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Jerry Cotton - Folge 2932

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Landleben mit Todesfolgen
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Landleben mit Todesfolgen

»Ich brauche deine Hilfe, dringend«, sagte Barbara Chambers am Telefon.

»Jetzt beruhige dich erst einmal und atme tief durch«, sagte ihr Neffe, Timotheus Chambers. »Um was auch immer es sich handeln mag, so schlimm kann es doch nicht sein.«

»Hast du eine Ahnung«, erwiderte sie fast hysterisch. »Hier passieren Dinge, das ist nicht mehr in Ordnung, das ist kriminell.«

»Gut, wenn es so ernst ist, können wir uns gerne treffen«, sagte Chambers. »Aber worum genau geht es denn? Was ist los?«

Sie atmete tief durch. »Was hier vorgeht, ist … einen Moment, ich glaube, da ist jemand.«

Ihr Neffe horchte gebannt. Er konnte ihre Schritte vernehmen, dann ein Geräusch wie von einer elektrischen Entladung und dann einen dumpfen Knall, als ob jemand hingefallen wäre.

»Tante?«, fragte er verunsichert. »Tante? Was ist los? Sag doch etwas!«

Doch sie schwieg, weil sie nicht mehr in der Lage war, auch nur ein Wort zu sagen.

Entspannt schaute ich auf den ordentlichen Stapel von Aktenordnern vor mir auf dem Schreibtisch.

»Wieder mal geschafft, Phil«, stellte ich fest.

Phil nickte und lehnte sich in seinem Schreibtischsessel zurück. »Der Staatsanwalt wird hocherfreut sein. Damit dürfte er keine Schwierigkeit haben, die Brüder hinter Schloss und Riegel zu bekommen.«

Als ob man uns keine Minute Ruhe gönnen wollte, klingelte in diesem Moment mein Handy. Ein Blick auf das Display zeigte, dass mir die Nummer nicht bekannt war.

»Jerry Cotton«, meldete ich mich.

»Hallo, Jerry, altes Haus, es ist ja eine Ewigkeit her«, hörte ich eine Stimme, die mir bekannt vorkam.

Ich brauchte ein paar Sekunden, um sie korrekt einzuordnen.

»Tim, bist du das?«, fragte ich erstaunt. »Timotheus Chambers?«

»In der Tat«, antwortete er. »Du hast ein gutes Gedächtnis, aber das muss man in deinem Job wohl auch haben.«

»Ja, ist definitiv von Vorteil«, sagte ich. »Mann, wie lange ist es her – acht Jahre?«

»Fast neun«, sagte er. »Ist viel passiert in der Zeit. Ich habe geheiratet, bin Vater geworden und mich scheiden lassen – na ja, wie das halt manchmal so läuft. Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss mit einigen Hindernissen.«

»Also kann ich dir gratulieren und dir mein Beileid ausdrücken«, sagte ich. »Und du wohnst noch immer in Chicago?«

»Ja, in der Nähe von Chicago, in einem netten Vorort. Ganz angenehm hier – nicht so unruhig wie in Manhattan.«

»Also bereust du es nicht, dass du dem Big Apple den Rücken gekehrt hast?«, fragte ich.

»Nein, absolut nicht«, sagte er. »Und was machst du? Du bist sicher noch beim FBI, nicht wahr?«

»Nun, einer muss ja für Recht und Ordnung sorgen«, antwortete ich.

»Ja, du warst schon immer ein unermüdlicher Kämpfer für die Gerechtigkeit«, sagte Chambers. »Das ist auch der Grund, warum ich dich anrufe. Es geht um eine Sache, mit der ich zu tun habe, bei der es nicht mit rechten Dingen zugeht. Und dabei dachte ich an dich.«

»Bist du in Schwierigkeiten?«, fragte ich. »Hast du etwas ausgefressen?«

Chambers lachte verhalten. »Nein, zum Glück nicht. Es geht auch eigentlich nicht so sehr um mich, mehr um meine Tante Barbara, Barbara Chambers. Nachdem sie ihren Job als Architektin an den Nagel gehängt hat und in Rente gegangen ist, hat sie sich in einer Kleinstadt an der Ostküste niedergelassen. Nun ist sie dort vor kurzem unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Ich bin nach Medway – wo sie gelebt hat – gefahren und … am besten erzähle ich dir die Geschichte von Anfang an. Hast du im Moment Zeit?«

»Ja klar, leg los«, sagte ich und nahm mir Stift und Zettel, um mir ein paar Notizen zu machen.

