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Jerry Cotton - Folge 2942

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Das letzte Level ist der Tod
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Das letzte Level ist der Tod

Ron Carter schlenderte den Pier entlang. In zehn Minuten würde die Fähre ablegen und ihn und seine Reisegruppe nach Governors Island bringen, um sich Fort Jay und Castle Williams anzusehen. Sein Blick schweifte über den Hudson River, auf der Suche nach weiteren reizvollen Motiven, die er auf seinem Smartphone festhalten konnte.

Er wollte sich gerade abwenden und zu seiner Reisegruppe zurückgehen, als er plötzlich die Augen aufriss und ungläubig auf das Wasser starrte. Auf dem Hudson River, keine 50 Yards von ihm entfernt, trieb eine männliche Leiche vorüber. Auf deren Brust hockte ein riesenhafter, goldglänzender Vogel.

Wer in diesen Tagen das Pech hatte in New York zu wohnen und nicht die Möglichkeit, sich Urlaub zu nehmen und das Weite zu suchen, war froh, wenn er zumindest über eine Klimaanlage verfügte. Wenn nicht, wäre er vermutlich bereit gewesen, jeden Preis dafür zu zahlen. Kein Wunder, herrschten in der Stadt doch seit über einer Woche Temperaturen von knapp vierzig Grad.

Als Phil an der üblichen Stelle in den Jaguar stieg, war es kurz nach acht. Aber trotz der frühen Stunde war sein Gesicht bereits von einem glänzenden Schweißfilm überzogen.

Das Thermometer stand auf 27 Grad.

»Warum bin ich nicht als Walross zur Welt gekommen«, stöhnte er, während er sich anschnallte. »Oder als Galapagos-Seelöwe. Ich hab kürzlich eine Dokumentation im Fernsehen gesehen. Die Jungs hängen den ganzen Tag am Strand ab, und wenn es ihnen zu heiß wird, drehen sie eine Runde um die Insel. So stelle ich mir das perfekte Leben vor.«

Ich schmunzelte, denn ich wusste genau, warum mein Partner sich solchen Fantasien hingab.

»Vielleicht würde es schon reichen, wenn du endlich deine Klimaanlage reparieren lassen würdest.«

»Soll das ein Witz sein? Ich stehe bei fünf Reparaturdiensten auf der Warteliste. Die kommen wahrscheinlich erst, wenn die Lichter am Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center angezündet werden.«

Phil tat mir leid. Fast in jedem Sommer gab es diese vierzehn Tage, in denen sich unsere Stadt in einen Glutofen verwandelte. Wenn dann die Klimaanlage ausfiel, war das ungefähr so, als wenn man Weihnachten ohne Heizung dasaß.

»Und wenn du es erst mal mit einem Ventilator versuchst? Es gibt da inzwischen sehr leistungsstarke Modelle, die angeblich die ganze Wohnung kühlen.«

»Jerry, in dieser Stadt bekommst du zurzeit nicht mal einen Handventilator. Für eine funktionierende Klimaanlage werden Morde begangen. Also bitte, spar dir deine Ratschläge.«

Ich schwieg, und als wir durch Greenwich fuhren, hatte sich der Seelenzustand meines Partners auch schon wieder einigermaßen stabilisiert. Und die Transpiration war zum Stillstand gekommen.

Denn mein Jaguar hatte nicht nur 510 Viper-PS unter der Motorhaube. Er verfügte auch über eine ausgezeichnete Klimaanlage.

»Warst du heute schon online?« Phil genoss die angenehmen zwanzig Grad Innentemperatur sichtlich und lebte regelrecht auf. »Oder hast du CNN gesehen?«

»Nein. Warum?«

»Irgendjemand hat einen ziemlich abgefahrenen Clip auf YouTube eingestellt. Solltest du dir unbedingt mal ansehen.«

Ich war nicht unbedingt ein Fan der typischen YouTube-Videos. Entweder handelte es sich um niedliche Szenen mit Haustieren oder um Situationen, in denen Menschen sich unglaublich dämlich anstellten und spontane Schadenfreude beim Betrachter auslösten.

Am schlimmsten war eine Mischung aus beidem.

Katzen, die beim Versuch, eine Plastikmaus zu erwischen, in eine volle Badewanne rutschten. Hunde, die mit ihrem Spiegelbild flirteten. Affen, die beim Lausen ihre Arme rettungslos verknoteten.

