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Jerry Cotton - Folge 2944

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Rache ist ein seltsames Spiel
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Rache ist ein seltsames Spiel

Laura Darro hatte einen langen Arbeitstag im FBI Field Office hinter sich, als sie um 21.11 Uhr die Tür zu ihrem Apartment aufschloss.

Beim Betreten des Apartmenthauses hatte die junge FBI-Profilerin den Wachmann der Nachtschicht freundlich gegrüßt. Steve Bronson sorgte für die Sicherheit der zahlreichen Mieter des zehnstöckigen Gebäudes.

Doch als Laura Darro in ihr dunkles Apartment trat, hatte sie plötzlich ein ungutes Gefühl. Die beiden Sicherheitsschlösser hatten sich zu leicht öffnen lassen. Jemand musste in ihrer Abwesenheit das System manipuliert haben. Die FBI-Profilerin wollte zurück in den beleuchteten Korridor und den Wachmann alarmieren.

Da wurde ihre Kehle von einer Hand umschlossen, und sie bekam einen Schlag auf den Hinterkopf.

An diesem Oktobermorgen bemerkte ich schon beim Betreten des Federal Building, dass etwas anders war als sonst. Es herrschte eine bedrückende und angespannte Atmosphäre. Phil schien ebenfalls irritiert zu sein.

»Was ist denn nur los, Jerry? Man könnte meinen, dass in unserer Abwesenheit Staatstrauer angeordnet worden wäre.«

Bevor ich auf Phils Bemerkung eingehen konnte, kam uns unsere Kollegin Sarah Hunter entgegen. Auch sie trug eine richtige Weltuntergangsmiene zur Schau.

»Gut, dass ich euch treffe, Jerry und Phil! Ihr sollt sofort zum Chef kommen. Es geht wahrscheinlich um Laura.«

»Du meinst Laura Darro, unsere Profilerin?«, hakte ich nach.

»Wen denn sonst?«, gab Sarah Hunter in ihrer direkten Art zurück. »Sagt bloß, ihr habt noch nicht gehört, dass Laura Darro spurlos verschwunden ist!«

Nein, das war mir neu. Auch Phil hatte davon keine Ahnung gehabt, wie mir ein Blick in sein Gesicht bewies. Mein Freund sah erschrocken aus, und das ging mir nicht anders. Ein FBI-Agent sollte seine Gefühle im Griff haben. Aber wir sind auch nur Menschen. Und wenn einer von unseren Kollegen in Gefahr ist, nimmt uns das ganz besonders mit.

Phil und ich eilten Richtung Chefbüro. Im Vorzimmer blickte Helen auf, als wir den Raum betraten. Auch die hübsche dunkelhaarige Sekretärin sah bleich und angespannt aus. An diesem Morgen fragte sie uns noch nicht einmal, ob wir einen Kaffee wollten. Doch selbst Helens legendärer Kaffee hätte uns in dieser Situation nicht geschmeckt.

»Der Chef erwartet euch bereits«, sagte Helen mit matter Stimme. »Ihr könnt gleich durchgehen.«

Ich nickte ihr zu und öffnete die Tür zum Büro des Assistant Director. Mr High saß hinter seinem penibel aufgeräumten Schreibtisch. Auf den ersten Blick wirkte der Chef so professionell und konzentriert wie immer. Nur ein nervöses Zucken seines linken Augenlides bewies mir, dass auch er von Laura Darros ungewissem Schicksal innerlich nicht unberührt blieb.

Der Assistant Director forderte uns mit einer Handbewegung auf, Platz zu nehmen. Ich schaute John D. High fragend an.

»Sind Sie bereits darüber informiert, was geschehen ist, Jerry und Phil?«

»Einzelheiten haben wir noch nicht gehört, Sir«, gab ich zurück.

»Dann werde ich Ihnen zunächst die bisher bekannten Fakten präsentieren. Heute Morgen fiel dem diensthabenden Wachmann in Laura Darros Apartmenthaus auf, dass die Wohnungstür unserer Kollegin einen Spaltbreit offen stand. Das kam dem Security verständlicherweise verdächtig vor. Er rief laut Laura Darros Namen, aber es kam keine Reaktion. Daraufhin ging er in das Apartment.«

»Konnte er Hinweise finden?«

»Negativ, Jerry. Laura Darros Bett war unberührt. Nichts deutete darauf hin, dass sie die Nacht in ihrem Apartment verbracht hat. Scheinbar fehlen keine Wertgegenstände. Es lässt auch nichts darauf schließen, dass sie für ein paar Tage weggefahren wäre.«

»Lauras Abwesenheit ist ja an sich noch nicht verdächtig, vielleicht hat sie einen Freund und verbrachte die Nacht dort. Doch die offenstehende Tür ist wirklich ungewöhnlich, Sir. Gab es Kampfspuren?«

Mr High beantwortete meine Frage mit einem Kopfschütteln.

