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Jerry Cotton - Folge 2934

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Tod hat kein Pseudonym
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Der Tod hat kein Pseudonym

»Bitte, Miss Saxon, könnten Sie gleich zwei Exemplare für mich signieren?«, fragte der junge Mann die Bestsellerautorin Sandy Saxon.

»Natürlich, gerne«, antwortete sie und setzte mit ihrem Kugelschreiber an. »Für wen?«

»Beide für mich – Benny«, antwortete der Fan.

Die Autorin kam seinem Wunsch nach und wollte sich gerade an die nächste Person in der langen Schlange wenden, als sie ein Geräusch hinter sich hörte. Ihre Literaturagentin, Zoe Canaghan, war kreidebleich und schnappte nach Luft.

Sandy Saxon stand auf und ging zu ihr. »Was ist los, Zoe? Soll ich einen Arzt rufen?«

Die Literaturagentin versuchte zu antworten, doch es gelang ihr nicht mehr. Sie torkelte und sackte dann zusammen.

»Einen Arzt, schnell, einen Arzt!«, rief Miss Saxon aufgeregt, die neben Miss Canaghan kniete und sich plötzlich in einem Blitzlichtgewitter befand.

Sie versuchte verzweifelt, etwas für Miss Canaghan zu tun, doch deren Herz hatte bereits aufgehört zu schlagen. Wenig später stellte der Notarzt ihren Tod fest.

Phil und ich erreichten das FBI Field Office an der Federal Plaza und ich parkte den Wagen in der Tiefgarage. Dann gingen wir zu Mr Highs Büro.

Unterwegs begegneten uns zwei hübsche Frauen, die uns nett anlächelten.

»Wer war das denn?«, fragte ich, als die beiden außer Hörweite waren.

»Neuzugang aus Quantico«, meinte Phil. »Jamie und Kendra, wenn ich mich richtig erinnere. Haben beide hervorragende Noten erhalten. Werden aber, wie es scheint, nur vorübergehend in New York stationiert sein und dann nach Washington gehen.«

»Alle Achtung, du hast deine Hausaufgaben gemacht«, sagte ich zu Phil.

»Bin halt ein guter Ermittler«, meinte Phil grinsend.

Als wir Mr Highs Büro erreichten, begrüßte uns Helen. »Habt ihr es schon gehört? Der Tod von Zoe Canaghan? Das hat mich ganz schön mitgenommen.«

»Sorry, haben wir nicht«, erwiderte Phil. »Der Name sagt mir auch nichts. Ist sie eine Schauspielerin?«

Helen schaute ihn leicht irritiert an. »Nein, sie ist – sie war die Agentin von Sandy Saxon.«

»Ah, die Autorin«, sagte ich mit Blick auf Phils ratloses Gesicht schnell.

»Wenigstens einer von euch weiß Bescheid«, sagte Helen.

»Können wir reingehen?«, fragte ich sie und deutete auf Mr Highs Bürotür.

Sie nickte. »Ja, klar.«

Ich klopfte und öffnete dann die Tür. Mr High winkte uns herein. Er war noch in einem Telefongespräch.

»Und wer ist diese Sandy Saxon?«, fragte Phil mich in Flüsterlautstärke.

»Weiß ich auch nicht genau, habe den Namen nur aufgeschnappt«, antwortete ich leise. »Wohl irgendeine Bestsellerautorin.«

Wir setzten uns und warteten, bis Mr High sein Gespräch beendet hatte.

»Sie haben es schon gehört?«, fragte er, nachdem er den Hörer aufgelegt hatte.

»Die Sache mit Miss Saxons Agentin?«, fragte ich. »Gerade erst, von Helen.«

Mr High lehnte sich zurück. »Das war der Bürgermeister. Wie es aussieht, ist Miss Canaghan vergiftet worden – Genaues weiß ich auch nicht. Da sie aus Connecticut stammt und das ein Fall ist, der von den Medien sicherlich verfolgt werden wird, übernehmen wir das.«

»Natürlich, Sir«, sagte Phil.

