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Jerry Cotton - Folge 2935

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Leichen lügen nicht
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Leichen lügen nicht

Als Nancy West aus dem Holiday Inn auf die Lafayette Street trat, fing es gerade an zu schneien. Es war zwei Uhr früh und eisig kalt, sie zog den Nerz-Bolero vor der Brust zusammen und sah sich fröstelnd um. Der Dodge Charger von Joe parkte vor der Cathay Bank auf der anderen Straßenseite. Joe war in seine Wettzeitung vertieft und hatte sie noch nicht bemerkt.

Nancy West überquerte die Straße, auf der sich bereits eine dünne Schneeschicht bildete, und betrat das Dunkin’ Donuts. Während sie darauf wartete, dass der mürrische Verkäufer ihre zwei Butternut-Donuts in eine Tüte packte, prallte plötzlich ein großer schwarzer Vogel mit lautem Knall gegen die Schaufensterscheibe. Mit zerschmettertem Schädel blieb er auf dem Bürgersteig liegen, sein Blut färbte den frisch gefallenen Neuschnee rot.

»Wie siehst du denn aus?« Joe Cumber warf die Zeitung auf die Rückbank. »Hast du ein Gespenst gesehen?«

»Fahr los«, hauchte sie. Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. Sie schloss die Augen. Ihre Hände zitterten.

Frauen, dachte Joe kopfschüttelnd und ließ den Motor an. Wahrscheinlich kriegt sie ihre Tage.

Der Wagen glitt durch das immer dichter werdende Schneetreiben, bog links in die Canal Street ein und nahm Kurs auf die Lower East Side.

Nancy war eine klasse Braut. Aber ihre esoterische Tour ging ihm manchmal schwer auf die Nerven. Das Theater mit den Tarot-Karten. Ihr unerschütterlicher Glaube an das Horoskop der New York Post. Und dann erst ihre bizarren Gespräche mit Leuten, die seit Jahren unter der Erde lagen.

Man konnte es auch übertreiben.

Der Schnee fiel in dicken Flocken aus dem schwarzen Himmel über New York. Joe gondelte gemütlich die Canal Street hinunter.

»Trinken wir noch was bei dir, Baby?«

Sie schien ihn nicht zu hören. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in das wilde Treiben der Flocken hinaus, als wollte sie eine geheime Botschaft darin entziffern.

»Nancy?«

Sie blickte ihn an, als hätte sie ihn noch nie zuvor gesehen.

»Was ist los, Schatz? Hat er dir wehgetan?«

»Wer?«

»Der Kerl, mit dem du dich im Holiday Inn vergnügt hast.«

Vergnügen war nicht ganz der richtige Ausdruck. Nancy hatte gearbeitet. Sie hatte geduscht, geraucht, getanzt und Champagner getrunken. Die Flasche für 250 Dollar. Und dann hatte sie ihren Kunden nach allen Regeln der Liebeskunst verwöhnt.

Dafür hatte er ihr tausend Dollar bezahlt. Das war ihr Preis.

Nancy machte eine wegwerfende Handbewegung.

»Mit kranken Typen arbeite ich nicht. Das weißt du doch.«

Auf ihre Menschenkenntnis konnte Nancy sich verlassen. Diese Fähigkeit war in ihrem Job lebenswichtig. Würde sie sich mit jedem einlassen, den Cayenne Escort ihr vermittelte, wäre das Risiko viel zu groß. Die Stadt wimmelte von Leuten, die nicht mehr alle Latten am Zaun hatten.

»Was ist dann passiert? Seit du von deinem Job zurück bist, bist du völlig durch den Wind.«

Nancy starrte wieder durch die Windschutzscheibe.

»Ich habe einen großen, schwarzen Vogel gesehen«, antwortete sie schließlich tonlos. »Er ist im Schnee gestorben. Ich habe sein Blut gesehen.«

Oh Mann. Es ging schon wieder los. Gleich würde sie ihm von ihrem letzten Traum erzählen. Oder vom Smalltalk mit Tante Margie, die letztes Jahr gestorben war.