»Es geht, wie gesagt, um meine Tante Barbara, meine Erbtante übrigens. Sie ist vor etwa zwei Jahren in Rente gegangen und nach Medway in der Nähe von Boston gezogen. Das ist eine kleine Stadt mit rund zwölftausend Einwohnern. Nett, ruhig und beschaulich – dachte ich zumindest, bis mich meine Tante vor gut einer Woche anrief. Sie war nervös und aufgebracht und wollte mir irgendetwas sagen, kam aber nicht mehr dazu. Mitten im Gespräch sagte sie, dass da jemand wäre, dann hörte ich merkwürdige Geräusche, und sie verstummte. Ich habe dann die Polizei beziehungsweise den Sheriff von Medway angerufen und der hat festgestellt, dass sie gestorben ist – angeblich an einem Stromschlag. Ich bin also nach Medway gefahren und habe mich persönlich an den Sheriff gewandt, weil mir das Ganze merkwürdig erschien. Er bestand jedoch – genau wie der zuständige Arzt – darauf, dass die Todesursache ein selbstverschuldeter Stromschlag war. Als ich weitere Fragen stellte, wurde die Sache immer merkwürdiger. Keiner wollte mit mir reden, und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die mich loswerden wollen. Heute Morgen waren die Bremsschläuche meines Wagens gerissen – angeblich ein Marderschaden. Ich hätte fast einen Unfall gehabt. Das kommt mir sehr verdächtig vor, aber ich bekomme hier keinerlei Unterstützung. Daher rufe ich dich an, mit einer großen Bitte: Kannst du einen Abstecher nach Medway machen und dich der Sache annehmen?«

»Wow, gute Frage«, sagte ich und überlegte. »Das kommt jetzt etwas plötzlich. Allerdings haben wir gerade einen Fall abgeschlossen und noch keinen neuen in der Mache. Ich könnte meinen Chef fragen, ob ich ein paar Tage Urlaub haben könnte. Wobei ich mir die Sache natürlich als Privatperson ansehen würde – es sieht nicht so aus, als würde die Angelegenheit in den Aufgabenbereich des FBI fallen. Und wenn doch, dann wäre das eine Sache für das örtliche Field Office, nicht für New York.«

»Klar, klar, verstehe ich«, sagte Chambers. »Ich brauche einfach jemanden, der mir hier Rückendeckung gibt. Sonst passiert mir nachher auch was, genau wie meiner Tante.«

»Keine Sorge, wenn ich kann, unterstütze ich dich gern«, sagte ich. »Das muss ich nur abklären. Verhalte dich am besten im Moment ruhig, ich frage gleich nach und rufe dich anschließend zurück. Du bist ja unter der Nummer, die ich auf dem Display habe, zu erreichen, nicht wahr?«

»Ja, bin ich – und ich bleibe hier im Haus meiner Tante«, erwiderte Chambers.

»Gut, dann bis gleich«, sagte ich und beendete das Gespräch.

»Wer war das denn?«, fragte Phil.

»Ein alter Bekannter – Timotheus Chambers«, antwortete ich. »Er hat mir vor ein paar Jahren mal sehr geholfen, und jetzt sieht es aus, als würde er in Schwierigkeiten stecken. Ich checke mal mit dem Chef, ob ich ein paar Tage frei haben und Tim besuchen kann.«

»Wäre ja im Moment günstig«, sagte ich. »Dann könnte ich auch ein paar Tage freinehmen – Überstunden haben wir ja genug.«

Ich stand auf und zog mein Sakko an. »Mal sehen, was Mister High dazu sagt.«

»Da komme ich mit«, sagte Phil. »An wie viel Urlaub hattest du denn gedacht?

»Ein paar Tage nur«, sagte ich. »Vier oder fünf sollten reichen. Da kann ich in den ersten zwei Tagen Tim helfen und habe noch genug Zeit für ein paar private Erledigungen, die in den letzten Wochen zu kurz gekommen sind.«

Phil grinste. »Wie deine neue Nachbarin?«

»Ja, wie meine neue Nachbarin«, entgegnete ich mit verschmitztem Lächeln.

***

Wir erreichten Mr Highs Büro. Helen war gerade am Telefon.

»Jawohl, Sir, ich werde es ihm ausrichten, und einen schönen Tag noch«, sagte sie, legte den Hörer auf und machte einen leicht genervten Eindruck.

