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Jerry Cotton - Folge 2921

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Profit des Todes
  4. Jerry Cotton aktuell
  5. Vorschau

Der Profit des Todes

Der Killer hatte im Supermarkt eingekauft.

Nichts deutete darauf hin, dass Jim Ellison uns bisher bemerkt hatte. Phil und ich saßen in meinem Jaguar, der an der Ecke Graham Avenue und Newton Street geparkt war.

»Das ist der Gesuchte, Jerry«, sagte Phil. Er deutete auf das erkennungsdienstliche Foto, das auf der Konsole zwischen uns lag. Nach Ellison wurde in drei Bundesstaaten wegen Mordes gefahndet.

»Ja, Phil. Und jetzt schnappen wir ihn uns.«

Mit diesen Worten stieß ich die Fahrertür auf. Phil folgte meinem Beispiel. Wir zogen unsere Dienstwaffen und sprinteten über die Newton Street.

Wir waren so schnell, dass Ellison zu spät reagierte. Als er unsere Schritte hörte, ließ er die braune Einkaufstüte fallen. Er wollte unter seine Jacke greifen. Doch da waren unsere Pistolen schon auf ihn gerichtet.

»FBI! Hände hinter den Kopf! Auf die Knie!«, rief ich. Sowohl Phil als auch ich hatten unsere Dienstmarken an den Revers befestigt. Ellison warf mir einen wilden Blick zu. Er war ein hagerer Kerl mit eiskalten Augen. Wahrscheinlich überlegte er in diesem Moment, ob er sich den Fluchtweg freischießen sollte.

Doch wir waren zu zweit, wodurch die Chancen des Killers enorm vermindert wurden. Trotzdem wussten wir, dass Ellison brandgefährlich war und das Gesetz nicht fürchtete. Einer der Menschen, die er auf dem Gewissen hatte, war ein Cop aus Connecticut. Bei Ellison mussten wir auch mit unkontrollierten Reaktionen rechnen.

Plötzlich ertönte hinter uns das Kreischen von Autobremsen. Ein knallroter Lamborghini kam kurz vor der Bordsteinkante zum Stehen. Die Fahrertür wurde geöffnet. Hatte Ellison einen Komplizen, der ihm zu Hilfe kam?

Doch der Fahrer des Italo-Flitzers hatte keine Waffe in der Hand, sondern eine Foto-Kamera. Er kam auf uns zu, wobei er ununterbrochen auf den Auslöser drückte. Eine Bedrohung stellte dieser Kerl zum Glück nicht dar, aber wir konnten ihn auch nicht in unserer Nähe gebrauchen.

Jedenfalls nutzte Ellison den kurzen Moment der Ablenkung aus. Er riss eine Glock 17 aus dem Hosenbund. Bisher war die Pistole von seiner Jacke verdeckt gewesen. Der gesuchte Mörder wollte die Waffe auf Phil richten, der zwischen ihm und dem Hauseingang stand. Aber bevor Ellison den Abzug durchziehen konnte, machte ich einen großen Schritt nach vorn. Dann trat ich mit der Schuhspitze gegen das Handgelenk des Verbrechers.

Damit hatte Ellison nicht gerechnet. Er stieß einen Schmerzensschrei aus, und die Waffe flog in hohem Bogen davon. Im nächsten Moment sprang Phil auf seinen Rücken und brachte ihn zu Boden. Ellison wehrte sich, aber er hatte gegen uns keine Chance. Wenige Sekunden später klickten die Handschellen um Ellisons Handgelenke. Die größte Gefahr war vorüber.

Gleichzeitig näherte sich der verflixte Fotograf, während er ein Bild nach dem anderen machte. Phil belehrte den fluchenden Verhafteten über seine Rechte. Und ich wandte mich an den Mann mit der Kamera. Er war ein übergewichtiger stämmiger Typ mit strähnigen blonden Haaren, der eine Lederjacke und Designer-Jeans trug.

»Hören Sie sofort auf mit dem Fotografieren! Sehen Sie nicht, dass Sie eine FBI-Aktion behindern? Beinahe wäre es zu einem Schusswechsel gekommen, weil Sie hier aufgetaucht sind.«

Ich war ehrlich empört, aber das kümmerte den Paparazzo überhaupt nicht. Vielleicht war er sogar noch stolz darauf, dass er uns beinahe tödlichen Ärger gemacht hätte.

