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Jerry Cotton - Folge 2922

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der lange Arm der Rache
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Der lange Arm der Rache

Es war schon spät, als Laura Fulborn an diesem Abend nach Hause kam. Den ganzen Tag hatte sie im Büro Stress gehabt. Jetzt freute sie sich darauf, den Tag in ihrer neuen Wohnung in Ruhe ausklingen zu lassen.

Sie hatte den Wagen geparkt und machte sich daran, die letzten Meter zu ihrer Wohnung zurückzulegen. Da trat plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch neben dem Hauseingang hervor und versperrte ihr den Weg.

»Miss Fulborn?«, fragte er.

»Ja«, erwiderte sie überrascht.

Doch ihre Überraschung währte nicht lange. Ohne zu zögern gab der Mann zwei Schüsse auf die junge Frau ab. Sie fiel zu Boden. Er schnappte sich ihre Tasche, lief weg und verschwand in der Dunkelheit.

Zurück blieb der leblose Körper des Opfers.

Phil und ich hatten gerade Besuch von einem Staatsanwalt gehabt und ein paar Fragen zu einem unserer Fälle beantwortet, als Mr High in unserem Büro anrief.

»Hat der Staatsanwalt alle Fragen zu seiner Zufriedenheit beantwortet bekommen?«, fragte Mr High.

»Ja, hat er«, antwortete ich. »Ging sehr ins Detail – scheint ein sehr gewissenhafter Mann zu sein.«

»Ja, er hat sich in Boston einen guten Ruf erarbeitet und viele Kriminelle aus dem Verkehr gezogen«, sagte Mr High. »Können Sie zusammen mit Phil gleich in mein Büro kommen?«

»Gibt es einen neuen Fall?«, fragte ich.

»Einen Auftrag – ja. Einen Fall, das ist noch nicht klar«, antwortete Mr High.

»Wir sind gleich da«, sagte ich und legte auf.

»Gibt es Arbeit für uns?«, fragte Phil.

»Der Chef hat sich diesbezüglich nicht ganz klar ausgedrückt«, erwiderte ich. »Wir sollen in sein Büro kommen, dann wird er uns wohl aufklären.«

Phil stand auf. »Dann nichts wie los, wir haben schon viel zu viel Zeit im Büro verbracht.«

Ich folgte ihm. Vor Mr Highs Büro wechselten wir ein paar Worte mit Helen.

»Geht schon rein, ich bringe euch gleich Kaffee«, sagte sie abschließend.

Ich klopfte an die Bürotür und Mr High bat uns einzutreten. Er saß an seinem Schreibtisch. Ihm gegenüber sah ich eine Frau von etwa sechzig Jahren, der ich nie zuvor begegnet war. Wer war sie? Jemand von der Stadtverwaltung? Oder aus Washington?

Mr High begrüßte uns und stellte uns dann der Dame vor. »Das sind die Special Agents Phil Decker und Jerry Cotton. Zwei erfahrene Mitarbeiter des FBI, auf deren Einschätzung Sie vertrauen können.«

Dann wandte er sich uns zu. »Und das ist Miss Heather Libeliam, die mit einem ganz besonderen Anliegen zu uns gekommen ist.«

Wir schüttelten ihr zur Begrüßung die Hand und setzten uns. Noch war mir nicht klar, was wir hier sollten. Aber das würden wir bestimmt gleich erfahren.

»Es geht um eine potenzielle Mordserie«, klärte uns Mr High auf.

»Nicht potenziell, sondern faktisch und real«, korrigierte Miss Libeliam bestimmt.

Mr High nickte. »Um das zu klären, habe ich Sie herbestellt. Miss Libeliam, würden Sie den beiden Agents bitte Ihr Anliegen darlegen?«

»Natürlich«, sagte sie und gab uns zwei Zeitungen, bei denen jeweils ein Artikel eingekreist war. »Das sind die Zeitungsartikel, die mich haben vermuten lassen, dass es hier um eine Serie von Verbrechen geht, die gerade erst angefangen hat.«

Ich warf einen Blick auf die Artikel, aber Miss Libeliam fuhr fort, bevor ich weit kam. »Zuerst wurde William Gebers, ein Lehrer, überfahren. Das war vor zwei Tagen. Und dann ist gestern Abend eine junge Frau, Laura Fulborn, erschossen worden.«

»Und wie kommen Sie darauf, dass zwischen den beiden Ereignissen ein Zusammenhang besteht?«, fragte Phil. »Kannten sich die beiden?«

Miss Libeliam nickte. »Ja, sie kannten sich gewissermaßen. Beide waren als Geschworene an einem Gerichtsverfahren beteiligt, genau wie ich.«

»Das ist definitiv ein Zusammenhang«, sagte ich. »Worum ging es denn bei dem Verfahren?«

»Um die Verurteilung von Ronaldo Quantiniano zu lebenslänglicher Haft«, antwortete sie bedeutsam.