»Es war der Todesvogel!«

Wie viele Vögel lebten in New York? Hunderttausend? Eine Million? Zwei Millionen? Aber wenn einer von ihnen zufällig Nancys Weg kreuzte, war es natürlich gleich der Todesvogel. Jetzt bloß nicht ironisch werden, mahnte sich Joe im Stillen, sonst konnte er den Absacker in ihrem Apartment vergessen.

»Und was bedeutet das, Darling?«

Ihre großen, dunklen Augen blickten ihn an. »Ich werde sterben, Joe.«

»Wir werden alle sterben, Nancy.«

»Es wird nicht mehr lange dauern«, beharrte sie mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.

Er hatte den East Broadway erreicht und fädelte sich geschickt in den für die frühe Stunde erstaunlich dichten Verkehr ein.

»Du weißt, was ich von solchen Dingen halte«, setzte er vorsichtig an.

Nancy antwortete nicht. Stattdessen kramte sie in ihrer Handtasche nach Zigaretten.

Wieder hatte er das Gefühl, dass sie ihm gar nicht richtig zuhörte. »Soll ich heute Nacht bei dir bleiben?«

»Das würde nichts nützen.«

»Soll das heißen, du traust mir nicht zu, mit dem Kerl fertigzuwerden?«

Traurig lächelnd schüttelte Nancy den Kopf.

»Das verstehst du nicht, Joe. Wenn du dem Todesvogel begegnest, ist dein Schicksal besiegelt. Kein Mensch kann sich gegen das auflehnen, was höhere Mächte beschlossen haben.«

Joe Cumber hisste die weiße Fahne. Wenn höhere Mächte ins Spiel kamen, hatte er verloren. So viel immerhin hatte er während seiner Beziehung mit Nancy gelernt.

Er bog in die Jefferson Street ein. An der Ecke Henry legte Nancy ihm die Hand auf den Arm.

»Lass mich hier raus, Joe. Ich brauche noch Zigaretten.«

Joe blickte sich um. Die Straße war nicht beleuchtet. Ein China-Laden reihte sich an den nächsten. An der Straßenecke wurde gebaut, die bunten Wohnwagen der Bauarbeiter waren im Schneetreiben nur undeutlich zu erkennen.

Er hatte ein mulmiges Gefühl.

»Soll ich dich nicht wenigstens bis zur Haustür bringen?«

»Nicht nötig. Es sind ja nur noch hundert Schritte.«

Nancy beugte sich vor und küsste ihn auf die Wange.

»Danke fürs Abholen, Joe«, hauchte sie. Dann glitt sie aus dem Wagen wie ein Schatten. Nur ihr Geruch blieb zurück, ein unbestimmtes Gemisch aus Veilchenduft und kalter Asche.

Joe winkte ihr zum Abschied zu, dann verschwand Nancy West hinter einem Schleier von Schnee.

***

Es war spät geworden gestern Abend. Ich hatte mir mit Freunden eine Vorstellung im National Comedy Theatre angesehen, eine urkomische Truppe aus Kroatien. Wir hatten zwar kein Wort verstanden, aber trotzdem viel gelacht. Anschließend waren wir noch in einem Club auf der Eighth Avenue gelandet und hatten etwas getrunken. Das rächte sich jetzt in Form von Kopfschmerzen und einem tauben Gefühl auf der Zunge.

Zum Glück hatte ein praktisch veranlagter Mensch den coffee to go erfunden.

Ein Jumbobecher dieses segensreichen Zaubertrunks stand verheißungsvoll dampfend im Getränkehalter auf dem Armaturenbrett.

Als Phil an der gewohnten Ecke einstieg, erfüllte köstlicher Kaffeeduft das Innere des Jaguar.

»Ist das ein neuer Service?«, grinste Phil und wollte nach dem Becher greifen. »Find ich gut.«

Ich kam ihm knapp zuvor.

»Nur für Nachteulen«, beschied ich ihn und ließ den glühend heißen Wachmacher durch meine Kehle fließen.

Phil zog eine Grimasse.

»Hast du dich wenigstens gut amüsiert?«

»Die Jungs waren großartig. Hast du leider was verpasst.«

Ursprünglich hatte Phil vorgehabt, sich die Vorstellung anzusehen. Dann hatte ein Cousin kurzfristig seinen Besuch angekündigt, und ihm war nichts anderes übrig geblieben als mir die Karte zu überlassen.