»Was soll die Aufregung, Agent?«, fragte der Fotograf zynisch. Er machte immer mehr Aufnahmen von Phil und unserem Gefangenen. »Das war doch ein Zugriff wie aus dem Bilderbuch! Die Leser lieben Action. Können Sie sich vorstellen, wie viele Dollars ich für diese Fotos kriege?«

»Das ist mir egal. Verschwinden Sie!«

Der Kerl wurde mir wirklich lästig. Ich hätte gerne einen Gefangenentransporter angefordert. Inzwischen hatten sich auch einige Neugierige versammelt, die trotz der Dunkelheit in dieser öden Ecke Brooklyns unterwegs waren. Doch der aufdringliche Fotograf ignorierte mich völlig.

Phil hatte Ellisons Waffe eingesteckt. Der Kriminelle wehrte sich trotz der Handschellen immer noch, er trat wild um sich. Er hatte Phil schon einige Male getroffen. Das war natürlich für den Pressemenschen ein gefundenes Fressen. Einige Schaulustige ergriffen lautstark Partei für den Verbrecher, obwohl sie die Hintergründe gar nicht kannten. Manche Leute müssen eben immer pöbeln. Aber das waren wir gewöhnt. Trotzdem wollte ich die Situation so schnell wie möglich beenden.

»Zum letzten Mal, stören Sie uns nicht länger!«

Mit diesen Worten versuchte ich den Fotografen abzudrängen. Doch seine Geldgier war offenbar größer als sein Respekt vor dem Gesetz. Jedenfalls wollte er an mir vorbei, um bessere Aufnahmen machen zu können. Wir gerieten aneinander, und dabei fiel seine Kamera herunter und ging zu Bruch.

Der Fotograf rastete aus. Er verlor vollkommen die Beherrschung und gestikulierte wild.

»Das werden Sie bereuen, Agent! Ich verklage das FBI wegen Polizeibrutalität und wegen tätlichen Angriffs auf mich.«

»Tun Sie das, Mister, es ist Ihr gutes Recht«, gab ich ruhig zurück. »Mein Name ist Jerry Cotton, ich bin Agent beim FBI New York. Das ist Agent Phil Decker.«

Ich deutete auf meinen Partner, der immer noch den Killer zu bändigen versuchte. Der Pressetyp warf seine strähnigen langen Haare zurück.

»Und mein Name ist Nick Mulligan, Agent Cotton. Sie werden sich noch wünschen, mir nie begegnet zu sein.«

Er hob die Überreste der Kamera auf, stieg in seinen Lamborghini und brauste davon. Zuvor schüttelte er noch drohend seine Faust in meine Richtung.

***

Wenig später erschien der Gefangenentransporter, den Phil inzwischen per Handy angefordert hatte. Wir konnten Jim Ellison endlich unangefochten ins Field Office schaffen. Am nächsten Tag wurde der Killer nach Connecticut überstellt, denn dort sollte ihm der Prozess gemacht werden. Damit war der Fall für uns erledigt.

Nick Mulligan machte seine Drohung wahr und erstattete Anzeige gegen mich. Doch es existierte ein Überwachungsvideo der Verkehrsampel an der Kreuzung Newton Street und Graham Avenue. Darauf war deutlich zu sehen, dass ich den Fotografen nicht geschlagen hatte, wie es von seinem Anwalt behauptet wurde. Und die Kamera fiel versehentlich herunter, das konnte man deutlich erkennen. Ich hatte sie keineswegs auf dem Gehweg zertrümmert, obwohl Mulligan das behauptet hatte. Daraufhin wurde das Verfahren eingestellt.

Der Chef teilte mir diese Neuigkeit mit, als er Phil und mich zwei Wochen später zu einem Gespräch in sein Büro bat. Helen servierte uns eine Tasse von ihrem köstlichen Kaffee, dann kam John D. High sofort zur Sache.