»Quantiniano, das ist doch …«, sagte Phil.

Mir war der Name auch bekannt. Ronaldo Quantiniano war der Kopf einer großen Verbrecherorganisation gewesen, der vor etwa einem Jahr aus dem Verkehr gezogen worden war. An seiner Verhaftung hatte das FBI zusammen mit dem NYPD gearbeitet. Zwei Jahre lang war gegen ihn und seine Organisation ermittelt worden, woraufhin ein aufsehenerregender Prozess folgte, bei dem er und viele seiner Helfershelfer verurteilt worden waren. Dass nun innerhalb weniger Tage zwei der am Prozess beteiligten Geschworenen ums Leben gekommen waren, hatte nichts Gutes zu bedeuten.

»Ich war deshalb bereits bei der Polizei, und der zuständige Officer hat mir versprochen, das weiterzuleiten und mich zu informieren«, fuhr Miss Libeliam fort. »Aber er war so ein junger Mann und machte nicht den Eindruck, dass er mir glauben würde. Für ihn war ich sicher nur eine alte Frau, die zu viele Krimis schaut. Deshalb wende ich mich ans FBI. Immerhin hatten Sie ja damals auch mit der Verhaftung dieses üblen Verbrechers zu tun.«

»So ist es«, sagte Phil. »Nicht wir persönlich, aber unsere Kollegen.«

Ich warf Mr High einen Blick zu. Er nickte.

»Wir danken Ihnen für den Hinweis«, sagte ich zu der Dame. »Das, was da geschehen ist, klingt auf jeden Fall verdächtig. Mein Partner und ich werden uns der Sache persönlich annehmen.«

»Das freut mich«, sagte sie. »Wobei es mir schon ein wenig Furcht einflößt, wenn ich darüber nachdenke, dass ich vielleicht recht habe. Denken Sie nur an all die Menschen, die in Gefahr sein könnten. Was, wenn ich als Nächste auf der Liste des Täters stehe? Ich glaube, ich werde heute Nacht kein Auge zutun. Am besten gehe ich nicht mehr nach Hause.«

»Wie wäre es, wenn Sie sich in den nächsten Stunden hier im FBI-Gebäude aufhalten?«, schlug ich vor. »In der Zwischenzeit können mein Partner und ich der Sache nachgehen und uns Gewissheit verschaffen. Wenn Sie recht haben, war der Unfall des Lehrers kein Unfall. Das ist der Punkt, an dem wir ansetzen werden.«

»Danke, ja, ich bleibe gerne hier«, sagte sie.

In dem Augenblick kam Helen herein und servierte Kaffee.

Mr High wandte sich an Miss Libeliam. »Meine Sekretärin wird sich kurz um Sie kümmern und arrangieren, dass Sie hier im Gebäude untergebracht werden. Wenn Sie ihr bitte folgen würden.«

»Sehr gern«, sagte die Dame und folgte Helen aus dem Büro.

»Gut möglich, dass sie recht hat«, sagte Phil, als wir mit Mr High allein waren.

»Genau das sollen Sie herausfinden«, sagte unser Chef. »Nehmen Sie sich die beiden Todesfälle vor. Wenn etwas darauf hindeutet, dass es sich um gezielte Morde handelt, müssen wir sofort aktiv werden und die potenziellen Zielpersonen warnen beziehungsweise in Sicherheit bringen.«

»Und den Täter dingfest machen«, sagte Phil. »Ob sich Quantiniano rächen will?«

»Gut möglich, dem passt es bestimmt nicht, bis zum Lebensende eingesperrt zu sein«, sagte ich.