Nicht meine Art von Humor.

***

Im Büro angekommen, checkten wir als Erstes unsere Mails und brachten uns mit dem aktuellen NYPD Crime Report auf den Stand über die Verbrechen, die in den vergangenen zwölf Stunden in unserer Stadt verübt worden waren.

Fünf Morde, 24 Vergewaltigungen, 39 Raubüberfälle, 56 schwere Körperverletzungen.

Eigentumsdelikte wurden in einer separaten Rubrik aufgeführt.

Die Zahlen lagen knapp über dem Durchschnitt. Angesichts der extremen Temperaturen hätten sie aber auch deutlich höher ausfallen können.

Allerdings tauchten in dieser Statistik längst nicht alle tatsächlich verübten Verbrechen auf. In einer Acht-Millionen-Stadt wie New York war die Dunkelziffer immer eine respektable Größe.

Unser Kollege Steve Dillaggio kam herein und stellte uns ein Sixpack eisgekühlte Wasserflaschen auf den Tisch.

»Damit eure Synapsen bei den Höllentemperaturen nicht verglühen«, scherzte er augenzwinkernd, und dann: »Habt ihr das Video schon gesehen?«

Jetzt war es schon DAS Video. Denn natürlich meinte auch Steve den Clip, den Phil auf der Fahrt zum Field Office erwähnt hat. Es schien kein Weg daran vorbeizuführen, ich musste mir die Bilder anschauen.

Ich ging auf die YouTube-Site.

»Was soll ich eingeben?«

Phil und Steve sahen sich kurz an.

»Schreib einfach South Ferry«, schlug Steve Dillaggio vor.

Und dann sah ich dieses unglaubliche Video.

Es war 51 Sekunden lang.

Offensichtlich handelte es sich um eine Amateuraufnahme, gefilmt mit einem Handy. Besonders zu Beginn war das Bild stark verwackelt, zwischendurch fiel das Handy auf den Boden, glücklicherweise wurde die Kamera dabei nicht beschädigt. Dann wurde das Bild langsam stabiler. Man sah Wasser, sehr viel Wasser, durch den oberen rechten Rand kreuzte das Heck einer Personenfähre. Und genau in der Mitte schimmerte etwas.

Langsam zoomte die Kamera darauf zu. Etwas trieb auf den Wellen. Es wurde größer. Immer noch hatte der Amateurfilmer Mühe, das Handy ruhig zu halten. Aber der schimmernde Gegenstand kam näher. Schließlich füllte er den gesamten Bildausschnitt aus.

Ich machte die Umrisse eines menschlichen Körpers aus. Eines unbekleideten Körpers. Eine nackte männliche Leiche, die auf dem Rücken liegend auf dem Wasser trieb. Der Körper wies eine Reihe von Stichwunden auf. Seine Augenhöhlen waren leer.

Aber es war nicht die helle Haut des Toten, die so stark schimmerte.

Es war der riesige, goldene Vogel, der auf der Brust des Toten hockte und mit unergründlichem Blick ans Ufer starrte. Direkt in die Kamera.

Dann brach die Aufnahme unvermittelt ab.

»Krass, oder?« Steve stand rechts hinter mir. Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken. »Ich sehe mir das Zeug jetzt schon zum sechsten Mal an, und jedes Mal kriege ich eine Gänsehaut.«

Ich konnte meinen Kollegen verstehen. So drastische Bilder bekam man nicht jeden Tag geboten.

»Wisst ihr schon, um wen es sich bei dem Toten handelt?«, fragte ich Steve. Er zuckte die Schultern. »Keine Ahnung. Erfahren wir vermutlich morgen aus der Zeitung.«

Aber so lange mussten wir nicht warten. Helen rief an und bat uns zum Chef. »Es ist dringend«, fügte sie hinzu. Da ahnte ich bereits, dass es um die Leiche auf dem Hudson ging. Meine Ahnung sollte mich nicht trügen.

»Jerry, Phil.« Mr High empfing uns in ausgesprochen ernster Verfassung. »Haben Sie heute schon die Nachrichten gesehen?«

»Sprechen Sie von dem Clip auf YouTube

Mr High nickte angespannt. »Was halten Sie davon?«

»Schwer zu sagen«, antwortete ich vage. »Normalerweise versucht man ein Verbrechen zu vertuschen. In diesem Fall scheint es der Täter dagegen geradezu darauf angelegt zu haben, seine Straftat öffentlich zu machen.«

»Er konnte nicht unbedingt damit rechnen, dass dieses Video schon nach wenigen Minuten bei YouTube hochgeladen wurde«, gab unser Chef zu bedenken.