Seit Tagen schon schneite es im Big Apple. Aber weil die Temperatur am Boden tagsüber nicht kalt genug war, blieb der Schnee nicht lange liegen, sondern verwandelte sich schon bald in klumpigen Matsch – vermischt mit dem Dreck der Straße und den Rußablagerungen aus den Auspuffrohren eine echte Augenweide auf glänzendem Autolack. Als ich den Jaguar auf meinem Parkplatz in der Tiefgarage des FBI-Building abstellte, sah ich ein, dass ein Besuch in einer Waschanlage dringend nötig war.

Wegen eines Entführungsfalls in West Orange waren wir einige Tage nicht im Büro gewesen. Der Eingangskorb quoll über, und das Postfach im PC enthielt 167 E-Mails. Geduldig machte ich mich an die Arbeit, eine nach der anderen zu öffnen und auf ihre Dringlichkeit zu prüfen.

Plötzlich meldete sich mein Partner, der ebenfalls dabei war, sein elektronisches Postfach zu checken.

»Erinnerst du dich an den Fall mit den gefälschten Bildern?«

»Dunkel. Was ist damit?«

»Sie haben den Fälscher endlich verknackt. Nicht mal sein teurer Anwalt konnte ihm am Ende helfen.«

»Dann haben wir offenbar ein paar Dinge richtig gemacht«, konstatierte ich zufrieden.

Es war immer ein gutes Gefühl, wenn die Arbeit, der man Tag für Tag nachging, belohnt wurde. Jeder braucht solche Erfolgserlebnisse. In unserem Job kam es leider viel zu oft vor, dass wir monatelang an einem Fall arbeiteten, recherchierten, observierten und Beweise sicherten, um dann zu erleben, dass ein gerissener Anwalt vor Gericht die gesamte Beweisführung zerpflückte und der Verbrecher als freier Mann nach Hause gehen durfte.

Dann war die ganze Arbeit umsonst gewesen. In solchen Momenten verfluchte man seinen Job. Umso erfreulicher waren Erfolgsmeldungen wie die, die mein Partner soeben verkündet hatte.

Er wollte gerade raus auf den Flur, um sich einen Kaffee aus dem Automaten zu ziehen, als mein Telefon klingelte.

»Es ist Helen«, erkannte ich beim Blick aufs Display. Ich nahm das Gespräch an.

»Schön, dass ihr wieder im Lande seid, Jerry. Der Chef hat Sehnsucht nach euch.«

»Dann will ich ihn nicht länger warten lassen.«

Ich erhob mich und nickte meinem Partner zu.

»Vergiss den Automat. Du bekommst was Besseres.«

Zum ersten Mal an diesem Tag sah Phil richtig glücklich aus.

***

Wir waren nicht die einzigen Besucher. Als wir das Büro von Mr High betraten, erhob er sich und stellte uns vor.

»Jerry, Phil – das ist Detective Lieutenant Tom Brown vom NYPD. – Special Agent Cotton und Special Agent Decker.«

»Agents.« Der Lieutenant deutete eine knappe Verbeugung an. Er war um die fünfzig, hatte eine hohe Stirn und verblüffend große Ohren. Tom Brown war mir auf Anhieb sympathisch.

Wir setzten uns, und Mr High erteilte dem Lieutenant das Wort.

»Vor zwei Tagen ist vor der Saint Teresa’s Church an der Ecke Henry und Rutgers eine Frau ermordet worden. Präziser gesagt: Sie wurde erstochen. Todeszeitpunkt zwischen ein und fünf Uhr morgens.«

Er reichte uns ein Foto. Es zeigte eine hübsche junge Frau mit blonden Haaren und ebenmäßigen Zügen. Sie war stark geschminkt und hatte ein kleines, sichelförmiges Muttermal unter dem linken Ohrläppchen. Ihre Augen waren geschlossen. Die Frau war tot.

Ich verstand immer noch nicht, was Phil und ich damit zu tun hatten. Mordfälle sind in unserer Stadt in der Regel eine Sache des NYPD.

Mr High schien unsere Gedanken erraten zu haben. Er blickte Tom Brown an.

