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Jerry Cotton - Folge 2925

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Einmal zu viel getrickst
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Einmal zu viel getrickst

Es war weit nach Mitternacht, als Greg Preston seinen Cadillac in die Elizabeth Street lenkte. Der Investmentberater grinste selbstbewusst. Er war stolz auf sich selbst, weil er die FBI-Agents abgehängt hatte. Preston stoppte sein Auto an einer roten Ampel. Er beobachtete eine dunkle Gestalt, die aus einem Hauseingang trat und sich schnell der Fahrerseite seines Cadillac näherte. Preston erschrak, doch dann erkannte er die Gestalt im schwarzen Mantel. Er senkte beruhigt das Seitenfenster auf der Fahrerseite.

»Was machst du denn hier? Warum bist du nicht …«

Der Mann am Lenkrad konnte den Satz nicht mehr beenden. Er wurde von zwei Schüssen getroffen. Ein Projektil drang in sein linkes Auge, das andere zerfetzte seine Halsschlagader.

Das Telefonklingeln riss mich aus dem Tiefschlaf, doch damit muss ein FBI-Agent immer rechnen. Ich griff zum Apparat und warf einen Seitenblick auf die Digitalanzeige des Weckers. Er zeigte 4.17 Uhr morgens an.

»Cotton.«

»Hier spricht Agent Duvall. Das heißt, noch bin ich beim FBI beschäftigt, Jerry. Könnte aber sein, dass June und ich uns morgen einen neuen Job suchen müssen.«

Ich erkannte die Stimme meines afroamerikanischen Kollegen Blair Duvall natürlich sofort. Und ich konnte am Tonfall hören, dass er eine miserable Laune hatte. Doch den Sinn seiner Worte begriff ich trotzdem noch nicht.

»Wie meinst du das? Ist irgendetwas bei der Beschattung von Preston schiefgelaufen?«

Blair am anderen Ende lachte rau, als ob ich einen Witz gemacht hätte.

»Schiefgelaufen? Das ist wohl die Untertreibung des Jahres, Jerry! Preston ist tot, und – ach, am besten kommen du und Phil sofort in die Elizabeth Street. Mister High will, dass ihr den Fall übernehmt. Ich kann verstehen, dass der Chef June und mir jetzt nichts mehr zutraut.«

Blair beendete das Gespräch, ohne sich zu verabschieden. Ich rief schnell Phil an, damit ich ihn gleich an unserer gewohnten Ecke aufsammeln konnte. Während ich mich in Windeseile duschte und anzog, sortierte ich innerlich die Informationen, die ich soeben von meinem Kollegen bekommen hatte.

Natürlich würde der Assistant Director Blair Duvall und seine Partnerin June Clark nicht entlassen. Jedenfalls konnte ich mir nicht vorstellen, dass meine beiden Kollegen einen so gravierenden Fehler begangen hatten.

Der Chef hatte sie zuletzt damit betraut, den zwielichtigen Investmentberater Greg Preston zu beschatten. Preston verfügte über verschiedene Briefkastenfirmen, die er in unterschiedlichen US-Bundesstaaten gegründet hatte. Mit Hilfe dieser Unternehmen zog er vertrauensseligen Anlegern ihre sauer verdienten Dollars aus der Tasche. Und weil sich seine Machenschaften über verschiedene Staaten erstreckten, war er ins Visier des FBI geraten.

Doch Preston war ein ausgekochter Schurke. Bisher hatten wir ihm keine kriminelle Handlung nachweisen können. Jede Finanzinvestition ist schließlich mit einem gewissen Risiko verbunden. Also mussten wir uns darauf beschränken, den Verdächtigen im Auge zu behalten und sein raffiniertes Firmengeflecht zu entwirren.

Ich holte meinen Jaguar-E-Hybriden aus der Tiefgarage und fuhr zur üblichen Ecke, wo Phil soeben anmarschiert kam. Er warf sich grüßend auf den Beifahrersitz meines roten Flitzers.

»Guten Morgen, Jerry. Ich mag es gar nicht, mich ohne einen Morgenkaffee in die Arbeit stürzen zu müssen. Aber danach fragen die Kriminellen ja leider nicht. Was ist denn überhaupt passiert?«

Ich teilte meinem Freund die wenigen Informationen mit, die ich von Blair bekommen hatte. Mehr wusste ich ja auch noch nicht. Phil seufzte, während er den Sicherheitsgurt anlegte.