»Diese Miss Saxon scheint ein neuer Stern am Autorenhimmel zu sein, hat wohl einen erotischen Bestseller geschrieben, der ihr viel Geld, aber auch eine Menge Feinde eingebracht hat«, fuhr Mr High fort. »Wäre möglich, dass nicht ihre Agentin, sondern sie das Ziel war. Zumindest wird das schon in einigen Kreisen spekuliert. Was wir wollen, sind aber keine Spekulationen, sondern Fakten. Der Mord fand bei Walton Books in der Fifth Avenue statt. Das NYPD ist schon vor Ort und hat den Laden abgeriegelt. Alle Anwesenden werden festgehalten. Fahren Sie besser schnell hin, bevor es zu einem Tumult kommt.«

»Also wäre es möglich, dass der Täter noch dort ist«, sagte Phil. »Das wäre ja mal ein angenehmer Umstand.«

»Soweit ich gehört habe, befinden sich in dem Gebäude über einhundert Personen«, sagte Mr High.

Phil hustete. »Na gut, das engt den Kreis der Verdächtigen zwar ein, aber nicht so, wie ich es gehofft hatte.«

»Wir machen uns gleich auf den Weg, Sir«, sagte ich.

Mr High nickte und wir standen auf. Für Helens Kaffee nahmen wir uns ausnahmsweise keine Zeit.

»So, jetzt will ich aber wissen, wer diese Sandy Saxon ist«, sagte Phil und aktivierte den Bordcomputer, während ich losfuhr. »Ah, da ist sie ja. Bei Google über eine Million Treffer. Die scheint ja total in zu sein – zumindest bei Leseratten. Ihr erstes Buch Brennende Begierde wurde über zwei Millionen mal verkauft und hat die Bestsellerlisten gestürmt. Beim zweiten, Schatten der Lust, waren es ebenso viele, und das dritte ist gerade in Arbeit. Die Frau hat eine Menge Fans, aber auch Kritiker. Vor allem konservative Stellen. Da gibt es teilweise ziemlich heftige Diskussionen.«

»Und da sagt man immer, die sexuelle Revolution wäre vorbei«, sagte ich. »Wo wohnt Sandy Saxon? Auch in Connecticut?«

Phil zögerte einen Moment. »Warte mal – sorry, es gibt in der Datenbank keine Sandy Saxon. Ist wohl ein Pseudonym. Ich schau mal bei Facebook rein. Ah ja, da ist sie ja. Nein, da ist auch kein Wohnort angegeben. Offenbar will die Frau ihre Ruhe haben. Bei dem, was einige der Fans schreiben, kann ich das gut verstehen.«

»Dann müssen wir ihre Identität vor Ort klären«, sagte ich. »Eine Bestsellerautorin, die erotische Romane schreibt – das könnte interessant werden.«

***

Als wir bei Walton Books in der Fifth Avenue ankamen, hatte sich vor dem Geschäft eine große Menschentraube gebildet. Es schien sich inzwischen herumgesprochen zu haben, dass hier ein Mord geschehen war. Neben Hunderten von Schaulustigen fehlte natürlich auch die Presse nicht. Ich zählte fünf Übertragungswagen von Fernsehsendern, von Fotografen und Reportern ganz zu schweigen.

»Das meinte Mister High also damit, als er sagte, dass der Fall von den Medien verfolgt werden würde«, bemerkte Phil. »Ganz so viel Rummel hätte ich nicht erwartet.«

»Geht mir genauso«, stimmte ich ihm zu. »Da vorne ist ein Cop, der uns vielleicht weiterhelfen kann.«

Wir gingen zu einem Officer des NYPD, der etwas abseits der Menschentraube stand und das Treiben beobachtete.

»Guten Morgen, Officer«, begrüßte ich ihn. »Wir sind vom FBI und würden gerne da rein, ohne der Presse in die Arme zu laufen.«

Er schaute uns misstrauisch an. »Kann ich Ihre Dienstmarken sehen?«

Ich zeigte ihm die meine.

»Sorry, Agent Cotton, ich wollte nur sicher sein, dass Sie wirklich die sind, für die Sie sich ausgeben. Sie glauben gar nicht, was die Presseleute alles anstellen, um da reinzukommen«, sagte er. »Kommen Sie mit, ich bringe Sie zum Seiteneingang, der ist noch nicht so belagert.«

Wir folgten ihm und erreichten eine kleine, etwas abseits gelegene Tür, durch die wir ins Gebäude gelangten. Sie wurde von einem Cop bewacht, aber der Officer, der uns begleitete, sorgte dafür, dass wir ohne Probleme durchgelassen wurden.