»Und was ist mit Lauras Auto?«, warf Phil ein.

»Das stand in der Tiefgarage auf dem zum Apartment gehörenden Stellplatz. Der Wachmann rief seinen Kollegen von der Nachtschicht an. Der teilte ihm mit, dass Laura Darro gestern Abend gegen neun Uhr heimgekehrt wäre. Wenn sie das Haus noch einmal verlassen hätte, wäre das dem Security aufgefallen. Sowohl Benutzer der Tiefgarage als auch Besucher, die durch den Haupteingang gehen, müssen an der Pförtnerloge vorbei.«

»Ist dieser Wachmann denn zuverlässig, Sir?«, fragte ich.

»Beide Männer sind Ex-Marines. Ihre Namen lauten Steve Bronson und Emilio Fugatti. Sie haben keine Vorstrafen und sind niemals polizeilich aufgefallen. Die beiden Männer arbeiten seit Jahren für die Firma, die den Wachdienst des Apartmenthauses stellt.«

Ich nickte.

»In Ordnung, aber was ist mit den Überwachungskameras? Laura Darro hat mir einmal erzählt, dass ihr Apartmenthaus inklusive Tiefgarage durch ein Kamerasystem überwacht wird.«

»Das stimmt auch«, sagte Mr High. »Und gerade massive Ungereimtheiten bei der Überwachung liefern uns Hinweise darauf, dass ein Verbrechen begangen wurde. Man hat die Kameras beziehungsweise die Aufzeichnungen durch einen Hackerangriff manipuliert.«

Diese Information mussten wir erst einmal verdauen. Jemand hatte sich offenbar große Mühe gegeben, seine Tat zu verschleiern. Das klang gar nicht gut.

Mr High fuhr fort: »Nach ersten Erkenntnissen sieht es so aus, als ob ein Hacker die Firewall des Systems durchbrochen und die Aufzeichnungen der Kameras gelöscht hat. Stattdessen setzte er eine Endlosschleife ein, auf deren Bildern nur leere Korridore und geparkte Autos zu sehen sind. Das fiel dem Wachmann auf, als er beim Abspielen des aufgenommenen Videos noch nicht einmal sich selbst auf seinem Patrouillengang entdecken konnte.«

»Das klingt für mich nach Profi-Arbeit«, knurrte Phil. Der Chef machte eine zustimmende Kopfbewegung.

»Im Field Office ist bisher noch kein Bekennerschreiben oder ein entsprechender Anruf eingegangen. Wenn sich ein Krimineller an einem FBI-Agent vergreift, dann meint er es wirklich ernst. Sie beide werden sich darum kümmern. Ich muss wohl nicht betonen, dass dieser Fall oberste Priorität hat. Falls Sie weitere Unterstützung durch Kollegen benötigen, lassen Sie es mich wissen.«

Der Chef hatte bereits veranlasst, dass ein Team der Scientific Research Division das Apartment unserer Kollegin untersuchte. Falls es irgendwelche Hinweise auf ihren Verbleib gab, dann würden diese Spezialisten sie finden. Außerdem hatte unser Computerexperte Alec Hanray bereits damit begonnen, sich mit dem manipulierten Überwachungssystem zu befassen. Wenn es jemanden gab, der im digitalen Dickicht des Internets eine heiße Spur aufnehmen konnte, dann war er es.

Wir erfuhren von Mr High außerdem noch, dass uns die Wachleute Steve Bronson und Emilio Fugatti bereits in dem Apartmenthaus erwarteten. Sie waren für das FBI natürlich wichtige Zeugen.

***

Phil und ich verabschiedeten uns vom Chef und eilten hinunter in die Tiefgarage. Ich lenkte meinen roten Jaguar-E-Hybriden in Richtung East 70th Street, wo sich das Apartmenthaus befand.