»Greg Preston wurde ermordet? Die Welt wird nicht um ihn trauern, und mir fallen auf Anhieb Hunderte von Verdächtigen ein.«

»Ja, es gibt unzählige Kleinanleger, die wegen seiner Machenschaften bankrottgegangen sind. Doch wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen. Lass uns abwarten, bis wir am Tatort sind und die Fakten sichten können.«

»Wo du recht hast, hast du recht, Jerry. Aber einen Kaffee hätte ich trotzdem gern.«

Blair Duvall hatte mir am Telefon nicht den genauen Leichenfundort in der Elizabeth Street genannt. Doch ich erblickte die rotierenden Rotlichter der Streifenwagen schon von weitem. Die Cops hatten bereits mit ihrem gelben Trassierband abgesperrt. Offenbar war Preston in seinem Auto ermordet worden, jedenfalls stand der Wagen an einer Ampel. Das Auto war von Spurensicherungsexperten der Scientific Research Division umringt. Uniformierte Cops leiteten den fließenden Verkehr in die Parallelstraßen um.

Trotz der frühen Stunde hatte sich auch schon die Presse eingefunden. Aber ihre Vertreter wurden von den NYPD-Beamten daran gehindert, sich dem Ort des Geschehens allzu sehr zu nähern.

Die Anschuldigungen gegen Greg Preston waren in New York City allgemein bekannt. Der gewaltsame Tod des Investmentberaters musste ein gefundenes Fressen für die Zeitungen sowie die Radio- und TV-Stationen sein.

Phil und ich hatten bereits unsere FBI-Marken an unseren Mänteln befestigt. Ich parkte hinter dem grauen Van des Coroners. Ein junger Latino-Cop erkannte mich, nickte uns freundlich zu und hob das Absperrband. Außer den SRD-Experten und Zivil-Cops von der Homicide Squad des zuständigen Reviers erblickte ich auch unsere Kollegen June Clark und Blair Duvall.

Sie standen neben dem wuchtigen gepanzerten Cadillac und wirkten in ihren langen dunklen Mänteln wie ein trauerndes Ehepaar.

***

Wir gaben June und Blair die Hand. Unsere blonde Kollegin deutete auf einen korpulenten Grauhaarigen und eine sportlich wirkende Farbige, mit denen sie gerade gesprochen hatte.

»Das sind Detective Liana Connors und Detective Sergeant Lou Sheridan vom NYPD. Sie haben uns verständigt, nachdem die Identität des Toten geklärt war.«

Phil und ich nannten ebenfalls unsere Namen und begrüßten die Kollegen vom Police Department.

»Es gibt ja die Daueranweisung, alle Informationen über Greg Preston an das FBI weiterzuleiten«, erklärte Sheridan. »Daher hat Liana sofort das Field Office verständigt, nachdem eine Streifenwagenbesatzung die Identität des Ermordeten festgestellt hat. Greg Preston wurde zwar durch die Schüsse entstellt, aber sein Gesicht ist immer noch gut zu erkennen. Außerdem fand sich im Jackett der Leiche ein Führerschein auf seinen Namen. Und der Cadillac ist ebenfalls auf ihn zugelassen.«

»Ich hätte Preston aber auch ohne diese Informationen erkannt«, ergänzte Liana Connors bitter. »Er war ja oft genug in den TV-Nachrichten zu sehen. Mein Onkel hat ihm auch seine Ersparnisse anvertraut. Mit dem Ergebnis, dass er nun mindestens bis zu seinem achtzigsten Geburtstag weiterarbeiten muss.«

Das Mordopfer hatte nach Lage der Dinge wirklich viele Menschen ruiniert. Doch das durfte unser Urteilsvermögen nicht beeinflussen. Meine private Meinung war hier nicht gefragt. Ich ging näher an den Wagen heran. Noch war an der Leiche offenbar nichts verändert worden.

Greg Prestons Körper saß noch auf dem Fahrersitz. Er war angeschnallt, der blutüberströmte Kopf hing nach rechts. Vermutlich wäre er ohne den Sicherheitsgurt zur Seite gekippt.

