Arme feindselig vor der Brust. »Aber sonst haben Sie keine Wünsche? Oder soll ich Ihnen vielleicht noch einen Kaffee bringen«, blaffte sie ihn an.

Woodburg war von seinen Kollegen gewarnt worden, dass die zierliche asiatische Pathologin Haare auf den Zähnen hatte, doch auf solch eine verbale Attacke war selbst er nicht vorbereitet gewesen. »Ich weiß, dass die SRD viel zu tun hat, doch ich bitte Sie, ziehen Sie den Fall vor«, versuchte er ruhig auf sie einzureden.

»Und warum sollte ich das tun?«, zischte sie den Detective an.

Er seufzte und meinte: »Weil der Überfall äußerst brutal war. Man hat ihr die Kehle durchgeschnitten und …« Weiter kam er nicht, weil Chow ihn abrupt unterbrach.

»Sie denken also, es war ein Serienmörder, der jeden Moment wieder zuschlägt?«

»Nein, das denke ich nicht«, erwiderte er und sah sie verwirrt an.

»Dann sehe ich keine Dringlichkeit. Lassen Sie mir Ihre Karte da, ich rufe Sie an, wenn wir in den nächsten Tagen dazu kommen.«

»Bitte, Dr. Chow«, versuchte es Woodburg wieder. »Sie war hochschwanger, ihr Mann fand sie am Mittag. Er ist extra vom Büro nach Hause gefahren, weil er sich Sorgen machte, da sie seine Anrufe nicht angenommen hatte. Ich musste den Ehemann von Darleen Wrethman ins Krankenhaus bringen lassen, er war vollkommen zusammengebrochen, nachdem er sie fand.«

Chows Mimik wurde etwas versöhnlicher. »Das ist schlimm«, sagte sie. »Aber während wir hier diskutieren, warten fünf neue Leichen nebenan. Deshalb geht es immer um die Dringlichkeit, Detective. Warum also?«

»Weil es in dem Haus kein gewaltsames Eindringen gab und nur der Ehemann einen Schlüssel hatte. Ich muss ihn in Untersuchungshaft nehmen, sobald die Ärzte ihn entlassen, und ich kann nicht glauben, dass er der Mörder ist. Darum geben Sie mir bitte irgendetwas – ich hoffe, dass die Autopsie ihn entlastet. DNA, ein fremdes Haar, den Todeszeitpunkt, egal was, Hauptsache, ich kann eine andere Spur verfolgen. Ben Wrethman hat seine Frau und sein Kind verloren und ist am Ende. Bitte, Dr. Chow.«

Er sah sie mit ernstem Gesicht an. Chow war solch emotionale Reaktionen von einem Detective nicht gewöhnt. Normalerweise distanzierten sich die Beamten von den Opfern, um sich selbst zu schützen, doch Detective Woodburg schien dieser Fall an die Nieren zu gehen.

Sie nahm ihre Brille ab und rieb sich die Stirn. Dann ging sie an ihren Schreibtisch, griff den Telefonhörer und drückte die Taste einer Kurzwahl. »Roger, machen Sie Saal 1 fertig und lassen Sie die Leiche von Darleen Wrethman holen, wir fangen in zehn Minuten mit der Obduktion an.«

***

Wir hatten uns die Wohnung der falschen Mandy Baker in Hell’s Kitchen angesehen: ein kleines Apartment, das unpersönlich wirkte, es gab keine Fotos, und der Kühlschrank war fast leer. Mandy hatte zu ihren Lebzeiten hier gewohnt, doch nicht gelebt, denn es fehlten persönliche Dinge und Erinnerungen, die man normalerweise in Wohnungen von Frauen fand.

Die Spurensicherung ging davon aus, dass man sie hier erwürgt hatte, und wer immer den Tatort gesäubert hatte, verstand sein Handwerk. Das Bett war abgezogen worden, die Kissen inklusive Zudeck und Bettlaken verschwunden. Auch der Teppichboden war akribisch gesaugt worden, daher rechneten wir eigentlich nicht mit irgendwelchen Beweisen, die uns dem Mörder näherbrachten.