»Und wenn Laura Darro nun freiwillig untergetaucht ist?«

Mein Freund sprach einen Verdacht aus, der mir auch schon gekommen war. Es war keine Vorstellung, die uns behagte. Aber ein Agent darf bei seinen Ermittlungen keine Scheuklappen anlegen.

»Dann muss sie einen sehr wichtigen Grund dafür haben, Phil. Es passt nicht zu ihr, einfach nicht im Field Office zu erscheinen. Außerdem – würde sie das Überwachungssystem manipulieren, um verschwinden zu können? Soweit ich weiß, hat sie keine weitergehenden Computerkenntnisse. Sie muss also zumindest einen Komplizen gehabt haben.«

»Ich finde diese Möglichkeit ja auch sehr unwahrscheinlich, Jerry. Aber wir sollten sie zumindest im Hinterkopf behalten.«

Vor dem Apartmenthaus parkten einige Streifenwagen, denn das NYPD unterstützte uns bei den Ermittlungen. Wir mussten grundsätzlich davon ausgehen, dass ein Verbrechen geschehen war. Die Cops hatten das Gebäude mit gelbem Trassierband abgesperrt.

Die Presse lauerte bereits auf uns, als Phil und ich das Haus betreten wollten. Vermutlich hatten sie von Nachbarn aufgeschnappt, dass eine FBI-Agentin verschwunden war. Phil und ich hatten unsere Dienstmarken an den Revers befestigt. Mehrere Kameras zeigten in unsere Richtung, während die Fragen auf uns einprasselten.

Ich empfahl den Reportern, sich an die FBI-Pressestelle zu wenden. Mit einer solchen sachlichen Bemerkung konnte man diese Typen immer noch am besten ärgern.

Ich beschloss sofort, eine Nachrichtensperre zu verhängen, bis Laura Darro wieder aufgetaucht war. Gewiss, wir hätten die Medien auch für eine Öffentlichkeitsfahndung einbeziehen können. Aber in diesem Fall war das vermutlich eher schädlich als nützlich. Möglicherweise würde auch der Täter den Kontakt zu den Medien suchen, aber darauf hatten wir keinen Einfluss.

Ein junger schwarzer Cop nickte uns zu und hob für Phil und mich das gelbe Absperrband.

»Wo arbeitet die SRD?«, wollte ich von ihm wissen.

»Im fünften Stockwerk, Agent.«

Phil und ich fuhren mit dem Lift nach oben. Es war ein seltsames Gefühl, durch die weit offen stehende Apartmenttür in Laura Darros Wohnung einzudringen. Ich war noch nie zuvor bei ihr gewesen. Es kam mir vor, als ob wir ihre Privatsphäre verletzen würden. Aber wir mussten es tun, um die Wahrheit über ihr Schicksal zu erfahren.

Ein SRD-Spezialist im weißen Overall war mit dem Sicherungssystem der Tür beschäftigt. Er blickte auf, als wir zu ihm kamen.

»Laura Darro hat ein modernes doppeltes Schlosssystem einbauen lassen«, teilte der Kollege uns mit. »Aber es wurde überbrückt, und zwar von einem Profi. Er hat kaum Spuren hinterlassen. Von außen war nicht zu erkennen, dass in das Apartment eingebrochen wurde.«

»Dann haben der oder die Täter also Laura Darro in der Wohnung erwartet?«, vergewisserte ich mich.

»Bisher deutet jedenfalls alles darauf hin.«

Mit dieser Information drangen wir weiter in das kleine Apartment vor. Kampfspuren existierten nicht, das konnte man auf den ersten Blick feststellen. Ich versuchte, das Geschehen zu rekonstruieren.

»Laura kommt aus dem Aufzug und schließt ihre Apartmenttür auf. Dort wird sie von Verbrechern erwartet, die sie entweder niederschlagen oder auf eine andere Art betäuben. Als FBI-Agents beherrscht sie Selbstverteidigungstechniken, aber vermutlich ist sie völlig überrascht worden. Außerdem waren ihre Gegner möglicherweise in der Überzahl.«

Phil nickte grimmig.