»Das ist doch grotesk, Jerry. Da fährt jemand einen kugelsicheren Wagen, um sich vor Attentaten zu schützen. Und dann lässt er die Seitenscheibe herunter und wird abgeknallt.«

Ich drehte mich zu Phil um, der mich soeben angesprochen hatte.

»Ja, Preston war eigentlich sehr vorsichtig. Warum hat er sich so verhalten? Er ging davon aus, dass er von seinem Mörder nichts zu befürchten hatte. Und diese Fehleinschätzung musste er mit dem Leben bezahlen.«

Phil nickte und wandte sich an June und Blair.

»Was hatte Preston überhaupt in der Elizabeth Street zu schaffen? Ihr solltet ihn doch im Auge behalten, oder?«

Unsere blonde Kollegin warf Phil einen verlegenen Blick zu. Ihre Stimme klang zerknirscht, als sie das Wort ergriff.

»Preston hat uns abgeschüttelt, Phil. Er war bis Mitternacht in seinem Fitness Club, im Gentleman’s Gym in der Second Avenue. Von dort aus sind wir seinem Cadillac gefolgt.«

»Der Verdächtige muss irgendwie gemerkt haben, dass er beschattet wurde«, ergänzte Junes Dienstpartner Blair Duvall mürrisch. »In der Nähe vom Times Square haben wir ihn verloren. Preston startete ein riskantes Überholmanöver, und danach habe ich von seinem Wagen nur noch die Bremsleuchten gesehen. Kurze Zeit später glaubte ich, ihn wiedergefunden zu haben. Doch es war ein anderer Cadillac von gleicher Bauart, an den ich mich dann gehängt habe. Als ich meinen Irrtum bemerkte, war Preston natürlich schon über alle Berge.«

»Mich trifft genauso viel Schuld wie dich«, betonte June. »Ich habe ja schließlich auch Augen im Kopf und trotzdem nichts bemerkt.«

Ich konnte verstehen, dass unsere Kollegen sich mies fühlten. Es wäre Phil und mir an ihrer Stelle nicht besser gegangen. Aber Selbstvorwürfe brachten uns nicht weiter. Ich klopfte June und Blair freundschaftlich auf die Schultern, dann wandte ich mich wieder an Lou Sheridan.

»Wie lautet der bisherige Erkenntnisstand zum Tatgeschehen?«

»Ein Autofahrer rief über Handy die 911 an. Er hatte beobachtet, wie ein Fußgänger auf einen an der roten Ampel wartenden Cadillac feuerte. Der Fahrer – er heißt Sam Knox – trat sofort auf die Bremse. Er fürchtete schon, ebenfalls beschossen zu werden. Doch der unbekannte Täter verschwand in einem Hauseingang. Das war um 3.11 Uhr. Wenig später traf ein Streifenwagen von unserem Revier ein. Unsere Kollegen drangen ebenfalls in das Haus ein, nachdem sie die Information von Sam Knox bekommen hatten. Doch es sieht ganz danach aus, dass der Schütze durch den Hinterausgang entkommen und Richtung Mott Street geflohen ist.«

»Konnte dieser Sam Knox den Täter genauer beschreiben?«, wollte Phil wissen.

»Negativ, Agent Decker. Die Entfernung zwischen seinem Auto und dem Verbrecher betrug ungefähr dreißig Yards, außerdem war es ja dunkel. Aber wir haben eine andere Hoffnung.«

Phil und ich schauten den Ermittler des NYPD fragend an. Lou Sheridan deutete auf die Kamera der Verkehrsüberwachung, die sich unmittelbar neben der Ampel befand.

»Mit etwas Glück bekommen wir eine brauchbare Videoaufzeichnung des Mordes.«

***

Liana Connors hatte schon mit den Mietern in dem Haus gesprochen.

»Die Leute sind natürlich durch die beiden Schüsse aus dem Schlaf gerissen worden«, berichtete die junge Polizistin. »Sie waren verängstigt und haben mir freiwillig ihre Apartments gezeigt. Offenbar hatte keiner von ihnen etwas zu verbergen. Ich habe mir die Namen notiert, aber bisher deutet nichts darauf hin, dass einer dieser Zeugen ein Motiv für die Tat hatte.«

Ich nickte. Natürlich würden wir diese Spuren nachrecherchieren, sobald das NYPD den Fall offiziell an uns übergeben hatte. Aber momentan sprach nichts dafür, dass einer der Mieter mit dem Mord in Verbindung gebracht werden konnte.