»Erzählen Sie den Agents, was Sie bei der Leiche gefunden haben.«

»In Ordnung.« Der Lieutenant wandte sich uns zu. Seine Miene war konzentriert und angespannt. Ein kleiner Schweißtropfen lief langsam die linke Schläfe hinunter. Vermutlich war es sein erster Besuch im Field Office.

»Viel haben wir leider nicht sicherstellen können. Der Mörder hat ihr alle persönlichen Dinge abgenommen. Dabei hat er allerdings eine angebrochene Schachtel Zigaretten und einen Kaugummi übersehen.«

Tom Brown holte zwei Klarsichthüllen aus einer Tasche und legte sie vor uns auf den Tisch. Ich betrachtete sie ohne großes Interesse.

»Offenbar wollte er verhindern, dass wir die Identität der Frau allzu schnell lüften.«

»Sie wissen also immer noch nicht, wer sie ist?«, fragte ich.

Der Lieutenant schüttelte den Kopf.

»Wir haben ihr Foto auf unsere Fahndungsseite gestellt. Außerdem haben wir Röntgenbilder ihres Zahnschemas an sämtliche Zahnärzte und kieferorthopädische Kliniken geschickt. Bisher ohne Reaktion.«

Mr High nickte dem etwas umständlichen Cop auffordernd zu. Tom Brown hatte offenbar etwas vergessen.

»Ja, richtig – dann war da noch dieser Schlüsselanhänger.«

Er kramte eine weitere Klarsichthülle hervor. Sie enthielt Beweisstück Nummer drei.

»Der Anhänger lag etwa drei Meter abseits der Toten, unter einer Straßenlaterne. Es ist also nicht sicher, ob er tatsächlich zu ihr gehört.«

»Er könnte auch dem Mörder gehört haben«, fügte Mr High vielsagend hinzu und sah uns mit einem merkwürdigen Blick an.

»Sieht aus wie ein ganz gewöhnlicher Schlüsselanhänger«, zuckte Phil die Schultern.

»Nur auf den ersten Blick«, korrigierte unser Chef.

Ich nahm den Anhänger in die Hand und musterte ihn stirnrunzelnd.

Dann wusste ich, was unser Chef meinte.

Santa Claus. Ein kleiner, flacher Schlüsselanhänger aus Metall, der den Kopf des Weihnachtsmanns zeigte. Rote Mütze, weißer Bart. Ich drehte den Anhänger um.

Die Gravur. Es lief mir heiß und kalt den Rücken runter.

»Merry Xmas – FBI

Als ich den Blick hob, traf ich auf den unseres Chefs.

»Kommt Ihnen der Anhänger irgendwie bekannt vor, Jerry?«

Und ob. Dieser Santa-Claus-Schlüsselanhänger war die Eintrittskarte zur letzten FBI-Weihnachtsfeier gewesen. Im Jahr davor war es ein vergrößerter Computerchip gewesen, davor eine Spielkarte mit dem FBI-Chef als Herz König.

Im letzten Jahr war es ein Schlüsselanhänger.

»Dann ist Ihnen auch klar, was das bedeutet?«, fragte Mr High. Eigentlich war es eher eine Aufforderung als eine Frage.

»Entweder der Mörder oder sein Opfer waren anscheinend Gast auf unserer letzten Weihnachtsfeier«, schluckte Phil.

»Oder einer von beiden hatte engeren Kontakt zu einem der Teilnehmer«, ergänzte unser Chef.

Ich runzelte die Stirn. Die Vorstellung, vor wenigen Wochen einem Mörder die Hand geschüttelt zu haben, gefiel mir ganz und gar nicht. Mit seinem Opfer auf Weihnachten angestoßen zu haben war ein kaum reizvollerer Gedanke.

Jedenfalls wusste ich endlich, warum uns Mr High bei dem Gespräch dabeihaben wollte.

»Wir müssen so schnell wie möglich herausfinden, wem dieser Schlüsselanhänger gehört«, sagte unser Chef eindringlich. »Erst dann können wir einschätzen, in welcher Beziehung die Person zum FBI steht. Oder stand.«

In dem Moment klingelte das Handy des Lieutenant. Er entschuldigte sich und trat ein paar Schritte zur Seite.