»Unternehmen Sie, was nötig ist«, sagte Mr High. »Vielleicht ist es falscher Alarm, vielleicht aber auch ein neuer Fall für Sie. Ich möchte die Warnung auf jeden Fall nicht in den Wind schlagen und nachher erleben, dass Miss Libeliam recht hatte und wir Menschenleben hätten retten können.«

»Wird erledigt, Sir«, sagte ich.

***

Wir verließen sein Büro, sagten Miss Libeliam noch mal zu, dass wir der Sache nachgehen würden, und gingen dann zu unserem Büro.

»So, zuerst der angebliche Unfall«, sagte Phil. »Ich besorge die Liste der Geschworenen vom Quantiniano-Prozess, um sicherzugehen, dass die beiden Toten wirklich dabei waren.«

Phil arbeitete an seinem Computer und suchte die entsprechenden Daten heraus. »Ja, da sind sie – beide waren Geschworene bei dem Fall, genauso wie Miss Libeliam.«

»Dann entspricht das schon mal der Wahrheit«, sagte ich. »Jetzt müssen wir herausfinden, ob ihre Vermutung richtig ist. Dazu benötigen wir die entsprechenden Polizeiberichte.«

»Sollte nicht allzu schwer sein, die zu beschaffen«, meinte Phil und kümmerte sich darum.

Ich setzte mich und las die Zeitungsartikel durch, die Miss Libeliam mitgebracht hatte. Dort wurde nichts von einem Zusammenhang zwischen den beiden Geschehnissen erwähnt. Sie war also nicht durch die Zeitung auf die Idee gekommen.

»Der Bericht vom Unfall liegt mir jetzt vor«, meinte Phil. »Was die andere Sache angeht, den Mord, da gibt es noch keinen Bericht, zumindest keinen vollständigen. Die Crime Scene Unit hat ihre Untersuchungen wohl auch noch nicht abgeschlossen.«

»Gut, konzentrieren wir uns zuerst auf den Unfall«, sagte ich.

»Ich schicke dir die Datei auf deinen Computer, dann können wir die Berichte gleichzeitig lesen«, sagte Phil.

Kurz darauf hatte ich den Bericht. Wir gingen ihn durch und waren etwa zur gleichen Zeit fertig.

»Unfall mit Fahrerflucht«, sagte Phil. »Der Wagen hat das Opfer mit hoher Geschwindigkeit gerammt und ist dann schnell wie der Blitz verschwunden. Das würde zu einem Mord passen.«

»Absolut«, sagte ich. »Laut Aussage eines Passanten hat der Wagen vor dem Zusammenstoß noch beschleunigt und ist etwa doppelt so schnell gefahren, wie in der Gegend erlaubt war. Darüber hinaus fand die Tat quasi vor der Haustür des Opfers statt.«

»Hatte das Opfer irgendwelche bekannten Feinde? Gab es von ihm eine Anzeige gegen jemanden, etwas in der Art?«, fragte ich, um mehr Daten zu erhalten.

Phil suchte ein paar Daten über ihn heraus und schüttelte dann den Kopf. »Nein, durchschnittlicher Mann, zweiundvierzig, verheiratet, keine Kinder. Keine Klagen, keine Verurteilungen, nur zwei Anzeigen wegen unerlaubten Parkens, was aber schon Jahre her ist. Nichts Ungewöhnliches.«

»Abgesehen von der Tatsache, dass er seine Bürgerpflicht als Geschworener erfüllt hat«, sagte ich ernst.

»Gut, nehmen wir uns den Mord an Miss Fulborn vor. Ist über sie etwas bekannt, das auf ein anderweitiges Mordmotiv schließen lassen könnte?«, war meine nächste Frage.

»Laura Fulborn, einunddreißig, Single, keine Kinder, hat mehrere Jahre als Sekretärin bei einer Speditionsfirma gearbeitet, strafrechtlich nicht auffällig. Vor ein paar Jahren hatte sie wohl mal Geldprobleme, die dann aber gelöst wurden. Sonst habe ich nichts Auffälliges über sie«, fasste Phil die Informationen vom Computer zusammen.

»Abgesehen von der Tatsache, dass sie ermordet wurde«, sagte ich. »Wer bei der Crime Scene Unit hat den Fall bearbeitet?«

»Dr. Vandenpoort«, antwortete Phil und verzog das Gesicht. »Ob der uns über einen Fall Auskunft gibt, der offiziell noch vom NYPD bearbeitet wird?«

»Finden wir es heraus«, sagte ich.