»Smartphones sind heutzutage allgegenwärtig«, entgegnete Phil. »Wo etwas Spektakuläres passiert, ist fast immer jemand in der Nähe, der es für die sensationsgierigen Nutzer solcher Plattformen festhält.«

»Da muss ich meinem Kollegen recht geben«, ergänzte ich. »Und am South Ferry Terminal wimmelt es um diese Zeit von Touristen, die alles filmen, was sich bewegt.«

Mr High schwieg. Während er den Blick aus den großen Panoramafenstern auf die Stadt richtete, schien er sich unsere Argumente durch den Kopf gehen zu lassen.

»Wer weiß, vielleicht hat er die Aufnahme sogar selbst gemacht«, überlegte Phil laut. »Wer krank genug ist, einen so abscheulichen Mord zu inszenieren, dem traue ich auch so etwas zu.«

Mr High winkte ab. »Die Aufnahme stammt von einem Touristen aus Seattle, der mit seiner Reisegruppe auf die Fähre nach Governors Island wartete. Wir haben ihn überprüft. Er ist absolut sauber.«

»Und besitzt für den Zeitpunkt des Mordes wahrscheinlich ein Alibi?«, vergewisserte ich mich.

»Für diesen und sämtliche Morde, die in den vergangenen 72 Stunden in dieser Stadt verübt worden sind«, bestätigte Mr High. »Die Reisegruppe absolviert ein straffes Programm. Und nachts schläft er mit seinem Vater in einem Zimmer, der über einen sehr leichten Schlaf verfügt.«

Unsere Kollegen vom NYPD hatten offenbar schon gründliche Arbeit geleistet.

»Weiß man schon, wer der Tote ist?«

Mr High hob den Blick und sah uns angespannt an.

»Sagt Ihnen der Name Shi Quiang etwas?«

Phil und ich wechselten einen betroffenen Blick.

»Shi Quiang ist einer der mächtigsten Männer in Chinatown«, erwiderte mein Kollege. »Er ist das Oberhaupt einer der größten Triaden-Organisationen in unserer Stadt. Vor zwei Jahren, bei den blutigen Auseinandersetzungen mit der Russen-Mafia, spielte er eine entscheidende Rolle.«

Mr High nickte nachdenklich und fuhr sich mit seiner schmalen Künstlerhand über das silbergraue Haar.

»Der Tote ist doch nicht etwa Shi Quiang?«

»Nicht Shi Quiang, sondern sein ältester Sohn Hu Dong«, antwortete unser Chef. »Ich bin mir noch nicht sicher, was dahintersteckt. Aber bevor die Stadt in Flammen aufgeht, müssen wir alles daransetzen, genau das zu verhindern.«

Ich zog die Augenbrauen zusammen.

»Befürchten Sie den Ausbruch eines Bandenkriegs?«

»Wir müssen mit allem rechnen«, erwiderte Mr High ausweichend. »Zunächst einmal gilt es herauszufinden, wer Hu Dong umgebracht hat. Das wird nicht leicht sein. Shi Quiang hat viele Feinde.«

Kein Wunder, er kochte auch in vielen Töpfen. Seine Organisation kontrollierte den Drogenhandel in Brooklyn und Queens, machte Geschäfte mit illegaler Prostitution und trieb Schutzgelder in ganz New York ein. Wer so erfolgreich war, hatte viele Neider. Zumal Shi Quiang bei allem, was er anpackte, äußerst rücksichtslos, brutal und kompromisslos vorging.

So machte man sich keine Freunde. Aber Freunde besaßen für Shi Quiang auch keinen Wert. Das Einzige, was für ihn zählte, war Macht. Und die Familie.

Da draußen gab es irgendjemanden, der das wusste. Mit dem Mord an seinem Sohn hatte er den mächtigen Paten an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Die Rache würde furchtbar sein.

»Haben Sie schon einen konkreten Verdacht?«, fragte ich unseren Chef direkt.

Er zögerte einen Moment, als wäre er nicht sicher, ob er eine bestimmte Information herausrücken sollte oder nicht. Dann schüttelte er entschieden den Kopf.