Als sie uns sah, hellte sich ihre Miene wieder auf. »Ah, schön, dass ihr vorbeischaut. Ich habe heute schon den ganzen Tag mit Leuten zu tun, deren Manieren eine Generalüberholung nötig hätten – wenn es so etwas gäbe.«

»Ja, diese Art von Menschen kenne ich auch«, erwiderte Phil.

Ich nickte zustimmend. »Ist der Chef da?«

»Nein, kommt aber gleich wieder«, erwiderte Helen. »Was gibt es denn?«

»Jerry braucht ein paar freie Tage, um einem alten Kumpel zu helfen«, meinte Phil. »Und ich etwas Zeit, um mich von der Arbeit der letzten Wochen zu erholen.«

»Ich dachte immer, euer Job wäre für euch Erholung genug«, scherzte Helen und wollte noch etwas sagen, als Mr High kam.

»Wer braucht Erholung?«, fragte er und ging auf die Tür zu seinem Büro zu.

»Brauchen ist vielleicht etwas übertrieben«, meinte Phil. »Aber da wir gerade keinen Fall haben, dachten wir, es wäre eine gute Gelegenheit, ein paar Tage freizunehmen.«

»Ein alter Bekannter, der sich in der Nähe von Boston aufhält, könnte meine Hilfe gebrauchen«, fügte ich hinzu.

Mr High schaute nachdenklich drein. »Ja, in den letzten Wochen sind Sie beide ziemlich gefordert worden. Theoretisch wären ein paar freie Tage angemessen – ich werfe eben einen Blick in meinen Planer.«

Er betrat sein Büro und bedeutete uns, ihm zu folgen. Er nahm Platz und schaute etwas an seinem Computer nach.

Dann nickte er. »Ist tatsächlich ein guter Zeitpunkt – fast alle Agents sind im Dienst. Wie lange wollen Sie denn freinehmen?«

»Fünf Tage wären nicht schlecht«, meinte Phil.

»Haben Sie Ihre Berichte schon fertiggestellt?«, fragte Mr High und musterte Phil genau.

»Ja, haben wir«, sagte ich. »Sie müssten schon bei Ihnen angekommen sein.«

Mr High schaute nach. »Ja, da sind sie. Ich gehe sie eben durch, und wenn ich keine Rückfragen habe, steht den freien Tagen nichts im Wege. Ich rufe Sie dann an.«

Wir bedankten uns und verließen sein Büro.

»Lief doch gut«, meinte Phil.

»Wenn uns nicht noch ein paar Gangster einen Strich durch die Rechnung machen und uns einen neuen Fall bescheren«, sagte ich.

»Die brauchen ja auch mal Urlaub«, meinte Phil.

Wir unterhielten uns noch mit Helen, ließen uns von ihrem Kaffee verwöhnen und erhielten schließlich die Zusage von Mr High.

»Fünf freie Tage«, sagte Phil strahlend. »Mit dem freien Nachmittag von heute eigentlich fünfeinhalb. Da kann man nicht meckern.«

»Ja, endlich mal ausspannen. Ich rufe gleich bei Tim an, um ihn zu informieren«, sagte ich und nahm mein Handy.

Tim Chambers war sofort am Telefon. »Hallo, Jerry – und, wie sieht es aus?«

»Gut, war kein Problem, ein paar Tage freizubekommen«, antwortete ich.

»Prima«, erwiderte Chambers. »Willst du heute noch kommen? Oder besser morgen? Ich zahle auch für deine Fahrt und den Aufenthalt.«

»Ist nicht nötig«, sagte ich. »Ich kann den Besuch ja mit ein wenig Urlaub in der Gegend verbinden. Wollte sowieso ein paar Tage ausspannen. Ich könnte in ein paar Stunden losfahren, dann wäre ich heute noch da, wenn auch spät.«

»Du kannst bei mir übernachten, im Haus meiner Tante«, schlug Chambers vor.