Ich suchte seine Nummer heraus und rief ihn an, wobei ich die Freisprecheinrichtung des Telefons aktivierte, sodass Phil mithören konnte.

»Dr. Vandenpoort, ja bitte?«, meldete er sich mit leicht nasaler Stimme.

»Guten Tag, Dr. Vandenpoort, hier ist Jerry Cotton vom FBI New York«, begrüßte ich ihn. »Mein Partner Phil und ich interessieren uns für den Fall des Mordes an einer gewissen Laura Fulborn. Da der Mord gestern Abend geschah, liegt noch kein Bericht vor. Ich wollte Sie daher fragen, ob Sie uns eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse geben könnten.«

Er zögerte. »Wieso interessiert sich das FBI dafür? Das ist doch eigentlich ein Fall des NYPD, oder nicht?«

»Das ist korrekt«, erwiderte ich. »Wir haben einen Hinweis erhalten, dass es sich hierbei um einen gezielten Mord handelt, und würden gern wissen, ob irgendwelche Fakten vorliegen, die das bestätigen.«

»Ganz ehrlich, Agent Cotton, ich will keinen Streit bezüglich der Kompetenzen von Behörden vom Zaun brechen, weil ich an die falsche Behörde Informationen weitergebe«, antwortete Dr. Vandenpoort.

»Das verstehe ich«, sagte ich. »Aber es geht hier möglicherweise um das Leben weiterer Menschen.«

»Na gut, wenn das so ist – obwohl ich nicht gern etwas über laufende Untersuchungen sage«, meinte er. »Was für einen Raub spricht, ist die Tatsache, dass dem Opfer die Handtasche gestohlen wurde. Der Täter hat auch keinen Schalldämpfer benutzt – ich habe mitbekommen, wie mehrere Zeugen berichteten, zwei Schüsse gehört zu haben. Aber was die Schüsse angeht, die waren sehr präzise. Einer ging direkt ins Herz und hat zum sofortigen Tod geführt. Der Täter hat, soweit wir die Tat rekonstruieren konnten, in einem Gebüsch auf das Opfer gewartet.«

»Interessant«, sagte ich. »Gibt es irgendwelche Hinweise auf die Waffe? Wurde sie früher schon einmal bei einem Verbrechen benutzt?«

»Nein, die Waffe ist sauber, das wissen wir schon«, antwortete er.

»Danke, das reicht uns schon«, sagte ich. »Sie haben was bei uns gut.«

»Na immerhin«, sagte Dr. Vandenpoort und legte auf.

Phil schaute mich an. »Dass die Handtasche fehlte, deutet auf einen Raubmord hin, kann aber auch nur ein Versuch des Täters sein, das vorzutäuschen. Die anderen Indizien sprechen aber dafür, dass der Täter mit der Waffe umgehen kann und es spezifisch auf Miss Fulborn abgesehen hatte.«

»Sehe ich auch so«, stimmte ich Phil zu. »Wir sollten Mister High informieren, dass Miss Libeliam mit ihrer Vermutung wahrscheinlich recht hatte, und eine Liste der gefährdeten Personen erstellen.«

»Ja, und dann finden wir heraus, wer dahintersteckt, und ziehen ihn aus dem Verkehr!«, sagte Phil ernst.

***

Die Liste potenzieller Ziele war recht lang. Neben den Geschworenen enthielt sie auch den Richter und verschiedene Zeugen, die gegen Ronaldo Quantiniano und seine Leute ausgesagt hatten, ganz zu schweigen von den Beamten, die mit der Verhaftung zu tun hatten.

»Achtundzwanzig Namen, und wir können nicht mal sicher sein, dass das alle sind«, sagte Mr High nachdenklich.

»Das ist korrekt, Sir«, bestätigte Phil. »Dafür müssten wir mehr Informationen haben.«

»Wir werden dafür sorgen, dass all diese Personen darüber informiert werden, dass sie möglicherweise das Ziel von Mordanschlägen sein könnten, und dann werden wir sie in Sicherheit bringen«, sagte Mr High.