»Nein. Es gab zuletzt zwar Hinweise auf einen bevorstehenden Kampf mit den Rumänen um die Vorherrschaft in Queens. Aber das scheinen die entscheidenden Leute intern geregelt zu haben.«

»Wer war der Mann auf der Seite der Rumänen?«

»Ciprian Petrescu. Besser bekannt als der Capitan

Der Capitan war kein unbeschriebenes Blatt. Auch wir hatten schon das zweifelhafte Vergnügen seiner Bekanntschaft genossen. Damals ging es um ein größeres Drogengeschäft mit dem Regime in Mali. Unsere Kollegen von der DEA hatten hervorragende Arbeit geleistet, wir hatten Ciprian Petrescu praktisch am Haken, aber obwohl wir den Deal erfolgreich verhindern konnten, ging uns der Capitan im letzten Moment durch die Lappen.

Bis zuletzt blieb unklar, wie genau ihm das gelungen war. Vielleicht bot sich jetzt die Gelegenheit, ihn für ein anderes Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.

»Vielleicht hören Sie sich zunächst an, was Dr. Drakenhart zu sagen hat«, schlug Mr High vor. »Sie hat den Leichnam von Hu Dong in den vergangenen drei Stunden gründlich untersucht. Anschließend konfrontieren Sie Shi Quiang mit der Nachricht von dem Mord an seinem Sohn. Vielleicht können Sie ja aus seiner Reaktion irgendwelche Rückschlüsse ziehen.«

Das klang nach einem guten Plan.

***

Dr. Janice Drakenhart arbeitete als Forensikerin bei der Scientific Research Division in der Bronx und erwartete uns in ihrem Büro. Offenbar hatte Helen unseren Besuch bereits angekündigt. Ich schickte im Stillen ein Dankgebet zum Himmel, denn auf diese Weise blieb uns der Gang in die kühlen Keller der Pathologie erspart. Auf den Anblick der Edelstahltische mit Abflussrinnen und den leicht süßlichen Geruch, vermischt mit Formaldehyd, konnte ich gut verzichten.

»Ihr kommt wegen des Chinesen?«, begrüßte sie uns aufgeräumt, als handelte es sich um einen Anzug, den wir aus der Reinigung abholen wollten.

»Hast du die Untersuchung schon abgeschlossen?«, nickte ich.

»Gerade eben.« Janice griff nach einer schmalen Akte auf der Ablage. »Ihr kommt keine Minute zu früh.«

Sie schlug den Deckel auf, nahm ein paar Fotos aus einer durchsichtigen Plastikhülle und legte sie vor uns auf den Tisch. Sie zeigten den toten Sohn des Triaden-Chefs, aufgenommen aus allen möglichen Perspektiven.

Kein schöner Anblick – aber wann kann man das von einer Leiche schon behaupten?

Erst recht, wenn von den Augen nichts übrig geblieben ist als zwei leere, schwarze Löcher und der ganze Körper von Stichwunden übersät ist.

»Zumindest die Todesursache scheint in diesem Fall klar zu sein«, ließ Phil sich vernehmen.

»Tatsächlich?« Dr. Drakenhart zog die Augenbrauen hoch. Leicht verunsichert warf Phil mir einen Seitenblick zu.

»Er ist doch offenbar erstochen worden«, beharrte mein Kollege, allerdings jetzt schon etwas zaghafter. »Und zwar mit mehreren Messerstichen.«

»Dann sieh dir mal dieses Foto an.« Janice schob ihm eine der Aufnahmen zu. »Und? Bleibst du bei deiner Meinung?«

Phil musterte die Aufnahme aufmerksam, dann lehnte er sich seufzend zurück.

»Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil«, gab er kleinlaut zu. »Hu Dong wurde mit einem aufgesetzten Schuss in den Hinterkopf getötet.«

Ich nahm ihm das Foto aus der Hand und betrachtete es eingehend. Tatsächlich war unter dem dichten, schwarzen Haar des Chinesen ein kleines, rotes Einschussloch zu erkennen. Auch ich hatte es beim ersten flüchtigen Blick übersehen.

»Richtig. Außerdem habe ich an Fuß- und Handgelenken Faserspuren sichergestellt, die auf eine Fesselung deuten könnten.«

Phil und ich wechselten einen angespannten Blick.