Nach kurzem Gespräch steckte er das Handy wieder ein und drehte sich zu uns um.

»Das war eine Zahnklinik in Brooklyn. Die Tote hat sich dort vor zwei Jahren ein Implantat einsetzen lassen. Ihr Name ist Nancy West, 25 Jahre alt, wohnhaft 27, Rutgers Street.«

Einen Steinwurf entfernt von dem Ort, an dem sie ihr junges Leben ausgehaucht hatte.

***

Bevor wir in die Rutgers Street aufbrachen, hatten wir uns sämtliche Fotos angesehen, die bei der internen Feier gemacht worden waren. Es waren Hunderte. Auf keinem hatten wir Nancy West gefunden. Das Gleiche galt für die Bilder von den drei Überwachungskameras, die am Eingang, am Hinterausgang und vor den Aufzügen installiert waren.

Dabei war sie keine Frau, die man übersah.

»Du warst doch selbst dabei, Jerry«, meinte Phil süffisant. »Und rein äußerlich entspricht die Dame voll deinem Beuteschema. Gib zu, sie hat dir einen Korb gegeben.«

»Ich wusste gar nicht, dass ich ein Beuteschema habe«, konterte ich.

Darauf fiel ihm keine passende Antwort ein. Vielleicht war ihm auch nur aufgegangen, dass es unpassend war, über eine Tote Scherze zu machen.

Phil selbst hatte im letzten Jahr nicht an der Weihnachtsfeier teilgenommen. Er hatte einen Kurzurlaub in Florida vorgezogen, was man ihm nicht verdenken konnte.

Das Apartment, in dem Nancy West bis vor drei Tagen gelebt hatte, lag im dritten Stock eines der typischen New Yorker Brownstone-Häuser. Im Erdgeschoss waren ein kleines chinesisches Restaurant und ein Unisex-Friseursalon untergebracht.

Das Apartment selbst war großzügig geschnitten und geschmackvoll eingerichtet. Es bestand aus einem großen, hellen Raum, der durch eine Stufe geteilt wurde. Die Sitzecke war ganz in Weiß gehalten, Küche und Essbereich in schwarz. Zwei Wandspiegel, die bis unter die Decke reichten, ließen den Raum größer erscheinen.

»Ganz billig war das nicht«, registrierte mein Partner zutreffend. »Die Dame hat auf großem Fuß gelebt.«

Wir hatten uns schon im Treppenhaus Latex-Handschuhe und blaue Kunststoff-Überzieher für die Schuhe übergestreift. Es handelte sich zwar nicht um einen Tatort, trotzdem würde sich die Spurensicherung das Apartment vornehmen, und wir wollten keine zusätzlichen Spuren hinterlassen.

Während Phil sich die Regale im Wohnbereich vornahm, sah ich mich in Bad und Schlafzimmer um.

Das Badezimmer wirkte weniger luxuriös als minimalistisch. Keine von Cremedosen und Parfüm-Flakons überbordenden Ablagen, wie man sie oft in von Frauen bewohnten Apartments findet.

Nur das Nötigste. Der schwarze Naturstein, mit dem der Raum ausgekleidet war, verbreitete eine Atmosphäre von wohltuender Kühle.

Im Schlafzimmer stieß ich auf ein Foto, das auf einem Sideboard über dem Doppelbett stand. Es zeigte Nancy West zusammen mit einem Mann, der mir vage bekannt vorkam. Die beiden lümmelten sich auf einer Hollywoodschaukel, im Hintergrund konnte man schneebedeckte Berge erkennen.

Ich zeigte Phil das Foto. Bei ihm klingelte es sofort.

»Joe Cumber. Sein Bruder Jason war einer der Drahtzieher der Drogen-Mafia von Brooklyn, die wir vor einigen Jahren hochgenommen haben. Die Farce um den Flieger aus Guinea-Bissau auf der Landebahn des JFK. Du erinnerst dich?«

Und ob. Wir hatten damals einen Tipp bekommen. Als die Boeing aus Catió gelandet war, präsentierten wir dem Kapitän einen Durchsuchungsbeschluss.

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