»Ja, aber andererseits ist Laura Darro so klein und zierlich, dass auch ein einzelner Mann sie wegschleppen könnte. Falls sie ausgeknockt wurde, hat sie jedenfalls keine offene Wunde davongetragen. Auf jeden Fall sind nirgendwo Blutspuren zu entdecken. Und da die Überwachungskameras manipuliert waren, konnte der Täter sie auf jeden Fall unbeobachtet aus dem Haus schaffen.«

»Allerdings kommt hier noch der Wachmann ins Spiel«, gab ich zu bedenken. »Wie ist der Verbrecher, falls es nur einer war, an ihm vorbeigekommen?«

»Das fragen wir ihn am besten selbst«, meinte Phil.

***

Steve Bronson und Emilio Fugatti erwarteten uns bereits in der Pförtnerloge. Dort gab es zahlreiche Monitore, mit deren Hilfe die Korridore und die Tiefgarage überwacht wurden. Unser junger Computerspezialist Alec Hanray war gerade dabei, die Anlage auseinanderzunehmen. Er nickte uns zu, machte dann aber mit seiner Arbeit weiter. Genau wie unsere anderen Kollegen wollte er alles tun, um zur Lösung des Rätsels beizutragen.

Die beiden Securitys waren groß und muskulös, wie man es von Ex-Marines erwarten konnte. Sie trugen die hellgrüne Fantasie-Uniform des Sicherheitsdienstes. Nachdem Phil und ich uns offiziell vorgestellt hatten, befassten wir uns zunächst mit dem Wachmann der Nachtschicht.

»Erzählen Sie uns einfach, was gestern Abend geschehen ist«, forderte ich Steve Bronson auf. Der strohblonde Security nickte und legte nachdenklich die Stirn in Falten.

»Sehr gern, Agent Cotton. Ich hoffe wirklich, dass Miss Darro nichts Schlimmes passiert ist. Sie kam um kurz nach neun Uhr aus der Tiefgarage, wünschte mir eine ruhige Nachtschicht und fuhr dann mit dem Lift hoch zu ihrem Apartment.«

»Ist Ihnen etwas an ihr aufgefallen?«, hakte ich nach. »Wirkte Laura Darro besonders angespannt oder nervös?«

»Oder war ihr Verhalten in letzter Zeit allgemein anders?«, ergänzte Phil.

Steve Bronson schüttelte den Kopf.

»Nein, auf mich wirkte sie völlig normal. Allerdings hatte ich auch keinen intensiven Kontakt zu ihr. Meistens grüßten wir uns nur und sprachen höchstens kurz über das Wetter oder das letzte Spiel der Yankees.«

»Aber Sie wussten, dass Laura Darro FBI-Agent ist?«

»Ja, Agent Cotton. In unserer Mieterliste sind ja auch die Arbeitgeber unserer Hausbewohner verzeichnet. Ich sprach sie einmal darauf an, weil ich neugierig war. Da sagte sie nur, dass sie über laufende Ermittlungsfälle nichts erzählen dürfte. Das verstehe ich natürlich.«

»Wie sieht es mit Besuchern aus, die zu Laura Darro wollten?«, fragte ich. »Kamen viele Leute zu ihr?«

»Ich kann mich nicht erinnern, dass in den vergangenen Wochen jemand Laura Darro aufgesucht hat, jedenfalls nicht während meiner Schicht. Die Mieter haben eine Chipkarte, mit der sie in die Tiefgarage fahren können. Fremde Autos können also nicht dort geparkt werden. Und wenn jemand zu Fuß kommt, muss er an der Pförtnerloge vorbei.«

»Okay, aber was geschieht, wenn Sie gerade einen Rundgang machen?«

»Wenn ich im Gebäude unterwegs bin, ist die Eingangstür verschlossen. Die Besucher müssen klingeln. Dann ertönt mein Pager.«

»Patrouillieren Sie regelmäßig?«

»Ja, Agent Cotton. Ich mache zu jeder vollen Stunde einen Rundgang, der ungefähr zehn Minuten dauert.«

Nun war mir klar, wie der Kidnapper Laura Darro unbemerkt aus dem Gebäude geschafft hatte. Die Chipkarte für die Einfahrt in die Tiefgarage war einfach zu fälschen, jedenfalls für einen Elektronikspezialisten. Daher konnte ein Verbrecher sehr wohl mit seinem Fahrzeug dort hineingelangen.