»Welches Fahrziel hat Preston so spät in der Nacht gehabt?«, dachte ich laut nach. »Zu seinem Penthouse wird er nicht gewollt haben, das befindet sich ja in einer ganz anderen Richtung, in der West 83rd Street.«

»Preston könnte zu einem Rendezvous unterwegs gewesen sein«, murmelte Blair, der immer noch in Weltuntergangsstimmung war. »Wir haben ihn seit drei Tagen beschattet, im Wechsel mit Joe Brandenburg und Les Bedell. Aber keiner von uns hat bisher bemerkt, ob der Finanzhai eine Geliebte hatte.«

»Wir müssen herausfinden, wohin Preston wollte«, stellte ich fest. »Wenn wir das wissen, sind wir dem Mörder schon ein gutes Stück näher gekommen. Seine Ehefrau muss auch befragt werden, außerdem weiß sie vermutlich noch nichts von seiner Ermordung. Sie soll von dem Verlust besser durch uns als durch die Medien erfahren.«

Die Leiche sollte obduziert werden, wie es bei Gewaltverbrechen üblich ist. Doch die Frage nach der Todesursache erübrigte sich für uns momentan. Es war deutlich, dass der Täter Preston ins Gesicht und in den Hals geschossen hatte. Das Opfer war an den Folgen der Schussverletzungen gestorben. Man musste kein Arzt sein, um diesen Zusammenhang zu erkennen.

Lou Sheridan sagte uns zu, das Video der NYPD-Verkehrsüberwachung so schnell wie möglich zur Federal Plaza schicken zu lassen.

Die SRD-Experten hatten in Prestons Taschen mehrere Kreditkarten sichergestellt, außerdem 53,50 Dollar in kleinen Scheinen und Münzen.

»Dann können wir wohl einen Raubüberfall ausschließen«, meinte Liana Connors. Ich widersprach dem weiblichen NYPD-Detective.

»Nicht unbedingt. Wir wissen ja inzwischen, dass dieser andere Autofahrer Sam Knox sich dem Geschehen näherte. Auch der Täter muss ihn bemerkt haben. Möglicherweise wollte er seinem toten Opfer die Brieftasche ziehen. Aber als er Knox’ Wagen bemerkt, gerät er in Panik und flüchtet.«

»Preston muss seinen Mörder gekannt haben, sonst hätte er wohl kaum das Wagenfenster geöffnet«, stellte Phil fest. »Der Raubüberfall durch einen Unbekannten kommt mir deshalb ziemlich unwahrscheinlich vor. Aber es ist auch eine andere Variante denkbar. Preston hatte etwas bei sich, was der Täter unbedingt an sich bringen wollte. Doch als Sam Knox’ Auto erscheint, läuft ihm plötzlich die Zeit davon.«

»Auf jeden Fall ist die Elizabeth Street keine typische Gegend für nächtliche Raubüberfälle«, informierte uns der grauhaarige Detective Sergeant. »Was die Straßenkriminalität angeht, so haben wir es in dieser Gegend hauptsächlich mit Taschendieben und Trickbetrügern zu tun. Aber die sind nach Einbruch der Dunkelheit meist nicht mehr aktiv.«

Ich nickte. Es erschien mir auch sehr unwahrscheinlich, dass Preston ein Zufallsopfer geworden war. Der Schlüssel zur Aufklärung dieses Mordes lag für mich im Vorleben des Opfers.

»Angenommen, der Täter wusste, dass Preston ein gepanzertes Fahrzeug fährt«, sagte ich zu Phil und den Cops. »Warum hat er dann nicht einfach am Fahrziel gewartet? Der Killer musste sich hier in der Elizabeth Street darauf verlassen, dass Preston an der roten Ampel halten würde.«

»Hast du eine Erklärung für dieses Verhalten, Jerry?«

Ich schaute Phil an und schüttelte den Kopf.