»Immerhin sind wir schon unbemerkt an der Presse vorbeigekommen und dem Tatort einen Schritt näher«, murmelte Phil und wandte sich an den nächsten Officer, den wir trafen. »Wo finden wir den ermittelnden Detective?«

Er musterte uns kurz und antwortete dann: »Die Rolltreppe rauf in die erste Etage und dann rechts.«

Wir bedankten uns und fuhren entsprechend seiner Wegbeschreibung nach oben. Dort befanden sich auf der linken Seite Dutzende von Menschen, die teilweise saßen, teilweise standen und insgesamt eher unruhig wirkten. Der rechte Bereich war abgesperrt – es handelte sich offensichtlich um den Tatort.

Nachdem uns unsere Dienstausweise am nächsten Officer vorbei geholfen hatten, gingen wir auf die zwei Männer zu, die anscheinend die Detectives waren, also keine Uniformen trugen wie die restlichen Cops.

»Guten Morgen, meine Herren, wir sind die Agents Decker und Cotton vom FBI New York«, stellte ich uns vor. »Sicher sind Sie schon über unser Erscheinen unterrichtet worden.«

»Ja, sind wir«, antwortete der große Blonde der beiden und stellte sich vor. »Detective Jeremy Duncan.«

Er reichte uns die Hand zur Begrüßung. Das Gleiche tat sein Partner, der Henry McDean hieß, ein rotblonder, kräftiger Typ.

»Ist Ihnen auch mitgeteilt worden, dass wir den Fall übernehmen?«, fragte ich die beiden.

Detective Duncan nickte. »Ja, ist es. Keine Sorge, wir machen keinen Ärger wegen der Zuständigkeit. Von so einer Sache lassen wir gerne die Finger und überlassen es Ihnen, sich mit der Presse rumzuschlagen.«

»Danke«, erwiderte Phil. »Darauf würde ich auch lieber verzichten.«

»Können Sie uns sagen, was sich hier zugetragen hat?«, steuerte ich das Thema in Richtung der Ermittlungen.

»Natürlich«, erwiderte Detective Duncan und legte los. »Hier fand heute eine Signierstunde der bekannten Autorin Sandy Saxon statt. Man hatte hier im Buchladen schon mit viel Andrang gerechnet, aber es kamen weitaus mehr Leute als erwartet. Entsprechend war Larry Doyle, der eine Sicherheitsmann, der hier aufpassen sollte, ziemlich überfordert. Aber es lief eigentlich gut, bis die Literaturagentin von Miss Saxon, Zoe Canaghan, plötzlich umfiel und tot war. Das hat für ziemlichen Wirbel gesorgt. Ganz besonders, als herauskam, dass sie vergiftet worden ist.«

»Und wer hat gesagt, dass sie vergiftet wurde?«, fragte Phil.

»Ich«, ertönte eine wohlbekannte Stimme.

Ich schaute zur Seite und erkannte Dr. Janice Drakenhart, die gerade hinter einem Bücherregal hervorgekommen war.

»Die Symptome sind eindeutig«, sagte sie. »Ich bin noch nicht sicher, um welches Gift es sich handelt, aber dass sie vergiftet wurde, ist klar. Und wir haben wahrscheinlich auch schon die Quelle des Gifts entdeckt.«

Sie deutete auf eine fast leere Softdrinkflasche.

»Hallo, Janice«, begrüßte ich sie.

Sie erwiderte den Gruß. Phil nickte sie nur zu, der mit einem freundlichen Lächeln darauf reagierte und auf ihre Haare schaute, die diesmal tiefschwarz waren und ihr ein fast diabolisches Erscheinungsbild gaben.

»Ja, ich war beim Friseur«, sagte sie zu Phil.

»Hab nichts gesagt«, meinte der.

»Aber gedacht«, sagte sie. »Doch zurück zum eigentlichen Thema. Zeugen haben beobachtet, dass sie kurz vor ihrem Tod etwas aus dieser Flasche getrunken hat. Wir haben Fingerabdrücke genommen und werden die Flasche im Labor untersuchen, genau wie alle anderen Speisen und Getränke, die wir hier sichergestellt haben. Wenn wir das alles untersucht haben und die Autopsie abgeschlossen ist, wissen wir genau, was sie vergiftet hat und ob es aus einer der hier vorhandenen Quellen stammte.«

»Also haben wir im Moment nur eine Vermutung, aber bald Gewissheit«, sagte Phil.