»Sie werden bemerkt haben, dass die Fotos von der Festnahme in der Boulevardpresse erschienen sind, Jerry und Phil. Offenbar wurde der Speicherchip der Kamera nicht in Mitleidenschaft gezogen.«

»Leider, Sir«, erwiderte ich. »Wir haben uns gefragt, warum ein Fotograf wie Nick Mulligan plötzlich überhaupt Interesse an der FBI-Arbeit zeigt. Er macht ansonsten vorzugsweise anzügliche Aufnahmen von Prominenten. Sein bekanntester Schnappschuss zeigt eine Hollywood-Diva oben ohne am Strand ihrer Privatinsel. Mulligan ist ein Paparazzo, wie er im Buche steht. Das haben wir jedenfalls inzwischen herausgefunden.«

»Aber der Killer war offenbar kurz mit dem Model Mandy Shaw liiert«, ergänzte Phil. »Das hat er im Verhör zugegeben. Diese Tatsache muss auch Mulligan aus irgendwelchen dunklen Quellen erfahren haben. Durch die Verbindung zu dem Model geriet der Killer in den Dunstkreis der Boulevardpresse. Jedenfalls erhöhte sich der Marktwert für ein Jim-Ellison-Foto ganz ungemein. Und die Verhaftung des Killers war natürlich eine einmalige Chance für den Paparazzo. Mandy Shaws Lover in FBI-Handschellen – so eine Schlagzeile muss Mulligan wohl vorgeschwebt haben.«

»Woher wusste dieser Sensationsfotograf überhaupt von Ihrem Zugriff?«, wollte Mr High wissen.

»Das haben wir uns auch schon gefragt«, erwiderte ich. »Vermutlich hat er den Tipp von demselben Informanten bekommen, der auch das FBI angerufen hat. Beweisen werden wir das niemals können. Mulligan hat sich in der Nähe des Killerverstecks auf die Lauer gelegt, so wie wir es auch getan haben. Ich habe seinen auffälligen Lamborghini zuvor leider nicht bemerkt.«

John D. High machte eine unbestimmte Handbewegung.

»Sie konnten den Mörder ja trotzdem erfolgreich festnehmen, Unbeteiligte wurden nicht gefährdet. Mir war die ganze Zeit klar, dass Sie sich nichts vorzuwerfen haben, Jerry. Nachdem nun das Verfahren gegen Sie eingestellt wurde, können wir zur Tagesordnung übergehen.«

Dagegen hätte ich nichts einzuwenden gehabt, denn unser momentaner Fall beanspruchte unsere ganze Konzentration. Es ging um mögliche Schutzgelderpressung in Chinatown. Phil und ich mussten viele Zeugenaussagen auswerten. Doch Nick Mulligan hatte unsere Konfrontation nicht vergessen. Er rief mich im Büro an.

»Sie glauben wohl, dass Sie mich losgeworden sind, Agent Cotton? Aber da täuschen Sie sich ganz gewaltig. Sie wissen doch, was man uns Paparazzi nachsagt. Wir sind für unsere Zähigkeit bekannt. Und wenn wir ein Thema gefunden haben, dann verbeißen wir uns darin wie eine tollwütige Bulldogge in ihr Opfer.«

»Sie vergleichen sich selbst mit einer tollwütigen Bulldogge, Mulligan? Das ist interessant. Aber halten Sie mich bitte nicht von der Arbeit ab, ich habe Wichtigeres zu tun. Das Verfahren gegen mich wurde eingestellt, falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten.«

Der Paparazzo stieß ein raues Lachen aus.

»Sie werden auch noch von Ihrem hohen Ross steigen, Agent Cotton. Ich bin an einer ganz großen Sache dran. Da werden Ihnen die Augen übergehen, das verspreche ich Ihnen. Sobald ich die Fakten habe, werde ich sie Ihnen unter die Nase reiben. Und dann ist eine Entschuldigung von Ihnen fällig. Sie werden es noch bereuen, mich verkannt zu haben.«

»Wie Sie meinen«, sagte ich und legte auf.

Mulligan blieb trotzdem hartnäckig. Innerhalb von zehn Tagen rief er mich fünfmal an. Er behauptete immer wieder, eine »große Sache« entdeckt zu haben. Aber etwas Konkretes wollte der Paparazzo nicht sagen. Noch nicht, wie er immer wieder behauptete. Er versuchte offenbar, mich neugierig zu machen. Aber er ging mir nur auf den Wecker.