»Guter Vorschlag, Sir«, stimmte ich ihm zu. »Die meisten sind Zivilisten und hätten, selbst wenn sie gewarnt worden sind, kaum eine Chance, einem Profi-Killer zu entkommen.«

»Daher ist es unsere Aufgabe, für ihren Schutz zu sorgen«, sagte Mr High bestimmt. »Ich werde das Nötige veranlassen. Fahren Sie mit den Ermittlungen fort. Um die Gefahr vollständig zu bannen, müssen wir die Drahtzieher ausfindig machen und aus dem Verkehr ziehen. Da es bereits zwei Morde gegeben hat, liegen auch schon Straftaten vor, die für eine Verurteilung ausreichen.«

»Wir kümmern uns darum, Sir«, sagte ich.

Wir besprachen noch ein paar Details und verließen dann sein Büro.

Phil wollte gerade noch etwas zu Helen sagen, da rief Mr High sie in sein Büro.

»Weist dein Körper schon wieder ein Koffeindefizit auf?«, fragte ich lächelnd.

»Noch nicht, es ist aber schon abzusehen«, antwortete er. »Aber was soll’s, machen wir uns erst mal an die Arbeit.«

Wir gingen in unser Büro und sahen unsere Unterlagen durch.

»Ronaldo Quantiniano, dem sollten wir einen Besuch abstatten«, sagte Phil. »Er sitzt in Rikers Island.«

»Gut, fahren wir hin«, sagte ich.

Wir gingen zur Tiefgarage, in der der Jaguar parkte, und fuhren los. Es war etwa eine Viertelstunde vergangen, als wir einen Anruf von Mr High erhielten.

»Es hat noch einen Mord gegeben«, sagte er ernst. »Das Opfer ist ein gewisser Dennis Stratham, einer der anderen Geschworenen. Die Meldung kam gerade erst rein. Seine Schwester hat ihn in seiner Wohnung gefunden. Ich schicke Ihnen die Informationen zu.«

»Gut, wir fahren sofort hin«, sagte ich.

»Falls es bisher noch irgendeinen Zweifel gegeben haben sollte, dann ist der damit ausgeräumt. Wir haben es mit einer Serie von Morden zu tun. Und damit ist das jetzt ein offizieller FBI-Fall«, sagte Mr High nachdrücklich.

Ich bestätigte, dann beendeten wir das Gespräch.

***

»Dennis Stratham ist sechsundzwanzig Jahre alt, nicht gebunden«, informierte mich Phil auf dem Weg zur Wohnung des Opfers. »Ihm gehört eine Malerfirma, die sich ganz in der Nähe seiner Wohnung in der South Bronx befindet. Keine Vorstrafen.«

»Ein junger Kerl, der sein Leben noch vor sich hatte«, sagte ich und klang dabei ein wenig verbittert. »Wir müssen dem schnell ein Ende machen.«

Phil nickte. »Ja, da wir wissen oder zumindest vermuten können, wer die nächsten Opfer sind, haben wir dazu die Möglichkeit. Aber noch etwas anderes: Was, wenn Quantiniano gar nicht hinter der Sache steckt? Wenn jemand es auf eines der Opfer abgesehen hatte und die anderen mit erledigt hat, weil sie an dem Prozess beteiligt waren? Eine gute Methode, um uns auf eine falsche Fährte zu locken.«

»Ist eine Möglichkeit, die wir nicht außer Acht lassen sollten«, sagte ich. »Wenn wir im Verlauf der Ermittlungen auf entsprechende Hinweise stoßen, können wir das weiter verfolgen. Bis dahin konzentrieren wir uns auf den Gangsterboss.«

Wir erreichten die Westchester Avenue, in der sich Dennis Strathams Wohnung befand, und ich parkte den Wagen. Es handelte sich um eine mittelprächtige Wohngegend, immerhin recht sauber.

Das Haus war nicht zu verfehlen, denn davor standen mehrere Autos vom NYPD und der Crime Scene Unit. Mir fielen die großen Fenster im Erdgeschoss auf – besonders das Loch in einem davon. Es war recht klein, wie von einer Kugel, umgeben von Rissen im Glas.

»Ob Dr. Vandenpoort sich auch um den Fall kümmert?«, überlegte ich laut.

»Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich«, meinte Phil. »Schauen wir nach.«

Wir gingen zum Hauseingang, wo ein Cop stand und uns skeptisch musterte.

»Cotton und Decker vom FBI«, meinte Phil und zeigte seine Marke vor. »Wo finden wir die Wohnung von Mister Stratham? Im Erdgeschoss links?«

Der Officer schaute überrascht drein.

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