»So ist es«, bestätigte Dr. Drakenhart.

»Wobei wir davon ausgehen, dass Miss Canaghan nicht das eigentliche Ziel des Täters war«, sagte Detective Duncan und machte eine weitschweifige Geste. »Der ganze Rummel hier und all die Leute, die waren nur wegen dieser Autorin hier, Sandy Saxon. Wie es aussieht, hat sie Glück gehabt und ihre Agentin Pech.«

»Gut möglich«, sagte ich.

»Ich habe ihren Namen heute zum ersten Mal gehört«, sagte Phil und erntete sofort überraschte Blicke von den beiden Detectives und Dr. Drakenhart.

»Sie ist eine äußerst talentierte Autorin mit enormem Einfühlungsvermögen«, sagte Dr. Drakenhart. »Und ihre Bücher sind äußerst inspirierend.«

»Meine Frau ist auch verrückt nach dem Zeug«, meinte Detective McDean. »Habe die Bücher selbst nicht gelesen, die Protagonistin muss aber wohl so eine Art weiblicher Harry Potter der Erotik sein, wenn ich das richtig verstanden habe, Magie und Sex.«

»Es ist eigentlich mehr Poesie und Erotik«, wandte Dr. Drakenhart ein.

»Ist ja gut«, unterbrach ich die beiden, die dabei waren, eine Diskussion über Miss Saxons Bücher zu beginnen. »Gehen wir methodisch vor. Zuerst sollten die Personendaten von allen, die zur Tatzeit anwesend waren, aufgenommen werden. Dann werden wir sie vernehmen, inklusive Miss Saxon. Weiß eigentlich jemand, wie ihr bürgerlicher Name lautet?«

Die beiden Detectives und Dr. Drakenhart schüttelten den Kopf.

»Na prima, vielleicht sollten wir damit anfangen«, sagte ich. »Wo ist die Dame überhaupt?«

»Dort drüben im Zimmer«, antwortete Detective Duncan. »Sie hat darum gebeten, an einem separaten Ort warten zu können. Ist ziemlich durch den Wind wegen dem, was passiert ist.«

»Kann man ihr nicht verdenken«, sagte Phil und wandte sich an mich. »Ich werde von Mister High Unterstützung anfordern, sonst dauert die Arbeit bei den vielen Zeugen ewig.«

Ich nickte, er kontaktierte unseren Chef und regelte alles Nötige. Dann gingen wir zu Miss Saxon ins Zimmer. Sie hielt sich ein Taschentuch vors Gesicht und trocknete ihre Tränen. Als wir eintraten, schaute sie auf.

»Guten Tag, Miss Saxon, wir sind die Special Agents Phil Decker und Jerry Cotton vom FBI New York«, stellte ich uns vor.

Sie schaute mich aus traurigen Augen an und nickte, sagte aber nichts.

Ich nahm ihr gegenüber Platz. »Was gerade passiert ist, hat Sie sicher ziemlich getroffen. Standen Sie Miss Canaghan sehr nahe?«

»Schon«, antwortete sie. »Sie hat mich seit meinem ersten Buch begleitet und wir haben uns angefreundet. Sie war so eine nette und hilfsbereite Person, und jetzt das … Ich verstehe das einfach nicht. Wer kann ihr so etwas angetan haben? Und warum?«

»Um das herauszufinden, sind wir hier«, sagte ich und gab ihr einen Augenblick.

»Zunächst einmal«, fuhr ich dann fort, »müssten wir Ihren richtigen Namen wissen. Sie heißen doch nicht Sandy Saxon, oder?«

Sie schüttelte den Kopf und zwang sich ein kurzes Lächeln ab. »Nein, das ist nur ein Pseudonym. Wissen Sie, das, was ich schreibe, gefällt mir und auch den Lesern, aber ich bin nicht der Typ, der sich gern dauernd in der Öffentlichkeit sieht und von Paparazzi und Fans verfolgt wird. Eigentlich bin ich eher schüchtern, auch wenn das für die Hauptperson in meinen Büchern, die ebenfalls Saxon heißt, nicht zutrifft. Um mein Privatleben von all dem Rummel fernzuhalten und mir keine Probleme einzuhandeln, hat mir Zoe vorgeschlagen, ein Pseudonym zu wählen. Ich möchte Sie auch bitten, das zu respektieren und meine persönlichen Daten nicht weiterzugeben. Ich verkleide mich sogar, um nicht erkannt zu werden.«

Ich nickte bestätigend. Sie griff zu ihren Haaren und zog daran. Unter dem, was sich jetzt als blonde Perücke herausstellte, hatte sie kurze, brünette Haare. So sah sie viel natürlicher aus.