»Hat dein größter Fan wieder genervt?«, fragte Phil, nachdem ich ein weiteres Telefonat mit Mulligan abgewürgt hatte. »Wir haben es hier ja oft mit Wichtigtuern zu schaffen, aber dieser Kerl ist wirklich die Krönung.«

Phil und ich kehrten zu dem Chinatown-Fall zurück. Eine weitere Woche verging mit zermürbenden Verhören, die wir teilweise mit Hilfe eines chinesischstämmigen Kollegen führen mussten. Manche Zeugen sprachen nur Mandarin. Ich hatte den Paparazzo schon fast vergessen. Über Langeweile und Arbeitsmangel konnten wir uns nicht beklagen, aber das war ja bei uns eigentlich immer so.

Es war ein Donnerstagabend, als Phil und ich noch im Büro saßen und Protokolle abtippten. Mein Telefon klingelte. Ich griff zum Hörer.

»Agent Cotton.«

Mulligans Stimme ertönte. Inzwischen erkannte ich sie sofort. Aber bisher hatte sie noch nie so panisch geklungen. Der Paparazzo hatte offenbar Todesangst.

»Helfen Sie mir, Cotton! Der Dreckskerl will mich …«

Mulligan konnte den Satz nicht beenden. Ich vernahm schnelle Schritte. Ein Schussgeräusch ertönte. Und sein Handy wurde ausgeschaltet.

***

Natürlich waren wir sofort alarmiert. Selbst wenn es ein übler Scherz sein sollte – solche Hilferufe nehmen wir beim FBI immer ernst. Das Gespräch war zu kurz gewesen, um den Anruf zurückverfolgen zu können. Eine Handyortung war auch nicht möglich, dafür hätte das Gerät noch eingeschaltet sein müssen.

Trotzdem erfuhren wir im Handumdrehen, was passiert war. Innerhalb der nächsten fünf Minuten gingen in der Notrufzentrale des NYPD mehrere Alarmmeldungen ein. Besorgte Nachbarn meldeten einen Schuss in der 21st Street in Astoria. Wir hielten den Kontakt mit den Cops. Ich teilte ihnen mit, dass mich das mutmaßliche Opfer unmittelbar vor dem Schuss angerufen hatte.

Das zuständige 114. Revier schickte einen Streifenwagen. Es dauerte keine zehn Minuten, bis uns eine weitere Meldung erreichte. Im Haus Nr. 1011 war eine männliche Leiche mit Schusswunde gefunden worden. Phil und ich fuhren sofort Richtung Queens. Zu diesem Bezirk gehört nämlich der Stadtteil Astoria.

»Warum musste dieser Unglücksrabe eine solche Geheimniskrämerei betreiben, Jerry? Vielleicht könnte Mulligan noch leben, wenn er sich dir früher anvertraut hätte. Hat er vielleicht sogar Privatschnüffler gespielt? So etwas kann doch gewaltig ins Auge gehen.«

Die Cops erwarteten uns bereits am mutmaßlichen Tatort. Zwei Uniformierte sperrten das Grundstück mit gelbem Trassierband ab. Das Haus Nr. 1011 unterschied sich kaum von den übrigen Gebäuden in dieser ruhigen Wohnstraße. Es waren ausnahmslos Einfamilienhäuser aus Holz oder Stein, die vermutlich vor dreißig oder vierzig Jahren errichtet worden waren. Schon im Vorbeifahren bemerkten wir, dass auf vielen Rasenflächen das Schild einer Maklerfirma stand.

Teilweise entstand der Eindruck, eine Geisterstadt zu durchqueren. Manche Häuser waren noch halbwegs in Schuss, doch andere machten schon einen verwahrlosten Eindruck. Gerümpel lag auf Veranden herum, das niemand wegräumte. Manche Grundstücke waren mit achtlos fortgeworfenem Müll übersät.

»Hier sind höchstens noch vier oder fünf Häuser bewohnt«, murmelte Phil. »Die Wirtschaftskrise hat in der 21st Street so richtig zugeschlagen.«

Das stimmte. Viele Leute hatten in diesem Teil von Queens ihren Job verloren und konnten sich die Hypothekenraten nicht mehr leisten. Aber weil es so ein Überangebot an älteren renovierungsbedürftigen Häusern gab, standen viele von ihnen jahrelang leer. Zwar gab es in New York einen Bedarf an bezahlbaren Apartments. Doch wer vom Mindestlohn lebt, kann sich kein Haus in Astoria leisten – auch wenn der Kaufpreis noch so gering ist.