»Mit anderen Worten, Hu Dong, der Sohn des mächtigen Triaden-Oberhauptes, wurde kaltblütig hingerichtet«, konstatierte ich.

»Es gibt zumindest Anzeichen dafür«, relativierte Dr. Drakenhart. »Für eine abschließende Beurteilung ist es noch zu früh.«

»Kannst du schon etwas zum Todeszeitpunkt sagen?«, fragte ich.

»Ich kann ihn zumindest eingrenzen«, antwortete Janice. »Wenn man berücksichtigt, dass der Körper eine ganze Weile im Wasser getrieben hat, würde ich sagen, der Tod ist zwischen 6 und 7 Uhr früh eingetreten, mit einer Toleranzspanne von 30 Minuten.«

Ich nickte nachdenklich. »Danke, Janice, das hilft uns sicher weiter.«

Phil starrte auf die Fotos auf dem Tisch.

»Und was ist mit den vielen Stichwunden?«

»Ich habe 109 Einstiche gezählt. Von harmlosen Schnitten, die kaum die Haut ritzen, bis hin zu tiefen Fleischwunden ist alles vertreten.«

Phil schüttelte ratlos den Kopf.

»Wer tut so was? Ich meine, wir kennen eine ähnliche Vorgehensweise bei Morden, die aus Leidenschaft begangen werden. Wenn jemand in rasender Wut auf den Menschen einsticht, der ihn zutiefst verletzt hat.«

Er warf einen Blick auf den toten Chinesen.

»Aber davon kann in diesem Fall ja wohl keine Rede sein.«

»Kaum«, bestätigte Janice Drakenhart. »Zumal dem Opfer sämtliche Stichwunden post mortem beigebracht wurden.«

Nachdem ich die Schusswunde am Hinterkopf gesehen hatte, hatte ich so etwas schon vermutet. Aber es machte die ganze Sache noch rätselhafter.

»Hattest du etwas Vergleichbares schon mal auf dem Tisch?«, fragte ich Janice direkt.

»Ein klares Nein«, kam es prompt zurück. »Aber soll ich dir sagen, woran ich sofort gedacht habe, als ich den Körper zum ersten Mal gesehen habe?«

Wir zuckten mit den Schultern.

»Kennt ihr den Film Die Vögel von Alfred Hitchcock?«

Kaum hatte Janice das ausgesprochen, als es mir wie Schuppen von den Augen fiel.

»Hu Dong sieht aus, als wäre er von einem riesigen Vogel totgehackt worden!«

»Aber das Ganze war nur ein Fake«, folgte Phil meinem Gedankengang. »Die Leiche wurde erst nachträglich präpariert.«

»Fragt sich nur, warum«, warf Janice ein.

»Vielleicht um jemandem eine Botschaft zu senden«, überlegte ich.

»Du meinst, eine Drohung? Nach dem Motto: Dir wird das Gleiche passieren, wenn du nicht tust, was ich sage?«

Ich zuckte die Schultern.

»Möglich. Aber vielleicht lautet die Botschaft auch ganz anders. Den Sinn dieser verschlüsselten Nachricht versteht vermutlich nur derjenige, für den sie bestimmt war.«

Ich wandte mich an Janice.

»Wo ist der goldene Vogel, der auf der Leiche hockte?«

»Den haben die Leute von der Crime Scene Unit mitgenommen. Sie haben mir nur ein paar Fotos überlassen.«

Dr. Drakenhart steckte die Fotos des toten Hu Dong zurück in die Plastiktasche und legte drei andere Fotos vor uns aus. Eins zeigte die Leiche im Hudson mit dem auf ihr sitzenden Vogel. Für die beiden anderen Aufnahmen hatten die Kollegen von der Spurensicherung den Vogel separat fotografiert.

Phil und ich beugten uns über die Aufnahmen und betrachteten das bizarre Tier eingehend. Der Vogel war knapp drei Fuß hoch und etwa zwei Fuß breit. Er bestand aus einem leichten Kunststoff und war mit einer goldenen Farbschicht überzogen. An den Stellen der Augen waren dunkelblaue Glassteine eingesetzt.

»Woran erinnert dich das?« Ich sah meinen Partner fragend an.

Er hob vage die Schultern. »Eine Comicfigur? Oder eine Figur aus einem Trickfilm?«

Ich nickte nachdenklich.

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