Ich überlegte. »Vielleicht wäre es besser, wenn ich erst ein Hotelzimmer nehme und wir nicht zusammen gesehen werden. Wenn jemand in der Stadt etwas mit dem Tod deiner Tante oder dem Unfall, den du hattest, zu tun hat, ist es besser, wenn unsere Verbindung nicht auffällt. Kennst du ein Hotel in Medway?«

»Ich glaube, es gibt nur eines«, meinte Chambers. »Dort habe ich auch zwei Tage übernachtet, das Medway Star Hotel – hat nur drei Sterne, man hält es aber aus. Sonst gibt es nur private Unterkünfte.«

»Dann werde ich mich im Hotel einquartieren«, sagte ich. »Lass dein Handy an, damit ich dich erreichen kann. Wenn ich losfahre, melde ich mich.«

»Ja, geht klar«, sagte Chambers. »Und vielen Dank, Jerry. Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann.«

»Keine Frage, Tim«, erwiderte ich und beendete das Gespräch.

»Der war bestimmt erleichtert, dass es so gut geklappt hat«, meinte Phil.

»Ja, war er«, bestätigte ich. »Bin gespannt, was mich in Medway erwartet. Tim war immer ein ziemlich bodenständiger Kerl. Wenn er etwas sagte, dann hatte das normalerweise Hand und Fuß. Es ist aber schon ziemlich lange her, dass wir miteinander zu tun hatten. Wer weiß, wie es jetzt um ihn steht.«

»Aber du gehst doch davon aus, dass er mit seinen Vermutungen recht hat, nicht wahr? Oder warum würdest du sonst den ganzen Weg bis Medway fahren?«, meinte Phil.

Ich schaute ihn an. »Tim hat noch was bei mir gut. Das ist eine Frage der Ehre und Freundschaft. Selbst wenn er unrecht hat und alles koscher ist, tue ich ihm den Gefallen gern. Und wenn doch was an der Sache dran ist, kann ich dafür sorgen, dass ihm nichts passiert.«

»Ja, dann wünsche ich eine angenehme Fahrt und ein paar nette Tage in der Kleinstadtidylle«, meinte Phil.

»Und was machst du? Schon einen detaillierten Plan für deine freien Tage gemacht?«, fragte ich.

»Noch nicht genau«, meinte Phil. »Ich dachte, ich gehe ins Kino und schaue mir die neuesten Filme an. In Gesellschaft, versteht sich. Ich habe da noch die Nummer einer süßen Blondine, die ein großer Filmfan ist und eine Einladung meinerseits sicher annehmen wird.«

»Phil Casanova Decker, wie er leibt und lebt«, sagte ich lächelnd.

»Du kümmerst dich um einen Freund, ich um eine Freundin«, erwiderte er grinsend.

Wir verließen unser Büro und gingen zur Tiefgarage, wo wir in den Jaguar stiegen und losfuhren.

»Du kannst mich da vorne rauslassen«, meinte Phil, als wir noch etwa eine halbe Meile von der üblichen Stelle entfernt waren. »Ich muss noch einkaufen und der Shop da hat genau das, was ich brauche.«

Ich hielt an und Phil öffnete die Beifahrertür.

»Lass es dir gut gehen«, sagte ich.

»Viel Spaß in Medway«, wünschte er mir.

»Werde ich hoffentlich haben«, erwiderte ich.

Phil stieg aus und ich fuhr weiter. Noch hatte ich keine Ahnung, dass der Ausflug nach Medway alles andere als spaßig verlaufen würde.

***

In meinem Apartment angekommen packte ich Kleidung für drei Tage und andere Sachen, die ich brauchte, ein, ebenso meine Fotoausrüstung. Ich hatte vor, mich als Fotograf auszugeben, das war bestimmt besser, als meinen Job beim FBI zu erwähnen. Ich überlegte, ob ich meine Dienstwaffe zu Hause lassen sollte, entschied mich aber, sie mitzunehmen. Auch wenn ich sie nicht am Körper tragen würde – im Auto hatte ich dafür Platz. Als ich damit fertig war, duschte ich noch, zog mir legere Kleidung an und machte mich auf den Weg.

Die Fahrt würde ein paar Stunden dauern, aber im Jaguar würde mir das nichts ausmachen. Bevor ich mit dem Aufzug in die Tiefgarage fuhr, machte ich noch einen Abstecher zum Doorman und holte meine Post. Es war fast nur Werbung, nichts Wichtiges.

Dann ging ich über die Treppe zur Tiefgarage, verstaute mein Gepäck auf dem Rücksitz des Jaguar, legte die Waffe ins Handschuhfach und stieg ein. Ich aktivierte das Navigationsgerät, um die Route nach Medway berechnen zu lassen, und fuhr los.

Es war ein gutes Gefühl, frei zu haben und einfach nur zu fahren, ohne als Ziel irgendwelche Verdächtigen, Gangster oder Informanten zu haben.