Der Täter konnte unsere bewusstlose Kollegin an der Pförtnerloge vorbeischaffen, während Steve Bronson seinen Rundgang machte. Dann musste Laura Darro nur noch in einen Kofferraum oder hinten in einen Van verfrachtet werden. Die Videobänder waren ja manipuliert worden und zeigten keinen Hinweis auf eine Entführung.

Ich machte mir Notizen.

»Der Täter hat das Kidnapping perfekt organisiert«, stellte Phil grimmig fest. »Allerdings frage ich mich, warum er dann die Apartmenttür einen Spalt weit aufgelassen hat.«

»Er wollte, dass wir Laura Darros Verschwinden schnell bemerken«, sagte ich. »Dadurch will er eine Botschaft an das FBI schicken.«

Vorerst war dieser Gedanke reine Spekulation. Wir mussten weitere Fakten sammeln. Daher wandte ich mich an den Wachmann von der Tagesschicht.

»Ist Ihnen außer der offen stehenden Tür im Gebäude etwas Ungewöhnliches aufgefallen?«, fragte ich Emilio Fugatti. Der italienischstämmige Security schüttelte heftig den Kopf.

»Nein, Agent Cotton. Morgens ist es hier oft unruhig, weil viele Mieter gleichzeitig zur Arbeit in ihre Büros fahren. Dann gibt es meist einen kleinen Stau vor der Ausfahrt der Tiefgarage. Aber ansonsten war alles normal.«

Die beiden Wachmänner wirkten auf mich glaubwürdig. Ihre Aussagen klangen plausibel. Offenbar hatte der Täter die Entführung unserer Kollegin von langer Hand vorbereitet. Er wusste offenbar genau, wie er die Haussicherung und das Schlosssystem ihres Apartments überwinden konnte. Und er war unerkannt wieder entkommen.

Immerhin hatte er Laura Darro nicht sofort getötet, obwohl er dazu die Gelegenheit gehabt hätte. Das war aber auch das einzig Positive, das ich der Situation abgewinnen konnte.

***

Ich rief Sarah Hunter an und bat sie, die Aussagen der Wachmänner schriftlich aufzunehmen. Doch als unsere dunkelhaarige Kollegin eintraf, nahm ich sie noch kurz beiseite.

»Mit Phil und mir hat Laura Darro niemals über ihr Privatleben gesprochen. Hat sie dir einmal etwas anvertraut, sozusagen von Frau zu Frau? Wir wissen praktisch nichts über sie. Ich vermute, dass ihr Entführer sie systematisch ausspioniert hat. Er hatte möglicherweise einen Komplizen, vielleicht sogar Lauras Freund.«

Sarah Hunter runzelte die Stirn.

»Ich weiß gar nicht, ob Laura Darro überhaupt einen Freund hat. Ich bin nicht gerade Lauras Busenfreundin, obwohl ich sie sympathisch finde. Aber sie ist immer sehr still und in sich gekehrt, also irgendwie das genaue Gegenteil von mir. Aber ich will gerne noch mit June Clark und mit den anderen FBI-Frauen reden. Vielleicht hat Laura ja mit einer von ihnen über ihr Privatleben gesprochen.«

Sarah Hunter versprach, mich auf dem Laufenden zu halten. Während sie sich um die Aussagen der Securitys kümmerte, kehrten Phil und ich in das Apartment zurück.

Alec Hanray erwartete uns bereits. Sein Gesichtsausdruck zeigte Frustration und grenzenlose Enttäuschung.

»Wer immer das Überwachungssystem lahmgelegt hat, ist ein absoluter Profi. Der Verbrecher hat ein Verwirrspiel mit Netzwerkknoten veranstaltet. Ich will euch nicht mit Einzelheiten langweilen, aber es kann Tage dauern, bis ich dem Mistkerl in den Weiten des Internets auf die Schliche gekommen bin. Es ist gut möglich, dass diese Spur völlig im Sand verläuft.«

»Und bis dahin ist Laura Darro in der Gewalt des Kidnappers«, stellte Phil bitter fest. Momentan hatten wir überhaupt keine Anhaltspunkte. Während die Kollegen der SRD weiterhin die Wohnung nach Spuren durchforsteten, nahmen Phil und ich uns die Nachbarn vor. Viele von ihnen waren natürlich bei der Arbeit. Aber die wenigen Anwesenden sagten übereinstimmend aus, am vorigen Abend nichts Verdächtiges bemerkt zu haben. Es gab keinen Grund, an ihren Worten zu zweifeln.

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