Phil hatte in einer Schublade ihre Papiere gefunden, Führerschein, Sozialversicherungsnachweis und Abschlusszeugnisse. Ich hatte schon so einige gefälschte Dokumente im Laufe meiner Berufserfahrung gesehen, doch Bakers Unterlagen waren Kunstwerke. Wenn die junge ukrainische Frau wirklich illegal in den Staaten abgetaucht war, dann hatte sie die Unterstützung eines Profis, und leider schien auch ihr Mörder ein Profi zu sein.

Da wir hier nicht weiterkamen, fuhren wir zu VoCon Pharmaceutical. Der Stammsitz des Unternehmens lag in einem Gebäude in der Third Avenue, Höhe 54th Street und damit knapp zwei Meilen entfernt von Hell’s Kitchen.

Phil hatte uns bereits heute Morgen dort angekündigt, und alle zwanzig Manager, die letzte Woche am Kongress im Waldorf Astoria teilgenommen hatten, warteten im Büro auf uns. Wir fuhren nach knapp dreißig Minuten in die Tiefgarage des typischen Bürohochhauses, in dem VoCon zwei Etagen besaß.

Das Büro roch förmlich nach Geld: Marmor, großzügige, helle Glasflächen und teure Aquarelle an der Wand. Man hatte uns einen Konferenzraum zur Verfügung gestellt und wir sprachen mit dem Geschäftsführer und jedem der zwanzig, ausschließlich Männer.

Zwei Stunden später waren wir mit allen Befragungen durch und verließen das Gebäude wieder. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sahen wir eine PAX Food-Filiale und wir setzten uns an einen der Tische, die auf dem Bürgersteig aufgestellt waren, um uns ein Sandwich und etwas zu trinken zu bestellen. Phil schloss die Augen und genoss die Sonne auf seinem Gesicht. Es war ein warmer Tag, doch mit einer angenehmen Brise.

»Was hältst du von den Mitarbeitern?«, fragte er und zog die Sonnenbrille etwas herunter, um mich anzusehen. Ich hatte mein Jackett über den Stuhl gehängt und krempelte meine Hemdsärmel hoch.

»Bis auf den Leiter der Forschungsabteilung, diesen Gordon Catress, schienen mir alle ruhig, zwar betroffen über ihren Tod, aber wenn ich ehrlich bin, wirkten die anderen nicht wirklich interessiert«, sagte ich und biss in mein Sandwich.

»Ja, Catress war irgendwie nervös, wirkte zerstreut, und er schwitzte, als wir mit ihm sprachen. Auf der anderen Seite: er ist ein Wissenschaftler, die sind im Allgemeinen keine Meister der Kommunikation. Wir sollten sein Alibi genau überprüfen.«

Ich sah mir die Passanten an, die in Shorts und T-Shirt die Straße entlangschlenderten, und wunderte mich, wie viele Menschen an einem Montagnachmittag dafür Zeit hatten.

»Jerry?«, holte mich Phil aus meinen Gedanken. »Wir sollten sein Alibi prüfen«, wiederholte er.

»Aber nicht nur seines, ich will die Alibis aller zwanzig Kongressteilnehmer bestätigt haben. Sie alle wohnten im Waldorf, und Dr. Chow hat den Todeszeitpunkt auf etwa zwei Uhr am Sonntagmorgen bestimmt. Wenn es einer von VoCon war, dann muss ihn der Nachtportier oder der Doorman gesehen haben, als er am Sonntagmorgen ins Hotel kam. Denn eines steht fest: Unser Mörder brauchte noch mindestens zwei Stunden, um Mandys Wohnung zu säubern und die Leiche zu entsorgen.« Ich stand auf und schnappte mir mein Jackett. »Du rufst unsere kleine Praktikantin an, sag Spring, sie soll sich darum kümmern, aber nur per Computer und telefonisch. Solange ich sie noch nicht besser kennengelernt habe, möchte ich nicht, dass sie direkte Befragungen mit dem Hotelpersonal macht.«

»Okay«, meinte Phil, stand ebenfalls auf und griff sein Handy. »Was machen wir jetzt?«

»I

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