»Ich heiße Rose Allan, hier ist mein Führerschein«, sagte sie und reichte ihn mir.

Ich gab ihn an Phil weiter, der sich die Daten notierte.

»Muss schwierig sein, seine wahre Identität zu verbergen«, sagte ich.

»Es geht«, erwiderte sie. »Solche Autogrammstunden kommen ja nicht oft vor – außer im Moment, wo wir eine Tour an der Ostküste machen. Dann ziehe ich mir eine Perücke auf, Sonnenbrille, wir arbeiten am Make-up und solchen Dingen, und schon bin ich kaum wiederzuerkennen.«

»Interessant«, sagte Phil. »Wer kennt Ihre wahre Identität?«

»Fast niemand«, antwortete sie. »Nicht mal meine Eltern wissen, dass ich die erfolgreiche Buchautorin Sandy Saxon bin. Die beiden sind katholisch und ziemlich gläubig. Ich kann ihnen nicht sagen, wie ich mein Geld verdiene, sie würden einen Schock bekommen. Das Gleiche gilt für viele andere in der kleinen Stadt, in der ich wohne. Daher wissen nur mein Verleger, Dexter Wilson, und Zoe, wie ich wirklich heiße«

Als sie den Namen des Opfers aussprach, wurden ihre Augen wieder feucht. »Sorry, aber ich komme mit solchen Schicksalsschlägen nicht gut klar.«

»Das ist verständlich«, sagte ich. »Eigentlich halten Sie sich ganz gut.«

»Wirklich?«, fragte sie und schaute mich mit ihren traurigen blauen Augen an.

»Ja«, bestätigte ich.

»Hat Miss Canaghan erwähnt, dass jemand sie bedroht oder dass sie mit jemandem Streit hat?«, fragte Phil.

»Nein, Zoe war ein total netter Mensch, sehr einfühlsam und verständnisvoll. Ich glaube nicht, dass jemand mit ihr Probleme hatte. Daher verstehe ich auch nicht, dass ihr jemand das antun konnte«, antwortete Miss Allan alias Miss Saxon.

Ich machte einen tiefen Atemzug. »Es wäre auch möglich, dass diese Tat nicht ihr gegolten hat, sondern Ihnen.«

»Mir?«, entgegnete sie überrascht. »Meinen Sie, jemand wollte eigentlich mich töten, hat aber Zoe erwischt?«

»Genau das wollte ich damit sagen«, erwiderte ich.

»Dann bin ich also an ihrem Tod schuld?«, fragte sie sich selbst mit brüchiger Stimme.

»Schuld ist der Täter, nicht Sie!«, sagte Phil ernst. »Und vielleicht will er sogar, dass Sie sich deswegen Vorwürfe machen. Lassen Sie das also nicht zu!«

»Das sagt sich so leicht«, erwiderte sie. »Aber danke für den Versuch, mich aufzumuntern.«

»Gibt es jemanden, der Ihnen schaden möchte? Ich meine, hat Ihnen in der letzten Zeit jemand Schwierigkeiten gemacht, sich mit Ihnen gestritten oder Ihnen gedroht?«

Sie lachte kurz auf. »Jemand? Mein Gott, die Liste ist lang. Ich hätte nie gedacht, dass einem Ruhm so viel Ärger einbringen kann. Es gibt eine ganze Reihe von Individuen und Organisationen, denen meine Bücher nicht gefallen. Die bezeichnen mich als Schreibhure, Lusttochter des Satans oder haben sich sogar noch schlimmere Begriffe für mich ausgedacht. Meist sind das erzkonservative Organisationen. Zum Glück hält der Verlag das meiste von mir fern, aber wenn ich mal im Internet google, stoße ich ja auf das ganze Zeug. Sie glauben gar nicht, was da für Behauptungen aufgestellt werden. Ich habe schon mehrmals daran gedacht, die Schriftstellerei an den Nagel zu hängen, aber Zoe und Dexter haben mich immer wieder darin ...

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