Die Straßen waren relativ leer, es ging gut vorwärts. Bald hatte ich die Grenzen New Yorks erreicht und fuhr weiter in Richtung Norden, den größten Teil der rund zweihundert Meilen über die Interstate 95. Es war angenehm, auf dem Highway dahinzugleiten.

Die Stunden vergingen und es wurde dunkel. Bald darauf erreichte ich das kleine Städtchen Medway, in dem Tim irgendwo auf mich wartete. Ich suchte das Medway Star Hotel, das nicht schwer zu finden war, da es sich direkt an der Hauptstraße befand. Dort stellte ich den Jaguar auf dem Parkplatz ab und ging auf das Hotelgebäude zu.

Um mich herum war es ruhig, sehr ruhig und friedlich – ganz anders, als ich es von New York gewohnt war. Hier klappte man scheinbar schon bei Sonnenuntergang die Bürgersteige hoch.

Beim Hotel musste ich klingeln, um hereinzukommen. Ein junger Mann erschien und öffnete die Tür. Er hatte kurze, mittelblonde Haare und trug eine moderne Brille ohne Fassung. An seinem Sakko befand sich ein Namensschild mit der Aufschrift Ben Whittaker.

»Guten Abend«, sagte er freundlich. »Suchen Sie ein Zimmer?«

»Ja, in der Tat«, bestätigte ich.

»Na prima, dann sind Sie hier genau richtig«, sagte er. »Kommen Sie rein. Soll ich Ihr Gepäck nehmen?«

»Danke, das geht schon«, sagte ich.

Er führte mich zur Rezeption und tippte etwas in den Computer, der dort stand. »Sie sind spät unterwegs. Waren Sie schon einmal in Medway?«

»Nein, noch nie«, antwortete ich wahrheitsgemäß. »Werde auch nicht lange hier bleiben, bin eigentlich mehr auf der Durchreise – aber vielleicht finde ich hier ein paar schöne Motive. Gibt ja in der Gegend einige alte herrschaftliche Gebäude.«

»Ja, und wunderschöne Natur«, sagte der junge Mann. »Wollen Sie dann nur einen Tag bleiben? Oder vielleicht doch länger?«

»Wenn ich nur die Nacht bleibe, wann muss ich dann morgen das Zimmer räumen?«, fragte ich.

»Normalerweise bis zwölf«, antwortete Whittaker. »Aber so genau nehmen wir das nicht. Sie können auch gerne bis zwei bleiben.«

»Dann nehme ich besser zwei Übernachtungen – falls ich ein paar schöne Motive finde und es später wird«, sagte ich.

»Kein Problem«, meinte der junge Mann. »Kann ich Ihren Führerschein haben?«

Ich griff in mein Sakko, holte die Brieftasche heraus und gab ihm den Führerschein.

»Gut, Mister Cotton, reicht Ihnen ein einfaches Zimmer in der ersten Etage? Oder möchten Sie lieber unsere Suite?«, war die nächste Frage meines Gesprächspartners.

»Ein einfaches Zimmer reicht«, antwortete ich.

»Kein Problem«, sagte Whittaker. »Und als Grund Ihres Aufenthalts in unserer Stadt trage ich ein: beruflich, ist das korrekt?«

Ich nickte. »Ja, absolut.«

Er gab mir meinen Zimmerschlüssel.

»Gibt es hier eine Bar oder etwas in der Art, wo man abends noch hingehen kann?«, fragte ich.

Whittaker grinste. »Für das Nachtleben ist Medway nicht berühmt – aber wir haben in der Tat eine Bar und ein Restaurant, die noch eine Weile geöffnet haben – wenn Sie also was essen oder trinken wollen, können Sie dort hingehen.«

Er reichte mir einen Plan der Stadt, auf dem mehrere Geschäfte und Restaurants verzeichnet waren. Zwei davon kreiste er ein. »Da, das sind die beiden, die noch geöffnet haben.«

»Danke«, sagte ich, nahm mein Gepäck und ging die Treppe nach oben, zur ersten Etage, wo sich mein Zimmer befand.

Ich öffnete die Tür, machte das Licht an und trat ein. Das »einfache Zimmer« war ein rund zwölf Quadratmeter großer und abgesehen von der Mini-Bar spartanisch eingerichteter Raum. Nicht groß, aber groß genug für meine Zwecke. Immerhin gab es ein Badezimmer mit Dusche.

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