Auch das Haus, in dem der Schuss gefallen war, wurde von einer Maklerfirma zum Kauf angeboten. Das Schild von Smith & Partner vor der Veranda war nicht zu übersehen. Fast zeitgleich mit uns trafen zwei Zivilcops ein. Detective Sergeant Ron Banner und Detective Lynn Fairchild waren von der Homicide Squad. Noch stand ja nicht fest, ob das begangene Verbrechen überhaupt ein FBI-Fall war. Ein normaler Mord wäre nämlich in die Zuständigkeit des NYPD gefallen.

Phil und ich trugen unsere Dienstmarken an den Revers. Nachdem wir uns den Zivilcops vorgestellt hatten, brachte ich sie kurz auf den neuesten Stand.

»Dann haben Sie also mit dem Opfer telefoniert, bevor der Schuss fiel, Agent Cotton?«, vergewisserte sich Ron Banner. Er war ein stämmiger Mittfünfziger mit Bürstenhaarschnitt. Ich nickte.

»Ja, falls wirklich Nick Mulligan ermordet wurde.«

»Das werden wir gleich feststellen.«

Mit diesen Worten stürmte der temperamentvolle junge weibliche Detective Lynn Fairchild voran. Sie trug ihr rotblondes Haar zu einer frechen Fransenfrisur geschnitten. Banner, Phil und ich folgten ihr. Vor dem Haus parkten bereits zwei Streifenwagen. Mehrere Uniformierte hatten soeben mit der Durchsuchung von Haus und Garten begonnen, einer hielt neben dem Toten Wache.

»Die Scientific Research Division, der Pathologe und die Männer vom Coroner sind bereits im Anmarsch«, informierte uns der wartende Cop. Ich kniete mich neben den auf der Seite liegenden Leichnam. Licht gab es im Erdgeschoss nicht, aber ich hatte meine Taschenlampe eingeschaltet. Das Spurensicherungsteam würde Scheinwerfer mitbringen. Natürlich war in einem leerstehenden Haus der Strom abgeschaltet. Jedenfalls nahm ich das zu dem Zeitpunkt noch an.

»Das ist eindeutig Nick Mulligan«, sagte ich zu den NYPD-Kollegen. »Ich kenne ihn persönlich.«

Der Paparazzo lag im Eingangsbereich des großen Wohnraums. Hier herrschte größtenteils gähnende Leere. Es gab nur wenige Möbelstücke, die offenbar für einen Abtransport zu wertlos gewesen waren. Auch ein Teppich war nicht mehr vorhanden. Mulligans Blut bildete auf dem Holzfußboden einen großen Fleck. Der Mann war in den Rücken geschossen worden. Das konnte ich erkennen, ohne das Urteil des Gerichtsmediziners abwarten zu müssen. Direkt neben ihm lag eine teure Spiegelreflexkamera. Sie ähnelte dem Modell, das bei unserer ersten Begegnung zu Bruch gegangen war.

Panik hatte Mulligans Gesicht im Tod verzerrt, die gebrochenen Augen waren immer noch weit aufgerissen. Bei unserer ersten Begegnung hatte der Paparazzo eine Lederjacke angehabt, diesmal trug er einen teuren Anzug. Hatte Mulligan etwas Besonderes vorgehabt? Das würden die Ermittlungen zeigen müssen.

Mir war schon bei der Anfahrt aufgefallen, dass der Lamborghini des Opfers einen halben Block vom Leichenfundort entfernt abgestellt war. Wir mussten versuchen, die letzten Minuten vor Mulligans Ermordung zu rekonstruieren. Es kommt nicht oft vor, dass FBI und NYPD schon so kurz nach einer Bluttat vor Ort sind. Das konnten wir ausnutzen. Womöglich hielt sich der Mörder noch in der unmittelbaren Umgebung auf.

Ich wandte mich an den uniformierten Cop.

»Gibt es Zeugen, Officer? Das Opfer ist vermutlich von seinem Auto aus hierhergelaufen, wurde dabei vom Täter verfolgt. Dann hat der Mörder geschossen. In welche Richtung wandte der Mörder sich nach der Tat? Flüchtete er zu Fuß, mit dem Auto oder mit einem Zweirad?«

»Meine Kollegen hören sich in der Gegend um, Agent«, erwiderte der Uniformierte. »Aber in dieser Straße lebt kaum noch jemand. Die benachbarten Häuser sind ebenfalls unbewohnt.«

Wie wir später von anderen Cops erfuhren, hatten die ...

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