»Der Täter wollte Preston daran hindern, sein Fahrziel zu erreichen. Es ist auch vorstellbar, dass NYPD und FBI nicht erfahren sollten, wohin Prestons nächtlicher Ausflug ging.«

»Womöglich bringt die Auswertung von Prestons Handydaten etwas«, warf Liana Connors ein. »Sein Smartphone wurde nämlich ebenfalls in seiner Jackentasche sichergestellt, außerdem einige Notizzettel. Die Scientific Research Division wird sich damit befassen.«

Nun rückten die Männer des Coroners an, um den Leichnam ins gerichtsmedizinische Institut zu bringen. Nachdenklich schaute ich ihnen zu, wie sie die Fahrertür öffneten und den leblosen Körper heraushoben.

Der betrügerische Investmentberater hatte sich für teures Geld eine kugelsichere Limousine gekauft. Aber er war seinem Schicksal trotzdem nicht entronnen. Nun war es unsere Aufgabe, seinen Mörder zu finden.

***

Es war immer noch sehr früh am Morgen. Phil und ich frühstückten kurz in einem 24-Stunden-Diner unweit vom Times Square, nachdem wir uns von den NYPD-Kollegen verabschiedet hatten. Es war nun klar, dass das FBI die Ermittlungen weiterführen würde. Das Mordopfer hatte schließlich schon unter unserer Beobachtung gestanden, und ein Zusammenhang zwischen Prestons Tod und seinen Betrügereien erschien sehr wahrscheinlich.

Kurz vor sieben Uhr morgens trafen wir in der West 83rd Street ein. Preston hatte ein großzügiges Penthouse auf dem Dach eines achtstöckigen Gebäudes besessen. Der Doorman ließ uns ins Haus, und wir fuhren mit dem Lift nach oben. Nachdem ich an der Tür geklopft hatte, wurde sie sehr schnell geöffnet. Diese Tatsache erstaunte mich, denn es war ja noch sehr früh. Ob wir bereits erwartet wurden?

Doch die junge Latina in Dienstmädchenuniform schaute überrascht und ängstlich auf unsere FBI-Dienstausweise.

»Ich bin Special Agent Cotton, das ist Special Agent Decker. Wir sind vom FBI New York und müssen dringend mit Mistress Preston sprechen.«

Die Angestellte riss ihre schönen haselnussbraunen Augen noch weiter auf.

»A-aber die gnädige Frau schläft noch«, protestierte sie leise. Ihr Akzent hörte sich mexikanisch an. Ich blieb hartnäckig.

»Ich muss leider darauf bestehen, es ist sehr wichtig.«

Das Dienstmädchen gab nach. Die junge Latina führte Phil und mich in einen großzügig geschnittenen und modern eingerichteten Salon. Von dort aus hatte man einen Panoramablick auf Manhattan. Zwischen den Hochhausfassaden konnte man im Licht der soeben aufgegangenen Sonne das Grün des Central Park schimmern sehen.

Irgendwo im Penthouse ertönte eine schrille Frauenstimme. Doch ich konnte nicht hören, was gesagt wurde. Jedenfalls betrat wenig später eine blonde Lady in mittleren Jahren den Salon. Sie trug einen seidenen Morgenmantel, der ihre kurvige Figur erahnen ließ. Um den Hals hatte sie eine schwarze Schlafbrille, und sie machte aus ihrer Verärgerung kein Hehl.

»Ich bin Florence Preston, Agents. Und ich frage mich, mit welchem Recht das FBI mich zu nachtschlafender Zeit wecken lässt. Ich leide unter Migräne, und meine Ruhe ist äußerst wichtig für mich.«

Ich atmete tief durch. Nachdem ich uns noch einmal vorgestellt hatte, sagte ich: »Mistress Preston, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Ehemann Greg Preston nicht mehr lebt.«

Die frischgebackene Witwe zwinkerte irritiert. Aber bei ihr waren weder Anzeichen eines Schocks noch plötzliche Trauer zu erkennen. Allerdings habe ich bei Menschen schon die unterschiedlichsten Reaktionen auf eine solche Nachricht erlebt.

»Sie meinen, er wurde ermordet?«

»Warum nehmen Sie das an?«, hakte ich nach. »Es wäre ja auch denkbar, dass Ihr Mann durch einen Unfall gestorben ist.«

»Würde dann das FBI zu mir ...

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